Part 18
»Des Morgens schlief ich bis neun, mitunter sogar bis zehn Uhr. Denn, sagte ich bei mir selbst, wozu sollst du dich plagen, wenn du's gut haben kannst? Gearbeitet habe ich nur sehr wenig. Ich erledigte zwar zur Not meine Pensa: im übrigen aber verspürte ich einen seltsamen Abscheu gegen jede Tätigkeit. Man lebt nur einmal auf der Welt, pflegte mein Großonkel Schmidthenner zu sagen. So hielt ich es denn für zweckmäßig, mir die kurze Freiheit recht zunutze zu machen. Fast täglich bestand ich mit Wilhelm Rumpf einen Ringkampf, wobei immer derjenige siegte, der den Untergriff hatte. Solche Übungen sind in jeder Beziehung praktisch. Ich merkte dies bei dem Zwist mit dem Gänsehirten von Wieseck. Der Mann wollte uns ausschimpfen, weil Rumpfs kleiner Pudel ihm die Gänse gejagt hatte. Wir zerbläuten ihn jämmerlich. Hieraus erhellt, daß der Jüngling sich nicht früh genug in körperlichen Exerzitien ergehen kann. Wie sagt schon Horaz? usw. usw.«
In diesem Stile ging es zwölf Seiten lang. Am Schluß meiner tückischen Abhandlung hatte ich die zwölf Stunden Karzer, die ich diesmal eroberte, so vollständig verdient, daß ich mich noch jetzt über die Nachsicht des sonst so leicht erregbaren Lehrers wundere.
»Wie verbrachte ich meine Ferien?«
In der Tat ein trostloses Thema für einen deutschen Gymnasialschüler, der weder lügen, noch seine Lehrer beleidigen will!
Das Maturitätsexamen.
Das Wort Examen hat für den Gymnasialschüler je nach Umständen eine sehr verschiedenartige Klangfarbe. Ernst und gewichtig tönt es an sein Ohr, wenn es die Abiturientenprüfung bezeichnet; leicht und harmlos dagegen, wenn es jene Komödie bedeutet, die sich alljährlich ein- oder zweimal vor dem Beginn der Ferien wiederholt, mit dem angeblichen Zweck, das Publikum über die intellektuellen und ethischen Fortschritte der künftigen Staatsbürger zu unterrichten.
Das Abiturienten- oder Maturitätsexamen ist, streng genommen, nur eine Form, da die Lehrer in den meisten Fällen vorher wissen, wer da bestehen und wer durchfallen wird. Es wäre auch sonderbar, wenn die paar Stunden oder Tage des Examens genauere Auskunft über den Bildungsgrad eines Schülers ermöglichen sollten, als die Monate und Jahre des regen persönlichen Verkehrs in der Klasse. Gleichwohl betritt der Abiturient mit einem seltsamen Zagen den Prüfungssaal, nicht ahnend, daß sein Schicksal schon vor der ersten Frage so gut wie entschieden ist. Der Schüler, der sich während seiner ganzen gymnasiastischen Laufbahn durch die lebhafte Betätigung eines wissenschaftlichen Sinnes ausgezeichnet und den Beweis geliefert hat, daß er wirkliche Kenntnisse besitzt, wird selbst dann nicht durchfallen, wenn er in einer Spezialität unglücklicherweise alle Fragen schuldig bleibt; viel eher ist der umgekehrte Fall denkbar, daß ein Ignorant, der sich nur oberflächlich »eingepaukt« hat, durch eine glückliche Konstellation entschlüpfe. Es liegt also nicht der geringste Grund zur Aufregung vor; aber die Tradition und der Instinkt wirken hier mächtiger als die reine Vernunft.
