Geschichte der Ilchane, das ist der Mongolen in Persien

Chapter 19

Chapter 192,878 wordsPublic domain

Schrecklich waren die Folgen der mongolischen Niederlage, sowohl für die syrischen Christen, als für das Haus Ejub's. Während der Gegenwart der Mongolen zu Damaskus hatten die Christen die ihnen gewährte grössere Freiheit ihres Cultus gegen die Moslimen missbraucht; von allen Kirchen übertönte das Glockengeläute den Ruf der Muesine, und sie trieben den Uebermuth so weit, dass sie Wein in die grosse Moschee trugen. Schon am vierten Tage nach der Niederlage der Mongolen überfielen die Moslimen die grosse, der heiligen Jungfrau geweihte Kirche zu Damaskus und schleiften dieselbe. [RN: 27. Ramasan/7. September] Dies war die Kirche, welche der Chalife Omar II. Ben Asis den Christen eingeräumt hatte, um sie für den Verlust der Kirche des heiligen Joannes zu entschädigen, welche ihnen laut der unter Omar I. (Ben Chattab) abgeschlossenen Kapitulation der Stadt für immer hätte zu eigen bleiben sollen, ihnen aber von Welid, dem Sohne Abdolmelik's, weggenommen und in die grosse Moschee, das Meisterstück saracenischer Baukunst, verwandelt worden war. Kotos hatte bei seinem Auszuge die beiden Fürsten des Hauses Ejub, den von Himss, Sultan Eschref, und Said, einen Enkel Melikolaadil's von seinem Sohne Asis[408], welcher von Hulagu mit dem Besitze von _Sobeibe_ und _Banias_ belehnt worden war, zur Hilfe wider die Mongolen auffordern lassen. Der Herr von Himss empfing den Gesandten des Sultans unterwürfig und trug ihm auf, in seinem Namen die Erde vor den Füssen des Sultans zu küssen, in dem er den Retter des Islams verehre. Said hingegen entliess den Gesandten mit Schimpfreden auf Sultan Kotos[409]; er focht in den Reihen der Mongolen. Nach der Niederlage derselben nahte er sich huldigend dem Pferde des Sultans, um demselben die Hand zu küssen. Kotos, statt ihm die Hand zum Kusse zu gewähren, stiess ihm die Ferse in's Maul, dass das Blut herausschoss; er liess ihn dann enthaupten. Eben so tragisch war das Schicksal Melik Nassir's, des letzten Sultans von Haleb, der mit seinem Bruder sich in seiner alten Residenz befand, wo Hulagu die Nachricht von der Niederlage Keitbuka's[410] erhalten hatte. [RN: 20. Silkide 658/29. Oct. 1260] Hulagu überhäufte den vorigen Herrscher Haleb's mit Vorwürfen, dass die syrischen Truppen, für deren Unterwürfigkeit Nassir gut gestanden, sich auf die Seite der Aegypter gewendet. Nassir antwortete, dass, wenn es ihm erlaubt gewesen wäre, in Syrien zu weilen, kein syrischer Soldat es gewagt haben würde, wider einen Mongolen das Schwert zu ziehen; wie könne aber Syrien von Tebris aus beherrscht werden? -- Hulagu, statt hierdurch besänftigt zu werden, nur noch mehr ergrimmt, schoss einen Pfeil nach ihm, der ihn verwundete. Schone meiner! rief ihm der unglückliche Nassir zu; aber sein Bruder Sahir ermahnte ihn, nicht auf unwürdige Art zu sterben; und er erlag dem zweiten, von Hulagu auf ihn geschossenen Pfeile[411]. Die anderen Prinzen und das Gefolge derselben, in Allem dreihundert Reiter, wurden von dreihundert mongolischen Reitern getödtet, bis auf Einen, den Astronomen Mohijeddin El Mahghribi[412], welchem das Ansehen, worin die Astronomie bei den Mongolen stand, das Leben rettete, und aus dessen Munde der syrische Geschichtschreiber die Umstände dieses Gemetzels erzählt[413]. Mit Melik Nassir und seinem Bruder Sahir fiel hier unter dem mongolischen Schwerte Melik Ssalih, der Sohn Melikol Eschref's, des Herrn von Himss, welcher die von seinem Vater dem Gesandten des Sultans gegebene unterwürfige Antwort jetzt mit dem Leben büsste[414]. Nur das Leben Melikolasis, des unmündigen Sohnes Melikonnassir Jusuf's, wurde verschont. Sein Vater, Nassir Jusuf Ssalaheddin, gleichnamig mit seinem grossen Urgrossvater, hatte nicht nur über ganz Syrien, sondern auch über einen grossen Theil Mesopotamiens, über Haran, Roha, Rakka, Reis Ain, später über Damaskus und bis an Aegyptens Gränze geherrscht, wo er schon zum Sultan ausgerufen, als solcher wieder den Thron dem Hause Ssalaheddin's erworben hätte, wenn ihn nicht in der Schlacht zu _Abbasa_[415] der erste Sultan der Mamluken, der Turkmane Aibek, und die von seinem Vater, Asis, ererbten Mamluken verlassen hätten. [RN: 10. Silkide 649/24. Jan. 1252] Er liebte den Aufwand, besonders den der Küche, in welcher täglich vierhundert Hämmel geschlachtet wurden; übrigens viel zu nachsichtig für Diebe und Räuber, die unter seiner Regierung durch ganz Syrien grassirten. Zu Damaskus hatte er die nach ihm genannte Moschee, zu Ssalihije sein Grabmal erbaut, in welches aber nicht er, sondern der mongolische Emir Kormun begraben werden sollte[416]; der Dichtkunst nicht fremd, Verfasser mehrerer türkischer Gedichte, aus denen Abulfeda das folgende erhalten:

