Gedichte Sechste vermehrte Auflage
Part 3
Es folgt ein Blitz dem ersten Strahle, mit voller Blitzeskraft, Die ganze Welt, sie steht in Flammen, und hat sich aufgerafft.
Die Menschheit mit den edlen Zügen, sie sieht den jungen Tag, Und macht sich auf vom finstern Lager, wo sie im Schlafe lag.
Noch fühlt sie nicht den Rausch der Wonne, sie schreckt die Gegenwart, Sie fühlt sich schwach, denn sie ist feige, und ahnt, was ihrer harrt:
Sie konnt' das Finst're ja nicht schauen, was that es ihr zu Leid? -- Jetzt sieht sie es, vom Licht erhellet, und sieht es weit und breit!
»Ich soll die Finsterniß verscheuchen,« so ruft der Mensch und weint, Die Finsterniß wird groß und größer, je näher sie erscheint; --
»Ich will ihr nicht ins Auge sehen, der schwarzen Höllenbraut, In diesen Abgrund, der verzehret, wenn man hinunter schaut!« --
Die Menschheit möchte wieder schlafen, und drückt ein Auge zu, Doch auch im Herzen brennt die Flamme; und ihr wird keine Ruh'.
Die Tscherkessen.
Sieh, drei Reiter, glänzend, prächtig, Wie sie nur im Traume! Scharlachroth, auf schwarzen Rossen, Und mit gold'nem Zaume.
Schwarz und golden, herrlich flimmert's, Wie sie blitzschnell eilen, Funken stäuben gleich Raketen, Und es schwinden Meilen.
Purpurfedern auf Baretten, Dolche an den Seiten, Schienen sie die schnelle Runde Um die Welt zu reiten.
Und die Rosse, wie arabisch Ihre Blicke leuchten, Wie die glänzend schwarzen Haare Helle Tropfen feuchten!
Dreimal kam die Nacht gezogen, Dreimal sah man's tagen, Und noch immer Rosseshufe Samt den Herzen schlagen.
Dreimal kam die Nacht gezogen, Dreimal sah man's tagen, Und es konnten Feuerkugeln Sie noch nicht erjagen!
Endlich sieh' im Mondenscheine Die drei Reiter knieen, Brück und Wasser hinter ihnen Eine Linie ziehen.
In dem Grenzort auf dem Berge Steht des Marktes Menge, Und Bewunderung, Staunen, Rührung, Wechseln im Gedränge:
Seht ihr, seht ihr die Tscherkessen, Herr Gott! wie die reiten: Feuer sprühen ihre Blicke Hin nach allen Seiten!
Sie entfloh'n aus tiefem Reußen, Heldenmut im Blute, -- So tönt's in des Volks Geflüster -- »Wie den' auch zu Muthe?«
Vor des Preuß'schen Rathhaus Schwelle Stehet die Behörde, Und die Reiter, heiß und glänzend, Ruhen auf der Erde.
Ihre Zeichen, ihre Mienen, Blicke, freudetrunken, Streicheln sie die prächt'gen Rosse, Wie im Traum versunken.
Ihre Zeichen, ihre Mienen, Ihre dunklen Worte, Sie enträthselt halb ein Dolmetsch, Tief gerührt am Orte.
»Wir Cirkassien's freie Söhne In der Sklaven-Ferne Hörten rühmen eure Freiheit, Dienten Freien gerne!
»Durch des großen Gottes Fügung Nun auf freier Erde, Flehen wir zum freien Preußen, Daß uns Hilfe werde!
»Dreimal vier und zwanzig Stunden Ohne Rast geflohen, Bieten wir uns, uns're Schwerter Euch an voll Vertrauen!
»Dreimal vier und zwanzig Stunden Ohne Rast geritten, Wir um edle, große, deutsche Gastlichkeit nun bitten! --«
Also klangen ihre Worte, Und mit starrem Munde Still vernahm des Ortes Vorstand Diese selt'ne Kunde.
Selbe Nacht noch, sieh', pechfinster, Trotz des Vollmonds Lichte, Lautlos durch die tiefe Stille Lauschet die Geschichte.
Horch, zwei preußische Schwadrone, Die Tscherkessen mitten, Ziehen auf dem dunklen Boden Hin mit festen Tritten.
Wieder sieht man durch die Gegend Rosseshufen sprühen, Brück' und Wasser diesmal ihnen Vorn die Grenze ziehen.
