Part 9
Per Bahn fährt man über Glauchau nach Hohenstein und Chemnitz. (Wer zu Fuss nach Hohenstein geht, kann auch seinen Weg durch den Park Greenfield nehmen.) Von der =Mühle= in =Oberwinkel= hinauf nach =Dorf Callenberg=. Hier Kirche in Rundbogenstyl. Bei dem einsam und hoch gelegenen =Gasthaus zur Katze= links nach =Forsthaus Waldschlösschen= und =Bad Hohenstein= die aussichtsreiche Strasse hinab nach Hohenstein. Siehe Seite 66.
29. =Chemnitz-Cossen= (22 km). =Wechselburg= (2½ km). =Rochlitz= (über den Berg 7 km). =Geithain= (9 km). =Frohburg= (10½ km). =Gnandstein= (5 km). =Kohren-Sahlis= (3 km). =Penig= (13 km). =Rochsburg= (6 km). =Burgstädt= (5 km). =Chemnitz= (15 km).
Vorstehende Tour hat bereits bis Rochlitz Beschreibung gefunden. Von hier mit Bahn direct nach =Frohburg= oder zu Fuss über das freundliche alte Landstädtchen =Geithain=. 4000 Einw. Reitergarnison.
=Frohburg.= Zum Hirschen. (Omnibus am Bahnhof.) 3000 Einw. Im weiten, anmuthigen Wyhrathal gelegen. Weberei. Töpferei. Das =Frohburger Schloss= mit der bedeutenden Frohburger Herrschaft ist im Besitz des Ministers Freiherrn von Falkenstein, dem Biographen des Königs Johann. Am 3. Mai 1813 beherbergte dasselbe den Kaiser Alexander von Russland, am 16. October desselben Jahres den König Murat von Neapel.
Wir gehen, den =Streitwald= zur Linken, am alten Schloss =Wolftitz= vorüber. In der Nähe liegt das =Jägerhaus= mit Concertsaal und Parkanlagen.
=Gnandstein.= Das stolze Schloss am Wyhrabach gehört einem Herrn von Einsiedel; es macht auf seinem Porphirfelsen wirklich einen imposanten Eindruck. Die Thore, sowie ein Theil des Parterre sind in Felsen gehauen. Die Schlosskapelle enthält 3 Flügelaltäre, Glasmalereien und mehrere Cranach. Im Familiensaal die Ahnen der Familie v. Einsiedel. Im Schlossarchiv Briefe von Luther, welcher als persönlicher Freund des damaligen Burgherrn Heinr. Hildebrandt von Einsiedel öfter als Gast zu Gnandstein anwesend war. Kurz vor der Mühlberger Schlacht nächtigte hier Kaiser Karl V. Die =Gnandsteiner Dorfkirche= enthält Luthers Bildniss von Cranach. Die Kanzel ist noch dieselbe, auf welcher Luther mehrfach predigte. Von der gleichen Künstlerhand (Cranach) rührt auch das Familienbild her, welches Heinrich II. von Einsiedel mit neun Söhnen und fünf Töchtern in der bekannten Orgelpfeifengruppirung darstellt. Die Steinbilder um den Altar sind die Ahnen der Familie von Einsiedel.
=Kohren.= Gasthaus zum Rathskeller. Moosdorfs Gasthaus. 1100 Einw. Wohlhabendes Landstädtchen, schön auf felsiger Anhöhe gelegen. Die Pfarre zu Kohren soll die einträglichste des Landes sein. Hier lebte der Dichter Julius Mosen mehrere Jahre als Actuar bei den Sahliser Gerichten. Die alte =Burg Kohren= kommt schon 974 urkundlich vor; sie wurde in diesem Jahre auf kaiserlichen Befehl vom Erzstuhl Magdeburg an das Bisthum Merseburg abgetreten. Im 14. Jahrh. gehörte sie den Voigten von Plauen. Man nimmt an, dass Kunz von Kauffungen von hier aus den Prinzenraub unternahm. Die Burg gehörte seinem Schwager Hildebrandt von Meckau und sie lag allerdings seinem Vorhaben bequem. Jetzt sind von der einst sehr umfangreichen Burg nur noch 2 ungeheure Thürme übrig, zwischen denen sich friedliche Wohnstätten eingenistet haben, die sich unter Laubschmuck inmitten der uralten Ruinen höchst malerisch ausnehmen. Im nahen =Sahlis= Rittergut mit Schloss und Park.
