Chapter 9
7.»Wie soll ich dir danken, o Herr, für alle deine Wohltaten,«[87] daß du nicht nach meinen Sünden mit mir verfahren und mir nicht nach meinen Missetaten vergolten, sondern dich über mich erbarmt hast, wie ein Vater sich über seine Kinder erbarmt? Wie soll ich dir danken, daß du meine Stütze in all meiner Schwäche warst!»Siehe, ich kam der Pforte des Todes nahe; da rief ich zu dir, und du sandtest mir dein Wort und heiltest mich.«[88] O, laß den geringen Dank meines Herzens für jede Linderung, für jede Tröstung und Erquickung als ein Rauchopfer zu dir emporsteigen.»Ja, Du gabst mich dem Leben zurück, und alle Tage meines Lebens will ich dir dafür danken, indem ich demütig deine Wege wandle und stetig mir vergegenwärtigen will, daß du es gewesen, der mich aus dieser Gefahr und Seelenangst errettet hast.« Verleihe mir deinen Beistand zur Erfüllung meiner Gelübde, daß ich mein Leben deinem Dienste weihe (und der Erziehung meiner Kinder in deiner Furcht) und deinen Namen und deine Güte vor meinem Geschlechte preise. Laß mich stets mit einem dankbaren Sinn mich aller Hilfe, Teilnahme und Tröstungen erinnern, welche treue Verwandte und Freunde mir auf meinem Krankenlager zuteil werden ließen, und alle Freundlichkeit und Sorgfalt und Geduld, die selbst bezahlte Diener mir bewiesen. Jetzt habe ich vollkommen das Weh der Krankheit kennen gelernt; jetzt verstehe ich den Schmerz der Armen, welche auf dem Siechbette seufzen; ach wollest du, o Gott, mir deinen Geist und deine Kraft mir dazu verleihen, sie zu pflegen, ihren sinkenden Mut aufrecht zu halten und ihre Hoffnung durch dein Wort zu beleben! O, Allbarmherziger, laß meine Krankheit meinen Geist geläutert und mich von den Sünden gereinigt haben, daß ich auch ferner deines väterlichen Schutzes würdig sein möge! Behüte du meine Wege, und niemals wird meine Seele aufhören, dir Lob und Dank und Preis zu bringen.
Amen!
[Fußnote 87: Ps. 103, 31.]
[Fußnote 88: Ps. 107, 17-22.]
Gebet für Kranke. (Nach dem Hebräischen)
In einem Krankheitsfalle bete man folgende Schriftstellen:
Ein Leidender, wenn er verschmachtet und seine Klage ausschüttet vor dem Herrn.
(Ps. 102, 1.)
8. Herr! o höre mein Gebet und laß meine Klage vor dich kommen; verbirg dein Angesicht nicht vor mir, sondern neige dein Ohr mir zu in der Stunde der Not, und erhöre mich rasch an dem Tage, da ich zu dir rufe. Ja, zu dir, o Herr, bete ich; demütig flehe ich zu dir; o, sei du auch mein Schild, erhebe mein Haupt und erhöre mich von deinem heiligen Berge. O, höre mich, wenn ich bete, du mein gerechter Gott, der mich in der Not errettet, sei mir gnädig und erhöre mein Gebet. Lausche meiner wehmütigen Klage, o mein König und Gott, denn zu dir bete ich. In meiner Not rufe ich zum Herrn, bete zu meinem Gott, und er hört meine Stimme von seinem hohen Himmel; meine demütige Bitte erreicht sein Ohr. Ja, höre meine Stimme, o Herr, nun ich dich anrufe, sei mir gnädig, und erhöre mich. Ich rufe zu Gott und der Herr errettet mich. Höre, o Herr, meinen Ruf und lausche meinem Gebet. Sei mir gnädig, o Herr, den ganzen Tag rufe ich zu dir; erfülle die Seele deines Dieners mit Freude, denn zu dir, o Herr, erhebt sich mein Geist, und du, o Herr, bist gut und gnädig und erbarmst dich über den, der dich anruft. Mit lauter Stimme bete ich zum Herrn, und ich schütte vor ihm meine Klage aus und erzähle ihm meine Drangsale. Herr, du kennst mein Sehnen und mein Seufzer ist dir nicht verborgen, o erinnere dich nicht meiner Jugendsünden, sondern sei gnadenreich gegen mich um deiner Güte willen, o Herr! Reinige mich von meinen Sünden, läutere mich von meiner Schuld. Ja, gedenke nicht der Sünden meiner Vorzeit, sondern laß dein Erbarmen mir rasch zuteil werden, denn ich bin sehr elend. Um deines Namens willen, o Herr, vergib mir meine Sünden, denn sie