In dem Gymnasium meiner Vaterstadt Gröningen hatten die Abiturienten erst ein dreitägiges schriftliches Examen und dann ein mündliches von etwa sechs Stunden zu leisten. Das schriftliche war entschieden die Hauptsache. Es bestand aus drei Extemporal-Aufsätzen, einem deutschen, einem französischen und einem lateinischen. Die strengste Klausur sonderte uns während dieser Arbeiten von der Außenwelt ab. Vor Schluß seines Aufsatzes durfte keiner den Saal und die dazu gehörigen Räumlichkeiten verlassen. Gegen Mittag lieferte uns der Pedell etwas kalte Küche; den Angehörigen der Schüler war es nicht gestattet, sich bei dieser Proviantlieferung zu beteiligen, da es früher mehrfach vorgekommen war, daß man in Buttersemmeln, Würsten u. dergl. die nötigen literarischen Hilfsmittel zur Bewältigung der Themata eingeschmuggelt hatte. Trotz dieser peinlichen Vorsicht gelang es fast regelmäßig, etwas Verwendbares über die Schwelle zu paschen. Bei dem Schließen oder Öffnen des Fensters warf man einen Zettel in den Hof, der das Thema bezeichnete. Treue Freunde, die unten lauerten, beschafften sofort, was sie an früheren Bearbeitungen desselben Vorwurfs etc. etc. auftreiben konnten, und legten es im rechten Moment auf eine gewisse verschwiegene Lokalität, deren Besuch man uns doch nicht völlig verbieten konnte. Zuweilen gelang es auch, schon Tags zuvor das Thema ausfindig zu machen, sei es, daß ein Familienmitglied des Examinators die Sache verriet, sei es, daß wir listigerweise das Notizbuch des Lehrers durchforschten und so die nötigen Anhaltspunkte eroberten.
Einmal hatte der Direktor Samuel Heinzerling in Erfahrung gebracht, der Abiturient Ittmann sei am Abend vor dem Beginn der Prüfung auf wunderbare Weise in den Besitz des Themas gelangt und werde des Tags darauf eine Reihe von Manuskripten und Drucksachen mitbringen, und zwar, um der Möglichkeit einer Visitation auszuweichen, in seinen Stiefelschäften. Gott weiß, wer hier den Judas gespielt hatte: genug, Samuel Heinzerling war bis ins einzelne unterrichtet und beschloß, dem p. p. Ittmann auf eine möglichst humorvolle Weise zu Leibe zu gehen.
Es war die ganze Zeit über abscheuliche Witterung gewesen. Auch am Tage des lateinischen Aufsatzes herrschte ein großer Schmutz in den Straßen. Hierauf gründete Samuel seinen Plan.
Als Ittmann im Saale erschien, trat der Direktor freundlich lächelnd auf ihn zu und reichte dem überraschten Schüler die Hand.
»Kommen Sä, läber Ättmann,« sagte er schmunzelnd, »äch weiß, Sä neigen sehr stark zor Erkältong ...«
Hiermit führte er den Erstaunten nach dem Ofen, wo ein Stiefelzieher und zwei Pantoffel standen.
»So, läber Ättmann, äch habe Ähnen da ein paar Pantoffel besorgt, damit Sä säch ja nächt verderben. Zähen Sä Ähre Stäfel höbsch aus. Äch bän öberzeugt, Sä haben säch nasse Föße geholt.«
»Sie sind zu gütig, Herr Direktor,« stammelte Ittmann, »aber ich habe wirklich ganz trockene Füße. Ich danke recht sehr.«
»Es wärd doch besser sein, wenn Sä dä Schohe dort anzähn. Sä sänd mär än der letzten Zeit wäderholt onwohl gewesen ...«
»Das ist ganz vorüber, Herr Direktor. Ich fühle mich jetzt vollständig frisch.«
»Eben, weil Sä säch fräsch föhlen, sollen Sä säch nächt wäder erkälten. Machen Sä jetzt keine Omstände; äch meine es goot mät Ähnen!«
»Ohne Zweifel, Herr Direktor. Ich verspüre aber nicht den geringsten Anflug von Nässe. Lassen Sie lieber den Schierlitz die Pantoffel da anziehen: der hat einen viel weiteren Weg als ich.«
»Nein, nein! Der Schärlätz äst eine roboste Nator! Sä allein haben mär den verflossenen Wänter fortwährend öber Katarrh geklagt. Jetzt machen Sä mäch nächt ongedoldäg, ond entledägen Sä säch so rasch wä möglich Ährer Stäfel! Äch befähle es Ähnen!«
Ittmann war der Verzweiflung nahe. Seine angeborene Geistesgegenwart half ihm jedoch auch diesmal über die Klippe hinweg.