Bei Gott! wenn du mein Herz in Gram versenktest Und statt der Thränen mich mit Blut nur tränktest, So würdest du nur mehren meine Liebe, Und meinem Geist nicht and're Freundin bliebe.

[Randnote: Einrichtungen Syriens; Schlacht bei Himss.]

Sultan Kotos ordnete nach dem Siege von _Aindschalut_ die Verwaltung des nun von der Herrschaft der Mongolen der der Mamluken anheim gefallenen Syriens. Dem Ejubiden Melik Manssur wurde das väterliche Erbe von _Hama_ zurückgestellt, nachdem der mongolische Vogt Chosrewschah daraus abgezogen; auch erhielt er _Barin_ und _Mearret_, welche Melik Nassir, der Sultan von Haleb, schon vor fünf und zwanzig Jahren vom Fürstenthume Hama abgerissen; nur mit _Selimije_ wurde ein arabischer Emir belehnt. Dann zog Kotos, vom Fürsten Hama's begleitet, nach Damaskus, wo er im Triumphe als der Hort des Islams empfangen ward. Viele Tataren wurden hingerichtet, darunter Husein der Kurde, der Beilträger[417] Melik Nassir's; dreissig Christen wurden gehenkt und der christlichen Bevölkerung von Damaskus eine Steuer von hundert fünfzigtausend Dirhem auferlegt. Manssur, der Fürst Hama's, wurde von hier nach Hause entlassen, und von den Dichtern seiner Stadt als Sieger über die Tataren und Wiedereroberer Maarra's bewillkommt[418]. Kotos setzte über die südliche Küste Syriens als Statthalter den Emir Schemseddin von Berlas[419], einer der asisischen Mamluken, welcher in der Schlacht Nassirolmelik's von Haleb wider Aibek, den Mamluken, zu diesem verrätherisch übergegangen, für ihn die Herrschaft Aegyptens entschieden, dann aber, wider ihn Ränke schmiedend, wieder nach Syrien entflohen war, von ihm in _Adschlun_ festgesetzt worden; dann, als Melikonnassir bei Annäherung der Mongolen gegen Aegypten flüchtete, wieder freigelassen, folgte er seinem natürlichen Herrn eine Zeit lang, verliess ihn aber zum zweitenmale und ging zu Kotos über, der ihn nun dafür mit der Statthalterschaft von Ghasa belehnte; die von Damaskus übertrug er dem Emir Alemeddin[420] Senschar von Haleb, dem vorigen Atabeg des Sohnes Aibek's, des ersten Sultans der Mamluken, und die von Haleb, welche der Emirol umera Bondokdar für sich gewünscht hatte, dem Melikes-Said, dem Sohne Bedreddin Lulu's, dem Bruder Ssalih's, dessen schmähliches Ende bereits oben erzählt worden. Er selbst brach von Syrien nach Aegypten auf. [RN: 26. Schewwal 658/5. October] Bondokdar, der Fürst der Fürsten, welchem er die Statthalterschaft Haleb's versagt hatte, verschwor sich wider den Sultan, und dieser wurde schon am zwanzigsten Tage nach seinem Aufbruche aus Syrien zu Kossair, eine Tagreise von Ssalihije, auf der Jagd von den Verschworenen ermordet. [RN: 17. Silkide/25. October] Die Emire Kairo's waren dem als Sieger über die Tataren