Geschichte der Ilchane, das ist der Mongolen in Persien
Chapter 18
Hulagu befand sich nach der Eroberung von Damaskus, mit den Plänen weiterer ägyptischer Eroberung beschäftigt, zu Haleb, als er die Nachricht von dem Tode seines Bruders, des grossen Kaan's Mengku, erhielt. Er brach sogleich auf, wie es scheint in der Absicht, die oberste Herrschaft des Reichs im Kurultai zu Karakorum für sich selbst anzusprechen, erfuhr aber schon zu Tebris, dass sein Bruder Kubilai zum _Kaan_ und _Moilchan_ ausgerufen worden, und kehrte in der Folge wieder nach Haleb zurück. Ehe er Haleb verlassen, befahl er die Schleifung der Mauern und des Schlosses von Haleb, was vollzogen ward; den Oberbefehl über das Heer liess er in den Händen Keitbuka's, des bisherigen Befehlshabers des Vortrabs. Dieser war im zauberischen Thale von _Ghuta_ gelagert, welches durch die üppige Fülle seines Grüns und Baumwuchses eines der vier Paradiese des Ostens (die drei anderen sind die Auen von _Obolla_ an der Mündung des Euphrats, das Zauberthal _Schaab Bewwan_ in Fars und die Ebene von _Soghd_ im Lande jenseits des Oxus). Wiewohl diese vier vorzugsweise die Paradiese des Ostens heissen, so zählen doch genauere Geographen und eifrige Moslimen deren acht, indem nach der Lehre des Koran's die Zahl der Höllen sieben, die der Paradiese aber acht, indem Gottes Grimm minder als seine Huld und jenseits wie diesseits verdiente Strafe von unverdienter Gnade überwogen wird. Diese vier anderen Paradiese sind das Thal von _Tebris_[388], das von _Mamschanrud zu Hamadan_, der Sommeraufenthalt der Bewohner Malatia's zu _Sebusi_[389], dem vom Flusse des Messias bewässerten Thale, und endlich das des _Bosporos_, dessen Schönheiten nach dem bekannten Distichon des türkischen Dichters _Melhemi_ die Schönheiten der vier ersten Paradiese weichen müssen[390]. Im schönen Thale von Ghuta gelagert, empfing Keitbuka Gesandte der Franken, welche ihm den Prinzen _Sahir_, den Bruder Jusuf Nassir's, des ehemaligen Sultans von Haleb, zuführten. Keitbuka bestätigte ihn im Besitze seines Leibgedinges, nämlich der Herrschaft von _Ssarchad_[391]; eine Heeresabtheilung wurde unter Kuschluchan's Befehl gegen Nablus (Neapolis) gesandt, das alte, zwischen den Bergen _Garazin_ und _Tobal_, welche die Kibla der Samaritaner, gelegene _Sichem_[392], und die Besatzung, welche ausfiel, zusammengehauen. Die Mongolen kehrten das grosse syrische Gestade bis hinunter nach Ghasa sengend und brennend aus. _Panias_[393], die anderthalb Tagreise nordöstlich von Damaskus gelegene kleine Stadt, wurde verheert. Während dieser Begebenheiten ward Keitbuka Herr von Nassir's, des flüchtigen Sultan's von Haleb, Person. Nur von seinem Bruder Sahir, dem Melik Ssalih Nureddin, dem Sohne des Herrn von Himss, und drei kaimarischen (richtiger kimerischen) Emiren (gebornen Chuaresmiern) begleitet, war er bis nach Kathije an Aegyptens Gränze gekommen, von wo, sich nicht weiter in's Land wagend, er nach Schaubek und, alles seines Gepäckes und Gefolges verlustig, sich nach _Kerek_ und von da nach _Belka_ begab. Durch zwei kurdische Hellebardiere an Keitbuka verrathen, wurde er am See von Sisa ergriffen und vor Keitbuka geführt, der belagernd vor _Adschalun's_ Mauern stand. Keitbuka zwang ihn, den Belagerten den Befehl der Uebergabe zuzurufen; die Stadt ergab sich und die Mauern derselben, welche Iseddin, einer der Emire Ssalaheddin's, erbaut[394], wurden geschleift. Keitbuka sandte den Sultan Nassir mit seinem Bruder _Sahir_, mit _Ssalih_, dem Sohne des Sultans von Himss, und mit _Asis_, dem minderjährigen Sohne von Moghis, dem Sultan von Kerek, nach Tebris in die Gegenwart Hulagu's. Dieser empfing die vier Prinzen des Hauses Ejub gnädig und versprach dem Sultan von Haleb, ihm sein väterliches Erbe zurückzustellen, sobald Aegypten im Besitze des mongolischen Heeres.