Mit 1 km Umweg gelangen wir nach =Rüdigsdorf=. Rittergut mit Schlosspark. Gärtnerei, Gewächshäuser mit schönen Eckpavillons. Im östlichen Pavillon Freskogemälde von Schwind. Das Rittergut gehört zu Sahlis. In der kleinen goth. =Dorfkirche= ein sehr gutes Altargemälde. Glasmalerei. Gellert hat sich mehrfach hier aufgehalten, ein Poetengang, ein Quell und mehrere Ruheplätze nennen sich nach ihm. Durch den =Schlosspark= gelangen wir nach =Vorwerk Linda= mit Gasthaus, malerisch am Teich gelegen. Sammelplatz der vornehmen Welt der Umgegend. Oefter Concerte. Wasserpartien auf dem schönen Teiche.
Auf der Strasse nach Penig passiren wir quer das 8 km lange Dorf =Langenleuba= (3 Gemeinden, die westl. gehört zum Herzogthum Altenburg). 3 km von Langenleuba an einem Strassenkreuz liegt der =Zeisig=, ein Gasthof mit guter Aussicht auf Penig. (Penig s. S. 77.) Von Rochsburg nach Burgstädt passirt man zunächst die Mulde. In der Nähe von Rochsburg das =Brauseloch= und die =Amtmannskluft=. Ein Weg führt durch Wald und Busch, =Hollsdorf= rechts und =Burkersdorf= links lassend, direct nach Burgstädt. Rochsburg siehe Seite 77.
30. =Chemnitz-Pockau= (38 km). =Olbernhau= (10 km). =Sayda= (11 km). =Georgensdorf= (9 km). =Fley= (7 km). =Langewiese= (5½ km). =Ossegg= (über die Riesenburg 5 km). =Teplitz= (10 km).
Die Flöhathallinie zweigt in Flöha von der Hauptlinie Chemnitz-Dresden ab und folgt nunmehr der Flöha über =Hohenfichte=, wo sich die grosse Hauschild'sche Strickgarnfabrik befindet. =Grünhainichen= (rechts der Bahn nicht sichtbar). Stattliches Kirchdorf. 2000 Einw. Spielwaarenindustrie. Man fertigt besonders Puppenstuben, Kindertheater, Kaufmannsladen, Küchen etc. Eine Fachgewerbeschule und eine damit verbundene Musterausstellung sorgen für Ausbildung der Spielwaarenarbeiter. Die Besichtigung irgend einer der am Ort befindlichen grossen Niederlagen ist zu empfehlen. Nach einer schönen Thalfahrt mit Buchengruppen taucht rechts =Rauenstein= auf, ein malerisches, schindelbedachtes Ritterschlösschen. Hinter dem Schlösschen liegt auf der Höhe
=Lengefeld=. Post. Erbgericht. Sächs. Hof. 3700 Einw. 473 m ü. M. Strumpfwirkerei. Spielwaarenfabrikation. Ueber 300 Webermeister. Grosse Wurstfabrik von Hoflieferant Weber. 3 km entfernt an der Strasse nach Wolkenstein erhebt sich der 680 m hohe =Adlerstein=. Triangulirungsstation. Guter Aussichtspunkt. In der Nähe an der Strasse nach Pockau grosse königl. =Kalkwerke=, dankbare Fundgrube für Mineralogen. Wirthshaus. 200 Arbeiter. Intr. ist die Kalksteinförderung aus der Tiefe. Man füllt oben die Hunde mit Wasser, welche die steinbeladenen heraufziehen. Das Wasser läuft unten durch einen Stollen ab. 1 km südöstlich des Adlersteins liegt der 683 m hohe =Schletterbauers Knochen=, auch =Lauterbacher Knochen= genannt, welcher viel umfassendere Aussicht auf das Centralgebirge gewährt, wie der halbverwachsene Adlerstein. Ein schöner Touristenpfad, vom Gebirgsverein angelegt, führt ab Lengefeld über =Rauenstein= und den =Heidenstein= nach =Pockau=.
=Pockau= ist Kreuzpunkt der Bahnen nach Olbernhau und Reitzenhain. Uralte slavische Ansiedelung am Zusammenfluss der Flöha und der Pockau. Die Olbernhauer Linie gewinnt durch schluchtige Thalpartien hindurch sehr bald das breite anmuthige Olbernhauer Thal.