im Triumphe zurückkehrenden Sultan zum Bewillkomm bis nach Ssalihije entgegen gegangen, wo sie den Mord desselben vernahmen; der Emir Ogotai, welchen Kotos bei seiner Abreise als seinen Stellvertreter an der Spitze der Verwaltung Aegyptens zurückgelassen, fragte, als es sich um die Wahl des Sultans handelte, wer den Kotos getödtet, weil es der Türken Brauch, dass der Tödter die Stelle des Getödteten einnehme. Sie zeigten auf _Beibars Bondokdar_. So besteige du den Thron, sagte Ogotai, indem er ihn bei der Hand nahm und auf den Thron setzte. Ich setze mich darauf, antwortete Beibars, im Namen Gottes; leistet den Eid! An dir ist's, sagte Ogotai, der erste zu schwören, dass du die Emire als deines Gleichen gütig behandeln, dass du ihnen Befehlshaberschaften verleihen, ihre Grade vermehren wirst[421]. Beibars nahm den Titel _Melikol kahir_, d. i. des rächenden Königs, an, den er aber später mit dem von _Melikol-dahir_, d. i. des Offenbaren, vertauschte, und zog zu Kairo unter den Triumphfesten ein, welche für seinen Vorfahrer bereitet worden waren. In Syrien begann unterdessen Aalemeddin, der Statthalter von Damaskus, die geschleiften Mauern wieder aufzubauen, und erklärte sich bald hernach selbst zum Sultan, die Macht des Sultans des Rächenden, des Offenbaren verhöhnend. Zu Haleb hatte Said, der Sohn Bedreddin Lulu's, durch Kopflosigkeit und die unbedeutsame Absendung einer zu schwachen Truppenabtheilung, welche zu _Bire_ am Euphrat von den Mongolen geschlagen wurden, den Hass der Einwohner auf sich geladen. Er ward vor den Thoren der Stadt ergriffen und gezwungen, seine Schätze zu entdecken, welche die Emire unter sich theilten, ihn selbst gefesselt nach Schoghr sandten und seiner statt Hosameddin, den Mailleschläger, zum Statthalter einsetzten; bald darnach erschienen die Mongolen vor Haleb, und Hosameddin flüchtete mit den Emiren nach Hama, die Stadt Haleb der Wuth der Mongolen überlassend. [RN: Silhidsche 658/Nov. 1260] Von Hama zogen sie mit dem Fürsten Hama's und seinem Bruder Efdhal gegen Himss, ihre Streitkräfte mit denen des Fürsten dieser Stadt vereinigend, und lieferten vor Himss den Tataren eine Schlacht, in welcher diese geschlagen abzogen, auf ihrem Rückzuge von dem Befehlshaber Apamia's geharket. [RN: 5. Moharrem 659/10. Dec. 1260] Auch der Statthalter von Ghasa, Abusch von Burlas, empörte sich, wie der von Damaskus, wider Beibars Bondokdar, den neuen Sultan, und dieser und jener wollten die Prinzen von Hama und Himss für sich gewinnen; aber diese gaben ihnen kein Gehör, und nachdem die beiden Thronnebenbuhler Bondokdar's, Senshar und Abusch, geschlagen worden, ward Bondokdar, der Sultan Aegyptens, auch als solcher in Syrien, zu Haleb und Damaskus, zu Hama und Himss anerkannt.

