Gampe's Erzgebirge mit Einschluss der böhmischen Bäder Teplitz, Karlsbad, Franzensbad und Marienbad, des Voigtlandes und des Granulitgebietes an den unteren Mulden. Ein Reisehandbuch

Part 10

Chapter 103,403 wordsPublic domain

Wir gehen oder fahren mit Dampf durch den Hüttengrund. Vor der Stadt Zöblitz liegt die =Kniebreche=, ein vielbesuchtes Wirthshaus, das als Sommerfrische benutzt wird.

35. =Chemnitz-Zschopau= (29 km). =Wolkenstein= (13 km). =Annaberg= (12 km). =Buchholz= (Bahnhof, 3 km). =Weipert= (17 km). =Kupferberg= (17 km). =Sonneberg= (12 km). =Krima= (5 km). =Domina-Schönlind= (7 km). =Kommotau= (9 km). =Klösterle= (22 km). =Wotsch= (9 km). =Schlackenwerth= (14 km). =Karlsbad= (12 km).

Bis Erdmannsdorf s. Näheres Routennetz. Bald wird rechts die grosse =Witzschdorfer Nähfadenfabrik= und später links das grosse Spielwaarendorf =Waldkirchen= sichtbar. Zu Fuss nach Zschopau geht man die aussichtsreiche Strasse über den Altenhain (15 km).

=Zschopau.= Stadt Wien. Deutsches Haus. Liebmann's Rest. Lehmann's Gartenwirthschaft. 8500 Einw. 356 m ü. M. Weberei. Spinnerei von Bodemer. In der Kirche die Kanzel und die Altarverzierungen beschaffte Fabrikant Bodemer auf eigene Kosten, auch die Stadtbibliothek ist von demselben begründet und fundirt worden. Schön über dem Zschopauthal gelegenes Seminar.

Der Name Czapowe entstammt dem Sorbischen und bedeutet Passort. Durch Zschopau ging seit grauen Zeiten bis in die Mitte unseres Jahrhunderts die grosse Verkehrsader Prag-Leipzig. Die Erweiterung des Thales war für den Uebergang über dasselbe besonders günstig und so mag wohl sehr früh schon eine Brücke und eine Ansiedelung dabei entstanden sein. =Schloss Wildeck=, das imposant und trotzig die Stadt überragt, ist wahrscheinlich zur Bewachung der einst wichtigen Zollstätte errichtet worden. Der alte runde Thurm soll bereits von Heinrich dem Finkler erbaut worden sein. August der Starke hielt hier den renitenten Bischof von Posen gefangen. Gegenwärtig sind Gerichts- und Forstbehörden darin untergebracht. Von der sehr hohen Zschopaubrücke aus führen Stufen hinauf zum Markt. Unten liegt der volkreiche Stadttheil, die Zschopense.

_+Anmerkung.+ Die Umgebung Zschopaus ist zwar touristisch eine recht dankbare, doch wer im Zschopauthale aufwärts dringt, kann auf die minder schönen Punkte wohl Verzicht leisten. Hier seien nur die vorzüglichsten genannt. Die +Bodemerkanzel+ liegt am linken Zschopauufer, dem Bahnhof gegenüber. Höchst fesselndes Bild auf den Thalkessel mit der Stadt und Burg Wildeck. Sehr lohnend ist auch ein Spaziergang bis zum hochgelegenen +Schiesshaus+. Man sieht hier bis zum Keilberg hinauf. Auch auf der Marienberger Strasse erreicht man mit wenig Mühe eine Höhe, von der aus die Stadt mit Umgebung anmuthig vor dem Beschauer liegt._

_Fussgänger nach Scharfenstein benutzen nicht die Strasse im Thalzug fort, sondern steigen hinter dem Bahnhof links den steilen Berg hinauf, hier läuft ein zweiter Weg mit dem Fluss parallel, von welchem aus man schöne Thalblicke und Fernsichten hinauf ins Centralerzgebirge geniessen kann. Der schönste Punkt nennt sich die +Scharfensteiner Kanzel+. (Zschopau-Scharfenstein 6 km.)_

