Chapter 5
Der _Geruch_ ist erdig, der _Geschmack_ angenehm.
_Zeit_: Erst im Oktober und findet sich oft noch nach vorübergehenden Frösten bis zum Dezember.
_Standort_: Nur in Nadelwäldern, ganz besonders aber in Kiefernwaldungen oft in großen Mengen, meist truppweise.
_Wert_: Er gehört zu unseren wertvollsten und vorzüglichsten Speisepilzen, nur muß die Oberhaut wegen des erdigen Geschmackes entfernt werden.
Dieser Ritterling wird viel vom Wilde angegangen, ganz besonders aber von den Eichhörnchen.
#32. Stock-Schüppling. Stockschwämmchen.# Eßbar. *Pholióta mutábilis Schaeff.*
Der _Hut_ ist anfangs gewölbt, später flach ausgebreitet mit etwas stumpfer Erhöhung in der Mitte, lederbraun und nach dem Rande zu oft ringförmig mit wässerig-hellbraunem Farbentone.
Das _Fleisch_ ist etwas wässerig und bräunlich.
Die _Blätter_ sind anfangs hellbraun, später rostbraun. Bei den älteren Pilzen laufen die Blätter etwas am Stiele herab.
Der _Stiel_ ist ganz besonders charakteristisch, nämlich feinsparrig geschuppt mit einem häutigen, bräunlich-schwärzlichen Ringe, der allerdings oft verschwindet. Nach unten ist er schwärzlichbraun, nach oben hellbraun.
Der _Geruch_ ist sehr aromatisch, der _Geschmack_ gut.
_Zeit_: Bereits vom Mai ab bis zum Herbst.
_Standort_: An alten, harten, vorzugsweise Buchenstöcken, stets büschelweise.
_Wert_: Als Suppenpilz einer der vorzüglichsten und gesuchtesten. Läßt sich außerdem sehr gut züchten. Bringt man alte Buchenstöcke, an denen bereits Stockschwämmchen gewachsen waren, in einen Garten an eine etwas schattige Stelle, so kann man fast den ganzen Sommer hindurch Pilze ernten. Man hat nur nötig, den Stamm von Zeit zu Zeit feucht zu halten.
#Eine _Verwechselung_ mit dem giftigen _Büschligen Schwefelkopfe_ kann außerordentlich leicht geschehen#, doch werden bei letzterem die anfangs gelben Blätter bald grünlich, zuletzt schwärzlichgrün; auch ist der Stiel glatt und hellgelb, der Geruch unangenehm und der Geschmack bitter. Er wächst sehr zahlreich und mitunter gemeinsam mit dem Stockschwämmchen. Vergl. Abb. 34.
#33. Honiggelber Hallimasch.# Eßbar. *Armillária méllea Quel.*
Der _Hut_ ist honiggelb bis schmutzigbraun, mit bräunlichen, leicht abwischbaren Schüppchen und kleinen Faserbüscheln besät. Anfangs eingerollt, mit dem Stiele durch einen Schleier verbunden, breitet er sich später flach aus. Er wird bis 12 cm breit.
Das _Fleisch_ ist hellbräunlich.
Die _Blätter_ stehen weitläufig, sind weißlich bleich, später bräunlich und oft gefleckt.
Der _Stiel_ trägt einen flockigen Ring, ist anfangs rötlichbraun, später graugelb und nach unten olivbraun oder grünlichgrau. Am Grunde ist er verdickt, wird 5-12 cm lang und ist faserig und zäh.
Der _Geruch_ ist schwach süßlich, der _Geschmack_ säuerlich-herb, zusammenziehend, unangenehm.
_Zeit_ und _Standort_: Wächst erst im September in großer Menge an alten Stöcken, alten Stämmen und Wurzeln. Die Sporen der älteren höher stehenden Hüte lagern sich oft schimmelartig auf die unteren. Sein Myzel bildet bei Abschluß des Lichtes eigentümliche Stränge (*Rhizomorpha*), die nicht nur in altem Holze (wie in Bergwerken), sondern auch in frischen Stämmen anzutreffen sind und zerstörend auf das Holz und Leben der Bäume einwirken. Der Pilz gehört deshalb zu den von allen Forstleuten gefürchteten Schädlingen. -- Aber nicht nur im Walde ist er ein Schädling, sondern auch für die Obstbäume (Birnen, Apfel-und Pflaumenbäume). Ganz besonders befällt er die Obstbäume derjenigen Gärten, die in der Nähe des Waldes liegen. Da das Myzel jahrelang zwischen der Rinde und dem Holze wuchert, ohne daß es Fruchtkörper bildet, so werden diese Bäume langsam abgetötet. Der Besitzer erkennt die Ursache des Absterbens erst dann, wenn die Fruchtkörper erscheinen. Von dem Myzel befallenes Holz und Wurzeln leuchten im Finstern lebhaft.