Horch, da öffnet sich der Schlagbaum, Und am Brückenkopfe Nicken durch die hohle Oeffnung Russen mit dem Kopfe.
Dumpf Gemurmel vom Kartelle, Freundschaft, ungeschwächten, Und man übergiebt die Helden Den Kosakenknechten!
Düster graut der vierte Morgen, Einzeln leuchten Sterne, Russen bilden einen Halbkreis, Wetterleuchten ferne:
Düster flimmern die Laternen, Donner westwärts grollen, Von der Helden Haupt, gebücktem, Große Thränen rollen:
Niederknien alle Dreie, Und vom Regimente Dreimal tönt die Russische Salve, Daß die Erde dröhnte!
Der Misanthrop.
O Einsamkeit, Du stilles Land, Der Träume und des Friedens Du, Die Dankbarkeit mich Dir verband, Dir dank' ich meine süße Ruh'!
Du gabst mir wieder alles das, Was ich verloren hielt, Die Liebe, die ich schon als Haß In meiner Brust gefühlt.
All das, was Edles ich geglaubt, Dir dank' ich's nun allein, =Den= Glauben mir nun keiner raubt, Denn einsam will ich sein!
Wer weiß, ob nicht in jener Welt Ein Geist wird einsam sein, Ob jedem Geist nicht eine Welt Beschieden auch wird sein.
Es lebe stille Einsamkeit! Du gabst mir süße Ruh! Ich weihe mich der Dankbarkeit, Mein einziger Freund sei'st Du.
Wirklichkeit.
Grüne Matten, Staub und Asche, Menschenauge, schön und groß, Ist es wahr, daß solchem Glanze Drohet der Vernichtung Loos? --
O verwesen und vernichten! Doch Vernichtung ist es nicht Nur verpuppen wie die Raupe Soll der Mensch sein Angesicht.
Sag', was ist Dir, süßes Kindchen, Und was widert jetzt Dich an? Macht's die Aehnlichkeit der Raupe, Daß Dir geht ein Ekel an?
Süßes Kindchen, Menschenräupchen, Mach kein bitterbös Gesicht, Und verbitt're drum das Leben Deinen Mite-Raupen nicht. --
Fernweh.
Gold'ne Sonne mit den Strahlen, Komm und nimm mich an Dein Herz Und von Deinem Licht getragen, Steige mit mir himmelwärts!
Zeige mir dort Deine Wesen, Deinen großen Wunderraum, Und damit ich's nicht verrathe, Laß mich's schauen wie im Traum!
Oder nimm mich in die Höhe Nur ein tausend Meilen mit, Daß von dort aus ich es sehe, Wie die Erde klein aussieht!
Ufergemälde.
Es heulet der Sturm, Es tobet die See, Es peitschet der Wind Die See in die Höh.
Es steuert ein Fahrzeug Am seegrünen Strand, Es steiget die Mannschaft Mit Beben ans Land.
Ein Weib ist dazwischen, Das Kind auf dem Arm, Drückt's fester und flehet: Daß Gott sich erbarm'!
Gerettet, bewahret Von göttlicher Hand, Bewahrt vor dem Abgrund, Der Tiefe Gestrand.
Am Ufer ich bete, Mit Blumen geschmückt, Mein Kind ist kalt, Mein Haupt ist gebückt.
Sie sagen, 's wär todt, O Vater, o nein, Du lässest nicht halb nur Gerettet uns sein!
Im Schrecken nur schloß es Die Aeugelein zu, O rettender Gott Gelobet seist Du!
Belebe mein Kindlein, Mein Herz und mein Blut, Sonst wollte ich lieber Hinab in die Fluth;
Zurück in die Tiefe, In Wassers Gewalt, Wo unser Nothschuß In Klüften verhallt'.
Das Auge sie hebet Zum Himmel empor, Da schlaget, horch plötzlich Ein Schrei an ihr Ohr.
Ei, sieh' da, das Kindlein, Das Kind ist erwacht, Sein Mund hat geschrieen. Sein Aug' hat gelacht!
Es sinkt in die Kniee Die Mutter am Strand Und rufet ganz trunken! O sehet doch Gottes Hand!
Die Männer, sie wenden Verwundert sich um Und geben das Kindlein In die Runde herum.
Sie heißen es Jeder Willkommen am Land! Und murmeln dazwischen O sehet doch Gottes Hand!
Die Heimchen.
