Geschichte der Belagerung, Eroberung und Zerstörung Magdeburg's
Part 5
Nachdem aber obgedachter Cavalier, +Dietrich von Falckenberg+, königl. Maj. zu Schweden Hofmarschall, Obrister und Ritter, in unbekannten Schiffmannskleidern durch die kaiserl. Soldatesque und also sicher in Magdeburg gekommen, hat er sich des Kriegeswesens alsofort angenommen, bessere Ordre unter die Soldaten gemacht, auch folgendes -- als ihm die königl. Creditiven und Vollmächtigung nachkommen -- selbst vor den Rath getreten und selbige gebührendermaße eingehändigt, mit dem Nebenandeuten, gleich wie man auch zugleich aus dem königl. Schreiben vernehmen würde, als sei es gewiß, daß I. Maj. sich mit allem Fleiß dahin bearbeiteten, die Stadt so ehest als möglich zu succuriren und zu entsetzen, wie dann I. Maj. mit hoch betheuerlichen Worten nicht allein solches gegen ihn bekräftiget, sondern auch zu allerletzt gesagt hätten, daß sie verhofften, die Stadt noch wohl eher, als er, +Falckenberg+, hinein kommen würde, zu succuriren und zu entsetzen. Daß es nun aber so bald noch nicht geschehen, wolle man nicht Ihrer königl. Maj., sondern vielmehr der Zeit Ungelegenheit zumessen, und unterdessen nicht Hände und Füße sinken lassen, zumalen ja es mit der Stadt annoch ein solcher Zustand, daß Ihre königl. Maj., Dero Armee zu hasardiren und in Gefahr zu stürzen, nicht nöthig hätten, welches dann auch die Stadt selbst zugleich mit treffen würde. Er, der +von Falckenberg+, wolle und erböte sich vor seine Person, so viel mensch- und möglich, das Wesen und Krieges-Etat ihm getreulich und fleißig angelegen sein, und an Mühe und Arbeit nichts ermangeln zu lassen, auch der Stadt in ihren Frei-(_heiten_) und Gerechtigkeiten nicht hinderlich, sondern vielmehr darin bei seinem Könige beförderlich zu erscheinen etc.
Worauf also der +von Falckenberg+, anstatt des Königs in Schweden, das Gebot und Commando über die Soldatesque -- als die auch allbereits vor seiner Ankunft vor ihr gutes Theils geworben und vorangeschickt gewesen -- angetreten, auch folgends die obgeschriebene Capitulationes, als ein von königl. Maj. zu Schweden Gevollmächtigter, ratificirt und mit Hand und Siegel bekräftiget hat. Ihr Fürstl. Gn. haben da alleine Dero Leibcompagnie von 250 Köpfen vor sich behalten, das übrige Volk aber alles unter des +von Falckenberg+ Gewalt überlassen, und weil er die Werbungen im Churfürstenthum Sachsen, Brandenburg und andern Orten nach einander in geheim fortstellen, auch des Volkes -- obgleich bisweilen eine Partei von den Kaiserlichen aufgefangen worden -- je mehr und mehr zulaufen thäte, als hat er den Rath und gemeine Stadt ersuchet, ob nicht die Bürgerschaft die anlaufende Soldaten in ihre Häuser einnehmen und mit dem schlechten Servis versehen möchten, den Unterhalt oder Sold wolle er selbst verschaffen, auch sobald eine Anzahl Volks beisammen, damit hinaus aufs Land gehen und ein (_den einen_) oder andern Paß wieder einnehmen.
