Gedichte Sechste vermehrte Auflage
Part 6
Das hoch hinauf zum Wagen sprang Mit wonnigem Geschreie Wenn ich nach Haus zurückgekehrt: Ein solches Herz ist Weihe!
Ein solches Herz vergehet nicht, Es lebt zu allen Zeiten, Die Seele nur erkennt und liebt, Nur Thoren es bestreiten.
Nicht mehr sprechen die Sterne, Nicht mehr die Sonne zu mir, Verstummt ist, ach, die Sprache, Die allerschönste hier.
Es sprechen nur noch die Affen, Die Masken alle zu mir, Algebra der Dummheit sie reden, Die häßlichste Sprache hier!
Die Blätter lautlos, die Vögel, Ganz ohne Lied und Ton, Die Reifen der Röcke nur klirren, Wie Schimpf und Schande und Hohn.
Der stolze Heinrich.
Zartes Blümlein wunderhold, Zogest aus der Gartenwelt, In das freie, offne Feld, Helles Blümlein, duftend Gold!
Liebtest's nicht, im engen Raum Einzeln, müßig dazustehen, Steif und nutzlos auszusehen Wie ein stilles Bild im Traum! --
Nach Sedan, an den Kaiser Wilhelm I.
Ist das des Jahrhunderts schöne Erde, Ströme Blut's und Berge voller Leichen! Wird das Böse nicht dem Guten weichen? Wär's nicht Zeit, daß endlich Frieden werde?
Frevelnd ward der Krieg heraufbeschworen, Der Urheber Anseh'n ging verloren, Ausgekämpfet ist der Krieg, genug gethan Ist's an Allem, was Europas Augen sah'n!
Doch nicht Rache will der große Sieger, Menschlich fühlt der ruhmgekrönte Krieger, Theuer ist ihm seines Volkes Blut, Das vertrauensvoll in seinen Händen ruht!
Und die weisen Lehren der Geschichte treten, Und das Wort, um das die Völker beten, Das =Erbarmen=, es tritt vor ihn hin, Leuchtet heute seinem Königlichen Sinn!
Und des Ahnherrn wohlbekannte Sympathien -- Unbegründet -- in der Sprache im Gedicht -- Steigen auf vor seinem Angesicht, Und des Königs Blicke Segen sprühen:
Wollen aller Welt den Frieden geben, Einen langen Sonntag uns'rem Vaterland, Das um uns wie Heldenmauer stand, -- Und -- bestraftem Uebermuthe sei vergeben! --
Nach der Aufführung »Rudolfs II.« in Berlin.
Der Lorbeer liegt in meinem Zimmer, Der Himmel mir ihn gab! Ich will ihn nächstens tragen Auf meiner Mutter Grab.
O wißt ihr, was ich denke? O nein, ihr wißt es nicht! Wenn ich mich ganz versenke, Dann denk ich ein Gedicht!
Ein leeres Bauer, ein leeres Haus, Das sieht so triste und traurig aus, Wo sind Deine Bewohner, Du leerer Raum? Entschwunden, versunken, ein seliger Traum!
Es geht die Zeit den sichern Gang, Den Gang zur Ewigkeit. Die Zeit ist kurz, die Zeit ist lang -- Der Weg bald schmal, bald breit!
=Motto=: Der Weg zur neuen Bildung geht Von Humanität Durch Nationalität Zur Bestialität.
(Grillparzers Gedichte.)
Zanket nicht, hetzet nicht, Friedlich scheint das Sonnenlicht, Laßt die Juden und die Christen Ungekränkt ihr Leben fristen.
Zanket nicht, hetzet nicht, Jedem scheint das Sonnenlicht, Laßt die Christen und die Juden, Muselmänner, Botokuden;
Lasset Alle ungestört, Jede Feindlichkeit zerstört Harmonien nah und fern! Lobet Alle Gott, den Herrn, Dessen güt'ge Vorsicht hört Solch Gezänke gar nicht gern!
Wehmüthig, Demüthig, Viel verkannt und tief gebeugt, Ist der Mensch, vom Weib erzeugt.
Untergeh'nde Sonne, sprich, Wird es ewig dauern, All das düstere Mißgeschick, Alt das dumpfe Trauern?
Brüderlich, brüderlich, Nennt die Welt das Ideal, Die Utopie, die einstmal Sich verwirklicht feierlich!
