Gedanken über Religion Die religiöse Entwicklung eines Naturforschers vom Atheismus zum Christentum.
Part 13
Das Vernunftgemäße in den Lehren von der Menschwerdung und der Dreieinigkeit.
Reine Agnostiker und solche, die in dem Christentum nach Gott suchen, sollten sich mit der metaphysischen Theologie nicht befassen. Sie ist ein Gebiet der Forschung, welches _ex hypothesi_ transcendental ist, und das erst von solchen getrieben werden sollte, die das Christentum bereits angenommen haben. Die Lehren von der Menschwerdung und von der Dreieinigkeit schienen mir in den Tagen meines Agnostizismus die absurdesten von allen zu sein. Aber als reiner Agnostiker sehe ich jetzt in ihnen durchaus keine vernunftwidrige Schwierigkeit. Was die Dreieinigkeit betrifft, so hängt die Mehrzahl der Personen notwendig mit der nahe verwandten Lehre von der Menschwerdung zusammen. Es liegt daher in beiden Lehren nur =eine= Schwierigkeit; denn da bei der Lehre von der Menschwerdung eine Zweizahl von Personen vorausgesetzt wird, so liegt für den reinen Agnostiker in der Lehre von der Mehrzahl der Personen keine neue Schwierigkeit. Zu einer gewissen Zeit erschien es mir unmöglich, daß irgend eine Behauptung, wenn man sie wörtlich so verstände, absurder sein könnte als die [Lehre von der Menschwerdung]. Nun erkenne ich, daß mein damaliger Standpunkt durchaus unverständig war und daß er allein aus der Blindheit der Vernunft selbst hervorgegangen war, die ihrerseits wieder aus der Gewohnheit [rein] naturwissenschaftlichen Denkens entsprang. »Aber sie widerspricht doch dem gesunden Menschenverstand!« Ganz gewiß, ohne Zweifel; aber das muß sie auch, wenn sie wahr sein soll. Gesunder Menschenverstand ist nichts anderes als ein [grobes] Verzeichnis alltäglicher Erfahrung; aber die Menschwerdung kann doch auf alle Fälle, wenn sie stattfand, was für ein Bewandtnis es mit ihr auch gehabt haben mag, kein gewöhnliches Ereignis gewesen sein. »Aber es thut Gott Abbruch, Mensch zu werden!« Woher weißt Du das? Überdies war Christus kein gewöhnlicher Mensch; dies beweist sowohl die negative Kritik als auch der historische Erfolg seines Lebens, und wenn wir zur Beweisführung den christlichen Standpunkt anerkennen, so ist das ganze Wesen der Menschheit in ihm zusammengefaßt. Endlich giebt es noch Erwägungen indirekter Art, welche eine Menschwerdung _a priori_ wahrscheinlich machen.[93] Aus aprioristischen Gründen =muß= es Mysterien geben, welche für die Vernunft unfaßbar sind, wie z. B. das Wesen Gottes u. s. w., vorausgesetzt, daß überhaupt eine Offenbarung stattfand. Daher ist der Umstand, daß man im Christentum an solche Mysterien glaubt, kein stichhaltiger Einwand gegen das Christentum. Warum soll man aber andererseits _a priori_ über die Lehre von der Dreieinigkeit stolpern, zumal der Mensch ja selbst ein dreieiniges Wesen ist, mit Körper, Geist (d. h. Vernunft) und Seele (d. h. moralischen, ästhetischen und religiösen Fähigkeiten). Die zweifellose Vereinigung dieser nicht weniger zweifellos verschiedenen Seiten im Wesen des Menschen wird uns unmittelbar als eine Thatsache der Erfahrung bekannt, aber sie ist für irgend einen logischen Prozeß oder für irgend einen Vernunftschluß ebenso unverständlich wie das Dogma von der Dreieinigkeit Gottes.
Adam, der Sündenfall und der Ursprung der Sünde.
