Gampe's Erzgebirge mit Einschluss der böhmischen Bäder Teplitz, Karlsbad, Franzensbad und Marienbad, des Voigtlandes und des Granulitgebietes an den unteren Mulden. Ein Reisehandbuch

Part 4

Chapter 43,231 wordsPublic domain

Von hier führt der Weg über etwas eintönige, oft aber auch aussichtsreiche Höhen nach Börnersdorf, Breitenau und Fürstenwalde auf den Mückenberg, der das Mückenthürmchen trägt.

=Mückenthürmchen.= 815 m ü. M. Gasthaus. Gute Unterkunft. Stallungen. Etwas billiger ist der nur wenige Minuten entfernte Gasthof an der Strasse nach Graupen. Die Rundschau ist grossartig und wird von vielen Kennern selbst der Aussicht von der Schneekoppe und dem Brocken vorgezogen. Thatsache ist, dass jenen Landschaftsbildern ein böhmisches Mittelgebirge fehlt, so grossartig sie auch sein mögen. Die Aussicht erstreckt sich über einen Umkreis von 600 km. Es gewährt eine ganz ausserordentliche Ueberraschung plötzlich das gebirgige nordböhm. Land mit dem Teplitzer Thalkessel und dem vulkanischen Kegeln bis zum Borcen bei Bilin auftauchen zu sehen. Links liegen das Elbsandsteingebirge, dahinter das Lausitzer Gebirge, der Isarkamm und das Riesengebirge. Rechts sehen wir den Kamm des Erzgebirges bis zum Keil- und Fichtelberg und Theile vom Karlsbader Gebirge. Von Dresden sieht man die Antonsstadt, die Prinzenschlösser und ferner den Loschwitz-Pillnitzer Höhenzug mit dem Borsberg. Gegen die norddeutsche Tiefebene ist die Aussicht nur durch die Sehkraft beschränkt.

Bei der Kapelle zu St. Wolfgang betreten wir die Teplitzer Strasse und gelangen hinab nach Graupen. Der Fall bis zu dieser Stadt beträgt 497 m, wir sind also nachzu 5 Dresdner Schlossthürme abwärts gestiegen.

=Graupen.= Stadt Dresden. Kronprinz Rudolph. Wein und Bier bei Herm. Kohlschütter. Alte intr. Bergstadt, die ihren Namen von den hier abgebauten Zinngraupen entlehnte. 2500 Einw. In der Stadtkirche die heilige Stiege mit 28 Marmorstufen, die von den Gläubigen nur knieend erklommen wird. Zwei Figurengruppen »Gericht über Jesu« und das »Fegefeuer.« Die erstere ist nicht ohne Kunstwerth, die letztere wird durch rothes Glas noch schauerlicher, als sie der »Künstler« gemacht.

Die =Rosenburg= über der Stadt steht an der Stelle, wo sich die Veste Graupen oder Hundsstein erhob, die 1429 von den Hussiten zerstört wurde. Die alten Ruinen sind geschickt für die neueren Bauten ausgenützt. Schöne Gartenanlagen. Rosenzucht. Beliebter Ausflug der Teplitzer. Die Aussicht auf den Teplitzer Thalkessel und das Mittelgebirge ist umfassend und anmuthig.

Die =Wilhelmshöhe= liegt gleichfalls auf einem aussichtsreichen Felsvorsprung. Vielbesuchtes Rest. mit Fremdenbetten. Sommerfrische. Das Rest. hat seinen Namen von Friedrich Wilhelm III. König von Preussen, der hier besonders gern weilte.

Die =Geyersburg= liegt 3½ km gegen Osten von Graupen entfernt. Aussichtsreicher Weg am Berghang. Intr. Ruinenstätte über welche viele Sagen im Volk lebendig sind. Aussicht oben verwachsen, doch thuen sich öfter Blicke auf historische Stätten auf. 1040 schlugen hier Kaiser Heinrichs Mannen den Herzog Bretislav von Böhmen. Am 11. Febr. 1126 kämpften Lothar I. und Sobeslav I. von Böhmen gegen einander. Nach Aussig zu liegen die blutgetränkten Felder, auf denen am 14. Juni 1426 die Hussiten die Meissner schlugen. Das Schlachtfeld bedeckten 23000 Leichname. Gegen Kulm hin sind die Denkmäler der Kulmer Schlacht sichtbar. Siehe Seite 20.

