Führer durch das böhmische Erzgebirge, das Mittelgebirge und die angrenzenden Gebiete
Part 9
_Graslitz-Schneckenstein-Schwaderbach_ und über Brunndöbra, Sachsenberg, Klingenthal und Markhausen retour. Wer eine mineralogische Merkwürdigkeit nicht unberührt lassen will, muss von Graslitz aus den Schneckenstein besuchen. Derselbe gehört Sachsen an und liegt 2½ St. nördlich von Graslitz. Der Fussgänger mag seinen Weg über Eibenberg nehmen, wo er die Bergwand mit riesigen Halden, den Zeugen eines ehemals schwunghaften Baues auf Kupfererze, bedeckt sieht und kann hinter Schwaderbach nebenbei den »_Aschberg_« (siehe Klingenthal-Aschberg) besteigen. Von Schwaderbach über Ober-Sachsenberg müsste er nach Steindöbra hinab, auf der nach Nord ziehenden Strasse weiter, dann links ab in die Wälder, wo er _ohne Compass und Führer_ den versteckten _Schneckenstein_ gewiss nicht findet. Derselbe ist ein Topasfels; in vielen Lehrbüchern der Mineralogie wird seiner gedacht, und man soll etwas Aehnliches erst im Ural wiederfinden. Früher hat die sächsische Regierung hier Topasse suchen lassen, jetzt kann sich jeder nach Belieben ein Andenken aus dem Gestein herausklopfen und mitnehmen. Auf dem Rückwege würde der Wanderer die sächsischen industriereichen Ortschaften Brunndöbra, Sachsenberg und Klingenthal, auf böhmischer Seite Markhausen berühren. Wer eine Fahrgelegenheit benützen will, kann den grössten Theil des Weges auf guter Strasse zurücklegen.
_Graslitz-Forsthaus Nancy-Sauersack-*Kranichsee-Hirschenstand_ -- retour über Schönlind nach Graslitz.
Im Hochsommer bei trockener Zeit ist es eine eigenthümliche Lust, die Moorgründe des höheren Gebirges zu besuchen und zwischen Knieholz (Sumpfkiefer) über schwankenden Boden zu wandern.
Den Botaniker interessiren da die dem Torfmoore eigenthümlichen Pflanzen. Von Graslitz führt eine gute Strasse das Thal des Silberbaches aufwärts in einem hübschen Waldthalkessel zu der in anmuthender Waldeinsamkeit gelegenen Försterei »Nancy« und von da nach _Sauersack_. Von hier aus wäre ein _kundiger_ Führer mitzunehmen und der _Kranichsee_ zu besuchen. Es ist kein echter See, sondern eine grosse _Hochmoorfläche_, in deren Torf- und Moosboden das Knieholz wuchert. Solche Moore sind grosse Wasserbehältnisse, da ihr schwammiger Boden begierig die Feuchtigkeit einsaugt und nur langsam wieder von sich gibt. Nach Delitsch enthält ein Moor, wie der Kranichsee, vollständig mit Wasser gesättigt, so viel Wasser, dass es _ein_ ganzes Jahr lang in jeder Secunde 10 Centner Wasser liefern könnte, ehe es seinen Wasservorrath erschöpfte. Drei Bäche entfliessen ihm.
In die Knieholzregion können wir auch leicht von Sauersack aus auf der nach _Hirschenstand_ führenden guten Strasse kommen.
_Hirschenstand_, Dorf, 1200 Einwohner, welche sich mit Spitzenklöppeln und der Buntstickerei beschäftigen.
=Ausflug=: Sehr empfehlenswerth ist die Besteigung des 1½ St. entfernten, in Sachsen bei Wildenthal gelegenen _Auersberges_, 1021 m, des zweithöchsten Berges in Sachsen, der eine majestätische Lage hat und eine herrliche Aussicht in's Vogtland, in die Muldengegend, in das sächsische Niederland und das Erzgebirge bietet.
Gegen _Frühbuss_ (1 St. südwestlich von Hirschenstand) können wir die Torfgewinnung beobachten und, wie Prof. Laube sagt, die Verwandlung der lebenden Pflanzen bis zur Bildung des reinen braunglänzenden Specktorfes Schritt für Schritt verfolgen.
_Frühbuss_, Stadt, 1400 Einwohner, welche Bobbinet-Stickerei und Spitzenklöppelei treiben.
=Gasthäuser=: Städtisches Gasthaus, Franz Baumgartls und Leander Baumgartls Gasthaus.