Unsere Fahrt im romantischen Zschopauthal fortsetzend, gelangen wir nach =Scharfenstein=. 800 Einw. 7 Stockwerk hohe Spinnerei. Das malerische Schloss Scharfenstein ist im Besitz eines Herrn von Einsiedel, dessen Vorfahren schon im Anfang des 15. Jahrh. Herren der Burg waren. 1632 eroberte sie Herzog Bernhard von Weimar. Sehenswerth sind das Burgverliess, die alten Kellereien und ein alter Wartthurm. Die Lage der Burg auf hohem Felsgrat erhöht ihren landschaftlichen Reiz.

Auch die Weiterfahrt zeigt immer neue anmuthige Thalscenerien. Fussgänger gehen ebenfalls im Thalzug aufwärts bis zum =Flossrechen= mit =Flosshaus=, einem Lieblingsplatz der Badegäste im Bad Wolkenstein, das man von hier aus leicht erfragen kann. Von hier auch auf Fusswegen an der Ahner'schen Spinnerei vorüber direct hinauf nach Wolkenstein.

=Wolkenstein.= Sächsischer Hof. Zur Sonne. Stadt Dresden. »Rest.: Bei der Frau Kirchenvorsteherin Ulbrich«. Schiesshaus an der Strasse nach Marienberg. Gräser's Conditorei. Bahnhof 400 m ü. M. Stadt 490 m ü. M. 2300 Einw. Posamenten. Schuhmacherei. Klöppelei. Ackerbesitz. Der Bergbau ist eingegangen. Inter. Kirche. (An der Eingangsthür zum Thurm St. Georg mit dem Lindwurm. Altarbild: Christus und die Samariterin.) Hübsches Kriegerdenkmal von einem Adler bekrönt. Schloss Wolkenstein, jetzt Sitz von Gerichtsbehörden, war ehemals ein Lieblingssitz Heinrich des Frommen, der in der Gegend nur der gute Heinz genannt wurde. Er unterhielt hier einen Thiergarten und das einsame Lehngut, die Heinzebank, 602 m hoch, an der Zschopau-Marienberger Strasse nennt sich nach ihm, wie auch der nahe Heinzewald. Hier soll Heinrich sich des weiten Rundblicks nach der Jagd im Heinzewald öfter erfreut haben. Vom Gebirgsverein zugänglich gemachte Punkte bei Wolkenstein sind: Die =Falkenhorstwand=, der =Heidelbachfelsen= und die =Brückenklippe=.

Vom Schloss hat man hübsche Thalblicke, am schroffen Berghang finden sich verwegene Bergpfade. Noch schöner ist der Blick von der nahen Villa =Maxenstein=, dem Buchhändler Spamer gehörig. Unter der Villa Parkanlagen, die von 10 bis 3 Uhr dem Publikum offen gehalten werden.

=Warmbad Wolkenstein= liegt 2 km von der Stadt im Hüttengrunde. 458 m ü. M. Der schön eingefasste Quell (30° C.) ist der wärmste Sachsens und hat sich besonders bei rheumatischen Leiden bewährt. 125 möblirte Zimmer von 2 bis 12 Mark per Woche. Bäder zu 75 und 50 Pf. Douchen sind extra zu zahlen. Die Badefrequenz betrug 1880 600 Gäste. Concerte ziehen während der Saison öfter die besseren Bewohner der Umgebung herbei. Schöne Waldpromenaden. 4 km von der Stadt, vom Bad 2½ km liegen die »=Neuen drei Brüder=«, ein verlassenes Bergwerk, über dem Dorf =Gehringswalde=. Im Huthaus Schenke. Das Auge beherrscht von hier aus so ziemlich alle höheren Berge des Centralerzgebirgs, als Keil- und Fichtelberg, Hassberg, Auersberg und die drei Basaltkegel, Scheibenberg, Bärenstein und Pöhlberg. Auf der Halde zuweilen Krystalle.