[Randnote: Das Chalifat der Beni Abbas zu Kairo.]

Beibars Bondokdar, der sich den Weg zum Throne durch doppelten Mord gebahnt, erst durch den Moaasem Turanschah's, des letzten Fürsten der Beni Ejub, und dann durch den des dritten Sultans der Mamluken, Kotos, war vor Allem bedacht, seiner Usurpation des Thrones den Mantel der Legitimität umzuhängen. Zu diesem Ende stellte er zu Kairo einen angeblichen Abkömmling des Hauses Abbas, _Abulkasim Ahmed_, welcher für einen Sohn Dahir's, des vorvorletzten Chalifen, ausgegeben ward, als Phantom eines Chalifen auf, der nur dazu diente, kraft seines angestammten Rechts als Chalife durch Verleihung von Titeln die Herrschaft desselben als legitim zu rechtfertigen. Zu Kairo ward feierlicher Einzug desselben veranstaltet, bei welchem die Ulema von Missr und Kahir den Koran, die Rabbinen die Bibel, die Christen das Evangelium voraustrugen. [RN: 5. Redscheb 659/9. Juni 1261] Vier Tage hernach ward in feierlicher Versammlung aller Ulema und Emire das Schauspiel des Beweises der vorgegebenen Abstammung aufgeführt, der angebliche Sohn Dahir's von Beibars als Chalife ausgerufen, und dieser hierauf von ihm, dem rechtmässigen Chalifen, als Sultan Aegyptens und Syriens belehnt. Der Chalife, mit dem schwarzen Mantel des Hauses Abbas angethan, bekleidete den Sultan mit eigener Hand, indem er ihm den Kaftan anzog und goldene Kette um den Hals gab. Beibars ritt auf einem Schimmel durch die Stadt und der Wesir und der Hofmarschall trugen abwechselnd das Diplom des Chalifen, auf ihren Händen über den Kopf emporgehalten, vor. Am nächsten Freitage predigte der Chalife in der Moschee, und als dem Sultan die Predigt zu lange währte, indem er fürchtete, dass der Chalife das Volk und das Heer sich selbst zuwenden könnte, liess er ihm Gold- und Silbermünzen über den Kopf schauern, womit die Predigt zu Ende. Nachdem Beibars durch die Investitur seinen Zweck erreicht, war ihm die Gegenwart des Chalifen überflüssig und konnte ihm sogar gefährlich werden; er setzte also das Schauspiel in noch grösserem Maasstabe fort, indem er ihm einen Hofstaat mit allen Titeln des alten Chalifenhofes beilegte und zweitausend Reiter mit einer Truppe Beduinen beigab, mit denen er zur Wiedereroberung Bagdad's, seiner Hauptstadt, ausziehen sollte. Ihn begleiteten die von Beibars mit den Fürstenthümern von Mossul, Sindschar und Dschesiret belehnten drei Söhne Bedreddin Lulu's. Am Ufer des Euphrats trat _Elhakim_, ein anderer Imam aus dem Hause Abbas, als Nebenbuhler um die Chalifenherrschaft auf. Bondokdar's Schützling zog mit Hilfe der ihm von diesem beigegebenen Truppen zu _Aana_ und _Hadise_ ein, welche ihm Anfangs ihre Thore gesperrt hatten; _Hadise_, das