Geschichte der Ilchane, das ist der Mongolen in Persien
Chapter 15
Nach Bagdad's Eroberung befehligte Hulagu den _Oroktu Nujan_ zur Eroberung Irbil's, der zwischen dem grossen und kleinen Sab, zwei Tagreisen von Mossul gelegenen Hauptstadt des oberen Kurdistan's, welches durch die Bauten des erst vor acht und zwanzig Jahren[308] verstorbenen turkmanischen Fürsten _Kewkebusi Ben Ebul Hasan Ali_ damals eine der blühendsten Städte des persischen Irak. Dieser edle Fürst, von welchem die europäischen Geschichtschreiber bisher nicht die geringste Kunde genommen, ist einer der wohlthätigsten des Islams und verdient als solcher sehr wohl seinen doppelten Ehrennamen _Melik Moaasem Mosaffereddin_, d. i. des grossgeehrten, durch die Religion siegreichen Königs. Täglich speiste er Arme und kleidete sie im Winter; alljährlich sandte er Commissäre in die Häfen, um Gefangene auszulösen, und nach Mekka, um die Pilgerkarawane mit Speise und Trank zu versehen. Zu Mekka führte er die erste Wasserleitung vom Aarafat und baute mehrere Wasserbehälter, zu Irbil gründete er ein Dutzend wohlthätiger Anstalten, mehrere solche, von denen weder vordem noch seitdem im Islam gehört worden; nämlich: ein Haus für Findelkinder, eine Anstalt für Ammen und Säuglinge, eine Versorgungsanstalt für Wittwen, ein gemeines Krankenhaus, ein besonderes Spital für Blinde, ein Karawanserai, in welchem die Reisenden nicht nur umsonst bewirthet, sondern auch noch ausserdem mit Reisegeld versehen wurden, ein Kloster, eine Medrese, an welcher Muderrise für die beiden Ritus Hanefi und Schafii, und endlich eine Moschee, an welcher alljährlich das Fest der Geburt des Propheten mit einer Pracht und einem Zulaufe von Menschen begangen ward, wie vordem und seitdem nirgends. Von Mossul, Sindschar, Dschesire, Nissibin strömten die Besucher, Prediger, Redner, Dichter, Koranleser, Ssofi nach Irbil; einen ganzen Monat vor dem Feste waren zwischen der Moschee und dem Kloster zwanzig, drei Stock hohe Dome aus Brettern aufgeschlagen, von deren Gallerien Dichter declamirten, Redner sprachen, Schattenspieler die Zuschauer unterhielten. Täglich nach dem Nachmittagsgebete begab sich Mosaffereddin zu diesen Domen, wohnte in der Nacht im Kloster dem Reigen der Ssofi bei und ging nach dem Morgengebete auf die Jagd. Am Geburtsfeste selbst ward eine unzählbare Menge von Kameelen, Rindern, Schafen unter Musik auf den Platz gebracht, geschlachtet, gesotten und gebraten, während der Nacht die Stadt erleuchtet und am folgenden Tage die Gäste an zwei grossen Tafeln, deren eine für die Vornehmen, die andere für das Volk, bewirthet; im Schlosse walzten die Derwische, von den Gallerien wurden die Hymnen des Gebets abgesungen, die Sänger, Prediger und Derwische reichlich beschenkt. Mosaffereddin wurde in der Nähe von Kufa, seine Gemahlin Rebiaa am Berge Kasiun bei Damaskus in der von ihr gestifteten Medrese bestattet. In keiner Schlacht besiegt, von keinem anderen Fürsten in Stiftungen der Wohlthätigkeit übertroffen, verdient dieser turkmanische Fürst von Irbil wohl