Geschichte der Belagerung, Eroberung und Zerstörung Magdeburg's
Part 2
Wenn dann nun hieraus und ermeldeter Ursachen und Beschwerden halber sich allgenugsam in der Stadt bei dem gemeinen Manne wiederum allerhand Mißtrauen, Murren, Haß und Widerwillen gegen die kaiserl. und katholischen geist- und weltliche Bediente entsponnen und hervorgethan: so ist jedoch sowohl der Rath, als gemeine Stadt und die mehresten unter denselbigen, dem Exempel und (_der_) Folge der andern benachbarten Churfürsten, Stände und Städte nach, in allerunterthänigster Devotion gegen die röm.-kaiserl. Maj. geblieben und bestanden, in gewisser Zuversicht, es werde ja dermaleinst durch göttliche Verleihung das beschwerliche Kriegs- und (_zu_) besorgendes Reformations-Wesen auf einem ordentlichen Reichstage zum glücklichen Vergleich und (_zur_) Endschaft vermittelt und beschlossen werden. Darinzwischen hat man sich bei dem neuen Rathe das gemeine Stadtwesen und sonderlich der Kasse und Kämmerei der Stadt, so man ganz erschöpft und noch mit Schulden beschwert gefunden, dergestalt angelegen sein lassen, damit dieselbe durch ordentliche Mittel wiederum etwas zur Aufnahme könne gebracht und mehr und mehr Nahrung zur Stadt gezogen werden. Zu dem Ende denn auch unter andern der Stadt vor diesem gewesener Secretarius, +Angelus Werdenhagen+, damals zu Leiden in Holland wohnend, Mittel und Wege vorschlagen wollen, wie aus den Niederlanden die Handlung und Commerzien nach Magdeburg könnten gebracht und sonderlich die Abfuhr des Bieres dahin befördert werden. Derowegen er an den Rath geschrieben und begehret gehabt, daß (_der_) Kämmerer +Oswald Matthias+ nebst (_dem_) Rathmann +Conrad Gerold+ und +Nicolaus Schmidt+, ein Bürger, zu ihm bis auf Bremen kommen und seine Vorschläge vernehmen möchten, welches denn der Rath nicht ausschlagen, sondern vielmehr den ernannten Personen dahin zu reisen verstatten wollen, jedoch mit (_dem_) Befehl, da (_im Fall_) sie +Werdenhagen+ in Bremen nicht antreffen würden, daß sie auch weiter nach ihm nicht ziehen, den (_die_) Kosten ersparen und sich wieder auf Magdeburg wenden sollten. Als aber +Werdenhagen+ allbereits hinweg und zu Hamburg gewesen, sind diese Rathsdeputirten ihm auch von Bremen aus bis dahin gefolgt, daselbst sie dann seine Vorschläge vernommen und angehört haben. Bei Verrichtung dieses aber sind diese Raths-Abgeordneten zugleich auch bei dem Hrn Administratori des Erzstiftes Magdeburg, +Christian Wilhelm+, Markgrafen zu Brandenburg, als welcher wegen des kaiserl. Volkes aus dem Erzstifte entwichen und sich in (_nach_) Hamburg zur selben Zeit begeben müssen, unterschiedlich sowohl zur Tafel als anderer Zeit aufwärtig gewesen, worauf sie sich endlich wiederum nach Magdeburg gewendet und zugleich einen von Ihrer Fürstl. Gn. Aufwärtern, namentlich +Heinrich Pöpping+ -- als der zuvor ein Bürger und Kaufmann in Magdeburg, aber durch unordentliches Leben Guts und Credits entgangen gewesen, -- mitgebracht, welcher dann zwei Schreiben, eins von der königl. Maj. zu Schweden, das andere von des Herrn Administratoris F. Gn., beide an den Rath zu Magdeburg haltende, bei ihm (_sich_) gehabt, wie davon bald mit mehren folgen wird.
