Gampe's Erzgebirge mit Einschluss der böhmischen Bäder Teplitz, Karlsbad, Franzensbad und Marienbad, des Voigtlandes und des Granulitgebietes an den unteren Mulden. Ein Reisehandbuch

Part 13

Chapter 133,285 wordsPublic domain

Die Bahn verlässt hinter Aue das Muldenthal und strebt im Schwarzwasserthal aufwärts. Links das grosse königl. =Blaufarbenwerk Pfannenstiel=, später die Dörfer =Bernbach= (links) und =Lauter= (rechts). Diese Dörfer mit =Beierfeld= nennt man kurz die =Blechlöffeldörfer=. Das Schmieden der Blechlöffel ist eine inter. Hausindustrie. Drei Mann stehen in der Regel am Feuer. Jeder Löffel wird einzeln ausgeschmiedet. Das Verzinnen und Polieren geschieht durch Frauen- und Kinderhände. In =Lauter= herrscht die Korbflechterei vor, mit der sich etwa 400 Personen befassen. Man fertigt Spahnkörbe und Ruthenkörbe, die letzteren gehen meist nach Süddeutschland. Hinter Lauter wird das Thal freier und zeigt einen sehr freundlichen Charakter.

=Schwarzenberg.= Rathskeller. Hotel de Saxe. Bauers Rest. am Ottenstein. 3500 Einw. Am Schloss 475 m ü. M. Klöppelei. Baumwollenspinnerei. Drahtzieherei. (Sehr inter. zu sehen; man zieht Draht bis zu den feinsten Sorten.) Korksohlenfabrik. Handschuhnäherei. Das alte Schloss, eine Slavengründung, mag dem 11. Jahrh. entstammen; es war in böhmischem Besitz bis zum Jahre 1459, da es als Heirathsgut einer böhmischen Königstochter (Sidonie) an Albrecht den Beherzten fiel, der einst in der Nähe Schwarzenbergs, am Fürstenberg durch den Köhler Rettung gefunden. »=Albertstift=«, nennt sich ein Rettungshaus für jugendliche Verbrecher.

=Spaziergänge.= Die Umgebung Schwarzenbergs ist an Promenaden und schönen Spaziergängen sehr reich und in neuerer Zeit hat sich der Gebirgsverein nach dieser Richtung besonders verdient gemacht. Sehr stark wird das reizend gelegene Bad =Ottenstein= mit Bauers Restaurant besucht. (Jetzt vorzugsweise Sommerfrische.) In der Nähe Promenaden durch Wald und Fels. (Auch Aussichtsthurm.) Die =Todtensteinpromenade= gewährt nicht minder schöne Landschaftsbilder. Vom =Rockelmann= und anderen umliegenden Höhen fesselnde Blicke auf Stadt und Umgebung.

_+Anmerkung.+ Der Gebirgsverein von Schwarzenberg, einer der regsamsten des Gebirges, beabsichtigt die +Morgenleithe+, einen doppelrückigen Höhenzug mit einem Aussichtsthurm zu versehen und hat als Provisorium einen Leitermast aufgestellt. 808 m ü. M. Man geht auf der Eibenstocker Strasse dahin. 5½ km. Der Aussichtspunkt liegt rechts der Strasse (Wegweiser.) Der Punkt liegt inmitten grossartiger Forsten und gewährt ein grosses Halbkreisbild, ähnlich und beinahe ebenso umfassend wie das vom Auersberg. Links schliesst dieses Bild der Auersberg, rechts schliessen es die Höhen bei Marienberg ab. Gegen Norden taucht am Horizont noch der Rochlitzer Berg auf. Inmitten dieses Rahmens liegt der ganze reichgeformte Nordabhang des Centralgebirges. Von den Bergen des Kammes sind sichtbar: der Hassberg, der Spitzberg bei Orpus, der Fichtelberg, der Spitzberg bei Gottesgabe und ferner die ausgedehnte Waldregion gegen Johanngeorgenstadt hin. 1½ km gegen Norden von dem Leitermast entfernt, erhebt sich ein Felsen, der wie eine Bastei über dem Bockauer Thalgrund aufragt. Schöner Blick auf die reichbewegte Landschaft mit dem Muldenthal, auf Zschorlau hinüber und auf das Schneeberger Schachtrevier mit dem Filzteich. Links davon liegt der Kuhberg bei Schönheide. (Von hier bis zur Station Bockau durch das Dorf Bockau 4½ km.) In der Nähe des Bockauer Bahnhofs beginnt die Flossgrabentour. Am Flossgraben entlang und dann nach Aue 7½ km.) Näheres Routennetz._

Wir dringen nun zu Fuss im Schwarzwasserthal aufwärts, (eine Bahn nach Johanngeorgenstadt ist bereits tracirt und wurde Frühjahr 1881 in Angriff genommen) und gelangen in die Schwarzenberger Eisenregion. =Bermsgrün= bleibt rechts, =Crandorf= und =Grosspöhla= links, =Erla= liegt am Wege.

