Chapter 8
Ewiger, gerechter Gott! hart ist die Prüfung, die du mir auferlegt hast, ich bin elend und verlassen; denn meinen Vater, den du mir zum treuen Führer und Versorger gabst und meine Mutter, deren Obhut und Liebe mich zu dir leiten sollte, ich sehe sie nicht mehr!--Ach, wo soll ich denn jetzt hingehen, wo Trost und Rat suchen? O, wie sehr habe ich mich nicht versündigt, daß ich das Glück, einen lieben Vater, eine liebe Mutter zu besitzen, nicht hinreichend zu würdigen wußte, und daß ich nicht dankbar genug war für alles, was du mir in ihnen gegeben hast. Ach, wie einsam und niedergeschlagen fühle ich mich jetzt! O, du selbst, Allgütiger! öffne du mir den Schatz deines Trostes! Noch hast du ja niemals eine Seele verlassen, welche dich nicht verließ, sondern du halfst dem Elenden, der dich um deinen Beistand bat, und auch mir wirst du helfen. Du verkündigst mir in deinem Worte, daß, »wenn auch Vater und Mutter mich verlassen haben, so willst du dich, mein ewiger Gott und Vater, doch meiner annehmen.« Leite mich denn und führe mich; laß im Geiste mich stets umschwebt fühlen von jenen geliebten und verklärten Seelen, und laß mich durch einen gottesfürchtigen Wandel ihr Andenken ehren und ihnen so den schuldigen Dank darbringen. Sei du nun selbst mein Vater, der mich auf den Armen seiner Liebe trägt und mir den Bedarf des Lebens spendet. O gib, daß die Menschen, die sich freundlich an Stelle meiner Eltern meiner annehmen, auch Sorge tragen für das Wohl meiner Seele, und vergilt du ihnen all das Gute, welches sie in deinem Namen mir erweisen. Wohne du in meinem Herzen, und lenke meinen Weg so, daß ich mit Recht mich dein Kind nennen kann, mein himmlischer Vater, das Wohlgefallen vor dir und in den Augen der Menschen findet. Erhöre mein und aller Waisen Gebet; o gnadenreicher Gott, du ewiger Helfer.
Amen!
XVI. Im Alter.
Treuer, ewig lebendiger Gott, »der den Müden Kraft verleiht und dem Ohnmächtigen große Stärke,« du, der versprochen hat, bis zum Alter mit uns zu sein, o, du hast gnädig diese Zusage für mich gehalten, und ich bringe dir meinen Dank, »daß du mich von meiner Jugend an geleitet und mich mit Barmherzigkeit und Gnade umgeben hast, bis ich alt geworden bin.--O, verlaß mich denn nun auch jetzt nicht, da ich fühle, daß meine Kräfte schwinden und meine Sinne stumpf werden.»Erinnere dich der Sünden und Übertretungen meiner Jugend nicht, aber gedenke meiner nach deinem Erbarmen um deiner Liebe willen.«[71] Verleihe mir Kraft, die Bürden des Alters mit Geduld zu tragen, und laß mich durch fromme Ergebung für alle, die um mich her wohnen, eine lebendige Ermahnung sein. Und je schwächer meines Leibes Augen werden, um so mehr laß mich den Blick nach Innen wenden, daß ich mein Inneres läutere und in den Gedanken an dich Ruhe gewinne. Ja, laß es mir in den paar Tagen, die mir noch zugemessen sind, glücken, dem jüngeren Geschlecht ein gutes Beispiel zu geben, daß die Worte, welche ich rede, zur Verherrlichung deines Namens dienen mögen, und die Handlungen, welche ich vollbringe, ein Zeugnis seien der Reinheit und Treue meines Glaubens und der Liebe in meinem Herzen. Und stärke so mich in des Lebens letztem Streit, daß ich dann deutlich den Ruf deiner Liebe vernehme:»Fürchte nichts, denn ich erlöse dich; ich rufe dich bei deinem Namen, denn du bist mein,« und daß ich noch mit meinem letzten Atemzug deinen Namen bekennen und preisen möge.