Des Raths Abgesandte nun, sobald sie wiederum anheim gekommen, haben dem Rathe und Ausschusse, der niederländischen Handlung wegen und was darin ihre Verrichtung bei dem ermeldeten +Angelo Werdenhagen+ gewesen, Relation gethan, von dem aber, so sie bei dem Hrn Administratori verhandelt oder was Seine Fürstl. Gn. mit ihnen geredet und tractirt gehabt, ist dem Rathe und Ausschusse -- als die auch davon nichts gewußt, (_noch_) weniger ihren Abgeordneten deswegen etwas in Instructione mitgegeben gehabt -- keinerlei berichtet worden, allein daß hernach der eine Mitdeputirte, +Nicolaus Schmidt+, es unter die gemeinen Bürger spargirt (_ausgebreitet_), daß nicht allein +Conrad Gerhold+ unterschiedlich bei Hochgedachter Fürstl. Gn. gewesen, sondern sie sämmtlich, auch einesmals einen guten Rausch bei Deroselben überkommen hätten, und daß +Conrad Gerhold+ oftmals heimlich mit Ihro Fürstl. Gn. geredet; wovon es aber gewesen, hätte er nicht erfahren können; wie er dann unterweges noch bei der Zurückreise den Kämmerer +Oswald Matthias+ gefragt, was doch für Dinge vor wären und was +Conrad Gerhold+ in den Herbergen und sonst beim Absteigen allemale so lange und heimlich mit +Hermann Pöpping+ zu reden, er ihm darauf solle geantwortet haben, es wären so Dinge, aber er glaubte nicht, daß sie angingen. Ein mehres aber hätte ihm +Oswald Matthias+ nicht entdeckt, dabei er es auch bewenden lassen müssen. Sonsten hat auch nach der Eroberung der Stadt oftermeldeter +Angelus Werdenhagen+ zu unterschiedlichenmalen erwähnt, daß ihm damals in Hamburg wohl bewußt gewesen, wie der Hr Administrator von königl. Maj. zu Schweden zu Occupirung und Wiedereinnehmung des Erzstiftes Magdeburg große Verheißungen und Assistenz erlangt hätte, Ihre Fürstl. Gnaden auch daher gemeinet, sich mit der Stadt in eine nähere Verständ- und Bündniß einzulassen, er hätte aber zu solchen Tractaten dem +Gerhold+ nicht rathen können oder wollen, sintemal dieses ein schweres Werk, und wo der Fürst einmal auf irgend was gebracht, er nicht leicht wieder davon zu bringen noch abzuhalten wäre, sollte es gleich dessen größten Schaden causiren. Und dieses ist also des +Werdenhagen+’s Bericht von diesem Handel. +Johann Ludwig Gottfried+ aber gedenkt dessen in seinem ~Inventario Sueciae Fol.~ 249 mit folgenden Worten:
„Als um Fastnacht ~Anno~ 1630 ein neuer engerer Rath von 24 Personen zu Magdeburg angeordnet wurde, darauf im Frühling 2 vornehme Rathspersonen nach Hamburg abgeschickt, die Tractaten mit Markgraf +Christian Wilhelm+, Administratorn des Erzstiftes Magdeburg, der sich damals in ihrer königl. Maj. zu Schweden Schutz begeben hatte, und sich derzeit alda befand wegen gemeiner Stadt u. ff.“
Dieses ist also dasjenige, was von den Sachen, so sich mit dem Hrn Erzstiftischen Administratori und den nach Bremen -- aber nicht auf Hamburg -- deputirten Magdeburgischen Rathspersonen in Hamburg begeben und zugetragen haben mag und zu meiner Wissenschaft kommen ist, aufs kürzeste und gründlichste. Nun soll ferner folgen, was des +Heinrich Pöpping+’s Werb- und Verrichtung in Magdeburg gewesen; denn sobald derselbe allhier angelangt, hat er, der beiden königl. schwedischen und markgräflichen Schreiben halber, und was etwa Ihro Fürstl. Gnaden ihm weiteres in Instructione gegeben, fast drei Wochen lang in der Stadt, ehe und zuvor er sich und die Sache beim Rathe angemeldet, mit etwa 20 Personen Rathschläge und Tractaten gepflogen, auch theils derselben mit besonderem Eid des ~Silentii~ und Stillschweigens verknüpfet und verbunden. Darunter gewesen sind:
+Caspar Steinbeck+, ein Rathsherr, welcher in der Wahl des neuen Raths die erste Person gewesen,
+Martin Parmann+, ein Viertelsherr, so auch bei dieser Rathsveränderung der Gewandschneider-Innungsmeister und Ausschußverwandter geworden,
+Hans Schoff+, welcher vor diesem beim alten Rath gewesen, aber etlicher Ursachen halber nicht wieder dazu gezogen worden. etc.