_+Anmerkung.+ Der treffliche Eisenstein, der in dieser Gegend gefunden wird, kommt hier in Hohöfen zur Verhüttung und das gewonnene Eisen auch zum Theil an Ort und Stelle zur Verarbeitung. Man sehe zu, Zeuge zu werden, wenn ein Hohofen zum Abstich gelangt. In feurigen Rinnsalen schiessen die glühenden Ströme den Formen zu, in denen sie zu sogenannten »Gänzen« erhärten. Die Hammerschmiede sind ein lustiges Völkchen, sorglos, treuherzig, zu Schwänken geneigt. Die Bermsgrüner, aus dem bairischen Fichtelgebirge eingewandert, haben noch heut ihre eigenen Sitten nicht ganz aufgegeben und gelten als die muntersten. (Merkwürdiger Dialekt.)_

Auf der Weiterwanderung passiren wir die =Antonshütte=, ehemaliges königl. Hüttenwerk. Grossartige Wasserkraft durch Turbinenbetrieb. Magnetenberg 755 m. Einer starken Krümmung des Schwarzwassers folgend, streifen wir den unteren Theil von =Breitenbrunn=. (Hohöfen.) Hinter Breitenbrunn beginnt der Granit. Die Strasse steigt mehr und mehr und die Thalgehänge werden niedriger; wir gelangen auf die Kammhöhe. Hier liegt am Fastenberg

=Johann-Georgenstadt=. Rathskeller. Hotel de Saxe. 4400 Einw. Am Gerichtsamt 748 m ü. M. Der Bergbau ist mehr und mehr zum Erliegen gekommen; jetzt treibt man Kunsttischlerei, Handschuhnäherei, Bandzäckchenfabrikation. Johann-Georgenstadt ist die jüngste Stadt des Erzgebirges, ihre Gründung verdankt dieselbe der jesuitischen Unduldsamkeit, welche unter Kaiser Ferdinand III. in Oestreich florirte; entgegen dem Vertrag wurden die letzten Protestanten aus dem nahen Platten und aus Gottesgabe vertrieben. Kurfürst Johann Georg erbarmte sich ihrer und gab ihnen Grund und Boden auf dem Fastenberg und bald entstand die junge Bergstadt. Das Denkmal Johann Georgs schmückt den hübschen Marktplatz. Am Schillerbrunnen auf dem Markt rettete sich während des grossen Brandes eine Frau vom sicheren Flammentode dadurch, dass sie sich durch ununterbrochene kalte Douchen vor dem Anbrennen schützte; sie war rings von brennenden Holzgebäuden eingeschlossen. Bei jenem Brand am 19. Juli 1867 wurde die Stadt bis auf wenige Häuser verzehrt, doch ist sie weit schöner aus der Asche wieder erstanden. Die =neugoth. Kirche= ist von Baumeister Arnold. Im Thale unter der Stadt liegt =Wittichsthal=, eine Zoll- und Durchgangsstätte für Karlsbadreisende.

=Kleine Ausflüge.= Nach den barocken Felspartien =Teufelskanzel=, =Schneiderfels= und =Hefenklöse=, wie nach dem =Teufelsstein= im Steinbachthale. Dieser Stein gleicht in der That einer grotesken Höllenburg mit Felsenthürmen und Zinnen.

