Geschichte der Ilchane, das ist der Mongolen in Persien

Chapter 13

Chapter 132,951 wordsPublic domain

Der Sohn und Nachfolger Nassirlidinillah's, der Chalife _Sahirbiemrillah_, d. i. der Offenbare durch Gottes Befehl, war vor allen Chalifen aus dem Hause Abbas seines Beinamens werth, nach dem Zeugnisse der Geschichtschreiber, dass seit Omar el-assis, dem wegen seiner Frömmigkeit und Gottesfurcht berühmten achten Chalifen der Beni Omeije, kein Gerechterer auf dem Chalifenstuhle gesessen. Diesen guten Klang seines Namens dankt er dem freigebig geschenkten Golde und der kurzen Zeit seiner Regierung, indem er nur neun Monate lang den Völkern als ein Muster des Chalifats mehr gezeigt als bewährt. Er stellte bei seiner Thronbesteigung confiscirte Grundstücke ihren Eigenthümern zurück, sandte dem Richter der Richter zehntausend Dukaten zur Bezahlung der Schulden derer, die desshalb im Thurme sassen, setzte die Kopfsteuer von Jakuba, welche vormals nur zehntausend Goldstücke betragen, unter seinem Vater aber auf's Siebenfache gesteigert worden war, wieder auf die obige Summe zurück, liess von der Gesammtsumme der Steuern dreimalhundert fünfzigtausend den Unterthanen nach und vertheilte am Opferfeste hunderttausend Dinare unter die Gesetzgelehrten und Ssofi; denen, die ihn fragten, warum er sich so beeile, Gutes zu thun, antwortete er mit Anspielung auf das vorgerückte Alter von ein und fünfzig Jahren, in welchem er den Thron bestiegen: Ich gleiche denen, die erst Nachmittags ihre Buden öffnen und sich also beeilen müssen, wenn ihr Handel Gewinn tragen soll; hindert mich also nicht in guter Handlungen Handel. In seine Fussstapfen, als ein gerechter, freigebiger und gelehrter Fürst, trat sein Sohn und Nachfolger _Mostanssirbillah_, d. i. der bei Gott Hülfe Suchende. Er baute die berühmte, nach seinem Namen genannte hohe Schule, deren Grösse und Glanz die frühere, vom Wesire Nisamolmülk zu Bagdad erbaute, bei weitem zurückliess; sie bestand in vier besonderen Schulen, nach den vier Ritus des Islams, wo die Rechtsgelehrsamkeit nach den Ueberlieferungen _Ebu Hanife's_, _Schaafii's_, _Malik's_ und _Hanbeli's_ gelehrt ward; an jeder dieser vier Medreseen waren zwei und sechzig Plätze für Studenten[276] und zwei für Correpetitoren[277] gestiftet. In vier Jahren war der Bau vollendet; am Tage der Eröffnung besuchte der Chalife mit allen Richtern und Rechtsgelehrten die Schulen und vertheilte reiche Geschenke unter die Professoren und Studenten. Das Seitenstück zur _Mostanssirije_, d. i. zur hohen Schule _Mostanssir's_, war die _Kamerije_, d. i. die _Mondige_, eine am Ufer des Tigris gebaute, reich gestiftete Speiseanstalt für Dürftige. Seine Wohlthaten strömten vorzüglich den Gelehrten zu, dieselben überschritten aber das Maass vernünftigen Staatshaushalts, wenn die folgenden Anekdoten wahr. Jedesmal, als aus einem mit Gold gefüllten Becken geschöpft ward, rief er aus: Ach, wann werde ich dich leeren! während sein Vater jedesmal, als Gold hineinfloss: Ach, wann werde ich dich füllen! ausgerufen haben soll. Eines Tages, als er von der Terrasse seines Palastes rund um auf den Terrassen Wäsche aufgehangen sah und der, was dies bedeute, gefragte Wesir antwortete, dass es die für das nächste Fest gewaschenen alten Kleider seien, wunderte sich Mostanssir, dass nicht jeder seiner Unterthanen sich neues Festkleid anschaffen könne, liess aus Gold Armbrustkugeln verfertigen und verschoss dieselben auf die Terrassen der Nachbarn. Wider die Mongolen, welche unter seiner Regierung bis Meragha vorgedrungen und Erdebil vom Grunde aus verheeret hatten, brachte er ein Heer von siebzigtausend Mann auf, von welchem zwar Anfangs die Mongolen, dann aber die Truppen des Chalifen zu _Dakuk_, das seiner Naphthabrunnen willen berühmt[278], geschlagen wurden. [RN: 653/1237] Im selben Jahre richteten die Mongolen das Blutbad von Issfahan an, in welchem der grosse Dichter _Ismail Kemal_ von Issfahan, beigenannt der Vater der Bedeutungen, unter ihrem Schwerte erlag, wie früher der grosse mystische Dichter Aththar. Unter Mostanssir's Regierung blühte vorzüglich die Mystik, und in dieselbe fällt der Tod von vier höchst merkwürdigen Männern, Säulen der Mystik, des Scheich's _Behaeddin Weled_, des Vaters _Dschelaleddin Rumi's_, des grossen mystischen Dichters _Omer Ibn Faradh_, des grossen Scheich's _Schihabeddin Omer Suhrwerdi_ und des Inders _Reten_[279], welcher, der erste, aus Indien das berauschende Opiat (Haschische) nach Mittelasien gebracht, dessen sich die Assassinen bedienten, um ihren todtgeweihten Handlangern die Freuden des Paradieses vorzuspiegeln, und von dem sie ihren Namen[280] Haschischin, d. i. die _Kräutler_, erhielten.