den Namen _des durch die Religion siegreichen, grossmächtigen Königs_[309]. Das Schloss von Irbil erhebt sich auf einem vereinzelten Berge, während die Stadt in der Ebene. Tadscheddin, der Sohn Salaje's (des oben erwähnten Befehlshabers des Passes von Deriteng [Engthor]), war bereit, die Stadt zu übergeben; aber die Kurden gehorchten ihm nicht. Oroktu begehrte Hülfstruppen von Bedreddin Lulu, dem Fürsten Mossul's, der sie ihm auch sandte und den guten Rath ertheilte, den Sommer abzuwarten, weil dann die Kurden nicht mehr im Schlosse aushalten, den Gebirgen zueilen würden. Oroktu übergab die Belagerung dem Bedreddin, dessen Vorhersagung durch den Abzug der Kurden im Sommer erfüllet ward; er schleifte die Mauern. Hulagu schickte einen Theil der erbeuteten Schätze mit dem Siegesberichte seines Eroberungszuges an den Bruder Kaan, den grössten Theil derselben aber speicherte er in dem am See Urmia auf unbezwinglichem Felsen gelegenen Schlosse Tala (das heute Gurtschinkalaa heisst) auf; eine vereinzelte, auf drei Seiten unzugängliche Felsenmasse, welche den englischen Reisenden Porter an den Königstein in Sachsen erinnerte und welche ein Steiermärker die persische _Riegersburg_ nennen würde[310]. Bedreddin Lulu, der neunzigjährige Fürst von Mossul, wartete dem Eroberer Persiens, für den er Irbil eroberte, zu Meragha auf; [RN: 7. Schaaban 654/9. August 1258] ebenda _Atabeg Saad_, der Salghure, Herr von Fars, und die beiden seldschukischen Prinzen von Rum, Isededdin und Rokneddin. Hulagu war über jenen sehr ungehalten, weil er wider Baidschu Nujan sich zu schlagen gewagt. Um den Erzürnten zu versöhnen, stellte sich Isededdin zur Audienz mit einem Geschenke von einem Paar Pantoffeln, deren Sohlen sein Portrait eingestickt war, und mit der Bitte dar, dass der Padischah auf diese Weise ihn, den Sklaven, unter den Sohlen in den Staub tretend, adeln möge. Hulagu verzieh ihm, durch diese Schmeichelei besänftigt und auf die Fürbitte der Frau Tokus. Einen schönen Gegensatz zu dieser niederträchtigen Schmeichelei des Sultans von Rum bildet die Freimüthigkeit des Astronomen Nassireddin von Tus, welcher dem Eroberer in Erinnerung brachte, dass, als Chuaresmschah erobernd bis Tebris vorgedrungen, er auf die wider die Ausschweifungen seines Heeres vorgebrachten Klagen geantwortet: _Ich kam als Welteroberer und nicht als Welterhalter_[311]; Hulagu antwortete: Ich bin, Gott sei Dank! sowohl Welteroberer als Welterhalter und kein Schwächling, wie Dschelaleddin von Chuaresm. Den ersten Beweis von der Wahrheit dieses Wortes gab Hulagu durch den Bau der Sternwarte von Meragha, deren Grund jetzt gelegt, aber deren Bau erst unter der folgenden Regierung vollendet ward. Vier Astronomen[312] von Damaskus, Kaswin, Achlath und Mossul waren die Gehilfen Nassireddin's von Tus, der an dieser Sternwarte die ilchanischen Tafeln verfertigte, die, vollkommener als die früheren[313], ein bleibendes Denkmal des Ruhmes des Ilchans, Erbauers der Sternwarte und des an derselben beobachtenden grossen Astronomen Nassireddin's von Tus.
