Geschichte Der Englischen Sprache Und Literatur Von Den Alteste

Chapter 1

Chapter 13,232 wordsPublic domain

zeit der Römer aufgeführt werden.]

Die sprache der alten Britannier zu jener zeit, als die Römer ihre siegreichen adler von Gallien aus nach Britannien trugen, war ein zweig des alten Keltischen,[9] welches im ganzen westlichen Europa gesprochen wurde, gegenwärtig aber nur noch in Wales, in den hochlanden und auf den inseln von Schottland, in Irland und auf der insel Man unter dem namen des Welschen,[10] Gælischen,[11] Ersischen[12] und Mankschen[13] lebt, auf dem festlande aber sich noch in dürftigen trümmern in der Bretagne[14] und vielleicht am biskayischen[15] meerbusen erhalten hat.

Keltisch ____________|______________________ _________/__________ \ / \ Gælisch Gallisch Brittisch _______|__________ | / | \ __________|________ Irisch Ersisch Manksisch / \ _oder_ Cornisch Welsch Caldonach \________________________/ | Bretonnisch

[Footnote 9: _Leibnitius_, G. G., Collectanea etymologica, illustr. linguar. veteris Celticæ, Germ., Galicæ aliarumque inservientia. 2. part. 8. Hannov. 1717.

_Bullet_, J. B., Mémoires de la langue Celtique (l'hist. de la langue; descript. étymol. des villes, rivières etc. des Gaules; dictionaire Celtique). 3 tom. fol. Besançon 1754-60.

_Denina_, C. J. M., Sur la langue Celtique et celles qu'on prétend en être sorties. 4. Berol. 1787.

_De Bast_, M. J., Recherches hist. et littér. sur la langue Celtique. Gauloise et Tudesque. 2 voll. 4. Gand 1815. 16.

_Diefenbach_, L., Celtica. I. Sprachl. documente zur geschichte der Kelten. II. Versuch einer geneal. geschichte der Kelten. 8. Stuttg. 1839. 40.

_Maclean_, L., History of the Celtic languages. 12. Lond. 1840.

_Galli_, C., Essai sur le nom et la langue des anciens Celtes. 8. Paris 1844.

_Edwards_, W. F., Recherches sur les langues Celtiques. 8. Paris 1844.]

[Footnote 10: _Walter_, An English and Welsh dictionary. 2 vols. 8. London 1829.

_Gambold_, W., A Welsh grammar. 12. Carmarthen 1842. (4. ausgabe.)]

[Footnote 11: _Macpherson_, J., Critical dissertation on the origin, antiquities, language of the ancient Caledonians. 4. London 1768.

Dictionarium Scoto-Celticum; a dict. of the Gælic lang. publ. under the direction of the Highland Society of Scotland. 2 vols. 4. Edinb. 1828.

_M'Alpine_, N., Pronouncing Gælic Dictionary, to which is præfix. a concise grammar. 8. Edinb. 1845.]

[Footnote 12: _Neilson_, W., An introduction on the Irish language. 3 vols. 8. Dublin 1808.

_O'Reilly_, E., Sauas Gasidhilge-Sags-Bhéarla. An Irish-English dictionary. To which is annexed a compendious Irish grammar. 4. Dublin 1817. 1822.]

[Footnote 13: _Cregeen_, A., A dictionary of the Manks language. 8. Douglas 1835.

_Kelly_, J., A practical grammar of the ancient Galic or lang, of the isle of Man, usually called Manks. 4. London 1803. Essex 1806.]

[Footnote 14: _De Courson_, A., Essai sur l'histoire, la langue et les institutions de la Bretagne Armoricaine. 8. Paris 1840.

_De Rostrenen_, Gr., Dictionnaire Français-Celtique ou Français-Breton. 4. Rennes 1738. Rev. et corr. par B. Jollivet. 2 vols. 8. Guingamps 1834.

_De Rostrenen_, Gr., Grammaire Française--Celtique ou Française--Bretonne. 8. Rennes 1738. Guingamps 1833.]

[Footnote 15: Das Baskische mit seinen mundarten mag ein rest des alten Aquitanischen sein, von dem schon Cäsar (de bell. Gall. I, 1) sagt, dass es von dem Gallischen und Keltischen verschieden sei. _Diefenbach_, L., Celtica. Zweite abtheilung. S. 5 u. ff.]