=Aussichtspunct=: Hartenberg (20 Minuten entfernt), bietet eine herrliche Aussicht im Osten gegen den Sonnenwirbel, nach Südost bis Engelhaus über Falkenau und Karlsbad, nach Südwest über das Egerland bis Franzensbad, nach Nordwest bis Bayern und Sachsen, und nach Nord erblickt das Auge noch Auersberg in Sachsen.
Wer zu Wagen kommt, wird von Frühbuss aus über Schönlind und Rothau nach Graslitz zurückkehren; wer sich aber für Basaltberge interessirt, wird in Unter-Rothau halten und den _Flössberg_ und _Illmesberg_ besuchen, wo der Basalt in schönen Säulen ansteht, beim ersteren Berge auch in sphäroidischer Absonderung gefunden wird.
C. Besuch des böhmischen Erzgebirges und der angrenzenden Gebiete von Karlsbad aus.
Karlsbad.
=Gasthöfe.= Karlsbad besitzt zahlreiche, comfortabel eingerichtete Hôtels: Hôtel »_goldenes Schild_« mit den dazu gehörigen Gebäuden: »_Erzherzog Stephan_«, »_zwei deutsche Monarchen_« und »_Gartenhaus_«; »_Hôtel Anger_«, nahe dem Theater, Hôtel »_zum österreichischen Hof_« (Neue Wiese); »_Hôtel Hannover_« (Markt); »_Hôtel drei Fasanen_« und »_Hôtel Erzherzog Karl_« (Kirchengasse); »_Hôtel Hopfenstock_«, »_Hôtel Loib_« und »_Rheinischer Hof_« (Geweidiggasse); Gasthof »_zum goldenen Schwan_« (Kreuzgasse); »_Hôtel Paradies_«, »_Hôtel Morgenstern_« (Kaiserstrasse); Wiesingers »_Hôtel National_« (Gartenzeile); »_Hôtel Donau_« (Parkstrasse); »_Hôtel baierischer Hof_« (Egerstrasse); »_Hôtel Lyon_« (Bahnhofstrasse).
=Restaurationen= u. =Speisehäuser=. »_Curhaus_« (Quai), »_Salle de Saxe_« (Alte Wiese), »_Restauration Pupp_« (Pupp'scher Park), »_Sanssouci_« (am Kiesweg), »_Blauer Stern_« (Prager Gasse), »_Römer_«, »_Stadt Leipzig_« und »_Rother Ochs_« (Geweidiggasse), »_am Rhein_« (Andreasgasse), »_Bellona_« (Schlossplatz), »_Schützenhaus_«, »_Friedrich-Wilhelmsthal_« (hinter der alten Wiese), »_Königshof_« (Wiesenberg), »_Liederhalle_« (Schulgasse), »_Elisium_« (Panoramastrasse).
=Caféhäuser= (die beliebtesten): »_Café Elefant_« (auf der Alten Wiese), »_Pupp's Café-Salon_«, »_Zur Stadt Hamburg_« (Kreuzgasse), im »_Panorama_«.
=Postamt= am Markte. =Telegraphenamt= mit Nachtdienst (im Postgebäude).
=Haupt-Zollamt= (Egerstrasse).
=Photographische Ansichten= von Karlsbad und Umgebung in den Buchhandlungen von Hans _Feller_ (Mitte der alten Wiese zur »Eiche«, und Mühlbadgasse zu »3 gold. Sterne«).
=Zeitungslese-Salon= im Curhause.
=Directe Eisenbahn-Verbindungen= mit dem ganzen Continente.
Karlsbad ist Station der Buschtiehrader Eisenbahn (Böhmische Nordwestbahn). Nach einer Reihe grösserer Städte verkehren ab Karlsbad _directe_ Wagen.
=Lohnfuhrwerke.= _Omnibusse_: Vom Bahnhof in die Stadt 40 kr., Handgepäck frei. _Droschken_ (Einspänner): Vom Bahnhof in die Stadt 1 fl. 20 kr., (50 Kilo Gepäck frei). Vor 6 Uhr Morgens u. nach 9 Uhr Abends sind die Taxen etwas höher. Für Lohnfuhrwerke besteht eine besondere behördlich genehmigte Taxordnung. Dieselbe ist abgedruckt im »Karlsbad im Portemonnaie.« Pr. 20 kr.
=Omnibusfahrten= (täglich) nach _Pirkenhammer_, _Aich_, _Dallwitz_ u. »Giesshübler Sauerbrunn«.
=Postverbindung= nach Petschau täglich 1mal " Buchau " 1 " " Bärringen " 1 " " Neudek " 2 "
=Privatwohnungen.= Diese sind durchwegs mit Comfort eingerichtet. In Folge des in den letzten Jahren so grossartigen und noch fortschreitenden Ausbaues der Stadt herrscht in keiner Saison Wohnungsmangel.
