Geschichte der Belagerung, Eroberung und Zerstörung Magdeburg's

Part 6

Chapter 63,608 wordsPublic domain

Bei sothanem Wesen aber, und als man diese große Macht und übel aussehendes Werk verspüret, haben ihrer Viele wiederum etwas stutzig werden und dahin zielen wollen, ob nicht etwa Mittelspersonen, oder Ihre Churfürstl. D. D. zu Sachsen und Brandenburg und die E. Hansastädte, könnten vermocht und also bei kaiserl. Maj. ein Stillstand der Waffen und endliche Aufhebung erhalten werden. Jedoch weil vermittels vieler von neuem wieder ausgesprengten guten Zeitungen, insonderheit daß Capitain +Sparenberg+, vom Könige in Schweden abgeschickt, einen Kerl über die Elbe sollte gesandt und dem +von Falckenbergen+ zuentboten haben, gleich der König mit der Armee allbereits in der Mark, auf Magdeburg zu, begriffen, ihm solches voranzudeuten, abgeordnet und bei seiner Seelen gebeten hätte, die Stadt Magdeburg möchte sich getrost halten, er wollte sie bald königlich entsetzen etc. Demnach hat dieses und dergleichen die Gemüther der gemeinen Bürgerschaft etwas wieder besänftiget, hergegen Derer Meinungen, so sich auf Anstand und Interposition hochgedachter Churfürsten und Städte gründen wollen, verdrücket und ausgelöschet, welches um so viel mehr Kraft erreichet, daß zugleich die mehresten Prediger in den Kirchen ihre Gemeinden fleißig ermahnet, sich solcher Gedanken und Reden, daß man wiederum mit denen Päpstischen oder Feinden des Evangelii zu tractiren anfangen und in Vereinigung treten wolle, zu entschlagen und abzustehen, sintemal, sagten sie, solche Leute keine Hoffnung noch Vertrauen zu Gott, als der sein Wort gewiß erhalten, und der Stadt in so gerechter Sache wohl beispringen würde, haben könnten, sondern lieber dem Teufel dienen und ihr Vaterland dem abgöttischen Papstthum in den Rachen stecken wollten.

