Gampe's Erzgebirge mit Einschluss der böhmischen Bäder Teplitz, Karlsbad, Franzensbad und Marienbad, des Voigtlandes und des Granulitgebietes an den unteren Mulden. Ein Reisehandbuch

Part 15

Chapter 153,223 wordsPublic domain

=Mylau= an der Göltzsch. Reichsadler. Zur Quelle. Löwe. Restaur. sind: Rathskeller, Schützenhaus und Trinkhalle. 4900 Einw. 304 m ü. M. Mylau betreibt die gleichen Industrien, wie seine Nachbarstadt Reichenbach. Ein altes =kaiserliches Jagdschloss=, in dem Kaiser Karl IV. öfter eingesprochen, dient jetzt gewerblichen Zwecken (Wolldruckerei). Der hintere Hof führt noch heute den Namen »Der Kaiserhof«.

Die =Göltzschthalbrücke=, 1½ km unterhalb Mylaus bringt den grossartigsten Eindruck hervor, wenn wir dicht an ihren Pfeilern stehen; sie wurde vom Major Wilke entworfen und ist, wie schon angedeutet, eines der kühnsten und grandiosesten Bauwerke unseres Zeitalters. Höhe 77 m. Länge 574 m. Der mittlere Bogen hält 84 m Spannweite. Baukosten 7 Millionen Mark. An Ziegeln fanden 20 Millionen Stück Verwendung. Die Brücke würde heut, da man der Billigkeit wegen die Curven liebt, nicht mehr erbaut werden, obwohl sie sich durch Abkürzung des Tractes reichlich verzinsen soll. Erbaut von 1846 bis 1851.

_+Anmerkung.+ Wer direct nach Greiz will, wandere im schönen +Göltzschthal+ entlang. Der Fluss bildet die Grenze zwischen Sachsen und Reuss. Wir gehen am linken Ufer unter der Brücke durch bis vor die Winkelmann'sche Fabrik, hier auf dem Steg zum rechten Ufer unfern der Einmündung des Friesenbachs. Hier nicht rechts gehen, sondern über die Höhe zur +Schwarzhammermühle+ und über die Brücke. Nunmehr bleiben wir am linken Ufer bis an die Einmündung der Göltzsch in die Elster. Rechts der Elster liegt der +Papiermühlenfelsen+ mit der »Schönen Aussicht«, vom Greizer Verschönerungsverein zugänglich gemacht. Auf diesem Wege von der Göltzschthalbrücke bis Greiz 8 km. Bei der Schwarzhammermühle kann man auch rechts hinauf über +Irschwitz+ nach Greiz gehen. (Dann nur 6 km bis Greiz.) Greiz s. S. 144._

Der Tour treu passiren wir mit der Bahn die Göltzschthalbrücke. Man setzt sich der Thalblicke wegen am Besten auf die rechte Seite, links liegt noch ein Gleis zwischen dem Brückengeländer und dem Waggon.

=Netzschkau.= Pinks Gasthaus. Löwe. Bair. Hof. Rest. zur Bleibe. Rathskeller. Singer. Schlosskeller. Bahnhofsrest. mit Garten. 3800 Einw. 348 m ü. M. Weberei von Kattun und Futtermusselin. Schönburgisches Schloss mit neuangelegtem Park. Im Südwest der Stadt, 3 km entfernt, liegt der 512 m hohe =Kühberg=, eine Triangulirungsstation, von der man das Voigtland mit seinen einrahmenden Höhenzügen überschauen kann. Man geht dann gleich über =Reimersgrün= nach =Herlasgrün= an die Eisenbahn.

Die Bahn umgeht in weitem Bogen den =Kühberg= und berührt die Dörfer =Limbach=, =Herlasgrün= (Kreuzpunkt) und =Ruppertsgrün=.

In =Joketa= verlassen wir die Bahn. (Gasthaus.) Die =Elsterthalbrücke= bei Joketa ist zwar nur 280 m lang und 68 m hoch, doch erscheint sie, durch eine sehr romantische Umgebung gehoben, fast imposanter wie die Göltzschthalbrücke. Man kann nach dem mittleren Bogen in der ersten Etage gehen; hier macht das Bauwerk einen überwältigenden Eindruck, dazu kommt in der Tiefe der frische Bergstrom, die Elster, und die prächtigen Thalgehänge. (Die Bahn unter der Brücke hindurch verbindet Plauen mit Greiz.) Die Bauzeit der Brücke (1846--51) fällt mit derjenigen der Göltzschthalbrücke zusammen. Die Namen der Erbauer, Wilke und Kell, finden sich an den Pfeilern verewigt.