[Randnote: Moteaassim.]

_Moteaassimbillah_, d. i. der an Gott Festhaltende, der Sohn Mostanssir's, der sieben und dreissigste und letzte Chalife des Hauses Abbas, bestieg den Thron, den er sechzehn Jahre gefüllt, im dreissigsten seines Alters; ein prachtliebender, grossthuender, schwacher Fürst, doch nicht ohne löbliche Eigenschaften und Werke. Ein _Hafis_, d. i. Bewahrer des Koran's (wie Alle heissen, welche denselben auswendig wissen), war er den Gesetzgelehrten geneigt und baute für dieselben, nach seines Vaters Beispiel, eine hohe Schule, gegenüber dem Grabmale des Scheich's _Karchi_, so nach dem, vorzüglich von Schiiten bewohnten Stadtviertel Bagdad's genannt, welche aus vier Medreseen für die vier Ritus des Islam's bestand[281]. Im dritten Jahre seiner Regierung erschien ein mongolisches Heer in der Nähe von Bagdad, von wo es zu _Baakuba_ durch den kleinen Diwitdar (Staatssekretär) zurückgeschlagen ward[282]. Dieser Vortheil vermehrte den Dünkel Moteaassim's, unter welchem das Ceremoniel des Hofes von Bagdad auf einen bisher nie gehörten Grad getrieben ward. Die Schwelle des Thronsaales war ein schwarzer Stein, welchen Alle, selbst Gesandte und Fürsten, die ihre Belehnung empfingen, nicht ausgenommen, sich unterwerfend küssen und dann den schwarzen Schleier, welcher dem daranstossenden Fenster vorgezogen ward, wie den Vorhang des Heiligthums der Kaaba verehren mussten. Medschdeddin Ismail, der Gesandte des Atabegen Ebubekr Ben Segi, unterwarf sich dem vorgeschriebenen Ceremoniel, legte aber einen kleinen Koran, den er in der Hand verborgen, auf die Schwelle und küsste deren statt den Koran. Wann Moteaassim ausritt, sass er auf hohem Rappen, schwarz verschleiert mit schwarzem Turban, dessen Enden über die Schultern zurückflogen, von vierzig schwarzen Leibwachen umgeben; der Rappe war mit goldenem Halsband und edelsteinbesetztem Zügel und Bügel geschmückt, und wann ihn der Chalife bestieg, erscholl der Siegesruf, dessen Worte aus Koranstexten zusammengesetzt: »_Gott mache das Gute zum Stirneknoten des Pferdes und binde es an seine Mähnen; er mache die Füsse desselben weiss durch Erreichung aller Begehren; er wolle dem Laufe desselben mit losgelassenen Zügeln alle Sicherheit gewähren, die Eroberungen sollen seinen Wettlauf am Ziele kennen und das Heil des Erfolgs seine Zügel dehnen!