Der General +Tilly+ aber, sobald derselbe diesen Vortheil mit der Zollschanze und andern Werken dieser Oerter einbekommen, hat er bei Westerhausen[19] eine Schiffbrücke über die Elbe geschlagen, und sich mit der größten Macht auf die andere Seite der Stadt gewendet, auch gegen der (_die_) Sudenburg, die der Markgraf etwas retranchiren und befestigen lassen, zu approchiren angefangen. Als aber der +von Falckenberg+ solche große Force und Macht verspüret gehabt, und daß dagegen ein solcher schlecht verwahrter Ort zu erhalten unmöglich fallen würde, ist er, für sich und zugleich wegen des Markgrafen, zu Rathhause erschienen mit dem Andeuten und Bericht, wie nach so gestalten Sachen die Bürger und Soldaten daselbst mit dem, was sie mit sich hereinzubringen vermöchten, müßten in die Stadt eingenommen und die übrigen annoch unabgebrochenen Häuser der Sudenburg -- damit der Feind desto mindern Vortheil daraus empfände -- mit Feuer belegt und in Brand gesteckt werden. Der Rath aber, so zwar fleißig und, wofern es möglich zu unterlassen, vorgebeten, hat solches endlich, bei sothaner Gefahr und Extremitäten, müssen dahin gestellt sein und ihm, dem +von Falckenberg+, nach seiner Discretion darein schalten und walten lassen. Darauf einen Tag zuvor alles Hausrath und dergleichen in die Alte Stadt geschleppt und den 21. Aprilis gegen Abend diese Vorstadt Sudenburg Magdeburg -- darin eine feine Kirche und kein einziges Haus, mit Stroh gedeckt, zu befinden gewesen -- nebst angehängtem Flecken S. Michael angezündet und in die Asche gelegt worden. Was nun von armen und kranken Leuten gewesen, und die sobald keine Herberge gewußt, haben sich mit ihrer Armuth und Bettpuchen (_geringen Habe und ärmlichen Betten_) in den Kreuzgang[20] bei S. Nicolai Kirchen lagern und allda, was ihnen etwa durch fromme Leute gegeben worden, erwarten müssen. Den 22. Aprilis ist eine Partei von den Falckenbergischen aus der Neustadt ausgesträufet (_ausgestreift_), hat einen ligistischen General-Adjutanten nebst andern Personen gefangen bekommen, welcher berichtet gehabt, daß der Graf +Pappenheim+ die andere Vorstadt, Neustadt Magdeburg, noch denselben Tag -- wenn es nicht an Kraut und Loth, so noch nicht ankommen gewesen, ermangelt -- hätte angreifen wollen, darauf auch der +von Falckenberg+ ferner fortgefahren und diese jetzt genannte Vorstadt gleichergestalt den 23. Aprilis -- zwar auf Vertröstung, daß er bei des Königs in Schweden Ankunft die Bezahlung solcher und anderer Häuser vermitteln wolle -- abbrennen und einäschern lassen, wiewohl das Armenhaus, der Schwiesau genannt, nebst etlich wenig andern Häusern dennoch bestehend geblieben, das darin liegende Kriegesvolk, wie auch was aus der Sudenburg in die Alte Stadt genommen worden, so sich ingesammt auf 1100 Mann verstreckt, haben etliche vermögende des Raths, auf des +von Falckenberg+’s Credit und Wiederbezahlung, dergestalt unterhalten, daß sie etliche 100 Thaler aufgebracht und jedem gemeinen Soldaten die Woche 20 ggr. richtig bezahlen lassen, davon sie, weil annoch von allen in der Stadt genug ums Geld zu bekommen gewesen, ihren Unterhalt gar wohl haben können, und weil sie täglich auf den Wällen oder in Bereitschaft liegen müssen, ist, ihnen Quartiergeld zu geben, keine Noth gewesen. Die Bürger aber haben in den Vierteln über das vor (_für_) die Soldaten Speck, Würste, Bier und dergleichen zusammen geschossen und ihnen auf die Wälle gebracht. Ihre Officiere sind durch den +von Falckenbergen+, als welcher bei denen Kaufleuten Getreide, Bier, Tuch und Seidenwaaren auf sein Credit haben können, unterhalten worden. Allein die Reiterei, deren noch auf 250 gewesen, hat anfangs niemand -- aus Furcht, daß sie es auch in der Altenstadt, also wie in der Neustadt geschehen, mit den Leuten in den Quartieren machen würden -- einnehmen wollen, daher sie eine Nacht und 2 Tage auf der Straße halten müssen, bis ihnen der Rath endlich Quartiere verschafft und der +von Falckenberg+ die Ordre gegeben, daß sie ja sowohl, wann’s die Noth thäte, mit ihren Bandelierröhren und Pistolen als andere Bürger (_gleich den andern Bürgern_) und Soldaten zu Walle gehen und fechten sollten.

Des folgenden Tages, als den 24. Aprilis, sind der +von Falckenberg+ und andere hohe Officiere auf das Rathhaus kommen und haben, mit Zuziehung etlicher aus dem Rath, die Bestell- oder Besetzung der Posten ausgetheilt, also daß zwölf Viertel der Bürgerschaft den Wall ~cent~ um die Stadt und das Fischer-Viertel, nebst noch zwei Vierteln, den (_das_) Fischerufer und (_die_) ganze Wasserseite bis in den Fährgarten[21] zu besetzen auf sich genommen; die übrigen drei Viertel sind in der Stadt auf dem Markt zur Reserve und Hinterhalt gelassen worden. Der Generalmajor +Amsteroth+ hat das Commandement über die beiden halben Monde vor dem Ulrichs- und Schrotdorfer-Thor, ingleichen über das Hornwerk vor dem Kröckenthor -- worin der Stadt Compagnie unter dem Capitain Major +Lucas Huttenheim+ -- und neue Bollwerk bei der Neustadt -- darauf und in beiden gedachten halben Monden +Falckenberg+’s eigen Volk gelegen -- geführet und verwaltet. Dem Obristen Lieutenant +Trosten+ wurde das Kronwerk aus dem Marsch, das Retranchement auf dem Werder vor der Graalsbrücke und (_der_) halbe Mond vor der kurzen Elbbrücke (_jetzigen Strombrücke_) zugeordnet. Der Hr Administrator hat mit seiner Leibcompagnie und des Obristen Lieutenants +Bönnies+ Regiment, 400 Mann stark, das neue Bollwerk und Ravelin bei der Sudenburg in Defension und Obacht genommen; dem andern Stadt Capitain, +N. Schnellen+, ist mit seiner Compagnie die Streitmauer und Gewölbe, so um und unter dem Heydeck, zu verwahren; der Reiterei aber, vor dem (_für den_) +von Falckenberg+ in Reserve zu bleiben, anbefohlen worden, womit also die Besatzung um und um ausgetheilt und jeder Ort der Gebühr nach versehen gewesen. Die Bürgerschaft hat man -- mitgerechnet die Witwen -- auf 2000 stark und der erwachsenen Söhne, Knechte und Handwerkspursche auf 3000 stark geschätzet.