sind sehr schwer, und wolltest du nach der Sünde bestrafen, o Herr, wer könnte da vor dir bestehen? Behandle uns nicht nach unserer Schuld und strafe uns nicht nach unserer Sünde. Und zeugen unsere Sünden wider uns, o Herr, so achte nicht darauf, um deines Namens willen, denn ich kenne meine Sünden und bin bekümmert ob der Schuld meiner Vergehen. Errette mich von den Folgen aller meiner Übertretungen, daß ich nicht zum Spott der Toren werde. Ich bitte, o Herr, sei mir gnädig, heile meine Seele, denn ich habe wider dich gesündigt; sei mir gnädig in deiner Barmherzigkeit und tilge meine Schuld in deinem unendlichen Erbarmen, denn ich bekenne meine Schuld und habe stets meine Sünden vor Augen. Ja, so wende dein Angesicht von meiner Schuld ab und tilge meine Sünde. Ich muß erliegen unter meiner Sündenschuld, aber vergib du sie mir, denn du Allbarmherziger vergibst die Schuld und vernichtest nicht; so manches Mal hast du deinen Zorn besänftigt, o, so laß deinen Groll denn auch über mich nicht entflammen! Hilf mir, errettender Gott, um der Ehre deines Namens willen. Hätte ich auch Unrechtes in meinem Herzen gedacht, in dem Wahn, daß du es nicht wissest, du, der Allwissende, o Gott, so höre doch nur auf meine betende Stimme: Strafe mich nicht in deinem Zorn, o Herr, denn ich welke dahin; heile mich Herr, denn meine Glieder werden matt und meine Seele ist gar müde! Ach Herr! Wie lange soll es währen? Wende dich wieder zu mir, o Herr! Rette meine Seele, hilf mir um deiner Gnade willen, meine Augen schauen mit Sehnsucht aus nach deiner Hilfe, nach der Vergebung deiner Gnade; o laß dein Erbarmen sich mir nahen, o Herr, sende mir die Hilfe, die du versprochen hast. Ich will wieder umkehren zu dem Herrn, denn er verwundet wohl, aber er heilt auch wieder, und wie er verletzt, so verbindet er auch. Ja, du, o Herr, bist barmherzig und gnädig, schenke deinem Diener Kraft und hilf dem Kinde deiner Dienerin. Schütze mich vor Not, umgib mich mit dem Jubel der Errettung. Vertraue dem Herrn auf ewig, denn der Herr ist der ewige Fels. Der Herr gibt seinem Volk den Sieg und segnet es mit Frieden. Gott der Heerscharen! Glücklich ist der Mensch, der sein Vertrauen auf dich setzt; Herr, errette mich, mein König! erhöre mich, wenn ich zu dir rufe. Herr der Welt! Ich weiß, daß dein Urteil gerecht ist: Du hast mich vor deinen Richterstuhl gerufen, aber ich bin nicht rein vor dir, und keiner kann mich vor dir rechtfertigen. Aber du willst meine schlafende Seele retten, daß sie sich wende zu dir; o siehe ich trete vor dich im Vertrauen auf deine heilige Zusage, daß ich durch Gebet mir Linderung und Errettung bereiten soll, um gerechtfertigt vor deinen Richterstuhl treten zu können. O, wende du in deiner großen Gnade das strenge Urteil von mir ab und befiehl dem Engel des Verderbens, daß seine Hand von mir ablasse! Vergib mir alle meine Schuld in deiner großen Barmherzigkeit, denn ich halte Umkehr und tue Buße und sehe vollkommen meine Schuld ein und bereue sie von ganzer Seele. Siehe, mein Herz wird von Scham erfüllt und mein Angesicht wird rot vor Beschämung, denn ich habe gar sehr gesündigt, und deshalb eile ich, zu dir zurückzukehren. Schaue denn, o Herr, meine Not an und rechne sie mir zur Versöhnung; o, wache über mich und alle Meinen und sprich: Es sei genug! Im Namen des Ewigen! Laß doch meine Leiden ihr Ende nehmen und wende mein Los zum Guten und sende mir und allen Kranken in Israel baldige Heilung. Zeige mir ein Zeichen der Errettung und erbarme dich über mich um deiner Gnade willen, denn deine Barmherzigkeit ist so hoch wie der Himmel, und deine Treue reicht weiter, denn die Wolken gehen. O Herr! Ewig will ich dir dann danken und deine Wunder verkünden. Ich beuge mich in Demut vor dir, und ehre deinen Namen. Gelobt seist du, o Herr, in aller Ewigkeit.