_«[283] Alle moslimischen Fürsten erhielten den Titel rechtmässiger Herrschaft einzig von dem Belehnungsdiplome Moteaassim's, welche derselbe mittels Gesandten ertheilte, die nebst dem Diplome der Investitur, Kaftan, Turban, Fahne, Schwert, Ring und ein Maul mit goldbeschlagenen Hufen und juwelengestickter Satteldecke zum Geschenke brachten[284]. Der Gesandte vollzog nun ein Paar Tage nach seinem feierlichen Einzuge in die Residenz des Sultans oder Emirs die Investitur, indem er dem Fürsten den Kopfbund aufsetzte, den Ring ansteckte, das Diplom vorlesen liess und ihm dreimal wiederholte: _Sei gerecht und übertrete das Gesetz nicht_; dann erst ward ihm erlaubt, den Thron zu besteigen, und erst, nachdem er den Thron bestiegen, ward er für würdig erachtet, dem vom Chalifen gesandten Maul in Gegenwart des ganzen Hofes den goldbeschlagenen Huf zu küssen. Der Gesandte warf Geld aus und begleitete den Sultan, der nun unter einem über seinem Kopfe emporgehaltenen Sonnenschirme die Stadt durchritt. Wann immer ein Gesandter des Chalifen an den Hof des Sultans kam, ward sein Maul bis in den Thronsaal geführt und ein Vorhang niedergelassen; der Sultan musste vom Throne steigen, hinter dem Vorhange den Huf des Maulthieres küssen, worauf er mit dem vom Chalifen gesandten Ehrenkleide erst wieder den Thron bestieg. Die Insignien der Investitur von Seite des Chalifen waren also: _Kaftan_, _Turban_, _Schwert_, _Ring_, _Fahnen_, _Sonnenschirm_ und der _Huf_ des Maulthiers. Krone, Mantel, Schwert, Ring, Fahne finden sich auch als Insignien der Investitur fürstlicher und kirchlicher Würden im europäischen Mittelalter; nur an die Stelle des Hufes trat das Horn, mit welchem dänische und angelsächsische Könige ihre Vasallen belehnten[285]. Das Heer Moteaassim's war hunderttausend Mann stark, von denen die Hälfte vom Diwan aus besoldet; der Befehlshaber desselben, Suleimanschah, welchen der Dichter _Esireddin Umani_ in Lobgedichten gepriesen. Die innere Verwaltung besorgten die beiden _Diwitdare_ (Tintenzeughalter), d. i. Staatssekretäre; die Geschäfte des Hofes leitete der _Scherabdar_, Mundschenk, aber die Summe der Regierung war in den Händen des Wesirs _Moejededdin Mohammed Abdolmelik El-Alkami_, ein ausgezeichneter Gelehrter in Prose und Poesie, in Ueberlieferungs- und philosophischen Wissenschaften gleich gewandt, der Chalife aber selbst dem Wohlleben und Sinnengenusse ergeben. Die nächsten Hebel seines Verderbens waren von innen der Wesir Alkami, von aussen der grosse Astronome Nassireddin, der sich im Geleite Hulagu's befand.

[Randnote: Alkami; Wüsten- und Bücherbrand.]