Um diese Zeit geschah unter andern auch ein starker Ausfall gegen die Kaiserlichen oder Ligistischen, so auf dem Marsch, da sonst die Vogelstange gestanden, in Laufgräben lagen, dazu des Obristen Lieutenant +Trosten+ Volk und eine der Stadt Compagnie gebraucht worden. Die schlugen die Tillyschen aus den Approches daselbst, mit Ruinirung zweier Compagnien ihres Volkes, also daß, wofern zur selben Zeit nicht eben des Feindes Wacht, so ablösen wollen, angekommen, die Ligistischen ganz vom Marsch abgetrieben wären. Auf der Stadt Seite sind allein 15 verwundet und 5 erschlagen, hergegen aus der andern Seite über 100 niedergemacht worden. Nachdem aber der +Tilly+ die obgenannten beiden Vorstädte vor Magdeburg erobert gehabt, hat er sich bald mit sehr großer Macht und unnachläßlichem vielen Approchiren, dazu er theils Soldaten, theils die Bauern vom Lande gebraucht, zur Haupt- oder Alten Stadt genähert und zwar folgender Gestalt und also, daß er dem Grafen +Wolfen von Mansfeld+ die Post (_den Posten_) bei der Sudenburg, als von der Elbe bis an und ~cent~ (_rings_) um den Heydeck her, zugetheilet; der Graf +von Pappenheim+ hat den Ort bei der Neustadt, von der Elbe an bis zum Krökenthor und da herum, in Aufsicht bekommen. Der Marsch und die ganze Seite über der Elbe ist der ligistischen Armee anbefohlen; was aber die West- oder Feldseite der Stadt, als zwischen dem Heydeck und Krökenthor, anlanget, mit starker Reitermacht, so hinter allen Hügeln und Gründen mit ganzen Regimentern gehalten, versehen und bewahret worden. Diese jetzt genannten Generale nun haben, sobald sie mit ihren Laufgräben etwas näher kommen, unterschiedliche Batterien verfertigen und mit vielen groben Stücken oder halben Kanonen gegen der Stadt wärts bepflanzen lassen. 1) Der Graf +von Mansfeld+ eine Batterie mit 5 halben Carthaunen nahend an der Sudenburger Stadtmauer in einem Garten gegen den Heydeck über, von welcher er anfangs auf das Bollwerk, der Heydeck genannt, Breche zu schießen angefangen; aber weil solches wenig geschafft, hat man von dahero den Wall entlang, nämlich vom Heydeck bis an das Schrotdorferthor, flanquiret und, weil die Kugeln nur gleichsam über das Bollwerk geworfen worden, ist der auf dem Walle liegenden Wacht oft Schaden damit geschehen, denn die Kugeln theils Leuten die Beine, den Leib, den Hintern und dergleichen hinweg gelaufen, sind auch wohl gar in der Corps de Garden Stuben gekommen und der Wacht dadrinnen sehr schädlich gewesen. 2) Haben sie von einer Batterie hinter der Sudenburg heftig nach dem Domthurme geschossen, und solches daher, daß der Obrist Lieutenant +Boy+ von diesen Thürmen mit langen gezogenen Röhren in die kaiserlichen Laufgräben geschossen und oft Schaden damit unter sie (_ihnen_) soll gethan haben, wiewohl solcher nimmermehr so groß gewesen, als dieses herrliche Gebäu und sonderlich der eine Thurm hiermit ist zernichtet und übel zugerichtet worden. 3) Hat dieser Graf +von Mansfeld+ noch eine Batterie, so etwas näher nach dem Ulrichsthor, auf dem Acker daselbst aufwerfen und damit den Wall und (_die_) Thürme an der Stadtmauer allhierum etwas beschießen lassen. 4) Der Graf +von Pappenheim+ ist an seinem Orte bei der Neustadt auch nicht wenig mit Erbauung einer Batterie nahe am Stadtgraben, der Hohenpforte gegenüber, bemüht gewesen. 5 u. 6) Sind durch denselben noch 2 Batterien, die eine nahe an der Elbe, wo jetzt die Contrescarpe in Form eines halben Mondes hingelegt, die andere, ihr gegenüber, jenseits der Elbe erbauet und damit das Rondel und dessen Streitmauer beschossen und gefällt worden, auf welchen drei Batterien der Pappenheim insgesammt 17 halbe Carthaunen gehabt. Endlich und 7) hat man von den Batterien vor dem Zoll nur noch eine gelassen und von derselben bisweilen auf das neue Werk auf dem Marsch, bisweilen in die Stadt und unter die Schiffmühlen gespielt.