Es haben aber, obgleich eines Theils sehr dazu gerathen, die mehresten von der Stadt zu dem nicht verwilligen, noch dem Dinge trauen wollen, zumalen weil man gegen die Kaiserlichen ohne vier bis fünf Tausend Mann nichts mehr ausrichten können, und die Exempel, wie es in denen Vorstädten daher gegangen, vor Augen wären, derowegen die Bürgerschaft, um desto besserer Verwahrung und Besetzung der Stadtwälle, sie allein das +Falckenberg+’sche, unterm Obristen-Lieutenants +Trosten+ Regiment, welches auf 800 Mann stark und das beste Volk war, noch zu ihren ohne das habenden zwei Compagnien einnehmen und auf jeden Knecht wöchentlich 21 Groschen oder den freien Tisch reichen thäten, jedoch müßten zu vorhero -- vermöge der getroffenen Capitulation -- sowohl Offiziere als gemeine Soldaten sich dem Rathe zugleich mit Eid und Pflicht verwandt machen; was die Offiziere und deren Unterhalt anlangt, ist ihnen durch den Marschall +Falckenbergen+ -- als der auf Wechsel von den Kaufleuten in der Stadt Geld haben könnte -- gereicht worden.
Nach diesem haben I. Königl. Maj. die Stadt und den Rath, sowohl durch Schrift als der Stadt eigenen Abgeschickten, des Entsatzes halber oft und theuer versichert, und sonderlich, daß I. Maj. das kaiserl. Volk unterdessen dergestalt abhalten wollten, daß sich die Stadt vor ihnen keine Gefahr zu befürchten haben sollte. Daher auch, zu besserer Fortsetzung solches Kriegeswesens, der +von Falckenberg+ die Neustadt mit großen Pfählen und aufgeworfenen Gräben oder Retranchementen befestigen, auch überdies zu Prester eine starke Schanze, item eine Reduite auf dem Mühlberg -- so ein Musquetenschuß von der Zollschanze in Nordosten gelegen und von ihm der „Trotz-Kaiser“ genannt worden -- erbauen lassen. Und weil, wie allbereits oben gemeldet, dem +von Falckenberg+ durch seine Werber täglich mehr und mehr Volk zugeschickt, dessen aber in den Vorstädten zu viel geworden, als hat er den Obristen +Johann Schneidewein+ mit 8 oder 900 zu Roß und Fuß auf Neuhaldensleben, sich des Ortes zu bemächtigen, commandirt, die dann solchen Platz bald erobert und die darin liegenden wenigen kaiserlichen Soldaten theils erschlagen, theils gefangen genommen haben. Weil aber die Kaiserlichen bald wieder davor gerückt und solchen Ort beschossen, hat der genannte Obrist bald angefangen zu parlamentiren und sich durch einen schlechten Accord ergeben -- also daß Offiziere und Soldaten, nach dem sie zwei Tage mit großem Kummer in den Kirchen eingesperrt gesessen, wider kaiserl. Maj. ihr Lebtage nicht zu dienen, schwören und sonsten Gewehr und anderes hinterlassen müssen -- der Obrist aber, so zum Grafen +von Pappenheim+, den Accord zu treffen, hinaus gefahren gewesen, ist mit ihm in seiner Kutschen, gleich als ein Gefangener, hinweg geführt, darauf er durch den +von Falckenbergen+ in Magdeburg dreimal mit öffentlichem Trommelschlag, bei Verlierung Ehr und Redlichkeit, citirt, und seine Güter -- weil er sich nicht gestellet, weniger schrift- oder mündlich verantwortet -- confiscirt und eingezogen worden; wiewohl er sich nachmals, und da +Falckenberg+ todt war, beim Könige in Schweden wieder ausgesöhnet und dazu für solche seine Dienste große Landgüter zur Recompens ausgebeten und erlangt hat, wie aus dem Donationslibell zu ersehen.
In der Woche vor dem Advent ist ein unerhörter großer Sturmwind zu Magdeburg gewesen, der von den höchsten und besten Kirchspitzen zwei, als eine zu Sct Johannis mit Blei gedeckt und eine zu Sct Catharinen, desgleichen auf Sct Annen Kirchen und in der Sudenburg herunter geschmissen. So ist auch der steinerne Gang, dadurch die Bischöfe vom Bischofshofe in den Dom zu gehen pflegten, herunter geworfen worden, ohne was der Wind auf dem Lande an Kirchen, Häusern und Scheunen vor großen Schaden gethan.