Weißt Du was, ich will Dir sagen, Was die Weltgeschichte ist: Ein Gemisch von Thrän' und Klagen, Falschheit, Grausamkeit und List.
Auch Goethe war nicht unfehlbar, Was auch die Goethe-Jünger meinen: Was sich nicht schickt, schickt sich für Keinen, Für Jeden das, was recht und wahr.
O Faust, Du Bild des Menschen, Bald groß und klar, bald düster wild Wer Dich gemalt, er war an Kunst ein Riese, Gigantisch war der Stoff, und schön gelang das Bild.
Nicht Farbe und nicht Glaube, Sie trennen uns nicht mehr, Es fiel der Zeit zum Raube, Was uns geschmerzt so sehr.
Du willst verbinden, was sich ewig flieht, Die Tugend mit dem ird'schen Glück? Wie sich Dein Geist auch drum bemüht: Eins weichet vor dem Anderen zurück.
Gott ist groß, Dein Sinn kann ihn nicht fassen, -- Kannst Du Sterne zählen, des Meeres Wellen? -- Lieb' und Güte, Gnade, die er Dir erweist, Notir' so viel Du kannst, wenn's auch unzählbar ist.
Der Scheintodte.
Und er schlief und schlief so lange, Daß ihn keine Macht mehr weckte -- Unsichtbar beim Grabgesange Sich der Todtgeglaubte streckte.
In die Wolken möcht' ich fliegen, In die Sonne möcht' ich sehen! Jedes Vorurtheil besiegen Und als Sieger vor euch stehen.
Die Fenster sind gefroren, Wie eis'ge Blümlein, schau: Das sind die falschen Menschen, Auf menschlich schöner Au!
Wie niedrig lächelt die Dirne, Wie spiegelt sich drin ihr Herz, Kein Lächeln ist's der Gestirne, Nur Glanz von gemeinem Erz. --
Und der Himmel lacht mir wieder, Und die Sonne scheinet hell, Und es tauchen auf die Lieder Wie ein unversiegter Quell.
An der Tugend nur genippet, Und die Bosheit ausgetrunken, -- Also sind die armen Menschen In ihr liebes »Ich« versunken.
Lauter Zank, 's ist eine Zeit des Leidens, Alles freilich, es hat seine Zeit -- Zeit des Zankens -- Hetzenzeit -- des Meidens: »Bet' und zanke« heißt's in neuester Zeit!
Auf der Höhe stehen Bäume Große Menschen haben Träume, Träume, die im Himmel schweben, Die nicht an der Scholle kleben.
Ist's der Dichtung Loos Traurig sein? Schmerzen klein und groß Ziehn ins Herz hinein.
Schmerzen, klein und groß, Ziehet endlich aus, Nicht der Dichtung Loos Ziemet Weh und Graus.
Unnütz lyrisches Gesinge, Unnütz lyrisches Geklinge Gehst Du mir nicht aus dem Sinn, Schreib' ich auf's Papier Dich hin.
Auf allerlei Hetzen.
Das ist ein helles Zanken, Ganz ohne Unterlaß, Für dieses kurze Leben Hat man nicht Zeit zum Haß! --
Die weiße Rose am längsten blüht, Am stillsten das weiße Röslein glüht, Am tiefsten fühlet ein reines Gemüth: Daß Gott alle Beide vor Schaden behüt'!
Freundlich gucken meine Blicke, Hoffnungsvoll den Himmel an, Einem freundlichen Geschicke Harrt getrost der fromme Mann.
Zu allem Guten sage ja, Zu allem Bösen sage nein, Das Eine dort, das And're da: Beisammen können sie nicht sein.
Dieselben Bäume hier wie dort, Dieselben Gräslein hier wie dort, Dieselbe Sprache hier wie dort, Und dennoch bleibt's ein fremder Ort.
Es stürmt so viel auf mich herein, Mag sein, mag sein, Das Gute find't ja doch Gedeih'n, Und einmal sehn es Alle ein.
O ist's denn ganz unmöglich, -- Was doch nicht ganz unsäglich -- Daß Alles glücklich wär? O, wenn's doch möglich wär!
Auf einen Müßiggänger.
Was ist das Häßlichste auf Erden? Das Häßlichste bist Du! Du willst nicht wachsen, willst nicht werden, Du pflegst der süßen Ruh'!
Vor Schillers Denkmal in Berlin.