Das heutige Englisch hat von jener einst so weitverbreiteten und in Britannien ausschliesslich gesprochenen sprache ausser einer beträchtlichen anzahl eigener namen zur bezeichnung von orten, bergen und flüssen nur sehr wenige wörter (flannel, mattock, plaid, tartan, gyve, tackle, bran etc.) und die meisten derselben erst in neuerer zeit angenommen. Schriftliche denkmale der alten keltischen zeit existiren nicht mehr. Die Druiden, deren vernichtung die Römer eifrig betrieben, da sie in ihnen die erhalter der keltischen nationalität sahen und fürchteten, hielten es nach Cäsar's erzählung für unziemlich, ihre lehren der schrift zu übergeben und überlieferten dieselben, so wie die volksmythen und volkspoesien nur mündlich (Cæs. de bell. Gall. VI, 14). Die brittischen münzen, deren mehrere erhalten sind, waren nachahmungen der römischen und enthalten nur römische schriftzeichen.

+II. Die Römer.[16]+

Das römische Britannien stand bald in eben so lebhaftem verkehr mit Rom und den provinzen des weltreichs, als Gallien, wozu Britannien der verwaltung nach lange zeit gerechnet wurde. Die triumphe der römischen heerführer und imperatoren über Britannien wurden als siege über die bewohner der enden der erde zu Rom nicht minder durch glänzende aufzüge als durch lobreden der ersten geister Rom's gefeiert. Auch die genüsse und herrlichkeiten, welche Britannien bot, wurden dabei nicht übersehen. Juvenal besingt die brittischen austern aus Rutupiæ (Richborough):

Rutopinove edita fundo ostrea,

und schildert die wallfische der brittischen gewässer:

Quanto delphinis balæna britannica major.

[Footnote 16: Eine vorzügliche culturgeschichtliche schilderung Britanniens unter den Römern findet sich in The Celt, the Roman and the Saxon: a history of the early Inhabitants of Britain, down to the conversion of the Anglo-Saxons to Christianity. By Thomas Wright. 8. London 1852. Aus älterer zeit enthalten Horsley's Britannia Romana und Camden's Britannia interessante mittheilungen. Die römischen alterthümer Schottlands sind in der Caledonia Romana (Edinburgh 1845, in einem bande) von Robert Stuart gesammelt worden. Ausserdem sind eine grosse anzahl monographien über die römischen alterthümer einzelner städte und örter, so wie ganzer districte England's in neuerer und älterer zeit erschienen, welche zum theil in dem oben genannten werke von Thomas Wright aufgeführt werden.]

Martial schrieb ein epigramm auf die zierliche gestalt (decus formae) einer schönen Brittin, welche er Claudia Rufina nennt.

Dafür trug aber auch Rom seine cultur, der Gallien schon in so hohem masse theilhaftig geworden war, nach Britannien. Martial brüstet sich:

Dicitur et nostros cantare Britannia versus;

und Juvenal feiert die ausbreitung der klassischen gelehrsamkeit und redekunst von Gallien aus nach Britannien:

Nunc totus Graias nostrasque habet orbis Athenas: Gallia causidicos docuit facunda Britannos; De conducendo loquitur jam rhetore Thule.

Die römischen legionen und zuströmenden bewohner aus allen gegenden des römischen weltreiches veränderten auch das äussere aussehen des landes; überall entstanden aus den stehenden lägern und in der nähe der römischen forts örter und städte, welche durch ein umfassendes strassensystem mit einander verbunden waren; tempel und altäre, villen, säulenhallen, bäder, kostbares mosaik und alle andern schöpfungen der römischen baukunst fanden sich in Britannien. Schon Tacitus spricht von London als einem grossen handelsorte, und Ptolemäus erwähnt eine menge römisch-brittischer städte, darunter Rutupiæ (Richborough) als hauptlandungspunkt vom festlande aus, Darvernum oder Durovernum (Canterbury), Venta (Winchester), Aquæ calidæ (Bath), Ischalis (Ilchester), Durnovaria (Dorchester), Saliva (Silchester), Corinium (Cirencester), Camulodunum (Colchester), Verulamium (St. Albans), Lindum (Lincoln), Ratæ (Leicester), Eburacum (York), Isurium (Aldborough), Caturactonium (Catteric), Olicana (Ilkley), Epiacum (Lanchester), Vinnovium (Binchester), Deva (Chester), Viroconium (Wroxeter) u.s.w. Allein im norden zählt Ptolemäus mehr als zwanzig grössere städte auf.