Hinter Wolkenstein passirt der Zug den Punkt des Zusammenflusses der Pressnitz und der Zschopau, die von hier aufwärts bedeutend wasserärmer erscheint. Weiter oben wird das Thal freier.

=Warmbad Wiesenbad.= 434 m ü. M. Die Quelle (21¾° C.) wird schon seit dem 15. Jahrh. für Heilzwecke benutzt. Im Bad gegen 100 Zimmer. 1880 340 Badegäste. Die Quelle gleicht in ihrer chemischen Zusammensetzung den Heilquellen von Pfeffers, Schlangenbad und Gastein. Schöne Waldpromenaden, die zu anmuthigen Punkten führen. Grosse Flachsspinnerei und Bleicherei unfern des Bades.

Hinter der Stat. =Wiesa=, einem anmuthig gelegenen Kirchdorf, verlässt die Bahn das Zschopauthal und wendet sich dem Thalzug der Sehma zu. Links wird mehrfach der =Pöhlberg= sichtbar.

=Annaberg.= Hôtel Museum. Wilder Mann. Goldne Gans (Gutes Mittelgasthaus.) Kronprinz. Tröger's Gasthaus am Bahnhof. Rest. zum Rathskeller. Bahl's Garten- und Tanzlokal vor dem Buchholzer Thor. Badeanstalt von Wolf.

Annaberg, ziemlich abschüssig an den Gehängen des Pöhlberges gelegen, ist die grösste und wichtigste Stadt des Centralerzgebirgs; die Posamenten-Industrie ist sehr bedeutend und vorwiegend für den Export berechnet. 13000 Einw. Am Markt 601 m, am Bahnhof 539 m ü. M.

=Geschichtliches.= Der Bergbau am Schreckenberg scheint ziemlich früh schon begonnen zu haben, doch ward er erst Ende des 15. Jahrh. sehr ergiebig; dies veranlasste Herzog Georg den Bärtigen an der sogenannten wilden Ecke am 21. Sept. 1496 eine Stadt zu begründen, die man Neustadt am Schreckenberg benannte. Indess 5 Jahre später tauschte sie ihren Namen in St. Annaberg um und Kaiser Maxmilian bestätigte den Namenwechsel. Die Glanzperiode des Annaberger Bergbaues fällt in das 16. Jahrh., die Schreckenberger Gruben waren damals die silberreichsten Sachsens. Man prägte die Ausbeute in der Münzgasse in die sog. Engelsgroschen um oder brachte sie auch ungemünzt zur Vertheilung. Die Bergherren sollen sehr üppig gelebt und eine Bäuerin soll sogar Bäder in Wein genommen haben. Die Sage schreibt dieser Ueppigkeit den raschen Verfall des Bergbaues zu, die Gruben versagten im 17. Jahrh. mehr und mehr, einzelne kamen zum Erliegen, 1604 suchte ein grosser Brand die damals fast ganz hölzerne Stadt heim. Kloster, Rathhaus und Schule brannte nieder und selbst die Kirche ward ihrer Thürme und ihres Daches beraubt. Der 30-jähr. Krieg that sein Uebriges, die ehemals reiche Bergstadt zu einer Stätte des Elends zu machen. Einen Nothanker in dieser langen schlimmen Zeit bildete die Spitzenklöppelei. Barbara Uttmann, einer Nürnberger Patricierfamilie entsprossen und an einen reichen Annaberger Bergherrn Uttmann verheirathet, erfand, oder wie man nach einer andern Lesart will, erlernte von einer Brabanterin das Spitzenklöppeln und führte es bereits 1561 unter der Bergbevölkerung ein. 1589 gesellte sich die Posamentirerei dazu, eingeführt durch Georg Einenkel. Im Laufe der Zeit haben sich noch eine ganze Reihe anderer Industrien, meist Luxusindustrien, hier heimisch gemacht, so dass aus der Bergstadt die erste und grösste Fabrikstadt des Obererzgebirges geworden ist. Adam Riese lebte in Annaberg als Bergschreiber, Chr. Friedr. Weisse der Kinderfreund und Genosse Lessings wurde 1726 zu Annaberg geboren; eine milde Stiftung ehrt sein Andenken.