_+Anmerkung.+ Eine inter. Strasse führt von Johann-Georgenstadt an grossen Torfmooren vorüber nach +Steinbach+. (850 m.) Hier liegt im Forsthaus der Schlüssel zum Thurm des Auersbergs. Bis zum Gipfel 8 km._

_Nach der entgegengesetzten Richtung führt ein inter. Weg im Schwarzwasserthal aufwärts. Anmuthige Partien an dem wilden Gewässer, das hier über grosse Felsblöcke schäumt und braust, und ein echtes Bergwasser von Gebirgsscenerien umgeben darstellt. Wir berühren die Orte +Jungenhengst+ und +Zwittermühl+ und erreichen in +Seifen+ den höchsten Kammzug des Erzgebirges, der bis zu 1050 m ansteigt. Die Strasse läuft auf diesem frostigen Plateau mit dem Plattengraben parallel. Die Rauhheit des Klimas findet erst im höchsten Norden Europas ebenbürtige Rivalen. Ackerbau ist ganz unmöglich. Am sogenannten Plattenberg finden sich sogar Bingen, in denen uralter Schnee lagert. Auch soll die isländische Zwergbirke hier und da zu finden sein. Nachdem der Gottesgaber Spitzberg (rechts) passirt ist, gelangt man nach Gottesgabe, s. S. 106. Ganze Wegstrecke 16 km. (Der Spitzberg, jetzt bewachsen, gewährte früher umfassende Blicke auf Böhmen.)_

Der Tour treu wandern wir am Breitenbach aufwärts die Strasse nach =Platten=. Unterwegs passiren wir die =Dreckschenke=, ein vielbesuchtes Wirthshaus, das seinen populären Namen dem ehemals schlechten Zustand der Strasse zu verdanken hat.

=Platten.= Zum Rathhaus. Weinschank. 2600 Einw. 887 m ü. M. Platten hat in neuerer Zeit kein Brandunglück erlebt und giebt daher wie Katharinenberg und Kupferberg noch das Bild eines früheren erzgeb. Bergstädtchens. (So sahen sie alle aus.) Löffelschmiederei. Handschuhnäherei. Platten war mit der Herrschaft Schwarzenberg sächsisch geworden, doch fiel es bei späterer Grenzregulirung an Böhmen zurück. Am südöstl. Eckhaus des Marktplatzes ist noch ein kursächsisches Wappen zu sehen. Am Plattenberg liegen die =Schneebingen=, verlassene Zinnbergwerke, in denen der Schnee nie zum Schmelzen gelangt.

=Bäringen=, unser nächstes Ziel, ist ein armseliges Bergstädtchen mit 1200 Einw. Spitzenklöppelei. Weberei. Eigenartig ist hier die Zucht und Dressur von Gimpeln; die Thiere werden nach einem Leierkasten angelernt, wozu nichts erforderlich ist, als ein langes unverdrossenes Ableiern +ein+ und +desselben+ Stückes. Besonders gelehrige Thiere erlangen Preise bis zu 20 fl.; »reine Pfeifer« sind indess selten.

Von hier führt die Strasse am Bäringer Bach abwärts nach =Lichtenstadt=, das bereits am Fusse des Erzgebirges liegt. Am Gebirgshang inter. =Judenkirchhof= mit schöner Aussicht auf das weite Egerthal. Von hier über das grosse Kirchdorf =Zettlitz=. Guter billiger Gasthof. Die Zettlitzer Wallfahrtskirche ist der hl. Anna geweiht. In der Nähe Tagebaue von Braunkohlen, die zum Theil in Brand gerathen sind.

Carlsbad siehe Seite 99.

49. =Zwickau-Aue= (29 km). =Grünhain= (8½ km). =Elterlein= (5 km). =Annaberg= (11 km). Weiter nach dem Kamme zu oder in die Olbernhauer Gegend siehe Routennetz.

Von Aue (siehe Routennetz) wenden wir uns, am =Blaufarbenwerk= vorüber, nach =Oberpfannenstiel=. Schöne Waldstrasse. In der Nähe von =Oberbernsbach=, das wir nicht streifen, herrliche Aussicht auf das Schwarzwasserthal und nach dem Obererzgebirge hinauf.

Grünhain und Elterlein Seite 111.

Ein direkter Weg führt von Elterlein nach =Herrmannsdorf= und über Frohnau nach Annaberg, freilich stark über Berg und Thal hinweg. (11 km.) (Bei Herrmannsdorf passiren wir die Zschopau.) Ueber Schlettau 12½ km.

50. =Zwickau-Schwarzenberg= (40 km). =Rittersgrün= (8½ km). =Gottesgabe= (13 km).

