Gedichte und Sprüche in Auswahl
Part 1
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Walther von der Vogelweide
Gedichte und Sprüche in Auswahl
Im Insel-Verlag zu Leipzig
FRÜHLINGSSEHNSUCHT
Uns hât der winter geschadet über al: heide unde walt die sint beide nû val, dâ manic stimme vil suoze inne hal. sæhe ich die megde an der strâze den bal werfen, sô kæme uns der vogele schal.
Möhte ich verslâfen des winters gezît! wache ich die wîle, sô hân ich sîn nît, daz sîn gewalt ist sô breit und sô wît; weiz got, er lât och dem meien den strît: sô lis' ich bluomen dâ rîfe nû lît.
TRAUMDEUTUNG
Dô der sumer komen was und die bluomen durch daz gras wünneclîche ensprungen, aldâ die vogele sungen, dar kom ich gegangen an einen anger langen, dâ ein lûter brunne enspranc: vor dem walde was sîn ganc, dâ diu nahtegale sanc.
Bî dem brunnen stuont ein boum, dâ gesach ich einen troum. ich was von der sunnen gegangen zuo dem brunnen, daz diu linde mære mir küelen schaten bære. bî dem brunnen ich gesaz, mîner swære ich gar vergaz: schiere entslief ich umbe daz.
Dô bedûhte mich zehant, wie mir dienten alliu lant, wie mîn sêle wære ze himel âne swære und der lîp hie solte gebâren swie er wolte. dâne was mir niht ze wê: got der walde's, swie'z ergê, schoener troum enwart nie mê.
Gerne sliefe ich iemer dâ, wan ein unsæligiu krâ, diu begonde schrîen. daz alle krâ gedîen alse ich in des günne! si nam mir michel wünne. von ir schrîen ich erschrac: wan daz dâ niht steines lac, sô wær' ez ir suonetac.
Wan ein wunderaltez wîp diu getrôste mir den lîp. die begonde ich eiden. nû hât si mir bescheiden waz der troum bediute. daz merken wîse liute: zwêne und einer daz sint drî; dannoch seite s' mir dâ bî, daz mîn dûme ein vinger sî.
FRÜHLING UND FRAUEN
Sô die bluomen ûz dem grase dringent, same sie lachen gegen der spileden sunnen, in einem meien an dem morgen fruo, und diu kleinen vogellîn wol singent in ir besten wîse die sie kunnen, waz wünne mac sich dâ genôzen zuo? ez ist wol halb ein himelrîche. suln wir sprechen, waz sich deme gelîche, sô sage ich, waz mir dicke baz in mînen ougen hât getân und tæte ouch noch, gesæhe ich daz.
Swâ ein edeliu schoene frouwe reine wol gekleidet unde wol gebunden durch kurzewîle zuo vil liuten gât, hovelîchen hôchgemuot, niht eine, umbe sehende ein wênic under stunden: alsam der sunne gegen den sternen stât: der meie bringe uns al sîn wunder, waz ist dâ sô wünneclîches under als ir vil minneclîcher lîp? wir lâzen alle bluomen stân und kapfen an daz werde wîp.
Nû wol dan, welt ir die wârheit schouwen, gên wir zuo des meien hôchgezîte! der ist mit aller sîner krefte komen. seht an in und seht an werde frouwen, wederez daz ander überstrîte, daz bezzer spil ob ich daz habe genomen. ôwê der mich dâ welen hieze, deich daz eine durch daz ander lieze, wie rehte schiere ich danne küre! hêr Meie, ir müeset merze sîn, ê ich mîne frouwen dâ verlüre.
LIEBESTRAUM
«Nemt, frouwe, disen kranz,» alsô sprach ich z'einer wol getânen maget: «sô zieret ir den tanz mit den schoenen bluomen, als ir s' ûfe traget hæt' ich vil edele gesteine, daz mües' ûf iur houbet, obe ir mir's geloubet: sêt mîne triuwe, daz ich'z meine.
