Gedichte Sechste vermehrte Auflage
Part 8
Und Rudolf von Habsburg mit Hoheit begann: »Du Reichsverweser Erzherzog Johann, Bewahre, Du bist mir kein Rittersmann, Ich schleudere Dich in Acht und Bann.«
Und die Berge Tyrols, die Stein' in Tyrol, Sie hallen es tausendfach nach, Das tönet so dumpf, das tönet so hohl, Als ob Fels an Felsen sich brach.
Und Karl der fünfte in seiner Art: »Wer unehrlich, sei klug, Johann, Und weil Ihr nicht klug und nicht ehrlich war't, So thun wir Euch in Acht und Bann.«
Und die Berge Tyrols, die Stein' in Tyrol, Sie hallen es tausendfach nach, Das tönet so dumpf, das tönet so hohl, Als ob Fels an Felsen sich brach.
Und Maximilian spricht, Schmerz im Gesicht, »Fluchwürdig, wer die Treue bricht, Wer weiß, ereilt Dich kein Gottesgericht. In Bergen Tyrols verbirg Dich nicht!« --
Und die Berge Tyrols, die Stein' in Tyrol, Sie hallen es tausendfach nach, Das tönet so dumpf, das tönet so hohl, Als ob Fels an Felsen sich brach!
Und Joseph der Gute wehmüthig klagt: »In Wien ein Stand- und Kriegsgericht? Das Beste, das Schönste hast Du gewagt, Die Mutter -- sie vergißt Dir's nicht!«
Und die Berge Tyrols, die Stein' in Tyrol, Sie hallen es tausendfach nach, Das tönet so dumpf, das tönet so hohl, Als ob Fels an Felsen sich brach.
Und Marie Theresia, die schönste Frau, Mit unmuthiger Miene spricht sie, Mit der Rechten zeigt sie Brigittenau: »Auch dieses vergeß' ich Dir nie!«
»Die Söhne Arpads, sie schützten mein Haus, Das Reich und des Habsburgers Thron, Und« -- ruft mit Beben die Kaiserin aus, »Verderben war darum ihr Lohn.«
Im weißen Gewand, das Haar in die Höh', Die Rechte zum Himmel hinan: »Den Feinden Arpads sei ewiges Weh, Vergeßlichen Enkeln mein Bann!«
Und die Berge Tyrols, die Stein' in Tyrol, Sie hallen es tausendfach nach, Das tönet so dumpf, das tönet so hohl, Als ob Fels an Felsen sich brach.
Dem Reichsverweser wird bang um das Herz, Die Ahnen, sie haben vollend't, Die Worte lasten wie Panzer von Erz, Der Bannstrahl das Hirn ihm verbrennt. --
Und scheu, aus den Armen des schweren Alp, Reißt entsetzt und matt er sich auf, Da sieh da, nach Schatten ein blutiger, halb, -- Er steigt aus der Erde herauf!
Ein Jüngling, das lockige Haupt in der Hand, Um die Stirne den Streifen von Blut: »An Deiner Statt« -- ruft er, »mein wär' das Land, Dir fehlte mein reichlicher Muth! --«
Ein Nu, der blutige Schatten war hin, Es lachte noch jugendlich auf: »Nicht Jeder, nicht Jeder ist Konradin, Nicht Jeder ein Hohenstauf'.«
Und die Berge Tyrols, die Stein' in Tyrol, Sie hallen es tausendfach nach, Das tönet so dumpf, das tönet so hohl, Als wenn Fels an Felsen sich brach.
Den Erzherzog schwindelt, zur Erd' er fällt, Und siehe, es war nur ein Traum, O Volksmann Johann, die Meinung der Welt, Sie fand in dem Traume den Raum.
Kalt ist's, eine trockene Kälte, Aus modernen Burgen schallt Tadel für das Holz, den Heizer Durch die weiten Säle bald.
Aber in des Armen Hütte Ist von Tadel keine Spur, Eingefroren ist das Wasser Und man weint und zittert nur.
Ich träumte tausend Lieder Und alle schön und hold, Sie hatten blaue Augen Und Haare licht wie Gold.
Die Welt lag mitten drinnen, Ein Purpurröslein rein, Unangehaucht vom Menschen, Bestrahlt vom Sonnenschein.
Jetzt träum' ich viele Lieder, Doch all' mit dunklem Haar, Mit großen dunklen Augen, Und thränenvoll wohl gar.
