Gedichte Sechste vermehrte Auflage
Part 7
Ein Jeder kennt im deutschen Gau Das Lied vom braven Mann. Mit Recht so mancher fragen kann: Gieb's keine brave Frau? --
Die »brave Frau« ist mir bekannt: Wer kühn das Vorurtheil zertritt, Voraus uns geht mit Riesenschritt -- Ein Beispiel für das ganze Land; --
Was uns're Zeit begriffen kaum, Was Mancher kaum zu denken wagt, Die »brave Frau« gab unverzagt In wackrer That der Wahrheit Raum! --
»Der Wahrheit Raum,« der erste Schritt Im Kampf für Alle, Aller Wohl -- Das ist das Allerbravste wohl -- Wo mancher Held schon seitwärts glitt. --
Dies Lied sing ich der braven Frau, Die einfach »Christel Wiesen« heißt, Gefeiert sei ihr Herz und Geist, Als Vorbild hoch im deutschen Gau.
Anmerkung:
[3] Frau Wiesen auf Egestorf erklärte sich zuerst für die Leichenverbrennung.
A. d. V.
August Böckh.
Böckh ist todt! Aeolsharfen spielet, Trauerweide, senke Dich hinab! Grüner Lorbeer, schlanke Palme, Werfet Schatten auf des Griechen Grab!
Geist des Böckh! Offen sind die Hallen, Freude herrschet im Elysium! Lauten Jubel hört man drinn erschallen, Horcht, man feiert seinen Ruhm!
Chor der Griechen! dankbar froh, vor Allen Drücken die Athener ihm die Hand, Götter zeigen ihm ihr Wohlgefallen, Psyche selber einen Lorbeer wand.
Böckh ist todt, Aeolsharfen spielet, Trauerweide, senke Dich hinab. Grüner Lorbeer, schlanke Palme, Werfet Schatten auf des Weisen Grab!
Auf das Zimmer meines Vaters, des Rittergutsbesitzers Joachim Kempner auf Droschkau.
Fast verfallen ist das Fenster. Keiner wohnt im Zimmer drin, Der Erinnerung Gespenster, Sie umnebeln meinen Sinn. --
Wohnt' der Vater nicht leibhaftig, Wie das Leben selber drin? Wünschend, wollend, einzig-kräftig, Stets mit =einem= frischen Sinn? --
Blaue Augen, braune Haare, Stark und groß, ein Riese fast, Ungebleicht trotz sechzig Jahre, Urgeschäftig ohne Rast!
Und verschwunden ist das Alles, Die lebendige Gestalt, Und kein Nachhall eines Schalles, Mehr aus diesen Fenstern schallt!!
O, die Träume nur, sie leben, Und die Wirklichkeit, sie stirbt, -- Nur der Dichtung Reich entschweben Geister, die kein Hauch verdirbt!
Dem Priester-Philanthropen Franz Marson.
Gleich selten auf dem Throne, Wie im geweihten Kleid, Ein Räthsel für die And'ren, Wer And'ren sich geweiht.
Zum 70jährigen Geburtstage eines Onkels.
Was auch die Menschen trennt, die Geister scheidet, Eins giebt's, was alle Welt verehrt, Die Tugend mit dem reinen Strahlenkranze, Die uns sich selbst vergessen lehrt.
Wer so wie Du in ihr gelebt, gewandelt, Sie liebend keinen Augenblick verließ, Mit aller Kraft und Lust nur gut gehandelt, Zu jeder Zeit man gerne pries!
Ob viel geprüft, gekämpft, ob viel gelitten: Bewußtsein heißt das inn're Glück, Den Allerbesten ward nicht mehr beschieden -- Kein höh'res strahlt vom Thron zurück. --
Daktylen, Jamben, Trochäen, Sie schließ' ich in einen Bund, Die Regel sie ewig zu trennen Hat keinen vernünft'gen Grund!
Nicht Stände giebt es und Kasten Im Reiche der Poesie, Das Mannigfache im Schönen, Es bildet die Harmonie!
Oft ist verhaßt Und gilt als Last Wer engelsrein, Denn nur der Schein Und der Bombast Er gilt allein.
Wär' ich ein Vögelein Und wär' ich noch so klein, Flög' ich von Feld zu Feld Rasch durch die ganze Welt!