=Sehenswürdigkeiten.= Hier ist voran die =Annenkirche= zu nennen; sie ist zwar nicht die schönste, aber was Ausschmückung anlangt, die interessanteste des Landes. Von 1499--1525 durch Erasmus Jacob von Schweinfurt erbaut, gehört ihr Styl der Spätgothik an. Der Thurm wurde nach dem Brande 1604 zum Theil erneuert. Am Hauptaltar Stammbaum Christi, der aus der Brust Abrahams herauswächst. Am Bergaltar, von Bergleuten gestiftet, interessiren gute Holzschnitzereien und Oelgemälde auf Holz. Den neuen Altar, der 1834 erneuert wurde, schmückt besonders ein Bild »Tod Mariäs« nach einem Schongauer'schen Kupferstich. Der Münzaltar in der Chorkapelle des rechten Schiffs wurde 1552 von den Münzern gestiftet, als Hauptschmuck sind Schnitzwerke zu nennen: Maria mit dem Jesuskind von Engeln umgeben. Die Gemälde an den äusseren Flügeln, Bartholomäus, Georg, Katharina und Barbara darstellend, erinnern an den jüngeren Holbein. Der Bäckeraltar ist künstlerisch der unbedeutendste. An sonstigen Gemälden ragen hervor Maria mit dem Christuskind auf der Mondsichel stehend, die Ehebrecherin vor Christus von L. Kranach d. J. Der gleichen Hand soll das ausdrucksvolle Bild in der Sakristei, die H. Katharina, entstammen, zweifellos gehört es dieser Schule an. Auf dem Bild »die Verkündigung« fallen die fein ausgeführten Figuren und die klare, kraftvolle Landschaft auf. Der becherförmige Taufstein entstammt der Grünhainer Klosterkirche. An der Kanzel beachtenswerthe Skulpturen. Die =Goldene Pforte=, aus der Annaberger Franziskanerkirche hierher versetzt, erinnert an Florentiner Meister. Ein spätgoth. Bogen umschliesst die Figuren der H. Dreieinigkeit, über dem Gesims Adam und Eva, an den Seiten Moses und Johannes der Täufer.

Die Hautreliefs an den Emporen mit Erkern geben prächtiges Zeugniss von einer humoristisch-gesunden Lebensauffassung des Mittelalters. Die ersten 20 Reliefs im Chor stellen die 10 Lebensalter beider Geschlechter dar; jeder Figur ist ein Wappenschild beigegeben, auf welchem, nicht sehr höflich aber mit gutem Humor die Embleme den betreffenden Lebensaltern zugetheilt sind. Den männlichen sind folgende beigegeben: 10 Jahr ein Kalb, 20 Jahr ein Bock, 30 Jahr ein Stier, 40 Jahr ein Leu, 50 Jahr ein Fuchs, 60 Jahr ein Wolf, 70 Jahr ein Hund, 80 Jahr ein Kater, 90 Jahr ein Esel, 100 Jahr Todtenkopf eines Ochsen. Das weibliche Geschlecht ist wie folgt bedacht worden: 10 Jahr eine Wachtel, 20 Jahr eine Taube, 30 Jahr eine Elster, 40 Jahr ein Pfau, 50 Jahr eine Henne, 60 Jahr eine Gans, 70 Jahr ein Geier, 80 Jahr eine Eule, 90 Jahr eine Fledermaus. Der 100jährigen Greisin ist ein Vogeltodtenkopf mit stark entwickeltem Schnabel beigegeben. Von den übrigen 80 Reliefs sind 30 der heiligen Geschichte gewidmet. Der Meister dieser Skulpturen ist Theophilus Ehrenfried. An der Sakristeithür reiche Skulpturen nach gothischen und antiken Motiven. (Besonderes Vergnügen macht in der Regel den Beschauern ein kegelschiebender Engel.) Kunstvolle Schlosserarbeit. In der Sakristei zeigt man eine eisenbeschlagene Geldkiste, welche Tetzel während seiner Annaberger Ablasspredigten benutzt haben soll.