Amen!
[Fußnote 71: Ps. 25, 7.]
XVII. Bei der Fortreise von der Heimat.
Allgütiger Gott, der du unsere Schritte lenkst und einem jeden Menschen seinen Weg bahnst, laß mich in deinem Namen diese Reise antreten und beendigen. Sei du in deiner Gnade mein Begleiter, daß ich sicher wandern und Ziel und Zweck erreichen möge. Beschütze mich auf meinem Wege, daß mich kein Unheil treffe, entferne jede Gefahr von mir, jedes Hindernis, daß ich meine Reise gesund und rasch zurücklege, daß ich ungestört ausziehen und in Frieden wieder heimkehren könne. Aber während ich in der Ferne bin, nimm du meine Lieben (meinen Vater, Mutter, meinen Mann, meine Kinder usw.) in deinen Schutz, daß ich sie in Freuden wieder umarmen kann, wenn ich zurückgekehrt bin. Deine Rechte leite mich, wo ich auch gehe, und dein Gotteswort sei mir ein leuchtender Stern auf meinem Pfade. Es preise dich mein Mund und stimme froh an als Wanderlied:»Gottes Name ist eine feste Burg, in ihm pilgert der Fromme und ist geschützt.«[72]
Amen!
[Fußnote 72: Spr. Sal. 18, 10.]
XVIII. Für einen Abwesenden, der auf der Reise ist.
Lieber Gott! Mit Vertrauen wende ich mich an dich, um dich um deinen Schutz für den zu bitten, mit dem meine Seele so fest verbunden ist, für meinen teuren Gatten (meinen Vater usw.), der so fern von seiner Heimat ist. Wie meine Gedanken bei ihm verweilen, so wache du über ihn auf allen seinen Wegen; wenn er reist und wenn er sich ausruht, so sei du sein Beschützer und sein Schirmer, schütze ihn vor des Tages Hitze und den Gefahren der Nacht, halte jedes Übel fern von ihm und laß all sein Vorhaben gelingen. Führe du, von dem allein alle Hilfe und aller Segen kommt, ihn glücklich zurück, und wir wollen dich einmütig preisen und dir danken, du Gott der Barmherzigkeit, mein Schild, auf den ich mich verlasse.
Amen!
XIX. Wenn ein Kind auf Reisen ist, füge man hinzu:
Ewiger, du, vor dessen Angesicht meine Väter gewandelt sind, du, der du bis auf diesen Tag mein Hüter gewesen bist, segne du mein Kind auf seinem Wege und laß deinen Engel ihn (sie) leiten, daß er (sie) Wohlgefallen vor deinen und der Menschen Augen finden möge. Führe ihn (sie) sicher und ruhig, wo er (sie) vielleicht einen gefährlichen Weg wandelt, laß ihn (sie) an Kenntnis, Einsicht und nützlicher Erfahrung wachsen, daß sein (ihr) Werk gesegnet werde. Lenke seinen (ihren) Fuß auf den Pfad der Frommen, wo Leben und Wahrheit ist, daß er (sie) nicht auf den Weg des Unrechts gerate, und daß er (sie) den Versuchungen und Verführungen entgehe, die seine (ihre) Tugend und seinen (ihren) Glauben bedrohen. Laß seinen (ihren) Gedanken oft die Erinnerungen und Ermahnungen vorschweben, die ich ihm (ihr) gegeben habe, lenke oft seine (ihre) Schritte in dein Haus, daß er (sie) in der Versammlung der Gemeinde dich anbete und das Bekenntnis seines (ihres) Glaubens erneuere, daß meine Seele dereinst, sei es hier auf Erden oder dort in der Ewigkeit, Freude an ihm (ihr) habe.»Auf dich, o Gott, setze ich alle meine Hoffnung, du wirst mich erhören.« Amen!
XX. Gebete in jeder Art der Not und Seelenangst.
(Heimlicher Kummer, Verfolgung, Verleumdung, Untreue der Freunde und Anfechtungen.)