Den 29. December hat der General +Tilly+ ein Schreiben an den Hrn Administratorem abgehen lassen, darin er ihm sein aufgetragenes Commando, welches er an des +von Wallenstein+ Stelle überkommen, angedeutet und von seinem Vorhaben, zur Accommendation ermahnet und zugleich bedräulich verwarnet, daß man andere Mittel auf den widrigen Fall, ihn und die Stadt zum Gehorsam zu bringen, vor die Hand nehmen müsse, welches der Hr Administrator, wie in dessen gedrucktem Schreiben zu lesen, beantwortet. Ingleichen hat der +Tilly+ an den Rath zu Magdeburg unter demselbigen Dato geschrieben.
Um diese Zeit ward der kaiserl. Obristlieutenant +Chiesa+ von den Markgräfischen ungefährlich angetroffen, niedergemacht und bei ihm viel Schreiben befunden, aus denen man auch etliche Anschläge, so wider die Stadt gemacht gewesen, ersehen können.
Zu Ausgang des Winters hat der Marschall +Falckenberg+ über die allbereits gemeldete Schanzen, noch mehr neue Werke, Schanzen und Reduiten, als: 1) eine Schanze auf der Spitze im rothen Horn, 2) eine im Rehberg, 3) eine in der Kreuzhorst, 4) bei Bukau drei Reduiten, 5) ein groß Kronwerk zwischen dem Heydeck und Ulrichsthor, 6) ein Hornwerk vor dem Gottesacker vor Magdeburg und 7) eins vor der Steingrube -- wiewohl an diesem letzten die Bürgerschaft, wegen andringender Gefahr vor den Kaiserlichen, nichts daran gearbeitet -- fertigen und aufwerfen lassen, in Meinung, hierdurch den Paß und Elbstrom nicht allein offen zu behalten -- wie auch eine Zeitlang, daß die Soldaten annoch etwas einholen können, geschehen -- sondern auch seines Königes Kriegsvolk, bei ankommendem Entsatz, desto besser zu logiren und in die großen Hornwerke zu vertheilen. Ob aber wohl die vielen und weit abgelegenen Schanzen von etlichen -- aus Ursachen, daß sie dem Gegentheil, mit Verlust des Volkes und der Stadt dazu ausgereichten Pulvers, Lunten, Geschützes etc., möchten in die Hände gerathen -- widersprochen (_gemißbilligt_) worden: so haben’s sich dennoch andere -- weil sie Hrn +Falckenbergen+ als einem Kriegserfahrenen mehr getrauet, und daß der König in Schweden die Kaiserlichen, dem beschehenen Zuschreiben nach, wohl zurückhalten würde -- also mit belieben lassen; wie denn auch, soviel die Schanze im Rothen Horn, desgleichen die drei Reduiten zu Bukau und andere Werke vor dem Ulrichs- und Schrotdorfer Thore betrifft, solche durch der Stadt Bürger und Einwohner aufgeworfen worden etc.