Dass die Römer Britannien als völlig unterworfen betrachteten, geht auch daraus hervor, dass sie mehrere legionen als überflüssig allmälig aus dem lande zogen und nur noch vier, die II., VI., IX. und XX. als genügende besatzung darin stehen liessen. Von diesen stand die II. zu Isca (Cærleon) und die XX. zu Deva (Chester), um die bergbewohner von Wales, Cumberland und Westmoreland im zaume zu halten und das land vor den raubzügen der irischen seeräuber zu schützen, welche im Severn und Dee zu landen pflegten. Die VI. legion stand zu Eburacum (York), um die nördlichen gebirgsbewohner zurückzuscheuchen, wo sich auch die IX. wahrscheinlich in kleineren grenzforts zerstreut befand, denn der norden von Britannien bis an den caledonischen wald war dicht mit forts und militärischen posten besetzt. Im süden befanden sich dagegen in der ersten zeit der römischen herrschaft nur geringere mannschaften zerstreut.

Während sich die Römer so in den fruchtbaren niederungen des südlichen und östlichen England's ausbreiteten und befestigten, wurden die schwer zugänglichen gebirge im westen und norden die natürlichen festen der alten aus ihren früheren besitzungen verjagten Kelten, welche sich zunächst von der Sylva Caledonica[17] im norden unter dem namen Caledonier den römischen besitzungen so furchtbar und bekannt machten, dass der gesammten alten keltischen und unabhängigen gebirgsbevölkerung Britanniens der name Caledonier zu theil wurde. Als der kaiser Hadrian im jahre 120 persönlich nach Britannien kam, war es seine hauptsorge, diese Caledonier zurückzutreiben und zu ihrer abwehr quer über die insel eine 70 englische meilen lange, ununterbrochene, massive mauer vom Solway bis zum Tyne (von Carlisle bis Newcastle, oder genauer von Bowness am Solway Firth bis Wall's End am Tyne) aufzuführen, welche auf der südlichen seite durch einen erdwall und tiefen graben vermehrte sicherheit erhielt und ausserdem noch von 23 stationsplätzen mit dazwischen liegenden forts und wachtthürmen geschützt wurde. Unter dem nachfolger Hadrian's, dem kaiser Antoninus Pius, trieb der proprätor Lollius Urbicus die Caledonier noch weiter zurück und führte eine neue befestigungslinie mit forts und thürmen weiter nach norden quer über das land vom Forth bis zum Clyde, indem er dabei alte, schon von Agricola angelegte befestigungen benützte. Die verbindung der forts war durch einen ununterbrochenen erdwall hergestellt, welcher zu ehren des kaisers den namen Antonin's wall erhielt. Gegenwärtig heisst dieser wall Graham's Dike, und die mauer Hadrian's[18] ist unter dem namen Pictenmauer bekannt.

[Footnote 17: Cal -- Gal -- Gæl: keltisch, und don -- down: berg, so dass Caledonia so viel heisst als keltisches gebirgsland.]

[Footnote 18: Kein theil England's enthält so viele und merkwürdige römische alterthümer, als derjenige strich, durch welchen die mauer Hadrian's führte; sie ist daher gegenstand einer besonderen schrift geworden: The Roman Wall: a historical, topographical, and descriptive Account of the Barrier of the Lower Isthmus, extending from the Tyne to the Solway, deduced from numerous personal Surveys. By the Rev. J. Collingwood Bruce, of Newcastle-upon-Tyne.]