1. O, Gott der Liebe, der du so oft meine Gebete erhört hast, verstoße mich nicht von deinem Angesichte, wenn ich in heimlicher Bekümmernis und Betrübnis mich zu dir wende. Du allein kennst meine Sorge; du kennst die Angst, die mich erdrücken will, und du weißt, was es ist, das mich quält. Du weißt, unter welcher Bürde mein Herz seufzt, und du bist Zeuge meiner Tränen, die ich heimlich weine; denn du bist es ja, der selber mir diese Prüfung geschickt hat. O du, mein Gott, »auf den ich von Jugend an meine Sorge geworfen habe,« sei du dann auch mein Trost und hilf mir. Sei mir nicht ferne, sondern komm und stehe mir bei, o Herr, mein Helfer, daß ich dir danken möge, wenn die Betrübnis von meiner leidenden Seele wieder gewichen ist.
Amen!
2.»Wie lange, Herr, willst du mich so ganz vergessen? Wie lange willst du dein Angesicht vor mir verbergen? Wie lange soll ich in meiner Seele sorgen und tägliche Trauer in meinem Herzen fühlen?«[73] Vergebens wende ich mich zur Rechten und vergebens zur Linken; ach Herr, mein Gott, die Menschen sind nur schlechte Tröster, die fassen meinen Schmerz nicht und wollen meine Klagen nicht hören, ja, selbst die, auf deren Freundschaft ich rechnete, sind mir untreu geworden, und ihre Gunst und Hingebung war nur auf flüchtigem Sand gebaut. O du, der du ewig derselbe bist, »mein Herz bringt vor dich dein eigen Wort.«»Suche mein Angesicht!« Nun suche ich dein Angesicht, Herr, und du hast ja gelobt, daß du den nicht verlassen willst, der dir vertraut, und daß du deine Hand nicht von ihm ziehen willst; o, so laß mich deine väterliche Liebe zu mir auch in der Züchtigung erkennen, und »ich will schweigen und meinen Mund nicht auftun, denn du bist es ja, der es getan hat.«[74] Ja »ich will stille sein und auf dich hoffen und dadurch wahre Stärke gewinnen.«[75] O, so zeige mir deine Gnade wieder; sprich zu mir:»Ich bin bei dir in der Not; fürchte dich nicht, zage nicht, denn ich bin dein Gott, ich stärke und erhalte dich.« Amen!
[Fußnote 73: Ps. 13, 1-2.]
[Fußnote 74: Ps. 27, 8.]
[Fußnote 75: Ps. 39, 9.]
3. Ewiger,[76] du bist mein Licht und meine Seligkeit, vor wem sollte ich mich da fürchten? Du bist meines Lebens Kraft, o Herr, vor wem sollte mir wohl grauen? Laß nur meine Feinde sich wider mich erheben und wider meine Seele stürmen; denn sie werden stürzen. Wenn auch rings um mich her Heere lagern, so soll mein Herz doch nicht verzagen; denn du birgst mich in deiner Hütte in der schlimmen Zeit, und du öffnest deine feste Burg mir als Zufluchtsstätte, daß ich ruhig und sicher leben kann trotz aller Gefahr. Böse Zungen erheben sich wider mich und suchen mit ihren giftigen Pfeilen mich zu treffen; aber du, o Gott, bist mein Schild, so daß ich frei mein Haupt erheben kann, und du willst mich zu Ehren bringen. O, so laß mich denn deine Gnade im Land der Lebenden erfahren; laß mich ruhig meinen Weg wandeln und erfülle meine Seele mit Geduld, daß ich auf dich vertraue, daß ich nicht verzage, und daß auch dieses Ungemach meinem Geist zum Frommen und zur Rettung diene.»Laß jedes unfreundliche Urteil, das über mich gefällt wird, jede Verkennung, die mich trifft, eine ernstliche Erinnerung daran sein, daß ich einst zur Rechenschaft gefordert werden soll, so daß ich Selbstprüfung über meinen Sinn und meinen Wandel anstelle; laß mich einen Beweis darin sehen, »daß ich Wohlgefallen vor deinen Augen gefunden habe,« und stärke mich so in der sicheren Hoffnung, »daß du mich hier auf Erden erhältst und mich einst zu ewiger Seligkeit bei dir erheben wirst.«[77]
Amen!