Auf dem =Gottesacker= ist die merkwürdige säulengestützte Linde sehenswerth, die nach einer Sage verkehrt eingepflanzt wurde. (Man nimmt an, der Wind habe sie umgeworfen, wodurch sich die Aeste zu Wurzeln und die Wurzeln zu Aesten umbildeten. Jedenfalls ist der Baum seiner Form nach ein höchst seltsamer.) Das Grabmal der Barbara Uttmann steht im vorderen Theile des Kirchhofs, es trägt folgende Inschrift: Sie ward durch das im Jahre 1561 von ihr erfundene Spitzenklöppeln die Wohlthäterin des Erzgebirgs. Auf der Rückseite steht:

Ein thätiger Geist, eine sinnige Hand, Sie ziehen den Segen ins Vaterland.

=Spaziergänge.= Vor dem =Buchhölzer Thor= links den Zickzackweg hinauf. Hübsche Anlagen. Oben schöne Aussicht auf das Obererzgebirge. Dann an der =kath. Kirche= vorüber und hinab an das =Wolkensteiner Thor=. Hier liegt das =Seminar=; in den Anlagen das =Kriegerdenkmal=. Von der Strasse hübsche Aussicht nach dem Greifenstein zu. Sehr empfehlenswerth ist die Ersteigung des nahen 832 m hohen =Pöhlbergs=. Der Basaltkegel ist zwar verwachsen, doch hat man von den Schneussen, die vom Triangulirungsstein auslaufen, schöne Thalbilder auf Annaberg, Buchholz, Königswalde und Mildenau und Fernsichten auf die Berggruppen des Centralgebirgs. Bequemer ist es, den Weg unten rings um den Kegel zu gehen, er gewährt auch freie Aussicht und führt uns an der Geiersdorfer Seite an den sogenannten Butterfässern (gewaltige Basaltsäulen) vorüber.[1] Ueber der Sehma drüben erhebt sich der =Schreckenberg=, der von einer künstlichen Ruine gekrönt ist, die an Stelle des alten Hochgerichts aufgemauert worden. Ein Besuch lohnt sich durch den prächtigen Anblick, den die Stadt Annaberg am Fuss des Basaltkegels, dem Pöhlberg und geschaart um die grosse Annenkirche, darbietet. Mit dem Ersteigen des Schreckenbergs lässt sich ein Besuch von »=Markus Röhling=« verbinden. Es ist das ein vielbesuchtes Bergwerk mit Gastwirthschaft.

=Buchholz.= Schwesterstadt Annabergs, 2 km entfernt. Deutsches Haus. Waldschlösschen. Felsenkeller. Felsenschlösschen. Rest. im Bahnhof oberhalb der Stadt. Am Rathhaus 558 m ü. M. 6600 Einw. Die Industrie gleicht der Annaberger, auch die geschichtliche Entwicklung hat »St. Katharinenberg im Buchholz«, wie sie ehemals hiess, mit Annaberg gemein, und ist jenes mehr Sitz der Spitzenindustrie, dieses mehr Sitz der Posamentirerei gewesen. Eigenartige Industrien sind die Perlenweberei und die Fabrikation von Sargverzierungen, wie auch die Korkschneiderei.