Amen!
Betet man für einen andern, so füge man hinzu:
Erbarme dich über meinen kranken (Gatten, Sohn usw.), denn du bist barmherzig und gnädig, und sende ihm (ihr) und allen Kranken in Israel vollkommene Genesung. Herr, zeige mir ein Zeichen der Errettung zum Guten, erbarme dich über mich um deines Namens willen, denn deine Güte und Treue reichen hinauf zum Himmel und so weit die Wolken gehen. Ewig will ich dir dann danken und alle deine Wunder verkünden. Gelobt seist du, o Herr, in aller Ewigkeit[89].
Amen!
XXII. Gebete während einer ansteckenden Krankheit.
Gebt dem Herrn, Eurem Gott, die Ehre, bevor er es finster werden läßt, und bevor eure Füße anstoßen gegen die dunkle Höhe. (Jer. 13, 16.)
1. Allmächtiger Gott! Du erinnerst uns Menschenkinder daran, daß wir Staub und Asche sind; denn über unsere Stadt ist die schlimme Zeit hereingebrochen, von der es heißt: « Das Volk soll geängstigt werden und umhergehen wie Blinde, weil es gegen mich gesündigt hat«(Zeph. 1, 17). Ach, schon hören wir das Seufzen der Angst und bemerken die Zeichen des Schreckens auf dem Antlitz vieler Leute, während unser Inneres bebt und fragt: wer kann oder wird uns doch retten? Wir tappen umher in der Finsternis, die sich über uns gelagert hat.--O du, dessen Barmherzigkeit ohne Ende ist, dessen Güte sich mit jedem Morgen erneuert, sieh unsere Bekümmernis, öffne unsere Augen und lehre uns begreifen, daß du es bist, der Allbarmherzige, der diese Zeit über uns geschickt hat, auf daß wir unsere Ohnmacht erkennen und uns überzeugen, daß du dich gegen dein sündiges Kind als ein lieber Vater zeigst, der es wieder in Gnaden annehmen will. Sende uns deinen Geist, daß diese Zeit der Heimsuchung zu unserer Heiligung diene; denn ach, wir müssen bekennen, daß wir dich lange nicht über alles in der Welt geliebt haben, wie wir es dir schulden. Nicht auf dich haben wir unser Vertrauen gesetzt, sondern auf vergängliche Dinge, auf schwache Menschen. Eitelkeit und Habsucht, Hochmut und Haß, Neid und Wollust beherrschen uns. O lieber Gott, laß uns deine Güte in dieser schlimmen Schickung erkennen, daß sie uns läutere und reinige, und laß sie auch mich also rühren, daß ich zu dir wieder mit getrostem Mute aufschauen kann, wie ein Kind zu seinem Vater, in der Gewißheit, »daß du mich nur strafst, aber nicht auch dem Tode hingibst.« O du, der du gut bist und gerne vergibst, der du Erbarmen gegen den zeigst, der dich anruft, o vergib mir meine Sünden und laß mich deine Vaterstimme hören, die mir zuruft:»Du bist nicht verlassen, ich bin bei dir in der Not, ich will mich über dich erbarmen und will dich aus derselben erlösen!« Erschaffe in mir ein reines Herz und einen neuen, beständigen Geist erneuere in meinem Innern. Du, der du mein Vater bist, mein ewiger Erlöser, gelobt sei dein Name.