=Olbernhau.= Gerichtsschenke. Hotel Klix. Reichel. Schneiders Gartenrest. 4700 Einw. Marktflecken. Strumpfstuhlbauerei. Spielwaarenfabriken, besonders viele Kinderflinten werden hier gefertigt. Zündholzfabriken. In der Umgebung herrliche Buchenwaldungen. Nach der =Königstanne= im Kriegwald 5 km. Man geht durch die =Vorstadt Rungenstock= die Waldstrasse hinauf, bis rechts ein Wegweiser den Reitweg anzeigt, an dem der grösste Tannenbaum in Sachsen steht. Ein Reiter kann sich dahinter verstecken.
Nach dem =Bruchberg= und dem =Sophienstein= 5 km. Man geht über den =Weiler Pföbe= dahin. Vom Bruchberg schöne Blicke auf Olbernhau und das Thal. Vom Sophienstein prächtiges Thalbild auf Brandau, den Schweinitzgrund und Katharinenberg.
Auf einer Strassenwindung mit schönen Blicken auf Olbernhau gelangen wir nach dem Pfaffrodaer Wald und nach =Pfaffroda=. Ziemlich grosses Schloss, der Familie von Schönberg gehörig. Rüstkammer mit kunstvollen Damenflinten. Im Ahnensaale Bildnisse der Familie von Schönberg. Schöne Familiengruft aus Tharandter Sandstein, von Prof. Heuchler entworfen. Schlossschenke. (Dörnthal mit dem grossen Friedrich-Bennostolln und dem Bergteich, S. 54.) An der Strasse nach Sayda links der grosse =Dittmannsdorfer Bergteich=. (Sayda s. S. 54.) Von hier geht man an dem 730 m hohen =Meisenberg= vorüber nach =Cämmerswalde= und =Georgenthal-Georgensdorf=. (Von hier weiter s. Routennetz.)
_+Anmerkung.+ Wer auf Sayda verzichtet, geht von Olbernhau im Flöhathal aufwärts nach +Neuhausen-Purschenstein+ (S. 53). Dann nach +Rauschenbach+ und an +Neuwernsdorf+ vorüber. Dieses Dörfchen wurde von böhmischen Exulanten gegründet, die ihre Liebe zur Musik mit herüber brachten. (Stabstrompeter Wagner ist ein geborner Neuwernsdorfer.) Ganze Weglänge 19 km._
31. =Chemnitz-Olbernhau= (48 km). =Grünthal= (3 km). =Seiffen= (8½ km). =Bad Einsiedel= (3 km). =Böhmisch-Einsiedel= (2 km). =Dorf Kreuzweg= (5½ km). =Oberleitensdorf= (6 km). =Ossegg= (8 km). =Teplitz= (10 km).
Bis Olbernhau s. Routennetz. Man geht im gut angebauten Flöhathal an die Grenze nach =Grünthal=. Auf sächsischer Seite grosses Messingwerk von Lange, welches ehemals Saigerhütte für Kupfer und Münzstätte für Kupfermünzen gewesen. Peter der Grosse besuchte die Hütten auf einer Reise nach Carlsbad, wobei er sich auf einen der grossen Zainhämmer setzte und sich auf und niederschwingen liess. =Bad Grünthal= mit Schwefelquell liegt gleichfalls auf sächs. Seite. =Griesel's Gasthaus= über der Grenze ist stark besucht. Nun entweder über =Dorf Brandau=, das auf vulkanischem Grund liegt, oder an der =Schweinitz= entlang und am =Seiffenbach= links hinauf nach
=Seiffen=. Erbgericht. 1700 Einw. Seiffen ist die Centrale der Spielwaarendörfer Heidelbach, Heidelberg, Neuhausen, Niederseiffenbach und Deutschneudorf. Wer Interesse für die merkwürdige Industrie hegt, der wird in Seiffen die umfassendsten Studien treiben können.