Die von Möckel fast neuerbaute =goth. Hauptkirche= enthält sehr gute Gemälde aus der Wohlgemuth'schen Schule. Stylvolle Ausstattung, deren Eindruck durch farbige Butzenscheiben erhöht wird. Die =Begräbnisskapelle= besitzt gleichfalls Bilder aus der Schule Wohlgemuths, denen bergmännische Motive zu Grunde gelegt sind.

=Spaziergänge.= An der =alten Strasse= nach =Schlettau= bieten sich gute Aussichtspunkte ganz in der Nähe der Stadt. Die Strasse steigt 689 m an. Die städtischen Anlagen oberhalb der Stadt über dem Bahnhof gewähren gleichfalls gute Ausblicke. Am Eingang zu den Anlagen =Denktafel= an die 1870--71 in Frankreich gefallenen Söhne der Stadt.

Nach Weipert zu Fuss 10 km, per Bahn 20 km. Die Strasse, fast immer aussichtsreich, führt am =Bärenstein= vorüber. (An der Strasse unter dem Berg vielbesuchtes Gasthaus.) Die Bahn bleibt zunächst im =Sehmathal=, überschreitet in =Cranzahl= auf sehr hoher Gitterbrücke das Thal und windet sich in weitem Bogen um den =Bärenstein= nach Weipert. (Sekundärbetrieb.)

=Weipert.= Grenzstation. Zollvisitation. Zahms Gasthaus. Stadt Leipzig. Zum Rathhaus. Langers Rest. Schwabs Weinstube. Die Stadt liegt an den Thalhängen der Pöhla hart an der Grenze. 6000 Einw. Gewehrfabrikation. (Meist Jagdgewehre, à 70 bis 200 fl., auch Revolver, Pistolen und Scheibenstutzen.) Posamenten.

=Bärenstein=, auf sächs. Seite, ist ein Marktflecken von 2000 Einw. Billiger Gasthof. Der Bärenstein erhebt sich dicht über dem Ort, ist 896 m hoch und gewährt auf seinem Plateau umfassende Rundblicke auf das ganze Centralerzgebirge mit zahlreichen Städten und Dörfern; er ist unter den 3 gleichartiggeformten Basaltkegeln des Centralerzgebirgs der höchste und der aussichtsreichste, auch seine Abhänge sind steiler und, namentlich nach dem Sehmathal zu grotesker. Am Fusspfad hinauf steht ein Denkstein an König Johann, der den Berg mehrmals besuchte.

_+Anmerkung.+ Im Pöhlthal aufwärts sowohl auf sächsischer, als auch über das vielbesuchte +Schlössel+ auf böhmischer Seite gelangt man nach Oberwiesenthal (11 km). Siehe Routennetz. Eine andere Variante ist von Weipert die schöne Waldstrasse über Pleyl nach Pressnitz (9 km). Siehe Routennetz._

Die Bahn ab Weipert (Buschtihrader) windet sich im Pöhlthal auf und strebt bei =Schmiedeberg= (2800 Einw., Holzdrahtfabrik zu Zündhölzchen) energisch der Kammhöhe zu. Pallisaden und Schneedämme zu beiden Seiten zeigen an, dass wir auf einer echten und gerechten Gebirgsbahn fahren. Auf dieser Höhe liegt ein Tract von 28 km, der durch seine winterlichen Verwehungen berühmt geworden ist.

Bald zeigt sich links der =Spitzberg= bei Orpus und rechte der ganz unvermittelt in die Landschaft hingesetzte =Kupferhügel=.

=Kupferberg.= Deutsches Haus. Post. Rathskeller. Bergners Gasthaus am Kupferhügel. Nachtlager 80 Kr. Weinschank beim Bürgermeister. 1500 Einw. Klöppelei. Posamenten. Der Kupferbergbau ist ganz zum Erliegen gekommen.