Ir sît sô wol getân, daz ich iu mîn schapel gerne geben wil, daz beste daz ich hân. wîzer unde rôter bluomen weiz ich vil, die stênt sô verre in jener heide: dâ sie schône enspringent und die vogele singent, dâ sule wir sie brechen beide.»
Si nam daz ich ir bôt einem kinde vil gelîch, daz êre hât: ir wangen wurden rôt same diu rôse, dâ si bî der liljen stât. do erschamten sich ir liehtiu ougen, doch neic si mir schône. daz wart mir ze lône: wart mir's iht mêr, daz trage ich tougen.
Mich dûhte daz mir nie lieber wurde danne mir ze muote was: die bluomen vielen ie von den boumen bî uns nider an daz gras. seht, dô muost' ich von freuden lachen. do ich sô wünneclîche was in troume rîche: dô tagete ez und muose ich wachen.
Mir ist von ir geschehen daz ich disen sumer allen meiden muoz vast' under d'ougen sehen: lîhte wirt mir eniu, so ist mir sorgen buoz. waz obe si gêt an disem tanze? frouwe, durch iur güete rucket ûf die hüete: ôwê, gesæhe ich s' under kranze!
SCHÖNHEIT UND TUGEND
Wol mich der stunde, daz ich sie erkande, diu mir den lîp und den muot hât betwungen, sît deich die sinne sô gar an sie wande, der sie mich hât mit ir güete verdrungen! daz ich gescheiden von ir niht enkan, daz hât ir schoene und ir güete gemachet und ir rôter munt, der sô lieplîchen lachet.
Ich hân den muot und die sinne gewendet an die vil reinen, die lieben, die guoten: daz müez' uns beiden wol werden volendet swes ich getar an ir hulde gemuoten. swaz ich ie freuden zer werlde gewan, daz hât ir schoene und ir güete gemachet und ir rôter munt, der sô lieplîchen lachet.
UNTER DER LINDE
«Under der linden an der heide, dâ unser zweier bette was, dâ muget ir vinden schône beide gebrochen bluomen unde gras. vor dem walde in einem tal, tandaradei! schône sanc diu nahtegal.
Ich kam gegangen zuo der ouwe: dô was mîn friedel komen ê. dâ wart ich enpfangen, hêre frouwe! daz ich bin sælic iemer mê. kuste er mich? wol tûsentstunt: tandaradei! sehet, wie rôt mir ist der munt.
Dô het er gemachet alsô rîche von bluomen eine bettestat. des wirt noch gelachet inneclîche, kumt iemen an daz selbe pfat. bî den rôsen er wol mac, tandaradei! merken wâ mir'z houbet lac.
Daz er bî mir læge, wesse ez iemen (nu enwelle got!), sô schamte ich mich. wes er mit mir pflæge, niemer niemen bevinde daz wan er und ich unde ein kleinez vogellîn: tandaradei! daz mac wol getriuwe sîn.»
GEGENSEITIGE LIEBE
Bin ich dir unmære, des enweiz ich niht: ich minne dich. einez ist mir swære: dû sihst bî mir hin und über mich. daz solt dû vermîden: i'ne mac niht erlîden solhe liebe ân' grôzen schaden. hilf mir tragen, ich hân ze vil geladen!
Sol daz sîn dîn huote, daz dîn ouge an mich sô selten siht? tuost dû mir'z ze guote, sône wîze ich dir dar umbe niht: sô mît mir daz houbet (daz sî dir erloubet) und sich nider an mînen fuoz, sô dû baz enmügest: daz sî dîn gruoz.
Swanne ich s' alle schouwe, die mir suln von schulden wol behagen, sô bist du'z mîn frouwe: daz mac ich wol âne rüemen sagen. edel unde rîche sint sie sumelîche, dar zuo tragent sie hôhen muot; lîhte sint sie bezzer, dû bist guot.