Hörst Du, wie die Heimchen zirpen? Wird es Dir nicht heimlich so? Ist es nicht, als wenn Dir riefen Freundesstimmen irgendwo?
Düst're Nacht im Krankenzimmer, Stürme draußen, Stürme drin, Feuersbrunst am dunklen Himmel, Heiße Gluth um Herz und Sinn.
Sehnend mich nach neuer Schöpfung, Mich nach ros'gem Morgenlicht, Saß ich still beim Lampenscheine, Kummer in dem Angesicht.
Horch da, plötzlich Heimchen sangen, Traulich, heimlich ward es so, Als wenn Freundesstimmen riefen, Tröstend, hoffend irgendwo!
Heimchentöne, Heimchenworte, Klangvoll fing's zu sprechen an: =Wer die= Kehlchen singen lehrte, =Der= auch Heilung schaffen kann! --
Der Barde.
Für eine Dame schön und hold, Für Minnetreu und Minnesold, Des Barden höchstes Gut, Verspritzen wir das Blut.
Der Barde liebet Ehr' und Recht, Er ist der Erste im Gefecht, Für Mortimer von Lewellyn[1] Bis in den Tod die Barden ziehn.
Für Wales, unser Vaterland, Gesegnet schön von Gottes Hand Für seine Berge und grüne Seen Die Barden Alle für Einen stehn.
Anmerkung:
[1] Der letzte der selbstständig regierenden Fürsten von Wales.
Am Rhein.
Auf Bergeshöh' Den Pfad entlang, Auf off'ner See Beim Harfenklang.
Im Frührothschein, Bei blauer Luft, Am Rhein, am Rhein Beim Kräuterduft.
Im Himmelsraum Den Vögelschwarm, Im Hirn den Traum, Ganz sonder Harm.
Im Abendroth Das Thal hinab, Und dann, dann todt, Allein, im Grab.
Die Judenkirsche.
(_Physallis Alkekengi_).
Ein kleines, ernstes Bäumlein, Streckt seine Zweige aus, Es ließ nicht gern sich essen Und Haß war drum sein Loos!
Roth sind die schönen Früchte, Die Blüthen weiß wie Schnee, Es zeuget die Geschichte Von Bäumchens Schmerzensweh!
Sympathie und Antipathie.
O, menschliche Wohlfahrt und menschliche Freiheit, Euch beide die Seele mit Liebe umfaßt, O menschliches Elend und menschliche Bosheit, Wie seid ihr mir beide so tief doch verhaßt.
Und sollt ich die Ersten auch niemals erblicken, Und schlügen die Letzten mir stets ins Gesicht, Ich häng' an den Ersten mit ew'gem Entzücken, Im Leben verlocken die Letzten mich nicht! --
Das scheintodte Kind.
_Nocturno._
Stürmisch ist die Nacht Kind im Grab erwacht, Seine schwache Kraft Es zusammenrafft.
Machet auf geschwind Ruft das arme Kind, Sieht sich ängstlich um: Finster ist's und stumm.
Ueberall ist's zu, »Mutter, wo bist Du?« Stoßet aus den Schrei, Horchet still dabei;
Und in seiner Qual Klopft es noch einmal Sieht sich grausend um: Finster ist's und stumm.
Streckt die Aermlein aus, Hämmert schnell drauf los, Ruft entsetzt und laut: »Hört, ich bin nicht todt!«
Lehnt sein Haupt am Arm: »Daß sich Gott erbarm', Lebt man ewig so? Und wo stirbt man, wo?
Ach, man hört mich nicht, Gott, ach nur ein Licht!« Sieht sich nochmals um! Finster bleibt's und stumm.
Stier und starr es tappt, Und am Sarg' es klappt, Horch, da strömt sein Blut Durch des Nagels Hut;
Aus dem warmen Quell, Sprudelt's rasend schnell Endlich stirbt das Kind, Froh die Engel sind!
Stürmisch ist die Nacht, Blätter rauschen sacht, Niemand sah sich um: Finster blieb's und stumm!
Logik.
Es hört ein wack'rer Kriegersmann Sich dies Geschichtchen einmal an, Dem Tod konnt er ins Antlitz sehn, Doch jetzt im Aug' ihm Thränen stehn.
Ein Leichenhaus, ein Leichenhaus, Ruft er aus vollem Halse aus, Wir wollen nicht auf bloßen Schein Beseitigt und begraben sein!