Ob nun oftermeldeter +Heinrich Pöpping+ dieser Sachen halber, nämlich zwischen hochgedachtem Hrn Administratori und der Stadt Magdeburg eine Allianz und Verbindung zu werben und zu stiften, vorlängst von Etlichen aus der Stadt sei abgefertigt gewesen, ist bis daher nicht gänzlich offenbar geworden; gleichwohl mögen auch nachfolgende Umstände nicht gar stillschweigend übergangen werden.
1) Ist im Jahr 1626 der Stadt bestellter Oberhauptmann +Johann Schneidewein+,[13] beides auf kaiserl. Befehl, -- wie man sagte, -- und zugleich vom Rathe etlicher abgeraubten Güter und anderer Ursachen halber in Arrest genommen, und auf dem Rathhause verwahrlich gehalten worden. Weil er aber auf die Aussage der in seiner Sache abgehörten Zeugen und die daraus gefertigten Artikel nicht selbst, sondern durch seinen Advocaten antworten wollen, ihm aber solches nicht zugelassen werden können, ist solcher Prozeß immerhin besteckend und er in Arrest verblieben. Gleichwohl ihm endlich in einem Bürgerhause, und zwar, auf sein Begehren, in der Weinschenke zur goldenen Krone -- daselbst er mit der Wirthinn jederzeit gute Freundschaft gehalten, die ihn auch in der Custodie mit guten Tractamenten, Speisen und Anderm wohl versehen gehabt -- zu wohnen, jedoch vor Austrag der Sachen daraus nicht zu weichen, vergönnt und zugelassen worden.
2) Hat sich selbiger Zeit und etliche Jahr her eine sonderliche Gesell- und Brüderschaft in der Stadt zusammen gehalten, die stets zu einem Wein- oder Bierhause aus- und zum andern eingegangen, neue Mähr zusammen getragen und alles, was in der Stadt und Raths Sachen vorgefallen, getadelt, beklügelt und unter die gemeine Bürgerschaft aufs ärgste ausgedeutet, sie selbst aber sich nur der Pracht und Hoffahrt, des Saufens, Spielens und Schandirens beflissen haben, daß ihnen auch darüber durch den gemeinen Mann von der Rathsschenke in der Sudenburg, die Dingebanken genannt, wohin sie sich mehrentheils verfüget, der Name „Dingebankenbrüder“ gegeben worden. Demnach hat
3) diese Gesellschaft unter andern auch die Weinschenke zur goldenen Krone ungern vorbeigehen und zugleich den +Johann Schneidewein+, als dem die Zeit ohne das lang gewährt, besuchen wollen, welches dann um so viel mehr nicht allein daher geschehen, daß sichs der +Schneidewein+ im selbigen Hause wohl vermocht und allemal des besten Weins spendirt gehabt, sondern daß sie ihn, als einen unschuldig Gefangenen und der vom Rathe aus Neid, -- darum, daß er anfangs auf königl. dänemarkischer Seite mehr als der kaiserlichen inclinirt gewesen, -- also beschimpft und arrestirt worden wäre, estimirt und gehalten haben, derowegen sie sich bald bei dem zur selben Zeit regierenden Rath, bald durch gemeine Bürgerschaft, bald durch die Prediger aus vielerhand Mittel und Wege, ihn loszuwirken und, ohne oder vor rechtlicher Endung des Prozesses, auf freien Fuß zu stellen, auch sich seines Schimpfs und Schadens an etlichen Personen -- als die gut Kaiserlich sein und darum zu solchem Arrest allermeist sollten gerathen haben -- zu