Wir gehen nun im =Elsterthal= abwärts. Prächtige Thalwanderung. Bei =Liebau= =Ruine Liebau= auf der Höhe mit herrlichen Thalblicken. (Schöner ist der Ausblick von dem =Rindenhäuschen=.) Links liegt =Trieb=. Nun hinab zur =Rentzschmühle=. Hotel Steinigt. Hier beginnt das sogenannte =Steinigt=, ein enges wildromantisches Thal, das einst die Elster durch das harte Gestein gebrochen. (Auch voigtländische Schweiz genannt, schönste Partie im Elsterthal.)

_+Anmerkung.+ Viele ziehen vor von Joketa über Bartmühle und Trieb nach Rentzschmühle zu gehen. Ueberraschende Blicke auf den grossartigen Viaduct._

=Elsterberg.= Rathhaus. Grüner Baum. Heckel's und Flachs' Rest. 3600 Einw. 282 m ü. M. Gerberei und Färberei. Die romanische Kirche wurde 1840 erbaut. Die Burgruine Elsterbergs gehört zu den umfänglichsten des ruinenreichen Thüringer Landes, an dessen Grenzmarken Elsterberg liegt. Die stolze Ruine auf einem Felsen über der Elster war mit ihren doppelten Ringwällen ein fester Sitz der Herren von Lobdaburg. (Zerstört durch Markgraf Friedrich von Meissen während des sogenannten voigtländischen Krieges Mitte des 14. Jahrh.)

Nach Greiz benutzt man die Bahn, welche die launenhaften Krümmungen der Elster mehrmals abschneidet. Vor Greiz rechts der =Papiermühlenfelsen= mit schöner Aussicht. S. 144 u. 142.

=Greiz.= Hotel Hennig. Löwe. Thüringer Hof. Zum Kranich. Rest. zum Fürstenkeller. Grimms Gartenrest. Trömels Rest. mit schönem Garten. 13000 Einw. Am oberen Bahnhof 287 in ü. M. Greiz, an der Elster im romantischen Thalkessel gelegen, ist Residenz des Fürstentums Reuss j. Linie. Das alte =Fürstenschloss= auf hohem tunneldurchbrochenen Felsen nimmt sich höchst imposant aus, auch das =neue Schloss= ist sehenswerth. Der =fürstliche Gartenpavillon= liegt inmitten reizender Anlagen. Am Heinrichsplatz steht als =Kriegerdenkmal= eine Germania. Greiz ist eine sehr rührige Fabrikstadt und betreibt hauptsächlich Spinnerei, Wollen- und Baumwollenweberei, Druckerei und Färberei.

Die reizende Umgebung von Greiz mit ihren grossen fürstlichen Wäldern, dem Thalzug der Elster und den schönen Waldbergen hat mancherlei lohnende Punkte aufzuweisen. Genannt seien hier vor Allem der =Hirschstein= mit seinem weithinleuchtenden weissen Kreuz und seinen höchst malerischen Blicken auf das Elsterthal und auf die anmuthig an dem Schlossfelsen gruppirte Stadt. Sodann besuche man den schon genannten =Papiermühlenfelsen= über dem Einfluss der Göltzsch in die Elster. Der »Guckkasten« giebt einen prächtigen Ausblick auf Stadt und Umgebung, der andere Punkt auf diesem Felsen, die »Schöne Aussicht« zeigt das romantische Göltzschthal.

Nach Zwickau zurück benutzen wir die Greiz-Brunner Eisenbahn (27 km).

57. =Zwickau-Plauen= (49 km).

Bis Joketa siehe Tour 56. Der Zug passirt die Elsterbrücke (rechts setzen), überschreitet dann den Fluss und die Elsterthalbahn nach Greiz zu. Kurz vor Plauen rechts der 431 m hohe Reinsberg.

