Gampe's Erzgebirge mit Einschluss der böhmischen Bäder Teplitz, Karlsbad, Franzensbad und Marienbad, des Voigtlandes und des Granulitgebietes an den unteren Mulden. Ein Reisehandbuch

Part 16

Chapter 163,148 wordsPublic domain

=Geschichtliches.= Eger am Knotenpunkt grosser Heerstrassen und am Fusse mehrerer Gebirge gelegen, war schon im frühesten Mittelalter eine höchst wichtige Stadt, wie es jetzt mit seinen 5 Eisenbahnlinien noch immer der Centralpunkt eines grossen Landstriches ist. Als Festung erhielt sie besondere Bedeutung durch ihre Lage an drei Grenzen. Unter den Böhmerkönigen Wenzel und Podibrad fanden Reichstage zu Eger statt. Albrecht der Beherzte verlobte sich zu Eger mit einer böhmischen Königstochter. In den Hussitenkriegen war sie ein Hauptwaffenplatz des Kaisers Sigismund, der hier seine Armeen schlagfertig machte. Im schmalkaldischen Krieg sammelte Kaiser Karl V. eine grosse Armee zu Eger, Wallenstein machte sie zu einem Heerd seiner verheerenden Kriegszüge und so gingen Kriegsdrangsale und Brände in langer Reihenfolge über die Stadt dahin, ohne sie dauernd zu schädigen; dies gelang erst unter Kaiser Ferdinand II., welcher gestattete, dass seine Jesuiten die reichsten und intelligentesten Bürger ihrer evangelischen Glaubenstreue wegen vertreiben durften.

=Sehenswürdigkeiten.= Das =Stadthaus= am Ring zählt zu den inter. historischen Stätten des Landes. Hier wurde am 25. Febr. 1634 Wallenstein durch den Irländer Deveroux ermordet. Derselbe Raum, in dem der grosse Feldherr im Schlaf überfallen wurde und die anstossenden Räume bergen jetzt das =Egerländische Museum= (Eintritt 20 kr.). Man zeigt viele Gegenstände, die sich auf Wallenstein beziehen, so eine der Partisanen, mit welcher er erstochen wurde, ferner ein Portrait des Friedländers, das überaus ernste, harte Züge aufweist und mehrere freilich sehr kunstlose Gemälde, welche die Mordscene darstellen, aber dadurch Interesse gewinnen, dass sie kurz nach der That gemalt, also wenigstens den Glauben an historische Treue beanspruchen dürfen. Ausserdem viele Waffen, Standarten, kunstvolle Schlosserarbeiten, alte Stadtpläne und Ansichten von Eger, originelle Kleidertrachten aus dem Egerland, Einrichtungen von bäuerlichen Wohn- und Schlafstuben, alte, kunstgewerblich-werthvolle Uhren etc., egerländische Mineralien- und Insektensammlung. Das =Stadthaus= selbst ist inter. durch alte Kreuzgewölbe, Holztreppen etc. Im Hof liegen 300 Steinkugeln, ein Geschenk Kaisers Ferdinand I.

=Am Ring= liegt auch das =Riedel'sche Haus= mit seinem alten durchbrochenen Giebel. Hier speiste einst Kaiser Karl V., im Stadthause finden sich noch Zeichnungen des ehemals glänzenden Speisesaals. Das =Haus No. 17= neben dem Rathhaus schmückt folgende Inschrift: »In diesem Hause wohnte im Jahre 1791 Friedrich von Schiller behufs seiner Studien zur Wallensteintriologie.«

Mitten auf dem Ring der =Ringbrunnen= mit beachtenswerthen Figuren. Im Garten des Hotels =Kronprinz Rudolph= ein =Götheobelisk=. Der grosse Dichter verkehrte hier öfter mit dem Rath Grüner.

Die =Stadtkirche= soll 1111 fertig gestellt worden sein und ihr Uebergangsstyl aus dem Romanischen ins Gothische spricht für jene Bauzeit. Die Thürme entstammen dem 15. Jahrh. Im Innern 15 Altäre, welche mit Reliquien (Skeletten) und Gemälden reich ausgestattet sind. Am Hochaltar Gemälde die »Geburt Christi«, links davon »Christus am Kreuz« von Albrecht Dürer. Der Kreuzgang mit seinen 14 Stationen enthält ebenfalls Reliquien (Skelette von Heiligen).