Amen!
[Fußnote 89: Ps. 57, 11. 108, 2.]
Gebet um Mut.
Wenn ich mitten in Angst wandere, so erquickst du mich. (Ps. 138, 1.)
2.»Zu dir, o Gott, rufe ich, und bete, o, laß mein Seufzen nicht unerhört zurückkehren.« Dich suche ich auf in dieser Zeit der Not und nach dir strecke ich meine Hand aus in der Nacht, wenn nichts meine bange Seele erquicken will, denn rings um mich her verbreitet der Tod seine Schrecken, und der Mut verläßt mich. O, mein Vater, du bist bisher mit mir gewesen, verlaß mich auch jetzt nicht, sondern erneuere in mir deine gnadenreiche Verheißung:»Fürchte dich nicht, denn ich bin bei dir in der Not; verzage nicht, ich bin dein Helfer; ich stärke dich und behüte dich, ich unterstütze dich mit der Hand meiner Gerechtigkeit.« Flöße mir Mut ein, daß ich, umringt von den Schrecknissen des Todes, sicher ausrufen möge:»Der Herr ist mit mir, deshalb fürchte ich nichts!« O, nicht nur um meinetwillen sondern auch für die, welche verzagt und in des Todes Ängsten wandeln, bitte ich dich: gib mir Mut, daß ich sie in ihrer Furcht beruhigen, daß ich zur Hilfe eilen könne, wo jemand niedersinken will, und daß ich ihre angsterfüllten Herzen stärken könne.--Ich bitte um Mut und Kraft für die, deren Beruf es ist, die Kranken zu besuchen, daß sie auf dich vertrauen und es erfahren, wie »du ihren Mut und ihre Kraft vermehrst, daß sie gehen und nicht ermatten, daß sie laufen und nicht müde werden!« Wir sind ja in deiner Hand, wie sehr wir auch bedroht sind, und nichts kann uns widerfahren, ohne daß es von dir geschickt ist, und niemand stirbt, bevor seine Zeit verflossen, die du ihm zugemessen hast! Soll ich da Furcht hegen in den bösen Tagen, in denen meine Treue ja recht geprüft werden soll, wenn ich glaube, daß es ein weiser und liebevoller Lenker ist, dessen Augen offen sind über den Wegen aller Menschenkinder, und der über Leben und Gesundheit eines jeden wacht; wenn ich glaube, daß « wir einen Gott haben, der da hilft, und den Herrn, der vom Tode errettet!« O, Herr, vergib mir meine sündige Schwäche, laß mich schöpfen aus der Quelle des Lebens, aus der Gottesfurcht und den Schlingen des Todes entgehen. So sei denn ruhig, meine Seele; weshalb bist du so niedergebeugt und stürmst in mir? Warte auf den Herrn, denn ich soll ihm noch danken, daß er mein Helfer war! O Herr, stärke mich, durch Unerschrockenheit deinen Namen zu verherrlichen und ihn vor den kommenden Geschlechtern zu preisen. Zeige dich gütig gegen mich, daß ich leben möge und deine Gebote halte.
Amen!
Tröstung.
Gott, wir hören deine Stimme durch die Welt erschallen--und beben:--o Ewiger, erhalte deine Geschöpfe, denke im Zorn daran, dich zu erbarmen, bevor die Jahre verrinnen, daß der Himmel mit deiner Herrlichkeit erfüllt und die Erde deines Ruhmes werde. (Hab. 3.)