Die schattigen Gestalten, Sie schwanken hin und her, Wie sturmbewegte Wellen, Auf sturmbewegtem Meer.
Ihr großen dunklen Augen, Mit tief und ernstem Blick, Ihr gleicht an Ernst und Wunder, Dem tragischen Geschick.
Ihr schattigen Gedanken, Die Wahrheit Euch verzehrt, Ihr zeigtet mir im Röslein Den Wurm, der es zerstört. --
Wer einsam kam zu trüber Höhe, Oft unverstanden angegafft, Dem rauschet jedes Lüftchen Wehe Und jedes Blättchen: halte Kraft.
Ja Kraft soll dem die Gottheit geben, Wer selbstlos nur das Gute will, Mit seinem Herzblut, seinem Leben, Und sich verblutet einsam still.
Der Tag so kurz, der Tag so lang, Die Stunde so froh, die Stunde so bang, Das Leben so kurz, das Leben so lang, Die Freude so kurz, ach, und niemals lang.
Seh' ich euch wieder, goldne Sterne, Hab' euch lange nicht gesehn, Wußt' euch freilich in der Ferne Unsichtbar am Himmel steh'n!
Es hat uns Gott gegeben Das menschliche Gefühl, Der Tugend nachzustreben, Sei unser Lebensziel.
Barmherzigkeit zu üben, Das sei das Losungswort, Die Menschen all' zu lieben, An jedem, jedem Ort.
Die Nachtigall und die Katze.
Die Nachtigall sie schlaget In Blitz und Donner fort, So lang' ein Baum noch stehet, Bleibt jubelnd sie am Ort.
Sie jauchzet auf am Morgen, Sie bliebt das Tageslicht, Doch Katzen, ihre Feinde, Vertragen solches nicht.
Die Katze webt im Dunkeln Ist Königin der Nacht, Doch Nachtigall trotzt singend Nächtlich der finstern Macht.
Die Dichter alle dichten, Trotz Nacht, Verrat und Spott, Inmitten ihrer Feinde Ruhig getrost auf Gott! --
Von jedem Platz der Erde, Von dem er nicht verbannt, Hat stets der wahre Dichter Sein Veto ausgesandt.
Und Beide, Beide hören Zu singen niemals auf: Ihr Katzen und Philister, Mein Ehrenwort darauf! --
Das Burschenlied.
Die Poesie ist ein Gebiet, Wo alle Blüthen treiben. Jetzt soll ich gar ein Burschenlied Für die Studenten schreiben. Wohlan, es sei, ich fange an, Und schreib', so gut ich schreiben kann.
Ich lob' mir die Studentenschaft, Die brav, fidel und bieder, Mit hellem Geist und Muth und Kraft Hoch hält die deutschen Lieder. Mit Liedern zieht er in die Welt, Ein solcher Bursche ist ein Held.
Im schmucken, reichgestickten Kleid, Mit Humpen und mit Degen Ist gern gesehn er weit und breit, Auf allen deutschen Wegen. Ein solcher Bursche ist ein Held, Er zieht als Sieger durch die Welt.
Und zeigt man ihm ein böses Weib, Die Braut ihm zu ersetzen, Weicht tausend Schritte er vom Leib, Er läßt sich nichts verhetzen. Mit achtzehn Jahr' hat er gefreit, Und damals war er grundgescheidt.
Studenten, unsere Zukunft einst Hängt ab von eurem Werden, Ob's freund- und friedlich wird dereinst, Ob's heimlich wird auf Erden. Und Eins noch hänget von euch ab, Ob man lebendig muß in's Grab. --
Ob Nacht, ob Finsterniß, ob Licht, In eurer Hand wird's liegen. Vergeßt der großen Ahnen nicht, Dann wird das Rechte siegen. Die Burschenschaft, sie ist ein Held, Und ihr gehört die ganze Welt.
Der Thierbändiger.
Des Thierbändigers Bude ist drückend voll, Die Menge lauscht lautlos andächtig schier, Da tritt zornig herein das Pantherthier, Und stattlich der Löwe und würdevoll, Und mit grausigen Tönen dicht hinterdrein Zwei schwarze Hyänen hinein in die Reih'n.
Des Bändigers Tochter von hoher Figur, Von lieblich rundem, rosigem Gesicht Von glänzend hellbraunem Augenlicht, Das schwarze Köpfchen in Mannesfrisur, Betritt grüßend den Kreis, im Miederchen nett, Um schneeige Schultern und lächelt kokett.