Die =Franziskanerkirche=, in der die letzten 6 Mönche des ehemals grossen Franziskanerklosters ihren Gottesdienst abhalten, enthält 11 Altäre. Am Hauptaltar »Maria Verkündigung«. Das Masswerk in den 24 Fenstern des Kreuzganges verdient Beachtung wegen seines unerschöpflichen Reichthums in Anwendung der Kleeblattmotive.

Die =Kirche zu St. Clara= neben dem Kloster gehört einem Brauhaus und wird als Lagerraum benutzt. Bemerkenswerth ist darin ein sehr schöner gothischer Chor.

Das =Schloss zu Eger= ist eine historisch und baulich hochinteressante Ruine. (Führung 30 bis 50 Kr.) Sie liegt dicht über der Eger auf einem schroffen Felsen und bringt mit ihrem schwarzen massigen Thurm einen imposanten Eindruck hervor. Dieser Thurm, aus Lavablöcken vom Kammerbühl erbaut, soll ein Römerbau sein, doch dürfte das trotz seines augenscheinlich hohen Alters anzuzweifeln sein. Der Ziegelaufsatz rührt von französischen Kriegsvölkern her. An der Schlossruine selbst interessiren zumeist die wohlerhaltenen romanischen Fensteröffnungen des Banketsaales, in dem die Verbündeten Wallensteins, die Generale (Illo, Terzky etc.) beim Banket überfallen und ermordet wurden. Ein sehr interessantes historisches Architekturstück ist die Schlosskapelle, eine Doppelkapelle, deren unterer Theil dem schweren massigen romanischen Baustyl und der obere der formenreicheren Gothik angehört. Das untere Gewölbe tragen 4 colossale Granitsäulen, das obere stützt sich auf 4 Marmorsäulen. (In dieser Kapelle ward Kaiser Friedrich Barbarossa mit Adelheid von Vohburg, seiner ersten Gattin, vermählt.) Die Anlagen auf dem Schlosswall sind besonders anmuthig durch fesselnde Blicke hinab ins Egerthal.

Das =Rudolfineum= nennt sich ein moderner grosser städtischer Schulbau mit sehr vielen Namensinschriften berühmter Männer.

=Kleine lohnende Ausflüge=. Nach dem =Siechenhaus= und der =St. Annakapelle=. Am Siechenhaus Rest. zum Jägerhaus (2½ km). Wird sowohl von den Bewohnern Egers als von den Franzensbader Badegästen stark frequentirt. 1½ km vom Siechenhaus liegt die St. Annakapelle an der Strasse nach Wunsiedel mit herrlicher Fernsicht auf das Egerland, den Abhang des Erzgebirgs, dem Duppauer Gebirge und dem Fichtelgebirge mit dem Ochsenkopf, dem Schneeberg, dem Waldstein und der Kösseine. Andere beliebte Ausflüge sind nach =Wiess= und nach =Waldruh-Schlindelshau=, beide im Heiligenkreuzwald an der bairischen Grenze gelegen (5 km). Reizende Punkte.

Die Bahn windet sich von Eger durch das flache, von Bergen eingerahmte =Egerland= an Stat. =Mostau-Stebanitz= vorüber nach dem Egerfluss und geht zwischen dem auffälligen Städtchen =Königsberg= und dem stolzen =Kloster Mariakulm= hindurch.

=Königsberg-Mariakulm.= Königsberg gruppirt sich malerisch um eine grosse doppelthürmige Kirche. (Gasth. zur Krone). Das Kloster Mariakulm, auf dem Kulmberg gelegen, beherrscht das ganze weite Egerland und gewährt überaus fesselnde Landschaftsbilder. Grosse Wallfahrtskirche, zu der namentlich Wallfahrer aus Bayern und dem Innern Böhmens herbeiströmen. Neben der Marienkapelle liegt die Räuberhöhle mit schrecklichen Knochenüberresten, an welche sich eine bekannte Sage von der wunderbaren Bekehrung der Räuber knüpft, der sich auch die Volkstheater vielfach bemächtigt haben.

Die Bahn gelangt nun in das =Falkenauer Kohlenbecken= nach =Falkenau=, wo sich die Zwota in die Eger ergiesst.

=Falkenau.= Post. Weisser Löwe. Anker. Hübsches Schloss mit Garten. 6000 Einw. 396 m ü. M. Betreibt Kohlenbergbau. In der Umgebung viel Hopfenbau. Göthe beschreibt die Gegend schon als eine höchst anmuthige.