erholen fleißigst und heftig angelegen sein lassen, wie sie dann deswegen mit Zusammenrottirung etlicher Viertelsherren, auch durch theils Prediger auf den Kanzeln oftmals sehr importunlich in den Rath gedrungen und ihn gleichsam mit Gewalt entledigen wollen, auch nachmals noch, da ein Theil dieser Leute zur Stelle des neuen Raths gediehen, viel Protestationes, Beding- und Bedrohungen, -- daß sie nämlich dieser +Schneidewein+schen Sache nicht theilhaftig sein, sondern den alten Rath und etliche Personen dieselbe wollten verantworten lassen -- angeführt und beigebracht haben, welches alles zu beschreiben dieses Orts zu weitläufig, aber denen noch überbliebenen Magdeburgern nicht unwissend sein kann. Als aber
4) dem Oberhauptmann +Schneidewein+ zu solcher seiner Entledigung so wenig dieses, als daß ihn ein Theil solcher Leute mit in den neuen Rath erköhren wollen, nichts helfen mögen, sintemalen auch der neue Rath beim angefangenen Prozeß, der auf zwei sächsischen Juristen-Facultäten für rechtmäßig erkannt gewesen, entweder verbleiben und solchen ausführen, oder dem Oberhauptmann Schimpf und Schaden erstatten müssen: demnach kann es wohl sein, daß er, der Oberhauptmann, auf andere Mittel mag gedacht und mit Zuziehung dieser Leute dahin geschlossen haben, daß sie den +Heinrich Pöpping+ -- der ohne das in der Stadt, gemachter Schulden halber, nicht wohl bleiben dürfen -- zum Hrn Administrator auf Hamburg, allda Ihro Fürstl. Gnaden sich zur selben Zeit enthalten (_aufgehalten_) und das Erzstift mit dem Rücken ansehn müssen, wollten schicken und gute Mittel vorschlagen lassen, dadurch nämlich I. F. Gn. des Landes wieder mächtig werden könnten, in Zuversicht, daß auch +Schneidewein+, bei glücklichem Succes, seiner Captur mit Reputation entgehn und Jedweder eine gute Winterzehrung davon bringen werde, welches alles dann um so viel desto mehr daher zu muthmaßen, daß +Heinrich Pöpping+, der obgemeldeten Dingebanken-Brüderschaft der vornehmsten einer gewesen, und sich wohl nicht ohne Ursache -- da er doch ein magdeburgischer Bürger und Kaufmann, und einem Fürsten zu dienen unerfahren war -- in Diensten würde begeben, auch ein solches Werk, zuvor und eher es an Rath und Obrigkeit gebracht, mit solchen seinen Zechbrüdern in Weinschenken und Lustgärten nicht würde berathschlagt und ausgearbeitet haben. Hierzu kommt
5) daß wie der Hr Administrator unvermerkt in diese Stadt kommen, der +Schneidewein+ stracks desselben Abends, und zwar wider seine Versprechung, aus dem Arrest, und der Rathsherr +Caspar Steinbeck+ des folgenden Tages zu I. F. Gn. kommen sein, da doch sonst niemand in der Stadt von I. F. Gn. Ankunft ichtwas gewußt, auch nicht wissen sollen, wie an seinem Orte folgen wird, und haben I. F. Gn. den oft ermeldeten +Schneidewein+ -- damit die Vereinigungsgeschäfte zwischen I. königl. Maj. zu Schweden und Hrn Administrator und der Stadt Magdeburg desto bessern Fortgang gewönnen -- durch eine schriftliche Donation freie adlige Lehngüter auf 50,000 Thaler schenken und verehren müssen.