Johanna, gewappnet mit festem Blick, Schwingt behend' sich hinauf auf den Leu, Mit sanftem Muth und mit selt'ner Treu Erträgt sie das königliche Genick, Stolz kreuzt sie die Arme und lächelt dabei Und die Menge lohnt ihr mit Bravogeschrei.
Die Jungfrau steigt ab und mit Heldenmuth Fährt in des Panthers Rachen ihr Arm, Drinn braust's gewaltig wie Bienenschwarm Und wilder tobt es in Heißhungers Gluth, Sie reicht ihm das Becken mit Blut gefüllt Und gierig, doch langsam den Durst er nun stillt.
Inzwischen sieht man die Königin der Wuth Gefräßig, schnaubend, spähen ringsum, Das Mädchen bieget den Nacken krumm, Und hinten hinauf steigt die wilde Brut: Den Mörder am Halse, sie lächelt dabei, Und die Menge lohnt ihr mit Bravogeschrei.
Die zweite Hyäne eilt nun hinan, Die erste klettert rückwärts hinab, Johanna Beiden die Fütterung gab, Ihr strahlender Blick, er hält sie in Bann. Und dankend entflieht sie dem stürm'schen Applaus, Der Bändiger führet die Thiere hinaus.
Hierauf tritt herein das gehörnte Pferd, Das seltsam geformte, seltene Gnu Und leicht hüpft herein das Känguruh. Ein »Ach« des Staunens im Kreise man hört, Denn des Känguruh's seitwärts laufender Sprung Erregt die allgemeinste Bewunderung.
Der Bändiger führt nun auch Affen hinein, Die Thiere ledig der keuschen Scham, Die Menge es demüthigend überkam Beim Schattenbilde vom menschlichen Sein -- Die thörichten Knaben nur jubeln dazu, Der Bändiger benennet die Thiere im Nu.
»Ich sparte,« ruft laut er, »trotz niederm Preis, Was am meisten die Augen ergötzt, Das Allerschönste Euch auf, auf zuletzt; -- Johanna, getrocknet schon ist Dein Schweiß, Wir zeigen nun endlich die zwanzig Fuß lange Und hundert Pfund schwere Riesenschlange.«
Und siehe, man treibt aus dem Seitenstall Hinaus ein schneeweißes junges Lamm, Ach, zaghaft das Auge in Thränen ihm schwamm, Doch vorwärts dröhnt ihm der Peitsche Geknall. Das Lämmchen, das heute zum Tode bestimmt, Die Unschuld zu retten, kein Mensch unternimmt.
Nun trägt man hinein die riesige List, Mit Kraft und Schönheit herrlich geschmückt, Und drohend und schlau sie rings um sich blickt, Und aus der Menge ertönet ein lautes Pst! Johanna daneben, sie lächelt dabei Und zeigt' ihrer Zähne hell glänzende Reih'.
Die prächtige Riesin, sie wendet sich um, Raubgierig spähend und unheilvoll, Man sah, wie am Kopfe das Blut ihr schwoll, Und windet sich um das Mädchen herum. Die männliche Jungfrau, sie lächelt dabei, Und die Menge lohnt ihr mit Bravogeschrei.
Nun holt sie das Lamm, das niedliche Thier, Hält's geschickt vor ihr hin in der Hand, Die Schlange blickt glühend unverwandt Und zischend hascht sie darnach mit Begier, Da zittert das Mädchen, das Antlitz entstellt, Das Haar sich ihr sträubt, und das Lamm ihr entfällt.
Schnell will sie's erhaschen, den Kopf sie senkt, Doch im Zug sich das Unthier befand, Ein Nu, ein Schrei, das Köpfchen verschwand, Und die schöne Gestalt am Rachen hängt. Noch hebt sich die Brust, noch zuckt es darin, Und dem starren Vater läuft's wild durch den Sinn.
Er zieht ein Terzerol, er feuert es los Rasch in den giftigen Schlund hinein, Die Tochter will er vom Fraße befrein. Und richtig er traf, denn richtig er schoß: Es wälzt sich in schwärzlichen Strömen von Blut, In schäumenden Geifer die furchtbare Brut.
Nun öffnet der Bändiger den riesigen Mund, Sein stierer Blick sprüht funkelnden Glanz, Johanna ist todt, doch sie ist ganz, Nur rund um den Hals, da ist es wie wund. Die grausame Schlange nahm langsam sich Zeit, Fast schien's, als thät's um die Jungfrau ihr leid.