Diesem nach ist auf Seiten der Stadt sowohl mit Musquetaden als grobem Geschütz wiederum nicht stille gehalten, insonderheit aber des Nachts ohne Aufhören auf des Gegentheils Approchen gefeuert worden, und als +Pappenheim+ von der gedachten fünften Batterie, so hinter der neustädter Stadtmauer war, die Scharten am Rondel und das darauf stehende Geschütz sehr verletzt, hat man von dem dabeiliegenden neuen Bollwerke 2 halbe Carthaunen auf einen gewissen Ort dieser gemeldeten Stadtmauer also gerichtet, daß nach Abbrennung dieser beiden Stücke die Kugeln ein großes Stück der Mauer durchschmettert und das Steinwerk den Constablern und Leuten allda Arm und Bein, auch die Affüten des Geschützes heftig zerschlagen und zum Theil bis in die Elbe geschleudert haben, so daß von dieser Batterie nachmals kein einziger Schuß mehr geschehen.

Es haben aber selbigesmal die beiden aus dem Rathe verordneten Schutzherren[22] dem regierenden Bürgermeister entdeckt, daß sie fast jedes Tages dieser Zeit her von 18 bis 20 Tonnen Pulvers, deren jede 1 Centner gewogen, ausgereicht. Nun wären aber nur noch 5 Tonnen vorhanden, und obgleich aus dem Salpeter, dessen annoch auf 250 Centner in Vorrath, täglich 2 Centner vermacht würden, so wolle doch solches nirgends zureichen. So wären auch die Lunten[23] dergestalt in Abgang gekommen, daß eine ganz andere Ordnung und Sparsamkeit darin müsse gehalten werden, welches oberzähltermaßen an den +von Falckenberg+ zu berichten, mir, dem Autori, durch den worthaltenden Bürgermeister im Rath aufgetragen worden. Es hat sich der +von Falckenberg+ sehr darob entsetzt und gesagt, daß ihm dieses längst geahnet, indem sich fast Keiner einreden und das unzeitige Schießen mit dem groben Geschütz unterlassen wollen.