6) Schreibet +Schneidewein+ selbst in einem Berichte über seine vom Könige in Schweden impetrirte Donation am Amte Zilli unter andern diese Worte:
„daß dem zu der Zeit königl. schwedischen Abgesandten +Johann Stalmann+ und des Hrn Administratoris F. Gn. genugsam bekannt, daß sie der Zeit an seiner Handbietung, die allgemeine nützliche Intention, zu I. Maj. sonderbaren Ehren und der evangelischen Stände Nutzen, bei der Stadt Magdeburg nicht haben erreichen mögen, bis er seinen Prozeß hat remittirt und nachgelassen, gestalt er dann ad instantiam des Generalmajors +Uslars+ und +Amsteroth+’s, welche ihm wegen I. F. Gn. eine Obligation präsentirt, der Stadt einen Revers herausgeben müssen, da sonsten die Stadt die Vereinigungs-Tractaten wohl gar hätte stecken lassen, dafern sie des Obristen +Schneidewein+’s Action nicht wäre befreiet worden, und kann er mit gutem Gewissen erhalten, daß er seine Forderung so gut als Bürger geachtet, welche er jedoch daher und daß er die Stadt und ganze Bürgerei zu desto besserer Resolution, damit dem evangelischen Wesen um so weit unschätzbar Nutz möge gestiftet werden, perduciren möchte, gutwillig schwinden und fallen lassen, etc.“
Im Uebrigen, und weil des +Schneidewein+’s und seiner Asserenten Actiones sehr weitläufig und zum Theil im andern Theil dieser magdeburgischen Historien mit berühret sind, als soll ferner und mit mehreren, was des +Heinrich Pöpping+’s Commission beim Rathe allhier gewesen, berichtet werden. Dann als derselbe dieses Werk also bei 3 Wochen lang durch obbemeldete Personen abgehandelt und zugleich der Bürger Gemüther wohl ausgeforschet, ist er endlich zu dem damals präsidirenden Bürgermeister +Martin Brauns+ gegangen, mit Anzeigung, daß ihm vom oft hochgemeldeten Hrn Administrator eine Commission aufgetragen wäre, die er beim ganzen Rathe ablegen und hinterbringen solle, und weil der Bürgermeister eben zu Rathhause gehen wollen, hat sich +Heinrich Pöpping+ zugleich mit ihm dahin verfüget und vor der Rathsstube aufgewartet, bis er endlich hinein gelassen worden. Darauf, nachdem er vor dem Rath erschienen, demselben zwei versiegelte Schreiben, eins von Königl. Maj. zu Schweden, das andere von des Hrn Administratoris Fürstl. Gn., beide an den Rath zu Magdeburg addressirt, zusammt mit einer von I. Fürstl. Gn. ihm ertheilten Commission und Instruction dem Rathe überreicht hat, die dann nebst den beiden königl. und fürstl. Schreiben verlesen worden. Der Inhalt des königl. schwedischen Schreibens ist gewesen:
„Daß Ihro Maj. Vorhabens wären, sich mit einer Kriegsarmee in Deutschland zu begeben, der Deutschen Libertät in geist- und weltlichen Sachen zu beschützen und wieder zu bringen, dabei auch kürzlich etliche Ursachen, so I. Maj. hiezu bewogen, angehängt gewesen, alles in lateinischer Sprache geschrieben zu Stockholm im Monat Dezember ~Anno~ 1629.“
Ein mehres aber, oder daß sich die Stadt Magdeburg mit dem Könige in Verbündnisse geben möchte, ist in diesem Schreiben nicht gestanden. Das andere Schreiben, so vom Hrn Administrator, war ein Creditiv, gehend auf die Instruction, die dann in nachfolgenden Punkten bestanden:
1) daß I. F. Gn., durch Assistenz königl. Maj. zu Schweden, eine Armee in dem Erzstifte aufzurichten und Dero Land und Leute bei ihrer Freiheit und Religion zu schützen, Vorhabens wäre; derohalben zu desto bessern Behuf desselbigen die Bürgerschaft etwas an Kriegsvolke, auf I. F. Gn. Bezahlung, wöchentlich für jeden Knecht 12 ggr., einzunehmen ihr möchte belieben lassen. 2) Wollten I. F. Gn. die Stadt durch dero Landvolk befestigen und besser fortificiren, alle Gravamina und Streitigkeiten, so zwischen den Bischöfen, Domcapitel und der Stadt gewesen, abschaffen, auch die Stadt mit mehren Privilegien und Landgütern begnadigen und befreien. 3) Sollte alles auf I. F. Gn. eigene Kosten bestehen, die Stadt Magdeburg aber mehr nicht als Paß und Musterplatz dazu herleihen und deswegen gegen dem Reich noth- und schadlos gehalten werden, und was etwa dergleichen an Punkten mehr gewesen, so alle für die Stadt sehr vorträglich und ersprießlich geschienen. etc.