Nassireddin von Tus hatte eines Tages, als Moteaassim an den Ufern des Tigris sass, demselben huldigend ein Gedicht dargebracht, das der Chalife, statt, wie es der Wesir erwartet hatte, reich zu belohnen, auf des Wesirs Alkami darüber ausgesprochene Kritik in den Tigris warf. Von diesem Augenblicke schwur der tief beleidigte, tief grollende Astronome Schöngeist dem Wesir und dem Chalifen Rache; er verliess Bagdad und verweilte bei dem ihm gleichnamigen Comthur des Assassinenschlosses Sertacht. Alkami warnte den Comthur wider seinen Schutzgenossen, als wider einen Ränkeschmied, der ihn im Geiste des Chalifen verderben wolle; und diese Warnung war nur ein neuer Sporn in die rachedürstenden Weichen des durch Geringschätzung seines Gedichtes so tief beleidigten Astronomen Schöngeistes. Als Gesandter des letzten Herrschers der Assassinen an Hulagu gesandt, hatte er durch sein grosses Talent sich dessen Achtung erworben und demselben erst zum Verderben der Assassinen, dann zu dem des Chalifats sich als hilfreiches Werkzeug angeboten. Sein Feind, der Wesir Alkami, arbeitete seiner Rache durch Verrätherei selbst in die Hände. Von den nächsten Umgebungen des Chalifen, dem Diwitdar und dem Mundschenken, nicht die Achtung geniessend, deren er werth zu sein glaubte, und als Schii dem Chalifen grollend, weil der Sohn desselben, Ahmed, die Plünderung des nur von Schiiten bewohnten Stadtviertels von Karch und die hierbei vorgefallenen Gräuel von Schändung und Gemetzel begünstigt hatte. Er schrieb an den Seid Tadscheddin al Hoseini, welcher damals der erste der Herren der Familie des Propheten, klagend: »dass die Söhne des Hauses Ali geplündert, das Volk des Stammes Haschim gefangen und die Schmach, welche vormals Husein, der Enkel des Propheten, durch Plünderung seines Harems und Blutvergiessung getroffen, jetzt wieder erneuert worden sei«[286]. Der Seid antwortete im Namen aller Prophetenverwandten: »Die Ketzer müssen ermordet, verbrannt, ihre Rasse ausgerottet werden; wenn du nicht mit uns hältst, bist du verloren, du wirst zu Bagdad weniger geschätzt sein, als vom Manne das Henna der Frauen und als der Ring dessen, dem die Hand abgehauen«[287]. Nach dem Falle von Alamut hielt Alkami den Augenblick für günstig zur Förderung seiner Rache; er sandte heimlich an Hulagu einen Brief, in welchem er, die Macht des Chalifen verkleinernd und die Schwäche Bagdad's ins hellste Licht setzend, den Eroberer seine Zügel nach der Stadt des Heils zu lenken einlud. Hulagu, wohl eingedenk, dass vormals ein Heer von hundert vier und zwanzigtausend Mann wider die Mongolen gesandt, zweimal den Dschurmaghun geschlagen, zauderte, der Einladung Gehör zu geben, und berieth sich mit Nassireddin, dem Astronomen, und erst, als dieser ihn versichert, dass »das Unternehmen im Bunde mit der Gestirne günstiger Stunde«[288], beschloss er den Marsch nach Bagdad, wo indessen ein Versuch des kleinen Diwitdar, den Chalifen zu entthronen, das Feuer des Bürgerkrieges angeflammt. Moteaassim sah sich gezwungen, den Versicherungen des kleinen Diwitdar von seiner Treue und Ergebenheit scheinbaren Glauben zu schenken. Die Unschuld desselben wurde laut auf den Strassen Bagdad's verkündet und der Name des kleinen Diwitdar, des Feindes Alkami's, sogar nach dem des Chalifen im Kanzelgebete eingeschaltet; das Heer wurde nach des Verräthers Alkami Vorschlag um die Hälfte vermindert, ein Drittel des verminderten in die nahe gelegenen Städte geschickt, so dass nur zwanzigtausend zu Bagdad's Vertheidigung blieben[289]. In diesem, durch den Fall Alamuts und die Verrätherei Alkami's für die Stadt des Heils so unheilschwangeren Jahre schreckten nicht nur Ueberschwemmung des Tigris und Erdbeben, sondern auch der Brand von Medina und der Wüstenbrand in Arabien die moslimische Welt auf. Zu Hara, in der Nähe von Medina, brannte die Wüste, und allgemein ward geglaubt, diess sei das Feuer, welches die Ueberlieferung des Propheten als den Vorboten des jüngsten Tages verkündet. Drei Monate lang brannte die Wüste in der Ausdehnung von vier Parasangen. Zu Medina zündeten die Einwohner des Nachts kein Licht an, da der Wüstenbrand die Stadt erhellte. Dieses, wie es scheint, elektrische Feuer soll Holz verschont, Eisen verzehrt haben, so dass von hineingeschossenen Pfeilen das Holz unversehrt, die Spitze zerfressen ward[290]. Nach dem Wüstenbrande plünderten Beduinen die Stadt, bis man das Thal, aus dem sie ausfielen, mit steinerner Mauer verdämmte. Das grösste Unglück aber entstand durch die Unvorsichtigkeit eines der Küster der Moschee des Propheten, der eine Kerze umfallen liess, wodurch die Moschee in Brand gerieth und mit derselben die ganze grosse Büchersammlung aufflammte[291], so dass dieses Jahr zwei der reichsten Bibliotheken in Flammen aufgingen, die von Alamut und die von Medina; der Verlust von dieser war aus mehr als einem Grunde weniger beklagenswerth, als der von jener, indem zu Medina meistens nur Korane und Bücher der Ueberlieferung, zu Alamut aber mathematische und philosophische Werke ein Opfer des Brandes, die dort ein Werk des Zufalls, hier der zu verdammenden Willkür des gelehrten Wesirs _Athamülk Dschuweini_.