Diese christlichen Dogmen werden ohne Zweifel durch den naturwissenschaftlichen Nachweis einer Entwicklung hart getroffen, (aber es sind auch die einzigen Dogmen, von denen man das sagen kann) und da sie die logische Grundlage des ganzen Systems bilden, so scheint auf den ersten Blick der Nachweis ihrer Nichtigkeit notwendigerweise den Untergang des ganzen auf ihnen errichteten Baues nach sich zu ziehen. Aber es ist doch die Frage, ob sie für einen reinen Agnostiker überhaupt als nichtig erwiesen sind, mit anderen Worten, ob meine Grundsätze hier nicht ebenso wie anderwärts den Unglauben in die Flucht schlagen können.
Was zuerst Adam und Eva betrifft, so ist schon lange vor Darwin die Geschichte von den Menschen im Paradiese von einsichtsvollen Theologen als allegorisch erkannt worden. Und sicherlich, wenn man sie vorurteilsfrei liest, werden die ersten Kapitel der Genesis immer als eine von einer Geschichte wohlunterschiedenen Dichtung angesehen werden müssen. Man würde sie nie irrtümlicher Weise für Geschichte gehalten haben, wenn man an sie nicht mit vorgefaßter Meinung im Interesse der Inspiration herangetreten wäre. Doch für den reinen Agnostiker darf es solche vorgefaßten Meinungen nicht geben, so daß man heute eine Vermutung gegen ihre Inspiration nicht deshalb allein aufstellen darf, weil sie nicht als Geschichte bewiesen worden ist -- und dies bleibt selbst dann bestehen, wenn wir nicht erkennen können, wovon sie eine Allegorie sein soll. Denn wenn sie inspiriert ist, so hat sie sicherlich in der Vergangenheit gute Dienste geleistet, und kann dies auch noch heutzutage thun, indem sie einen allegorischen, wenn auch nicht wörtlich zu nehmenden Ausgangspunkt für den göttlichen Erlösungsplan bildet.
Vergleich der Beweisgründe für die natürliche und für die geoffenbarte Religion.
Man hat oft gesagt, daß die Entwicklung der organischen Lebensformen einen ebenso guten Beweis für eine Zwecksetzung liefert wie eine Schöpfung im einzelnen, weil ja alle Thatsachen der Anpassung, in denen der Beweis besteht, für beide Fälle dieselben sind. Man übersieht aber dabei, daß auf diese Weise gerade das, was in Frage steht, für das Ergebnis vorausgesetzt wird. Die Frage ist: Sind diese Thatsachen der Anpassung an sich ein ausreichender Beweis dafür, daß ihre Ursache eine Zwecksetzung war? Aber wenn mit Recht zugegeben werden muß, daß bei der Annahme einer Entwicklung aus natürlichen Ursachen die Thatsachen der Anpassung von derselben Art sind wie alle anderen Naturthatsachen, so kann auf sie nicht mit mehr Berechtigung als auf irgend welchen anderen Naturthatsachen ein Beweis für eine Zwecksetzung aufgebaut werden. So sind also die Thatsachen der Anpassung gleich allen anderen nur dann als Argument für eine Zwecksetzung zulässig, wenn man annimmt, daß alle natürliche Kausalität geistigen Charakter hat und diese Annahme setzt einfach die Bejahung der Frage nach der Zwecksetzung voraus. Unter der Voraussetzung, daß sie aus natürlichen Ursachen stammen, sind also die Thatsachen der Anpassung nur dann als ein an sich guter Beweis für eine Zwecksetzung zu gebrauchen, wenn bereits angenommen worden ist, daß sie, weil aus natürlichen Ursachen entspringend, eine Zwecksetzung fordern.