[Randnote: Keitbuka's Stellung gegen die Kreuzfahrer in Aegypten.]
Wiewohl Keitbuka wie Hulagu die Christen als die Feinde seiner Feinde, der Moslimen, begünstigte, so ergrimmte er doch wider die Franken von Sidon und Beaufort, welche einige den Mongolen zinsbare, im Gebiete von Beaufort gelegene saracenische Ortschaften geplündert, mehrere der Bewohner getödtet, andere in Gefangenschaft geschleppt, einen Neffen Keitbuka's, welcher an sie gesendet worden, um die gemachte Beute zurückzubegehren, erschlagen hatten und dem Keitbuka Zurückstellung der Beute und Genugthuung verweigerten. Keitbuka züchtigte sie dafür durch die Eroberung von Sidon und die Schleifung eines Theiles der Stadtmauer. Die Einwohner flüchteten in die nächst der Stadt auf einer Insel gelegene Burg. Durch diese Feindseligkeit wurde das bisherige Zutrauen der syrischen Christen und Mongolen für immer zerstört[395]. Die politische Zuneigung Hulagu's für die Christen ward hauptsächlich durch die Frauen, durch die Frau Tokus, die erste Gemahlin und grosse Frau Hulagu's, seine Begleiterin auf diesem Feldzuge, und durch Hethum, den König Kleinarmeniens, bestärkt. Diesem dankte sein Eidam, der Prinz von Antiochien, einzig seine Rettung, indem sonst nach Haleb's Ruin der Antiochien's wohl unvermeidlich gewesen wäre. Hulagu sandte ihm aber Geschenke und Diplom, wodurch der Fürst von Antiochien wieder in den Besitz aller, zu seinem Fürstenthume gehörigen, ihm von den Saracenen entrissenen Ortschaften eingesetzt ward[396]. Der grössere Theil des mongolischen Heeres war theils in Mesopotamien, mit der Belagerung oder Huth der dortigen Städte beschäftigt, theils in Syrien zu Grunde gegangen, theils dem Hulagu bei seinem Aufbruche von Haleb gefolgt; Keitbuka blieb mit nicht mehr als zehntausend Mongolen zur Eroberung Aegyptens oder doch wenigstens zur Huth Syriens wider Aegypten zurück[397]. Keitbuka war zu Damaskus auf die Vertheidigung und den Schutz Syriens bedacht, als er die Nachricht von dem Anmarsche des Sultans von Aegypten, _Mois Seifeddin Kotos_, erhielt, in dessen Gefolge sich _Melik el Manssur_, der Sultan von Hama, mit seinem Enkel _Efdhal_, dem Vater Abulfeda's, des grossen Geographen, Geschichtschreibers, und andere moslimische Fürsten befanden, welche sich bei der Annäherung der Mongolen nach Aegypten geflüchtet und bei dem Sultane der Mamluken vom Nile den Schutz gesucht, den ihnen ihre Uneinigkeit wider die Mongolen nicht gewährte. _Kotos_, der erst seit einem halben Jahre auf dem Throne sass, war der dritte der Sultane Mamluken, welche denselben seit dem, der Gefangenschaft des heiligen Ludwig gleichzeitigen, Ruine des Hauses Ejub gefüllt; denn nachdem Melikolmoaasem Turanschah in dem Aufruhre der Mamluken zwischen Gluth und Fluth, halb versengt und halb ertränkt[398], endlich von den Pfeilen der Rebellen ereilt, geendet hatte, war die Herrschaft Aegyptens erst in den Händen der Frau _Schedschreteddurr_, d. i. Perlenbaum, der Gemahlin Ssalih's, des vorletzten Sultans der Beni Ejub, und ihres Gemahls, des Turkmanen _Iseddin Aibek Dschaschnegir_, d. i. Glaubensehre, Mondfürst, Truchsess, den sie aber selbst durch