=Mariaschein.= 2 km von Graupen. 1240 Einw. Anker. Zum Bleileben. Grosses Jesuitenkloster mit weithin leuchtenden Dächern. 22 Patres mit über 200 Zöglingen. Grössere wissenschaftliche Sammlungen für Lehrzwecke, auf Ersuchen zugänglich. In der =Klosterkirche=, die zugleich berühmte Wallfahrtskirche ist, ein wunderthätiges Marienbild, zu welchem aus Schlesien und Böhmen, aber besonders aus der Sächs. und Preuss. Lausitz viele Gläubige (zahlreiche Wenden) Wallfahrten veranstalten. Zu Pfingsten, Mariageburt und an einigen Heiligentagen gleicht der Ort einem Messplatz. Im Kreuzgang viele kunstlose Wandgemälde, doch intr. durch seltsame Geschichtsauffassung. Das Mariabild ist von Thon. Man erzählt von ihm eine merkwürdige Fluchtgeschichte zwischen Graupen und Mariaschein. Ein Mädchen, von einer Schlange gebissen, soll um Hilfe gerufen haben und diese erschien in Form eines Muttergottesbildes, das eine Nonne vor den Hussiten in einer nahen Linde verborgen hatte. Die Bürger von Graupen trugen das Bild im Triumph nach ihrer Stadtkirche, aber dreimal kehrte dasselbe bei nächtlicher Weile nach der Linde zurück. Hierauf sei nun eine Kapelle erbaut worden, welche endlich dem Bild als dauernde Wohnung convenirte. Das heutige Jesuitenkloster hat das Gut Sobochleben im Besitz.

Man fährt von Graupen mit Dampf oder geht über Probstau (S. 27) und Weisskirchlitz (S. 27) nach Teplitz. Den Bahnhof Graupen-Rosenthal erreicht man von Graupen aus auf dem Ave-Mariasteig.

Teplitz siehe Seite 21.

3. =Dresden-Mügeln= (12 km). =Dohna= (3 km). =Weesenstein= (3 km). =Glashütte= (12 km). =Bärenstein= (8 km). =Lauenstein= (3 km). =Mückenthürmchen= (9 km). =Teplitz= (12 km).

Nach Mügeln mit Dampf. Von hier bis Glashütte Post oder auch billigen Stellwagen. Mügeln liegt am Einfluss der rothen Müglitz in die Elbe, deren rothgefärbte Gewässer (durch die Zinnwäschen bei Altenberg) noch lange in der Elbe sichtbar sind. Auf der Höhe über Mügeln liegt Grosssedlitz mit seinem grossen altfranz. Park. Kolossale Schnitthecken. Erotische Skulpturen. Bassins. Der Umweg dahin beträgt 2 km. Man geht dann nicht die Strasse sondern über die Höhe nach Köttewitz und trifft in Weesenstein wieder mit der Strasse zusammen.

=Dohna= lassen flüchtige Wanderer links oben am Thalhang liegen. 2000 Einw. Das Schiesshaus steht inmitten der alten berüchtigten Veste Dohna, von der nur noch karge Ueberreste vorhanden. 1402 lag Burggraf Jeschke von Dohna fast mit der ganzen Ritterschaft der Umgebung in hartem Zwist, bis ihn Markgraf Wilhelm von Meissen vertrieb und seine Burg einäscherte. In der Stadtkirche sehenswerter goth. Altar mit Figuren von Semper restaurirt.

Wir gehen im schönen Müglitzthale aufwärts nach =Wesenstein=. Ein Fusspfad, vom Gebirgsverein angelegt, geht auch ab Dohna über die Höhen dahin. Weigand's Gasthof dicht am Schloss mit schattigem Garten. Das merkwürdig gruppirte, malerische Schloss mit mancherlei Sehenswürdigkeiten ist Eigenthum des Prinzen Georg, Herzogs zu Sachsen. Meldung beim Schlossverwalter. Die Gebäude sind in einer Weise übereinander gesetzt, dass sie im Innern wie ein einziger Bau von 8 Stockwerken erscheinen. In die Belletage steigt man hinab, in die Keller hinauf. Die Pferdeställe liegen im dritten Geschoss. Viele Andenken an König Johann, der hier öfter literarischen Arbeiten oblag. Ueber 800 fürstliche Portraits, darunter solche von Meisterhänden. Uralte Gewölbe aus romanischer Zeit. Folterkammer, in Sachsen einzig in ihrer Art. Schöner Schlosspark. König Albert verlebte hier zumeist seine Knabenjahre. Zum =Pavillon= 1 km stark bergauf. Beliebter Aussichtspunkt auf das stille Oertchen mit dem Schloss und auf das Elbthal. Näheres siehe Gampe's Weesenstein. Dresden, Bleyl und Kaemmerer.