3. Der Herr ist meine Stärke, mein Schild! Auf ihn hofft mein Herz, und mir ist geholfen; deshalb freut sich mein Geist, und auch meine Glieder wohnen in Sicherheit. Wenn auch ein Unwetter rast, und giftige Dünste sich ausbreiten, mein Herz fürchtet sich doch nicht, denn der Herr stillt das brausende Meer und das Getöse der verheerenden Wogen. Ja, du, Herr! hältst deine Hand über mich, daß kein Übel mich vernichte, wie groß und gewaltig es auch sei. In deiner Hand, o Ewiger, ruhen ja meine Lebenstage; welche Gefahr kann mir wohl drohen, wenn du mein Felsen bist, an dem ich mich festhalte? Du bist ja mein Hirt, dessen Stab mich leitet; du birgst mich in deiner Hütte zu der schlimmen Zeit und bewahrst mich und alle die Meinigen vor Krankheit und Plage; denn wenn du auch im Himmel thronst, so schaust du doch mit holdem Vaterblick auf deine Menschenkinder herab. Du scheinst sie wohl für eine kleine Stunde zu verlassen, aber wendest dich ihnen bald in deiner großen Barmherzigkeit wieder zu. Deshalb will ich auf dich bauen, daß du mich wie mit einer Mauer von Feuerflammen umgibst und mich errettest, daß ich alle deine Wundertaten verkünden kann.
Amen!
Ergebenheit in Gottes Willen.
Und sie riefen zum Herrn in ihrer Not, und er half ihnen aus ihrer Angst. (Ps. 107, 13.)
4. Umgeben von den Schrecknissen des Todes, umringt von den Ängsten der Drangsale und der Betrübnis, sucht mein bekümmertes Herz dich, du Herr des Lebens und des Todes, der die Stunde bestimmt hat, in der wir von hier scheiden sollen, und ich bete zu dir, daß du meine Seele mit Ergebung in deinen Willen erfüllen mögest, so daß ich vertrauensvoll mich dir hingebe und spreche:»Siehe, hier bin ich, Allgütiger, tue mit mir, wie dir am besten scheint!«(1. Sam. 15, 26.) Ach rings um mich her rast ja die verheerende Krankheit, und der kalte Flügelschlag des Todes trifft so viele, die noch so frisch und froh ins Leben dreinschauen; er schont weder das Alter, noch die kraftvolle Jugend. Was kann da mein Herz stärken, wenn es verzagen und verzweifeln will, als nur allein der Gedanke, daß meine Zukunft, mein Schicksal in deiner lieben Hand ruht? Du hast mir das Leben verliehen, und in deiner Macht steht es, dasselbe wieder zurückzunehmen, aber gewiß wirst du es nicht tun, ohne daß auch darin deine Liebe, deine Gnade sich mir offenbart.»Herr, in deine Hand befehle ich meinen Geist; du wirst mich erlösen, wenn du es für gut findest, du wahrhaftiger, getreuer Gott!«--Mit Sorgfalt will ich mich vor allem hüten, wodurch ich leichtsinnig mein Leben in Gefahr bringen könnte, und will suchen, dasselbe durch Mäßigkeit, durch Ordnung in meinem Lebenswandel, durch einen wohlzufriedenen und ruhigen Sinn und durch die Kunst und Klugheit des Arztes zu beschützen. Aber ich will auch bereit sein, von hier zu scheiden und mich deshalb im Geiste mit allen versöhnen, die irgendwie mich gekränkt oder beleidigt haben, und ich will alle äußeren und inneren Angelegenheiten meines Lebens ordnen und eine innige Gemeinschaft mit dir suchen, daß ich nicht unvorbereitet vor dein Angesicht treten möge, wenn du mich zur Ewigkeit rufen solltest.--Allgütiger! deinem Schutze und deiner Leitung befehle ich mich und diejenigen, welche mir lieb und teuer sind. Dir überantworte ich mein und ihr zeitweiliges und ewiges Wohl, und mein Herz ist ruhig und gefaßt. Weshalb sollte mir vor dem Tode und seiner vernichtenden Hand grauen? Mein Leben und meine Seligkeit ist ja in deiner Hand und wird von deiner Liebe behütet, die stärker ist als der Tod. Deshalb verzage nicht, meine Seele, sondern befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn, denn er wird's wohl machen.
Amen!
Gebet um das Morgen-und Abendgebet im Gotteshause oder daheim zu beschließen.