Frouwe, nû versinne dich, ob ich dir z'ihte mære sî. eines friundes minne diu ist niht, da ensî ein ander bî. minne entouc niht eine, si sol sîn gemeine, sô gemeine, daz si gê durch zwei herzen unde niwet mê.
SCHÖNHEIT UND ANMUT
Herzeliebez frouwelîn, dot gebe dir hiute und iemer guot! kunde ich baz gedenken dîn, des hæte ich willeclîchen muot. waz mac ich nû sagen mê, wan daz dir nieman holder ist? ôwê, dâ von ist mir vil wê.
Sie verwîzent mir daz ich sô nidere wende mînen sanc. daz sie niht versinnent sich waz liebe sî, des haben undanc! sie getraf diu liebe nie, die dâ nâch guote und nâch der schoene minnent: wê, wie minnent die!
Bî der schoene ist dicke haz: zer schoene niemen sî ze gâch. liebe tuot dem herzen baz: der liebe gêt diu schoene nâch. liebe machet schoene wîp: des'n mac diu schoene niht getuon, sin' machet niemer lieben lîp.
Ich vertrage als ich vertruoc und als ich iemer wil vertragen: dû bist schoene und hâst genuoc. waz mugen sie mir dâ von gesagen? swaz sie sagen, ich bin dir holt und nim dîn glesîn vingerlîn für einer küniginne golt.
Hâst dû triuwe und stætekeit, sô bin ich dîn ân' angest gar, daz mir iemer herzeleit mit dînem willen widervar. hâst ab dû der zweier niht, sô müezest dû mîn niemer werden: ôwê, obe daz geschiht!
DIE HERRLICHE FRAU
Si wunderwol gemachet wîp, daz mir noch werde ir habedanc! ich setze ir minneclîchen lîp vil werde in mînen hôhen sanc. gern' ich in allen dienen sol: doch habe ich mir dise ûz erkorn. ein ander weiz die sînen wol: die lobe der âne mînen zorn, hab' ime wîs' unde wort mit mir gemeine: lobe ich hie, sô lobe er dort.
Ir houbet ist sô wünnenrîch, als ez mîn himel welle sîn. wem solde ez anders sîn gelîch? ez hât joch himeleschen schîn. dâ liuhtent zwêne sternen abe: dâ müeze ich mich noch inne ersehen, daz si mir s' alsô nâhen habe! sô mac ein wunder wol geschehen: ich junge, und tuot si daz, und wirt mir gernden siechen seneder sühte baz.
Got hâte ir wengel hôhen flîz: er streich sô tiure varwe dar, sô reine rôt, sô reine wîz, hie roeseloht, dort liljenvar. ob ich'z vor sünden tar gesagen, sô sæhe ich s' iemer gerner an dan himel oder himelwagen. ôwê, waz lobe ich tumber man? mach' ich mir sie ze hêr, vil lîhte wirt mîns mundes lop mîns herzen sêr.
Si hât ein küssen, daz ist rôt: gewunne ich daz für mînen munt, sô stüende ich ûf ûz dirre nôt und wære ouch iemer mê gesunt. dem si daz an sîn wengel leget, der wonet dâ gerne nâhe bî: ez smecket, sô man'z iender reget, alsam ez allez balsme sî. daz sol sie lîhen mir: sô dicke sô si'z wider wil, sô gibe ich'z ir.
Ir kel, ir hende, ietweder fuoz, daz ist ze wunsche wol getân. ob ich da enzwischen loben muoz, sô wæne ich mê beschouwet hân: ich hæte ungerne «decke blôz!» gerüefet, do ich sie nacket sach. sie sach mîn niht, dô si mich schôz: daz stichet noch als ez dô stach. ich lobe die reinen stat, dâ diu vil minneclîche ûz einem bade trat.