Man findet eine Fachschule und ein damit verbundenes Musterlager. Zuerst besuche man ein Drehwerk, hier drehen die Meister die sogenannten Ringe, welche die Form von Karnisrosetten haben, doch belehrt ein ausgespaltenes Stück sofort, dass es Dutzende von Pferden, Schafen, Elephanten, Affen oder von anderen vierbeinigen Geschöpfen sind. Das Ausschnitzen und Malen geschieht zu Haus und es ist wirklich eine Lust, die emsige Gewerbthätigkeit dieser Leutchen zu beobachten. Es hilft Alles mit, bis zu vierjährigen Kindern herab, pappen, schnitzeln, leimen und malen. Ungeheure Armeen sind von hier aus in die Welt gegangen und haben den kriegerischen Muth der Jugend angefacht. Die Arbeitstheilung ist eine sehr streng durchgeführte, man trifft Greise, die ihr Lebtag nur Franzosen und andere, die nur Preussen gefertigt haben. Die Mannigfaltigkeit ist grossartig; die Lagerkataloge nennen 2000 verschiedene Gegenstände. Der ganze Spielwaarenbezirk fertigt etwa für 1½ Million Thaler Spielwaaren im Jahre.
In der Nähe des Dorfes, wo früher starker Bergbau getrieben wurde und wo sich auch ein herrschaftlich Purschenstein'sches Bergamt befand, giebt es eine ziemlich tiefe =Binge=, die =Geyerin= genannt. Vom =Schwartenberg=, 2 km nordöstlich vom Dorfe, hat man eine prächtige Rundschau über die Gegend. Oben verlassenes Bergwerk mit Huthaus. (778 m ü. M.) Wer den Schwartenberg ersteigt, geht von hier direct nach Bad Einsiedel.
Bad Einsiedel und weiter siehe Routennetz.
32. =Chemnitz-Olbernhau-Grünthal= (51 km). =Deutsch-Neudorf= (8 km). =Nickelsdorf= (5 km). =Obergeorgenthal= (4 km). =Eisenberg= (4 km). =Rothenhaus= (7 km). =Görkau= (1 km). =Kommotau= (6 km).
Bis Olbernhau und Grünthal s. Routennetz. Von hier geht man im Schweinitzgrund entlang nach =Deutschneudorf=. Ueber die Höhe kann man auch =Katharinenberg= berühren. Altes hölzernes Bergstädtchen, ein erhaltenes Modell aller übrigen Erzgebirgsstädtchen. So sahen sie aus, ehe sie vom Feuer heimgesucht wurden. 2000 Einw. Kaiser von Oestreich. Kronprinz Rudolph. Weinschank bei Wolf. Spielwaarenindustrie.
_+Anmerkung.+ Sowohl von Deutschneudorf und böhm. Gebirgsneudorf, als auch von dem angrenzenden Nickelsdorf aus besteigt man mit Führer den +Bernsteinberg+, 938 m hoch mit Aussichtsthurm (3 km.) Führung 2 Mark. Der Bernsteinberg gehört zweifellos zu den schönsten Punkten auf dem Kamm. Wir sehen hinab nach Sachsen bis in die Tiefebene über Augustusburg und Frauenstein hinweg. Auf dem Kamm selbst dominiren Hass-, Keil- und Fichtelberg und im Böhmerland liegen Eger- und Bielathal, wie das Teplitzer und das Karlsbader Mittelgebirge frei vor dem Beschauer. Ganz im Südwest taucht als blauer Streif der Böhmerwald auf. Das einsame Forsthaus +Rothengrube+, das jüngst neu erbaut wurde, gewährt einfachen Imbiss; es liegt nah unter dem Gipfel. Der Weg führt vom Forsthaus im schluchtartigen Thal hinab nach Eisenberg (4 km)._
Der Tour treu gehen wir durch =Deutschneudorf= (Harzer's Gasth., Grüner Baum) nach =Gebirgsneudorf= hinauf. Auf dem hier sehr scharfgratigen Kamm liegt links der Strasse der =Wachhübel=, den man mit leichter Mühe ersteigen kann und der einen herrlichen Blick auf das Mittelgebirge und den Teplitzer Thalkessel gewährt. Von hier aus geht man entweder direct durch den =Flachsgrund= hinab nach Eisenberg, oder die Strasse bis nach Gasthaus Marienthal. Hier rechts beim Hegerhaus in den Thiergarten und durch herrlichen Buchen- und Eichenwald bei schöner Aussicht auf das weite Land nach Eisenberg. Im =Flachsgrund=, beim Flachsgrundförster Erfrischungen. (Fürstenzimmer. Geweihsammlung. Möbel aus Hirschgeweihen.)
=Eisenberg.= Unterm Schloss grüner Baum. Das hochromantisch gelegene Schloss gehört einem Fürsten Lobkowitz und ist neuerdings restaurirt worden. Schön ausgestattete Gemächer. Jagdzimmer. Der Tourist wird sich indess mit der allerdings herrlichen Aussicht auf das Mittelgebirge, Biela- und Egerthal begnügen müssen, da das Schloss nur ganz ausnahmsweise zugänglich ist. Im Park Treibhäuser, Goldfischteiche etc.