Nachdem nun der General +Tilly+ von der kaiserl. Maj. und katholischen Liga zum General-Lieutenant an des +von Wallenstein+ statt verordenet und alle der Katholischen Hoffnung auf ihn, daß er die schwedische erhaltene Victorien bald wieder zu nichte machen würde, gerichtet gewesen: hat er das kaiserl. Volk, welches bis dahin in dem Jülichschen, Fürstenthum Ost-Friesland und Erzstift Bremen, desgleichen in Schwaben, Frankenland etc., gelegen, aufbrechen und nach dem niedersächsischen Kreis ziehen lassen. Im Januar des 1631. Jahres ist er zu Frankfurt an der Oder angelangt und -- nachdem er allda andere Anstalt gemacht, auch erfahren, daß sich der König in Schweden mit der Armee in (_nach_) Mecklenburg gewendet -- den 5. Februar von dannen auf Alt-Brandenburg und Ruppin zugegangen, daselbst er sich mehr und mehr gestärket, Neu-Brandenburg in Mecklenburg, darin der Obrist +Kniephausen+ mit 2000 Mann schwedischen Volks gelegen, und andere Oerter erobert gehabt. Der König in Schweden aber ist damals in seinem Feldlager zwischen Treptau und Damin, des +Tilly+ weitern Einbruch in’s Land zu verhüten, beliegen geblieben, und als man ihm die Eroberung des Neuen Brandenburgs verkündiget, mit 16 Compagnien Pferden und 1 Regiment zu Fuß auf Anklam vor(_ge_)rückt. Wie nun der +Tilly+ gesehen, daß er den König zu keiner Feldschlacht bringen können, auch die Schwedischen alles Getreide aus Mecklenburg und der Mark hinweg geschafft hatten, hat er sich wieder zurück auf Ruppin, Fehrbellin, Alt-Brandenburg und von dannen auf Havelberg begeben, Vorhabens, die Stadt Magdeburg mit Gewalt anzugreifen und zu belagern. Unterdessen aber ist der König, nachdem ihm mehr Volkes zu(_ge_)kommen, vor Frankfurt an der Oder -- darin +Tilly+ 7000 Mann zu Roß und Fuß in Besatzung gelassen, -- vor(_ge_)rückt, welchen Ort er den 3. April mit stürmender Hand genommen, 800 gefangen -- darunter die Obristen +Sparr+, +Waldau+, +Meves+, +Buttlar+, Graf +Sebaudi+ gewesen -- bekommen, 2000 Mann, darunter die Obristen +Heykun+, +Hardeck+, +Herberstein+ nebst vielen andern Officieren sind todt blieben. Alles Geschütz, 900 Centner Pulver, 700 Centner Lunten, 1200 Centner Blei, 24 Fahnen mußten die Kaiserlichen auch hinterlassen, also daß der Kaiser die ganze Zeit seines Krieges nicht auf einmal so viel verloren. Die Stadt Frankfurt ist darauf etliche Stunden lang von den Schwedischen geplündert und in der Unordnung 16 Häuser verbrannt worden.
Als aber unterdessen, und nach so lang continuirlichen Vertröstungen, die gemeine Bürgerschaft zu Magdeburg des Contribuirens, unaufhörlichen Wachens, Schanzgrabens und dergleichen überdrüßig, theils auch wohl an Entsatz argwöhnisch und zweifelhaft werden wollen: so haben der +von Falckenberg+, I. F. Gn. und Ambassadeur +Stalmann+ mit Zuziehung des Raths einen beglaubten Mann -- der ein ~Advocatus juris~, namentlich +Hermannus Cummius+, gewesen -- auf Versprechung eines ansehnlichen Stück Geldes, dahin vermöget, daß er’s gewagt und sich zum Könige in Schweden, wo der auch anzutreffen sein würde, verschicken und abfertigen lassen, welches auch also angegangen, daß er beides, hin und her, sicher durch das kaiserliche Volk gekommen ist, da er dann bei seiner Wiederheimkunft auf Treu und Glauben dem Rathe, Ausschusse und sonsten jedermänniglichen, der ihn gefragt, diesen nachfolgenden Bericht gegeben, daß nämlich I. Maj. bei Dero Königl. Wort und Würden vielfältig gegen ihn gesprochen und sich erkläret, die Stadt gewiß königlich zu entsetzen und über die rechte Zeit nicht außenzubleiben, auch als er, +Cummius+, der Stadt Bedrängniß, Noth