Der Bändiger blickt scheu im Kreise herum Da dringt kein einziger Laut an sein Ohr Die Menge sich fühllos längst verlor, Und im Bretterzelt ist's entsetzlich stumm, Der Mond durch die Spalten bescheinet darin Den Thierbändiger zu Füßen der Thierbändigerin.
Ich ritt auf einem Pferde, Den grünen Wald entlang Voll Blüthen war die Erde, Ich rasch hinunter sprang.
Vor mir auf grüner Aue, Viel hundert Vögelein, So hübsche, kleine graue, Mit schwarzen Aeugelein.
Ihr singet goldene Lieder, Nach Mozart'scher Manier, Seid Ihr denn alle Brüder, Daß Ihr versammelt hier?
Die Antwort lautet leise: »Wir sind nur gleichgesinnt, Haß ist der Brüder Weise Einfältig Menschenkind.«
Sieh, es grünt an allen Hecken, Und auf allen Länderein, Und es tummeln sich die Gecken In des Frühlings Sonnenschein!
Nachtigallen singen, flöten, Lerchen steigen jubelnd auf, Doch die Frösche und die Kröten Hemmen der Begeist'rung Lauf!
Hast Du darum mich verstoßen, Weil ich Deinen Eltern fern? Schau, ein unbekannter, fremder, Aber glänzend heller Stern.
Oder hast Du mich verstoßen, Weil Entsagen Dir 'ne Lust? Ewig wird Dich Lügen strafen Deine lebenswarme Brust.
Antwort.
Es geschah aus andrem Grunde, Weil für mich ich niemals Zeit, Sieh, das Leben währt 'ne Stunde, Warte bis zur Ewigkeit.
Aus dem Dunkel bricht das Licht, Neu erstrahlet mir die Welt, Und verstoßen bin ich nicht, Gott, aus Deines Lichtes Zelt.
Welche Wonne, welches Glück, Welcher Jubel kehrt zurück! Einzig Glück wohnt nur im Licht, Gott, ich lese ein Gedicht.
Ich meint' es rechtschaffen und ehrlich, Doch zu mir selber nicht gut -- Mit jeglichem Wesen viel besser -- Und schrieb meine Verse mit Blut.
Ein Meer von Balsam ist die Zeit, Was hat sie Alles nicht geheilt! Die falschen und die wahren Schmerzen, Die man zu schaffen sich beeilt.
Gretchen.
Mädchenthränen, Schmerzlich Sehnen, Perlen aus des Himmels Thau, Werden weiß und werden grau.
Einer Seele weiches Sehnen, Eines Herzens schmerzlich Dehnen, Hui, das ist so warm und kalt Wie gespenstische Gestalt.
Eisig schmückt es alle Wände, Starr und freudlos alle Hände, Alles schweigend, alles stumm, Nur der Böse geht herum.
Weiße Blüthen, grüne Zweige, Unschuld, Güte fesselt mich, Sicher leiten eure Steige, Abseits geht es fürchterlich.
Rosenbüsche, dunkle Haine, Duftig blühende Sinnlichkeit, Nennest niemals mich die Deine, Falsch ist Deine Süßigkeit.
Deine Stürme, Deine Wogen, Deine ahnungsschwere Lust, Sicher haben sie betrogen Manche unschuldsvolle Brust. --
Ja, ja, es kommt noch nach, Das Schöne kommt noch nach, Es rufen Freudentöne Die Herzenslust Dir wach.
Ja, ja, es kommt das Gute, Das Gute kommt noch nach, Die Tugend mit dem Muthe, Sie ruft das Rechte wach.
Ja, ja, es kommt der Glaube, Auch er, er kommt noch nach, Er ruft dem Sohn vom Staube Einst das Gewissen wach! --
Sei Dir Alles gleich, mein Kind, S' ist ja alles gleich, Jedes Ding vergeht geschwind In dem flüchtigen Reich.
Freud und Leiden, Schmerz und Glück, Eis und Schnee und Sonnenblick, Alles trifft ja ein Geschick, Kommt auf eins zurück. --
Inn'res Glück nur wechselt nie, Das Bewußtsein bleibt, Ewig gleich der Poesie Seine Blüthen treibt.