=Plauen.= Deils Hotel. Blauer Engel. Fürstenhalle. Grüner Baum. Hotel Müller. Goldner Löwe. Stadt Dresden. (Letztere beiden Touristen empfohlen.) Zum Tunnel. Zur Quetsche. Bierquelle. Bierhalle. Merkels Garten. Zur Wolfsschlucht. Wartburg mit Garten. Centralhalle. In der Umgebung das Felsenschlösschen und das Bergschlösschen. Streits Bergrestaurant. 35069 Einw. Zunahme seit 1875 22%, ein Satz, der in ganz Deutschland von keiner Stadt erreicht wurde. Am Bahnhof 410 m, am Bezirksgericht 355 m ü. M.

Vor 20 Jahren hatte die überaus gewerbthätige Stadt nur wenig mehr als den dritten Theil seiner heutigen Einwohner. Die Weisswaarenfabrikation Plauens gehört zu den grössten Gewerbsbranchen Sachsens und hat für ihre Artikel die spezielle Bezeichnung »Plauen'sche Waare«. (Gardinen, Jaconets, Batiste, Musseline und ähnliche Stoffe.) Die Musselinweberei, aus Schwaben und der Schweiz hierher verpflanzt, war ehedem unter strenger, gewerbepolizeilicher Controle; die sogenannten Schleierherren prüften jedes einzelne Stück und versahen nur diejenigen mit ihren Stempeln, welche als tadellos befunden waren. Grossartig hat sich die Plauen'sche Weissstickerei entwickelt, etwa 6000 Mädchen nähren sich durch Maschinen- und Handstickerei. Die Stickmaschine wurde 1857 eingeführt. Ausserdem besitzt Plauen Gerbereien und Färbereien. Die Plauen'sche Actienbrauerei producirt im Jahr 20,000 Hectoliter ihres beliebten Getränks. Wirthschaftlich wichtig sind auch die Viehmärkte zu Plauen mit einem Zutrieb von 15 bis 16000 Rindern.

=Sehenswürdigkeiten.= Der hochgelegene =Hradschin= (Schloss) war ehemals Residenz der Landvoigte von Plauen; jetzt ist darin das Gerichtsamt untergebracht. Die doppelgethürmte =Johanneskirche=, 1430 von den Hussiten verwüstet, ist schön restaurirt worden; ein werthvolles Altargemälde von Prof. Mathäi. Die junge Stadt besitzt meist neue saubere Gebäude, von den älteren thut sich nur das Rathhaus mit altem Stadtwappen hervor.

=Spaziergänge und kleine Ausflüge.= Nach =Streits Berg= mit Gartenrest. und Aussichtsthurm. 1½ km. Nach der schöngelegenen =Holzmühle= im Syrathal; 3½ km nordwestlich der Stadt. Hübsche Aussicht gewähren sämmtliche Höhenzüge in der Umgebung, am umfassendsten ist die Rundschau vom sogenannten =Kemmler=, einer Triangulirungsstation (3½ km, Südosten), 507 m ü. M. Aussichtsthurm projectirt, den der herrliche Punkt auch wirklich verdient. Näher liegen das =Felsen-= und =Bergschlösschen= an der Strasse nach Hof mit anmuthiger Aussicht auf die junge, regsame Stadt. Sehr beliebt ist auch der Spaziergang durch das Knieloh und den Reusaer Wald nach Reusa. Unterwegs Lindentempel. 5 km. Knieloh ist ein Seitenthal der Elster. In diese Tour lässt sich auch ein Besuch des Kemmlers hereinziehen.

Ausflüge ab Plauen.

58. =Plauen-Elsterberg= (17 km). =Greiz= (6½ km). =Mylau= (über Irschwitz und Schwarzhammermühle 8 km). =Reichenbach= (3 km). =Lengenfeld= (7½ km). =Auerbach= (8 km). =Falkenstein= (4 km). =Schöneck= (12 km). Weiter siehe Routennetz.

Entweder mit Dampf bis zur Station =Rentzschmühle= oder zu Fuss am linken Elsterufer thalabwärts. Wer die Elsterthalbrücke besuchen will, geht hinauf nach dem Dörfchen =Röttis=.

Ruine Liebau, das Steinigt, Elsterberg und Greiz. Siehe Routennetz.

Von Greiz nach dem Papiermühlenfelsen und Schwarzhammermühle unter der Göltzschthalbrücke hindurch nach Mylau und Reichenbach. Siehe Routennetz.