Hierüber nun hat man im Rathe unterschiedlich Raths gepflogen und das Werk hin und her bewogen; jedoch durch die mehrsten Stimmen sich zur gewierigen Resolution nicht erklären können oder mögen, sondern I. F. Gn. durch ein Beantwortungsschreiben unterthänig ersucht, weil die Sache sehr hochwichtig, daß sich I. F. Gn. dem Rathe, zu desto reiferem Nachsinnen, etwas Zeit und Anstand zu vergünstigen, nicht wollten zuwider sein lassen etc. Unterdessen aber ist durch den Commissarium +Heinrich Pöpping+ mit inständigem Erinnern, Rennen und Laufen beim Rathe nicht nachgelassen, sondern dergestalt unnachlässig angehalten worden, daß sich ja der Rath bald erklären und das Werk nicht ausschlagen möchte, sintemal aus den Fall solche Langwierigkeit und Verzögerniß sowohl der Stadt als I. F. Gn. Schaden und Verderb beruhen würden etc. Nicht weniger sind auch unter den Rathsherren die beiden +Caspar Steinbeck+ und +Conrad Gerhold+ vor andern sehr bemühet gewesen, also, da etwa ein oder der andere des Raths bei diesem Handel Schwermuth und Sorge getragen, oder sonst nicht alsobald darin verwilligen wollen, daß sie demselben stracks sowohl in seinem ~Voto~ als andern Gesprächen, eingeredet, alle habende Scrupel und Einwürfe entweder resolvirt, erläutert oder ganz widersprochen haben, so gar daß oftmals, der bei seiner Stimm’ und Meinung bleiben wollen, mit ihnen ein Disputat und Streit bis aufs äußerste halten müssen. Und damit nun die andern gemeine Stadtsachen nicht gänzlich hierüber beliegend blieben, sind zu dieser Sache, dieselbe zu prädeliberiren und auszuarbeiten, der Stadtschultheiß +Siegmund Hasse+, der Syndicus ~Dr.~ +Johann Denhardt+, die beiden Schöppen ~Dr.~ +Olvenstedt+ und ~Dr.~ +Jacobus Alemann+ und obermeldeter +Conrad Gerhold+ benannt und verordnet worden, die dann, nach unterschiedlicher gepflogener Berathschlagung, diese Sache auf Miteinrathen der E. Hansastädte gestellet und ~per majora vota~ beschlossen haben, welches auch also Ihro Fürstl. Gn., auf Dero abermaliges Ansinnen und erforderte Resolution, vom Rathe zur Antwort ertheilet und zugeschrieben worden.
