Part 12
Ein hübscher Waldweg führt hinab nach Geyer. Links liegt =Walthers Höhe=, ein Rest. auf dem 698 m hohen =Schlegelberg=. Schöne Aussicht auf das Obererzgebirge, doch nicht so umfassend wie vom Greifenstein.
=Geyer.= Rathhaus. Weisses Ross. 4900 Einw. 494 m ü. M. Posamenten. Strumpfindustrie. Hausirhandel. Der früher blühende Bergbau auf Silber ist ganz zum Erliegen gekommen. (Der Zinnbergbau soll wieder aufgenommen werden.) Am 11. Mai 1802 entstand dicht vor der Stadt eine 40 m tiefe Binge, die grösste nach der Altenberger. (Amethistkrystalle.) Die Geyersche Glocke sprang während des Sturmläutens beim Prinzenraub, worauf sie Friedrich der Sanftmüthige umgiessen und mit der Darstellung des Prinzenraubes schmücken liess. Grosse Brände 1854, 1862 und 63 haben die Stadt fast ganz eingeäschert, daher nur neue Gebäude sichtbar sind. Hübsches Rathhaus.
Wir gehen an der Binge vorüber hinab nach Siebenhöhen zu. (Die alte Spinnerei mit ihren grossen Ecksäulen erbaute Eli Evans, ein Engländer, der sich um Sachsens Baumwollenindustrie Verdienste erworben.) Beim =Tanneberger Rittergut= links alte =Thurmruine= von Wasser umgeben. Ueber den Berg am Sauwaldgut vorüber ist der Weg nach Annaberg näher, bequemer geht man im Thale fort. Annaberg s. S. 91.
40. =Chemnitz-Dittersdorf= (13½ km). =Herold= (9 km). =Ehrenfriedersdorf= (4 km). =Annaberg= (9½ km).
Bis Dittersdorf siehe Routennetz. Von hier steigt die Strasse (am =Dittersdorfer Schloss= vorüber) bis zur =Weisbacher Schenke=, um sich dann ins =Wiltzschthal= hinabzusenken. Hier liegt Untergelenau (Gasth. zur Katze). Im Herolder Thalzug weiter durch das industrielle Herold (Kalkbrüche) am vielbesuchten =Waldschlösschen= vorüber.
=Ehrenfriedersdorf.= Rathskeller. Deutscher Kaiser. Stadtgemeinde von 3900 Einw. Posamenten. Klöppelei. Früher starker Bergbau auf Zinn und Silber, jetzt nur auf Zinn und Arsenkies. Grossartige Halden an dem stark durchwühlten Sauberg zeugen von der Bedeutung des alten Bergbaues (Krystalle). 1568 fand man in einem Schacht die wohlerhaltene Leiche eines Bergmannes, der 1407 verschüttet worden war. Die Reformation war inzwischen eingeführt worden und so beerdigte man den katholischen Bergmann nach luth. Ritus. Das Andenken an diese lange Schicht wird alljährlich Montag nach Ostern durch eine bergmännisch-kirchliche Feier wach erhalten. Die Stadt ist nach dem Brande 1866 fast neu erbaut worden.
Die Strasse steigt nun am Kegelberg hinauf (am Strassenkreuz 600 m ü. M.). Wo sie sich nach =Schönfeld= hinab senkt, schöne Aussicht auf das Zschopau- und das Sehmathal und auf Annaberg mit dem Pöhlberg. In =Schönfeld= Gasthaus. Beim Herrenhaus des Rittergutes Anlagen. Das weite grüne Thal ist ein liebliches Idyll. Nachdem der Thalzug am Zusammenfluss der Sehma und der Zschopau passirt, hebt sich die Strasse sehr stark. Von der 596 m hohen Stelle, wo wir die Wolkenstein-Annaberger Strasse erreichen, liegt links 1 km entfernt die =Riesenburg=, ein Gut, welches ehemals dem Rechenmeister Adam Riese zugehörte.
41. =Chemnitz-Geyer= (35 km). =Elterlein= (7 km). =Grünhain= (4½ km). =Schwarzenberg= (über den Fürstenberg 8 km).