Wir wollen, alle Wetter auch, Nicht halten an dem dummen Brauch, Daß man mit uns zu Grabe rennt, Als wenn man's nicht erwarten könnt'!
Für Todte haben Gelder wir, Und um Lebend'ge handelt's hier! Man sühnt wohl solche Grausamkeit Nicht mehr in aller Ewigkeit.
Für Tänzer giebt es Raum und Zeit -- O, tiefbethörte Menschlichkeit! So lang' nicht Leichenhäuser sind, Seid alle ihr so schlecht als blind!
Natur und Mensch.
Es blinken die Sterne hinab auf das Moos Es regt sich das Blättlein im Moose, Im Schatten der Palme dort riesengroß, Dort wächst eine purpur'ne Rose: O Blättlein mein, so frisch und klein, O duftiges, purpurnes Röselein!
Es blinken die Sterne hinab auf das Moos, Es hüpfet ein Vöglein im Moose, Im Schatten der Palme dort riesengroß, Erblühet die Wundermimose: O Röslein mein, Mimöslein mein, Und lustiges, hüpfendes Vögelein.
Es funkeln die Sterne hinab auf das Moos Es birgt ein Gesicht sich im Moose, Ein weinend Gesicht, und riesengroß Die Thräne, allüberall große: -- Und Thräne und Blut bis zum Himmel reicht, Und allerlei Schönheit auf einmal erbleicht.
Poniatowsky.
Ich saß am Fuß des Berges Und träumte mancherlei, Die kleine, frische Elster, Sie plätscherte vorbei.
Was hast Du zu erzählen, Du schmales Silberband, Was wir nicht schon gehöret, Was uns nicht schon bekannt?
Was Dir bekannt geworden, Durch der Geschichte Mund, Das waren bunte Muscheln, Doch Perlen beut mein Grund.
Ich saß am Fuß des Berges, Und träumte mancherlei Die kleine frische Elster, Sie plätscherte vorbei.
Komm her, laß Dir erzählen, Du fremdes Menschenkind, Einstmalen Roß und Reiter In mir versunken sind.
Versteh' mich recht, dem Polen, Die Hoffnung gänzlich sank; Er stürzt sich in die Tiefe, Es hieß: daß er ertrank;
Er =lebt= in meinen Fluthen, Singt nächtlich einen Sang, Wie ein Gebet so klingt es, Doch traurig, weh und bang;
Er =lebt= in meinen Fluthen, Und weint um's Vaterland, Die Thränen werden zu Perlen, Man fischt sie an das Land.
Das Mädchen an der Donau.
Genrebild.
Frischer strahlt im Morgenglanze Uns're junge Erde noch, Und das Mädchen pflückt zum Kranze, Klettert auf der Berge Hoch.
Schön ist's auf der Berge Rücken, Schön im schatt'gen Thalesgrund, Und es lächelt voll Entzücken Still des Mädchens kleiner Mund.
Auf der Höhe steh'n noch Reben, Von der Trauben Zahl gebückt, Und ein Körbchen dicht daneben, Dem das Mädchen näher rückt.
Schnell sie nimmt und stecket denkend Von den Beeren in den Mund, Und das kleine Köpfchen senkend, Blickt sie abwärts in den Grund.
Bricht noch saft'ge Trauben viele, Vollgepflückt schon's Körbchen steht, Doch sie ist noch nicht am Ziele, Still und rasch sie weiter geht.
Zu dem Strome, der hinunter In die weite Eb'ne eilt, Unser Mädchen, rasch und munter, Gern beim wilden Strom verweilt.
Heller strahlen ihre Blicke, Fröhlich färbt die Wange sich, Und auf ein'ge Augenblicke Setzt das wilde Mädchen sich.
Stiert hinunter in die Welle, Stiert hinunter in die Fluth, In den Augen spiegelhelle, Eine schöne Thräne ruht.
Das rothe Blümlein.
Ein rothes Blümlein auf grüner Au, Ein kleines Wölkchen an Himmels Blau, Ein feines Mägdlein im leichten Kahn, Es eilet, es eilet die Fluth hinan.
Das Blümlein zittert auf grüner Au, Das Wölkchen am Himmel wird schwarz und grau Das Mägdlein bebet im leichten Kahn, Und mächtiger eilet die Fluth hinan.
Das Blümlein zerstoben auf grüner Au, Das Wölklein verschwunden am himmlischen Blau. Das Mägdlein versunken im leichten Kahn, Es steiget die Fluth die Höhen hinan.