Von Station =Ellbogen-Neusattel= führt ein 3 km langer Zweigtract an die Stadt Ellbogen.

=Ellbogen.= Weisses Rössel. Hirsch. Scheerbaums Gasth. 3300 Einw. Die Stadt liegt malerisch auf einem mächtigen Granitfelsen, den die Eger in Form eines Ellenbogens umschäumt, was der Stadt den merkwürdigen Namen gegeben haben soll. Schloss Ellbogen ist bereits im Jahre 807 begründet worden, die Stadt ist gleichfalls im 9. Jahrh. entstanden. Im Schloss hielten die böhmischen Stände einst den König Wenzel gefangen. Altersgraue Mauern, Zinnen und Thürme umgeben die romantische Stadt. Die Kettenbrücke über die Eger wurde bereits 1836 vollendet. Im Rathhaus liegt noch ein Stück von dem sogenannten =verwünschten Markgrafen=, einem Meteorstein, der in Ellbogen niederfiel; er wog 276 Pfd. (Die Hauptmasse ist in Wien, das Ellbogener Stück wiegt 36 Pfd.) In der Stadtkirche interessirt ein Altarbild, welches die Ermordung des heil. Wenzeslav durch seinen Bruder Boleslav I. darstellt. Dieser Mord vollzog sich 936 am Altar der Kirche zu Altbunzlau.

Unsere Weiterfahrt zeigt uns links das massige =Erzgebirge= mit seinen höchsten Erhebungen, dem =Keil-= und =Fichtelberg= und rechts das =Mittelgebirge= und das =Egerthal=.

Karlsbad siehe Seite 99.

60. =Plauen-Eger= (über Adorf Voitersreuth und Franzensbad 76 km). =Marienbad= (32 km). =Stift Tepl= (17 km). =Karlsbad= (48 km).

Bis Eger siehe Tour 59.

Die Bahn überschreitet hinter Eger bei =Pograth= die =Wondreb=, einen starken Zufluss der Eger. Im Städtchen =Sandau=, das wir passiren, Papiermachéindustrie.

=Königswart=, 1800 Einw., liegt malerisch am 514 m hohen Glatzeberg, der sich über den Kaiserwald erhebt. (Franzens-Denkmal.) Das =Schloss Königswart=, 2 km vom Städtchen in der Nähe der Station mit prächtigem Park, gehört dem Fürsten Metternich. Waffen-, Münz- und Gemäldesammlung. Schöne Geweihe, seltene Mineralien, Degen des Königs Ludwig XVI. Wer sich für das Waschbecken des Kaisers Napoleon interessirt, kann es hier zu sehen bekommen. Die Kapelle besteht aus Marmorsteinen, welche Papst Gregor XVI. einem Fürsten Metternich zum Geschenk machte, sie entstammen der durch Feuer vernichteten St. Pauluskirche zu Rom.

Wir passiren die Dörfer =Altwasser= und =Schanz= und gelangen am =Rehknockwald= vorüber nach Station Marienbad, die von dem Bad 2½ km entfernt liegt.

=Marienbad.= Neptun. Stadt Hamburg. Englischer Hof. Zum Stern. Stadt Newyork. Zur Tanne. Herzaus Rest. Marienbad ist unter den böhmischen Weltbädern das jüngste, es wurde erst Anfang dieses Jahrhunderts begründet; sein Aufschwung datirt erst von dem Anfang der sechziger Jahre her. Das Bad liegt am Flüsschen Mies in herrlicher Waldgegend von Waldbergen rings eingeschlossen. Das Klima ist sehr mild, die Quellen, obwohl sie der Erde kalt entrinnen, ähneln in ihrer chemischen Zusammensetzung den Karlsbader Wässern. Von dem Kreuzbrunnen versendet man jährlich nahezu 1 Million Krüge.

Morgens von 6 bis 7½ Uhr und Abends von 6 bis 7 Uhr ist Badeconcert an der Promenade in der Nähe des Kreuzbrunnens. Mittags ist der stärkste Verkehr an der Waldquelle in der Nähe der anmuthig gelegenen Waldmühle.