Ob nun wohl vor der Zeit dieses Unwesens die Stadt etwa 600 Centner Pulvers und 500 Centner Salpeter in Vorrath gehabt: so sind doch in der Bloquirung ~Ao.~ 1629 auf 200 Centner davon verschossen worden, sintemal zur selben Zeit das Schießen mit Stücken nach einem Trüpplein von 5 oder 6 Reitern, wenn sie gleich auf 3000 und mehr Schritt von der Stadt gehalten, auch sehr gebräuchlich gewesen. 100 Centner haben I. F. Gn. und der +von Falckenberg+ zur Besetzung der umliegenden Städte, Schanzen und Reduiten bekommen; unter Bürger und Soldaten in der Stadt ist auch den Sommer und Winter durch über ein paar Hundert Centner gereicht und aufgewendet worden, also daß zu der Zeit, da es zur harten Belagerung gediehen, von dem Pulver, welches man unterdessen wiederum gemacht, nicht über 150 Centner in Vorrath, solches aber auch alles binnen wenig Tagen, bis auf die gedachten 5 Tonnen, verschossen gewesen.

Damit es aber nicht ganz an Pulver mangele, hat der +von Falckenberg+ in Mörsern, so die Apotheker[24] dazu hergeliehen, den Salpeter stoßen und also mit Hilfe des Rathes Pulvermühle[25] täglich 5 Centner Pulvers machen, hiergegen das Schießen mit dem Geschütz einstellen lassen, weshalb denn auch die Kaiserlichen ihre Batterien an Ort und Ende desto füglicher verfertigen und der Stadt desto mehr Abbruch thun können.

Hierauf schickte den 24. April/4. Mai der General +Tilly+ einen Trompeter von Westerhausen, allda das Hauptquartier damals war, mit drei Schreiben -- das eine an den Hrn Administrator, das andere an den +von Falckenberg+, das dritte an den Rath und sämmtliche Gemeine in die Stadt. Das Schreiben an den Rath war kürzlich des Inhalts: daß die Magdeburger allbereits mehr, als ihnen lieb, befunden hätten, in was für merklichen Schaden sie um der bisher gegen die röm. kaiserl. Maj. unverantwortlichen Obstinacität und öffentlicher Rebellion willen mit den Ihrigen gerathen, und es so weit gekommen, daß in seinen Händen stünde, die Stadt mit Hab und Gut, Weib und Kindern in völligen Ruin zu stürzen. Er wolle aber nicht dafür halten, daß sie in solcher Halsstarrigkeit ersoffen sein würden, und gemeinet sein sollten, sich der schuldigen kaiserlichen Devotion und von Derselben dependirender Clemenz zu unterwerfen, wie denn die Gnadenthür noch offen stünde. Diejenigen, so die Stadt zu defendiren angenommen, beförderten nicht der Stadt Wohlfahrt, sondern vielmehr des ganzen Landes Ruin.

Den 25. April des alten Calenders geschah ein Ausfall des Morgens früh auf die Kaiserlichen, so vor dem Heydeck lagen. Sie wurden daselbst aus den Laufgräben geschlagen und ihr Schanzzeug in den Stadtgraben geworfen. Desgleichen that der Generalmajor +Amsteroth+ zu Mittage, da er mit etlichen Kähnen etwa 40 Mann um das Rondel bei der Neustadt setzen und von den daselbst in den Approchen arbeitenden Soldaten über 16 erschlagen ließ. So ward auch in der folgenden Nacht von dem neuen Werke allhier über die Brustwehr der ~Fausse braye~ in den Graben gestiegen, dabei die Kaiserlichen etwa 40 Mann verloren und die aus Magdeburg ziemliche Beute von versilberten Degen und Partisanen bekommen haben. Dagegen wurden dieser Zeit her der Stadt alle Nächte 30 bis 45 Granaten und Feuerkugeln verehrt und eingeworfen. Zwar die Feuerkugeln anlangend, daraus sind etliche Männer[26] mit nassen Säcken und Häuten bestellt gewesen, die Achtung darauf geben müssen, wohin die Kugeln gefallen, dahin sie stracks gelaufen und dieselben gedämpfet haben, also daß dadurch geringer Schaden geschehen; allein ist einer Kuh im Fallen der Kopf von solcher Kugel abgeschlagen worden. Die Granaten aber, wenn sie in die Häuser gefallen, haben alles zerschmettert, und Thüren, Fenster, auch wohl oben die Decke und (_den_) Boden ausgeschlagen; was aber auf die Bollwerke und Wälle geworfen worden, hat großen Tumult und Auflauf unter dem Volk gemacht, bisweilen auch Schaden gethan.