[Randnote: Herrscher Gross- und Klein-Luristan's]
Von den Fürsten, welche dem neuen _Ilchan_ oder Landesherrn nach Bagdad's Eroberung zu huldigen kamen, ist bereits des Salghuren von Fars und des Seldschuken von Rum, sowie des Atabegen von Mossul, Bedreddin Lulu's, welcher bei Irbil's Eroberung hilfreiche Hand geleistet, Erwähnung geschehen, und es wird von ihnen noch weiter unten die Rede sein; doch hier ist noch von anderen Fürsten zu melden, deren Staaten nun in unmittelbarer Berührung mit der mongolischen Macht, derselben sich nur scheinbar oder erst durch Gewalt gezwungen unterworfen; solche waren die Atabege von Gross- und Klein-Luristan, die Könige Gross- und Klein-Armeniens, endlich die Sultane Syriens und Aegyptens. Die ausführliche Erzählung des wider die letzten geführten syrischen Krieges ist dem folgenden Buche vorbehalten; hier also nur kurz von den Atabegen und den christlichen Fürsten. Tekele, der Sohn Hesarsif's, der dritte Herrscher der im Geburtsjahre Tschengischan's vor einem Jahrhunderte als unabhängig emporgeschossenen Dynastie der Atabege von Gross-Luristan, war, als Hulagu gegen Bagdad zog, demselben huldigend entgegengekommen und von ihm dem Tomane Keitbuka Newin's, des Befehlshabers des Vortrabes, zugetheilt worden. Nicht im Stande, die Aeusserungen seines Schmerzes über den Sturz des Chalifats und den Mord der Bewohner Bagdad's zu unterdrücken, hatte er sich durch dieselben die Ungnade Hulagu's zugezogen, der Truppen wider ihn sandte. Schemseddin Alp Arghun, der Bruder Tekele's, bot sich dem Bruder an, sich selbst in's Lager des Ilchans zu begeben, um dessen Verzeihung zu erflehen. Tekele nahm den Antrag dankbar an. An der Gränze Luristan's fiel Alp Arghun den mongolischen Truppen in die Hände, deren Heerführer ihn trotz seiner Sendung als Unterhändler tödteten. Tekele vertheidigte sich in dem Schlosse Mandschascht und ergab sich erst, als ihm durch Sendung des Ringes Hulagu's sicheres Geleite versprochen ward. Nichtsdestoweniger ward er nach Tebris geschleppt und dort hingerichtet und die Herrschaft Grossluristan's dem mit dem hingerichteten Bruder Tekele's gleichnamigen Schemseddin Alp Arghun verliehen[314]. In Klein-Luristan war die Herrschaft der vor siebzig Jahren unabhängig gegründeten Dynastie in den Händen des vierten Herrschers, Bedreddin Mesud, welcher, als er sich auf dem Feldzuge Hulagu's gegen Bagdad zum Dienste desselben stellte, von ihm die Auslieferung seines Schwagers und mächtigen Nebenbuhlers um den Thron, Suleimanschah's, begehrte. Hulagu antwortete: Diess ist ein grosses Wort, dessen Gewährung bei Gott. Als aber Bagdad erobert und Suleimanschah erschlagen worden war, erhielt Bedreddin Mesud die von ihm begehrte Familie des Schwagers. Er behandelte dieselbe so gütig und beförderte durch weise und gerechte Regierung den Wohlstand des Landes so sehr, dass, als er ihnen später die Wahl liess, ob sie in Luristan bleiben, oder nach dem aus der Asche sich wieder erhebenden Bagdad wandern wollten, nur Wenige dahin auswanderten; ein gerechter, eingezogener und besonders der Ueberlieferungen wohl kundiger Fürst. Die _auserwählte Geschichte_[315] rühmt an ihm, dass er nie unrechtmässigen Beischlaf gepflogen und dass er viertausend juridische, nach den Grundsätzen des Ritus _Schafii_ entschiedene Rechtsfragen auswendig gewusst. Nach seinem, nun zwei Jahre nach dem Falle Bagdad's erfolgten Tode stritten sich um die Herrschaft Klein-Luristan's seine Söhne _Dschemaleddin Bedr_ (Schönheit der Religion, Vollmond) und _Nassireddin Omer_ mit _Tadscheddin Schah_, dem Sohne des in der Schlacht wider Suleimanschah gebliebenen Hosameddin Chalil. Dieser Streit ward erst unter Abaka, dem Sohne und Nachfolger Hulagu's, durch das wider die Söhne Bedreddin Mesud's ausgesprochene Todesurtheil blutig entschieden. Der Thron Klein-Luristan's wurde dem Sohne Suleimanschah's, _Tadscheddin_, zugesprochen, welcher denselben sieben Jahre lang behauptete, welcher dann aber den beiden Brüdern der hingerichteten beiden Söhne Bedreddin Mesud's, dem _Felekeddin Hasan_ und _Iseddin Husein_, zugesprochen ward.