Nach Rothenhaus geht man an dem imposanten =Seeberg= vorüber, der einst ein Schloss getragen. Die Natur ist hier subalpin, auch was die kolossalen Schwemmkegel anlangt, die wir überschreiten müssen. Wir berühren dahin die Orte =Hohenofen= und =Türmaul=.
=Rothenhaus.= Nicht ganz so imposant, doch ähnlich gelegen, wie Eisenberg. Das Erzgebirge hat hier keinen so schroffen Steilhang, dieser ist vielmehr durch Vorberge gedeckter. Fürstl. Thun'sche Besitzung. Fürst Thun treibt auf Rothenhaus Rennpferdezucht. Herrliche Aussicht auf Biela- und Egerthal und das Mittelgebirge. Im Schlossthor Skulpturen, wo unter anderem Holzdiebe dargestellt sind. Das Innere ist nicht zugänglich, auch der sehr schöne Park ist neuerdings nur zeitweilig dem Publikum geöffnet.
=Görkau.= Am Fuss des Görkauer Schlossbergs gelegen. Beim Schorsch. Weisses Ross. Zum Hirschen. Rest. zur Hütte. Goldn. Kreuz. Rothenhäuser Keller. =Am Büschl=, Rest. auf der Anhöhe nach Dorf Weingarten zu. 4500 Einw. Die sieben Baumwollenspinnereien sind von Sachsen begründet, die auch eine protestantische Kirche erbauten. 4 Dampfmühlen. Die Gemeinde Görkau zählt zu den wenigen glücklichen Gemeinwesen, die keine Steuern einzufordern brauchen. Waldbesitz. Unter der Stadt ein Riesenkeller mit über 100 Abtheilungen.
=Kleine Ausflüge.= Ueber Pirken, Schergau und Platten nach =Kallich=. Bei Platten liegt =Quinau= mit intr. Wallfahrtskirche. Bei Bernau erhebt sich der 850 m hohe =Geisberg=, an welchem die Biela entspringt. Im prächtigen =Töltzschthal= =Ruine Neustein=. Das Thal, nicht mit dem Töltzschthal unter Kallich zu verwechseln, gehört zu den schönsten Thalzügen des Erzgebirgs. Am besuchtesten ist das 2 km entfernte =Dorf Weingarten= mit Rest. von A. Proksch. Herrliche Aussicht auf das weite Land.
=Kommotau.= Hotel Reiter. Scherber. Kronprinz Rudolph. Adler. Rest. zum Schiesshaus. 1 km entfernt am Alaunsee die vielbesuchte =Alaunhütte= mit Bad und hübschem Garten. 11500 Einw. Die alte Stadt liegt am reissenden Kommotaubach am Fuss des Erzgebirgs, wo dasselbe weniger steil abfällt. Getreidestapelplatz. Kohlenbergbau. Metallindustrie. Am Markt intr. Laubengänge. In der spät goth. =Dechanteikirche= ein sehr altes Bild, welches die Verheerung der Stadt durch die Hussiten (16. Mai 1421) darstellt. K. K. technische Lehranstalt. Gymnasium. In der =goth. Katharinenkirche= haben sich jetzt städtische Behörden niedergelassen.
_+Anmerkung.+ Für die Rückkehr nach Sachsen empfiehlt sich die Fusswanderung durch den romantischen +Kommotauer Grund+ und später hinauf nach Krima. 11 km. Weiter siehe Routennetz._
33. =Chemnitz-Olbernhau= (48 km). =Rothenthal= (4 km). =Gabrielenhütten= (3 km). =Kallich= (6 km). =Göttersdorf= (8 km). =Rothenhaus= (4 km). =Görkau= (1 km). =Kommotau= (6 km).
Bis Olbernhau siehe Routennetz. Von hier über den Weiler, die =Pföbe= nach =Rothenthal=. Winklers Gasthof. Sommerfrische. Spielwaarendreherei.