Der Rath und Ausschuß sind unterdessen mit Beantwortung auf obermeldetes +Tilly+sches Schreiben sehr bemühet und Einer dieser, Jener anderer Meinung gewesen, also daß es sich bis den 30. April alten Calenders damit verzögert, und weil Alles mit Einwilligung des Hrn Administrators, +Falckenberg+’s und ihrer Anhänger geschehen müssen, ist des Raths Antwort also erfolgt: Daß nämlich die Stadt fast 6 ganzer Jahre, ohne einige gegebene Ursach, von ihren Mißgünstigen aufs äußerste verfolgt und ihr die Nahrung abgeschnitten wäre, auch noch letztlich in Religionssachen; deswegen die Stadt zu ihrer hochnothwendigen Defension, nicht zwar gegen die kaiserl. Maj., sondern wider die, so Ihrer Maj. Willen und Befehl entgegen, solches alles vorgenommen, verursacht worden, inmaßen der Rath Ihrer kaiserl. Maj. solches ~sub dato~ den 10. November ~Ao.~ 1630 ausführlich zu erkennen gegeben, welches Schreiben, weil es im offenen Druck, sie mit übersendeten. Die Stadt wäre entschlossen, das ganze Werk zugleich an beide Churfürstl. D. D. zu Sachsen und Brandenburg, auch der conföderirten Hansastädte Unterhandlung zu stellen und sich auf Deroselben Vorschläge und Vermittelung aller Billigkeit nach zu ~accommodiren~. Weil aber Niemand sicher sich hinaus begeben könne: als gelangte ihr Bitten, Se. Excell. der Hr General +Tilly+ wolle ihnen auf die Ihrigen Paß und Repaß, hin und her zu reisen, ertheilen und inmittels nicht approchiren und Gebrauchung der Waffen in Ruhe stehen etc.

Hierauf vermeinte die gemeine Bürgerschaft, es wäre nun stracks Stillestand gemacht, und daß dem General +Tilly+ ja so viel -- aus Furcht wegen des Königs in Schweden Ankunft -- an solchem Armistitio gelegen, als immermehr gemeiner Stadt damit gedient sein möchte; so verhofften auch der +von Falckenberg+ und die an seiner Seite, nicht allein hierdurch das Werk etwas in die Länge und Harre zu bringen, sondern auch desto füglicher an königl. Maj. in Schweden abzuschicken und, nebst Berichtung des allgemeinen magdeburgischen Zustandes, den Succurs oder Entsatz zu befördern.

Den 2/12 Mai hat der General +Tilly+ durch einen Trompeter dem Rath folgender Gestalt geantwortet: Daß die Stadt Magdeburg, ihre Abgeordneten zu ihm zu schicken, so lange Bedenken gehabt, bis daraus mit beiden Churfürstl. Durchl. zu Sachsen und Brandenburg sowohl, als auch den Hansastädten das Werk communicirt und berathschlagt wäre, und deswegen Paß und Repaß zu Abordnung ihrer Gesandten begehrten. Dieweil aber aus seinem vorigen Schreiben zu ersehen, daß er nichts anders (_von der Stadt verlange_), als der röm. kaiserl. Maj. sich zu submittiren, als (_so_) zweifele er nicht, höchstgedachte Churfürstl. Durchl. sammt berührten Hansastädten würden solches gar nicht ~improbiren~ (_mißbilligen_) können; die angeregte Communication solle ihm zwar nicht zuwider sein, thäte auch die Pässe zu dem Ende überschicken, besorgte aber, (_daß es damit zu spät_,) weil zu sothaner Abordnung und Berathschlagung viel Zeit erfordert werde, die Sachen aber nunmehr dahin gerathen, daß sie keinen längeren Verzug leiden könnten, derowegen es viel besser, wenn sich die Stadt jetzo bald resolviren und bequemen thäte. Jedoch stelle er der Stadt alles anheim, sintemal ihr Heil und ihre Wohlfahrt hierunter am meisten periclitirte; inmittels würden sie (_die Magdeburger_) niemand anders, als sich selbst, die Ungelegenheit, so aus solcher Verzögerung erfolgen könnte, (_zu_) imputiren und bei(_zu_)messen (_haben_). Er bliebe erbötig, wenn des Raths Gesandten abzureisen willens, daß sich die Trompeter so bald dahin (_in die Stadt_) verfügen sollten.