[Randnote: Könige Gross- und Klein-Armenien's.]
Der König Klein-Armeniens, Hethum I., welchen die Araber _Hatim_, die Kreuzfahrer _Haithon_ nennen, hatte sich bei der Thronbesteigung Mengku's über Kipdschak in das Hoflager des grossen Kaan's zu Karakorum und nach einer Abwesenheit von sechzehn Monaten wieder in seine Staaten zurückbegeben. Mit goldener Krone gekrönt, mit goldenem, geweihtem Scepter in der Hand auf hohen goldenen Thron gesetzt[316], füllte er denselben fünf und vierzig Jahre mit umsichtiger Klugheit, sein Schiff durch den Fluthenschwall ungeheuerer Heeresmacht und die Klippen der Scheelsucht der Könige Georgien's glücklich durchsteuernd. Wenn seinem Vetter, dem genannten Hethum gleichnamiger Mönch, Geschichtschreiber, Glauben beizumessen wäre, hätte Mengku seinem Vetter König sieben vorgetragene Begehren gewährt, aber das angebliche, als Gewährung des ersten Begehrens gegebene Versprechen Mengku's, sich taufen zu lassen[317], verdächtigt auch die Gewährung der anderen sechs Artikel. Vor ihm war schon sein Bruder Sempad, der Connetable Armenien's[318], in's Hoflager gezogen, und ward nun zum zweitenmal dahin gesandt, um Schutz wider die georgischen Fürsten aus der Familie _Awak_ anzuflehen, welcher, wie Arghun dem mongolischen Statthalter, dem Sempad nach dem Leben gestrebt, die Länder seines Bruders Hethum verwüstet[319]. Bald nach Sempad's Abreise ward auch Arghun in's Hoflager berufen, um unter der Anklage von Erpressungen über seine Verwaltung Rechenschaft zu geben. Sempad fand ihn dort durch den Einfluss seiner Feinde _Sewindsch_ und _Scherefeddin_ eingekerkert, welche Arghun's Tod suchten, um seine Stelle zu erhalten. Das Zeugniss Sempad's zu Gunsten der Verwaltung Arghun's rettete diesem das Leben; die Ankläger wurden hingerichtet, Arghun und Sempad kehrten nach Armenien und Georgien zurück[320]. Arghun brachte neue Einrichtung des Steuerwesens mit sich, das bisher unverhältnissmässig mehr auf den Armen, als auf den Reichen gelastet hatte. Von nun an waren die Reichen mit fünfhundert Dinaren, die Armen nur mit Einem besteuert[321]. Arghun, dankbar gegen seinen Vertheidiger Sempad, unterstützte ihn wider seine Feinde, die georgischen Prinzen aus dem Hause Awak, von denen David, der Sohn der Königin Russadan, sich wider die Mongolen empörte. Hulagu sandte wider ihn ein aus Mongolen und Moslimen zusammengesetztes Heer, von dem er geschlagen ward[322]. [RN: 657/1259] Arghun verfügte sich nach Tebris, um über die Zustände Georgien's zu berichten. Als Arghun nach Tiflis zurückkehrte, hatte sich David zum zweitenmale empört, weil die Entrichtung des verspäteten Tributs gefordert worden. Sowohl Sempad, der Orpeliane und Herrscher von Grossarmenien, als Hethum, der Herrscher von Kleinarmenien, dem cilicischen Reiche, erhielten sich als Vasallen mongolischer Herrschaft auf ihren Fürstenstühlen, Dank dem Schutze der ersten Gemahlin Hulagu's, der grossen Frau _Tokus_, welche eine eifrige Christin, durch deren