_+Anmerkung.+ 5 km oberhalb Weesenstein liegt rechts an der Strasse der +Rabenhorst+, eine imposante Felspartie. Pfade führen hinauf nach +Maxen+. Rittergut mit Schlosspark. Am 17. Nov. 1759 trug sich hier der Finkenfang zu. General Fink wurde mit seinen 13000 Preussen vom östr. General Daun gefangen genommen. In der Nähe Kalkbrüche. (Maxener Marmor.) Der Umweg beträgt 4 km._

Bei weiterem Vordringen im Thal berühren wir Schlottwitz. Links der Todtenstein. (An der Neumühle Achate, Amethyste, Jaspis, Hornblende.) Vor Glashütte bei der Krugmühle eine Felspartie, Wittichs Schloss genannt, wo im 15. Jahrh. ein Wegelagerer Namens Wittich gehaust haben soll.

=Glashütte.= Post. Stadt Dresden. 2000 Einw. In einem Seitenthale der Müglitz gelegen. Eine Glashütte war nie hier, der Name entstammt den Glaserzen (Eisenerze), die hier gefunden wurden. Glashütte ist der Sitz einer hochberühmten Uhrenindustrie. Die Uhrmacherschule zählt gegen 40 Schüler. Das Hauptverdienst fällt dem Uhrmacher Adolph Lange zu († 1875). Derselbe errang im Ausland mehrfach erste Preise und auf dessen eisern-solide Geschäftsprinzipien stützt sich die ganze Glashütter Uhrenindustrie. Auch andere inventiöse Apparate, Rechenmaschinen, Telegraphen, Instrumente etc. werden hier gebaut. Der Ort hat ein freundliches, gefälliges Aussehen. Die Kirche, 1535 erbaut, enthält vier gute Oelgemälde und einige ältere Glasmalereien.

Die gewundene Strasse führt uns zwischen herrlichen Thalgehängen aufwärts nach =Bärenstein=, der kleinsten Stadt Sachsens. 660 Einw. Das Schloss mit dicken runden Thürmen und hübschen Parkanlagen gehört dem Major von Lüttichau. Zwischen Bärenstein und Lauenstein kommt das Altenberger Wasser herab, das die Müglitz roth färbt.

=Lauenstein.= Stadt Teplitz. Gold. Löwe. 470 m. 860 Einw. Das ältere Lauensteiner Schloss liegt in Ruinen. Am neueren gefällige altdeutsche Giebel. Die Kirche besuche man um eines figurenreichen Denkmals willen, das einem Günther von Bünau gewidmet ist. Die Sandsteinarbeiten, von Lorenz Hornung in Pirna gefertigt, sind vorzüglich ausgeführt. Mehrere Hundert Figuren. Der Altaraufsatz ist gleichfalls bemerkenswerth.

Man bleibt nun entweder im Thal und geht über Gottgetreu und Müglitz zum Mückenthürmchen, oder man wählt den Weg über Löwenhain und =Fürstenwalde=. Weit verstreutes Gebirgsdorf mit 600 Einw. Die Kirche enthält ein altes Marienbild, zu welchem, obgleich die Kirche protestantisch ist, viele Katholiken am Feste Maria Heimsuchung wallfahrten und dort nach Beendigung des protestantischen Gottesdienstes unbehelligt ihre Gebete verrichten. Am Altar ausserdem Statuen der Heiligen Christoph, Nicolaus und Donatus.

Mückenthürmchen und weiter nach Teplitz siehe Tour 2, Seite 28.