»Nun denn, Herr Direktor,« sagte er mit einer artigen Verbeugung, »so nehme ich dankbar an.«
Mit diesen Worten ergriff er die Pantoffel und den Stiefelzieher und eilte der Tür zu.
»Wo wollen Sä hän?« rief Samuel Heinzerling.
»Herr Direktor, Sie werden mir zutrauen, daß ich so viel Lebensart besitze, um meine Stiefel nicht in Ihrer Gegenwart auszuziehen. Ich verfüge mich da neben ins Konferenzzimmer.«
Samuel Heinzerling trat auf ihn zu, klopfte ihm auf die Schulter und flüsterte mit einem halbunterdrückten Lächeln:
»Wässen Sä was? Gehn Sä läber nach Hause ond wechseln Sä zo Haus Ähre Stäfel! Sä haben säch öbrägens goot herausgehauen, wärkläch, sehr goot! Das moß Ähnen der Neid lassen.«
»Aber, Herr Direktor, ich versichere Sie ...«
»Machen Sä, daß Sä fortkommen ond versächern Sä mäch läber nächts. Äch denke, Sä wässen am besten, wo der Schoh Sä dröckt. Aber äch sage Ähnen, auf dem Fooß stehen wär nächt mäteinander, wenn das Examen anfängt! Sä sänd mär ein onreeller Kamerad! Verstehn Sä mäch?«
»Herr Direktor,« versetzte Ittmann mit einem Blick auf seine Stiefel, »ich habe heute morgen schon so viel eingesteckt, daß ich auch diesen Vorwurf einstecken und Sie um dauernde Nachsicht ersuchen will.«
Samuel Heinzerling lachte.
Ittmann aber eilte nach Hause und erschien diesmal ohne die Eselsbrücken. Sei es nun, daß das Erlebnis mit Samuel Heinzerling seinem Geiste eine besondere Elastizität verlieh, sei es, daß der Direktor ein hervorragendes Wohlwollen entwickelte, kurz, der Schüler erhielt die Note eins.
Der lateinische Aufsatz, den ich zur Bekundung meiner Reife verabfolgen mußte, betraf den Kaiser Tiberius.
Ich habe nun bereits in meiner Skizzensammlung »Aus Sekunda und Prima« hervorgehoben, daß die Weltgeschichte von je meine schwache Seite gewesen. Von Tiberius insbesondere wußte ich nur sehr wenig Positives, -- etwa, daß er des Kaiser Augustus Nachfolger gewesen; daß er sich durch Grausamkeit und Willkür ausgezeichnet; daß er einen Günstling, namens Sejanus, besessen und schließlich von Macro mit einem Kissen erstickt worden sei. Nun verstand ich es zwar, solche geringfügige Anhaltspunkte möglichst ausgiebig zu verwerten: aber das Gold meines Wissens wollte diesmal, noch so breit geschlagen, nicht ausreichen, um den gewaltigen Raum eines Abiturientenaufsatzes zu bedecken.
Hier half ich mir nun auf folgende sinnreiche Weise, die ich jedem Primaner unter gleichen Verhältnissen auf das wärmste empfehlen möchte. Ich hatte zufällig wenige Tage zuvor eine interessante Monographie über den Kaiser Augustus gelesen, deren Einzelheiten mir noch ziemlich treu im Gedächtnis hafteten. So begann ich denn meinen Aufsatz wie folgt:
»Nach dem Tode des Cäsar Octavianus Augustus bestieg der tückische, menschenfeindliche Tiberius den Kaiserthron. Es gelang ihm schon nach kurzer Frist, sich in allen Teilen des Reichs gründlich verhaßt zu machen, denn er bildete durchweg den schroffsten Gegensatz zu dem wohlwollenden, gerechten, kunst- und literaturfreundlichen Augustus. Dieser Kontrast mußte die Antipathie der Römer noch beschleunigen und vertiefen. Augustus hatte das und das getan, diese und jene Einrichtung getroffen, so und so die Verhältnisse des römischen Volkes geregelt; von alledem finden wir bei Tiberius keine Spur. Augustus und seine Freunde Messala, Pollio und Mäcenas waren Kenner der griechischen Dichter, deren Werke man in öffentlichen Bibliotheken sammelte; in der Umgebung des Tiberius dagegen finden wir weder einen Mäcenas noch einen Messala noch einen Pollio. Augustus war auch äußerlich eine sehr angenehme Erscheinung. Ein heiterer Friede ruhte auf seinem Antlitz. Er machte den Eindruck eines biederen, würdevollen und geistig bedeutenden Alten. Ganz anders Tiberius, von welchem uns dergleichen nirgends berichtet wird.«
Auf diese Weise gab ich eine sehr detaillierte Geschichte des Augustus und fügte nur von Zeit zu Zeit die Bemerkung hinzu, das sei bei Tiberius anders gewesen.