=Sehenswürdigkeiten.= Am Kreuzbrunnen =Denkmal= des Arztes Joseph Nehr, der zuerst die Aufmerksamkeit auf die Heilkraft der Quellen lenkte. (Geb. am 8. Mai 1752.) Sehenswerth ist ferner das =neue Badehaus= mit grossartigem Conversationssaal und Restaurant. In der Nähe das =Heidlerdenkmal= mit lateinischer Inschrift, welche besagt, dass Polen dasselbe dem verdienten Arzte und Erforscher der Heilquellen, Carl Joseph Heidler, Edlem von Heilborn, errichteten. Die achteckige Kirche besitzt 5 Altäre mit einem guten Marienbild. Die schönste Strasse ist die =Kaiserstrasse=, glänzende Kaufläden befinden sich auch in der Nähe des Kursaales.

Die =Umgebung= Marienbads ist höchst dankbar. Von der =Rudolphsquelle= aus ersteigt man den =Kaiserthurm= in 30 Min. 153 m über der Stadt. 754 m Seehöhe. Der Thurm ist 30 m hoch. Eintritt nach Belieben. Die nahen Thalbilder sind höchst anmuthend, besonders nimmt sich das fast neue Marienbad im waldigen Thalkessel malerisch aus. In der Ferne sieht man Königswart und die Thürme von Eger, dahinter das Fichtelgebirge, gegen Süden taucht der Böhmerwald auf mit dem Seewandberg, besonders auffällig tritt die =Pfrauenberger Ruine= auf hoher Bergkuppe hervor. In der Nähe liegen drei Pavillons, die =Wilhelmshöhe=, der =Mecserytempel= und die =Hirtenruh=, ebenfalls vielbesuchte, dankbare Aussichtspunkte. Die =Panoramahöhe= mit Restaurant in der Nähe des Thurmes (½ km) gewährt gleichfalls anmuthige Thalbilder. Vom Kaiserthurm 2 km entfernt liegt die =Hohendorfer Höhe=, von welcher aus auch Nord- und Nordost frei vor dem Beschauer liegen, im Uebrigen gewährt diese Höhe ähnliche Aussicht, wie der Kaiserthurm. Der =Podhorn-= oder =Boderberg= beim Dorfe Abaschin ist 5 km von Marienbad gegen Tepl hin entfernt, man besucht ihn daher am Besten auf der Tour nach Tepl. Der 838 m hohe Basaltrücken gestattet eine grossartige Fernsicht und übertrifft darin sowohl den Kaiserthurm als die Hohendorfer Höhe.

Nach Stift Tepl führt eine alte und eine neue Strasse. Fuhrwerke 5 bis 6 fl. Wer zu Fuss wandert, verbinde damit einen Besuch der Hohendorfer Höhe, gehe dann nach Hohendorf und Abaschin und die alte Strasse durch den =Podhornwald= am =Boderberg= oder =Podhornberg= vorüber nach =Obergramling= und dem Stift. Die Stadt Tepl bleibt zunächst links.

=Stift Tepl.= Das grossartige Stift mit seinen wahrhaft königlichen Baulichkeiten ist ein Prämonstratenserkloster, dessen Besitzthümer ausserordentlich grosse sind und dessen Güter bis in die Pilsener Pflege reichen. (Gasthaus am Kloster und in dem 2 km entfernten armseligen Städtchen Tepl.) Die Klosterbibliothek besitzt 60000 Bände, darunter Incunabeln, ein Modell des Klosters und eine Schnitzarbeit, einen sehr hohen Stammbaum, der alle Fürstengeschlechter der Erde umfassen soll. Das =Museum= enthält zoologische und mineralogische Sammlungen, ein Planetarium und physikalische und astronomische Instrumente. Im sogenannten »Blauen Saal« ein echter Murillo, den heil. Franziskus darstellend. In den Hauskapellen einige gute Gemälde, im Refectorium treffliche Portraits von Tepler Prälaten.

Die =Klosterkirche= zeigt den Uebergangsstyl aus dem romanischen ins gothische. Grosser Reichthum in der Ausstattung. An der Decke über 100 Gemälde mit Darstellungen aus dem Leben Marias. Das Altarblatt, Maria Verkündigung, ist von Molitori. Am Hauptaltar der Marmorsarkophag des Begründers St. Hroznata, ein Kreuzritter, der 1217 in der Gefangenschaft verstarb. Raubritter hatten ihn nach der Burg Kinsberg bei Eger entführt. 14 Seitenaltäre mit Gemälden von Kramolin.