Bittrer als der Tod ist Leben, Wenn ein stolzes Herz verletzt, -- Sieh', die Furien sich erheben, Deren Stahl die Hölle wetzt.
O, Der kennt die Seelen wenig, Der die besten stille schmäht, Sah man jemals einen König Der um Schwarzbrot betteln geht?
In dem lichten Sonnenglanze, Wandelnd durch das Leben hin, Schaffend, wirkend für das Ganze, Treu mit heißem, festen Sinn.
Wer für jedes Glied des Ganzen, Gerne gäb' sein Herzensblut, Liebend, selbst das Thier, die Pflanzen, Dessen Herz ist rein und gut.
Bittrer als der Tod ist Leben, Wenn ein solches Herz verletzt, Sieh' die Furien sich erheben, Deren Stahl die Hölle wetzt.
O, Der kennt die Seelen wenig, Der die besten wagt zu schmähn, Sah man jemals einen König, Einen König betteln gehn!
Mir träumte, daß ich stund An eines Teiches Grund, Und sieh', mein Mutterlieb, Es schaute drinn so trüb'.
»Was machst so trüb Gesicht« -- Fragt ich, »ich fass' es nicht.« »Bist gut«, -- sprach sie, -- »mein Kind, Weißt nicht, wie bös' sie sind; --
Du faßt das Böse nicht, D'rum mach' ich trüb' Gesicht.« So sprach mein Mutterlieb Und ich erwachte trüb'.
Der Sieg des Geistes.
Hast Du den Schmerz schon einst empfunden, Den Seelenschmerz, der tief im Innern nagt, Und hast in diesen trüben Stunden Du nie und nimmermehr trostlos verzagt?
Auch bei des Körpers großen Leiden, Wenn Grauen schon Dein Aug' bedeckt, Du fühlst das Leben von Dir scheiden Und bist auch dann nicht aufgeschreckt?
Wohl Dir, du bist nicht überwunden, Es endet alles Erdenleid, Glück auf! Es nahen bessere Stunden, Und Du erhältst für Alles einst Bescheid.
Bescheid vom ewigen Richter droben, Wofür Du Edler denn gelitten hast. -- Es höret auf des Herzens Toben, Weg ist sie, die schwere Sorgenlast.
Der Geist ist Sieger, er sieht heiter, Ja, sieht mit froh' und unumwölkten Blick Auf die Vergangenheit zurück, Und schreitet ewig immer weiter.
Elisabeth.
Aus jenem Troß von Königinnen Ragt hoch empor dein tugendhaftes Sein, Den Glanz der Throne kann das Haupt entbehren, Doch nie der Tugend Heiligenschein.
Dem König brach das Herz, in dir gefunden Hat er o, eine Welt voll Herrlichkeit, Hat ihn des Undanks Pfeil auch tief getroffen, In Dir versöhnte ihn die höhere Menschlichkeit.
Sonnenuntergang und Aufgang.
Ein Sonnenuntergang, der Untergang Desjenigen Volk's, das einst so hoch gestrahlt, Siehst du die Streifen, purpurroth und lang, Den jeder Untergang am Himmel malt --
_El fresco_, blutig halb, halb rosenroth, Als zögen Schmerz und Unschuld Hand in Hand -- Ein stürmisch Leben, ein erhabner Tod -- Ein siegreich Dulden, das nichts überwand.
Welch großes Bild! im Hintergrunde Tag, Im Vordergrunde tiefe Nacht man sieht, Ein Volk, das tief im Staube kniet -- Hoch über seinem Haupt die Prüfung lag --
Und Thränen, Dornen, Ketten allerart -- Und harte, gift'ge Zungen lauern dort -- Und Herzen, ihnen gegenüber, hart Wie Stein, und wie der stille Mord.
Und Angst und jähe Flucht und bleiche Noth Mit tausend Schrecken, Qualen, wechseln ab, -- Ein Schatten-Leben und ein rascher Tod, -- In düstern Flammen-, frischem Wellengrab.
Das Volk sieht lange sich die Prüfung an: Das Unglück, wie es leibt und lebt und stirbt, Und wie es, demüthig auf steilem Pfad hinan, Um einen kalten Blick des Mitleids wirbt!