ihre Sklavinnen im Bade ersticken liess, als sie vernommen, dass er die Tochter Bedreddin Lulu's von Mossul zur Gemahlin nehmen wolle. Seine Mamluken setzten dessen fünfzehnjährigen Sohn auf den Thron und rächten des Vaters Mord durch den der Frau Perlenbaum, deren Leichnam aus der rothen Burg[399], in der sie unumschränkt befahl, hervorgezogen, nackt in den Graben geworfen ward. An der Spitze der Bluträcher stand der Emir Atabeg, Oberbefehlshaber des Heeres Seifeddin Kotos, welcher unter dem scheinbaren Grunde, dass der Mongolen drohende Gefahr statt des unerfahrenen Jünglings einen kräftigen Mann zum Herrscher Aegyptens dringend fordere, den Sohn Aibek's schon nach dritthalb Jahren des Thrones, worauf er ihn gesetzt, entsetzte und diesen selbst als Sultan Aegyptens einnahm.
[Randnote: Begebenheiten zu Damaskus; Mord der mongolischen Botschafter zu Kairo.]
Am dritten Sonntage des Monats Ssafer waren die Abgeordneten Hulagu's, vom Richter _Muhijeddin Ben Seki_ begleitet, angekommen, welcher sich nach Haleb begeben hatte und dort von Hulagu zum Oberrichter ganz Syriens ernannt worden war. [RN: 19. Ssafer 658] Am folgenden Morgen versammelten sich die Bewohner ohne Furcht in der grossen Moschee; _Ibn Seki_, mit dem Ehrenkleide Hulagu's angethan, las den versammelten Rechtsgelehrten das Diplom der Investitur (_Taklid_) des mongolischen Herrschers und die Fermane, wodurch den Bewohnern von Damaskus Sicherheit ihres Lebens und Gutes versprochen ward. [RN: 16. Reb. ewwel 658/3. März 1260] In der Hälfte des folgenden Monates waren die Generale Hulagu's an der Spitze einer zahlreichen Truppenabtheilung von Tataren im Geleite _Keitbugha Nujan's_ erschienen und bald darauf wurde durch ein Diplom der Richter _Kemaleddin Omer_ von Tiflis zum Stellvertreter der richterlichen Gewalt (_Naibol-hukm_) ernannt, so dass er als Richter der Richter in den Städten Syriens zu Mossul, Mardin und Miafarakain Recht sprach. Dasselbe Diplom verlieh ihm die Aufsicht der Moscheen und der frommen Stiftungen. Die Tataren hatten indessen ganz Syrien überschwemmt; sie waren bis _Ghasa_, _Beit_, _Dschibrail_, _Hebron_ und _Ssalt_ vorgedrungen, hatten überall geplündert und Sklaven gemacht und verkauften die Beute auf den Märkten von Damaskus[400]. Die Christen von Damaskus, welche einen besonderen Schutzbefehl Hulagu's zu Gunsten freier Religionsübung erhalten hatten, übernahmen sich in der ihnen zugestandenen Freiheit gegen die Moslimen, indem sie im Ramasan öffentlich auf den Gassen Wein tranken und denselben vor den Moscheen ausschütteten; sie zogen mit dem Kreuze durch die Strassen und zwangen die Kaufleute, demselben aufzustehen, die sich dessen Weigernden misshandelnd; Prozessionen zogen mit dem Kreuze nach der Kirche der heiligen Jungfrau, von deren Kanzel der Triumph des Christenthums über den Islam verkündet ward. Die gekränkten und misshandelten Moslimen beschwerten sich darüber beim mongolischen Statthalter, von dem sie, statt Ausrichtung zu erhalten, mit Schlägen abgefertigt wurden; er überhäufte die christlichen Priester mit Ehren, besuchte ihre Kirchen und begünstigte offenbar das Christenthum. Eine