Was stürmst Du, Fluth, den Himmel hinan? Was willst Du, Du gräulicher Wassersmann? -- O stolzer Knabe, sei ruhig, sei still, Dein Spiel und Dein Traum und Dein Lieb ich will! --
Mein Spiel ist hin, und mein Traum ist hin, Was kömmt Dir thörichter Mann in den Sinn! Mein Lieb lebt unter der brausenden Fluth, Und nimmer verlischt uns're Liebesgluth.
Das rothe Blümlein, das war mein Spiel, Dem Wölkchen am Himmel traut' ich so viel, Dem Mägdlein folgte mein ganzes Herz, Durch Hütte und Kerker und Noth allerwärts:
Und schlägt die Woge auch über ihm her, Das Mägdlein erstehet aus Nacht und Meer. Ich seh' es behalten so wohl auf dem Grund, Als wie es mir noch vor den Augen stund.
Der deutsche Tribun.
Es stand ein zierlicher Jüngling Auf einem Hügel von Stein, »O dürfte ich,« rief er, »hinüber -- Hinüber bis über den Rhein!«
»Der Strom zu meinen Füßen, Mit seinem lieblichen Grund, Steh' träumerisch ich am Ufer, Schon manche so lange Stund'!
»Wohl bin ich ein echter Deutscher, Verbannet, doch ohne Grund, Ein Deutscher schon tausend Jahre --!« Und spöttisch gar lächelt sein Mund.
»Ein Deutscher, trotz schwarzer Locken, Der Falte in Mitten der Stirn, Dem trübe und bleichen Antlitz, Und einem so glühenden Hirn! --«
Wer war's, der sich so sinnig An jenen Fels hat gelehnt? So wahrhaft sich und so innig Nach Deutschland hat gesehnt?
Er war es, der wackere Börne, In dessen Brust es so schwül, Der Deutschland so ernsthaft liebte, Mit südlichem Gefühl! --
Den Deutschland einst verstoßen, In Deutschland einst verpönt, Und der sich darum nicht minder Nach Deutschland hat gesehnt.
Die Jagd.
Hell der Himmel ist erleuchtet. Sonnenstrahlen hin und her, Frischer Thau den Rasen feuchtet, Silbern glänzt das Jagdgewehr.
Eine Jagd ist's! Blutig jagend Eilt der Jäger durch den Wald, Für das Böse Alles wagend, Mordruf weit und breit erschallt!
Aufgescheucht flieh'n junge Rehe, Von dem blut'gen Schauplatz fort, Doch der Jäger Todes-Nähe Eilet nach von Ort zu Ort.
Mit der Hast, dem wilden Grimme Der das Böse gern beschönt, Der betäubend jene Stimme Ernsten Mahnens nicht verhöhnt.
Bei dem blut'gen Reh daneben Steht der Schütze blutig roth: Räche, Gott, mein schuldlos Leben, Fleht das Thier vor seinem Tod.
Trotzig glänzt des Waidmann's Miene Bei des jungen Rehes Blut, Und es war, als wenn's ihm schiene Heute hätt' er Glück und Gut! --
»O daß ich den Bock erwische!« Und so sprengt er rasend fort, Und bleibt hängen im Gebüsche, Und das Roß trabt weiter fort.
Schleift den Jäger zu der Haide, Wo das Thier getroffen liegt, Still am Boden liegen Beide, Schuldlos Reh hat obgesiegt!
Endlich macht es eine Runde, Endlich steht das muth'ge Roß, Und in selbiger Sekunde Geht des Jägers Büchse los.
Trifft des Jägers stiere Blicke, Schmerz durchzuckt sein Angesicht: Jäger, traue Deinem Glücke, Deiner wilden Jagdlust nicht!
Amerika.
Amerika, Du Land der Träume, Du Wunderwelt, so lang und breit, Wie schön sind Deine Kokosbäume, Und Deine rege Einsamkeit!
Mit Deinen blau und rothen Vögeln, Mit Deinem stolzen Blumenheer, Mit Deinen tausend Schiff' und Segeln, Von denen voll Dein weites Meer!
Mit Deinen smaragdgrünen Blättern, Mit Deiner duftig kühlen Nacht, Zu nahn Dir auf des Schiffes Brettern, D'ran hab' als Kind ich schon gedacht!