Von Chemnitz nach Geyer siehe Tour 39. Eine hochgelegene Chaussee führt von Geyer an dem 684 m hohen =Fuchsstein= und an dem düsteren, mit rostbraunem Wasser gefüllten =Grosseteich= vorüber nach
=Elterlein=. Sonne. Rathskeller. 610 m ü. M. 2400 Einw. Nägel- und Blechlöffelfabr. Klöppelei. Gerberei. Hausirhandel. Im Nordwest (3 km) liegt der 763 m hohe =Schatzenstein=, ein ziemlich isolirter Fels mit umfassender Aussicht auf das ganze Centralgebirge.
Aehnliche Aussicht wie der Schatzenstein gewährt ein Ausläufer des =Glasbergs= (nur 1 km von der Stadt) und auch schon der Strassentract, der bis 689 m ansteigt und den wir nach Grünhain benutzen.
=Grünhain.= Rathskeller. Löwe. Rest. zur Klostermühle. An der Kirche 631 m ü. M. 2000 Einw. Klöppelei. Schmiedereien für Fensterbeschläge und Löffel. Blechspielzeug. Correctionsanstalt für Frauen. In der alten Klosterstadt Grünhain hausten bis 1553 Cistercienser, ihr Kloster war 1236 gestiftet. Ausser den Umfassungsmauern sind nur noch karge Ueberreste davon vorhanden, so die unteren Geschosse des Fuchsthurmes. Einiges Gemäuer im Klosterwäldchen erinnert an die ehemalige Klosterkirche. Im Fuchsthurm soll Abt Liberius den Prinzenräuber nach seiner Gefangennahme inhaftirt haben. Der befreite Prinz Albrecht wohnte in der Schösserwohnung. Der Abbruch des Klosters geschah nach der Zerstörung Grünhains 1632 durch General Holke, indem die Bürger die inter. Ruinenstätte als Steinbruch benützten.
Nahe der Stadt im Südwest liegt der 727 m hohe +Spiegelwald+, einer der besten Aussichtspunkte auf dem nördl. Abdachungsgebiete des Gebirges. Die Section Schwarzenberg des Erzgeb. V. errichtete hier ein Schaugerüst, das durch einen Thurm thunlichst bald ersetzt werden soll. Die Aussicht umfasst den Kamm des Gebirges, mehrere tief eingeschnittene Thalzüge, sämmtliche Höhen des Centralgebirges und die Abdachung bis hinab zum Rochlitzer Berg. König Albert sprach hier gelegentlich einer Königsreise 1880 die denkwürdigen Worte: Möge der Wanderer sich recht oft von dieser Stätte aus der Werke der herrlichen Gottesnatur erfreuen und möge er stets dabei auf ein glückliches und zufriedenes Land schauen.
_+Anmerkung.+ Auch die Strassen über +Bernbach+ oder auch über +Beierfeld+ gewähren höchst überraschende Thalbilder. (Schwarzwasserthal.)_
Wir gehen nun den Vörtelsweg am =Loreleifelsen= vorüber nach dem historisch berühmten
=Fürstenberg= (liegt von Waschleithe nach Haide rechts). Dieser Berg wird als die Stelle bezeichnet, wo am 8. Juli 1455 der Köhler den Prinzen Albrecht befreite und Kunz von Kauffungen gefangen nahm. Ein =Granitobelisk= über dem Fürstenbrunnen von 9½ m Höhe verewigt die Begebenheit. (1822 errichtet.) Am Fürstenberg wird Marmor gebrochen, den man zu Kalk verwendet. Am südl. Abhang der =Graul=, der mit seinen Halden und Kauen ein echtes Bergbild darbietet. Im Thal beim Dörfchen Haide liegen die spärlichen Ruinen der =Oswaldskirche= (Dudelskirche). Die Sage erzählt, ein Bergherr, Casper Klinger, habe sie zur Entsühnung eines Brudermordes erbauen wollen, der Böse sei jedoch dagegen gewesen und habe stets zur Nachtzeit das Aufgemauerte wieder abgebrochen.
Ein schöner Weg durch Wälder bringt uns nach Wildenau und Schwarzenberg. (4 km.) Siehe Routennetz.
42. =Chemnitz-Annaberg-Buchholz= (58 km). =Schlettau= (alte Strasse, 3½ km). =Scheibenberg= (4 km). =Raschau= (6½ km). =Schwarzenberg= (4 km).
Bis Buchholz siehe Tour 35. Die neue Strasse nach Schlettau weniger aussichtsreich ist 1½ km länger, wie die alte.