Es wurden jetzt auch in Britannien die vorboten des nahenden verfalles der römerherrschaft in dem streite um den besitz des kaiserthrones sichtbar. Auch die britannischen heerführer nahmen mit den in Britannien befindlichen legionen daran theil. Pertinax war kurze zeit kaiser, und Albinus wurde erst nach schwerem kampfe im jahre 197 von Severus bei Lyon besiegt und getödtet. Während dieser kämpfe, durch welche die aufmerksamkeit der römischen soldaten nach süden gelenkt wurde, erneuerten die Caledonier ihre einfälle. Zu gleicher zeit tritt an der nördlichen ostküste England's, unmittelbar nördlich von dem Antonin's walle ein neues streitbares volk gegen die Römer auf, welches von Dio Cassius Mäaten genannt wird, deren rückzug der nach Albinus tode von Severus zum proprätor ernannte Virius Lupus nur mit golde erkaufen konnte. Die plötzliche erscheinung dieser Mäaten zwischen den jenseits derselben hausenden Caledoniern und den Römern hat zu der annahme veranlassung gegeben, dass sie ein über das meer gekommener skandinavischer stamm gewesen seien. Sicheres ist nicht aufzufinden, indem ihr name bald wieder verschwindet. Als Virius Lupus nach einigen jahren dem erneuten andrängen der nördlichen feinde keinen erfolgreichen widerstand leisten konnte, eilte der kaiser Severus im jahre 208 nebst seinen beiden söhnen Geta und Caracalla durch Gallien mit einem grossen heere nach Britannien und drang im folgenden jahre nach Herodian's bericht unter unsäglichen beschwerden und ununterbrochenen kämpfen durch gebirge, wälder und sümpfe bis an die nördlichste küste Britannien's vor, durch welchen zug es zum ersten mal über allen zweifei erhoben wurde, dass Britannien eine insel sei. Gegen ende des Jahres 209 kehrte Severus nach Eburacum (York) zurück, wo er am 4. februar 211 starb.

In den folgenden jahren der schwäche des römischen reiches zeigte sich bei den befehlshabern in Britannien die neigung, sich unabhängig zu machen, welches auch dem Carausius unter der regierung des Diocletian gelang. Unterdessen ging eine grosse veränderung im norden vor. Man nimmt nach einer späteren, zu Beda's zeit bekannten Überlieferung an, dass einwanderer aus Irland unter einem führer, welcher Reuda genannt wird, in das westliche Schottland drangen und die grundlage desjenigen Volkes wurden, das später dem ganzen norden von Britannien den namen Schottland gab. Die alten Caledonier und die jüngeren Mäaten verschwinden von dem geschichtlichen schauplatz, und an ihre stelle treten die Picten[19] und Scoten nebst einem neuen stamme, den Attacotten, deren wildheit bald gefürchtet wurde. In diese zeit fallen auch die ersten streif- und raubzüge der germanischen und scandinavischen seefahrer nach den östlichen und südöstlichen küsten Britannien's. Um diesen einfällen zu begegnen, wurde eine reihe forts an den südöstlichen küsten errichtet und zu Gessoriacum (Boulogne) in Gallien, ferner in den häfen des heutigen Kent, Sussex und Hampshire eine bewaffnete flotte unterhalten. Ein Bataver aus dem stamme der Menapier, Carausius, schwang sich zum oberbefehlshaber der flotte auf und errang viele siege über die seeräuber. Durch seine erfolge kühn gemacht, verband er sich mit den deutschen stämmen auf der Britannien zunächst liegenden nordküste des festlandes, bemächtigte sich Gessoriacum's, des schlüsseis zur überfahrt nach Britannien, und machte sich zum mitkaiser Diocletian's und Maximian's, welche würde und macht er während eines zeitraumes von sieben jahren 287 bis 293 zu behaupten verstand, indem er zugleich die seeräuber und die Scoten von den grenzen zurückhielt. Seine macht endete mit seinem tode, den er von der hand des Allectus erhielt, welcher sich bis 296 als herrscher behauptete, in welchem Jahre Constantius seine truppen schlug, und Allectus in der schlacht das leben verlor. Constantius selbst starb 306 zu York, der römischen hauptstadt von Nordbritannien, worauf sein sohn Constantin der grosse noch bis 312 in Britannien blieb, ehe er alleinherrscher der römischen welt wurde. Die folgenden inneren kriege um den römischen thron entblössten Britannien von truppen, weshalb die Picten und Scoten ihre raubzüge in den süden des landes erneuerten. Sie wurden von dem magister armorum Lupicinus mit in der eile zusammengerafften Herulern, Mösiern und Batavern vertrieben, wonach das land einige zeit der ruhe genossen zu haben scheint.