Nachdem ich so mein Wissen erschöpft hatte, schloß ich wie folgt:
»Leider ist die Zeit bereits zu sehr vorgerückt, als daß es mir noch möglich wäre, auf die übrigens allbekannten Einzelheiten der so verhängnisvollen Regierung des Tiberius näher einzugehen. Erwähnen will ich noch, daß er, wie fast alle Tyrannen, auf unnatürliche Weise endete. Ja, es gibt eine Nemesis der Weltgeschichte, deren furchtbares Walten nur der Tor leugnen wird! ~Est modus in rebus, sunt certi denique fines!~«
Und dann sprach ich noch den üblichen Wunsch aus:
»~Spero fore, ut, quae hodie conscripsi, rectori gymnasii doctissimo, illustrissimo, justissimo mire placeant.~«
Meine Hoffnung ging in Erfüllung. Die umfassenden Kenntnisse, die ich im Punkte des Augustus entwickelt hatte, reichten aus, um meine tiberianische Unwissenheit zu bemänteln.
Minder glücklich war ein Abiturient namens Glaser, der einen deutschen Aufsatz über die Völkerwanderung zu schreiben hatte und, wie Sokrates, nur eins wußte: daß er nichts wußte.
Er begann sein Thema wie folgt:
»Indem ich an die heutige Aufgabe heran trete, erinnere ich mich der alten Vorschrift, daß der wahre Philosoph niemals über einen Gegenstand reden darf, ohne ihn des näheren definiert zu haben.
Was heißt Völkerwanderung? Augenscheinlich bedeutet dieser Ausdruck eine Wanderung von Völkern. Fragen wir nun zunächst: Was ist ein Volk? so liegt es klar zutage, daß sich dieser Begriff nicht so in aller Kürze fixieren läßt. Wir müssen daher etwas weiter ausholen. Schon in den ältesten Zeiten ...«
Und nun folgte eine graziös stilisierte Musterkarte historischer Data, wie sie in dem Kopfe des pfiffigen Schülers nach und nach hängen geblieben war. Die Ägypter, die Assyrer und Meder spielten hier eine bedeutsame Rolle. Ein längerer Abschnitt war dem auserwählten Volk Gottes gewidmet, dem Volk ~par excellence~. Dann sprach Theophil Glaser von den Volksrechten, von den verschiedenen Staatsformen usw. usw.
Die Hälfte des Aufsatzes war hiermit zurückgelegt. Der Schüler fuhr fort:
»Wir kommen nun zu dem zweiten Teile unserer Definition: Was ist eine Wanderung?« Ein Problem, das er in ähnlicher Weise löste, wie das des Volkes.
Als er endlich den Begriff der Völkerwanderung glücklich zusammengesetzt hatte, war die gegebene Frist abgelaufen, und hastig warf er die heuchlerische Phrase auf das Papier:
»Zu meinem größten Bedauern muß ich hier schließen, denn ich höre das heisere Metall des Pedellen.«
Theophil Glaser bestand zwar im deutschen Aufsatze »~cum laude~«, in der Geschichte aber fiel er trotz seiner glänzenden Definitionen unwiderruflich durch.
Die Lehrer wollten nicht glauben, daß nur Quaddler daran schuld war, wenn Glasers Abhandlung des versöhnenden Schlusses entbehrte.
Druck: J. Neumann, Neudamm.
Empfehlenswerte Werke.
Verlag von J. Neumann in Neudamm.