Von Reichenbach über das 453 m hochgelegene =kalte Feld= nach =Lengenfeld= (Seite 136) und im =Göltzschthal= entlang nach =Auerbach= (Seite 135).

_+Anmerkung.+ Von Auerbach lohnt ein Abstecher nach Bad Reiboldsgrün und der Goldenen Höhe. (Reiboldsgrün, Seite 135.)_

Nun stark bergauf nach

=Falkenstein=. Hotel Pohlandt. Zum Falken. Restaurant zum Sächsischen Hof. Rathskeller. Gute Quelle. 5200 Einw. Am Bahnhof 552 m ü. M. 1859 fast ganz abgebrannt, besteht die Stadt meist aus neuen, wohnlichen Gebäuden. Gardinenfabrikation. Maschinenstickerei. Der Eisenbahnfiscus besitzt hier eine grosse Imprägniranstalt, die den Eisenbahnschwellen längere Dauer verleiht. Die 1869 vollendete =gothische Kirche= gilt mit Recht als eine der schönsten unter den neueren Kirchen Sachsens: sie ist vom Baumeister Arnold in Dresden entworfen, ihren Altar schmückt ein Gemälde von Gonne.

Im =Falkensteiner Schlossgarten= ersteige man den Felsen, der eine gute Aussicht auf Stadt und Umgebung darbietet.

Der =Wendelstein=, 2½ km im Süden der Stadt, 738 m hoch, gewährt von der höheren Felsgruppe, die auch Triangulirungsstation ist, einen grossen Rundblick über das Voigtland und seine umrahmenden Bergzüge. Eine Inschrift von zwei Worten bezieht sich auf Freiherrn von Trützschler, der 1849 in Mannheim dem Standrecht verfiel.

Nach Schöneck führt der Weg durch =Poppengrün= bald auf aussichtreichen Höhen hin, bald durch schöne Waldungen.

Schöneck und weiter siehe Routennetz.

59. =Plauen-Oelsnitz= (per Bahn 21 km, die Strasse an dem 510 m hohen Kulmberg vorüber nur 10 km). =Adorf= (13 km). =Elster= (5 km). =Franzenbad= (ab Mühlhausen per Bahn 33 km). =Eger= (7 km). =Königsberg-Mariakulm= (15 km). =Karlsbad= (37 km).

Die Bahn folgt einer grossen Krümmung des Elsterflusses, dessen Thalsohle auch die Hauptlinie bei Kürbitz gewinnt. Es empfiehlt sich auch zu Fuss über Kürbitz, Weischlitz und Laneckhaus bis Station Rosenthal-Pirk zu gehen und von hier ab erst zu fahren.

=Oelsnitz.= Goldner Engel. Wilder Mann. Sonne. Norddeutscher Hof. Stadt Dresden. Rest. zur Post. Zum Rathskeller. Zum Schiesshaus. 6000 Einw. 409 m ü. M. Halbwollweberei. Gerberei. Corsettfabrik. Die Stadt, 1859 abgebrannt, ist fast gänzlich neu aufgebaut. Neu sind auch die beiden schlanken Thüren der =goth. Kirche=, welche in ihren Hauptbestandtheilen den Brand überdauert hat. =Schönes Rathhaus.= Das nahe hochgelegene =Schloss Voigtsberg=, ehemals eine Residenz der Plauen'schen Landvoigte, das mit seinen Thürmen sich gar malerisch ausnimmt, birgt jetzt ein Weibergefängniss.

Oelsnitz ist der Hauptort der =Elsterperlenfischerei=, welche 1880 auf der Fischereiausstellung in Berlin viel Aufsehen erregte und mit dem ersten Preis gekrönt wurde. Die Perlfischerei ist ein Staatsregal und wird ausschliesslich von den Mitgliedern der Oelsnitzer Familie Schmerler betrieben. Zuweilen findet man Perlen von der Grösse einer Lampertsnuss, deren Alter man auf 100 Jahre schätzt. Eine Perle gewöhnlicher Grösse braucht 10 Jahre zum Wachsen. Unreife Perlmuscheln werden mit dem Datum versehen und wieder in den Fluss eingesetzt. Diese kleine seltsame Wasserindustrie oder Muschelzucht ist Ursache zur Adorfer Muschelindustrie geworden.

Auch oberhalb Oelsnitz bleibt Bahn und Strasse der Elster treu, die hier ein nicht tief eingeschnittenes, aber doch lachendes Thal bildet.