[Footnote 19: Da nach Beda's kirchengeschichte (Denique [Osvaldus rex] omnes nationes et provincias Britanniæ, quæ in quatuor linguas, i.e. Britonum, Pictorum, Scotorum, Anglorum divisæ sunt, in ditione accepit. III, 7.) die Picten eine von den Scoten verschiedene sprache redeten, so hat man wohl zu voreilig angenommen, dass sie ein scandinavischer stamm gewesen seien, und darauf die eigenthümlichkeiten des schottisch-englischen dialektes gegründet. Vergl. Dissertation on the Origin of the Scotish Language von J. Jamieson, vor dessen Dictionary of the Scotish language. 2 vols. 4. Edinburgh 1808. Neue ausgabe von J. Johnstone. 2 parts. 4. London 1840.]

Unter Julian's regierung mögen die stürme der nördlichen feinde, so wie die einfälle der Dänen und Sachsen zur see von neuem begonnen haben, denn bald nach der thronbesteigung des Jovian ist Britannien von allen seiten bedrängt, ohne dass bis in die zeit seines nachfolgers Valentinian irgend ein erfolgreicher widerstand geleistet worden wäre. Valentinian überliess seinem bruder Valens die regierung des ostens und verwendete seine eigene ganze kraft auf die erhaltung des westens. Im jahre 368 erhielt er auf dem wege von Amiens nach Trier die nachricht von einem neuen und furchtbaren einfalle der barbaren, welche den befehlshaber der seeküste (bereits litus saxonicum genannt) Nectaridus besiegt und erschlagen und den befehlshaber des nördlichen Englands, Fullofaudes, in einen hinterhalt gelockt und getödtet hatten. In dieser grossen noth wurde Theodosius nach Britannien geschickt, welcher die feinde mit der plünderung der gegend um London beschäftigt fand. Es gelang ihm, die raubscharen zu verjagen und ihnen die beute zum theil wieder abzunehmen. Aus seiner proklamation, wonach denjenigen, welche zu ihrer pflicht zurückkehren würden, verzeihung zu theil werden sollte, worauf auch eine grosse anzahl von den räuberischen horden abfiel, geht deutlich hervor, dass die unterjochte eingeborene (keltische?) bevölkerung gemeinsame sache mit den fremden machte. Nachdem Theodosius die ankunft des Civilis, eines neuen civilgouverneurs von Britannien, und des Dulcitius mit hilfstruppen, unter denen sich auch ein haufe Deutscher (numerus Allemannorum) mit ihrem »rex« Fraomarius befand, in London abgewartet hatte, begann er seinen feldzug gegen norden und endigte ihn so glücklich, dass er den Picten und Scoten sogar den theil des landes zwischen der mauer Hadrian's und dem walle Antonin's, welchen sie in vollem besitze hatten, wieder abnahm und die sehr beschädigten städte und forts zur abhaltung der barbaren wiederherstellen konnte. Mit dem danke der friedlichen einwohner und dem wegen der besiegung der germanischen seeräuber erhaltenen beinamen _Saxonicus_ (Pacatus Paneg. Theod.) verliess Theodosius die insel, nachdem er zuvor die ehrgeizigen pläne des Valentinus und Frontinus durchkreuzte; sie waren wegen politischer intriguen nach Britannien verbannt worden und setzten dieselben hier fort, indem sie eine verschwörung anstifteten, welche die losreissung Britannien's von der römischen herrschaft bezweckte.