Für jede Familienbibliothek, besonders aber für die Hausfrau auf dem Lande.
Sofiensruh.
Wie ich mir das Landleben dachte, und wie ich es fand.
Von =S. Jansen=.
=Zweite=, kürzlich neu erschienene Auflage. Preis fein geheftet =4 Mk.=, hochelegant gebunden =5 Mk.=
Ein =prächtiges, rein aus dem Leben geschöpftes Werk= von =eigenartiger, frischer, humorvoller= Darstellung, dessen =erste Auflage= in noch nicht =sieben Monaten vergriffen= gewesen ist. Die Verfasserin, Stadtfrau und in der größten norddeutschen Handelsstadt angesessen, kauft sich in der Nähe ihrer Heimat ein kleines Landgut, welches sie selbst mit größtem Verständnis bewirtschaftet. Ihre =wenigen Freuden= und die =große Zahl der Sorgen= schildert uns die Dichterin nun in einer Form, wie sie =lebenswahrer= und doch =zum Gemüte sprechender= nicht gedacht werden kann. Wir haben hier eine =seltene Perle moderner Erzählerkunst= vor uns und ein Buch, das ein =vorzügliches Festgeschenk=, namentlich für =unsere Hausfrauen=, genannt zu werden vollauf verdient.
=Die Kritik= hat sich über =»Sofiensruh« durchweg ungemein anerkennend= geäußert. Wir geben folgende Kritikauszüge wieder:
=Der Tag in Berlin.= »Ein +sehr amüsantes+ Buch -- und ein +sehr nachdenkliches+ Buch, nachdenklich im Sinne Fontanes, als etwas, über das man viel nachdenkt. Ich habe +viel dabei gelacht+ und doch +viel dabei gelernt+. +Mark Twainisch+ fängt es an, mit grotesken Zirkusplätzen, und geht dann doch in den schönen niederdeutschen, etwas =schwermütigen Humor= über, den wir an =Klaus Groth= und =Fritz Reuter= so sehr lieben. Und das schönste daran ist, daß alles, was in dem Buche steht, so gar nicht erfunden und bloß ausgedacht ist, sondern in jeder Zeile den +unverkennbaren Stempel der erlebtesten Wahrheit+ trägt. ... +Städter+ und +Agrarier+ sollten diese meistens grotesk +lustigen+ und doch so +bitterernsten+ Schilderungen und Erlebnisse genau studieren, die ersteren, um zu begreifen, unter welchen unerhörten Schwierigkeiten der Landwirt heute der Natur und seinem Helferpersonal sein Leben abzuringen hat, die letzteren, um endlich darüber klar zu werden, daß ohne eine gründliche, an die Wurzel gehende Umgestaltung des ländlichen Arbeitsverhältnisses über lang oder kurz jede größere Wirtschaft zugrunde gehen muß. ... +In Zolas furchtbarem »~La Terre~« sind die Tatsachen eigentlich nicht viel krasser+; sie sind eben nur durch ein bittereres Temperament gesehen. ... Wie gesagt: ein +nachdenkliches+ Buch! Ein sehr +nachdenkliches+ Buch! Und wird keiner kommen dürfen und sagen, ein »Hetzer« habe es geschrieben.
~Dr.~ Franz Oppenheimer.«
=Das Daheim in Leipzig.= »... Es ist ein +heiteres+ und +erfreuendes+ und zugleich ein +trauriges+ und +betrübendes+ Buch. Es ist heiter und erfreuend, weil wir in ihm eine =prächtige deutsche Frau= kennen lernen, +voll Mutterwitz, gesundem Verstande, Tatkraft und zähem Wollen+, die überdies noch über eine sehr +ungewöhnliche Gabe der Schilderung und der Charakterisierung+ verfügt. ... Unser Buch ist gerade in seinen Einzelschilderungen auch =kulturgeschichtlich= +von großem Wert+, es zeigt uns aber vor allem, unter wie +unsagbar schwierigen Verhältnissen+ heute vielfach die Landwirtschaft in Deutschland betrieben wird.