5. Herrscher der Welt! Ewiger, barmherziger Gott, der voll Güte und Erbarmen ist, und in dessen Hand die Seelen aller Lebendigen ruhen, o, gehe nicht ins Gericht mit uns, denn kein Menschenkind kann sich vor dir rechtfertigen. Wie sollen wir, o Allmächtiger, unsere Schuld abbitten, und womit uns vor dir verantworten? Wenn du uns unsere Sünde anrechnen willst, wer könnte da vor deinem Zorn bestehen, aber erhöre uns um deines heiligen Namens willen und blicke gnädig vom Himmel auf uns nieder und laß mein und aller Gebete, die in dieser Zeit zu dir aufsteigen, dir angenehm sein wie das reinste Rauchopfer, welches uns in früheren Tagen deine Versöhnung und Errettung gewann. Vergib und verzeihe diesem Volke seine Sünden in deinem großen Erbarmen, o du, der du allen denen nahe bist, die dich in Wahrheit anrufen! Neige dein Ohr unserer heißen Bitte und wende jede Krankheit und Seuche von uns ab; errette alle, die in dieser Stadt und diesem Lande wohnen von Pest und Plage! Laß deine Barmherzigkeit über uns alle, nah und fern, wachen, und sende deinen Engel vor uns her, daß wir unerschrocken im Vertrauen auf dich wandeln, und keine Plage sich unserer Wohnung nähere; heile uns, so sind wir geheilt, hilf uns, so ist uns geholfen, denn du allein bist unser Ruhm und unsere Zuflucht. Allerbarmer, treuer Arzt, alliebender Vater! verbirg dein Angesicht nicht vor uns, sondern lausche in unserer Not auf unsern Angstruf; schweige nicht zu unsern Tränen und züchtige uns nicht in deinem Zorne; suche uns nicht heim in deinem Grimme, verlaß uns nicht in unserem Kummer, verwirf uns nicht, wenn unsere Kräfte schwinden, sondern erinnere dich deiner unendlichen Güte und behalte zurück das schlimme Verhängnis; stärke die Schwachen, daß unsere Herzen mit Mut erfüllt werden, und sei uns gnädig um deines heiligen Namens willen. O, eile uns zu Hilfe, daß wir nicht unter dem Drucke der Leiden erliegen, befreie uns von allem Bösen, und laß uns nicht unerhört von deinem Angesichte gehen, sondern laß dein Antlitz uns in Gnade leuchten, auf daß ich und wir alle uns deiner Hilfe freuen und durch deine Rettung froh werden mögen.
Amen!
Danach lese man abwechselnd 2 von folgenden Psalmen Davids. 6. 20. 23. 25. 27. 30. 32. 33. 34. 38. 41. 88. 86. 90. 91. 102. 103. 116. 118. 121. 130. 143.
Ein anderes Gebet, um die Morgen-und Abendandacht zu beschließen.