Ein schöner Weg führt von der Pföbe über den Berg (mit Umgehung Rothenthals) nach dem =Sophienstein= und dann an einer =Riesentanne= vorüber, die zwar krank ist, aber an Umfang der Kriegwalder Königstanne nichts nachgiebt. In der Nähe liegen der =Pilz= und der =Stösserfelsen=. Beides sind Felsbasteien über dem =Natzschungsthal= oder auch Tölztschthal genannt. Die Blicke hinab in das einsame Felsenthal sind sehr fesselnd und erinnern an Thüringen. Unter dem Felsen im Thalgrund liegt das =Töltzscher Wirthshaus=, das man von Rothenthal auf bequemer Strasse erreicht. (Gutes Bier.)
Man kann nun im romantischen Töltzschthal fortgehen bis Kallich, doch führt von Gabrielenhütten ab auch eine nähere Strasse über den Berg dahin. In =Kallich= Nagelschmiederei und grosse Eisenwerke, die von einer böhm. Actiengesellschaft betrieben werden. Das Hochgebirgsdorf zählt 1100 Einw. Von hier beginnt eine lange Waldwanderung auf die Wasserscheide hinauf. Die Strasse steigt auf über 900 m Meereshöhe. Dann hinab nach Göttersdorf. Auf diesem Weg hat man sehr schöne Blicke auf das Böhmerland, die wir nach der langen Wanderung auf dem ziemlich reizlosen Kammplateau um so wärmer begrüssen. Rothenhaus, Görkau, Kommotau siehe Routennetz.
34. =Chemnitz-Pockau= (38 km). =Bahnhof Zöblitz= (6 km). =Stadt Zöblitz= (1½ km) =Katzenstein= (5 km). =Marienberg= (6 km). =Kniebreche= (5 km). =Chemnitz= (44 km).
Von Chemnitz bis Pockau s. Routennetz. Der Thalzug der Pockau ist auch für Fusswanderung zu empfehlen. Wir berühren die Ruine =Lauterstein=, die auf isolirtem Gneisfelsen gar malerisch sich erhebt; sie wurde am 14. März 1629 von den Schweden eingeäschert. Bei einem früheren Brand verlor ein 90jähr. Greis, der sich an Tüchern herablassen wollte, sein Leben. Auf einem Felsen gegenüber lag die Burg Oberlauterstein, die schon von den Hussiten zerstört worden ist. (Unfern der Ruine kleines Wirthshaus.)
Am Weg vom Bahnhof Zöblitz nach der Stadt links eine Art Bastei mit hübschem Blick auf den Thalkessel.
=Zöblitz.= Hirsch. Stadt Wien. 2300 Einw. 857 m ü. M. Zöblitz ist Sitz einer Actiengesellschaft für Zöblitzer Serpentinsteinindustrie; sie betreibt den Abbau der berühmten Zöblitzer Serpentinsteinbrüche und die Bearbeitung des inter. Gesteins. Der Stein wird gesägt wie Holz und gehobelt, gedreht und polirt wie Eisen. In den Bildhauerwerkstätten arbeiten wirkliche Künstler. Ehemals existirte hier eine Steindrechslerzunft, die 40 Innungsmeister zählte, doch fanden die veralteten Formen ihrer Erzeugnisse keinen Anklang mehr und die Brüche kamen zum Erliegen. Erst die Actiengesellschaft, zu deren Zustandekommen Stadtrath Reitz in Chemnitz besonders beigetragen, hat eine neue und umfassendere Ausbeutung der Schätze ermöglicht. Sehenswerthes Lager. Der Abbau geschieht in Tagebrüchen und auch unterirdisch, eine Anfahrt in den Tunnel ist für Mineralogen besonders interessant. In der Kirche Silbermann'sche Orgel und sehenswerthe ältere Serpentinsteinornamente; auch auf dem Kirchhof finden sich alte originelle Serpentinsteindenkmäler.
Die Serpentinsteinbrüche liegen an unserem Weg nach =Ansprung= (der Bergrücken von Serpentin heisst die Haardt), wir können sie mithin im Vorübergehen besichtigen; es finden sich darin auch Asbest und Granaten. Von hier nach dem Dörfchen =Hüttstadt= und hinab in den tiefen Pockaugrund. Einige Häuser nennen sich =Hintergrund=, dabei =Gasthof zum Katzenstein=. Wir schreiten die neue Strasse aufwärts und wenn wir die Ringmauer (rechts) passirt, stehen wir unter dem steilen
=Katzenstein=. Der Thalkessel zeigt die wildeste Gegend des Erzgebirgs. Zwischen der Ringmauer und dem Katzensteinfelsen zeigt ein Wegweiser empor auf die wilde Felsbastei, die man, da sie geländerlos ist, nur mit Schauer betritt. (644 m ü. M.) Gegenüber liegt der finstere =Kriegwald=, dessen vorderste Bergnase der =Rabenberg= heisst, auf dem sich einst ein altes Raubnest erhoben. In der Tiefe schäumt die Pockau und zur Linken schliesst die Ringmauer das Bild ab. Auf dem Plateau der Felsbastei grosser Steintisch, auf dem öfter fürstl. Jagdpicknicks abgehalten wurden. Die nahen Felsklüfte dienten als Kellereien.