Man sagt, die Liebe wäre blind, Ich sage: Haß und Groll es sind: Von Einsicht seh' ich keine Spur Die Hasser hassen eben nur. --
Holden Träume, ging't verloren, In des Lebens Dunkelheit, Bleibt zum Traume auserkoren! Traum ist keine Wirklichkeit. --
Nicht im Reichthum wohnt das Glück, Ach, es weichet scheu zurück Vor den vielen Eitelkeiten, Die sich rasch durch's Geld bereiten:
Nicht im Reichthum wohnt das Glück, Ach! es weichet scheu zurück Vor dem vielen Ueberflusse Und dem dummen Scheingenusse.
Als Jemand beim Anblick einer armen Frau den Kopf wegwendete.
Wendest Deinen Blick Du nicht Weil das Mitleid zu Dir spricht? Spricht von Deiner Menschenpflicht? Mensch, o täusch' Dich selber nicht, Wende nur den Kopf zurück: Helfen ist das größte Glück! --
Grüne Saaten, grüne Blätter, Braune Stämme, gelbes Schilf, Ach, der Landmann mit den Sorgen, Gott, dem armen Landmann hilf!
Sperrt euch ein in große Städte, Athmet ein die dicke Luft, Die ein And'rer ausgeathmet -- Unbeschreiblich süßer Duft! Brauchet dann noch eine Kur Eine Morphium-Mixtur, Und ihr bauet eine Kluft Zwischen euch und der Natur: Ach, ihr bauet eure Gruft!
Kälte.
Kälte, eis'ge Kälte Wärme nur belebt! Auf so manchem Antlitz Ganzes Eismeer schwebt. --
Der Egoist.
Und schliefest Du, Schläfer, noch einmal so lang, Erwachen wirst Du schwer und bang Im liebeleeren Raume -- Aus Deiner Selbstsucht Traume -- Dein »ich« so traurig und so bang -- Und das Erwachen währet lang.
Feldarbeit.
Arme Menschen, arme Thiere, Ist's noch finster, müßt ihr raus! Arme Thiere, arme Menschen, Lang' ist's finster, geht's nach Haus. --
Ein Reiter auf der Haide, Er trägt ein Wams von Seide, Ein weißes Wams, 'n schwarzen Hut, Er scheinet noch ein junges Blut, Er scheinet noch ein junges Blut.
Er führt sein Pferd zur Weide, Zu einer Trauerweide, Dort harret, ach, die Liebste sein Mit Augen frisch, wie Bächelein, Mit Augen frisch wie Bächelein.
»Du, meine Augenweide, Mein Blümlein auf der Haide, Du gleichst dem Reh im dichten Wald, An wunderlieblicher Gestalt, An wunderlieblicher Gestalt!«
So schmeichelt auf der Haide Der Ritter in der Seide, Der schlanken frischen Bauernmaid: Er hat sie aber nie gefreit, Er hat sie aber nie gefreit.
Der Mond erscheint, Er hat geweint. Man sieht es ihm an Dem traurigen Mann.
Aus jenen Höhn Hat er gesehn Des Bösen so viel -- Gefährliches Spiel. --
Die Menschen all', Sie spielen Ball Mit jeglichem Gut, Mit Flamme und Gluth;
Der Weisheit taub, Der Thorheit Raub, Dem Bösen so hold, Und so hold dem -- Gold.
Der Mond erscheint, Ach, ganz verweint, Er sah zu viel Vom bösen Spiel. --
Zertrümmert das Leben, Zertrümmert das Glück, Die Freuden, sie schweben, Ach, niemals zurück.
Geopfert das Leben Der höchsten Idee -- Umsonst es gegeben -- Wem thät' es nicht weh?
Geopfert das Leben Dem menschlichen Glück, Sie schlugen das Streben, Zerschlugen's in Stück'. --
Geopfert das Leben Der höchsten Idee -- Umsonst es gegeben: Wem thät' es nicht weh!
Lord Byron.
Eine Blume blühet Dunkler Horizont -- Bei dem schweren Wetter Schwerlich sie sich sonnt.
Eine Blume blühet -- Dunkler Horizont -- Schwarze Wellen peitschet, Schäumt der Hellespont;
Eines Mannes Hand Tauchet oben auf In der Fluthen Lauf.
Byron schwamm an's Land Wo die Blume stand Gab den Geist er auf.