_Wert_: Trotz seines im frischen Zustande garstigen Geschmackes ist er zubereitet ein wohlschmeckender Pilz, den man tragkorbweise sammeln kann. Zum Trocknen und Einmachen in Essig eignet er sich nicht, wohl aber zu Gemüse und zum Sterilisieren. _Beim Sammeln sind nur die Hüte zu nehmen._
#34. Büschliger Schwefelkopf.# Giftig! *Hypholóma fasciculáre Huds.*
Sein _Hut_ ist anfangs halbkugelig, später verflacht, schwefelgelb, in der Mitte dunkler, fast rötlichgelb und wird bis 5 cm breit.
Das _Fleisch_ ist hellgelb.
Die _Blätter_ sind anfangs schwefelgelb, später grünlich und werden zuletzt schwärzlichgrün.
Der _Stiel_ ist hohl, glatt und faserig.
Der _Geruch_ ist nicht angenehm, der _Geschmack_ bitter.
_Zeit_: Wächst vom Mai ab.
_Standort_: An alten Baumstümpfen und Wurzeln, sehr zahlreich und mitunter gemeinsam mit dem Stockschwämmchen.
_Wert_: Giftig! Über das Giftig- oder Nichtgiftigsein des Schwefelkopfes wird so häufig gestritten; nach des Verfassers Ansicht unnötiger Weise. Wenn eine Pilzart aber in gewöhnlicher Weise zubereitet (ohne vorherige Abkochung, d. h. ohne daß das Kochwasser weggeschüttet wird), Übelsein und Durchfall erregt, so nennt man dies giftige Wirkung, wenn auch der Betreffende nicht daran stirbt.
35. #Habichts-Stacheling. Habichtspilz, Rehpilz.# Eßbar. *Phaédon imbricátus L.*
Der _Hut_ ist anfangs etwas eingerollt, fast eben und nur im Alter in der Mitte eingedrückt, schokoladenbraun und mit fleischigen, großen, sparrigen _Schuppen_ kreisförmig besetzt, die bei alten Pilzen schwarzbraun werden.
Das derbe _Fleisch_ ist schmutzigweiß.
Die _Stacheln_, welche am Stiele herablaufen, sind sehr dichtstehend, ziemlich lang und geben der Unterseite das Aussehen eines Hirsch- oder Rehfelles; daher wird er auch im Volksmunde als Hirsch- oder Rehpilz bezeichnet.
Der _Stiel_ ist weißgrau, daumendick und kurz.
Der _Geruch_ ist eigenartig aromatisch, ebenso der _Geschmack_.
_Zeit_: Ende Sommer und im Herbst oft in großer Menge.
_Standort_: In jedem Nadelwalde.
_Wert_: Ein guter Speisepilz, der sich ganz besonders zum Sterilisieren eignet. Alt und naß schmeckt er bitter.
Er wird zuweilen mit dem ziemlich selten vorkommenden ungenießbaren Gallen-Stacheling, *Hydnum amarescens*, verwechselt. Dieser ist aber jung schon gallenbitter, auch sind die Schuppen des Hutes etwas kleiner, nicht so sparrig und hellbraun. Das untrüglichste Kennzeichen ist das Schwarzwerden des Stieles beim Fingerdruck.
#36. Semmel-Porling. Semmelpilz.# Eßbar. *Polyporus cónfluens Alb. et Schw.*
Die _Hüte_ dieses Pilzes sind stets miteinander innig verwachsen und bilden eine gestaltlose Masse von 12-18 cm Breite. Sie sehen bald semmelgelb, bald rötlichgelb aus und werden bei trockenem Wetter rissig.
Das _Fleisch_ ist weiß und fest, schmeckt etwas bitter.
Die _Unterseite_ besteht aus ganz kurzen Röhrchen, die von außen als kleine feine Löcher (Poren) erscheinen.
Der _Stiel_ ist strunkartig und sitzt in der Erde.
_Zeit_: Meist erst im Herbst.
_Standort_: In Nadelwäldern nur auf dem Erdboden.
_Wert_: Im Jugendzustande ist er ganz vorzüglich, im Alter jedoch bitter. Ganz besonders ist es die Oberhaut, welche die Bitterkeit enthält und deshalb entfernt werden muß. Beim Kochen und Einmachen nimmt er eine hellrötliche Färbung an.
#37. Schaf-Porling. Schafeuter.# Eßbar. *Polyporus ovínus Schaeff.*
Der _Hut_ ist verschieden gestaltet, teils gewölbt oder wellig verbogen, teils eben und weiß oder graugelblich, im Alter und bei trockenem Wetter rissig gefeldert. Er wird bis über 10 cm breit.
Das _Fleisch_ ist derb und weiß.