TROST IM LEIDE
Wil ab iemen wesen frô, daz wir iemer in den sorgen iht enleben? wê wie tuont die jungen sô, die von freuden solten in den lüften sweben? i'n weiz anders weme ich'z wîzen sol, wan den rîchen wîze ich'z und den jungen. die sint unbetwungen: des stât in trûren übel und stüende in freude wol.
Wie frô Sælde kleiden kan, daz si mir gît kumber unde hôhen muot! sô gît s' einem rîchen man ungemüete: ôwê, waz sol dem selben guot? mîn frou Sælde, wie si mîn vergaz, daz si mir sîn guot ze mînem muote nien' schriet, si vil guote! mîn kumber stüende im dort bî sînen sorgen baz.
Swer verholne sorge trage, der gedenke an guotiu wîp -- er wirt erlôst -- und gedenke an liehte tage: die gedanke wâren ie mîn bester trôst. gegen den vinstern tagen hân ich nôt, wan daz ich mich rihte nâch der heide, diu sich schamt ir leide: sô si den walt siht gruonen, sô wirt s' iemer rôt.
Frouwe, als ich gedenke an dich, waz dîn reiner lîp erwelter tugende pfliget, sô lâ stân! dû rüerest mich mitten an daz herze, dâ diu liebe liget. liep und lieber des enmeine ich niht, dû bist aller liebest, daz ich meine: dû bist mir alleine vor al der werlte, frouwe, swaz sô mir geschiht.
DAS HALM-MESSEN
In einen zwîvellîchen wân was ich gesezzen und gedâhte, ich wolte von ir dienste gân, wan daz ein trôst mich wider brâhte. trôst mag ez rehte niht geheizen, ouwê des! ez ist vil kûme ein kleinez troestelîn, sô kleine, swenne ich'z iu gesage, ir spottet mîn; doch fröwet sich lützel ieman, er enwizze wes.
Mich hât ein halm gemachet frô: er giht, ich sül genâde vinden. ich maz daz selbe kleine strô, als ich hie vor gesach von kinden. nû hoeret unde merket, ob si'z denne tuo: «si tuot, si entuot, si tuot, si entuot, si tuot.» swie dicke ich'z tete, sô was ie daz ende guot. daz troestet mich: dâ hoeret ouch geloube zuo.
Swie liep si mir von herzen sî, sô mac ich doch vil wol erlîden, daz ich ir sî zem besten bî. ich darf ir werben dar niht nîden: i'n mac, als ich erkenne, des gelouben niht, daz s' ieman sanfte in zwîvel bringen müge. mir'st liep, daz die getrogenen wizzen, waz sie trüge, wan alze lanc daz s' iemer rüemic man gesiht.
DAS RECHTE MASS
Aller werdekeit ein füegerinne daz sît ir zewâre, frouwe Mâze. er sælic man, der iuwer lêre hât! der endarf sich iuwer niender inne weder ze hove schamen noch an der strâze. durch daz sô suoche ich, frouwe, iuwern rât, daz ir mich ebene werben lêret. wirbe ich nidere, wirbe ich hôhe, ich bin versêret. ich was vil nâch ze nidere tôt, nû bin ich aber ze hôhe siech: Unmâze, ir lât mich âne nôt!
Nideriu minne heizet, diu so swachet daz der lîp nâch kranker liebe ringet: diu minne tuot unlobelîche wê. hôhiu minne heizet, diu daz machet daz der muot nâch werder liebe ûf swinget: diu winket mir nû, daz ich mit ir gê. nu'n weiz ich, wes diu Mâze beitet. kumet herzeliebe, sô bin ich verleitet: mîn ougen hânt ein wîp ersehen, swie minneclich ir rede sî, mir mac wol schade von ir geschehen.
PREIS DER LIEBENSWÜRDIGKEIT UND TUGEND
Ein niuwer sumer, ein niuwe zît, ein guot gedinge, ein lieber wân, diu liebent mir enwiderstrît, daz ich noch trôst ze freuden hân, noch fröwet mich ein anderz baz dan aller vogellîne sanc: swâ man noch wîbes güete maz, dâ wart im ie der habedanc. daz meine ich an die frouwen mîn: dâ muoz noch mêre trôstes sîn. s'ist schoener danne ein schoene wîp: die schoene machet lieber lîp.