Bis Schwarzenberg siehe Routennetz. Von hier nach =Erla= und =Crandorf= (Eisenindustrie) und nach =Globenstein=, das inmitten eines Felsenthales mit ansehnlichen Felsgebilden liegt. Weiter schreiten wir am =Sonnenberg= vorüber. Nun immer dem schäumenden Pöhlbach folgend nach =Rittersgrün=. 3000 Einw. Gasthaus. Rest. der Wittwe Hentschel. Von hier durch unabsehbare Gebirgswälder entweder über =Ehrenzipfel= und die =Tellerhäuser=, oder auch über Dorf =Goldene Höhe= nach den sogenannten =Försterhäusern= und nach =Gottesgabe=.

=Tellerhäuser= nennt sich ein im Entstehen begriffenes Dorf. Pollers Gasth. Am Schulhaus 921 m ü. M. Die 152 Einw. sind fast von der Welt abgeschlossen; die Erziehung der Kinder war nach modernen Anforderungen unmöglich, bis die Regierung zum Schulbau und Erhaltung des Lehrers Subventionen bewilligte. Um die Ansiedlung volkreicher und dadurch selbstständiger zu machen, wird an Ansiedler Waldland billig abgegeben. Gottesgabe siehe Seite 106.

51. =Zwickau-Wildenfels= (10 km). =Hartenstein= (5 km). =Lössnitz= (7½ km). =Zwönitz= (zu Fuss 6½ km). =Geyer= (8½ km). Weiter siehe Routennetz.

_+Anmerkung.+ Die Tour, zum grössten Theil schon beschrieben ist als Fusstour gedacht._

Die Strasse nach Wildenfels führt an der sogenannten »=Weltkugel=« oder »=Dampfschiff=« vorüber. Der aussichtsreiche Punkt liegt 340 m hoch. Nun auf dem Rücken des gewonnenen Höhenzuges, der bis 382 m ansteigt weiter und dann hinab nach

=Wildenfels=. Drei Kronen. 2900 Einw. Schöngelegenes Städtchen mit einem gräfl. Solms'schen Schloss, in dessen inter. Garten unter anderem auch Feigenbau betrieben wird. In der Kirche Altargemälde »Christi Versuchung« von Vogel, einem geborenen Wildenfelser. In der Nähe befinden sich Marmorbrüche. (Bunter Marmor.) In der gräfl. Solms'schen Bibliothek 8 Urnensteine, welche im nahen Dorfe Weisbach 1716 ausgegraben wurden. Die Urnen mit ihren Inschriften (schwer leserlich) zählen zu den ältesten Schriftendenkmälern Deutschlands.

Nun auf anmuthiger Strasse nach =Hartenstein= (siehe Seite 114). Am Wege nach =Lössnitz= lässt sich die =Prinzenhöhle= mit besuchen. Man geht in diesem Fall hinab nach =Stein= und stromauf (2 km) bis an den Wegweiser »zur Prinzenhöhle«, im Fall dieser fehlt, gebe der Anfang eines Sumpfes, der von dem früheren Muldenbett herrührt, das Signal zum Ersteigen des Abhanges, an dem die Prinzenhöhle liegt. (Siehe diese Seite 120.) Von hier geht man nach =Alberode= und über die »=Dürre Henne=« nach =Lössnitz=. Andernfalls benutzt man von Hartenstein die etwas kürzere Strasse über =Raum= und =Grüna= dahin.

=Lössnitz= siehe Seite 114.

Von hier nach Zwönitz wird sich die curvenreiche Bahnfahrt nicht erst verlohnen. Man schlägt den Weg über =Dittersbach= ein.

=Zwönitz= siehe Seite 114.

Nach =Geyer= führt eine einsame Waldstrasse, die bis 732 m ansteigt. Unterwegs rechts eine =Edeltanne= mit =Erinnerungsstein= an König Johann.

=Geyer= siehe Seite 110.

52. =Zwickau-Schwarzenberg= (40 km). =Sosa= (13 km). =Eibenstock= (4½ km). =Schönheide= (5 km). =Kirchberg= (über Neuheide und den Kuhberg 18 km). =Zwickau= (12 km).