[Randnote: Gesandtschaften Hulagu's an den Chalifen und Prophezeihungen.]

Diess waren die Zustände Bagdads, als Hulagu, durch Alkami's Einladung und Nassireddin's Vorhersagung aufgemuntert, von seinem Lager zu Hamadan aus an den Chalifen einen Gesandten mit dem Begehren schickte, dass er entweder selbst erscheine oder eine der vier Säulen seines Hofes, nämlich den Wesir, den kleinen Diwitdar, den Heerführer Suleimanschah oder den Mundschenken sende. Moteaassim, statt diesem befehlartigen Begehren zu willfahren, sandte den _Scherefeddin Ibnol Dschewsi_, einen durch Beredtsamkeit ausgezeichneten Gelehrten, und den Bedreddin Mohammed von Nachdschiwan. Hulagu, als er von ihrer Sendung Kunde erhielt, sagte in aufwallendem Zorne: Der Chalife handelt krumm, wie ein Bogen; Gott gebe, dass ich ihn wie ein Pfeil gerad machen könne[292]. Den Gesandten, als sie vor ihm erschienen, herrschte er entgegen: Gott hat dem Hause Tschengischan's die Herrschaft vom Osten bis Westen verliehen; wer sich uns unterwirft, dessen Blut und Gut wird nicht verderbt und vergossen, wenn nicht, ist dessen Untergang beschlossen. Wir ziehen mit einem Heer, zahlreich wie Heuschrecken und Ameisen, wider Bagdad. Als die Gesandten mit dieser Botschaft zurückgekehrt, rieth Ibn Alkami, tausend Lasten Korn, tausend Kameele, tausend Pferde für Hulagu mit vielen Geschenken für die Prinzen huldigend, mit Ueberlassung der beiden Majestätsrechte des Islams: des Kanzelgebets und der Münze, abzusenden. Der kleine Diwitdar _Modschahiddin Ibek_ machte Vorstellungen dagegen, aber _Ibn Alkami_, der die Schwächen und den Dünkel des Chalifen kannte, bestärkte ihn in demselben, indem er in seinen Reden die Macht der Mongolen verkleinerte, die des Chalifen vergrösserte und dem neuaufgeschossenen Pilzlinge mongolischer Herrschaft die uralte legitime des Hauses Abbas entgegenstellte. Suleimanschah, der Oberstbefehlshaber, Fetheddin Ibn Kerr, der grosse Diwitdar und der kleine Modschahiddin Ibek versammelten sich beim Wesire, ihren Aerger über die Sorglosigkeit und Blindheit des Chalifen in bitteren Worten lüftend. Suleimanschah trug sich an, dem Feinde entgegen zu ziehen, und Alkami ging zum Scheine in den Vorschlag ein, wohl wissend, dass der Chalife seinem Rathe folgsam, dass er Rüstung und das zum Solde der Truppen nöthige Geld verweigern werde[293]. Er sandte auf dessen Rath den Bedreddin von Nachdschiwan und den Richter Berdindschan mit geringen Geschenken und der hochtrabenden Botschaft: Alle Fürsten, welche sich jemals wider das Haus Abbas zu erheben gewagt, seien zu Grunde gegangen; Beispiele davon seien Jakub Leis der Soffaride, der Türke Besasiri, der Seldschuke Sultan Mohammed und Mohammed Chuaresmschah, welche Alle das Verderben ereilt, das auch Hulagu's harre, wenn er auf seinem Vorhaben bestehe. Hulagu, ergrimmt, antwortete ihnen mit dem persischen Verse des Schahname[294]:

Bau' nur zu, aus Eisen deinen Wall, Führe Bollwerk auf mit Zinnen, die von Stahl, Rüst' aus ein Heer von Peris und von Dschinnen, Komm' nur heraus, du wirst den Tod gewinnen; Birgst unter'm Himmel dich, ich will dich suchen, Ich werde dich im Schlund des Löwen suchen.

Hulagu war nun zuerst bedacht, sich des grossen Passes von _Deriteng_, d. i. Engthor, welcher über das gordiaische Gebirge oder den Zagros in die Ebene des arabischen Irak führt, zu versichern. Auf steilem Felsen, auf der Heerstrasse vom persischen ins arabische Irak erhebt sich das Schloss in einer engen Schlucht, wovon es den Namen _Engthor_ führt. Die Bewohner dieser Felsenschlucht waren nicht minder durch ihre Schönheit, als das Schloss durch seine Festigkeit berühmt[295]. Dieselbe wird vom _Diala_ durchbrochen, welcher in der Entfernung einiger Stunden oben an den Ruinen von _Kassr Schirin_ (das alte Artemita) vorbeifliesst. Hulagu, dem nicht unbekannt, dass Hosameddin Aka, der Befehlshaber des Engpasses, sich über den Chalifen zu beklagen habe, lud ihn zu sich, überhäufte ihn mit Ehren und Geschenken und schenkte ihm die Schlösser _Disser_, d. i. das Goldschloss, _Dis Merdsch_, d. i. das Wiesenschloss, und einige andere; aber hierdurch übermüthig, sandte Aka an _Ssalaje_, den Befehlshaber von _Irbil_, Wort, dass, wenn ihm der Chalife sein Vertrauen schenken wolle, er mit hunderttausend Turkmanen und Kurden den Hulagu zurückzutreiben bereit. Der Chalife gab diesem Vorschlage kein Gehör. Hulagu, der davon Kunde erhalten, sandte den _Keitbuka_ mit dreitausend Reitern mit dem scheinbaren Auftrage, sich mit Aka über die Mittel des Marsches nach Bagdad zu berathen. Dieser ging in die Falle; Keitbuka, Herr seiner Person, forderte die Schleifung der Schlösser und er ward, nachdem dieselben geschleift waren, getödtet. Kein günstiger Stern waltete über dem Haupte des von Mengukaan seinem Bruder zur Berathung beigegebenen Astronomen Hosameddin. Um seine Meinung über den Zug wider Bagdad befragt, sagte er unter Verbürgung mit seinem Kopfe, im Falle, dass der Marsch unternommen werde, sieben Unfälle voraus: den Fall von Pferden und Menschen durch Seuchen, Mangel an Sonne und Regen, schreckliche Orkane und Erdbeben, Unfruchtbarkeit und Hungersnoth und endlich den Tod eines grossen Monarchen im selben Jahre. Hulagu liess sich diese Prophezeihung und Bürgschaft schriftlich geben und befragte nun den Astronomen Nassireddin, was denn geschehen würde, wenn er nach Bagdad zöge; Nichts, antwortete Nassireddin, als dass Hulagu die Stelle des Chalifen einnehmen wird. Er zerstreute hierauf alle Besorgniss Hulagu's über etwa aus solchem Zuge wider Bagdad zu befürchtende Unglücke durch die Anführung geschichtlicher Beispiele. Tahir sei aus Chorasan wider Bagdad gezogen und habe den Bruder des Chalifen erschlagen; Motewekkil und sein Sohn und mehrere Chalifen seien erschlagen worden, ohne dass für die Stadt irgend ein Unheil daraus entstanden. Hulagu ergab sich gern den seinen Wünschen schmeichelnden Versicherungen des Astronomen von Tus; der andere wurde, da keine seiner Prophezeihungen eingetroffen, fünf Jahre hernach hingerichtet.

[Randnote: Hulagu's Marsch nach Bagdad.]