[Fußnote 76: Nach Ps. 27.]
[Fußnote 77: Ps. 41, 12-13.]
4. Trübe Gedanken umdunkeln meine Seele, und Angst und Verwirrung überkommen mich. Ach Herr, was hab' ich doch getan, daß ich keinen Frieden finden kann? Es ist, als wenn am Tage böse Geister mich bei allen meinen Handlungen verfolgten und als ob sie bei Nacht mein stilles Lager umschwebten und sich eindrängten, wenn ich meine Seele zu dir erheben will. Vergebens kämpfe ich, alle die bösen und schrecklichen Vorstellungen zu verjagen, aber es gibt nichts, das mich erretten kann.»O, so erhöre du mein Flehen, und laß mein banges Seufzen nicht unerhört von dir zurückkehren,« du, Allmächtiger, denn du allein nur kannst alle meine Plagen enden. O, sei mir nicht ferne, sondern gib mir durch deinen Geist Kraft, diesen finstern und bösen Gedanken zu widerstehen. Auf dich setze ich meine ganze Hoffnung, ach, laß sie nicht zu schanden werden, sondern laß das Licht deines Angesichtes mir leuchten, wenn die bösen Stunden kommen, daß ich mich von deiner Vaterliebe umgeben fühle und errettet werde.
Amen!
XXI. Gebete in Krankheit.
Eine Kranke.
1. Ewiger, der du lauter Erbarmen und Wahrheit bist, gar vielfach sind die Wege, auf denen du den Menschen zu dir ziehst, wenn wir nur wüßten, uns ihrer mit Nutzen zu bedienen. Lange hast du in deiner Güte mir gesunde Tage geschenkt; ach, vielleicht habe ich dir nicht genugsam dafür gedankt; vielleicht habe ich die Kräfte meines Körpers nicht gebraucht, wie ich sollte, und habe nicht geachtet der Seufzer und Klagen der Leidenden, daß ich ihnen zur Hilfe eilte und ihre Not linderte; vielleicht achtete ich die eitlen Güter zu hoch;--siehe, da führst du mich jetzt andere Wege. Krankheit hat meinen Leib ergriffen und in Schmerzen liege ich danieder auf meinem Lager und wälze mich hin und her in der schlaflosen Nacht und finde am Tage keine Ruhe. Du, der du nur das Gute willst, hast mich vielleicht von Krankheit heimsuchen lassen, damit ich, der in den Zerstreuungen der Welt sich verlor, mein eigenes Herz läutere und prüfe und auf des Schmerzes hartem Lager lernen sollte, dich zu suchen. Siehe des Fiebers Glut, die mich verzehrt, soll mich vielleicht an meine Lauheit und Kälte in deinem Dienste erinnern, in dem Beruf, den ich erfüllen sollte, in der Anbetung deines Namens, und der brennende Durst meiner Zunge an die Versäumnis, die ich mir zu schulden kommen ließ, daß ich nicht täglich den Labetrunk aus der reichen Quelle deines Wortes schöpfte. Der eiskalte Schauer, der mich schüttelt, soll vielleicht die glühende Leidenschaft strafen, mit der ich die Befriedigung meiner Fleischeslust suchte, und diese Schwäche und Ohnmacht soll meine Härte gegen die Schwachen und Bedrängten strafen, denen ich keine hilfreiche Hand reichte; mein Bedürfnis nach der Pflege und den Beistand anderer soll meine Seele mit Scham über all mein törichtes Selbstvertrauen und meinen eitlen Stolz erfüllen, mit denen ich geringschätzend auf andere herabsah. O Herr, ich unterwerfe mich mit Ergebung deinem Willen und bitte nur: Gehe nicht hart mit mir ins Gericht, sondern laß mich deine Gnade erfahren. Habe ich mich versündigt, und ich verdiene deine Züchtigung, o, so erbarme dich über mich, wie ein Vater, der sein Kind züchtigt; flöße mir den Trost ein, »daß der Herr mich wohl züchtigt, aber mich nicht dem Tode überliefert.