Trotz Deiner prächtig bunten Schlangen, Trotz Deiner heißen Sonnengluth, Gilt Dir mein eifriges Verlangen, Das mächtig nun und nimmer ruht!
Das Wäldchen.
Ein Wäldchen sich erhebt, Sproßt fröhlich himmelan, Ob unser eins noch lebt, Wenn einst die Axt daran?
Man pflanzt den Berg mit Wein, Der Muskateller bringt, Ob wir noch lebend sein, Wenn er im Becher blinkt?
Ein Rosenknöspchen blüht, Und morgen auf es bricht, Ob es mein Aug' noch sieht Weiß Gott, ich weiß es nicht!
Wollte Gott.
Die dunkelgrünen Tannen Auf grünem Rasenland, Darüber Sonnenstrahlen Und Himmel ausgespannt.
Die Sonne ist gesunken, Die Senner gehn nach Haus, Zerlumpte, bleiche Leute, Sie sehn gespenstisch aus.
Ihr schönen grünen Tannen, Ihr glänzt im Abendroth, O wollte Gott, so hinge An euren Zweigen Brot!
Was ist das Beste?
Ein Liedlein tönt von Ferne: Was ist das Liebste Dir? -- Die Augen und die Sterne, Sie sind das Liebste mir.
Ein Liedlein tönt von Ferne: Was ist das Schönste hier? -- Das Schönste und das Liebste, Das ist der Himmel mir! --
Und sprich, was ist das Größte Und Allertreu'ste Dir? -- Das Größte ist der Glaube, Das Treu'ste Tugend mir.
Und weiter tönt es ferne: Was ist das Beste hier? Das Beste ist die Mutter, Das Allerliebste mir!
Kennst Du das Land Wo die Lianen blühn Und himmelhoch Sich rankt des Urwalds Grün? Wo Niagara aus dem Felsen bricht, Und Sonnengluth den freien Scheitel sticht? --
Kennst Du das Land Wohin Märtyrer ziehn, Und wo sie still Wie Alpenröslein glühn? Kennst Du das Land, kennst Du es nicht? Die zweite Heimath ist's, so mancher spricht!
Fest-Romanze.
Reich bekränzet glänzt die Stadt, Bunte Fahnen, Flaggen wehen, Ehrenpforten blühend stehen, Und des Fürsten Stirn ist glatt.
Gases Flammen, wie im Traum, Böllerschüsse und Raketen, Macht die Gegend rings erröthen, Und das Jauchzen endet kaum.
Ueber'm Knotenstock gebückt, Steht ein Greis mit langen Haaren, Düster seine Züge waren: »Thor und Thoren sind geschmückt« --
Spricht er lächelnd -- »doch fürwahr, Ehrenhafter würd' es klingen, Würde Dir ein Vivat bringen Unsrer Bettler große Schaar!«
Atheismus.
Es gleitet das Schiff durch pechschwarze Klippen, Schon gähnt es der bannende Abgrund an -- O wollte die Mannschaft den Himmel erblicken -- Der Himmel allein sie erretten kann.
Nichts and'res kann retten -- verhüllen die Sterne Weinend ihr Haupt und strahlen euch nicht -- Und Wetterwolken bedecken am Tage Der heiteren Sonne weitreichendes Licht. --
Auch außer dem Wetter, im eigenen Herzen Beginnt ein Kampf um das Ja und das Nein -- Um Höhe und Tiefe und Helle und Dunkel, Um höheres oder niederes Sein. --
Um Leben für immer, um Sterben für immer -- Um ewigen Unsinn und ewigen Zweck -- O verlöscht nicht das Licht bei der finsteren Brandung -- Das Schiff der unglücklichen Menschheit ist leck.
Stimmung.
Düster liegt die Welt mir da, Wie ein ödes Meer. Und der Abgrund ist so nah, Und er reizt mich sehr.
Drin vergessen und versenken, Selbst das Schöne mit, Nichts mehr fühlen, nichts mehr denken, Erde, wir sind quitt! --
Keine Lust ist's, keine Wonne, Aber mehr als das! -- Keinen Schatten, keine Sonne, -- Keine Lieb', kein Haß! --
In dem Nichts die Freiheit lieget, Nicht Notwendigkeit -- Und von fern es schon besieget Alles »Muß« und Leid.
Düster liegt die Welt mir da, Wie ein ödes Meer, Aller Welten End' ist nah, Und es reizt mich sehr.
Ein Frauenbild.