Die Wolken sich thürmen Am himmlischen Zelt, Gepeitschet von Stürmen Ein Strahl sie erhellt;
Ein Sonnenstrahl eilet Zerstreuet sie bald, Im Nu sie zertheilet Des Lichtes Gewalt.
Im menschlichen Leben Erleuchtet ein Strahl Des Friedens manchmal Die menschliche Qual: Die Wolken entschweben, Die Freuden sich heben.
Auf des Lebens Ocean Fährt der Dampfer stolz geehrt, Mancher, ach, im schwanken Kahn Stehend jeder Welle wehrt.
Seht das Schiff mit sichrer Hast Fast im Hafen liegt -- Und der Nachen ohne Rast Auf den Wogen fliegt.
Himmelhoch und Abgrundstief -- Gott, der Mensch zu Hilfe rief -- Endlich er vor Anker lief; Doch es rennt des Dampfers Last An der Klippen mächt'gen Ast Und zerschellet Kiel und Mast. --
Lied.
An Waldes Saum, an Waldes Saum, Da träumt das Blümlein einen Traum, Da träumt das Blümlein einen Traum.
»Mir ist so weh, mir ist so bang Drum sing' ich diesen Minnesang Drum sing' ich diesen Minnesang;
»Ihr Zauberblick, ihr Riesenschritt, Er nahm mir all die Ruhe mit, Er nahm mir all die Ruhe mit.«
Zu Ende war des Blümleins Lied, Das Blümlein sang's und es verschied -- Das Blümlein sang's und es verschied --
Wen es wohl so geliebet hat, Das blaue Blümlein todesmatt? Das blaue Blümlein todesmatt?
Ich wette, ihr errathet's nicht, Drum sag' ich's euch ins Angesicht, Drum sag' ich's euch ins Angesicht:
Das Blümlein hat die Pflicht geliebt -- Die Pflicht hat seinen Kelch zerstiebt, Die Pflicht hat seinen Kelch zerstiebt.
Und als man ihm ins Herze sah, Da lag das Herz entblättert da, Da lag das Herz entblättert da.
Kennst Du vielleicht ein Land Wo keine Bösen sind? Das wär' mein Heimathland, Ich ginge hin geschwind.
Kennst Du vielleicht ein Land, Wo Niemand Böses thut? Das wär mein Heimathland, Für Das gäb' ich mein Blut!
Bitterböse ist das Leben, Und vergeblich alles Streben Nach dem höh'ren Ziel: Alles bleibt ein Spiel, Illusionen es umschweben, Die sich nie als Wahrheit geben.
Menschliche Hilfe ist bald kaput, Göttliche Hilfe allein es thut. --
Mich greift die Langeweile, Ich schreibe keine Zeile, Kein Vogel gedeiht in solcher Luft, Wo Alles nur nach Gelde ruft; Wo Alles raset nach Gewinn, Kommt einem gar kein Lied in Sinn; Die Bäume stehen öd' und leer, Man hört kein einzig Zwitschern mehr!
Stimmung.
Kalt von außen und von innen, Alles kalt und freudlos nur, Und von Wärme und von Sonne Und von Freude keine Spur.
Auf meinem Gesicht Steht ein Gedicht, Drin ist zu lesen, Wie 's stets gewesen.
Der Traum der Poesie, Der Reiz der Phantasie, Der Kindheit Glück: Nichts kehrt zurück.
Vor meiner Mutter Bild.
Ich sah Dich heut im Traume An eines Waldes Saume, Du sprachst ein großes Wort: »Mein Kind, geh' eilig fort.
»Auf, zögere nicht mit Säumen, In lieblos engen Räumen Versteht man kein Gedicht Und auch -- Dich selber nicht!«
Vor demselben Bilde meiner Mutter.
Wenn Du noch wärst am Leben, Dann lohnte sich's fürwahr -- Doch da du nicht am Leben, So lohnt sich's nimmerdar.
Goldner Sonnenschein Steigt zum Fenster ein: »Weil Du so allein Will ich bei Dir sein.«
Gegen den Selbstmord.
»Hinab in die Fluth, hinab in den Tod, In das sehnlichst erwartete Nichts, Kein neues Tagen, kein Morgenroth Und kein Funken lebendigen Lichts. --«
Betrogener Wahn, ach, allüberall Ein neues Tagen, ein Morgenroth, Stets kreiset ein neuer Sonnenball: Und es giebt, ach, gar keinen Tod.