und Gefahr weiteres angezogen, und um schleunigste Maturirung des Entsatzes inständig angehalten, hätten I. Maj., denselben aufs allerlängste Ausgangs des Aprilis unfehlbar zu leisten, sich gnädigst herausgelassen etc. Ob aber der +Cummius+ dem Hrn Administratori, dem +von Falckenberge+ und +Stalmann+ ein mehres oder anders berichtet gehabt, stehet dahin. Allein nach der Eroberung der Stadt hat er gegen mir (_mich_) und andere noch dieses erwähnet, daß I. k. Maj. ihm, wie er gegen denselben referiret, welcher Gestalt der Bürgerschaft von des Königes Entsatz und Ankunft viel anderes eingebildet gewesen, und dieselbe allbereits so lange Zeit auf den Succurs gehofft hätte, darauf zur Antwort gegeben: „Ja da haben wir nicht von gewußt, daß I. L. der Hr Administrator so früh gehen würden etc.“ Dem +Cummius+ sind damals bei seiner Abfertigung vom Könige 200 Ducaten -- wie denn auch sonsten einem jeden Boten, der aus der Stadt zu Ihro Maj. mit Schreiben gekommen, von 50 bis in 100 Ducaten -- geschenkt und verehrt worden; der Hr Administrator und der +von Falckenberg+ haben ihm auch ein Ansehnliches für diese Reise versprochen gehabt, davor er nachmals, als die Stadt von den Schwedischen aus der Kaiserlichen Hände wieder erobert gewesen, etliche tausend Thaler Werth an Kupfer von der abgebrannten Stadt überbliebenem gemeinem Gute ausgebeten und vom General +Banner+ erlangt hat.
Damit man aber wiederum zur magdeburgischen Belagerung, und wie es damit ferner daher gegangen, komme, so ist der General +Tilly+ -- nachdem er des Königes in Schweden Anzug auf Frankfurt an der Oder vernommen, und mit der Belagerung vor Magdeburg solche Anstalt, daß die Seinigen von denen Magdeburgischen sich keiner Gefahr zu befürchten, gemacht gehabt -- mit einer guten Anzahl Kriegesvolkes aufgebrochen, Frankfurt zu entsetzen. Als er aber zu Alten Brandenburg angelangt, und die Zeitung bekommen, daß die Stadt Frankfurt allbereits erobert und es weiter auf Landsberg gelte, hat sich +Tilly+ stracks wieder auf Magdeburg gewendet, in Meinung, durch ernstliche Fortsetzung solcher Belagerung den König von weiterem Einbruch in Schlesien und andern Ihro kaiserl. Maj. Erblanden zu divertiren (_abzulenken_) und abzuhalten. Ist derowegen mit aller Macht vor die obgemeldete Rehbergische, Kreuzhorstische und Prestersche Schanzen gerückt, dieselben er theils mit Gewalt, theils mit Accord und nicht geringem Verlust des darin liegenden Volkes, Pulvers, Geschützes und Proviantes erobert und eingenommen. Worauf er sich ferner an den Thurm zu Krakau -- der sonst zur Gegenwehr wohl zugerichtet und allein durch ein Fenster, darin man mit der Leiter steigen mußte, zu gewinnen war -- erhoben, darauf mit etlichen Stücken und unzähligen Musquetades von früh Morgens bis an den Mittag ernstlich gespielt, daß endlich die darauf liegenden 15 Falckenbergischen Soldaten, weil sie keinem Entsatz verspüret, die Kaiserlichen, mit ihnen zu parlamentiren, hinauf zu sich gerufen, die aber, sobald sie auf den Thurm gekommen, sämmtliche ermordet und erschossen haben, welches man aus der Zollschanze und von der Stadt also mit zusehen und geschehn lassen müssen. In der folgenden Nacht ist der Graf von Mansfeld auf der andern Seite der Elbe an die bei Bukau gefertigten 3 Reduiten, deren jede mit 60 Mann besetzet war, angefallen, und weil die Besatzung mit Kraut und Loth nicht genugsam versehen, auch ohne das gegen solche große Macht nicht Bestand gewesen, sind dieselben gleichfalls mit Sturm eingenommen, alles nieder gemacht und die Körper zum Theil den Elbstrom herunter geflossen.