Hast erhoben die Nation, Großer, deutscher Volkessohn, Klein im Leben ward dein Lohn -- Kleiner noch in Gyps und Thon.
Die Sonne gehet strahlend unter, Nur scheinbar, Freund, nicht in der That -- Der Vorhang fällt so rasch herunter, -- Daß man nur ihn gesehen hat. --
Nero.
In den Augen meines Hundes Liegt mein ganzes Glück, All mein Innres, krankes, wundes Heilt in seinem Blick.
Schöner Stern Hab' Dich gern, Schau'st in's Fensterlein, Und ins Herz hinein.
Schönste Zier Strahle mir, Bist so ganz allein, Stolzes Sternelein.
Gott segne die Armen, Gott segne sie, Sein reiches Erbarmen Verlasse sie nie!
Die Armen, die Armen An Glauben so reich, An Gottesvertrauen Den Glücklichsten gleich. --
Dorten aus der grünen Hecke An des Gartenzaunes Ecke Schaut mein Schatz heraus: Haare braun, nicht kraus;
Klein Gesichtchen rund, Kirschenrother Mund; Augen braun, nicht blau: Wird bald meine Frau!
Gehabt euch wohl, Gott segne euch, Euch All' im Sonnenlicht, Dich Vöglein, Röslein, Immergrün, Die Dornen und die -- Würmer nicht! --
Die Aerzte, Philosophen gleichen -- Der große staunt und betet an, Der kleine sieht in Gottes Reichen Sich selbst als größtes Wunder an. --
Beschränktheit absolut dictiret! Die Weisheit bleibt ihr fremd und fern -- Wen nie der Genius berühret, Ein solches Männchen täuscht sich gern.
Wer Niemand über sich zum Richter, Wer niemals sagt: ich weiß es nicht, -- Der taugt zu keinem höh'ren Richter Mit seinem unfehlbaren Licht.
Vor Nees von Esenbecks Bildniß.
Stillschweigend ruht der Blick auf der Geschichte Menschlichen Treibens, menschlich Mühn, Und düster wie vorüber ziehn, Den bittern Unmuth im Gesichte; --
Nur gleich Oasen in verbrannter Wüste Und kräftig schmucken Blättergrün, Und wie die Meteore glühn An Nordpols eisig rauher Küste.
So einzeln steht im Blatte der Geschichte Das Große da auf seinen Höh'n -- Wir bleiben lange vor ihm stehn, Gleich wie beim Sonnenaufgangslichte! --
So stehn wir lange, Nees, vor Deinem Bilde, Und stolzer unsre Wangen glühn, Und unsre Blicke Funken sprühn, Dir, hoher Meister, groß und milde!
Laut schlägt das Herz hier unter Deiner Büste, Horch, Allen, Allen -- ungestillt -- Stark wie gigantisch Säulenbild, In Thebens prächt'ger Tempelwüste!
Doch stauntest Du, wenn Deinem sonn'gen Blicke Entgegen niedre Sklavenschaar? Es folgt die Schnecke nicht dem Aar, Sie klebt an ihres Staubes Stücke. -- --
Herzog Georg Bernhard.
Blauer Himmel, Bergesluft, Dunkler Hain und Blumenduft, Zitternd glänzt auf grüner Au Schon der frische Abendthau.
Kunstgebilde, Saitenklang, Bei der Sonne Untergang, Ganz allein an Waldessaum Steht der Herzog wie im Traum.
Ja, des Herzogs Seele träumt, Seine Lippen sind gereimt, Und der Abendsonne Schein Faßt sein schlichtes Bildniß ein
Träumet er vom Wüstensand, Von des Meeres grünem Strand, Von der Welten-Harmonie Und der Wahrheit Poesie?
Träumet er von einem Licht, Einstens strahlend -- sichtbar nicht -- Jenes Wunderbild, es lebt, Ueber ihm im Himmel schwebt.
Einst.
An meine Mutter.
Komm Geliebte, meiner Seele, Komm und still' die Sehnsucht mir, Meinen Schmerz ich nicht verhehle, Wenn Du, ach, so fern von hier!
Dieses Hoffen, dieses Bangen, Diese ew'ge Qual und Lust, Dieses mächtige Verlangen, Dieses Klopfen meiner Brust.
Doch es ist kein leeres Sehnen, Ja, Du kehrst, Du kehrst zurück, Schaust in meine Freudenthränen, Mit dem schönen, lieben Blick!