sich widersetzte, wurde mit Gewalt genommen, die Christen und Juden geplündert. Unterdessen zogen die mongolischen Befehlshaber Karabuga mit fünftausend Reitern gegen Enbar und Behadir Ali, der mongolische Statthalter von Bagdad, wider den Abenteurer heran, der als der wahre Chalife seine alte Residenz einzunehmen kam. [RN: 4. Moharrem 660/1. Dec. 1261] Vor Enbar kam es zur Schlacht; der Chalife ordnete die Turkmanen auf dem rechten Flügel, die Araber auf dem linken, er selbst in der Mitte. Behadir's Truppen ergriffen Anfangs die Flucht und stürzten sich die meisten in den Euphrat; als aber eine Truppe Mongolen aus einem Hinterhalte herbeiflog, wichen die Turkmanen und Araber, und der Chalife verschwand. Wie der letzte der Chalifen des Hauses Abbas zu Bagdad, war nun der erste der Schatten-Chalifen aus demselben Hause zu Kairo unter dem Schwerte der Mongolen gefallen. Der Nebenbuhler um diese Schattenherrschaft, der Imam Hakim, welcher sein Geschlecht im fünften Grade von Mosterschid, dem neun und zwanzigsten Chalifen des Hauses Abbas, ableitete[422], flüchtete nach dieser Schlacht nach Aegypten, wo ihn Beibars, dem es bequem und angenehm, einen solchen Münzwardein der Legitimität unter seinen Händen zu haben, die Abstammung desselben aus dem Blute der Beni Abbas gerne anerkannte, ihn aber, den Geflüchteten, im Palaste _Menasirolkebesch_, d. i. Belvedere des Widders, als einen Staatsgefangenen ehrenvoll unterhielt. Sein Geschäft war blos die Ertheilung der Investitur und der Diplome als Titel der Rechtmässigkeit der Herrschaft; er empfing von dem damit Belehnten Geschenke, und schattete so durch vierzig Jahre unter dem Titel von Schatten Gottes auf Erden, Herrscher durch Gottes Befehl[423], während er als Titular-Chalife nur ein Schatten des ehemaligen Chalifen unter des Sklaven-Sultans Befehl. Er selbst, nur ein Titelträger der Herrschaft, stempelte durch die von ihm ausgehenden Diplome die Herrschaft moslimischer Usurpatoren zur rechtmässigen; hierdurch gewann _Beibars_ im Angesicht der moslimischen Welt einen ungeheueren Vortheil über Hulagu, dessen Herrschaftstitel auch nur das Schwert, wie der des Sultans Aegyptens, weil er, nicht Moslim, nie vom Chalifen als rechtmässig legitimirt werden konnte. Hakim war der Stammvater der übrigen ägyptischen Chalifen aus dem Hause Abbas, aus welchem mit ihm zwanzig durch dritthalbhundert Jahre zu Kairo als Drahtpuppen der Sultane figurirten, bis nach dem letzten derselben Selim der Erste, der Erbe Aegyptens, ohne Recht der Geburt, nur als Eroberer Aegyptens, den Chalifentitel annahm, der seitdem dem Titel der osmanischen Sultane beigefügt, wie aus dem Gesagten erhellet, nur der eines Schattens vom Schatten.