Die kurzen Röhren des Futters haben feine runde Mündungen.
Der daumendicke _Stiel_ ist voll, weiß, oft gekrümmt und nach unten abgerundet.
_Zeit_: Vom Sommer bis zum Herbste.
_Standort_: Vorzugsweise in Nadelwäldern und kommt meist truppweise in großer Menge vor. Ganz besonders auf hügeligen moosigen Stellen im Hochwalde.
_Wert_: Wegen seines schönen und sehr schmackhaften Fleisches gehört er zu den besten Speisepilzen. Er läßt sich sehr vielseitig verwerten.
#38. Kartoffel-Bovist. Pomeranzen-Härtling.# Giftig! *Sclerodérma vulgáre Horn.*
Unter Bovist versteht man einen Pilz, der einen vollständig geschlossenen _Fruchtkörper_ darstellt und kugel-, birnen-, knollen-oder kartoffelförmig ist. Im Jugendzustande ist das Innere dieser Pilze immer weiß, markig und derb, im reifen Zustande dagegen mit staubfeinen Sporen ausgefüllt; vollständig reif platzen sie und die Sporen werden vom Winde überallhin zerstäubt. Im Volksmunde sind sie auch unter den Namen Wieseneier, Schafeier, Staubpilze bekannt. Mit Ausnahme des Kartoffel-Bovist sind sie fast alle eßbar.
Der Kartoffel-Bovist gleicht einer Kartoffel, kommt oft nesterweise aus der Erde empor, nur an einem faserartig dünnen Stiele auf der Erde sitzend. Er erlangt bisweilen einen Durchmesser bis zu 7 cm. Die _Farbe_ ist rötlich- oder bräunlichgelb, nach unten gelblichgrün und die Oberfläche ist in kleine Felder zerrissen, die sich warzenartig hervorheben. Das Innere ist anfangs weiß, färbt sich aber später blau, zuletzt blauschwarz.
Der _Geruch_ ist stark aromatisch.
_Zeit_: Im Spätsommer und Herbst.
_Standort_: Hauptsächlich in Nadelwäldern auf trockenen, sandigen Stellen, auch an Waldrändern und auf Wiesen.
_Wert_: Er ist unstreitig giftig. #Häufig wird der Kartoffel-Bovist als Trüffel angesehen; letztere wächst aber nur unter der Erdoberfläche.# Im Konservenhandel werden diese Härtlinge als »imitierte Trüffeln« angeboten und zwar von Holland und Frankreich. Man hüte sich vor dieser Fälschung.
#39. Schwärzlicher Bovist. Eier-Bovist.# Jung eßbar. *Bovísta nigréscens Pers.*
Die kugeligen oder eiförmigen _Fruchtkörper_ sind in der Jugend weiß und gleichen ausgewachsen einem Ei oder einem jungen Edelpilze. Die äußere Hülle ist ganz glatt, etwas dicker als Papier, zerreißt aber bei der Reife und zerfällt dann in Lappen. Die innere Haut ist anfangs ebenfalls weiß, wird dann bräunlichschwarz und bekommt in der Mitte ein kleines rundes Loch, aus dem die staubartigen Sporen vom Winde in alle Richtungen zerstreut werden. Das Innere ist in der Jugend reinweiß und färbt sich im Alter schwarzbraun.
_Zeit_: Im Herbst.
_Standort_: Auf Wiesen und Triften, besonders Schafhutungen, wächst er oft in Menge.
_Wert_: Ist im Jugendzustande, solange er innen noch markig und weiß aussieht, eine wohlschmeckende Speise. Läßt sich in diesem Zustande auch sehr leicht trocknen.
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Anmerkungen zur Transkription:
S. 8: "J. B. v. Albertini, 1769-1834" wurde geändert in "J. B. v. Albertini, 1769-1831" (vgl. Wikipedia) "Bedeutender Mykologe" wurde geändert in "bedeutender Mykologe" "Olaf Swartz, 1760-1870" wurde geändert in "Olof Swartz, 1760-1818" (vgl. Wikipedia) S. 9: "Dr. J. Zeller" könnte, wegen der Buchstabengleichheit von I und J im Frakturdruck, auch "Dr. I. Zeller" heißen S. 15: "Apfeln" wurde geändert in "Äpfeln" S. 17: "Lorbeebätter" wurde geändert in "Lorbeerblätter" S. 18: "Erdgeruch und Geschmack" wurde geändert in "Erdgeruch und -geschmack" Nr. 4: "derbe Aste" wurde geändert in "derbe Äste" Nr. 6: "walziger Aste" wurde geändert in "walziger Äste" "das der Aste" wurde geändert in "das der Äste" Nr. 31: Nach "entfernt werden" wurde ein Punkt ergänzt Nr. 37: "Der daumdicke Stiel" wurde geändert in "Der daumendicke Stiel"
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