merkwürdige Epoche für die Geschichte christlicher Kirchen in Syrien während der mongolischen Herrschaft unter der Statthalterschaft Keitbugha's; aber diese dauerte nicht lange, denn _Melik Eschref_, der ejubidische Fürst von Himss, erschien mit einem Diplome Hulagu's, welches ihn zum Statthalter über ganz Syrien bestellte. Indessen hatte der Emir _Bedreddin Mohammed Ben Kermdsche_, der Festungsbefehlshaber der Citadelle von Damaskus, und der Emir _Dschelaleddin Ben Seirafi_ den Entschluss gefasst, die Thore der Citadelle zu schliessen und sich darin wider die Mongolen zu vertheidigen. _Keitbugha_ begann die Belagerung des Schlosses. [RN: 6. Rebiulachir 658/10. März 1260] Dieselbe dauerte fünf und vierzig Tage mitten unter fürchterlichen Ungewittern, die mit Erdbeben begleitet waren; mehr als zwanzig Wurfmaschinen schleuderten Felsenstücke wider die Mauern, um sie zu erschüttern, während eine Menge anderer Häuser durch das Erdbeben einstürzten, und mit den Blitzen kreuzten sich die Flammengeschosse des Naphta. [RN: 22. Dschem. ewwel/7. Mai 1260] Nachdem die Belagerten endlich zu kapituliren begehrt, plünderten die Tataren das Schloss, zündeten dasselbe an mehreren Ecken an, schleiften mehrere Thürme und zerstörten alle Kriegsmaschinen; von hier zogen sie nach _Baalbek_, wo die Citadelle ebenfalls zerstört ward; eine andere Heeresabtheilung verheerte _Bamias_ und die Umgegend. Hulagu, nachdem er von Haleb abgezogen, liess dort den Keitbugha und zu Damaskus den _Baidera_ als Statthalter zurück und führte sieben Emire der Mamluken _Bahri_, d. i. derer vom Nile, mit sich. Bald darauf erschienen Botschafter Hulagu's mit einem Schreiben[401] an _Kotos_ voll Drohungen, dessen Inhalt in den folgenden Schlussworten desselben zusammengedrängt ist: »Sag' dem Lande Aegypten, Hulagu kommt, begleitet von entblössten Degen und schneidenden Schwertern; er wird die Mächtigen demüthigen, die Grossen zurechtweisen und die Kinder nachsenden den Greisen.« Im gehaltenen Kriegsrathe der Emire wurde beschlossen, die Botschafter Hulagu's, es waren deren vier an der Zahl, zu vernichten; vor der Hand wurden sie aber nur in den Kerker geworfen[401]. [RN: 15. Schaaban 658/Juli 1260] Hälfte Schaaban's zog Sultan Kotos, von seinen Truppen begleitet, aus dem Schlosse Kairo's gegen Ssalihije aus. Unmittelbar vor seinem Auszuge wurden die vier mongolischen Botschafter an vier der volkreichsten Plätzen der Stadt, nämlich am Fusse des Schlosses, ausser dem Thore _Soweila_[402], dem Thore _Nassr_ und zu _Ridhania_ entzweigehauen, ihre Köpfe an dem Thore _Soweila_ aufgehangen; vier bedeutungsvolle Stätten, mehr als einmal in der späteren mamlukischen und osmanischen Geschichte und bis in unsere Tage herunter durch die Schlachten von Heeren und das Schlachten von Menschenopfern blutig befleckt; durch das Thor _Nassr's_, d. i. des Sieges, zogen die jeweiligen Eroberer Kairo's triumphirend ein, am Fusse des Bergschlosses rann das Blut der letzten, von Mohammed Ali veranstalteten Mamlukenvesper; in der Schlacht von _Ridhania_ zwischen Sultan _Selim_, dem Eroberer Aegyptens, und Sultan Tumanbai, dem letzten Sultan der