Die Nachtigall schlägt, Der Frühling ist da, Das Herz ist bewegt, Die Freude ist nah!
Die Freude ist nah, Das Herz ist bewegt, Der Frühling ist da, Die Nachtigall schlägt!
Ich weiß eine große Geschichte, Die meisten =fühlen= sie nur: Das Leben ist ein Gedichte, -- Und oft eine schwere Kur. --
Verschieden sind ja Gedichte, Das eine rosig und licht, Das andere hat Blei-Gewichte, Und macht ein bittres Gesicht.
Die stille Thräne.
Die Thräne, ach, die stille, Nur sie brennt heiß, In ihr wohnet der Wille: »Daß Niemand davon weiß --«
Daß Niemand ahne, sähe, Wie sie dem Aug' entquillt, Ein Aug' in höchster Höhe Sie dennoch sieht und -- stillt.
Nicht immer ganz -- nicht immer -- Oft bleibt zurück ein Schimmer, Ein glänzend feuchter Glanz -- Wie Perlen oder Glimmer -- Doch trocknen alle Thränen, Winkt jäh ein Lorbeerkranz!
Deutsche Bildung, deutsche Sitte, Deutsche Hetze, Kampfkultur, Kultivirte Kämpfe nur, Humanisten, schweigt, ich bitte, Denn im goldnen Reich der Mitte Ist von Hetze keine Spur, Und ob solcher Unnatur, Lacht Franzose, Däne, Britte.
Großer Friedrich, armer Kant, Leibniz, Lessing, Hufeland, Jäh vergessen von der Welt, Wenn Sophist und Köter bellt Wird das deutsche Vaterland, Gar mit Rußland gleichgestellt.
Wintergemälde.
Es schneit im Wald Unheimlich kalt, Ein Mann versinkt im Schnee; Sein Ach, sein Weh Verhallet bald Im großen Wald. Die Jagd, sie naht, Zertritt die Saat; Ein angeschossen blutend Reh Versinkt im Schnee, Die Büchse knallt, Der Schuß verhallt.
Unschuldig verurtheilt sein Ist ein Unglück, das nicht klein, Doch natürlich ist es fast Trifft den Richter keine Last --
Keine Schuld -- ach unfehlbar! Ob ein Richter stets es war? Straflos darf ein Richter sein? Darauf sagt ein Jeder nein!
Hundegebell im Fleischerladen.
Mit Hunden hetzen sie das arme Thier, Mit Kolben stoßen sie's zu Tod! Ist's nicht genug an Wein und Brot? Nach Blut lechzt die Begier.
Von Moral ist keine Spur, Alles strebt nach Schlauheit nur, Jeden listigen Betrug Nennt man »Usus«, oft auch »klug«.
Kränk' Dich nicht, Gräm' Dich nicht, Plötzlich scheinet Sonnenlicht, Auch die Finsterniß wird hell, Auch das Glück, es schreitet schnell -- Und verstummt ist das Gebell!
Versunken ist das Glück In bodenlose Tiefe, Nichts bringt's zurück: Es ist, als wenn die Gottheit schliefe. --
Beim Anblick eines prachtvoll gewesenen Bouquets.
So sieht es aus das Irdische Nach kurzer Zeit! Das sind die blendenden Irrwische Der Zeitlichkeit!
Es schläft die Welt, es ruhen alle Herzen, Nur meines nicht -- Ob Bösewichter Herzen haben? Bei mir brennt Licht: Wie ist solch dunkeln Räthsels Sinn zu lösen? Sie denken nicht -- Und nur Phantome, ferne Schreckensbilder, Sind ihnen Recht und Pflicht.
Besessen ist die Welt Von Eigennutz und Geld, Und Alles zum -- Verzweifeln dumm!
Parteilichkeit, Parteienhaß, Das schaut so grün und wird so blaß -- Von Schlang' und Nesseln ein Gewühl! -- Welch unnatürliches Gefühl! Welch unnatürliches Gefühl!
O kurze Zeit, des Lebens Zeit Noch kürzer durch Parteilichkeit In Confession und Politik: Parteienhaß hat keinen Schick! Parteienhaß hat keinen Schick!
Ginge es nach meinem Herzen, Würde Allen ich vergeben, Allen Denen, welche leben: Jene tausend Qual und Schmerzen, Welche sie mich ließen leiden, Kann sie darum nicht beneiden -- Wälzten sich im goldnen Koth -- Doch -- vom Leben geht's zum Tod.