=Schlettau.= Rathhaus. Goldner Bock. Rest. zum Schützenhaus. Das freundliche Städtchen, eine alte slavische Ansiedlung, liegt 563 m hoch im breiten Thalkessel der hier noch jugendlichen Zschopau. 2500 Einw. Feldbesitz. Posamenten. Flachsbereitungsanstalt. Das Schlettauer Schloss ist ein wenig imposanter Bau.
Nun stark bergauf nach Scheibenberg.
=Scheibenberg.= Rathskeller. Zum Reichsadler. Rest. Schiesshaus. 2400 Einw. 673 m ü. M. Das regelmässige gebaute Städtchen liegt am Fusse eines Basaltkegels, =Scheibenberger Hübl= genannt und wurde 1522 in Folge reicher Silber- und Kobalterz-Funde gegründet. Der Bergbau wird indess nur noch schwach betrieben. Posamenten. Klöppelei. Cigarren- und Schwefelholzfabrikation. Der 805 m hohe =Scheibenberg=, der leicht zu ersteigen ist, öffnet das ganze Centralgebirge den Blicken. Imposant erscheinen besonders von hier aus der Fichtelberg, die grossen Crottendorfer, Johanngeorgenstädter und Schwarzenberger Waldregionen. (Am Berg Basaltbrüche.)
_+Anmerkung.+ Eine inter. Tour (mit Spezialkarte) ist über +Crottendorf+ die alte +Joachimsthaler Strasse+ nach dem +Fichtelberg+ (17 km). In Crottendorf Marmorbrüche, welche Bildhauer Nosseni unter Christian I. zuerst benutzte. Weiter hinauf echte und gerechte Gebirgswälder, die sich links und rechts unabsehbar ausbreiten. (Man kann vom Gipfel des Scheibenberges direct auf Crottendorf zugehen.)_
Von Scheibenberg ab senkt sich die Strasse nach dem starkbesiedelten =Raschauer Grund=, der in Folge seiner geschützten Tieflage das mildeste Klima des Obererzgebirges aufzuweisen hat. Wir berühren =Ober-= und =Niederscheibe=, =Markersbach=, =Mittweida= und =Raschau=. Hier mündet das Pöhlathal von Rittersgrün her. 2300 Einw. Bad Raschau. Raabe's Gasth. (Schwarzenberg, siehe Routennetz.)
43. =Chemnitz-Thalheim= (27 km). =Zwönitz= (9 km). =Aue= (14 km). (Bahnroute.)
Bis =Burkhardsdorf= siehe Routennetz. Auch hinter Burkhardsdorf bleiben wir im Thal der Zwönitz, berühren =Meinersdorf=, das grosse hübschgelegene =Thalheim= und =Dorfchemnitz=.
_+Anmerkung.+ Von Station Dorfchemnitz lässt sich bequem eine Tour durch den Geyer'schen Wald nach dem +Greifenstein+ unternehmen (8 km). Man geht mit Spezialkarte am +Rothen Ochsen+ (war abgebrannt) und dem +Freiwaldgut+ vorüber. Greifenstein siehe Seite 109._
Von Station Dorfchemnitz starke Steigung (1 zu 50) auf die Höhenzüge bei =Zwönitz=. (Bahnhof von der Stadt 1 km.)
=Zwönitz.= Viehwegs Gasth. Blauer Engel. Ross. Rest. zum Feldschlösschen. Schiesshaus. (Am Schulhaus 527 m ü. M.) 2800 Einw. Schuhmacherstadt. Klöppelei. Klempnerei. Weberei. Pressspahnfabrik. Sehenswerthes Kriegerdenkmal.
In weiten Curven windet sich die Bahn, von der aus man schöne Aussicht auf die Höhen bei Schwarzenberg und Schneeberg, und auf das Lössnitzthal geniesst, hinab nach Lössnitz. Diese Strecke nennt man den Sächsischen Semmering. Fall 1 zu 40.
=Lössnitz.= Deutsches Haus. Rathhaus. Anker. Schiff. 5800 Einw. 421 m ü. M. Die Stadt gehört zu den ältesten slavischen Ansiedlungen im Erzgebirge und steht unter der Herrschaft Hartenstein. Tuch-, Seiden- und Baumwollenweberei. Klöppelei und Stickerei. Grosse Stadtkirche, goth. Hospitalkirche, die aus den Erträgnissen des städtischen »=Gotteswaldes=« erbaut wurden. Kriegerdenkmal. In der Nähe grosse Dachschieferbrüche, die einer Actiengesellschaft gehören. (150 Steinbrecher.) Vom hochgelegenen Schiesshaus prächtige Aussicht auf das Obererzgebirge.