Der schwedische Hofmarschall aber, +Dietrich von Falckenberg+, vermerkend, daß die obgedachten, weit abgelegenen Schanzen und Reduiten gegen die Advenue und Ankunft eines so mächtigen Feindes, ohne Verlust des übrigen Volkes nicht möchten ersetzet und succurirt werden, als hat er, zu desto besserer Vertheidigung der Elbbrücken und (_des_) Passes, unterschiedliche andere Außenwerke, als 1) einen halben Mond am Ende auf dem krakauischen Werder, zur Verhinderung der Musquetaden, so von selbigem Ort auf die lange Brücke geschehen können, 2) eine Reduite zwerch (_quer_) über den Steinweg am krakauischen Damm gleich gegen diesen halben Mond über, 3) ein klein Schänzlein auf dem Ende des Zollwerders unterwärts der Zollschanze durch seine Soldaten erbauet. Endlich ließ auch der +von Falckenberg+ durch den Obristlieutenant und Ingenieur +Trost+ ein neu Regulirwerk von drei ganzen und zwei halben Bollwerken ringsum die Zollschanze abstecken, und ersuchte den Rath, daß die Bürgerschaft dies Werk zu bauen auf sich nehmen und verfertigen möchte, wie auch damit ein ziemlicher Anfang gemacht worden. Nachdem aber indessen die Kaiserlichen auch den krakauischen Thurm erobert und stracks den 6. April von einer Batterie mit 5 halben Carthaunen aus Krakau in die Stadt und auf die Zollschanze angefangen zu schießen, ist dadurch das Arbeitsvolk an dem Werke vor der Zollschanze verhindert und also nur eine rauhe Brustwehr sammt kleinen Gräblein gefertiget worden, daher denn -- weil solch Werk von allen Enden zugleich leicht konnte angefallen werden -- man das Volk aus der Zollschanze und von andern Posten wegnehmen und hierein desto stärker verlegen müssen. Der General +Tilly+ aber, so täglich mehr und mehr Völker -- weil der Kaiser zugleich damals mit dem Könige in Frankreich Frieden geschlossen -- vor Magdeburg ankommen lassen, hat sich mit vielen Approchen und Laufgräben nicht allein zur Zollschanze genähert, sondern auch von 2 näher heran gemachten Batterien heftig auf die Zollschanze und in die Stadt durch die Häuser canonirt und geschossen, worauf folgends noch 2 Batterien oberhalb und zu beiden Seiten des Elbstroms, als die eine bei Bukau und die andere im krakauschen Werder, jede mit sechs darauf gepflanzten halben Kanonen aufgeworfen worden, womit man also den Rothenhorn zwerchüber (_querüber_) von beiden Seiten her flanquiren und bestreichen können; und als des Morgens früh um 2 Uhr der Graf +Tilly+ mit zwei großen Kähnen -- die auf der Achse bis an Bukau, weil auf der Spitze des Rothenhorns die Elbe mit großen Bäumen geschlossen gewesen, gebracht worden -- unter dem Favor und Schutz solcher Kanonen Volks genug überfahren lassen, ist die auf der Spitze im Rothenhorn gelegene Schanze sammt darin liegendem Volke und Geschütz auch abgeschnitten und also unter seine Gewalt gerathen und gediehen. Wiewohl nun Hr +Falckenberg+ die Kaiserlichen gern wieder vom Marsch abtreiben wollen, so ist’s jedoch wegen Verspillung vieles Volkes -- welches zuvor die Gewalt derer an beiden Seiten gepflanzten groben Stücken hätte aushalten müssen -- nicht thunlich befunden worden. Zwar haben sich die Bürger-Constables vom Rondel und Bollwerk bei der Sudenburg, diesen im Rothenhorn hinter den Weiden und allbereits in Laufgräben liegenden Feind mit dem Geschütz zu vertreiben, sehr angelegen sein lassen, in Meinung, daß des Pulvers genug bei der Stadt vorhanden und unnöthig zu ersparen wäre, und weil zugleich der Hr Administrator solches gern gesehen, auch dessentwegen durch seine Officiere unterschiedliche Anreizung thun lassen: so ist’s, wenn Dieser oder ein Anderer solch Schießen -- da wohl oftmals der zwanzigste oder dreißigste Schuß nicht einmal einen Mann getroffen -- widerrathen oder verbieten wollen, dahin, als ob demjenigen, daß den Kaiserlichen Schaden geschehe, leid oder zuwider wäre, ausgedeutet und aufgenommen worden.