_Von Zwickau bis Schwarzenberg siehe Routennetz._

Man geht von hier die Eibenstocker Strasse. (Die Morgenleithe s. Seite 121.) Der =Ochsenkopf= bleibt links. Am =Jägerhaus= 779 m u. M. Gasthof. Bald darauf bergab nach Sosa. Hübsch im Thalzug gelegenes Dorf. Von hier führt ein direkter Fusspfad quer durch den Bockaugrund, (wo ehemals die Zimmersacherhäuser standen) und dann hinauf nach

=Eibenstock=. Rathhaus. Stadt Leipzig. Am Gerichtsamt 628 m ü. M. 6700 Einw. Sitz eines Hauptzollamts und einer Oberforstbehörde. Eibenstock betreibt vorwiegend die Tambouririndustrie, d. h. Weiss- und Buntstickerei auf Rahmen mit der Hand und mit Stickmaschinen. Eingeführt wurde diese Industrie 1774 durch Frau Clara Angermann, der Gattin eines Forstbeamten, die aus Byalistock gebürtig war; sie soll die Kunst in einem Thorner Nonnenkloster erlernt haben. Sehr zahlreiche weibliche Arbeitskräfte verdanken der Branche Brod und Verdienst. Eines weitverbreiteten Ansehns im Erzgebirge erfreut sich der »Eibenstöcker«, ein Liqueur. Die Stadt ist nach dem Brande (1862) fast völlig neu aufgebaut worden und macht einen behäbigen, in manchen Strassen sogar vornehmen Eindruck. Die grosse neue Kirche in modern-romanischem Styl errichtet, besitzt eine Fensterrosette mit Glasmalerei: »Christus lehrt im Kreise seiner Jünger.« Das Freskogemälde, hinter dem Altar, die Auferstehung Jesu, ist von Simonson in Dresden. Ein Serpentinsteindenkmal in der Taufhalle ist den 1870--71 in Frankreich gebliebenen Stadtkindern gewidmet.

=Kleine Ausflüge.= Nach dem =Adlerfelsen= 3½ km. Liegt am Fussweg nach Carlsfeld. Der Eibenstöcker Gebirgsverein errichtete hier eine Aussichtshalle, von der man schöne Blicke auf Stadt und Umgebung geniessen kann. Der =Bühelberg= liegt rechts der Strasse nach Muldenhammer (656 m) 1½ km. Vom sogenannten =Flachfelsen= 2½ km, schöne Thalbilder. (Kleines und grosses Bockauthal.)

=Besteigung des Auersbergs.= Eibenstock ist die Hauptstation für Besteigung des höchsten Berges im westlichen Erzgebirge. Man lasse sich den Schlüssel im Eibenstöcker Rentamt geben. Wer den Berg von Wildenthal aus besteigt, hole sich den Schlüssel beim Waldwärter Schneidenbach. Die beliebteste Art der Ersteigung ist: über das =Nonnenhäuschen= durch das =Bockauthal= und auf den neuen =Bärenweg= nach der grossen =Schneuse=, die den Berg der Länge nach in zwei Hälften theilt und in deren Mitte der Thurm sich erhebt. Gewöhnlich steigt man dann vom Thurm aus nach =Wildenthal= hinab. Die Tour lässt sich natürlich auch umgekehrt machen. (1121 m Seehöhe. Thurm 16 m.)

=Aussicht.= Ueber den Höhen hin, die das Erzgebirge im Westen abschliessen, sehen wir das Voigtland mit der Göltzschthalbrücke und unzähligen Ortschaften, dahinter die Thüringer Vorberge, davor den Kuhberg, den breitrückigen Schnarrtanner Berg. Im Norden verliert sich das Auge in der weiten norddeutschen Ebene, nur die menschliche Sehkraft zieht der Ausschau hier Grenzen. Die Leipziger Thürme, das Altenburger Schloss und der Petersberg bei Halle geben für das Auge schwache Anhaltspunkte. Näher heran sieht man die Waldenburger Höhen, den Rochlitzer Berg mit seinem Thurm, den Kapellenberg, die Stadt Hohenstein, rechts davon die Chemnitzer Rauchwolke hinter den Höhen von Lössnitz. Von Osten schauen die bekanntesten Berge des Erzgebirges herüber. Die beiden Riesengräber, der Pöhlberg und der Bärenstein, erscheinen sehr nahe, die Stadt Annaberg ist am Abhang des ersteren sichtbar, weiter hinaus zeigt sich die schwarze Tellkuppe bei Bärenburg ohnweit Dippoldiswalde, näher der Scheibenberg, als dritter im Bunde der drei Basaltberge, ferner der Ochsenkopf und nun vor Allem die beiden Hünen, der Fichtelberg und der Keilberg, die von keinem Ort gigantischer erscheinen, als von ihrem Kameraden, dem Auersberg aus. Der Thurm auf dem Fichtelberg ist sichtbar und am Abhang lugen die Tellerhäuser aus ihren Waldverstecken hervor. Gegen Süden hin deuten dunklere Linien im Walde Thäler an und hervorragende Höhen sind nur der Hirschberg, der Spitzberg bei Fribus und der grosse Rammelsberg. Wir blicken sodann die grosse Schneusse hinab; ihr zur Linken buchtet sich das grosse Bockauthal ein, ihr zur Rechten das kleine; vor uns am Fuss des Berges treffen beide Thäler zusammen und die verdoppelte Bockau strömt hinab ins Muldenthal. Links drüben liegt Eibenstock, rechts das Dorf Sosa. Das Muldenthal ist abwärts weithin zu verfolgen, so auch das Schwarzwasserthal, das grosse Dorf Breitenbrunn breitet sich an seinem rechtsseitigen Abhang aus, ganz hinten, wo das Thal sich zu verlieren scheint, lugen die obersten Häuser von Johanngeorgenstadt neugierig hervor und gegen Süd und Südwest ist nichts zu schauen, als abermillionen Baumwipfel.