[Randnote: Anlass des Kriegs mit Berke.]

Hulagu war im Begriffe, ein neues Heer nach Syrien zu senden und dasselbe dem Besitze des Sultans der Mamluken zu entreissen, als ihn die bis zum offenen Kriege gereifte Misshelligkeit mit _Berke_, dem Herrscher der Mongolen in Kipdschak, dorthin sich zu wenden und seine Waffen von den Ufern des mittelländischen Meeres an die des kaspischen zu übertragen zwang. Die Ursachen dieses, trotz des nachdruckvollsten Vermächtnisses Tschengischan's und der Jasa, welche die Einigkeit zwischen den Gliedern der Familie als die Grundmaxime der Politik des tschengischanischen Hauses einschärft, aufflammenden Familienkriegs waren mehrere, und das Feuer glimmte schon seit längerer Zeit unter der Asche; auch hier sind, wie fast bei allen Kriegen und Feindschaften (von Staaten, wie von Einzelnen), der wirkliche und scheinbare Grund, die Masse, welche schon längst das Gefäss füllt, von dem Tropfen, der es erst überfliessen macht, wohl von einander zu unterscheiden. Die wahre und eigentliche politische Ursache dieses Krieges war der streitige Besitz der Landschaften _Arran_ und _Aserbeidschan_, welche, als ausser dem eisernen Thore von Derbend gelegen, vermöge der Ländertheilung Tschengischan's unter seine vier Söhne nicht zum Jurte des Uluses Dschudschi's gehörig, von diesem jetzt angesprochen ward[424]. Nach dieser Ländertheilung erstreckte sich der Jurt Dschaghatai's von den mittägigen Pässen bis nach Samarkand und Bochara, der Ogotai's lag im Mittelpunkte des Reichs zu _Imil_ und _Kobak_; Tuli besass die angränzenden Länder von _Kialik_ und _Chuaresm_ bis an die äusserste Gränze Kipdschak's und die Länder der _Ssaksinen_; _Dschudschi_ endlich die nördlichen Jurte innerhalb der kaukasischen Pässe. Hulagu, Herr der westlichen Hälfte der Jurte, als Ilchan des durch ihn gegründeten mongolischen Reichs in Persien, konnte unmöglich die Ansprüche des Chanes der goldenen Horde von Kipdschak auf den Besitz der nördlichsten Gränzlandschaften seines Reichs gelten lassen. Dieser politische Grund ward durch persönliche Empfindlichkeiten Hulagu's noch eindringlicher gemacht. Berke's Einfluss hatte auf dem Kurultai nach Mengku's Tode die Wahl der Prinzen für Kubilai wider seinen Bruder Hulagu und Arik Bugha, welche ebenfalls Ansprüche auf die Kaanschaft machten, entschieden. Als der Aeltere der Familie hatte Berke dem Hulagu zu wiederholtenmalen Lehren und Ermahnungen zugesandt, als neubekehrter Moslim hatte Berke besonders das treulose Benehmen Hulagu's gegen moslimische Fürsten, die Verwüstung so vieler Städte, das Blutbad so vieler Menschen und den Ruin des Chalifats hart getadelt. Wiewohl er mein Aelterer, sagte Hulagu, so kann ich sein Hofmeistern doch nicht weiter ertragen; endlich war der Tropfe, welcher das längst gefüllte Gefäss des Grolles überfliessend machte, der folgende. Auf dem Zuge nach Syrien war Bulghai, der Enkel Dschudschi's, aus seinem fünften Sohne Scheiban, gäh nach einem Gastmahle gestorben, und sein Vetter _Kutar_[425] wurde angeklagt, durch Zauberei den Tod desselben bewirkt zu haben. Hulagu, der es nicht auf sich nehmen wollte, ihn zu richten, hatte ihn in Begleitung Sundschak Nujan's nach Kipdschak geschickt, um dort vor dem Throne Berke's, seinem natürlichen Richter, Rede zu stehen. Berke sandte denselben wieder zurück und Hulagu liess an ihm das Todesurtheil vollstrecken; zugleich mit ihm ward auch _Ssadreddin Sawedschi_ als der Zauberei schuldig angeklagt und hingerichtet; [RN: 17. Ssafer 658/2. Febr. 1260] da auch bald darauf Kuli, der dritte Prinz des Uluses Dschudschi, welcher diesen Feldzug mitmachte, gestorben, und ihre Angehörigen sich nach Kipdschak geflüchtet hatten, brach die politische Feindseligkeit und persönliche Empfindlichkeit in die offenen Flammen des Familienkriegs aus. Ein Heer von dreissigtausend Kipdschaken, welches _Nokai_, der Vetter des hingerichteten _Kutar_, befehligte, war von Derbend aufgebrochen und vor Schamachi, der Hauptstadt Schirwan's, gelagert.

[Randnote: Verkehr zwischen Kipdschak und Aegypten.]