Gedichte

Part 2

Chapter 2799 wordsPublic domain

Aufloht dein Haar und Aug' und Kleid und Gang, Schlägt brennend in das Blau, wird selbst zum Blau Und löst sich auf in dem Triumph-Gesang Entfachter Stärke und geballt im Klang Von Härte, Locken, Mut und Morgen-Tau.

-- So sei gegrüßt und für die Fahrt gesegnet, Mädchen! Für immer Stern aus meiner Krone, Auf die, -- in Zärtlichkeit zu seinem Sohne -- Der Väterliche auf dem Wolken-Throne Feurige Flut der letzten Güte regnet.

Die Entschwundene. II.

Ich denke manchmal, daß das keiner kennt: Dies rasende Geglüh aus tausend Türen, Und daß dies so gering ist, was uns trennt, Und zu gering für mich, dich zu verlieren.

Ich denke manchmal, daß dies nie gefühlt: Wie mich dies Zittern hoch und höher hebt, Und dieses Dumpfe, das mich niederwühlt, Mich plötzlich trägt und sanft mit mir entschwebt.

Wie ein Gesicht dies alles in mich wirft, Kein Wort, kein Kuß, keine Vereinigung, Nicht Nähe, die geheime Wollust schlürft Und sich entfacht zu ungeheurem Schwung.

Nicht, daß ihr Kleid mich leise je gestreift, Ich ihre Haut je im Gedräng' gespürt Und ihre Hand, die in die Sterne greift, Jemals die meine hat berührt:

Ein Lächeln nur, ein Blick, auf mich gerichtet, (War er auf dich gerichtet? Träumst du nicht?) Ein Auge, aus dem süßen Stoff gedichtet, Der aus dem Auge meines Gottes bricht,

Beisammensein im gleichen hellen Raume, Wo du mit deinem Blick sie überfielst, Ein süßes, liebes Trostes-Wort im Traume, Das du noch immer in dir brennen fühlst:

Das war Erleben, das noch nie erlebt, Und war ein Beben, das noch nie gebebt Und war ein Höher-zittern, Höher-schwellen Und war ein Taumeln über goldene Wellen

Und war ein Überfließen und Sich-sehnen Und war ein Stützen und ein Höher-wehn Und war ein Abend-Glück in Lust und Tränen Und war ein Morgen-Gang in Laub und Seen

Und ist dies heut in mir wie nie zuvor Und reißt mich, schwingt mich wie noch nie empor Und fährt noch einmal mit mir durch die Lüste, Mit denen damals mich mein Dämon küßte.

Was heißt Verlieren? Gibt es ein Verlieren? Entschwinden? Denn wo gibt es ein Entschwinden, Da ja der Brand, den deine Genien schüren, Sich dir wohl steigern kann, doch nicht entwinden?

Was heißt Entferntsein? Gibt es ein Entferntsein? Ist sie denn nicht unendlich in der Nähe, Damit sie dich wie Purpur überwehe Und deiner Himmel nächtliches Besterntsein?

Ein Ruck, und die Gedanken sind beisammen, In die du ihre Blondheit hast geballt Und wie noch nie in solchen süßen Flammen Erstrahlt dir ihre adlige Gestalt,

Ist da und überschwemmt dich mit Gezitter Und wirft dich tiefer in das Meer der Lust. Der Gott erklirrt aus Wolke und Gewitter, Die Luft vergoldet sich, einstürzt das Gitter Und über das Gestürzte: -- Fleisch und Flitter -- Strömt die erfüllte Sehnsucht in die Brust.

Ein Sonnenaufgang färbt das Firmament, Da ist ihr Stuhl, und da geht sie entlang, Wiegend, tanzend, in leicht' und goldenem Gang, Betaut von Licht und rosenem Gesang, Und sacht in dir den glühenden Überschwang, Der selig donnert, daß dies keiner kennt.

Das ewige Erlebnis

An M. S.

Wie? Lächeln mir noch einmal Auge und Gang herauf? Stürzen in mein Gefild noch einmal Zittern und Licht? Bist du, süße Erscheinung, Immer noch lebendig in mir?

Monatelang entschwand Blond in Haar und Gestalt, Und in die Dämmerung dumpfer Vergessenheit Glaubte ich es gefallen, Aus der armen Seele verbannt.

Aber das leichte Gefühl sonnigen Frühjahrs um mich, Kaum schon Frühjahr, nur erst Sonne in kühlerem Wind, Führt dich zu mir herauf, Tür wieder, Stuhl und Tisch und Gemach.

Aber das gütige Blau dieses erstrahlenden Tags, Ahnung kommenden Glücks beim Spaziergang im Grün, Leichten, feurigen Schritts Und erfüllt von freundlichem Licht,

Ahnung herzlicher Lust im Gespräch mit dem Freund, Jugendlich-heiteren Spotts, hin zur Sonne gewandt, Die dem lachenden Mut Mütterlich-segnend zum Siege scheint:

Ist im tiefsten dir nah, nah deinem neuen Gestirn, Mischt in Morgen und Gold deine Blondheit hinein, Deines gütigen Augs Schwesterliche Sendung für mich.

Denn wem _einmal_ ein Blick klarere Täler erschloß, _Einmal_ das Blau eines Auge ehern den Gott offenbart, Einmal ein schwebender Schritt In dem Chaos die Form gezeigt,

Einmal ein seeliger Blick mitten ins Herz hinein Aller Liebe Gesetz ewiglich bloßgelegt Und einer Stimme Blond Einmal die Flamme entbunden hat:

Dem hält heiliger Bann ewig das Innere fest, Und der Dämon befiehlt ewig das stürzende Lied, Und für ewig durchglühn Stimme und Aug' das anbetende Herz.

Inhaltsverzeichnis

Verzweiflung 3 An gewisse Andere 5 Lied des müden, abgearbeiteten Großstädters 6 An die unbekannte Geliebte 8 Vor der Wohnung der Geliebten 16 Lied im Bett 18 Gebet des Dichters 19 Nacht-Lied 20 Lied beim Aufwachen am Morgen 21 An die entfernte Geliebte 22 Trennungsschmerz 24 Das neue Erlebnis 26 Sehnsucht 27 Du nur bist Licht und Luft und Element 29 Die Entschwundene. I 30 Die Entschwundene. II 33 Das ewige Erlebnis 36