Der Thurm, ein stattlicher Bau, imponirt schon durch seine Höhe und der Styl ist trotzig und ernst, wie es der Berg und seine Kinder selbst sind. Die Granitzinnen zu seinen Häuptern geben ihm etwas von einem reckenhaften Krieger aus der Vorzeit.

=Wildenthal=, am Fuss des Auersberg, erfreut sich einer herrlichen Thallage an der grossen Bockau. Gasthof am Auersberg. Neuerdings beliebte Sommerfrische. 732 m ü. M. 600 Einw. Grossartige Landschaftsscenerie. (Das Thalgehäng des Auersbergs hat von der Sohle der Bockau 400 m Höhe.)

_+Anmerkung.+ Wildenthal liegt an der Eibenstock-Karlsbader Strasse. Dieselbe überschreitet den Kamm hinter +Oberwildenthal+ bei 931 m Seehöhe, doch gewährt sie keine umfassende Fernsicht nach Böhmen hinab. Sie führt über +Hirschenstand+ im Thalzug hinab nach +Neudeck+. (12 km.) Hier ein hübsches Schlösschen und der 468 m hohe +Kreuzberg+. Sodann berührt sie +Voigtsgrün+, +Altrohlau+ (hier brennende Kohlengruben, verlassene Tagebauten) und später +Zettlitz+. Siehe Seite 124. Von Neudeck bis Karlsbad 16 km._

_Eine andere Strasse führt von Wildenthal über +Weitersglashütte+ am +Kranichsee+ vorüber nach +Sauersack+, einem elenden, verlassenen Gebirgsdorf, und nach +Friebus+ (12 km, 879 m Seehöhe) und nun stark bergab nach +Schönlind+ und +Heinrichsgrün+ (11 km) und nach +Falkenau+ an der Eger. Siehe Routennetz. (Man kann auch ab Schönlind oder auch ab Heinrichsgrün Eisenbahnanschluss suchen an der Linie Grasslitz-Falkenau.) Im Anfang streift diese Strasse nur öde Hochgebirgsgegend und doch ist der Weg sehr interessant; wo sie bei 929 m Seehöhe den Kamm und die Grenze überschreitet, berührt sie auch den +Kranichsee+, einen ausgedehnten Hochmoor. Der schlammige Grund, der nur krüpplige Bäume trägt, ist bis 17 m tief. Sein Umfang mag 8 bis 9 km betragen und er stellt ein wirthschaftlich-hochwichtiges Wasserreservoir dar. Drei rostbraune Bäche, die Wiltzsch, die Pyra und die Rohlau entquellen dem Hochmoor und ihr bedeutender Wasserreichthum ist ein ungewöhnlich constanter. Inter. Flora._

_Eine dritte Variante ist: +Wildenthal-Weitersglashütte-Forsthaus Nancy+ 15 km. +Silberbach-Grasslitz+ 8 km. Man passirt gleichfalls den ebenbeschriebenen Kranichsee, gewinnt dann bald ein liebliches Thal und berührt das idyllische Forsthaus Nancy. Sodann geht man über +Silberbach+ an der vielbesuchten +Reimermühle+ vorüber nach Grasslitz. (Siehe Seite 137.)._