Wirst schon nie mehr von mir weichen, Wirst schon niemals fort von hier, Ach, es giebt nicht Deines Gleichen, Mir ist doch nur wohl bei Dir!
Einst.
An meine Mutter.
Ich wünsche Dir alles Gute, Und wünsche Dir alles Glück! Des Schicksals eiserne Ruthe, Sie weiche vor Dir zurück.
Ich wünsche Dir schöne Träume, Und schönere Wirklichkeit, Und üppige Blüthenbäume Und stete Fröhlichkeit.
Ich wünsche Dir ein Jahrhundert, Und Frische der Jugend dabei, Damit sich ein Jeder verwundert Wie rüstig die Edle sei!
Doch was ich für mich ersehne, Das rathest Du alsobald: Mein Ohr vernehm' Deine Töne, So lang ihm noch etwas schallt!
So lange es fähig, zu hören! -- Mein Auge, so lange es sieht -- Sie mögen Dich sehen und hören! -- Mein Herz, das für Dich erglüht;
Es möge Dich wonniglich fühlen, Bevor es von hinnen zieht! Dann scheid' ich mit Dankesgefühlen, Mit einem zufriednen Lied!
Zum 9. Juli, dem Todestage derselben.
Erde stehe still, Sonne scheine nicht, Fürchterlich ist dieser Tag! Jenes Engelsangesicht Sterbend mir vor Augen lag.
Sonne scheine dort, wo dorten sie erschien -- Strahlen wirf auf ihren Pfad. Englein alle müßt entgegen ziehn, Wenn die Allereinste naht!
Ewig, ewig waren wir vereint, Eins in Wort, Gedanke, That, Uns nur Gott geschieden hat! -- Daß er unser Fleh'n verneint, Uns im Tode nicht vereint, Ist verhüllt in seinem Rath! --
Jetzt.
Grüßt mich mein Mutterlieb? Ist ihr nicht bang? Ach, schon so lang Ist's, daß sie fortblieb:
Dort in der Ferne Kreisen die Sterne, Sphärische Lieder, Rauschend Gefieder,
Dorten ihr Bild, Sehn wir uns wieder, Tönen die Lieder, Mutterlieb, mild!
Wo sich Epheu schlingt, Eine Hand mir winkt, In der Mutter Gruft Eine Stimme ruft: Dich hab' ich geliebt! --
Weine nicht, mein Kind, Unsterblich wir sind, Seh'n uns wieder einst, Unwürdig Du weinst, Gott uns wieder giebt!
Meiner Mutter lichtes Bild, Meiner Mutter sanft Gesicht Meiner Mutter braune Augen, Alles dieses seh' ich nicht.
Aber tief im Busen lebt, All der unversehrte Glanz, Ihres Wesens Schönheit schwebt Ueber mir im Himmel ganz!
Zwei Blümlein blühen am Aronstab, Ach, Beide überdauern das Grab; Das weiße liebliche Blümelein, Das schenkte mir mein Mütterlein.
Mein Mütterlein, so hold und rein, Wie dieses lichte Blümelein: Ihr Blümlein überdauert das Grab, Im Jenseits grünet der Aronstab!
Eine Blüthe seh' ich prangen, Eine Blüthe rosenroth, Hält mein ganzes Herz gefangen, Ach, mein Herz -- ich glaubt' es todt.
Ach, meine Mutter, fänd' ich Dich wieder -- Ach, in der Welten unendlichem Raum, So würd' ich Dich suchen mit allen Kräften, Wie jetzt ich Dich suche im Wachen und Traum.
Vor der Mutter Bild.
Fast strenge sah sie zu mir nieder -- »Gefallen Dir nicht meine Lieder, Die ich ja oftmals von Dir singe? Bin ich nicht gut und treu und bieder? Und thu' ich jemals schlechte Dinge?«
Antwort.
»Du thuest gut, doch nicht so, wie du's solltest, Und lange nicht so gut, als wie du's wolltest -- Dir ward das höchste, schwerste Ziel: Erringe Es ganz! Sonst sieht es aus, als wenn Du schmolltest, Daß aufgegeben Dir die größten Dinge!«
Wenn man die Mütter aus der Erde graben könnte, Dann würden alle Menschenhände graben, Mit einer Eil', als wenn es brennte: Denn Jeder will die Mutter wieder haben.