Th. H. Pantenius.«
=Gartenlaube in Leipzig.= »... Der Titel »Tagebuch« ist im allgemeinen nicht gerade vertrauenserweckend; es verbirgt sich gemeinhin zu viel Eitelkeit und Selbstbespiegelung, zu viel Absicht und Verlogenheit dahinter. +Hier aber ist+ =Wahrheit von Anfang bis zu Ende=, +ist Erdgeruch und Eigenart+, =ein Stück Leben=, +das sich in aller Schlichtheit des Empfindens, ohne jede Pose, offenbart+ ... Und welch +goldiger Humor+ verklärt nicht all die großen und kleinen Fehlschläge, welche +Herzensgüte und Vornehmheit der Gesinnung+ offenbart sich nicht darin, wie diese Frau sich zu den Menschen, zum Leben stellt! +Wahrlich+, »=ein Frauenbuch=«, +auf das die Geschlechtsgenossinnen der Autorin nicht stolz genug sein können+, dessen Lektüre mehr als ein Zeitvertreib, ein gute Unterhaltung ist! ... Möge +das schöne Buch+ vielen zu einem +Freund+ und +Wegweiser+ werden.«
Für jede Familien- und Hausbibliothek empfohlen:
=Entwickelungsgeschichte der Natur.= Von =Wilhelm Bölsche=. Zwei Bände, 1646 Seiten, 785 Abbildungen, 16 Tafeln in Schwarz- und Farbendruck. Preis in Leinen fein gebunden =18 Mk.= In Halbleder hochfein gebunden =22 Mk.=
=Die Physik.= Von =H. Maser=, Professor =~Dr.~ P. Richert= und Dipl. Ing. =A. Kühns=. Zwei Bände, 1745 Seiten, 1183 Abbildungen, 10 Tafeln in Farbendruck. Preis in Leinen fein gebunden =18 Mk.= In Halbleder hochfein gebunden =22 Mk.=
=Die Chemie.= Von =~Dr.~ Max Vogtherr=. Ein Band, 847 Seiten, 421 Abbildungen, 5 Tafeln in Farbendruck. Preis in Leinen fein gebunden =9 Mk.= In Halbleder hochfein gebunden =11 Mk.=
=Das Mineralreich.= Von Professor =~Dr.~ Georg Zürich=. Ein Band, 754 Seiten, 521 Abbildungen, 8 Tafeln und Beilagen in Schwarz-Farbendruck. Preis in Leinen fein gebunden =9 Mk.= In Halbleder hochfein gebunden =11 Mk.=
=Das Pflanzenreich.= Von Professor =~Dr.~ K. Schumann= und Professor =~Dr.~ E. Gilg=. Ein Band, 858 Seiten, 480 Abbildungen, 6 Tafeln in Farbendruck. Preis in Leinen fein gebunden =9 Mk.= In Halbleder hochfein gebunden =11 Mk.=
=Das Tierreich.= Von Professor =~Dr.~ L. Heck=, Professor =Paul Matschie=, =Bruno Dürigen=, =~Dr.~ Ludwig Staby=, =E. Krieghoff=, Professor =~Dr.~ v. Martens=. Zwei Bände, 2222 Seiten, 1455 Abbildungen, 12 Tafeln in Schwarz- und Farbendruck. Preis in Leinen fein gebunden =18 Mk.= In Halbleder hochfein gebunden =22 Mk.=
=Länder- und Völkerkunde.= Von =~Dr.~ F. W. Paul Lehmann=. Zwei Bände, 1646 Seiten, 1024 Abbildungen, 11 Tafeln in Farbendruck. Preis in Leinen fein gebunden =18 Mk.= In Halbleder hochfein gebunden =22 Mk.=
=Weltgeschichte.= Von =M. Reymond=. Zwei Bände, 1672 Seiten, 841 Abbildungen, 16 Bildertafeln und 10 bunte, historische Karten. Preis in Leinen fein gebunden =18 Mk.= In Halbleder hochfein gebunden =22 Mk.=
=Kunstgeschichte.= Von Professor =~Dr.~ Max Schmid=. +Nebst einem kurzen Abriß der Geschichte der Musik und Oper+, herausgegeben von =~Dr.~ Clarence Sherwood=. Ein Band, 842 Seiten, 411 Abbildungen, 10 Tafeln in Schwarz- und Farbendruck. Preis in Leinen fein gebunden =9 Mk.= In Halbleder hochfein gebunden =11 Mk.=