Als der sohn des Theodosius, von Gratian zum nachfolger auserlesen, die kaiserliche würde annahm, empörte sich im jahre 383 Maximus, ein geborener Spanier, mit dem heere in Britannien und machte sich zum gegenkaiser. Dieser aufstand war in so weit glücklich, als Maximus nach seiner landung an der mündung des Rheins auch von den legionen in Germanien als kaiser begrüsst wurde. Theodosius sah sich genöthigt, dem neuen kaiser die provinzen Spanien, Gallien und Britannien zu überlassen, womit dieser sich aber nicht begnügte, sondern im günstigen Augenblicke über die Alpen ging und in Italien einfiel, wo er aber, von Theodosius besiegt, die krone mit dem leben verlor. Nach dem siege über Maximus begab sich Theodosius nach Gallien und schickte den Chrysanthus als statthalter nach Britannien, welcher dort die ruhe wiederherstellte. Der zug des Maximus ist von den alten geschichtsschreibern, besonders von Geoffrey von Monmouth (V, 14) zur einführung mancher fabeln in die englische geschichte benützt worden. Britannien, sagen sie, soll durch Maximus so von aller waffenfähigen mannschaft entblösst worden sein, dass es nicht mehr im stande gewesen, sich gegen die einfälle der barbaren zu schützen; ferner sollen die brittischen scharen, welche dem Maximus nach Gallien folgten, nach dessen niederlage sich in Armorica niedergelassen und diesem lande den namen Bretagne oder Kleinbritannien gegeben haben, worauf man die 11000 Jungfrauen, deren gebeine der stadt Cöln zugefallen seien, aus Britannien nach der Bretagne geschickt habe, um jenen scharen als weiber zu dienen. Aus der notitia imperii, welche um diese zeit entstanden ist, geht indessen hervor, dass zwar die XX. legion, welche lange zu Deva (Chester) gestanden hatte, gänzlich aus Britannien herausgezogen war, dass aber zwei legionen mit zahlreichen hilfstruppen immer noch zum schutze Britannien's dienten und zwar dieselben, welche immer in diesem lande gestanden hatten: die VI. legion in ihrem alten hauptquartier zu Eburacum (York), und die II. legion, welche aber von Isca nach Rutupiae an die südöstliche küste verlegt worden war, entweder um die einfälle der Sachsen abzuwehren, oder um die Verbindung mit Gallien zu unterhalten. Dabei waren die südöstlichen und östlichen küsten stark befestigt und mehrere neue forts errichtet worden.

Im anfange des fünften Jahrhunderts empörten sich die soldaten in Britannien und machten einen gewissen Marcus und bald darauf den Gratian, einen britannischen stadtbürger,[20] zum kaiser, welcher jedoch nach vier monaten von ihnen wieder erschlagen wurde. Hierauf folgte ein gemeiner soldat, der wegen seines namens Constantinus zum kaiser gewählt wurde. Dieser hielt sich einige zeit, wurde auch in Gallien, wo er die hereinbrechenden Deutschen schlug, als kaiser des abendreiches begrüsst und bekam auch Spanien in seine gewalt. Einige jahre später, als der kaiser Honorius durch den tod Alarich's im jahre 411 von diesem furchtbaren feinde befreit war, sandte er Constantius mit einer grossen armee gegen Constantinus, welcher in Arles eingeschlossen, zur übergabe gezwungen und später in Ravenna getödtet wurde. Der sieg des Constantius war weder im stande, das in seinen grundfesten erschütterte reich zu halten, noch Spanien, Gallien und Britannien zu beruhigen. Diese provinzen unterwarfen sich der römischen herrschaft nicht mehr, sondern erwehrten sich ihrer feinde, so gut sie konnten.

[Footnote 20: Apud Britannias Gratianus, _municeps_ eiusdem insulæ tyrannus creatur et occiditur. Orosius histor. VII, 40.]

Während Constantinus in Gallien kriegte, hatten die brittischen städte im jahre 409 die unmächtigen kaiserlichen regierungsbeamten[21] abgesetzt, die plündernden Sachsen mit den waffen in der hand vertrieben, und waren von Honorius, welcher in Italien von den Gothen geängstigt wurde, im jahre 410 sogar aufgefordert worden, sich selbst zu beschützen,[22] denn die römischen legionen, welche ununterbrochen fast fünfhundert jahre lang in Britannien geherrscht hatten, waren von Constantinus nach Gallien geführt worden und kehrten nicht mehr zurück, da der abendländische kaiser zu grosse mühe hatte, Italien vor den anstürmenden barbaren zu beschützen, um eine entfernte und an den grenzen durch fortwährende einfälle unermüdlicher feinde bedrohte provinz zu vertheidigen: Britannien ward sich selbst überlassen.

[Footnote 21: Sharon Turner's History of the Anglo-Saxons vol. I.,