Wenn man die Mütter aus der Erde könnte graben, Dann wäre Sonnenschein bei Tag und Nacht auf Erden, Und Alle würden wieder frohe Kinder werden, Wenn sie die Mütter würden wieder haben.
Ein Jubelschrei, er würde rings ertönen, Ein Glück bei Armen und bei Reichen, Ach, reich sind Alle, welche nie vom Mutterherzen weichen. --
Ein Lieben ohne End' und Gleichen -- Das Wiedersehen nach lang' getrag'nem Sehnen, Nach stillen, lauten, heißen Thränen! --
Klara Wuras.
Klara Wuras, lebst nicht mehr, Bist der Welt so ganz entrückt? Eine Blüthe, schon geknickt -- Ach, an Tönen warst ein Meer. --
Tausend Melodien strömten, Brausten, Klara, auf's Klavier -- Ließest Deine Saiten hier? Deiner Töne Schmelz -- verschämten? --
Venetianisch süße Lieder -- Deiner Brautfahrt Melodei -- Klinget in dem Herzen wieder. --
Goldne Wogen strömt herbei -- Rauschen wie des Aars Gefieder -- Klara's große Phantasei.
Das Leben.
Schwestern, Brüder, laßt uns leben, Leben ist gar hohes Gut, Machet stark die freie Seele, Frischet auf den Lebensmuth!
Ist das Herz euch so verdorben, Daß das Leben euch nicht lieb? Ist das Feuer schon erstorben, Daß der Geist euch schwach und trüb?
O vergeudet nicht die Kräfte In der eitlen Sinnenlust! Werfet ab den Staub zur Erde, Wenn ihr euch des Staub's bewußt!
Schließt das Leben in die Arme, Bis es euch zum Herzen dringt, Laßt den Arm nicht kraftlos hängen, Der das =Gute= gern vollbringt!
O die Macht, die uns gegeben, Wer weiß, ob sie wiederkehrt? Ob die Macht, die klein uns dünket Einst uns auch noch angehört?
Brüder, Kindheit ist das Leben Eines höhern Lebens dort. Laßt der Kindheit würdig leben: Gott hält uns dort droben Wort!
Franzensbad.
Auf der Franzensbader Höhe Steht ein prächtig Säulenbild, Franz der Kaiser, wie im Leben, Würdig, sinnig, ernst und mild.
Welcher Meißel, welcher Zauber Hält die Blicke festgebannt, Schönes letztes Werk des Künstlers, Schwanenthalers Meisterhand.
Graf von Münch von Bellinghausen, Dessen Name einst ein Glanz, Weihte jenes große Denkmal Seinem Freunde Kaiser Franz.
Hannah Thorsch.
Eine Blüthe abgefallen! -- Ach, die lieblichste von allen, Unsre Hannah fiel, Hin ist Lust und Spiel.
Alle Freuden jäh verhallen, Klagen überall erschallen, Ach, noch oft und viel, Ohne Zweck und Ziel. --
Klaget nicht, die Seelen leben, Glücklicher sie sich erheben, Und von Welt zu Welt sie schweben -- Ganz entrückt dem niedren Staube, Keinem Schmerze je zum Raube: Das ist des Deisten Glaube!
Heinrich Heine.
Ruh' in Frieden, großer Dichter, Ruh' in Frieden, Dichtergeist, Ruh' in Frieden, Herz voll Saiten, Das kein Mißton mehr zerreißt.
Oder singe, spiele weiter, In der selbstgeschaff'nen Art Jener Lieder süße Worte, Unvergleichlich, geistvoll, zart:
Von des Fichtenbaumes Träumen In des Nordens kalter Höh', Von der armen Sünderblume, Von Ramiro's düstrem Weh'!
Singe in des Himmels Sphäre, Alle Engel stimmen ein, Witzli Putzli sei vergeben -- Alle Poesie ist rein!
Für Ferdinand Freiligrath.
Liebt die Dichter! Seh't, sie geben Euch das Beste, was es giebt! Sie verschönern euch das Leben, Dankbar Gegenliebe üb't!
Blümlein wachsen, Wolken ziehen, Im Verborgenen wächst Metall, Eisen brechen, Sonnen glühen, Im Kontrast gedeiht das All!
Jedes soll vom Seinen geben, Schönheit wird zur Harmonie, Reicher, edler wird das Streben, Es entsteht die Poesie! --
Kennt ihr nicht der »Blumen Rache?« Nicht des Schwarzwalds braune Maid? Eines Volkes Ehrensache Ist des Dichters Feierkleid! --
Leipziger Lerchen.