6. Alliebender Vater! getreuer Gott, der du in deiner Langmut uns unsere Sünden vergibst und alle unsere Krankheiten heilst, der du unser Leben vom Grabe errettest und uns mit Güte und Barmherzigkeit krönst, o, neige dein Ohr meinem und aller Gebet in dieser Zeit der Heimsuchung und sende Heilung für mein zerknirschtes Herz! In Demut bekenne ich vor dir, daß meine Sünden groß und zahlreich sind, ach, und daß keiner von uns vor dir würde bestehen können, wenn du uns unsere Schuld anrechnen wolltest; aber du vergiltst uns nicht nach unseren Missetaten! Denn so hoch der Himmel über der Erde ist, so hoch erhebt sich deine Gnade über uns; du erbarmst dich ja über uns, wie sich ein Vater über seine Kinder erbarmt, o laß denn deine Güte mit uns sein und zeige uns das Zeichen der Errettung! Hilf uns unter allen schlimmen Heimsuchungen, unter all den schweren Schickungen und Strafgerichten, welche du über die Welt verhängst; sei uns nahe, während wir beten, zerteile die dunkle Wolke, die sich über uns gelagert hat, und entferne von uns jede Krankheit und Plage, ja errette uns von der bösen Seuche, die sich über so viele Lande verbreitet hat! O, nimm dieses Unheil fort von deiner Erde und laß das Verderben unsere Wohnung nicht erreichen; befreie uns von aller Angst, vor der Pest, die im Dunkel einherschleicht, und vor der Plage, die in der hellen Mittagsstunde Verderben bringt. Erfülle an uns deine Zusage, »daß du denjenigen Speise und Trank segnen und von denen jede Krankheit abwenden willst, die dir dienen! Und sind wir auch nicht würdig, erhört zu werden, o, so tue es um der Unmündigen und Säuglinge willen, die dein Reich auf Erden befestigen sollen, und die nicht gesündigt haben! O, siehe unsere Reue, höre auf unser Seufzen, und laß es uns erfahren, daß du keine schlimme Krankheit über uns kommen lassen willst, wenn wir deiner Stimme gehorchen und tun, was recht vor deinen Augen ist und deine Gebote halten, denn du, Allwissender, Ewiger, bist unser Arzt! O, so heile denn mein zerknirschtes Herz, heile die Wunden aller! Erbarme dich über alle diejenigen, welche von Bekümmernis, Leiden oder Schmerzen ergriffen sind, sei allen denen nahe, die da krank sind, unterstütze sie auf ihrem Lager, laß sie gesunden, verlängere die Zahl ihrer Tage und schenke ihnen wieder ein freudenreiches Jahr! Laß die Stimmen des Frohsinnes in unserem Lande wieder laut werden, laß die Stunde der Freude aufs neue für diese Stadt erscheinen, daß wir in dein Haus eilen und dir Dankopfer für die Errettung, die du uns gesandt hast, darbringen können. Schenke mir und schenke uns allen Leben und Kraft, deinen Namen zu preisen und zu bekennen, daß auch dieser bittere Kelch zu unserm Seelenfrieden gedient, uns vom Verderben gerettet hat; denn »du warfst alle unsere Sünden hinter uns.« O, laß die Worte meines Mundes, die Gedanken meines Herzens dir gefallen, Herr, mein Erretter.
Amen!
XXIII. Gebete auf dem Friedhof.
Über die Sitte, die Grabstellen zu besuchen und dort zu beten.
»Siehe, ich lege dir Leben und Tod vor, wähle das Leben!«(5. B. Mos. 30, 15. 19)
So lauten die Worte der Schrift: Wähle das Leben, denn alle Lehren und Gebote in der heiligen Thora gehen nur auf das Leben (Ezech. 20, 11.), und des Glaubens Kraft soll sich für das Leben und in demselben wirksam zeigen.
Diese Worte geben uns den Grund dafür an, warum der Israelit seine Heiligtümer nicht auf Grabeswölbungen baut, nicht das Tote zum Grund für die Saat des Glaubens wählt und keinen Reliquien-Dienst kennt; und wie hoch er auch den entseelten Leichnam achtet, als die Hülle, die einst gewürdigt gewesen ist, den göttlichen Geist zu tragen, so daß die Geringschätzung einer Leiche als Gotteslästerung bezeichnet wird (Berachoth 19), so verbietet seine Religion doch, eine Leiche zur Schau zu stellen oder Prunk mit derselben zu entfalten, um der Eitelkeit Nahrung zu geben, wenn die Verwesung schon davon zeugt, daß sie eine Beute des Grabes ist.
Bei jedem Todesfall soll das Gefühl von dem Ernst des Lebens und seinem raschen Entschwinden bei uns geweckt werden, so daß wir aufs neue unser Dasein zur nützlichen Wirksamkeit unter den Menschen heiligen, zu einem heiligen Wandel vor dem Unsichtbaren, und wenn man auch die Stätten bezeichnen soll, wo teure Entschlafene ruhen (Ezech. 39, 15.), so soll es doch nicht durch kostbare Denkmäler geschehen; denn gute Werke sind die schönsten Monumente, welche die Hinterbliebenen für die Verklärten errichten und edle Handlungen die schönsten Blumen, die auf ihren Grabeshügeln gepflanzt werden.[90]