Mamluken, wurde das tragische Schicksal des letzten entschieden, und am Thore _Soweila_, wo jetzt die Köpfe der vier entzweigehauenen mongolischen Botschafter hingen, baumelte dritthalbhundert Jahre später der Kopf _Tumanbai's_, des letzten Sultan's der Mamluken Tscherkessen. Im Gefolge der mongolischen Gesandten befand sich ein Kind, welches der Sultan begnadigte und unter die Zahl seiner Mamluken aufnahm. Wassaf erzählt diese Botschaft und das Sendschreiben derselben auf eine im Wesentlichen zwar übereinstimmende, in den Nebenumständen aber abweichende Weise. Nach ihm waren nicht vier Botschafter, sondern nur Einer, von vierzig Dienern begleitet, und die Botschaft lautete: »Gott hat dem Hause Tschengischan's die Weltherrschaft zuerkannt; der sich Uns unterwirft, hat sich und seiner Familie Leben und Gut gerettet. Der Ruf Unseres unzählbaren Heeres geht demselben wie die Heldensage _Rustem's_ und Isfendiar's voraus; sende unterwürfige Botschaft und komme selbst, um einen Vogt in Aegypten zu bitten; wenn nicht, so sei gerüstet zum Kriege.« Sultan Kotos berief bei Ankunft der mongolischen Botschaft seine sechs chuaresmischen Emire[403], welche nach der Zerstörung der chuaresmischen Länder sich von Achlath nach Aegypten geflüchtet und hier besonders zur Erhebung Sultans Kotos auf den Thron beigetragen hatten. »Hulagu«, sagte er ihnen, »wäre schon in Aegypten eingefallen, wenn ihn nicht die Nachricht von des Bruders Tod aus Syrien abgerufen hätte; er hat aber den Keitbuka an der Gränze zurückgelassen, der das Land wie ein grimmiger Löwe und wüthiger Drache zu verheeren droht und dem Niemand zu widerstehen im Stande; was denket ihr hierüber!« Der sechste Emir, _Nassireddin Kimeri_[404], von welchem die kimrischen oder cimerischen Mamluken ihren Namen haben, sprach: »Es wäre keine Schande für uns, dem Hulagu, als dem Sohne Tului's, dem Enkel Tschengischan's, entgegen zu gehen; welcher Vernünftige wird sich aber selbst vergiften und muthwillig dem Tode entgegen gehen? Die Beweise seiner Treulosigkeit liegen in dem Schicksale der Herren von Alamut, Deriteng, Irbil, Miafarakain und des Chalifen offen.« Kotos sprach im selben Sinne und endete so: »Mir bleibt nur eines von dreien zu wählen übrig: Freundschaft, Feindschaft oder Auswanderung.« Alle stimmten für den Krieg. Kotos berieth sich noch insbesondere mit _Bondokdar_, dem Emirol umera, dem ersten der ägyptischen Mamluken, welcher sich schon seit zehn Jahren dadurch, dass er der erste den Todesstreich wider Melik Moaasem, den letzten Herrscher Aegyptens aus dem Hause Ejub, führte, Namen und Ansehen erworben und seitdem als Fürst der Fürsten behauptet hatte. _Bondokdar_, d. i. der Bogenhalter, der Kipdschake, dessen ursprünglich türkischer Name _Beibars_, d. i. Beg Panther, und der später als Sultan Aegyptens der Schrecken der Franken in Syrien wie der Mongolen, rieth zum Morde des Gesandten; noch in derselben Nacht blutete der Gesandte und seine vierzig Begleiter bis auf einen als Martyrer mamlukischen diplomatischen Verkehrs; ihre Köpfe wurden am Thore _Soweila_ aufgesteckt, und am Morgen brach Kotos mit zwölftausend Reitern gegen Syrien auf.