Einfluss nach Bagdad's Eroberung der Patriarch der Nestorianer den Palast des kleinen Diwitdar zum Sitze des Patriarchats erhalten hatte. Nur zu Tekrit siegten die Moslimen über die Christen, wo wegen Verheimlichung von Gütern hingerichteter Moslimen auf Befehl Hulagu's allgemeines Gemetzel der Christen stattfand[323]. Die Blutvesper von Tekrit ausgenommen, hatten sich die Christen mittels des Schutzes der Frau Tokus nur günstiger Behandlung von Hulagu zu erfreuen, namentlich Hethum, der Pagratide, Herr von Kleinarmenien, und der von Grossarmenien, der Orpeliane Sempad. Die Residenz des ersten war die Stadt _Ain_; am Zusammenflusse zweier Ströme, die in den Araxes münden, gelegen, zählte sie im eilften Jahrhundert hunderttausend Einwohner und tausend Kirchen[324]; die Residenz des zweiten, _Sis_, in Cilicien an einem kleinen Flusse, der sich in den Dschihan ergiesst[324], der Sitz des armenischen Patriarchen. Der Pagratide Hethum und der Orpeliane Sempad standen beide bei Hulagu als treue Vasallen in Gnaden, der erste musste ihm das Holz zu seinen Bauten am Alatagh liefern, dafür konnte er ungehindert kostbare Reliquien in Gold und Silber fassen; so die Hirnschale des heil. Gregor des Erleuchteten aus dem Kloster bei _Kaghseman_[325], das zwischen Karss und Pasin am Durchbruche des Araxes zwischen geklüftetem Gebirge, und den Schädel S. Gregor's des Wunderthäters, den er der berühmten Kirche von Norevanch schenkte[326]. _Hethum_, schon durch die Lage seines Königreichs ferne dem Hulagu und näher den Kreuzfahrern, als der nördliche Herrscher Grossarmenien's, war mit den angesehensten Fürsten der Kreuzfahrer durch Vermählung seiner Töchter (mit dem Fürsten Antiochien's, Sadan, und dem Herrn von Ibelim) verschwägert. Von seinen Söhnen fiel der jüngere, Toros, im Kriegsdienste Hulagu's im syrischen Kriege wider den Sultan der Mamluken, sowie hernach _Purthel_, der Neffe Sempad's, im Feldzuge Hulagu's wider Kipdschak in der Schlacht am Terek blieb. Die christlichen Herrscher Gross- und Klein-Armeniens waren also treuere Vasallen des Ilchan's, als die moslimischen Gross- und Klein-Luristan's, und es darf nicht Wunder nehmen, wenn durch die Namensähnlichkeit der Pagratide _Hethum_ in den Geschichten der Araber als ein zweiter _Hatim_ (das arabische Muster von Freigebigkeit und Grossmuth) und der Orpeliane Sempad (als ein zweiter Sindbad, der berühmte Reisende der arabischen Mährchen) durch seine Reisen in's mongolische Hoflager figurirt.
Drittes Buch.
Syrischer Feldzug; Marsch von Tebris nach Haleb, Miafarakain; Hossnkeif, Mardin; Keitbuka vor Damaskus; Schlachten von Aindschalut und Himss; das Chalifat der Beni Abbas in Aegypten; Anlass des Krieges mit Berke; Feldzug gegen Kipdschak; Thronprätendenten nach dem Tode Mengkukaan's, Arikbuka, Alghui, Kaidu; Vertheilung der Länder und Statthalterschaften; Dynastie der Beni Aamaret und Schebankjare von Fars.
[Randnote: Verhältniss Hulagu's mit den gleichzeitigen asiatischen Dynastien.]