4. =Dresden-Niedersedlitz= (9 km). =Lockwitz= (2 km). =Bad Kreischa= (6 km). =Reinhardsgrimma= (7 km). =Luchau= (4 km). =Johnsbach= bis zur Kirche (4 km). =Hirschsprung= (6 km). =Altenberg= (2 km). =Geising= (2 km). =Fürstenau-Mückenthürmchen= (7 km).

Diese Tour empfiehlt sich für Wanderer, welche freie, aussichtsreiche Höhen den Thalwanderungen an der Müglitz oder Weisseritz vorziehen. Man benutzt bis Niedersedlitz die Bahn. =Lockwitz=, stattliches Dorf am Eingang der Strasse in den Lockwitzgrund. Adams Gartenrest. 1460 Einw. Schloss der Familie Kap-herr.

_+Anmerkung.+ 2 km von hier gegen Wölkau zu liegt der schöne neue Sandsteinbau, der +Lugthurm+, inmitten hübscher Anlagen, errichtet von der Section des Gebirgsvereins der Sächs.-Böhm. Schweiz Niedersedlitz. Sommerrest. Panorama käuflich. Sehr schöne Aussicht auf das weite Elbthal, wie auf die Tafelberge der Sächs. Schweiz._

Im Thalzug aufwärts gelangen wir nach =Bad Kreischa= im gleichnamigen Kirchdorfe. 2000 Einw. Das Bad ist in eine Heilanstalt für Nervenleidende umgewandelt worden. Ein Gasthof ist damit verbunden. Im Süden 3½ km entfernt liegt rechts unserer Tour der basaltische =Wilisch=. 476 m. Ein Aussichtsthurm ist projectirt, ohne welchen der Berg touristisch werthlos bleiben würde, weil der Gipfel völlig verwachsen. Der Basaltkegel gewährte sonst eine grosse Fernsicht über das Elbthal, die Sächs. Schweiz und das Erzgebirge.

In =Lungwitz= Rittergut mit Park, das dem Bennemann'schen Stift für Predigerswittwen zugehört. Sodann folgt =Reinhardsgrimma=, 356 m. Hübsches Rococcoschloss mit Park. Strohflechterei. =Luchau= am Luchberg (ein spitzer Basaltkegel, 581 m hoch, der die nördliche Abdachung des östlichen Erzgebirges völlig beherrscht). Das Dorf ist schon ein echtes Gebirgsdorf. Die Strasse senkt sich nun in ein tiefes Seitenthal der Müglitz, führt wieder hinauf über das grosse Kirchdorf Johnsbach nach Hirschsprung und Altenberg.

=Altenberg.= Altes Amthaus. Stadt Teplitz. Stadt Dresden. Rathskeller. 2016 Einw. Die Stadt liegt am basaltischem Geising 750 m hoch in stark bewegtem Terrain. 1458 wurde hier das Zinn fündig. Ein Köhler fand es unter seinem Meiler in geschmolzenem Zustand. Ein Denkmal unfern der grossen Binge bezeichnet den Fundort. Den Fuss des Denkmals bildet eine ganze Sammlung von Altenberger Zinnerzen. Der sog. Zinnzwitter ist ein Quarzporphir. Zinngraupen kommen seltener vor. Die jährliche Ausbeute beträgt noch immer 2200 Ctr. Zinn, 815 Ctr. Arsen, 10 Ctr. Wismuth. Die Erze streichen in mächtigen Lagern aus und müssen stockwerkartig abgebaut werden. Die Säulen, die man stehen lässt, sind jedoch nicht immer im Stand, die überhängenden Lasten zu tragen und so sind öfter Bergbrüche vorgekommen, deren grösster die schauerliche +Binge+ dicht an der Stadt verursachte. Die Chronik erzählt, dass schon 1545 ein grosser Tagebruch stattfand, durch welchen 10 verschiedene Zechen verschüttet wurden. Darauf folgten 1578 zwei andere Zechen nach, 1624 aber, an dem für Altenberg ewig denkwürdigen 24. Januar stürzte durch einen ungeheuren Tagebruch das ganze unmittelbar vor der Stadt liegende, grosse Zinnbergwerk zusammen. Es war eine stürmische Nacht, der Schnee lag in Massen auf den unwirthlichen Gebirgen. Ruhig arbeitete der Bergmann in der Tiefe. Plötzlich, als eben die Glocke 4 Uhr schlug, krachte es wie Donner, die Erde bebte, und in einem einzigen Augenblicke stürzten mit entsetzlichem Getöse 4 Göpel mit ihren Zechen, als: Rietzschelzeche, Schellenzeche, Graupner-Zeche, Rathsschacht und noch verschiedene andere in den Abgrund. Alle Häuser der Stadt erzitterten; in den Gruben befanden sich zum Glück nur 24 Bergleute, vier davon waren todt, 19 wurden gerettet, einer jedoch gar nicht wieder aufgefunden. Wo einst ein 60 Fuss hoher Hügel gewesen, zeigt sich nun eine 120 bis 200 Fuss tiefe Binge, deren Wände aus Zechstein und Zinnzwitter bestehen. In einer der Weitungen, die hier unter der Erde geschaffen sind, könnte man den Münster zu Strassburg unterbringen. Die Höhe beträgt 160 m. Eine Cementquelle, welche eingelegtes Eisen überkupfert, entspringt in einer Tiefe von 283 m.