_+Anmerkung.+ Die Lössnitzer Section des Erzgeb. Vereins empfiehlt ab Lössnitz dankbare kleine Ausflüge. (Tafeln in den Gasthöfen und im Bahnhof.) Die +Prinzenhöhle+ liegt 5 km von hier, man geht dahin über Alberode. Siehe Seite 120._
Der Bahnkörper, wirklich inter. angelegt, überwindet den starken Fall (1 zu 40) in weiten Curven, geht an den Schieferbrüchen vorüber, und gewinnt durch einen anmuthigen Grund das Muldenthal. Aue siehe Routennetz.
44. =Chemnitz-Stollberg= (19 km). =Thierfeld= (8 km). =Hartenstein= (2 km). =Stein= (1½ km).
Man geht die aussichtsreiche Strasse über das =Eichhörnchen= oder durch =Harthau= an =Schloss Neukirchen= vorüber. Siehe Routennetz. Stollberg siehe Seite 67. Ab Stollberg über Höhen nach =Neuwiese=, =Neuwittendorf= und =Thierfeld=. Auf dem Gottesacker dieses Dorfes besuche man das inter. Denkmal eines Reiteroffiziers, der unglaublich viel erlebt hat. (Näheres besagen die Inschriften. Das auffällige Denkmal steht in einer Ecke an der Gottesackermauer.)
=Hartenstein.= Weisses Ross. Zum Rathskeller. Schiesshaus. 2700 Einw. 339 m ü. M. Weberei. Strumpfindustrie. Ackerbesitz. Im fürstl. Schönburg'schen Schloss, das ein ziemlich einfacher Bau ist, inter. Ahnensaal mit Bildnissen. Hartenstein ist Hauptort der gleichnamigen Herrschaft, die sich in früheren Jahrhunderten bis Böhmen erstreckte; sie gehörte den Burggrafen von Meissen und kam durch Heirath an das Haus Schönburg. Am 17. Oct. 1609 wurde im Pfarrhaus =Paul Flemming=, der Dichter und Weltreisende geboren. (Gest. 1693 in Hamburg.) Sein Geburtshaus schmückt eine Denktafel.
Nun im Thalzug hinab ins Muldenthal nach Stein. Weiter siehe Routennetz.
45. =Chemnitz-Hohenstein= (19 km). =Glauchau= (15 km). =Zwickau= (16 km).
Diese Bahnroute fand bis St. Egidien bereits Beschreibung. S. Routennetz.
=Glauchau.= Deutsches Haus. Stadt Hamburg. Stadt Dresden. Rest. Jänichen. Felsenkeller. Actienbrauerei. Kretzschmar. 21363 Einw. Am Bahnhof 246 m ü. M. Die Stadt zeigte 1880 abermals eine geringe Abnahme ihrer Bevölkerung, was man der Annection des Elsasses zuschiebt, weil dadurch ähnliche Industrien in Deutschland einbezirkt worden sind. Der Hauptort der Schönburg'schen Recessherrschaften liegt auf einer Anhöhe über der Mulde, auf der auch zwei Schönburg'sche Schlösser, Vorder- und Hinterglauchau thronen. Hübsche städt. Anlagen. In der Kirche Silbermann'sche Orgel. Georg Agricola wurde 1494 hier geboren. Die Gewerbthätigkeit Glauchau's und Meerane's, der nahen, fast gleichgrossen Schwesterstadt, erstreckt sich hauptsächlich auf die Textilbranchen. Man webt Kleider- und Mäntelstoffe. Färberei. Druckerei. Bleicherei. Eigenartig ist die Korbflechterei, welche sich auf die grossen Weidenplantagen, die »Zennen«, in der Muldenniederung stützt. (Kinderwagen, Rohrmöbel, Tragkörbe.) In der Kirche zu =Jerisau= (2 km) hängt ein Portrait Kaiser Karls V., welches der Kaiser selbst in Anlass einer Uebernachtung im Pfarrhaus 1547 dem Pfarrer schenkte.