O Gott, Du weißt am Besten was uns frommt, Und gut ist Alles, was von Deiner Güte kommt, Allein die Menschen sind so schwach: Sieh' ihnen lieber Alles nach!
Giebt's ein Glück? Gab's ein Glück? Ich bezweifl' es sehr! Giebt es ohne Sturm und Angst Irgendwo ein Meer? --
Der Himmel ist hell, Das Feld es ist weiß, Es leuchten so kalt in der Ferne Unzählige silberne Sterne.
Die Nacht ist lang Der Traum ist bang Viel Geister, sie fehlen hienieden, Geb' Gott den Fehlenden Frieden!
Es eilt der Fluß Die Wiese entlang, Ein Vöglein hüpft Dabei und sang, Doch da der Fluß Kein Ende nahm Das Vöglein müd' Zurücke kam, Und sang nicht mehr Und grämt sich sehr, Weil's, ach, so schwer -- Ach, gar so schwer, Und freut sich nie: Weil alle Müh Ihm nicht gedieh -- Ihm nicht gedieh.
Im Traum sah ich die Mutter heut, O golden süßer Traum! -- Ich sah sie so schön und wunderbar, Wie oft im Leben kaum.
Was kommst Du zu verkünden mir Du liebes Engelsbild? -- »Mein Kind, vergieb die Sünden all, Sei immer gut und mild!
»Sei auch den Sündern gut gesinnt, Die Lüge ist ihr Brauch -- Ein täglich wiederkehrend Gift -- Vergieb den Sündern auch.«
Einen Vers soll ich Dir machen; Verse, Freund, sie sind verschieden Wie das Leben ist hienieden Oft sehr ernst und oft zum Lachen -- Will 'nen heiteren Dir machen: Heiterkeit sei Dir beschieden, Allen Denen, die hienieden, Man kein X für U kann machen; --
Den Studenten, Die nie flennten, Die mit eignen Ohren hören, Nie auf eine Dummheit schwören, Nimmer süßlich sich bethören, Nie in falsche Schlingen rennten. --
An Diejenige, welche immer das Böse von mir abwehrte.
Vom Himmel schau hernieder, Und segne meine Lieder, Und halte Bosheit fern, Ich meide sie so gern; Die Bosheit eilt mir nach, Ist ewig für mich wach, Verfolgt mich schon so lange: Die dumme gift'ge Schlange!
Sei ein Held, ertrag' die Leiden, Laß Dein Aug' daran sich weiden, Laß Dein Aug' daran sich weiden, Sei ein Held, ertrag' die Leiden.
_Depuis qui je suis née, j'ai vu la calomnie Exhaler le venin de sa bouche impunie_.
_=Voltaire=_.
Kennt ihr sie nicht die böse bunte Schlange, Die vom Gebüsch die Ferse sticht? Sie schleicht verderbend auf dem Gange, Und tretet nie vor's Angesicht.
Ihr Weg ist Mord, allein ganz ungefährdet Vergiftet sie aus dem Versteck, Horch, zischend sie im Staube sich geberdet: O Menschen, schafft das Monstrum weg!
Verschiedenheit ist nöthig.
»Ach wären All' von einem Glauben! Ach gäb's nur eine Sorte Trauben, Auch gelbe nicht und blaue nicht, Und gäb's nur einerlei Gedicht --
»Und einerlei sei das Gesicht, Und überall ein dunkel Licht, Ach, wären All' von einem Glauben Und gäb's nur eine Sorte Trauben!«
Wahrheit.
Der Abend dämmert weich und mild, Nichts stört des Schweigens Stille, Da tritt der Mond hervor aus seiner Hülle, Beleuchtend ein erhabenes Bild.
Die Kokospalme blüht und der Granatbaum brennt Im frischen menschenhohen Grase, Ist dies die menschliche Oase, Wo man nicht Haß, noch Liebe kennt?
Im Schatten eines Palmenhains, Im weißen Kleid mit langen Haaren Da kniet die Priesterin von achtzehn Jahren, Bestrahlt vom Licht des Mondenscheins.
Sie spricht ein wunderbar Gebet, Horch, was sie leise innig fleht: »=Verbann', was Deine Welt entstellt, Verbann' die Lüge von der Welt.=«
Das Mädchen vom See.