Nun durch das ärmliche Tepl, welches für das überaus stolze prächtige Kloster eine charakteristische Folie darstellt, dann entweder die Strasse über =Einsiedel= oder gerader über das Dörfchen =Pauten= und hinab ins Teplthal, das wir bis Karlsbad nicht wieder verlassen. Von Unterhammer ab herrliche Thalstrasse.

=Petschau.= Zur Post. Trotziges Schloss des Grafen Beaufort über der Tepl auf hoher Felswarte. Von hier ab hat man Fahrgelegenheit nach Pirkhammer oder Karlsbad. (80 kr. und 1 fl.) Wer den =Aberg= besuchen will, geht an der Stelle, wo sich die Strasse nach =Aich= links abzweigt, gerad aus einen der Bergpfade hinauf. Siehe Seite 102. Karlsbad siehe Seite 99.

Anhang.

Vorschlag für eine industrielle Excursion durch das Ober-Erzgebirge nach dem oberen Voigtland.

(Sämmtliche Orte sind bereits beschrieben, daher sei hier auf das Register verwiesen.)

=Dresden-Glashütte= (Uhrenfabrikation). =Altenberg= (Zinnbergbau, Strohflechterei). =Schmiedeberg= (Eisenindustrie). =Neuhaus-Purschenstein-Seiffen-Olbernhau= (Spielwaarendistrict). =Kallich= (Nagelschmiede). =Zöblitz= (Serpentinsteinindustrie). =Lengefeld-Zschopau= (Textilbranchen). =Annaberg-Buchholz= (Posamenten, Spitzen). =Weipert= (Gewehrfabrikation). =Elterlein-Grünhain-Beierfeld= (Löffelschmiedereien, Blechspielwaaren). =Lauter= (Korbflechterei). =Schwarzenberg= (Eisendistrict). =Aue= (Argentanfabriken, Blecharbeiterschule). =Schneeberg-Neustädtl= (Weisswaaren, Bergbau). =Eibenstock= (Tambourirstickerei). =Schönhaide= (Pinsel- und Bürstenfabrikation). =Carlsfeld= (Uhrenfabrikation). =Klingenthal-Markneukirchen= (alle erdenklichen Musikinstrumente). =Adorf= (Muschelindustrie). =Oelsnitz= (Perlfischerei). Ferner =Plauen=, =Reichenbach=, =Greitz=, =Werdau=, =Meerane=, =Crimmitzschau=, =Zwickau=, =Glauchau=, =Chemnitz=, =Frankenberg=, =Hainichen= und =Freiberg= mit ihren vielseitigen und weltbekannten Industrien.

Vorschlag für eine Tour längs des Kammes.

(Passionirten Touristen als echte Gebirgsreise besonders empfohlen!)

Sämmtliche Punkte haben bereits Beschreibung gefunden, daher sei hier auf das Register verwiesen. Uebrigens ist diese Tour nur mit Spezialkarte möglich, doch lohnt sie die Mühe der Pfadfinderkunst durch eine echte und gerechte Gebirgs- und Waldnatur und durch eine ganze Kette der herrlichsten Aussichtspunkte, wie ein kurzes Nachschlagen im Buch sofort darthun wird.

=Nollendorf-Mückenthürmchen= (8 km). =Zinnwald= (8 km). =Rehefeld-Zaunhaus= (5½ km). =Neustadt= (4½ km). =Langenwiese= (über den Dreiherrnsteinberg 7 km). =Göhrn= (über den Wieselstein und den Schwarzenberg 8 km). =Deutsch-Einsiedel= (4 km). =Gebirgsneudorf= (4 km). =Bernsteinberg= (4 km). =Kallich= (über Ladung 10 km). =Reitzenhain= (8 km). =Pressnitz= (16 km, etwas langweiliger Weg). =Kupferberg= (5½ km). =Hauensteinberg= (10 km). =Gottesgabe= (10½ km). Von hier über Platten, Johanngeorgenstadt, Auersberg, Wildenthal und Karlsfeld nach Schöneck oder über Sachsengrund nach dem Rammelsberg und dem Aschberg, siehe Routennetz.

Ferner führt eine höchst bequeme und äusserst dankbare +Tour+ am +südlichen Steilhang des ganzen Erzgebirges+ hin. Man kann sich jeden Augenblick durch die parallelen Bahnlinien das Fortkommen erleichtern und Bielathal und Egerthal mit dem malerischen Mittelgebirge ziehen an uns vorüber wie ein Wandelpanorama.