«[78] Mache du selbst, o mein Vater, mein Krankenlager zu einer Schule der Weisheit für mich und laß durch die Leiden meines Leibes meine Seele genesen. Herr, ich werfe mich in deine Arme, stärke mich, lehre mich mein Inneres läutern und mich mit meinem ganzen Herzen zu dir zu wenden; schenke sowohl mir Geduld in den Stunden der Schmerzen, als auch denen, die mich freundlich pflegen;»vergib mir alle meine Sünden, und laß mich deine Gnade wieder schauen, die so groß ist über den Staubgeborenen,« und ein Wandel, der dir gefällt, soll Zeugnis davon sein, daß die Krankheit mich auf den rechten Weg zurückgeführt hat, wie er in den Tagen der Gesundheit von denen betreten werden soll, die »dich suchen und lieben.« Amen!
[Fußnote 78: Ps. 118, 18.]
Besonders in bedenklicher Krankheit.
2. Alliebender, ewiger Vater, du, »der alle Sünden vergibt und alle Krankheiten heilt,«[79] auf mein Krankenlager niedergestreckt, sende ich meine Gebete hinauf zu dir, o, sende mir Linderung und stehe mir bei in der Stunde der Gefahr! Du, »der kein Wohlgefallen an dem Tod des Sünders findet, sondern darin, daß er auf seinem Wege umkehre und lebe«, o, laß es dein Wille sein, mir die Gaben der Gesundheit wieder zu geben, daß ich noch in dem Lande der Lebenden wirken möge. Ach, ich bitte dich nicht wegen meiner, nein, vielmehr um derer willen, die so innig an mir hängen, und deren Herzen bluten würden, wenn du mich abriefest. (Ich bitte dich um meines geliebten Gatten willen, um meiner unmündigen Kinder willen, ich bitte dich um meiner alten Eltern willen, um der heiligen Pflichten willen, die ich zu vollführen habe, errette mich!) Ich weiß, daß die Menschen nichts vermögen, und daß alle irdische Kunst und Wissenschaft nichts nützt, wenn du nicht, o himmlischer Arzt, die Genesung von oben sendest. Ach, so laß es dir denn gefallen, mich zu retten; o, sei mir gnädig und heile meine Seele; denn ich habe wider dich gesündigt![80] Sollen meine Leiden noch lange währen, so sei du mir nahe mit deinem Geiste, laß ihn am Tage über mich schweben und mir Stärkung und Kühlung zufächeln und laß ihn in der Nacht um mich sein, daß fromme Gedanken mir die Stunden der Dunkelheit verkürzen, und die Schmerzen durch die Gewißheit, daß sie die Mittel meiner Seelenrettung seien, gelindert werden. Aber sollte es der Wille deiner unerforschlichen Weisheit sein, mich abzurufen, o, so erfülle meine Seele mit Gedanken der Ewigkeit und stärke mich in meinem letzten Kampf durch die Gewißheit des Trostes, daß du mein Leben an dem Grabe erlösen und mich mit Gnade und Barmherzigkeit[81] krönen willst, daß du, der du alles versorgst, was da lebt, in deiner Fürsorge dich der Meinen annehmen und sie in den Schutz deiner Fittige nehmen mögest. Herr tue mit mir nach deinem Willen!»Heile mich und ich bin geheilt, hilf mir und mir ist geholfen, denn du bist mein Hort.«[82] Du wirst mich erlösen, Herr, du treuer Gott.
Amen!
[Fußnote 79: Ps. 103, 3.]
[Fußnote 80: Ps. 41, 5.]