Die lieblichen Sänger des Feldes, Ach, nackt, und zum Fraße bereit, Ihr werdet doch Lerchen nicht essen? Mein Gott, ihr wär't nicht gescheidt!
Die Lerche, die wahre Poetin, Zum Himmel schwingt sie sich auf, Ihr Nestlein sorglos am Boden, Die Senner treten darauf.
Allein der Bauer vom Lande, Er hat ein natürliches Herz, -- Mit Schonung schwingt er die Sense, Die Sense von Stahl und Erz.
In Leipzig aber schlachten Die singenden Kehlchen sie, -- Ach, nackt und klein zum Erbarmen -- Ein Schlachten der Poesie!
Droschkau.
Gott im Himmel, sei gnädig, Schütze dieses Dorf! Schütze diese grünen Auen, Diesen Moor und Torf.
Diese Wiesen, diese Felder, Dieses stille Thal, Diese dunklen Fichtenwälder, Sängers Ideal!
Ihr wißt schon, wen ich meine, Die Stadt liegt an der Seine, Entschieden ist's die schönste Stadt Die man wohl je gesehen hat, Die man wohl je gesehen hat.
Sie hat ein wunderbar Gesicht, Ihr Haar ist lang und ist auch dicht, Und zauberhaft wie ein Gedicht Ihr Wort zu meinem Herzen spricht, Ihr Wort zu meinem Herzen spricht.
Du kennst ach, die Geschichte nicht, Und wie das Herz ihr brach und bricht, Der Mond strahlt kalt und reine, Die Stadt liegt an der Seine, Die Stadt liegt an der Seine.
Vor Hermann Bödekers Bildniß.
Von Goethes Anblick überrascht, Nach Worten einst ein Kaiser hascht, Er sah ihn lange forschend an, Und rief dann aus: »Das ist ein Mann!«
Ein wahrer Mensch -- ja, ja, ganz recht! Des Menschen Typus, ganz und echt, Trägt an der Stirn ein geistig Mal Von seinem innern Ideal:
Wenn Wahrheit kündend die Gestalt Das Schöne zeigt mit Allgewalt, -- Und thatverkündend vor uns tritt Mit menschlich schönem Heldenschritt,
Dann sind wir tief und froh bewegt, Und unser Herz nur Segen hegt: Denn selten ist der Anblick nur In unsrer kleinlichen Natur.
Man rühmt als große Seltenheit Das Götterfeuer Menschlichkeit, -- (Es reiht Geschlecht sich an Geschlecht, Selbstsüchtig, kleinlich, ungerecht!)
Ihr Funken hat fast ausgesprüht, Er lodert nicht, und nicht er glüht -- Als Irrlicht nur noch auf dem Plan, Stirbt er im Sumpf -- im dunklen Wahn --
Wie ander's ist's bei Dir: hinauf Zum Himmel schlägt die Flamme auf, Als Leuchte spendend rings ihr Licht, Dein Name, er verlöschet nicht!
Es sitzt der Dichter zu Gericht, Sein Urtheil schreibt er im Gedicht, Und wer dem Ideale gleicht, Begeistert er die Palme reicht.
Meiner Schwester Luise zum Geburtstage.
Blätter rauschen Wunderreigen, Vögel lauschen In den Zweigen Und das Purpurröslein blüht.
Maienwonne Herrlich milde; Vor der Sonne Zauberbilde Singt das Vögelein ein Lied:
Lautre Schöne, Strahlend Feuer, Horch, die Töne Meiner Leier Hat mein Herz für Dich entbrannt!
Deinem Glanze, Purpurlichte, Weih' ich ganze Sinngedichte, Die der Himmel mir gesandt.
Kühne Träume, Rebenranken, Blüthenbäume Der Gedanken, Eine ungezählte Schaar! --
Vogellieder, Vogelweise, Klangen wieder Ernst und leise Tief in meiner Brust.
Und ich dachte: Poesien, Vögleins sachte Melodien, Sie besitzen, welche Lust.
Einer Holden, Strahlend prächtig, Haare golden, Mien' andächtig, Lippen schön und treu und wahr.
Ihre Blicke, Züge, milde, -- Wie Antique Auf dem Bilde -- Würd' ich bringen den Gesang! --
Das Lied der braven Frau.[3]