Zur selben Zeit hat sich auch begeben, daß Hr ~Dr.~ +Hans Ulrich Hemmerl+, kaiserl. Maj. Reichshofrath, ein offenes Mandat bei der Nacht -- als den 6. July ~Anno~ 1630 -- an die Domkirche schlagen lassen, darinnen die augsburgischen Confessions-Verwandten Canonici und Clerici in der Stadt und aus dem Neuen Markte cassirt und ihnen, bei Pön der Acht, binnen 8 Tagen ihre inhabende Beneficia, Häuser, Brief und Siegel abzutreten und dem +Martino Stricerio+, Propst zu Unser Lieben Frauen, einzuliefern auferlegt werden wollen. Dieser Sachen und obgedachter Vereinigungstractaten halber sind vom Rathe etliche Personen verordnet worden, nämlich: daß ~Dr.~ +Stephanus Olvenstedt+, Schöppe und Ausschusses Verwandter, nach Dresden reisen und daselbst bei Churfürstl. Durchlaucht zu Sachsen -- weil dieselbe wegen ihres Herrn Sohnes, Herzogs +Augusti+, am Erzstifte zu Magdeburg merklich mit interessirt -- vernehmen möchten, was I. Churfürstl. Durchl. -- da von denen Kaiserlichen, als die allbereits um der Clerisei Häuser angehalten, auch der Dom zu ihrem Gottesdienste sollte begehret werden -- dabei zu thun gemeint wären und was Schutzes bei Deroselben sich die Stadt zu getrösten haben solle etc. Dann ferner sind noch zwo Rathspersonen, +Conrad Gerhold+ und +Johann Buschau+, zum hansaischen Directorio nach Lübeck deputirt worden, daselbst die angetragenen Vereinigungstractaten mit denen E. Städten in Communication zu ziehen, und obwohl ~Dr.~ +Olvenstedt+ seinen Weg alsofort auf Dresden genommen, hat sich’s doch mit diesen beiden letztern -- weil sich +Conrad Gerhold+ ungern zu solcher Reise und Communication mit den E. Städten verstehen wollen -- etwas verweilet, bis endlich ein Schreiben von +Johann Stalmann+ -- als der vor diesem Fürst +Ludwig+’s zu Anhalt Kanzler gewesen und sich beim Könige in Dänemark für einen General-Kriegsauditeur, nach gemachtem Frieden aber in des Hrn Administrators Dienste gebrauchen und in Schweden zu Deroselben königl. Maj. verschicken lassen, da er dann zugleich schwedische Bestallung auch angenommen und sich also mit einer besondern königl. Instruction, was ihm in Deutschland zu verrichten obliegen würde, wiederum auf Hamburg zu I. Fürstl. Gn. begeben hatte -- dessen Inhalts ankommen, weil nämlich der Status mit königl. Maj zu Schweden und des Hrn Administratoris F. Gn. weit besser gediehen, als wollte er, +Stalmann+, in kurzem selbst auf Magdeburg reisen und E. E. Rath den Zustand ausführlich berichten; dahero, weil man solch Anbringen nicht wissen können, auch die Abschickung auf Lübeck anständig geblieben. Unterdessen ist das Werk in der ganzen Stadt -- zweifelsohne durch oftermeldete Unterhändler und Zusammengeschworene -- also und dergestalt ruchtbar gemacht worden, wie daß nämlich vom Könige in Schweden und Erzstiftischen Herrn Administratori der Stadt solche Mittel und Wege angeboten würden, dadurch dieselbe allem Kriegs- und Reformationswesen entgehen und darüber mit mehren Privilegien und Landgütern könne begnadigt werden, und was dergleichen Dinge mehr gewesen, womit sie die Gemüther, der ohne dies wegen obgedachten, durch Hrn ~Dr.~ +Hemmerl+ angeschlagenen Mandats und andern dergleichen Ursachen, irritirten Bürgerschaft dergestalt verbittert gemacht, daß allein diejenigen, so sich die gethanen Vorschläge und Vereinigungstractaten wohlgefallen und deren Beförderung angelegen sein lassen, beim großen Haufen Ehr und Lob davon gebracht haben.