Die natürliche Religion gleicht der geoffenbarten Religion im Folgenden: Nehmen wir beide als göttlich an, so können beide, soweit die Vernunft uns führen kann, den Nachweis eines Zweckes nur soweit führen, daß sie für die Frage nach demselben ernstlich Aufmerksamkeit erregen. Mit anderen Worten: in Bezug auf beide muß der Standpunkt der reinen Vernunft der reine Agnostizismus sein, (man beachte, daß die Unzulänglichkeit der Teleologie oder der Zwecksetzung in der Natur als Beweis für den Theismus von allen intelligenteren Christen aller Zeiten anerkannt worden ist, doch ist diese Anerkennung seit Darwin allgemeiner geworden. In dieser Hinsicht möchte ich besonders auf Pascal[94] und viele andere Schriftsteller hinweisen.) Hierin liegt eine zweite auffallende Analogie zwischen Natur und Offenbarung, angenommen, daß beide denselben Urheber haben -- d. h. gerade so wie die entwicklungsgeschichtliche Methode bei beiden dieselbe ist.
Wenn die Annahme einer Zwecksetzung bei beiden [d. h. Natur und Offenbarung. -- Der Übersetzer] berechtigt ist, so geht daraus hervor, daß jene Annahme bei beiden in gleicher Weise nur durch das Organ unmittelbarer Anschauung erwiesen werden kann, -- d. h. durch jene andere Seite des menschlichen Fassungsvermögens, durch welche die Vernunft ergänzt wird. Hier stellen wir wieder die Analogie fest. Und wenn jemand auf diese seinen Verstand ergänzende Weise die höchste Wahrheit erfassen kann (nehmen wir dies einmal an) so ist es seine Pflicht, sein geistliches Augenlicht zu üben, indem er nach Gott in der Natur wie in der Offenbarung sucht. Und dann wird er (immer vorausgesetzt, daß es einen Gott giebt und daß er sich von denen, die mit Fleiß nach ihm suchen, finden läßt) erkennen, daß sich seine subjektiven Zeugnisse für Gott in der Natur und in der Offenbarung gegenseitig stärken -- und so gewinnt er für seine Vernunft ein weiteres Zeugnis. Die Teleologie der Offenbarung ergänzt die Teleologie der Natur und so gewinnen sie für den geistlich gerichteten Menschen logisch und gegenseitig immer mehr Gewißheit.
Paley's Schriften bilden eine ausgezeichnete Erläuterung für die Übereinstimmung des teleologischen Arguments aus Natur und Offenbarung, obgleich sie eine sehr unvollkommene Erläuterung des letzteren für sich allein genommen sind; denn da Paley allein das Neue Testament und auch dieses nur sehr teilweise behandelt -- so ignoriert er alles, was Christo vorherging, und vieles von dem, was nach den Aposteln geschah. Übrigens scheint Paley selbst die Ähnlichkeit des Arguments, wie es in seiner »Natürlichen Theologie« bezw. in seinen »Beweisen für das Christentum« entwickelt ist, nicht bemerkt zu haben. Aber niemand hat im übrigen für beide Fälle den Beweis besser geführt als er. Sein größter Fehler lag darin, daß er nicht bemerkte, daß dieses teleologische Argument an sich in beiden Fällen nicht ausreicht, um zu überzeugen, sondern nur um ernstlich Aufmerksamkeit zu erregen. Paley stellt es überall so dar, als ob solch ein Appell an die Vernunft allein schon genügte. Er sieht nicht, daß in diesem Fall kein Raum für den Glauben übrig bliebe. Mit anderen Worten, er erkennt nicht das geistliche Organ des Menschen und das Objekt, durch welches es ergänzt wird: die Gnade in Gott. Insofern ist er kein Christ. Und mag nun Theismus und Christentum wahr oder falsch sein, sicher ist, daß das teleologische Argument allein nicht zur Überzeugung sondern zum Agnostizismus führen muß.
Wenn es aprioristisch unwahrscheinlich ist, daß ein Mensch ein Wunder ohne ein sittliches Objekt vollbracht haben sollte, so kann dies leicht mit der Unwahrscheinlichkeit verwechselt werden, daß Gott es mit einem entsprechenden sittlichen Objekt vollbracht hat. Die erstere [Unwahrscheinlichkeit] ist unermeßlich groß, die letztere ist wie die Unwahrscheinlichkeit der Theorie des Theismus gleich null.