Altenberg ist auch Hauptort des +Strohflechterbezirks+, der das ganze östl. Erzgebirge umfasst. 25000 Personen mögen mit Strohflechten beschäftigt sein, die für 6 Millionen Mark Strohgeflechte liefern. In der Hauptsache kommt Weizenstroh zur Verwendung. Die Halme werden so zerschnitten, dass die Knoten ausfallen, sodann bleicht man sie mit Schwefel und reisst sie, d. h. man zieht sie unter einem kleinen Stahlkamm hindurch, der sie in schmale Streifen theilt. Hierauf werden sie angefeuchtet, um sie mürber zu machen und das Flechten beginnt, eine Arbeit, die dem Strumpfstricken täuschend ähnlich sieht. Die Kinder beginnen schon mit 6 Jahren und überholen oft Erwachsene in ihren Tagesleistungen. Die fertigen Bündel gehen in die deutschen Strohhutfabriken oder nach England, Skandinavien und Russland.

1876 brannte die Kirche mit 30 Häusern nieder.

Der nahe =Geising= ist 823 m hoch und gleicht einem riesigen Heuschober. Oben ein Ahornbaum mit Wendeltreppe, doch warnt eine Tafel vor Betretung derselben, und es ist ihre Besteigung wirklich nicht ohne Gefahr. Die Aussicht auf den Kamm, auf die nördliche Abdachung des Erzgebirges und auf die Tafelberge der Sächs. Schweiz verdiente, dass man sie durch Erneuerung des Ausschaugerüstes der Touristik erhielt, gerade um Altenberg ist auch die nahe Landschaft sehr formenreich. Der Berg zählt zu den 9 grossen Basaltdurchbrüchen des Erzgebirges.

Der =Kahleberg=, ein langgezogener Bergrücken 3 km von Altenberg im Südwest unfern der Strasse nach Rehefeld. 901 m ü. M. Thurm mit Gradmessungsstation. Gegen Böhmen ist die Aussicht beschränkt, dafür beherrscht das Auge einen Halbkreis vom Fichtelberg bis zum Colmberg bei Oschatz und zum Riesengebirge. Aus den grossen Teichen gegen Altenberg hin geht sowohl Wasser nach den Pochwerken der Zinnwäschen und nach der Müglitz als nach der anderen Seite, wo es die rothe Weisseritz bildet. Die Aussicht gehört, wie die vom Geising, zu den lohnendsten am Nordabhang des Gebirges.

_+Anmerkung.+ Wer die in Altenberg einmal gewonnene Höhe nicht wieder aufgeben, d. h. nicht erst nach dem Städtchen Geising hinabsteigen will, geht an Georgenfeld vorüber nach Zinnwald (4½ km) und durch die grossen fürstl. Clary'schen Wälder nach dem Mückenthürmchen. (7½ km) Schöne Strasse. Bei Neugeorgenfeld, das durch böhm. Exulanten begründet wurde, liegen die +Lugsteine+ auf einem Plateau (Knieholz), 893 m, sie werden selten besucht, doch gewährt der höhere die herrlichsten Blicke nach Böhmen hinab. +Zinnwald+ ist halb Sächs., halb Böhm. Zum Sächs. Reiter. Auf böhm. Seite Biliner Bierhalle. (Zugleich Gasthof.) 1 km von der sogenannten Ausspannung (höchste Stelle der Strasse nach Teplitz, wo der Wald beginnt) liegt links ein umfassender Aussichtspunkt nach Böhmen. Das vielerwähnte Häuschen in Zinnwald mit der Inschrift:_