Ich weiz wol, daz diu liebe mac ein schoenewîp gemachen wol: iedoch swelch wîp ie tugende pflac, daz ist diu, der man wünschen sol. diu liebe stêt der schoene bî baz dan gesteine dem golde tuot: nû jehet, waz danne bezzer sî, hânt disiu beide rehten muot? sie hoehent mannes werdekeit: swer ouch die süezen arebeit durch sie ze rehte kan getragen, der mac von herzeliebe sagen.
Der blic gefröwet ein herze gar, den minneclîche ein wîp an siht: wie welt ir danne, daz der var, dem ander liep von in geschiht? der ist eht maneger freuden rîch, sô jenes freude gar zergât. waz ist den freuden ouch gelîch, dâ liebez herze in triuwen stât, in schoene, in kiusche, in reinen siten? swelch sælic man daz hât erstriten, ob er daz vor den fremden lobet, sô wizzet, daz er niht entobet.
Waz sol ein man, der niht engert gewerbes umbe ein reine wîp? si lâze in iemer ungewert, ez tiuret doch wol sînen lîp. er tuo durch einer willen sô, daz er den andern wol behage: sô tuot in ouch diu eine frô, ob im diu ander gar versage. dar an gedenke ein sælic man: dâ lît vil sælde und êren an. swer guotes wîbes minne hât, der schamt sich aller missetât.
DEUTSCHLAND ÜBER ALLES
Ir sult sprechen willekomen: der iu mære bringet, daz bin ich. allez daz ir habet vernomen, daz ist gar ein wint: nû fraget mich. ich wil aber miete: wirt mîn lôn iht guot, ich sag' iu vil lîhte daz iu sanfte tuot. seht, waz man mir êren biete.
Ich wil tiuschen frouwen sagen solhiu mære, daz sie deste baz al der werlte suln behagen: âne grôze miete tuon ich daz. waz wold' ich ze lône? sie sint mir ze hêr: sô bin ich gefüege und bite sie nihtes mêr, wan daz sie mich grüezen schône.
Ich hân lande vil gesehen unde nam der besten gerne war: übel müeze mir geschehen, künde ich ie mîn herze bringen dar, daz im wol gevallen wolte fremeder site. nû waz hulfe mich, ob ich unrehte strite? tiuschiu zuht gât vor in allen.
Von der Elbe unz an den Rîn und her wider unz an der Unger lant mugen wol die besten sîn, die ich in der werlte hân erkant. kan ich rehte schouwen guot gelâz und lîp, sam mir got, sô swüere ich wol daz hie diu wîp bezzer sint dann' ander frouwen.
Tiusche man sint wol gezogen, rehte als engel sint diu wîp getân. swer sie schiltet, der'st betrogen: ich enkan sîn anders niht verstân. tugent und reine minne, swer die suochen wil, der sol komen in unser lant: da ist wünne vil. lange müeze ich leben dar inne!
DER MINNE RECHT
Daz ich dich sô selten grüeze, frouwe, deist ân' alle mînne missetât. ich wil daz wol zürnen müeze liep mit liebe, swa ez von friundes herzen gât. trûren unde wesen frô, sanfte zürnen, sêre süenen, deis der minne reht: diu herzeliebe wil alsô.
IM GELOBTEN LANDE
Nû alrêst leb' ich mir werde, sît mîn sündic ouge siht lant daz hêre und ouch die erde, dem man vil der êren giht. mir'st geschehen, des ich ie bat: ich bin komen an die stat, dâ got menneschlîchen trat.