Christliche Dämonologie.[95]
Man wird sagen -- wenn Du auch die aprioristischen Einwendungen gegen die Wunder aus aprioristischen Gründen hinwegzuschaffen suchst, so bleibt doch die Thatsache bestehen, daß Christus den landläufigen Aberglauben in Bezug auf die Besessenheit vom Teufel annahm. Dadurch, daß dabei von Teufeln gesprochen wird, verliert die ganze betreffende Erzählung ihren Wert. Du mußt also eins von beiden wählen: entweder war die landläufige Theorie richtig oder nicht. Wenn Du sagst, daß sie richtig war, so mußt Du zugeben, daß dieselbe Theorie für alle ähnlichen Stufen der Kultur gilt [aber nicht für die späteren Stufen] und daß daher die Naturwissenschaft der erfolgreichste Teufelaustreiber ist, obgleich sie nicht durch den Glauben an die Theorie, sondern durch die Verwerfung derselben wirkt. Beachte, daß die betreffenden Krankheiten durch die Überlieferung so klar beschrieben sind, daß sie unmöglich mißverstanden werden können. Dann mußt Du annehmen, daß sie _anno domini_ 30 von Teufeln und _a. d._ 1894 von Nervenstörungen herrührten. Sagst Du aber, die Theorie sei falsch, dann mußt Du entweder annehmen, daß Christus es nicht besser wußte oder daß er die Unwahrheit sagte.
Die Antwort lautet, daß beide Annahmen vom Christentum acceptiert werden können. Des Beweises wegen können wir einmal die Frage bei Seite lassen, ob Christus die Teufelslehre selbst wirklich annahm, oder ob ihm dieselbe durch seine Biographen nach seinem Tode zugeschrieben wurde. Wenn Christus wußte, daß die Thatsachen nicht Teufeln zuzuschreiben waren, so muß er auch gewußt haben, daß es das beste war, die landläufige Ansicht anzunehmen anstatt das Volk durch einen pathologischen Vortrag zu verwirren. Wenn er es nicht wußte, -- ja warum sollte er es denn wissen, hatte er sich doch vorher seiner Allwissenheit entäußert? Freilich, wenn er die landläufige Ansicht geleugnet hätte, so würde er einen Beweis naturwissenschaftlicher Erkenntnis oder naturwissenschaftlicher Anschauung gegeben haben, die weit über die Kultur seiner Zeit ging, aber dies würde nicht mit seiner in zahllosen anderen Fällen bewiesenen Methode übereinstimmen, und diese bestand darin, daß sie seine göttliche Sendung niemals durch Vorwegnahme naturwissenschaftlicher Kenntnisse kundgab. Die besondere Frage nach Christus und der Dämonologie ist also nur eine Teilfrage einer viel größeren Hauptfrage.
Darwins Bedenken[96]
Auf Darwins Einwand, daß nur ein so kleiner Teil der Menschheit von Christus je gehört hat, giebt es mehrere Antworten:
1) Nehmen wir an, daß das Christentum wahr ist, so ist es die höchste und letzte Offenbarung, d. h. der Plan der Offenbarung folgt der Entwicklungslehre. Gerade daraus ergiebt sich, daß der größte Teil der Menschheit nie etwas von Christus hören konnte, nämlich alle, welche vor seiner Ankunft lebten.
2) Aber diese waren nicht ohne Bezeugung geblieben. Sie hatten alle ihre Religion und ihr sittliches Bewußtsein, jeder nach seiner eigenen Entwicklungsstufe. Daher hat Gott die Zeiten der Unwissenheit übersehen, Apostelgeschichte 17, 30.
3) Zudem waren diese Menschen nicht von Christi Wohlthaten ausgeschlossen; denn es wird gesagt, daß er für alle Menschen starb -- d. h. wenn er nicht gewesen wäre, würde Gott nicht die Zeiten der Unwissenheit übersehen haben. Die Wirkung der Erlösung wird als transcendental dargestellt und als nicht davon abhängend, daß jemand von dem Erlöser gehört hat.