Die hundert Burgen der Assassinen waren gebrochen, der Thron des Chalifats war umgestürzt, die Fürsten von Fars und Mossul, von Gross- und Klein-Armenien, von Gross- und Klein-Luristan, hatten freiwillig oder gezwungen gehuldigt, das ganze Land von den Ufern des Oxus bis zu denen des Tigris war der Herrschaft des _Ilchan's_ unterworfen, aber hierdurch der Auftrag, welchen der Eroberer Hulagu vom Bruder Kaan erhalten, ganz Asien bis an den äussersten Westen zu erobern, nur zur Hälfte erfüllt; noch blieb Mesopotamien und Syrien bis nach Aegypten hin zu erobern übrig. In dem letzten dieser drei Länder war der Hauptstamm der Herrschaft der Ejubiden, welche sich zu Ende des zwölften Jahrhunderts gleichzeitig mit der der Mongolen erhob, vor neun Jahren durch gewaltsame Umwälzung gebrochen worden und die Stelle der Herren aus dem Hause Ejub hatten ihre Sklaven, die Mamluken, auf dem Throne als Herrscher eingenommen; aber von dem hohen und mächtigen Baume dieses grossen Herrschergeschlechtes wurzelten noch sieben Zweige im arabischen Irak und in Syrien, vom Jenseits der Wüste an, welche Mesopotamien von Syrien, bis zu der, welche Syrien von Aegypten trennt, _Miafarakain_ und _Hossnkeif_, bis nach _Damaskus_ und _Karak_; inmitten derselben die von _Haleb_, _Hama_ und _Himss_. Wären diese sieben Strahlen der Herrschaft in dem Brennpunkte Eines einzigen starken Volkes und Muthes vereint gewesen, hätte die sieben Herrscher nur das Band aufrichtiger, zusammenwirkender politischer Eintracht verbunden, so würde ihre, von einem Einzigen geleitete, aber auch immer aufrichtig vereinte Macht der Hulagu's wahrscheinlich siegreich widerstanden haben, da sogar Einzelne derselben männlichen Widerstand nicht ohne Erfolg versucht und den reissenden Strom der Eroberung wenigstens eine Zeit lang gehemmt; aber es fehlte Einheit und Eintracht, welche im Herrscherhause Ejub nur unter der ruhmwürdigen Regierung Ssalaheddin's zwanzig Jahre lang das von ihm gegründete Reich befestigte. Nach seinem Tode war die Macht vielgetheilt und durch Herrschsucht und Scheelsucht geschwächt, nicht im Stande, den andringenden Fluthenschwall mongolischer Herrschaft zu gewältigen. Ein Blick auf die gleichzeitig im Osten und Westen Asien's emporgestiegene Herrschaft des Hauses Tschengischan's und Ejub's zeigt im hellsten Lichte die Staatsklugheit des Tschengischan'schen Hauses und Grundgesetzes der Einigkeit und Familieneintracht, ohne dessen strenge Beobachtung die Herrschaft der Mongolen nie zu solcher Macht gediehen wäre. Zwar zeigten sich auch schon bald nach Tschengischan's Tode Symptome der Uneinigkeit und des Familienzwistes in den Ansprüchen auf die oberste Herrschaft, aber das Schwert rottete bei Mengku's Thronbesteigung in dem blutigen Sinne der Jasa siebzig Prinzen auf einmal aus, und das Reich erhob sich unter ihm und seinem Nachfolger Kubilai zu einer Ausdehnung von Macht und Grösse, dergleichen die Geschichte vor- und nachdem nie gesehen. Erst als die Bande der Alles im Mittelpunkte versammelnden Einheit und der Familieneinigkeit sich lockerten, begannen auch die Thronen der mongolischen Herrscher zu wanken, und erlagen fremder Uebermacht, wie jetzt der mongolischen die Grösse des Herrscherhauses Ejub. Wir nehmen den kurz gedrillten Faden der Geschichte von sieben oben erwähnten, Hulagu gleichzeitigen Dynastien der Söhne Ejub's da wieder auf, wo wir denselben im ersten Buche dieser Geschichte verlassen haben.
[Randnote: Die Beni Ejub zu Miafarakain und Hossnkeif.]