Die Bahn gewinnt bei Glauchau das weite, anmuthige Muldenthal, lässt jedoch den Fluss weit links und geht an Mosel vorüber.
=Zwickau.= Zur Post. Grüne Tanne. Deutscher Kaiser. Goldner Löwe. Hotel Wagner. Weintraube (billig). Rest.: Zur Quetsche. Zur Bleibe. Schwan. Bierhalle. Centralhalle.
+Sommerwirthschaften.+ Schwanenschlösschen über dem Schwanenteich mit aussichtsreicher Terrasse. Concertgarten Gambrinus. Zum Badegarten. Bergkeller an der Mulde. Bergschlösschen auf dem Brückenberg mit trefflicher Aussicht.
+Cafés.+ Café Germania (sehr grossstädtisch). Café Carola. Adam. Buschbeck. Stephan. Metzner's Weinstube. =Stadttheater= im Gewandhaus. =Victoriatheater= im deutschen Kaiser.
+Omnibus+ vom Bahnhof 20 Pf., nach Kainsdorf 20 Pf.
35135 Einw. 267 m ü. M. Die »Schwanenstadt« liegt im Muldenthal, dessen rechtsseitige Gehänge steil sind und dadurch der Landschaft besondere Anmuth verleihen; Zwickau ist Kreishauptstadt und Sitz eines Appellationsgerichts; ihre hohe wirthschaftliche Bedeutung verdankt sie in der Hauptsache den vortrefflichen Kohlenflötzen, welche sich in der Vorzeit hinter dem Durchbruch der Mulde durch das Gebirge abgelagert haben. Das Gemeinwesen besitzt selbst Kohlenwerke und ist dadurch ein sehr wohlhabendes geworden. Die Mächtigkeit der Flötze steigt bis zu 24 m und auf sie stützt sich die grossartige Industrie im ganzen westl. Sachsen. In Zwickau selbst sind neben dem Bergbau zahllose Etablissements, darunter Ziegeleien, Koaxbrennereien, Maschinenfabriken, Giessereien, Porzellan-, Papier- und Glasfabriken entstanden, die der Kohlen halber hier Boden fassten. Man fördert gegenwärtig circa 42 Millionen Centner im Jahr. Die Schachttiefen reichen bis zu 760 m. 5000 Pferdekräfte im Dampf, 400 Beamte und 9000 Bergleute halten die Schächte im Betrieb. Gegen 60 Kohlenzüge verlassen täglich den Zwickauer Bahnhof, dessen Gleisanlagen mehrere deutsche Meilen lang sein würden, wenn sie nicht nebeneinander lägen.
+Geschichtliches.+ Zwickau ist eine sehr alte sorbische Ansiedlung. (Zwickowa.) 1118 erhielt es die Gräfin Bertha von Groitzsch zu Lehen, von dieser vererbte es auf ein Mitglied der Fürstenfamilie Wettin. 1290 ward die Stadt reichsunmittelbar. 1348 gelangte sie abermals in den Besitz der meissnischen Markgrafen. Als der Schneeberger Bergbau in Aufnahme kam, wurden die Erze von dort zumeist in Zwickau verhüttet, auch betheiligten sich Zwickauer Bürger an den Silberbergwerken und gelangten zu grossem Reichthum. 1520 bis 22 lebte Thomas Münzer hier als Pfarrer, und Luther selbst musste herbei, um die durch den »Schwarmgeist« erregte Menge zu beruhigen. Im 30jähr. Krieg sank die Stadt von 10000 Einw. auf 4000 herab und sie blieb bis vor circa 60 Jahren unbedeutend, bis das Zeitalter der Dampfkessel hereinbrach und den Werth der »Schwarzen Diamanten« und damit die Bedeutung Zwickau so ausserordentlich steigerte.
=Sehenswürdigkeiten.= Die gothische =Marienkirche=, schon 1118 fertig gestellt, ist wiederholt abgebrannt, so dass verschiedene Jahrhunderte sich daran versucht und sich zum Theil versündigt haben. Von den 24 Altären aus der Zeit vor der Reformation ist nur einer übrig, ein sehr schöner Flügelaltar mit Gemälden und Schnitzereien aus der Wohlgemuth'schen Schule. In der Taufhalle ein Kranach. Inter. Glasmalereien in dem Erbbegräbniss der Familie von Bose. In der Sakristei kunstvoll geschnitztes heiliges Grab von Veit Stoss (1507). Ferner originelle Doppeltreppe von Stein. Unter den älteren Grabmälern verdient das des Bergherrn Martin Römer Beachtung. In der sogenannten Götzenkammer neben der Orgel (eine Art Alterthumskabinet) mancherlei Sehenswerthes.