4) Es ist wunderbar, daß gerade Darwin diesem trügerischen Argument unterlegen ist; denn es hat ja gerade durch die Entwicklungslehre seinen Todesstoß erhalten, d. h. wenn es wahr ist, daß die Entwicklung die Methode natürlicher Kausalität gewesen ist, und wenn es wahr ist, daß die Methode der natürlichen Kausalität von einer Gottheit abhängt, dann folgt daraus, daß dies späte Erscheinen Christi auf der Erde absichtlich gewesen sein muß. Denn es ist sicher, daß er nicht früher erscheinen konnte, ohne daß dadurch die Entwicklung verletzt worden wäre. Daher mußte er nach der Theorie des Theismus dann erscheinen, als es geschah, d. h. in dem Augenblick der Geschichte, in dem es zuerst möglich war. Auch aus anderen Gesichtspunkten ergiebt sich, daß die Zeit, in der Christus erschien, die geeignetste war. Selbst weltliche Geschichtsschreiber stimmen darin überein, daß die Zeitumstände zusammen paßten und führen den Erfolg seines sittlichen und religiösen Systems auf diese Thatsache zurück. So auch die, welche sich mit vergleichender Religionswissenschaft beschäftigen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Schlußbemerkung des Herausgebers.
Der intellektuelle Standpunkt dem Christentum gegenüber, welcher in diesen Notizen ausgesprochen ist, kann man bezeichnen als -- 1) reinen Agnostizismus, auf dem Gebiet der sich in dem Naturwissenschaftlichen bethätigenden Vernunft, verbunden mit 2) einer klaren Erkenntnis der geistlichen Notwendigkeit des Glaubens und der Berechtigung und des Wertes seiner Anschauungen, 3) als eine Empfindung der positiven Kraft der historischen und geistlichen Zeugnisse für das Christentum.
George Romanes kam in diesen Notizen, wie auch in der mündlichen Unterhaltung zu der Erkenntnis, daß es vernünftig sei, an das Christentum zu glauben, bevor er die Kraft oder die Gewohnheit des Glaubens wieder erlangt hatte. Sein Leben ging bald, nachdem er diesen Standpunkt erreicht hatte, zu Ende; aber es wird niemanden überraschen zu hören, daß der Verfasser dieser »Gedanken« noch vor seinem Tode zu jener vollbewußten Gemeinschaft mit der Kirche Jesu Christi zurückgekehrt ist, auf die zu verzichten er sich so viele Jahre hindurch aus Gewissens-Bedenken gezwungen sah. So wurde es in diesem Falle »dem Manne reines Herzens« nach langer Zeit der Finsternis noch vor seinem Tode vergönnt, »Gott zu schauen«.
_Fecisti nos ad te Domine, et inquietum est cor nostrum donec requiescat in te._
C. G.
FUSSNOTEN:
[1] Im Folgenden gebe ich zunächst eine kurze Inhaltsübersicht des I. Teils, durch welche die Einführung in das Buch wesentlich erleichtert werden soll; jedenfalls macht sie denjenigen, welchen er zu schwer ist, die Lektüre von Abschnitt I leichter oder überflüssig.
[2] Siehe aber eine interessante Notiz in Romanes »_Mind and Motion and Monism_« p. 111.
[3] Veröffentlicht in Trübners _English and Foreign Philosophical Library_ 1878; es ist aber »einige Jahre vorher« (Vorwort) geschrieben. »Ich habe mit der Veröffentlichung zurückgehalten,« erklärt der Verfasser, »damit ich nicht hinterher entdecken möchte, daß reiferes Nachdenken die Schlüsse, welche der Autor verkündigt, modifiziert.«
[4] Zuweilen habe ich die Beweisführung in dem Kapitel verständlicher zu machen versucht, indem ich Aussprüche aus früheren Teilen des Buches oder Erklärungen in meinen eignen Worten einschaltete. Diese letzteren habe ich in eckige Klammern gesetzt. -- Der Herausgeber.