Von den sieben, Hulagu gleichzeitigen Dynastien des Hauses Ejub, welche mit seiner Macht in Berührung, von demselben, weil sie widerstanden, vernichtet, oder weil sie gehuldigt, noch einige Zeit geduldet worden, war die von _Haleb_, wo die unmittelbaren Nachkommen Ssalaheddin's herrschten, die mächtigste, deren Uebermacht soeben die von Damaskus verschlungen hatte. In Mesopotamien, zu Miafarakain und Hossnkeif, und an der Gränze Syriens, zu _Kerek_, herrschten Abkömmlinge _Melikol-aadil's_ (d. i. des gerechten Königs), des Bruders Ssalaheddin's, zu _Hama_ die Nachkommen _Schehinschah's_, des Bruders Ssalaheddin's und _Melikol-aadil's_, und zu _Himss_ die _Schirkuh's_, des Oheims der drei Brüder. _Melik Nassir Jusuf_, der Urenkel Ssalaheddin's, war nach seines Vaters, _Melikol-asis_, Tode schon in seinem siebenten Jahre zur Regierung gelangt, welche während seiner Unmündigkeit für ihn seine Grossmutter, die Tochter Melikol-aadil's, die Frau _Ssaffije_, führte. Seinem Vetter, dem Herrn von Himss, _Manssur Ibrahim_, dem Urenkel Schirkuh's, des Oheims Ssalaheddin's, stand er mit einem Heere wider die Chuaresmier bei, welche nach dem Sturze des chuaresmischen Reichs in einzelnen Banden, wie die Condottieri des Mittelalters, Mesopotamien und Syrien durchrannten und ausraubten. Er bemächtigte sich ihrer beiden Hauptplätze, Harran's und Rakka's. [RN: 646/1248] Für den Sohn und Nachfolger Manssur Ibrahim's, _Melikol-eschref Musa_, nicht so freundschaftlich gesinnt, wie für dessen Vater, hatte er demselben seine Hauptstadt Himss entrissen und ihm dafür das aus der Geschichte der Kreuzzüge bekannte Schloss von _Tell baschir_ gegeben. Im folgenden Jahre hatte er wider Bedreddin Lulu, den Atabegen von Mossul, ein Heer gesandt, welches das Feld zu Nissibin behauptete und im Besitze des ganzen Lagers des flüchtigen Feindes blieb. [RN: 647/1249] Als im nächsten Jahre die Herrschaft des Stammes der Beni Ejub in Aegypten erlosch, luden die Emire von Damaskus den Herrn von Haleb zur Besitznahme ihrer Stadt ein. [RN: 648/1250] Er zog dahin, und, in der Absicht, auch Aegypten zu erobern, dem Heere der Mamluken entgegen; er schlug dieselben zwar zuerst bei _Abbasa_, ward aber dann geschlagen und floh nach Damaskus zurück. Er zog zum zweitenmale aus, und schloss Frieden auf die Bedingniss, dass der Jordan die Gränze beider Reiche. Wider Nassir, den mächtigsten Herrscher der Beni Ejub in Syrien, wandte sich also jetzt Hulagu's erobernde Macht; aber auf dem Wege dahin standen ihm noch die nächsten Verwandten Nassir's, die Herren von Miafarakain und Hossnkeif, entgegen, welche, auf die Festigkeit ihrer Burgen stolz, dem Eroberer trotzten. Zu Miafarakain herrschte _Melikol-kjamil_, der Sohn Melikol-Mosaffer's, des dritten der drei Söhne Melikol-aadil's, welche nach ihrem Vater Herren dieser festen Stadt; der von _Hossnkeif_ war _Melikol Mowwahid_, der Ururenkel Melikol-aadil's, aus dessen Sohne Kjamil. Als Kjamil nach seines Vaters Tod den Thron Aegyptens bestieg, gab er seinem Sohne Melik Ssalih Nedschmeddin die Stadt Amid und das Schloss Hossnkeif als Leibgedinge, und als Ssalih's Enkel Moaasem Turanschah sich nach Aegypten begeben, um dort die Herrschaft, welche in ihm enden sollte, zu übernehmen, blieb Hossnkeif seinem Sohne Mowwahid als Leibgedinge. Die beiden Herren von Hossnkeif und Miafarakain waren würdige Träger des Namens Ejub, indem sie, stolz auf ihren angestammten Herrscheradel und die Festigkeit ihrer Burgen, dem mongolischen Eroberer zu huldigen verschmähten, während ihr mächtiger Vetter Nassir von Haleb huldigend einen Gesandten an Mengkukaan gesandt und von demselben _Jerligh_ und _Paise_, d. i. Diplom und das Ehrenzeichen des Löwenkopfes, erhalten hatte. Selbst an Hulagu, als er das persische Gebiet betreten, hatte er heimlich unterwürfige Botschaft gesandt, entfloh aber nun bei der Annäherung Hulagu's nach Aegypten.
[Randnote: Aufbruch von Tebris.]