Man beginnt bei Kulm, sodann Geyersburg-Graupen-Pihanken-Eichwald-Wolfsstein-Niclasberg-Klostergrab- Ossegg-Oberleitensdorf, Schloss Eisenberg, Schloss Rothenhaus-Görkau. Weiter siehe Routennetz. Sämmtliche obengenannte Punkte sind in andere Touren eingefügt und an anderen Stellen bereits beschrieben worden.

Fußnoten

[1] Der Pöhlberg verdient einen Ausschauthurm und er sei hiermit dem jüngst berufenen Bürgermeister Herrn Voigt, der in Mittweida so viel für die Touristik gethan, angelegentlichst empfohlen.

D. V.

[2] Noch während der Drucklegung dieses Buches geht dem Verfasser die Nachricht zu, dass der Böhmische Gebirgsverein vorläufig ein Ausschaugerüst auf dem Keilberg errichtete.

Warmbad Wiesenbad im Sächsischen Erzgebirge.

Saison von Anfang Mai bis Ende September.

Station an der Chemnitz-Annaberger Staatseisenbahn, Post- und Telegraphenamt.

Prachtvolle Fichtenwaldung, reizende Spaziergänge. Die Quelle übertrifft nach der neuesten Analyse die Thermen von Pfeffers Schlangenbad, Wildbad und Gastein.

Die Gebäude enthalten ca. 100 gut eingerichtete Wohnungen zu mässigen Preisen.

Restauration mit vorzüglicher Küche und gutem Keller, grosser Table d'hôte-Saal, Lesezimmer, franz. Billard, Schleuderkegelspiele u. s. w.

Für Touristen der günstigen Lage wegen besonders empfohlen.

Alles Nähere ertheilt, sowie Wohnungsbestellung nimmt entgegen

=A. Weser=, Wiesenbad bei Annaberg.

BAD EINSIEDEL

bei

Seiffen in Sachsen.

Das älteste bekannte Mineralbad Sachsens und Sommerkurort, dessen drei Mineralquellen zur Klasse der salinisch-erdigen Eisenwässer gehören, wird der Beachtung des Publikums angelegentlichst empfohlen. Dieses Bad liegt 750 Meter über der Ostsee in einer der reizendsten Gegenden des Erzgebirges, zwei Stunden südöstlich von Saida, und ist von jeder der drei Eisenbahnstationen Bienenmühle, Olbernhau und Johnsdorf (Böhmen) drei Stunden entfernt. Es ist wegen seiner geschützten Lage inmitten einer herrlichen Nadelholzwaldung, sowie wegen seiner reinen, gleichmässig warmen und feuchten Wald- und Gebirgsluft ein überaus angenehmer und erfrischender Aufenthaltsort. Unterkommen und Verpflegung gut und billig; herrliche Umgebung, Fahrgelegenheiten nach allen Richtungen zu mässigen Preisen; Abholung von der betreffenden Bahnstation auf vorherige rechtzeitige Bestellung.

Brief- und Telegrammadresse: Bad Einsiedel bei Seiffen.

* * * * *

Denjenigen, welche sich über das Mineralbad zu Einsiedel, seine Lage, Geschichte, Einrichtungen, Quellen, Umgebungen u. s. w. genauer zu orientiren wünschen, sei die Broschüre des Ingenieur-Geographen Kiesling »Das Mineralbad zu Einsiedel bei Seiffen in Sachsen« empfohlen, welche über alles nur Wünschenswerthe die genaueste Auskunft ertheilt.

+Bad Einsiedel+ bei Seiffen, im Frühjahr 1881.

=Die Badeverwaltung.=

WARMBAD

bei Wolkenstein im Erzgebirge.

Anfang Ende der Saison der Saison Mitte Mai. 30. September.

40 Min. von Telegraphenstation und Bahnhof Wolkenstein, Reisedauer bis dahin aus Dresden und Leipzig über Flöha je 5½ Stunden.

Wärmste Quelle Sachsens mit 23½° R., angenehmer Landaufenthalt. Besonders erfolgreiche Curen bei Blutarmuth, Rheumatismus und Gicht, bei den verschiedenen Nerven- und Geschlechtskrankheiten, bei Reconvalescenz nach schweren Niederlagen u. s. w.

Durch Erbauung eines neuen Oekonomiehofes ist die Anzahl der Wohnungen auf 125 gestiegen, auch wurde durch denselben Umstand eine wesentliche Erweiterung und Verbesserung der Anlagen herbeigeführt.