[Fußnote 81: Ps. 103, 4.]
[Fußnote 82: Jer. 17, 14.]
Bei derselben Veranlassung in Bibelversen.
3. Aus der Tiefe ruf ich zu dir, o Herr, neige dein Ohr meinem Rufe, du Ewiger, höre meine Klage und mein Flehen. Schwer ruht deine Hand auf mir, und meine Schmerzen suchen mich heim alle Zeit; von Angst und Seufzer wird mein Fleisch verzehrt. Am Tage verschmachte ich, und viele leidenvolle Nächte fallen in mein Los; o Allerbarmer, sieh meinen Jammer und mein Elend. Wie Mutterlose, niedergeschlagen und verlassen, stehen meine Kinder um mein Lager, und ich sehe Tränen die Wangen meines Gatten netzen, wie sehr er es auch vor mir verbirgt. Ach Herr, warum so lange? Am Tage rufe ich zu dir, aber ich bekomme keine Antwort und in der Nacht höre ich nicht auf zu flehen. Wie ein Sklave, der nach Schatten seufzt und wie ein Taglöhner, der sich nach der Ruhe des Abends sehnt, habe ich Monate (Wochen) in Kampf und Schmerzen zugebracht. O Herr, lindre meine Not und mein Leiden! Sollte keine Heilkraft in Gilead sein, du ewiger Arzt, daß ich errettet würde? Ja, gewiß, wer auf dich hofft, ist nicht verlassen! Du wirst in deiner Güte mich stützen und alle meine Krankheit heben. Du hast mich ja so oft große Bedrängnis, Angst und Not schauen lassen und mich doch aufs neue belebt und mich aus dem Abgrund der Erde emporgezogen. Ja, ich sagte in meiner Qual: Ich bin vor deinen Augen verstoßen; aber du hörtest meine verborgene Stimme, da ich zu dir rief, und du tröstetest mich wieder. Und wenn auch noch mehr Weinen uns bevorsteht, so werden ich und die Meinen am Ende doch deine Hilfe erfahren, und »die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten.« Ja, du wirst mich von aller Sorge befreien, unter den Frommen hienieden oder bei den Verklärten dort; ja, ich soll deine Taten verkünden!
Amen!
Vor einer gefährlichen Operation.
4. Mein Gott, meine Stärke und meine Hoffnung!»Du, in dessen Hand die Seelen aller Lebenden und der Geist ist, der das Fleisch eines jeden Menschen belebt, « du hast mir heute eine Stunde gesandt, voller Schmerzen und Gefahr, in der versucht werden soll, mir meine Gesundheit zurück zu gewinnen, (in der ich ein Glied meines Körpers verlieren soll, um wo möglich mir dadurch das Leben zu erhalten), o, sei mir denn mit deiner Liebe in diesen Augenblicken nahe. Stärke meinen Mut und lehre mich den schwersten Schmerz in dem Gedanken ertragen, daß du es bist, der »sowohl Wunden schlägt als auch sie verbindet,« daß deine Weisheit es also beschlossen hat und es deshalb zu meinem Heile dienen soll. Ach, daß du mich deines Beistandes und Trostes in diesem Kampfe würdig hieltest! Vergib mir, o, vergib mir alle meine Sünden, (hier lese man das Sündenbekenntsis, Oschamnu), laß meine Seele zu dieser Stunde sich mit aller Welt versöhnen und laß mich alle Bitterkeit aus meinem Herzen tilgen! Laß mich erfahren, daß»nur eine kleine Stunde über deinen Zorn verrinnt, aber das Leben deine Lust ist. Du verläßt den Menschen nur eine kurze Weile, aber du nimmst dich seiner mit großem Erbarmen wieder an.« Rufe mir ins Gedächtnis, wie viele sich den schwersten Martern unterworfen, um deinen Namen zu heiligen, und durch ihren festen Glauben sich die Herrschaft über den Schmerz errungen haben, wie viele Mut und Standhaftigkeit in den herbsten Leiden zeigten und unter deinem Segen für ihre fromme Standhaftigkeit durch eine freundliche Zukunft belohnt worden sind. Laß die Liebe und das Vertrauen zu dir, Allgütiger und Allbarmherziger, mich keinen Augenblick verlassen; laß deine Rechte mich halten. Nun wohlan denn! in deinem Namen!»In deine Hände befehle ich meinen Geist« mit meinem irdischen Leibe. Gott ist mit mir, ich fürchte mich nicht! Schéma Jisroel Adônai Elôhenu Adônai Echod!--Höre Israel, der Herr unser Gott ist ein einziger Gott! Gelobt sei er in alle Ewigkeit!