Der 926 m hohe =Kupferhügel= oder Hübl, der von einer Kapelle bekrönt ist, zählt zu den besten Aussichtspunkten auf dem Kamm. Auf diesem selbst erblicken wir den Hassberg, den Spitzberg bei Orpus, Fichtel- und Keilberg, den Hauenstein u. a. Nach Böhmen hinein schweift das Auge frei über die Saazer Ebene hinweg bis zum Weissen Berg bei Prag, ferner sehen wir das Karlsbader und das Teplitzer Mittelgebirge bis zum Millischauer. Auf dem Lysenkamm fällt besonders die Ruine Leskau ins Auge, näher her liegt die Ruine Schönburg. Das schönste aber ist die lachende Saazer Ebene mit dem weithin glitzernden Silberstreifen des Egerflusses.

_+Anmerkung.+ Zwei Wege fuhren hinab nach +Klösterle+. Erstens die Strasse. Links unter der Stadt seltsame +Conglomeratfelsen+ mit herrlicher Fernsicht und schönen Thalblicken. Auch ein Plattensteinbruch ist sehenswerth. An der letzten grossen Strassenkrümmung Fussweg links gehen. Derselbe, zwar steil, lohnt doch durch höchst anmuthige Partien. Weglänge 8 km. Der andere Weg ist 11 km lang, doch um Vieles schöner. Man berührt +Steingrün+, +Kleinthal+ und +Pürstein+. (Zum Eisenhammer. Schlossruine.) Von Pürstein an der aussichtsreichen Ruine Schönburg vorüber nach Klösterle. Schluchtige Thalzüge, aussichtsreiche Höhen, Ruinen, hölzerne Häuschen geben originelle Landschaftsbilder, die zuweilen auch an Hochgebirgsthäler erinnern._

Unsere Weiterfahrt ab Kupferberg zeigt uns links in kahler Gegend =Reischdorf=, wo einst das Grossfuhrwerk in hoher Blüthe stand. Etwas ferner liegt das sang- und klangreiche =Pressnitz=, vom finstern Hassberg überragt.

=Sonneberg.= Zum Fassel. 815 m ü. M. Klöppelei. Posamenten. Man pflegt auch hier den Volksgesang, wie in Pressnitz. Die neue stattliche Kirche ist noch tief im Böhmerland sichtbar und gilt dort als eine Art Wahrzeichen des Erzgebirgs. Prächtige Aussicht hinab ins Egerland und auf das Mittelgebirge. (Die nahe, hochintr. Ruine Hassenstein siehe Register.)

Bei Station =Krima-Neudorf=, wo die Linie von Marienberg-Reitzenhain her einmündet, beginnt in starken Curven die Senkung der Linie nach Kommotau hinab. Links liegt der romantische =Kommotauer Grund=. Hinter Station =Domina-Schönlind= herrliche Blicke auf die Ebene und Erz- und Mittelgebirge. Mit jeder Curve verändert und verschiebt sich die grossartige Scenerie zu neuen fesselnden Bildern. (Gefäll 1 zu 50.)

=Kommotau.= Vom Bahnhof zur Stadt 2 km. Omnibus 20 Kr. Kommotau siehe Seite 85.

Die Weiterfahrt interessirt besonders durch Blicke auf den Steilhang des Erzgebirgs. Hoch oben fällt Station Domina-Schönlind besonders auf. =Brunnersdorf= ist zugleich Station für Kaaden (siehe Seite 105). Von hier ab verengert sich das Egerthal und hochromantische Thalbilder thuen sich auf.

=Klösterle.= Rathhaus am Markt. Am Weg zum Bahnhof »Zum Brauhaus«. (Schöne Aussicht vom Garten auf Schloss und Stadt. Das Brauhaus ist neuerdings zu einer Art tourist. Standquartier erhoben worden.) 2500 Einw. 269 m ü. M. Die Stadt mit ihrem gräfl. Thun'schen Schloss erfreut sich einer hochromantischen Lage. Schlossgarten. Auf dem Markt Mariensäule und Bassin mit schlechten Figuren, welche die Erdtheile darstellen sollen.