Für Verpflegung ist durch ebenso gute Restauration als vorzügliche Milchwirthschaft bei billigen Preisen bestens gesorgt, ebenso sind die gangbarsten Mineralwässer in frischer Füllung stets vorhanden.

Bestellungen auf Wohnungen, sowie auf Geschirr zur Abholung vom Bahnhof beliebe man an den mitunterzeichneten Badedirector zu richten, welcher auch auf Wunsch mit Prospecten Ihnen zu Diensten steht.

+Warmbad+ 1881.

Dr. med. =Kay= in Wolkenstein, Badearzt.

=Friedrich Wilhelm Uhlig's Erben=, Badebesitzer.

=Louis Uhlig=, Director.

Olbernhau

Hôtel zur Gerichtsschänke

Erstes Hôtel

in unmittelbarer Nähe der Post und des Bahnhofes

Ecke des Marktplatzes und der Bahnhofstrasse

empfiehlt sich durch seinen Um- und Neubau.

A. Windisch.

Im Verlag von =Bleyl & Kaemmerer= in =Dresden= erschien und ist durch alle Buchhandlungen zu beziehen:

WANDERSPRÜCHE.

Ein Büchlein

für alles fahrende Volk

von

Theodor Gampe.

Preis: elegant broch. 1 ℳ; elegant geb. 1 ℳ 50 ₰.

Dresden. F. Thomass.

Weitere Anmerkungen zur Transkription

Die im Titel angeführte Karte war nicht vorhanden.

Offensichtlich fehlerhafte Zeichensetzung wurde stillschweigend korrigiert.

Unterschiedliche Schreibweisen wurden, soweit nicht unten aufgeführt, beibehalten.

Korrekturen (der korrigierte Text ist in {} eingeschlossen):

S. 2: Pophir → Porphir weitzerstreuten Granit-, {Porphir}-, Gneis- und

S. 3: pitoreske → pittoreske bizarr-{pittoreske}, vulkanisch-wilde Mittelgebirge

S. 4: den → dem allmählig zu {dem} 765 m hohen Kapellenberg ansteigt

S. 4: seinen → seinem zeigt mit {seinem} Elsterthal

S. 5: Osseg → Ossegg Eichwald, {Ossegg}, Oberleitensdorf

S. 7: darau → darauf und {darauf} ist die ausgeprägte Geselligkeit

S. 8: pernament → permanent Im Gegentheil, ein {permanent} fröhlicher

S. 10: Erzgbirger → Erzgebirger Für Scherzworte ist der {Erzgebirger} äusserst empfänglich

S. 11: Voigtland land → Voigtland nach dem {Voigtland} hinabsenkt

S. 13: Angabe muss falsch sein schreibt {8--10 m Schrittgrösse} und eine Schrittzahl

S. 15: unansehnliehen → unansehnlichen selbst in oft {unansehnlichen} Gasthäusern

S. 17: lisgt → liegt Pirna {liegt} 114 m

S. 18: neugothisehe → neugothische Die {neugothische} =kath. Kirche=

S. 20: Kneist → Kleist {Kleist} griff sie im Rücken an

S. 22: Osseger → Ossegger In den 8 km entfernten {Ossegger} Kohlenschächten

S. 24: Milischauer → Millischauer {Millischauer} oder Donnersberg genannt

S. 27: Morreaus → Moreaus ein Portrait {Moreaus}, dem Widersacher Napoleons

S. 30: 00 → 27 geht über Probstau (S. {27}) und

S. 31: Amathyste → Amethyste Achate, {Amethyste}, Jaspis

S. 31: Kirehe → Kirche Die {Kirche}, 1535 erbaut

S. 31: km → m Stadt Teplitz. Gold. Löwe. 470 {m}.

S. 34: einen → einem und gleicht {einem} riesigen Heuschober

S. 34: das → dass der Sächs. Schweiz verdiente, {dass} man sie

S. 37: bebesuchen → besuchen und den +Wolfsstein+ {besuchen}

S. 38: Fiehten → Fichten Holzgerüst zwischen drei {Fichten} gestattet

S. 39: Niclasbers → Niclasberg =Forsthaus Kalkofen= nach ={Niclasberg}=

S. 39: Thalkessal → Thalkessel Mittelgebirge und den Teplitzer {Thalkessel}

S. 40: nah → nach Direct {nach} Teplitz geht man von Ossegg