Es toben die Wellen des Meeres, Sie heben ein Weib in die Höh', Wer bist Du, lichtes Bildniß, Bist Du das Mädchen vom See? Ich bin einstmals versunken Im tiefen Meeresschlund, Doch wenn die Sonne goldig Bestrahlt den tiefen Grund, Dann steig' ich in die Höh': Denn =mir= gehört die See.
Des Abends letztes Gold, Es spiegelt sich im Rhein, Still kniet das Mägdelein Am Ufer, wunderhold!
Ihr Haar, so licht wie Gold, Ihr Aug' so himmelsrein, Was kniest Du so allein, Komm Maid, das Wetter grollt! --
Still winkt die Jungfrau mir: »Ein Opfer ruhet hier, Auf einem Grab' sind wir;«
Lieblosigkeit ist Mord -- Entfliehe diesem Ort', Doch sprich ein segnend Wort!
Die Spitzen-Klöpplerin im Harz.
Im weißen Gewande von Spitzenzeug, Die Blüthen in braunen Locken, So sieht man das Bildniß, das schöne Weib, Dort oben hoch thronen am Brocken.
Was ist Dir denn heut, und was weinest Du Kind? Ich liebe nur lustige Leute, Dein Auge ist naß, und Dein Lächeln ist trüb, Du bist ja so schwermüthig heute. --
Mein Auge ist naß und mein Lächeln ist trüb, Ich bin, ach, so schwermüthig heute, Mich plaget ein Leid, ach, ein mächtiges Leid, Ich hasse den Ballanzug heute.
Ich hasse die Spitzen aus Thränen gewebt, Drin werden zu Wasser die Freuden, Ein Wehe, ein Seufzen da drinnen lebt, Ein Chaos von bittersten Leiden! --
Das Mägdelein.
Ich traf einmal im fremden Land, Ein Mägdlein zierlich und gewandt; »Wo kommst Du her, wo weilest Du?« »Ich find' im fremden Land nicht Ruh'!«
»Bist Du ein deutsches Mägdelein? Geboren an dem deutschen Rhein? --« »Mein Vater war ein Kriegersmann, Die Mutter keine Seide spann! --«
»Wie kamst Du in das fremde Land? An eines Fremden falscher Hand.« »Die Treue wohnt in Deutschland nur; Von ihr ist hier, ach, keine Spur! --«
Gebet.
O, laß mir die Welt der Erscheinungen stehn, sie ist so schön, O, laß mich die Sonne immer sehn, Die Bäume unter Blätter wehn, Die Blumen, die auf Erden stehn, Die Sterne in den lichten Höhn, O, laß' mir das Licht, das herrliche Licht, Ein anderes Glück begehr ich nicht.
Du gabst's jedem Wurme, den Wesen all, Auf jedem Erd- und Sonnenball, O, schließe mich nicht, nicht mich g'rade aus Aus Deines Lichtes glücklichem Haus, O, laß mich die Sonne immer sehn, Die Berge und die grünen Seen, Die Bäume unter Blätter wehn, Die Blumen, die auf Erden stehn.
Ach, Sternlein dort, Am Himmelsort, Du glänzest so alleine Und scheinest uns so kleine.
Doch sprich, was geht denn dorten vor, Doch mach' mir keine Wippchen vor, Ist es denn dort erquicklich? Und lebt man dorten glücklich?
Ach, Mägdelein Im grünen Hain, Du glänzest so alleine Und scheinest nur so kleine.
Was geht in Deinem Herzen vor, Doch mach' mir keine Wippchen vor, Ist es darin erquicklich, Und lebt sich's drinnen glücklich?
Eine Mitternacht in Tyrol.
Die großen Kaiser sind alle erwacht, Stehn aufrecht da in der Gruft, Sie tragen die deutsche Reichskrönungstracht, Es glühet und zischt in der Luft.
Der Reichsverweser schläft ein in Tyrol, Die Uhr schlägt Mitternacht, Da wecket ihn dumpf, da wecket ihn hohl Der Ahnherr'n gespenstische Pracht.
Wie bist Du so klein, wie bist Du so schwach, Du kleinlicher Enkelsohn, Du brachtest dem Reich, Du brachtest uns Schmach, So hallt es in grollendem Ton.
Und die Berge Tyrols, die Stein' in Tyrol, Sie hallen es tausendfach nach, Das tönet so dumpf, das tönet so hohl, Als ob Fels an Felsen sich brach!