Die goth. =Katharinenkirche= besitzt gleichfalls Kranach'sche Bilder. Alterthümliche Bauten sind das =Rathhaus= und =Gewandhaus=, sowie das Gymnasium mit sehenswerther Aula. (Grosse Bibliothek, 20000 Bände, 1857 entdeckte man eine Hans Sachs'sche Handschrift seiner Gedichte, ferner liegt hier werthvolles Material für die Reformationsgeschichte aufgestapelt, das der Hebung harrt.)
Die =Richterstiftung=, innere Dresdner Str. 2, besitzt eine reiche Sammlung einheimischer Mineralien, darunter seltene Versteinerungen aus den Zwickauer Kohlenflötzen. Sonntags geöffnet von 11--½1 Uhr. Im =Kunstvereinsgebäude=, Marienkirchhof 2, kunstgewerbliche Sammlungen. In den oberen Sälen Oelgemälde, Kupfer- und Stahlstiche. Eintritt 50 Pf. sofern man nicht durch Mitglieder eingeführt wird. Das hübsche =Kriegerdenkmal= steht vor dem Gymnasium; am Markt 5 ein =Medaillonbild Robert Schumanns=, des Componisten, der in diesem Hause geboren ward. Das =Medaillonportrait Dr. Ungers= am Kreiskrankenstift entwarf Prof. Johannes Schilling.
Das alte =Schloss Osterstein= ist als Landesgefängniss eingerichtet, es beherbergt etwa 1500 Correctionäre und ist darum schwer zugänglich.
=Spaziergänge.= Die alten =Festungswälle= rings um die Stadt sind in schöne Anlagen umgewandelt worden. Der schönste Spaziergang ist indess derjenige nach dem =Schwanenteich= und =Schwanenschlösschen=. Der Teich hält 17 Hectare Grundfläche, ist mit herrlichen Anlagen umgeben, von vielen eleganten Gondeln und sogar von einem kleinen Dampfboot, wie auch von einer grossen Zahl fremder und einheimischer Wasservögel belebt. Vom hochgelegenen Schwanenschlösschen schöne Aussicht auf Stadt und Umgebung.
Ferner sind zu nennen: Promenade am rechten Muldenufer bis zur =Pölbitzer Brauerei= (3½ km). Nach dem =Windberg= an der Strasse nach Werdau (349 m). Schöner Blick auf Stadt und Umgebung. Nach =Bellevue= und =Pöhlau=. Nach der =Heringsbrauerei=, rechts an der Mulde gelegen (nur 1½ km). Nach den =Bergkellern=, dann durch den =Amselgrund= nach =Eckersbach=. Hier hübsche Anlagen und das Trillergut, das der wackere Köhler Triller vom Landesherrn als Freigut für die Rettung des Prinzen Albrecht erhielt. Zurück geht man über den 335 m hohen =Brückenberg=. (Hin und zurück 5 km.)
=Ausflug nach der Marienhütte= (4 km). =Kainsdorf=, zu welchem die Marienhütte gehört, zählt 2860 Einw. Die Hüttenwerke zählen zu den grössten Deutschlands. 80 Beamte. 1700 Hüttenarbeiter. 400 Kohlenbergleute. Die Frachtenbewegung ersteigt die Riesenziffer von 250000000 Kilo. Man verladet und empfängt pro Woche etwa 1000 Waggons und Lowrys. Besonders interessant ist die Schienenfabrikation und die Bessemerstahlbereitung. Von der Marienhütte wandert man nach =Planitz=. 10000 Einw. Hier ist ein Kohlenflötz seit Jahrhunderten in Brand, d. h. es schweelt im Erdinnern. Zuweilen steigen Dämpfe auf. Schnee bleibt auch bei strenger Kälte auf der immergrünen Rasendecke nicht liegen. In den Treibhäusern des Rittergutes benützt man diese natürliche tropische Wärme zur Erzeugung einer herrlichen Flora. =Bockwa=, dicht an Kainsdorf gelegen, dürfte wohl das reichste Dorf Deutschlands sein. Die Bauern, durch die Kohlenschächte reich geworden, wohnen in prächtigen Villen, Gas erleuchtet die Dorfgassen und die stattliche neue Kirche würde einer grösseren Mittelstadt zur Ehre gereichen. Auch =Schedewitz= und =Hohnsdorf= sind reiche Kohlendörfer.