[Randnote: Schlacht von Aindschalut. 25. Ramasan 658/3. Sept. 1260]
Zu _Ssalihije_, dem Vereinigungspunkte des ägyptischen Heeres, fand _Kotos_ Widerwillen bei seinen Emiren, wider den Feind zu ziehen; mit den Worten: »Ich werde allein wider die Tataren ziehen«, schloss er den Kriegsrath, indem er bei einbrechender Nacht die Trommeln zum Aufbruche zu rühren befahl. Der Emir _Beibars Bondokdari_ (der nachmalige Sultan der Mamluken) erhielt den Befehl, mit einer Truppenabtheilung vorauszueilen, um Erkundigung vom Feinde einzuziehen. Alsbald er vor den Mauern Ghasa's erschienen, wurde die Stadt geräumt. _Kotos_ folgte ihm auf dem Fusse nach; aus _Aka_ kamen ihm die Franken mit Anerbietung von Hilfe und Begleitung entgegen. Er lehnte den Antrag ab und forderte nur das Versprechen der strengsten Neutralität, deren Verletzung er zu züchtigen drohte[405]. Zu _Aindschalut_, d. i. am Quelle Goliath's, zwischen _Beisan_ und _Nablus_, kam es zur entscheidenden Schlacht. _Keitbugha_ und _Baidera_, die beiden Feldherren, Statthalter Hulagu's zu Damaskus und Haleb, hatten alle in Syrien befindlichen tatarischen Streitkräfte versammelt. Am ersten Freitag des Septembers brauste alsbald nach Sonnenaufgang das ganze weite Thal vom Pferdegewieher und Waffengetöse; das Geschrei der Dorfbewohner tönte in den unaufhörlich fortrollenden Trommelwirbel der Capelle des Sultans und der Heermusik seiner Emire[406]. Die Aegypter gebrauchten die Kriegslist, sich dem mongolischen Heere in weissen Burken, d. i. mongolischen Pelzen, zu nahen, so dass sie von den Mongolen für Schaaren Ihriger gehalten wurden[407]. Einer der Flügel des ägyptischen Heeres war bereits in Unordnung und gebrochen; Sultan _Kotos_ warf seinen Helm zur Erde und schrie aus allen Kräften: »o Islam!« Er stürzte sich mit allen, die um ihn waren, auf den Feind und kämpfte mit äusserster Unerschrockenheit. Die Mongolen flüchteten in's Geröhricht des sumpfigen Thales; Kotos befahl, das Geröhricht anzuzünden, und sie gingen zwischen Feuer und Schwert elend zu Grunde. Der Emir _Beibars_ that Wunder der Tapferkeit vor den Augen des Sultans. Als dieser mitten im Gemenge der Schlacht, spannte der mongolische Knabe, welchem Kotos aus Mitleiden mit seiner Jugend beim Gesandtenmorde das Leben gerettet hatte, seinen Bogen von rückwärts auf den Sultan, um durch dessen Tod das vergossene Blut der Brüder zu rächen; nach Einigen wurde er auf der Stelle von den ihn Umgebenden, welche seines Vorhabens gewahr, zusammengehauen, noch ehe der Pfeil abgeflogen; nach Anderen, erst nachdem er denselben abgeschossen und damit das Pferd des Sultans verwundet hatte, welches denselben abwarf. Die Mongolen wurden von den Tataren bis in die Nähe von _Beisan_ verfolgt, wo sie sich umwandten und noch einmal Stand machten zum hartnäckigsten Gefechte. Die Moslimen wankten, da schrie Sultan Kotos dreimal mit lauter Stimme: »o Islam! o Gott, schütze deinen Diener Kotos und verleihe mir Sieg über die Tataren!