=Adorf.= Hotel Schumann. Goldner Engel. Löwe. Rest. zum Rathskeller. Feldschlösschen. Schiesshaus. 3450 Einw. Am Bahnhof 444, am Gerichtsamt 482 m ü. M. Liegt auf einer Höhe über dem Elsterthal. Instrumentenfabrikation. Musikschule. Landbau. Eigenartig ist die Adorfer Muschelindustrie, welche ihren Ursprung der Elsterperlfischerei verdankt. (Siehe unter Oelsnitz.) Jetzt verarbeitet man nicht nur Elstermuscheln und solche aus Bayern und Oestreich, sondern auch solche aus fernen Welttheilen. Es bestehen vier grössere und mehrere kleinere Firmen. Man fertigt allerliebste Sachen und Sächelchen und es bilden diese zierlichen Gegenstände im Bade zu Elster während der Saison einen Hauptschmuck der dortigen Verkaufshallen. Die Portemonnaies, Haarpfeile, Kämme, Gürtelschlösser etc. gehen selbst nach Frankreich, England und Amerika.

Adorf ward im 30jähr. Krieg als Festung stark in Mitleidenschaft gezogen. Der gefürchtete General Holke soll hier an der Pest verstorben sein, während die Adorfer Einwohner sich in den grossen Auerbacher Wäldern versteckt hielten.

Schöne Thalwanderung auf der Strasse nach Bad Elster. Wer auf Adorf verzichtet, fährt bis Station =Mühlhausen= und geht von hier auf schönem Promenadenweg nach dem grössten sächsischen Badeort.

=Bad Elster.= Wettiner Hof. Hotel de Saxe. Bauers Hotel. Reichsverweser. Daheim (Touristenhotel). Rest. Elstergarten. Heiterer Blick. Bellevue. Gute Quelle. 2000 Einw. Am königl. Bad 473 m ü. M. Herrliche Lage im engen romantischen Elsterthal. Die Quellen des Bades sind alkalisch-salinische Eisenwässer, darunter ein Glaubersalzsäuerling. Auch Moorbäder werden abgegeben. Ein Mineralbad 1,50 Pf., ein Moorbad 2 Mk. Douchebad 60 Pf.

Elster ist vorwiegend Frauenbad und die Quellen gleichen denen zu Franzensbad, dagegen ist die Lage Elsters eine um vieles glücklichere wie die des nahen, stolzen Luxusbades. Das Badeleben ist weniger auf den grossen Fuss wie dasjenige in den böhmischen Bädern gestellt, doch ist es ein sehr geselliges und behagliches; es culminirt und pulsirt am lebhaftesten am Brunnenplatz vor den Königl. Badegebäuden mit ihren Wandelbahnen (Marienquelle, Königsquelle und Albertquelle). Die Saison 1880 wies gegen 5000 Kurgäste auf, unter denen sich sehr viele Nichtdeutsche (Russen, Polen, Engländer) befanden. Die Trink- und Badezeit beginnt Morgens 7 Uhr, in der Hochsaison ½7 Uhr, zu welcher Zeit die Badekapelle Concerte abhält. Dienstags und Freitags Abendconcerte im Kursaal. Als Andenken von lokalem Werth empfiehlt sich ein Gegenstand aus den prächtigen Elstermuscheln, wie sie in den Kaufhallen ausgelegt sind.

Die Umgebung Elsters ist reich an schönen Promenaden, namentlich auf dem =Brunnenberg=, die sich an die Anlagen des Badeplatzes anschliessen und diejenigen im Thalzug zur =Salz-=, =Johannes-= und =Moritzquelle=. Sodann sind zu nennen: der =Elstergarten=, der =Heitere Blick= und =Schillereiche=, alles treffliche Punkte.

Ein beliebter Ausflug ist der nach dem böhmischen Dörfchen =Grün= (2 km). Hier liegen die vielbesuchten Sommerrestaurants zur =Drahtmühle=, zum =Grünen Thal= und =zum weissen Schwan=.