Der General +Tilly+ aber ist unterdessen mit trefflich vielen Laufgräben zugleich nicht allein auf das neugemachte Werk um der (+die+) Zollschanze und auf den Trotz Kaiser und Reduit am krakauer Thurm, sondern auch zu dem halben Mond auf dem krakauer Werder und den neuen Reduiten auf dem Marsch dergestalt avancirt und fortgefahren, also daß man in einer Nacht den Trotz Kaiser, die Reduit am krakauer Thurm und den halben Mond auf dem Werder quittiren und verlassen müssen.
Endlich auch, als die Kaiserlichen bis in den Graben des neuen Werks vor der Zollschanze kommen waren, und es daher länger zu halten unmöglich, hiergegen der +von Falckenberg+ verspürete, wenn dieses Werk verlassen, daß solches dem Gegentheil eine bequeme Brustwehr und großen Vortheil zur Gewinnung der Hauptschanzen vor dem Zoll geben würde: hat er für rathsam erachtet, nicht allein das neu aufgeworfene Werk, sondern auch die Zollschanze zugleich -- weil dergleichen auch in der Belagerung ~Ao.~ 1550 geschehen -- zu übergeben und das Volk auf andere Posten, um desto besserer Verwahrung der Stadt, zu verlegen oder zu vertheilen. Welches +Falckenberg+ also dem Rathe -- der deswegen und anderer hochbesorglichen Gefahr halber in der Nacht um 11 Uhr zusammen gefordert war -- vor- und angetragen, auch darauf des Raths Consens, -- als der es zu seiner Discretion, wiewohl etliche wenige, die Zollschanze etwas zu halten, gemeinet, anheim gestellt sein lassen -- bekommen und erlangt hat. Wie man nun das Volk abgeführt, die Zugbrücke vor dem Zollhause hinter sich aufgezogen und ein Joch von der langen Brücke abgeworfen gehabt, ist bei dieser Retirade die Klappe oder das kleine Zugbrücklein, so neben dem Zollhause hergangen, vergessen, und weil die Kaiserlichen strackes Fußes gefolgt, noch dieselbe Nacht von ihnen ein Joch von der Brücke -- die Stadt des schwedischen Succurses desto mehr zu entblößen -- abgebrannt worden. Der General +Tilly+ zwar mag nicht gemeint haben, daß diese Haupt- oder Zollschanze so bald würde verlassen werden, sintemal er noch desselbigen Tages zuvor, durch Verspillung vieles Krautes und Loths, mit halben Carthaunen, die unterweilen mit Sprengkugeln geladen gewesen, trefflich Breche geschossen. Weil aber der Wall mehrentheils Thon oder Kleierde, machten die Kugeln und Granaten wenig Schaden, nur daß etliche harte Erdklöße den Inliegenden bisweilen auf die Köpfe fielen. Dafern nun das zuletzt umher angefangene neue Werk nicht Ursach gegeben hätte, dem Gegentheil diese Schanze, als die mit Pallisaden und Sturmpfählen, auch etwas morastigen Graben ziemlich verwahret, einzuräumen, ohne allen Zweifel noch viel Zeit und Kosten zugezogen hätte.