« Als diese zum zweitenmale besiegt, stieg der Sultan vom Pferde, warf seine Stirne in Staub und verrichtete ein Dankgebet von zwei Verbeugungen. Nach Makrisi ward _Keitbugha_ in der Schlacht getödtet, nach Wassaf gefangen vor Kotos geführt. »Sei nicht stolz«, sagte der mongolische Feldherr dem Sultan der Mamluken, »auf deinen Sieg, dem die Rache auf dem Fusse folgen wird. Von Aserbeidschan nach Aegypten wird die Erde vom Hufe mongolischer Pferde gestampft, welche den Sand Aegyptens in Säcken davon tragen werden. Hulagu hat dreimalhunderttausend tapfere Reiter, von denen ich nur Einer.« -- »Prahle nicht«, sagte Kotos, »mit eueren Heeren, die nur durch Treulosigkeit siegen.« -- »Ich bin«, entgegnete Keitbugha, »meinem Herrn nur treu gewesen, nicht, wie du, ein Verräther am selben; mach' es kurz mit mir!« Er wurde enthauptet. Das ganze mongolische Heer fiel in die Hände der Sieger, die nun ganz Syrien verheerend durchstreiften. Die Vögte wurden getödtet, die Weiber und Kinder in Gefangenschaft geschleppt, der Kopf Keitbugha's nach Kairo gesandt und auf dem Thore _Soweila_ aufgesteckt. Hulagu ward von der Kunde der verlorenen Schlacht und des getödteten Feldherrn tief betrübt; es war die erste Niederlage, welche seine Heere erlitten hatten; er brach noch am selben Tage mit seinem Lager auf. _Melik Nassir Jusuf_, der Sohn von _Melik Asis_, der ehemalige Fürst von Damaskus, war kurz vorher zu Hulagu gekommen, von ihm mit Ehren überhäuft, seiner innersten Gesellschaft beigezogen und neben ihm auf einen Thron gesetzt worden; mit einem Diplome zum Fürsten Syriens und Aegyptens eingesetzt, mit Ehrenkleidern und Geschenken überhäuft, hatte er die Strasse Syriens eingeschlagen; aber nachdem die Nachricht der Niederlage von _Aindschalut_ eingetroffen, liess ihn Hulagu einholen und im Gebirge von Selmas hinrichten; [RN: 12. Schewwal/22. Sept.] dasselbe Schicksal theilte Melik Sahir Ghasi, Bruder Nassir's, Melik Ssalik, Sohn Schirkjuh's, und andere Prinzen des Hauses Ejub; Tokus Chatun, die Gemahlin Hulagu's, hatte für _Melik Asis_, den Sohn Nassir's, fürgebeten, und er wurde, der Einzige aus den bei Hulagu befindlichen Prinzen des Hauses Ejub, gerettet, wie diess sogleich unter den Folgen, welche die Schlacht von _Aindschalut_ für die Christen und das Haus Ejub's hatte, umständlicher erzählt werden soll. Sie erhielten den verdienten Lohn dafür, dass sie, statt mit anderen Fürsten, ihren Stamm- und Glaubensgenossen, sich wider den hereinbrechenden Feind des Islams zu verbünden, demselben gehuldigt hatten; eine oft wiederholte und dennoch nur selten fruchtende blutige Lehre der Geschichte.
[Randnote: Folgen der Schlacht von Aindschalut für die Christen und das Haus Ejub's.]