Im Vordergrunde Nacht -- im Herzen Licht, Im Herzen jenes Morgenroth Des Glaubens und der Zuversicht -- Erhaben über Finsterniß und Tod --
Sie überdauernd, überdauernd Raum und Zeit, Sie umgestaltend in den ew'gen Tag -- Sie umgestaltend in Unsterblichkeit: Das gläub'ge Volk hofft es bei jedem Schlag;
Das Volk sieht in den Abgrund tief hinab, Und ruft: ich werde leben! Gott mit mir! Geb't mir zur Reise um die Welt den Stab -- Den Glauben -- ihn allein nehm ich mit mir.
Und überall verkünd' ich Gottes Wort, Ein Weltalls-Prediger bewährt durch That, Als Glaubensbild weil' ich an jedem Ort, Ein Gotteslehrer, und -- der Völker Rath. --
Hier steht das Mißgeschick, doch dicht der Glaube, Dort steht das irdsche Glück, mit ihm das Nichts -- Hier bist Du jedem irdischen Schmerz zum Raube, Allein Du bleibst ein Sohn des ew'gen Lichts --!
So rief ein Engel unter Lorbeerzweigen Und zeigte nochmals Tag und Nacht zugleich, Und todesmuthig sie die Häupter neigen, Und rufen laut: =wir wählen ew'ges Reich=.
Gedicht ohne r.
Wie viel Licht im Sonnenball, Wie viel Staub im Weltenall, Wie viel Staub und wie viel Sand Giebt's nicht schon im Heimathland! Wie viel hohes, schönes Licht Hat's im deutschen Lande nicht! Wie viel Angst in Blitzes Schein, Wie viel Lust im Glase Wein! Doch ganz komisch ging man um, Alles schaffend, meistens stumm; --
Blos den Menschen ausgenommen, Lebt sonst Alles still beklommen, Dem Menschen allein die Kunst man gab Zu zählen all' sein Gut und Hab', Zu sagen wie's und was ihm thut, Und wie ihm jetzt und je zu Muth: Wenn ihn die Habsucht voll gefüllt, Und wenn die heiße Sucht gestillt! Wie wonneathmend das Gefühl, Wenn nah' man einem hohen Ziel.
Kühn Manche, dies in's Auge nehmen, Ohn' des Mißlingens sich zu schämen, Weil edle Pflanzen oft eingehen, Wenn sie auf sand'gem Boden stehen! -- Ja, all' dies ist Jenen nicht gegönnt,
Die man nach uns Geschöpfe Gottes nennt: Das edle Wild kann es nicht sagen, Wie Jagd und Hunde ihm behagen, Und wenn man den Hals des Fisches sticht Denkt man, die Fische empfinden's nicht!
Ei, sehet doch, wie doppelt unbillig, Die Fische zucken ja, doch böswillig, Will man sie dennoch gefühllos nennen, Weil sie nicht seufzen und klagen können; Und so geht's bis zum Elephanten hin, Still behält es den unabhängigen Sinn, Das gute, weise, edle Vieh, Denn Sklavendienst beugt seine Weisheit nie, Stolz denkt es an das heimathlich Gebiet, Sanft duldend, was im Ausland ihm geschieht.
Aus all diesem ziehe ich den Schluß, Daß die Sagekunst man haben muß, Nicht um zu klagen stets Leid und Weh', Da ich Elephanten standhaft seh'; (Und ach, wie langweilig ist man, Wenn man niemals von sich schweigen kann); Deshalb denk' ich lediglich alsdann, Wenn man etwas sagt, was nützen kann, Was man weise nennt, und Edles denkt, Wenn man dies dem Geist des Nächsten schenkt.
Böses so zum Besten wendet: Wenn dann die Lippe niemals endet, Sie hat sich damit nicht geschändet, Dazu hat sie ein Gott gespendet; Daß das Aug', das Wahn geblendet, Sich dem hellen Tag zuwendet; Seelen schwachen, schon im Sinken, Heil und Hoffnung zuzuwinken! Und die Besten und Gescheidten, Mit den edlen Geistesgaben, Die zu thun im Sinne haben, An die Thaten zu gewöhnen, An die guten, menschlich schönen; Ja, und mächtig hohen Seelen, Die Gott Lob auch niemals fehlen, Zu dem Höchsten zu geleiten! --
Auf meinen am 15. November 1890 dahingegangenen Papagei.
Allgeliebter Vogel Du, Gingest auch zur ewigen Ruh Liebenswürdig, zahm und zart Und von selten geistiger Art!
Warst mir zweiundzwanzig Jahr, Was kein Anderer mir war, Steter Freund, ach lebenslang, Nehme meinen heißen Dank.