_+Anmerkung.+ Ab Katzenstein lassen sich mehrere Touren machen. Die dankbarste ist die +Grüne-Grabentour+. Man geht rechts am Berghang hinauf zum Grünen Graben, einem Canal, der durch die felsige Wildniss am Berghang des Pockaugrundes gebahnt worden ist. Man geht an seinem Ufer entlang bis vor Kühnhaide, dann durch dieses weitzerstreute Gebirgsdorf nach +Reitzenhain+. (10 km.) +Reitzenhain+ 761 m hoch, echtes Gebirgsklima. Wird neuerdings als klimatischer Kurort benutzt. Höchste Eisenbahnstation Sachsens. Auf böhmischer Seite Gasthof zum Malzhaus. Man geht von hier entweder die alte Heerstrasse an einem alten inter. Jagddenkmal vorüber nach Marienberg oder benutzt die Bahn (zu Fuss 12, per Bahn 16 km). Auch ist der Weg nach +Satzung+ nicht ohne Reiz. (5 km). Satzung (844 m ü. M.) ist eines der höchstgelegensten Dörfer Sachsens. Die Bewohner ziehen meist als Handelsleute in die Welt hinaus. Von hier durch Gebirgswald nach +Steinbach+ (3 km), +Arnsfeld+ (4 km), +Mauersberg+ (4 km), +Streckenwalde+ (3 km), +Wolkenstein+ (4 km). Von Reitzenhain nach Kommotau Bahn an dem hochgelegenen Sebastiansberg vorüber 28 km, zu Fuss nur 21 km. Näheres s. Routennetz._
_Eine andere Tour ist +Katzenstein-Töltzschthal-Olbernhau+. Mehrere Waldstrassen führen vom Pockaugrund aus hinauf durch den Kriegwald in das einsame Dorf +Rübenau+. Bald gewinnen wir das Töltzschthal. Prächtige Thalwanderung über Gabrielenhütten (14 km) nach Olbernhau. Näheres s. Routennetz._
Der Tour treu gehen wir vom Katzenstein nach =Pobershau=. Sobald wir aus dem Wald treten, schöne Blicke auf die nahen Thäler. Der sichtbare Marienberger Thurm zeigt die Richtung unserer Tour an. =Pobershau= treibt Bergbau auf Zinn und Silber. Bei Schachtelgünther's erhält man aus einem verlassenen Bergstolln, der einen trefflichen Keller abgiebt, ein sehr frisches Glas Bier. Spielwaarenindustrie.
Weiter über Dorf Gebürge und Dörfel mit hübschen Ausblicken nach
=Marienberg=. Drei Schwanen. Gold. Krenz. Ross. Restaur. zum Rathskeller, im Bahnhof und bei Oschütz. Am Bahnhof 603 m ü. M. 6200 Einw. Die sehr regelmässig erbaute, höchst freundliche Stadt wurde 1521 von Herzog Heinrich dem Frommen gegründet. Reiche Erzgänge waren in der Gegend aufgefunden worden und noch heut ist der Bergbau nicht ohne Bedeutung. Am Rathhaus hübsches Renaissanceportal. Auf dem schönen lindenbepflanzten Marktplatz ist öfter das Wild zusammengetrieben und vom Kurfürsten Johann Georg von den Fenstern des Rathhauses aus abgeschossen worden. Spitzenklöppelei. Feldbesitz. Lebhafter Grenzverkehr. In der Kirchenbibliothek, die leider eine Zeit lang verwahrlost worden ist, befindet sich ein Manuscript von der Hand Adam Riese's: »Rechnung auff der linien vnd Federn in zal, massen und gewicht«. Am Weg nach dem Bahnhof Kriegerdenkmal. 1873 wurde zu Marienberg eine Unteroffiziersschule errichtet, die stark frequentirt ist.