Den 4/14 Mai ist dieser (_der eben erwähnte_) Trompeter wiederum zu +Tilly+ mit des Raths Antwort „daß nämlich die Gesandten zur Reise parat und fertig, und sobald Se. Excellenz die Trompeter schicke, sich auf den Weg machen wollten“ abgefertigt worden.

Als nun unterdessen der König in Schweden die Festung Spandau vom Churfürsten von Brandenburg erlangt und zu Potsdam angekommen war, haben sich die Kaiserlichen zu Brandenburg und von andern Orten aus der Mark alle näher und vor Magdeburg begeben, daherum sie in unterschiedlichen Feldlagern gelegen, also: 1) zu Westerhausen war das Hauptquartier und nicht weit von da nach der Stadt zu die Schiffbrücke, zu beiden Seiten des Elbstromes etwas beschanzt. 2) Des Grafen +von Mansfeld+ Armee lag bei Fermersleben. 3) Des Grafen +von Pappenheim+ auf der Wiese vor dem rothenseeischen Holze bis an die Neustadt. 4) Der katholischen Liga Armee auf dem krakauer Werder, Marsch und in der Zollschanze oder (_den_) da herum neugemachten Werken. 5) Die Reiterei aber war auf die nächsten Dörfer um die Stadt logirt (_gelegt_). Welches Volkes, wie nach der Stadt Eroberung der kaiserl. General-Proviantmeister +Andreas Liebholt+ Autori berichtet hat, sollen 33,000 zu Fuß und 9000 zu Roß gewesen sein. Demnach aber, wegen sothaner Beschaffenheit, des Kriegesvolkes täglich mehr und mehr vor der Stadt angekommen, als haben sie auch die Belagerung, beides durch unnachlässiges Schießen aus groben Geschützen, als Verfertigung trefflicher vieler Laufgräben -- die theils bis nahe an den Stadtgraben, theils auch durch die neuen, unausgebrachten Graben bis an den Wall gegangen -- mit großem Ernst getrieben und fortgesetzt; und obgleich der +von Falckenberg+ zu desto bequemeren Ausfällen in der ~Fausse braye~ des Bollwerks bei der Neustadt sich an zwei Orten versenken, und also einen Durchgang oder Stollen unter die Brustwehr durch bis in den Stadtgraben treiben ließ; so konnte er doch, wegen so starker Besetzung der Laufgräben, wenig Nutzen schaffen, sintemal stracks bei der ersten Probe der Capitain +Wüstenhof+ mit den mehrsten bei sich habenden Soldaten das Leben darüber einbüßen mußte, daher denn denen von der Stadt durch solche große Macht und zugleich wegen des Mangels an Pulver alle Mittel zur Resistenz und Gegenwehr abgeschnitten waren; dahergegen die Kaiserlichen aus Hamburg, Braunschweig und andern Orten des Pulvers überflüssig bekommen und man alle Tage an 12, 15 bis 18 hundert Schüsse aus groben Stücken, so auf der Stadt Wälle, Thürme und Häuser gerichtet, zählen mögen.

Es ist aber, wie allbereits oben gemeldet, die Stadt zu dieser Zeit vornehmlich an dreien Oertern angegriffen und so hart belagert worden, nämlich und vorerst auf dem Marsch, da der katholischen Liga Volk gelegen und Willens gewesen, sich des Kronwerks daselbst und des Ravelins vor der kurzen (_jetzigen Strom-_) Brücke zu bemächtigen. Weil sie aber mit den Laufgräben auf dieser Insel sich nicht wohl wenden können, indem dem Gegentheil entweder von dem gedachten Kronwerke selbst oder von dem Walle der Stadt in die Linie konnte gesehen werden, haben sie mit dem Approchiren dieses Orts stillehalten und nachlassen müssen.