_Eine wichtige Partie für unsere heimische Touristik ist ferner folgende: +Wildenthal-Karlsfeld+ 5 km und von hier im Wiltzschthal abwärts nach Station +Wiltzschhaus+ 7½ km. Zwischen Wildenthal und Karlsfeld, in der Gegend, wo sich die Strasse nach dem Kranichsee und nach Böhmen hin abzweigt, liegt der Tract 876 m hoch._

=Karlsfeld.= Börners Gasthof. 1700 Einw. An der Oberförsterei 826 m ü. M. Den einsam in einer ungeheuren Waldregion gelegenen Flecken gründete der Bergherr Schnorr aus Schneeberg, der ein grosses Eisenwerk der billigen Hölzer wegen errichtete. 1688 baute er die achteckige Kirche; sie besitzt 5 Oelgemälde, die nicht ohne Kunstwerth sind, darunter die Portraits von Luther und Melanchthon. Vor der Kirche ein Denkstein mit dem Bildniss König Johanns.

Das Eisenwerk ist seit 1823 eingegangen und der Staat kaufte die dazu gehörigen ausgedehnten Forsten an, wobei der Baumstamm auf 3 Pf. zu stehen kam. 1830 half ein Verein von Menschenfreunden den der Armuth verfallenen Einwohnern durch die Einführung der Uhrenfabrikation auf. Man baut jetzt mit gutem Erfolg allerhand Uhren, kostbar und gering, gross und klein, von der Damenuhr bis zur Thurmuhr. Auch eine Actiengesellschaft hat sich hier etablirt und betreibt dieselbe Industrie. Von technischem Interesse ist die Herstellung gewöhnlicher Uhren-Gewichtketten durch Maschinen. Nach Carlsfeld nennt sich auch die Familie Schnorr von Carolsfeld, welcher der grosse Bibelillustrator angehört.

_+Anmerkung.+ Die Weiterwanderung im einsamen Wiltzschthal hinab hat seine eigenartigen Reize. Ebenso einsam und reizvoll durch unabsehbaren Wald ist der Pfad über einen 895 m hohen Bergrücken nach +Morgenröthe+, das im schönen Thale der Pyra liegt. Höchst malerischer Punkt. Bei dem Lattermann'schen Hammerwerk Morgenröthe befindet sich ein Forsthaus, Forellenzucht und ein kleiner Wildpark. Im Pyrathal entlang gehend, kommen wir nach +Rautenkranz+. Siehe Seite 135. Die Weglänge Karlsfeld-Morgenröthe-Rautenkranz beträgt 9 km._

Der Tour treu gehen wir von Eibenstock nach =Schönheide=. Unterwegs imposante Granitpartien an der Strasse und unten an der Mulde. Das =Hammerwerk Schönheide= gehört einem Herrn von Querfurt. Durch das Hammerwerk lässt sich die bedeutende Krümmung der Strasse nach Schönheide abschneiden.

=Schönheide.= Bairischer Hof. Rest. zum Rathhaus. Gambrinus. Centralhalle. 5500 Einw. 578 m ü. M. Tambourirstickerei. Weberei. Sammetstickerei und Handschuhnäherei. Bedeutend ist die Schönheider Pinsel-, Bürsten- und Kehrbesenfabrikation. Man kennt etwa 150 Sorten Pinsel, 500 Sorten Bürsten und 50 Sorten Kehrbesen. Der Vertrieb geschieht in der Hauptsache jetzt kaufmännisch, doch ziehen noch immer viele Bürstenhändler, die als ein lustiges Völkchen des Erzgebirges gelten, von Schönheide in die Welt hinaus und vertreiben ihre Waaren im Hausirhandel.

Ueber dem Dörfchen =Neuheide= liegt der =Kuhberg=. 784 m ü. M. Freie und isolirte Bergkuppe mit einem Aussichtsthurm vom Schönheider Gebirgsverein errichtet, der nach dem hohen Protector des Erzgebirgsvereins =Prinz-Georgsthurm= getauft wurde. Man übersieht von hier so ziemlich das ganze Voigtland, dahinter taucht das fränkische Gebirge auf, näher liegen die ungeheuren Waldungen des Kammes, ferner übersehen wir das Centralgebirge mit Keil- und Fichtelberg und seinen Basaltkegeln und die Abdachung des Gebirges bis gegen Zwickau hinab. Auch die Unterstandshütte ist ein Werk des Schönheider Gebirgsvereins.