=Kleine Ausflüge ab Klösterle.= Nach =Roschwitz= und =Ruine Leskau=. Man geht Egerabwärts bis zur Fähre bei Kirchdorf =Roschwitz= (3 km) und setzt hier über. (Der Fährmeister hält den Schlüssel zur Ruine Felixburg in Verwahrung.) Ueberreste von alten Freskogemälden. Gute Aussicht auf Klösterle, Ruine Leskau, Schönburg, den Lysenkamm, wie auf den Steilhang des Erzgebirgs. Nun nach Dorf =Leskau=, 1½ km, durchs Dorf Roschwitz aufwärts. Besuch der malerisch gelegenen Ruine.

Eine zweite dankbare Partie führt direct nach Kupferberg, 9 km, oder über Pürstein und Kleinthal, 11 km. Siehe Näheres unter Kupferberg.

13 km ober Klösterle liegt Station =Warta=. (Zur Sonne.) 3½ km von hier im herrlichen Thalkessel

=Schloss Hauenstein=. Man geht dahin über das sogenannte Paraplui. Ein lohnender, freilich weiterer Weg führt über =Ruine Himmelstein= auf hochragendem Basaltfels. Herrliche Umschau auf die groteske, vulkanische Bergwelt mit ihren steilen Gipfeln und tiefen Thälern. Wir sehen den Herrgottsstuhlberg, den Eichleithenberg, den Hengstberg und den Koppenberg als die hervorragendsten. Das schluchtartige Egerthal und das Höllthal mit dem Dorfe Höll fesseln nicht minder die Blicke. Energischer wird die Terrainbewegung weit und breit nicht zu finden sein. Von der Ruine sind nur noch Mauerreste übrig. Man geht von hier hinab nach Dorf Höll, Gesmesgrün und nach Schloss Hauenstein. Das Schloss gehört zur Herrschaft Pressnitz. Um die hochgelegene Kapelle schöne Anlagen, die zum Eichelberg hinaufführen. Hier schöne Aussicht auf das Egerland, das Fichtel- und Erzgebirge, sowie auf die Burgruinen Engelhaus und Himmelstein, wie auf das nahe Egerthal. Rest. in gefälligem Fachwerkbau.

Man kehrt nun direct zur Station Wickwitz oder an die Eger zurück. Hier verlässt die Bahn den Fluss und strebt am Wickwitzbach aufwärts nach

=Schlackenwerth.= Elephant. Altes Rathhaus. Stadt Karlsbad. 2200 Einw. 425 m ü. M. Das Schlackenwerther Schloss ist eine Besitzung des Grossherzogs von Toskana. Im Park treffliche Restauration. Zinnbergbau. (Schlackenwerther Bier.) Schöne Blicke auf das nahe, hier sehr imposante Erzgebirge, dessen höchster Berg, der Keilberg, seine bewaldeten Gipfel über den langen Kammzug erhebt.

Auf weiten Kurven erreichen wir das Egerthal wieder und damit die Stadt Karlsbad. Links der Bahn vor Karlsbad liegt =Dallwitz= mit Schloss und Porzellanfabrik und seinen uralten Linden, welche von Theodor Körner besungen wurden. Um die stärkste zu umfassen, bedarf es 7 Personen. Von Dallwitz zu Fuss nach Karlsbad geht man über Thranitz, wo die Eger zu passieren ist.

=Karlsbad.= 4 km vom Bahnhof. Droschke 1 bis 2 fl. Omnibus 30 Kr. Am Bahnhof Passantenhotel. (Bett 1 fl.) Für Touristen eignen sich noch: Sächs. Hof, Bahnhofsrest. Zum Paradies. Drei Fasanen. Goldn. Schild. Hotel Wagner. Rheinischer Hof. Stadt Schneeberg. Rest. zum Hopfenstock. Blauer Stern. Rother Ochse.