[5] d. h. in Bezug auf den Glauben an Gott -- Der Übersetzer.
[6] d. h. in dem höchst kompliziert gebauten Gehirn des Menschen. -- Der Übersetzer.
[7] Nach Kompliziertheit und Größe des Gehirns. -- Der Übersetzer.
[8] p. 24.
[9] p. 28.
[10] p. 28.
[11] p. 45.
[12] nämlich der Zwecksetzung. -- Der Übersetzer.
[13] p. 47.
[14] p. 50.
[15] p. 63.
[16] p. 58 ff.
[17] Nämlich der Theorie des Atheismus gegenüber. -- Der Übersetzer.
[18] In Bezug auf die Gesichtspunkte und Argumente der »Unbefangenen Prüfung« mag es interessant sein, hier Folgendes zu bemerken:
1) Romanes kam zuletzt dahin, den subjektiven religiösen Bedürfnissen und Anschauungen des menschlichen Geistes eine viel größere Bedeutung beizulegen.
2) Er erkannte, daß das subjektive religiöse Bewußtsein objektiv als ein großes Phänomen der menschlichen Natur betrachtet werden muß.
3) Er verurteilte später seine frühere Kausalitäts-Theorie und kehrte zu der Anschauung zurück, daß alle Kausalität der Ausfluß eines Willens ist.
4) Er wies später die materialistische Ansicht von der Entstehung des Geistes entschieden zurück.
5) Er kehrte zu dem Gebrauch des Ausdrucks »Das Argument vom Zweck« zurück und gab also auch seine heftige Abneigung gegen dasselbe auf.
6) Er durchschaute Herbert Spencers Widerlegung der im weiteren Sinn gefaßten Teleologie von Baden Powell und fühlte die Kraft des teleologischen Beweises von neuem.
7) Er erkannte, daß die wissenschaftlichen Bedenken gegen die Lehre vom freien Willen schließlich doch nicht stichhaltig sind. -- Der Herausgeber.
[19] Siehe _Mind and motion and Monism_ pp. 36 ff.
[20] In einigen Notizen des Sommers 1893 finde ich Folgendes: Das Ergebnis (der philosophischen Untersuchung) ist gewesen, daß der Mensch in seinen tausendjährigen Beobachtungen und Erfahrungen in Bezug auf gewisse Seiten des Welträtsels Gewißheit erlangt hat, die nicht weniger sicher ist, als die, welche er im Gebiet der Naturwissenschaft besitzt, z. B. Logischer Vorrang des Geistes vor der Materie -- daraus folgend Unhaltbarkeit des Materialismus, -- Relativität der Erkenntnis, -- Naturordnung, -- die Erhaltung der Energie, Unzerstörbarkeit der Materie, soweit die menschliche Erfahrung reicht, das Entwicklungsprinzip, das Überleben des Passendsten. -- Der Herausgeber.
[21] Über die Bedeutung des »reinen« Agnostizismus siehe unten.
[22] Hiermit ist offenbar das materialistische Dogma gemeint. -- Der Übersetzer.
[23] Vergleiche hiermit folgende Aussprüche, die sich hundertfach vermehren lassen:
Baco von Verulam: »Nur eine oberflächliche Kenntnis der Natur vermag uns von Gott abzuführen, eine tiefere und gründlichere dagegen führt zu ihm zurück.«
Oswald Heer: »Wer oberflächlich die Natur betrachtet, Im grenzenlosen All sich leicht verliert; Doch wer auf ihre Wunder tiefer achtet, Wird stets zu Gott, dem Herrn der Welt, geführt.« -- Der Übersetzer.
[24] Die dritte Abhandlung wird hier nicht veröffentlicht, weil Romanes Ansichten über die Beziehung zwischen der Naturwissenschaft und dem Glauben an die geoffenbarte Religion in den »Notizen« besser und reifer zum Ausdruck kommen. -- Der Herausgeber.