Ferner nach =Arnsgrün= und der =Arnsgrüner Kuppe=, 592 m ü. M. Im Nordwest von Elster 3 km entfernt. Schutzdach mit Ruhebank errichtete der Adorfer Gebirgsverein. (An den Quellen des Zeidelweidbaches lag ein altes Schloss Schönfeld. Als Ueberreste sind nur noch Ringwall und Teich übrig.) Ein beliebter Ausflug ist auch nach der Station Mühlhausen und an der Elster aufwärts, in der man grosse Bänke von Elstermuscheln beobachten kann. Weitere Ausflüge sind nach dem =Kapellenberg= (S. 150) und nach =Markneukirchen= (S. 138) und dem =Hohen-Stein= (S. 139).

In starken Windungen gewinnt die Bahn vor =Brambach= den voigtländischen Höhenzug, der den Grenzwall zwischen Sachsen und Böhmen darstellt. Höchste Stelle 605 m. Hinter =Brambach= links setzen. Weite Aussicht auf das Egerland mit dem stolzen =Kloster Mariakulm= und dem Mittelgebirge und dem Erzgebirge im Hintergrund. =Voitersreuth= ist Grenzstation. Zollvisitation.

_+Anmerkung.+ Eine lohnende Tour ist von Brambach ab über den +Frosch+ nach dem böhmischen Städtchen +Asch+ (11 km). Von hier über den +Hainberg+ nach +Neuberg+ und +Bad Elster+ (11 km). An der Eisenbahnbrücke bei Brambach rechts geht der Fussweg ab nach Hohendorf. Von hier nach dem Vorwerk Sorg und nach der Waldschenke zum +Grünen Frosch+ dicht an der Grenze auf böhmischer Seite. Gutes böhmisches Bier. Stark besucht. In der Nähe im Wald liegt der schwer zu findende Elsterbrunnen, den man als den Ursprung der Elster betrachtet. Der Weg führt nun meist an der Grenze entlang nach der +Hellermühle+. Hier links den Fusssteig hinauf nach Dorf +Himmelreich+, dann nach +Nassengrub+. Vor dem Dorfe herrliche Aussicht auf das Fichtelgebirge. Bald sind wir in_

=Asch=. Zur Post. Goldner Adler. Schwarzes Ross. Schützenhaus. Beim obern Hofmann (Gartenrest.). Schuh's Rest. (Beim guten Bruder.) 14000 Einw. Lebhafte Fabrikstadt. Gutes Bier. (Asch ist zumeist von Protestanten bewohnt.) Der nahe Hainberg 760 m hoch, gewährt eine herrliche Aussicht, die mit der des Capellenberges rivalisirt, nur liegt das Voigtland gegen Plauen hin noch freier vor dem Beschauer. (Trägt ein Häuschen.)

Nun über Dorf =Neuberg= (am oberen Rittergut sehr alter Thurm, den man gar als Römerbau ausgiebt) nach =Juchhe=, dann zur =Albertshöhe= bei Elster und hinab nach Elster.

Nach dem =Capellenberg= geht man von Brambach unter dem Bahndamm hinweg. Als Führer dient der Telegraphendraht nach Schönbach hinauf. Der Thurm des Capellenberges wird bald sichtbar. Weglänge 3½ km.

_+Anmerkung.+ Von Voitersreuth aus wird gleichfalls der höchste Berg des Voigtlandes, der +Capellenberg+ sehr häufig erstiegen. 765 m ü. M. Man geht dahin über das wahrhaft »schöngelegene« +Schönberg+. Von der Station bis zum Thürmchen 4 km. Der Capellenberg zeigt drei grosse deutsche Mittelgebirge: das Karlsbader Gebirge, das fränkische Gebirge (Fichtelgebirge) und den westlichen Steilhang des Erzgebirges. Inmitten dieser Gebirge liegt das reichangebaute Egerland wie ein Kessel, ein Modell des Böhmerlandes im Kleinen, und darinnen Eger, Franzensbad, Mariakulm und eine Menge wohlhäbiger Städte und Dorfschaften, zwischen denen sich die blitzende Eger dahinwindet._