_»Ich bin nun auf Sachsens Boden, Gottlob, Weil mich mein Wirth, Hans Hirsch Aus Böhmen rüber schob«_

_steht dicht an der Grenze und ist erneuert worden. Ein protestantischer Bergmann, Hans Hirsch, wollte seinem Glauben treu bleiben und so schob er mit Hilfe seiner nachbarlichen Glaubensgenossen sein Häuschen über die Grenze. Im Dorf selbst freie Ausblicke bis zur Lausche. Eine herrliche Waldstrasse führt direct hinab nach Eichwald (9 km). Eine andere gleich schöne Waldstrasse dahin über Vorderzinnwald nach Forsthaus Siebengiebel und hinab nach Eichwald ist 2 km länger, sie führt durch den Thiergarten._

_+Eichwald.+ Villencolonie. Sommerfrische, in neuerer Zeit stark in Aufnahme. Geschützte Lage, grossartige Forsten, herrliche aussichtsreiche Spaziergänge. Theresienbad. Kaltwasserheilanstalt. Diana. Waldschlösschen. Gasthof zur Dankbarkeit (eignet sich besonders zum Uebernachten). 1880 900 Kurgäste. Kurmusik Dienstags und Sonnabends Nachmittags ½4 Uhr. Die schönsten Spaziergänge sind im sogenannten +Gesundheitswald+; am +Soldatenberg+ herrliche Aussicht auf den Teplitzer Thalkessel. Der +Schweissjäger+ mit Rest. ist ein idyllisches Forsthaus. Vielbesucht ist das nahe Jagdschloss +Tuppelburg+ (offiz. Schreibweise) mit zahmem Hochwild. (Winterfütterung.) Stark besucht von Teplitzer Badegästen. Das achteckige Jagdschloss ist der Kernpunkt sternförmig auslaufender Waldschneussen mit Durchsichten auf den Borcen, den Milleschauer etc. Im Forsthaus Erfrischungen. Die +Kaiserhöhe+ liegt ausserhalb des Thiergartens._

_Auch die Strasse von Eichwald nach Teplitz, an Zuckmantel (grosses Eisenwerk) vorüber bietet herrliche Blicke (5½ km). Einfache Fahrt 35, doppelte 50 kr. Teplitz siehe Seite 21._

Der Tour treu gehen wir von Altenberg an den Zinnwäschen vorüber hinab nach

=Geising=. Stadt Dresden. Zinnbergbau. Strohflechterei. 1320 Einw. Anmuthige Thallage. 590 m. Schöne Waldpromenaden. Geschützte Sommerfrische.

Die Strasse steigt nun wieder aus dem Thal empor. Links der 738 m hohe Huthberg. Fürstenwalde mit seiner protestantisch-katholischen Wallfahrtskirche, siehe Seite 31.

Mückenthürmchen und weiter siehe Seite 28.

5. =Dresden-Goldene Höhe= (8 km). =Dippoldiswalde= (11 km). =Schmiedeberg= (7 km), über die =Tellkoppe= und =Friedrichshöhe= nach =Altenberg= (13 km).

Weiter nach Mückenthürmchen-Teplitz oder Zinnwald-Eichwald-Teplitz siehe Routennetz.