Amen!
Fürbitte für einen Kranken.
5. Herr! du selber hast gesagt:»Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten, und du sollst mich preisen.« O, laß denn das Gebet meines bekümmerten Herzens zu dir aufsteigen. Bei dir sollte ich wohl Stärke finden unter der schweren Krankheit, die meinen lieben... (hier wird der Name des Kranken genannt) an das Lager fesselt. Wohl weiß ich, daß deine Wege nicht unsere Wege und daß die Ratschlüsse deiner Weisheit unerforschlich sind und verborgen unserer Kurzsichtigkeit, und daß auch diese Schmerzen, unter denen der Teure leidet, von dir gesandt sind; aber ich weiß auch, daß du gnädig auf die herniederblickst, die in ihrer Angst zu dir rufen, und daß die Tränen, die meinen Augen entströmen, dir nicht mißfallen.--Du, der du selbst uns hast verkünden lassen, daß du unser Arzt sein willst, wenn wir auf deinen Wegen wandeln, o, vergib dem Kranken alle seine Übertretungen, tilge das Andenken seiner Sünden und laß es dein Willen sein, daß mein....... wieder rasch geheilt werden und noch lange leben möge zur Verherrlichung deines Namens. Lindre sein (ihr) Leiden und laß ihn (sie) Erquickung und Ruhe finden. Erhöre die Gebete, die er (sie) zu dir sendet und schenke mir ihn (sie) wieder, daß ich dir danken möge, mein Helfer und Gott.
Amen!
Der Kinder Gebet für einen kranken Vater oder eine kranke Mutter.[83]
6.»Erhöre, o Gott, mein heißes Gebet, und schweige nicht zu meinen Tränen,«[84] siehe den Kummer meiner Seele und mein angsterfülltes Herz! Denn ach, die Güter meines Lebens sind in steter Gefahr, mein Vater (meine Mutter) liegt auf dem Krankenbette!--O Herr, welche Wehmut erfaßt mich, da ich ihn (sie) leiden sehe, wie graut mir vor dem Gedanken ihn (sie) zu verlieren.»Strafe mich nicht in deinem Zorn und züchtige mich nicht in deinem Groll,«[85] sondern vergib mir alle meine Sünden und sende mir Hilfe von deinem Himmel. O Herr nimm meinen Vater (meine Mutter) nicht von mir. Vergib mir alles, worin ich mich gegen ihn (sie) vergangen habe, und laß ihn (sie) noch den Tag erleben, wo ich ihm (ihr) meine ganze kindliche Liebe und Hingebung beweisen kann. O Herr, errette ihn (sie) um deines heiligen Namens willen, »du, mein Gott, der ein Gott der Errettung ist, der Herr, der Ewige, der vom Tode errettet,«[86] und erfülle so für mich (und meine Geschwister) deine Zusage, daß dein Name nicht von uns weichen und der Bund deines Friedens dem Geschlechte der Frommen erhalten werden soll.
Amen!
[Fußnote 83: Dieses Gebet kann auch von einer Gattin für den Gatten bei dessen Krankheit gebetet werden, wenn die Worte darnach verändert werden.]
[Fußnote 84: Ps. 39, 13.]
[Fußnote 85: Ps. 6, 3.]
[Fußnote 86: Ps. 68, 21.]
Dankgebet nach einer überstandenen Krankheit.