Schoeniu lant rîch unde hêre, swaz ich der noch hân gesehen, sô bist du'z ir aller êre. waz ist wunders hie geschehen! daz ein maget ein kint gebar hêre übr aller engel schar, was daz niht ein wunder gar?
Hie liez er sich reine toufen, daz der mensche reine sî; dô liez er sich hie verkoufen, daz wir eigen wurden frî. anders wæren wir verlorn, wol dir, sper, kriuz' unde dorn: wê dir, heiden, deist dir zorn!
Do er sich über uns wolde erbarmen, hie leit er den grimmen tôt, er vil rîche übr uns vil armen, daz wir koemen ûz der nôt. daz in dô des niht verdrôz, dast ein wunder alze grôz, aller wunder übergenôz.
Hinnen fuor der sun zer helle von dem grabe, da er inne lac. des was ie der vater geselle und der geist, den nieman mac sunder scheiden: êst al ein, sleht und ebener danne ein zein, als er Abrahâme erschein.
Do er den tievel dô geschande daz nie keiser baz gestreit, dô fuor er her wider ze lande. dô huop sich der juden leit, daz er hêrre ir huote brach und man in sît lebendic sach, den ir hant sluoc unde stach.
Dar nâch was er in dem lande vierzic tage: dô fuor er dar, dannen in sîn vater sande. sînen geist, der uns bewar, den sant' er hin wider ze hant. heilic ist daz selbe lant, sîn nam ist vor gote erkant.
In diz lant hât er gesprochen einen angeslîchen tac, dâ diu witwe wirt gerochen und der weise klagen mac und der arme den gewalt, der dâ wirt mit ime gestalt. wol im dort, der hie vergalt!
Unser lantrehtære tihten fristet dâ niemannes klage, wan er wil ze stunt dâ rihten, so ez ist an dem lesten tage: und swer dheine schult hie lât unverebenet, wie der stât dort, da er pfant noch bürgen hât!
Ir enlât iuch niht verdriezen daz ich noch gesprochen hân, sô wil ich die rede besliezen kurzlîch, und iuch wizzen lân: swaz got mit der werelt ie wunderlîches noch begie, daz huop sich und endet hie.
Kristen, juden unde heiden jehent, daz diz ir erbe sî: got müez' ez ze rehte scheiden durch die sîne namen drî. al diu werelt strîtet her: wir sîn an der rehten ger, reht ist daz er uns gewer.
EINST UND JETZT
Owê war sint verswunden alliu mîniu jâr! ist mir mîn leben getroumet oder ist ez wâr? daz ich ie wânde daz iht wære, waz daz iht? dar nâch hân ich geslâfen unde enweiz es niht. nû bin ich erwachet und ist mir unbekant daz mir hie vor was kündic als mîn ander hant. liut unde lant, dâ ich von kinde bin erzogen, die sint mir fremde worden, reht' als ez sî gelogen. die mîne gespilen wâren, die sint træge und alt; bereitet ist daz velt, verhouwen ist der walt: wan daz daz wazzer fliuzet als ez wîlent flôz, für wâr ich wânde, mîn unglücke wurde grôz. mich grüezet maneger trâge, der mich bekande ê wol. diu werlt ist allenthalben ungenâden vol: als ich gedenke an manegen wünneclîchen tac, die sint mir enpfallen gar als in daz mer ein slac iemer mêre, ouwê!
Owê wie jæmerlîche junge liute tuont! den unvil riuweclîche ir gemüete ê stuont, die kunnen nû wan sorgen: ouwê wie tuont sie sô? swar ich zer werlte kêre, dâ ist nieman frô: tanzen, lachen, singen zergât mit sorgen gar nie kristenman gesach sô jæmerlîche schar. nû merket, wie den frouwen ir gebende stât; die stolzen ritter tragent dörperlîche wât. uns sint unsenfte brieve her von Rôme komen: uns ist erloubet trûren und freude gar benomen. daz müet mich inneclîchen (wir lebten ie vil wol), daz ich nû für mîn lachen weinen kiesen sol. die wilden vogele betrüebet unser klage: waz wunders ist, ob ich dâ von vil gar verzage? waz spriche ich tumber man durch mînen boesen zorn? swer dirre wünne volget, der hât jene dort verlorn iemer mêre, ouwê!