[25] Um Mißverständnisse zu vermeiden, will ich bemerken, daß ich bei den obigen Definitionen von Religion und Naturwissenschaft diese in den Verhältnissen nehme, in welchen sie wirklich existieren. Möglich, daß beide Denksphären unter anderen Umständen nicht so scharf geschieden sind. So z. B.: Wenn eine Religion erschiene, welche der Wissenschaft eine Offenbarung über Sachen der natürlichen Kausalität brächte, solch' eine Religion (vorausgesetzt, daß eine derartige Offenbarung durch Versuche als wahr befunden wäre) -- würde vermutlich auf die Wissenschaft einen ganz berechtigten Einfluß ausüben.
[26] Siehe _Mental evolution in animals_ p. 155-158.
[27] Das Beispiel, um welches es sich handelt, hat wohl Fenelon zuerst benutzt, Paley beginnt mit ihm seine »Theologie der Natur.« Da es nun aber den deutschen Lesern sehr viel weniger geläufig sein möchte als den englischen, andererseits aber in diesen beiden Abhandlungen von Romanes eine große Rolle spielt, so möchte es wohl angebracht sein, es in der Paley'schen Fassung hier wiederzugeben. Es heißt bei ihm folgendermaßen:
»Wenn ich, eine Wüste durchirrend, über einen Stein stolperte und mich fragte: wie mag dieser Stein hierhin gekommen sein? -- dann genügte es wohl zu antworten, daß er zu allen Zeiten dort gelegen haben mag. Es möchte schwer zu beweisen sein, daß eine solche Antwort etwas Widersinniges enthielte.«
»Setzen wir nun aber den Fall, ich hätte statt des Steines eine Uhr gefunden, dann würde die Antwort, daß sie zu allen Zeiten dort gelegen habe, sicherlich nicht so zulässig sein. Woher dieser Unterschied? Weil ich bei der Untersuchung der Uhr vieles entdecke, was ich in dem Stein nicht finden konnte, nämlich: daß an der Uhr verschiedene Teile ersichtlich werden, die alle für einander gemacht erscheinen, und zwar zu einem gewissen Zwecke, daß dieser Zweck die Bewegung ist, und endlich, daß diese Bewegung die Angabe der Stunden, also des Zeitlaufes bezweckt.«
.............
»Habe ich den Mechanismus der Uhr richtig erfaßt, dann erscheint mir auch die Folge ihrer Wirkungen ganz klar. Nämlich ich gewahre, daß ein derartiges Werk von einem klugen Bearbeiter und nicht von ungefähr hervorgebracht sein müsse und daß vorher schon ein Werkmeister vorhanden gewesen sein muß, der das Ergebnis beabsichtigte, als er die Uhr anfertigte.«
»Eine derartige Folgerung würde auch nicht weniger unvermeidlich sein, wenn wir niemals eine Uhr hätten verfertigen sehen oder nie einen Uhrmacher gekannt hätten ......« Der Übersetzer.
[28] [Ich habe um des Arguments willen »verlangen mag« statt »verlangt« gesetzt. -- Der Herausgeber.]
[29] Eine Note (von 1893) enthält folgendes: »Das Sein ist abstrakt genommen logisch dem Nichtsein oder dem Nichts gleichwertig. Denn wenn wir durch immer weiter gehende Abstraktion den Begriff des Seins seiner Attribute und Beziehungen entkleiden, so kommen wir auf den Begriff dessen, was nicht sein kann, d. h. auf einen logischen Widerspruch oder auf das logische Korrelativ des Seins, nämlich das Nichts (alles dies ist in _Caird's Evolution of Religion_ gut ausgeführt). Daß ich diese Thatsache nicht erkannte -- ist ein Hauptfehler in meiner »Unbefangenen Prüfung des Theismus«, wo ich das Sein als eine hinreichende Erklärung der Naturordnung oder des Kausalitätsgesetzes darstellte.«
[30] [Dieses Versprechen ist in dem vorletzten Absatz der Abhandlung nur teilweise erfüllt. -- Der Herausgeber]