Touren ab Zwickau.
46. =Zwickau-Waldenburg= (24 km). =Wolkenburg= (6 km). =Penig= (5 km). =Rochsburg= (6½ km). =Cossen= (4½ km). =Rochlitz= (9½ km). =Colditz= (11 km). =Grimma= (16 km). =Leisnig= (22 km). =Döbeln= (16 km). =Waldheim= (9½ km). =Mittweida= (über Kriebstein und Ringethal 13½ km). =Chemnitz= (18 km). =Zwickau= (49 km).
_+Anmerkung.+ Sämmtliche hier genannte Routen, die alles touristisch Interessante an den unteren Mulden und an der unteren Zschopau einschliessen, haben bereits Beschreibung in anderen Touren gefunden und es sei deshalb auf das Routennetz verwiesen. Dasselbe gilt auch von der nächstfolgenden Tour Nr. 47._
47. =Zwickau-Rochlitz= (55 km). =Geithain= (9 km). =Frohburg= (10½ km). =Kohren= (über Gnandstein 8 km). =Penig= (13 km). =Zwickau= (35 km). Näheres siehe Routennetz.
48. =Zwickau-Wiesenburg= (11 km). =Aue= (18 km). =Schwarzenberg= (11 km). =Johanngeorgenstadt= (17 km). =Platten= (6½ km). =Bäringen= (3½ km). =Lichtenstadt= (10 km). =Karlsbad= (12 km).
Wir fahren am Besten mit Dampf durch das Zwickauer Schachtrevier und an der =Marienhütte= vorüber. Bei Station =Wiesenburg= rechts Schloss und Ruine =Wiesenburg=. In den restaurirten und neuerrichteten Gebäuden ist ein Bezirksarmenhaus untergebracht. Das Muldenthal wird enger und romantischer. Bei =Stein=, Station für Hartenstein, das interessante =Schloss Stein=. Die Mauern sind ähnlich, wie bei dem Schloss zu Weesenstein mit dem Felsen verwachsen, der bis zum dritten Stockwerk reicht. Der seltsame Bau steht dicht am Wasser, was ihn besonders romantisch erscheinen lässt.
_+Anmerkung.+ 2½ km von Stein entfernt muldenaufwärts liegt links des Weges am Abhang die +Prinzenhöhle+; es ist das ein verlassener Bergstolln, ehemals die Teufelskluft genannt. (20 m tief.) Die Ritter Mosen und Schönfels, die Genossen des Kunz von Kauffungen, hielten sich hier drei Tage lang mit dem Prinzen Ernst verborgen, traten dann bekanntlich mit dem Amtmann von Hartenstein in Unterhandlung, welche die Rückgabe des geraubten Prinzen zur Folge hatte. (11. Juli 1455.)_
Die Bahn folgt auch ab Stein den Krümmungen des Flusses. Rechts auf einem Felsenvorsprung liegen die Trümmer der =Isenburg=. Bei Station =Niederschlema= zweigt sich ein Tract nach Schneeberg ab. An einem Thalkreuz, wo das Schwarzwasser sich in die Mulde ergiesst, liegt
=Aue.= Erzgeb. Hof. Bahnhofseiche. Blauer Engel. Rathskeller. Rest. zur Lederschürze. Schiesshaus. Brauerei mit Gartenrest. 3000 Einw. Am Bahnhof 348 m ü. M. Feldbau. Klöppelei. Schnupftabaksdosenfabrik. Fabrik hölzerner Pfeifenköpfe. Gessners Maschinenfabrik. Viele Blecharbeiten werden hier gefertigt, auch besteht eine Fachschule für Blecharbeiter und eine Fabrik, die für diese Branche speziell Hilfsmaschinen baut. Das nahe Klösterle beherbergte einst einen Mönchsorden, der schon im 12. Jahrhundert gegründet worden war. 1429 zerstörten die Hussiten das Kloster. Aue liegt im Centrum zweier schöner Thalzüge und ist Eisenbahnkreuzpunkt, daher für Sommerfrische und kleinere Ausflüge sehr geeignet.