Owê wie uns mit süezen dingen ist vergeben! ich sihe die gallen mitten in dem honege sweben. diu werlt ist ûzen schoene wîz, grüen' unde rôt und innen swarzer varwe, vinster sam der tôt. swen si nû habe verleitet, der schouwe sînen trôst: er wirt mit swacher buoze grôzer sünde erlôst. dar an gedenket, ritter, ez ist iuwer dinc: ir traget die liehten helme und manegen herten rinc, dar zuo die vesten schilte und diu gewîhten swert! wolte got, wær' ich der sigenünfte wert! sô wolte ich nôtic man verdienen rîchen solt. joch meine ich niht die huoben noch der hêrren golt: ich wolte selbe krône êweclîchen tragen; die möhte ein soldenære mit sîme sper bejagen. möht' ich die lieben reise gevaren über sê, sô wolte ich denne singen «wol» und niemer mêre «ouwê», niemer mêre «ouwê!»
DER WAHLSTREIT
I
Ich saz ûf eime steine und dahte bein mit beine, dar ûf sast' ich den ellenbogen; ich hete in mîne hant gesmogen mîn kinne und ein mîn wange. dô dâhte ich mir vil ange, wes man zer werlte solte leben. dekeinen rât kond' ich gegeben, wie man driu dinc erwurbe, der keines niht verdurbe. diu zwei sint êre und varnde guot, daz dicke ein ander schaden tuot; daz dritte ist gotes hulde, der zweier übergulde. die wolde ich gerne in einen schrîn. jâ leider des'n mac niht gesîn, daz guot und werltlich êre und gotes hulde mêre zesamene in ein herze komen. stîg' unde wege sint in benomen: untriuwe ist in der sâze, gewalt vert ûf der strâze, frid' unde reht sint sêre wunt: diu driu enhabent geleites niht, diu zwei enwerden ê gesunt.
II
Ich hôrte ein wazzer diezen und sach die vische fliezen; ich sach swaz in der werlte was, velt unde walt, loup, rôr und gras; swaz kriuchet unde fliuget und bein zer erden biuget, daz sach ich unde sage iu daz: der keinez lebet âne haz. daz wilt und daz gewürme die strîtent starke stürme, sam tuont die vogel under in; wan daz sie habent einen sin: sie diuhten sich ze nihte, sie schüefen starc gerihte: sie kiesent künege unde reht, sie setzent hêrren unde kneht. sô wê dir, tiuschiu zunge, wie stêt dîn ordenunge, daz nû diu mucke ir künic hât und daz dîn êre alsô zergât! bekêrâ dich, bekêre! die zirken sint ze hêre, die armen künege dringent dich: Philippe setze en weisen ûf und heiz sie treten hinder sich!
III
Ich sach mit mînen ougen man unde wîbe tougen, dâ ich gehôrte und gesach swaz iemen tet, swaz iemen sprach. ze Rôme hôrte ich liegen und zwêne künege triegen. dâ von huop sich der meiste strît, der ê was oder iemer sît, daz sich begonden zweien die pfaffen unde leien. daz was ein nôt vor aller nôt: lîp unde sêle lac dâ tôt. die pfaffen striten sêre: doch wart der leien mêre. diu swert sie legeten dernider und griffen zuo der stôle wieder: sie bienen die sie wolten und niuwet den sie solten. dô stôrte man diu goteshûs. ich hôrte verre in einer klûs vil michel ungebære: dâ weinde ein klôsenære, er klagete gote sîniu leit: «ôwê, der bâbest ist ze junc: hilf, hêrre, dîner kristenheit!»
VORZEICHEN DES JÜNGSTEN TAGES