Von Dresden nach Dippoldiswalde zwei Mal Post täglich. Hinter dem ersten Dorf Räcknitz links 3 Eichen mit dem Moreaudenkmal, welches an der Stelle errichtet ist, wo dem General Moreau an der Seite des Kaisers Alexander die Beine zerschossen worden. Die =Goldene Höhe= nennt sich ein 350 m hoch gelegenes Wirthshaus mit Umschauthurm. Herrliche Blicke nach dem Elbthal mit Dresden und den Prinzenschlössern, der Dresdner Haide und auf die Tafelberge der Sächs. Schweiz. Panorama käuflich. Eintritt zum Thurm 10 Pf. Bei Börnichen auf der Höhe hinter Possendorf liegt 1½ km rechts abseits der Strasse der =Lerchenberg= mit umfassenden Ausblicken auf das Erzgebirge, auf die nahe Dippoldiswaldaer Haide, durch die man von hier direct nach Dippoldiswalde gehen kann und auf die Berge der Sächs. Schweiz. Doch auch schon die Strassenhöhe nach Wendischcarsdorf zu, gewährt sehr anmuthige Landschaftsbilder. Links der Strasse liegt die 449 m hohe =Quohrener Kipse=, eine aussichtsreiche Bergkuppe auf demselben Höhenzug, von welchem sich auch der Wilisch abhebt. Weiterhin gewährt die Strasse noch öfter Blicke auf diesen, wie auf den langen waldigen Höhenzug Tellkoppe-Friedrichshöhe etc.

_+Anmerkung.+ Beliebter, wenn auch nicht so aussichtsreich, ist die Tour nach Dippoldiswalde über Hainsberg. Bis dahin mit Dampf, dann nach Cosmannsdorf und von hier neben oder mit der neuen Sekundärbahn parallel durch den herrlichen Rabenauer Grund, den die rothe Weisseritz durchströmt. Die Höhle, die wir am Anfang des Grundes passiren müssen, heisst das Nadelöhr. Bis zur +Rabenauer Mühle+ (Rest.), 5 km, über den Berg dahin nur 3 km. Wer über den Berg geht, besuche die aussichtsreiche +Albertshöhe+, ein Rest., das schon von Heinsberg aus sichtbar ist. +Rabenau+ 1800 Einw. Uralte Stuhlbauerei. Grosse renommirte Möbelfabrik, einer Actiengesellschaft gehörig. Intr. Holzbearbeitungsmaschienen. Die Fabrik setzt eine Ehre darein, nur stylvolle und dauerhafte Arbeiten zu fertigen._

_Eine Waldstrasse führt uns von Rabenau nach Dippoldiswalde. Mit einigen Umwegen kann man leicht drei intr. Punkte, die +Barbarakapelle+, den +Einsiedlerstein+ und den +Wolfsstein+ besuchen. Wegweiser und weisse B, E und W führen an die betreffenden Punkte. Die Barbarakapelle ist die Ruine eines Wallfahrtskirchleins, die nach der Reformation zerstört wurde. Der Einsiedlerstein soll der Ueberrest einer Wohnung des Einsiedlers Dippold sein, der den neueren Forschungen nach freilich nie existirt hat. Dippoldiswalde hat seinen Namen von einem slav. Vladiken aus dem Geschlechte Dippoldicz. Die Wolfssäule erinnert an einen 1802 erlegten 203 Pfd. schweren Wolf. In den Sandsteinbrüchen am Ende des Waldes Petrefecten (Rest.). (In der Nähe herrliche Aussicht, Umschaugerüst projectirt.) Zwischen Stadt und Wald auf freiem Feld das +Tartarengrab+, eine Spitzsäule mit Stern und Halbmond geziert. Die Inschriften besagen, dass hier ein Tartar Mustapha Sulkowicz, Premier-Leutenant bei den Poln.-Sächs. Ulanen begraben liegt, der bei Reichsstadt während einer Attaque gefallen._

=Dippoldiswalde.= Stadt Dresden. Gold. Stern. Rest. Rathskeller. 3175 Einw. 357 m im anmuthigen Thalkessel an der rothen Weisseritz. Früher starker Bergbau mit nahe 100 Zechen und 3 Schmelzhütten. Viel Strohflechterei. Strohhutfabrikation. Schöner Marktplatz mit altem, sehenswerten =Rathhaus=, an welchem das Wappen der Maltitz und die Statuen der Maria und des Laurentius. =Goth. Hauptkirche= mit bemerkenswerthem Portal. Die =Nicolaikirche= auf dem Gottesacker entstammt dem 13. Jahrh. und zeigt byzant. Stylformen. (Wird gegenwärtig von Möckel restaurirt.) Das =Schloss= enthält das Gerichtsamt. Die Stadt ist Sitz einer sehr rührigen Section des Erzgebirgsvereins. Sommerfrische, billige Wohnungen. Vom Thal aus, wie von den Höhen über der Weisseritz drüben nach Edle Krone zu prächtige Blicke auf das malerische Städtchen.