=Franzensbad.= British Hotel. Neues Kurhaus. Hotel Müller. Stadt Frankfurt. Post. Hübners Hotel. Stadt Leipzig. Erzherzogin Gisela (für Touristen zu empfehlen). Bahnhofsrest. Rest. zum Brandenburgerthor. Die Badestadt, 1793 erst begründet, bildet fast ein Quadrat und liegt auf einer moorigen Hochebene, die ohne landschaftliche Reize ist, doch hat die Menschenhand in Bezug auf Anlagen und Anpflanzungen der kargen Natur mit Glück nachgeholfen. Trotz der wenig schönen Gegend und trotzdem, dass es viele ebenso wirksame Quellen in glücklicheren Lagen giebt, ist doch Franzensbad eines der ersten Luxusbäder Oesterreichs; es ist vorwiegend ein Frauenbad und das Verhältniss der männlichen Kurgäste verhält sich zu den weiblichen wie 1 zu 3. Sämmtliche Heilquellen (Salz-, Franzens-, Wiesen-, Neu-, Stahl- und Louisenquelle), mit Einschluss des sogenannten kalten Sprudels sind eisenhaltige Glaubersalzwässer mit starkem Gehalt an Kohlensäure. 20 Badeärzte. Circa 8000 Badegäste. Ein Bad in einem der vier grossen öffentlichen Bäder kostet 1 fl. 20 kr., nach 2 Uhr die Hälfte.

Das =Badeleben=, das einen zuweilen frappirenden Luxus aufweist, entwickelt sich ganz besonders Nachmittags im Stadtpark zwischen 4 und 7 Uhr, wobei die Frauen in den schönsten Toiletten brilliren.

=Kurconcerte= finden statt: An der Salzquelle von früh 6 bis 7 Uhr, an der Franzensquelle 7 bis 8 Uhr, im Stadtpark Nachmittags von ½5 bis ½7 Uhr. Tanzvergnügen für Badegäste Abends im Kursaal, Sinfonieconcerte in Müllers Hotel.

=Sehenswürdigkeiten.= Hier sind vor Allem zwei Strassen, die =Kaiserstrasse= und die =Morgenzeile= zu nennen, die durch luxuriöse Kaufläden mit ihrem erstaunlichen Prunk und bedenklichen Preisen mit den Läden der Hauptstrassen in Weltstädten wetteifern. Das =neue Kurhaus= gehört zu den prunkvollsten modernen Renaissancebauten. Im Stadtpark besichtige man das =Broncestandbild Kaiser Franz I.=, welches Schwanthaler modellirte. Schöne neue =Kirchenbauten= sind die der katholischen wie der evangelischen Gemeinde. (Auch sehenswerthe Synagoge.) Das =Sachsenmonument=, unfern der Franzensquelle, trägt folgende Inschrift:

Herrlicher Quell, göttliche Gabe, Bleib kräftig und hell, stärke und labe Durch verminderten Körperschmerz Auch das ermattete kranke Herz, Bis die letzten Frommen Zum Urquell ew'ger Genesung kommen.

In Loimanns Privatgarten stehen das =Adler-= und das =Limbeckdenkmal=. Das erstere ist dem Brunnenarzt Dr. Adler, das zweite dem Egerer Bürgermeister Limbeck gewidmet. (Beides um Franzensbad verdiente Männer.)

Der Umweg nach Eger über den interessanten Schlackenberg, den =Kammerbühl=, lohnt sich sehr wohl; er liegt im Süden der Stadt (2 km) und erscheint eigentlich nur als ein Hügel. Der Berg ist zweifellos ein erloschener Vulkan, doch haben die regelmässigen Schichtungen seiner Schlacken das Aussehen, als seien sie angeschwemmt. Auf Göthe's Wunsch hin liess Graf Sternberg einen jetzt wieder verfallenen Stollen in den Berg treiben, und man nimmt nun an, dass die Eruptionen unter dem Wasser stattgefunden haben, wodurch allerdings die neptunische Regelmässigkeit der Lavaschichten erklärt wäre. Vom Kammerbühl nach Eger 3 km.

=Eger.= Kaiser Wilhelm. Bahnhofshotel. Kronprinz Rudolph. Zwei Erzherzöge. Erzherzog Stephan. Zur Sonne. Rest. Kremlings Bastei mit Aussicht auf das schöne Egerthal. Härtels Rest. Zum Schustersprung. Adlers Garten. Brauhaus zu St. Clara an der Franziskanerkirche. Café Postorius. Flussbäder und Wannenbäder an der Eger. Mit Einschluss der Garnison 14000 Einw. Die vielthürmige Stadt mit ihren alten Gebäuden und engen Gassen giebt im Innern ein echt mittelalterliches Städtebild, doch ist dasselbe von einem weiten Kranz moderner freundlicher Gebäude umlagert.