=Geschichte der Weltlitteratur= +und des Theaters aller Zeiten und Völker+. Von =Julius Hart=. Zwei Bände, 1886 Seiten, 825 Abbildungen, 16 Tafeln in Schwarz- und Farbendruck. Preis in Leinen fein gebunden =18 Mk.= In Halbleder hochfein gebunden =22 Mk.=
=Gesamtregister= bearbeitet von =der Verlagsbuchhandlung=. Ein Band von etwa 300 Seiten. Das Gesamtregister wird jedem Abnehmer des Gesamtwerkes, also dem Käufer aller sechzehn Textbände, kostenlos geliefert; sonst wird es abgegeben: in feinen Leinenband gebunden, zum Preise von =6 Mk.=, in hochfeinen Halblederband gebunden zum Preise von =8 Mk.=
Alle Werke zeichnen sich neben anerkannt vorzüglichem Text durch =ungemein billigen Preis=, =reichen, prächtigen Bilderschmuck= und =geschmackvolle Einbände= aus. Es sind Bücher, =welche zu den ersten Schätzen unserer Literatur= gehören; auf jedem =Weihnachtstische= werden sie überall Freude und Bewunderung hervorrufen.
Reich illustrierte Probehefte aller Werke werden umsonst und postfrei geliefert.
Alle Buchhandlungen nehmen Bestellungen entgegen.
Verlag von J. Neumann in Neudamm.
Für Kriegsveteranen, Volksbibliotheken und zu Prämienzwecken.
Aus großer Zeit.
Bilder aus dem Kriegsleben eines pommerschen Jägers.
Von =Paul Lehmann-Schiller.= +Mit erläuternden Abbildungen.+ Preis hochelegant gebunden =5 Mk.=
=Die Literatur über Kriegserinnerungen= ist nicht gering, aber auch der Interessentenkreis für solche Werke ist ein großer. Unter den vielen Büchern dieses Genres nimmt obengenanntes, das erst im Jahre 1903 erschienen ist, =nicht den letzten Platz= ein. Die Kritik nennt es mit Recht ein =prächtiges, rein aus dem Leben geschöpftes Buch für jung und alt=! Sein Verfasser ist heute Direktor des Schiller-Gymnasiums zu Stettin. Nach Ausbruch des Krieges 1870 machte er sofort das Abiturientenexamen und trat als Einjährig-Freiwilliger bei den =Greifswalder, pommerschen, zweiten Jägern= ein. Nach der Schlacht von Sedan zur Belagerung von Metz ins Feld geschickt, machte Lehmann diese, die Belagerung von Paris (Champigny) und die Jagd auf Bourbaki durch das südöstliche Frankreich mit. -- Wir lesen das =humorvolle Tagebuch eines jungen Idealisten, dreißig Jahre später durchgearbeitet und in seinem Stoff gesichtet von dem gereiften Manne=, mithin ein Werk, dessen Lektüre mehr bietet, wie die meiste stoffverwandte Literatur, und sich dem =alten Feldzugssoldaten=, wie dem =Freunde deutscher Geschichte zum Genuß= gestaltet. Auch =kulturgeschichtlich=, sowohl =für deutsche=, wie =namentlich für französische Verhältnisse=, bietet das Buch viel. Besonders aber werden die meist =hochdeutsch=, aber vielfach auch in =echt vorpommerschem Platt= gegebenen Schilderungen durch ihren =frischen= und =humordurchwehten Ton= seinem Besitzer genußreiche Lesestunden bereiten.
Alle Buchhandlungen nehmen Bestellungen entgegen.
Verlag von J. Neumann in Neudamm.
Schönstes Buch für die wirklich reifere Jugend, besonders für zukünftige Forstleute, Jäger und Landwirte.
Das Jägerhaus am Rhein.
Jugenderinnerungen eines alten Weidmannes.
Dem jägerischen Nachwuchse erzählt von =Oberländer=.
Mit 104 Originalabbildungen von Jagdmaler =C. Schulze=. Preis hochelegant gebunden =8 Mk.=