=Aemter.= Bezirkshauptmannschaft (Neue Wiese, Nro. 578, II. Stock). Bezirksgericht (Neue Wiese, Nro. 578, I. Stock), Steuer- und Grundbuchs-Amt, Bürgermeisteramt (Stadthaus, Mühlbadgasse Nro. 20). Polizeiamt (Stadthaus, II. Stock, Nro. 4), Militär-Badehaus-Commando (Militär-Badehaus am Quai), Notariat (Mühlbadgasse z. »Samson«).
=Beschreibung und Geschichte der Stadt.= Die weltberühmte Curstadt _Karlsbad_, oder _Kaiser-Karlsbad_ (Karlovy Vary, Thermae Carolinae), in älteren Urkunden auch _Warmbad_, liegt unter 50° 13´ 22´´ nördl. Breite, 30° 33´ 5´´ östl. Länge (östl. v. Ferro), 374·13 Meter über der Meeresfläche zu beiden Seiten des engen Tepelthales malerisch zwischen dem Hammerberge, dem Hirschenstein und dem Bernardsfelsen am linken, dem Tappen- (oder Laurenz-), Buchen- und Galgenberge, am rechten Ufer der Tepel, die sich unweit nördlich von der Stadt in die Eger ergiesst. Die Stadt erstreckt sich in fast ununterbrochener Häuserreihe von der Franz-Josef-(Eger-)Brücke bis zur protestantischen Kirche, einer Wegstrecke von etwa 1 Stunde. Die meisten Häuser sind 2, auch 4 Stockwerke hoch und fast durchwegs mit Hausschildern versehen. An vielen Stellen ist die Thalwand, an welche sich die Häuser der Hauptstrasse lehnen, so steil, dass die Giebel die Felsen berühren. Hie und da wurde der Granitfels hinweggesprengt, um Platz für die Häuser zu gewinnen. Ausserhalb der Hauptstrasse sind die Wohnungen einzeln oder in Gruppen auf den Absätzen und Terrassen der beiden Thalwände hingestreut und mit freundlichen Gärten und Anlagen umgeben; sie scheinen an den Wänden der Berge zu hängen. -- _Die schönsten Stadttheile sind_: Die _alte Wiese_ mit dem daranstossenden _Goetheplatze_ und das _Puppsche Etablissement_, die _Marienbader Strasse_ mit der damit zusammenhängenden _neuen Wiese_ und dem Dr. _Becherplatze_, ferner der _Marktplatz_, der _Schlossberg_, die _Parkstrasse_ und die _Gartenzeile_. -- Alle Hauptstrassen haben sehr gute Trottoirs und ein grosser Theil der Stadt ist gepflastert. Von welcher Seite man auch die alte stolze Thermenstadt, von Natur und Kunst reichlich geschmückt, betrachten mag, immer gewährt sie mit ihren waldesgrünen Bergkuppen einen zaubervollen, köstlichen Anblick. -- Karlsbad zählt bei 12.000 Einwohner mit 900 Häusern, Curfrequenz über 25.000 Personen im Jahre, wobei Passanten und Touristen nicht mitgerechnet sind. Da die Stadt ihren Weltruf den Mineralquellen zu verdanken hat, so wollen wir unsere Aufmerksamkeit in erster Reihe diesen segenspendenden Heilquellen zuwenden, die sowohl innerlich als auch äusserlich (als Bäder) angewendet werden. Karlsbad ist der Hauptrepräsentant der alkalisch-salinischen Mineralquellen. Das schwefelsaure Natron, kohlensaure Natron, Chlornatron und die hohe Temperatur sind die Hauptfactoren der therapeutischen Wirkung dieser Thermen. Die in Gebrauch stehenden Quellen differiren in der Temperatur von 73·3° C. bis 21·5° C. Es gibt daher _heisse_, _warme_ und _kühle Quellen_. Ihr Wasser ist klar und farblos, ohne charakteristischen Geruch, von schwach salzigem Geschmack und wird sofort ohne Widerwillen oder Ekel getrunken. Die _Bäder_ werden mit oder ohne Zusatz in den städtischen, mit allem Comfort eingerichteten Badehäusern verabreicht; daselbst finden sich auch _Dampfbäder_, kalte und warme _Douchen_ (Mineraldouchen), _Süsswasserbäder_, ferner _Moorbäder_ (der eisenreiche Franzensbader Moor aus dem eigenen Lager der Stadt), _Eisenbäder_ aus der Karlsbader Eisenquelle, _kohlensaure Wasser- und Gasbäder_ von dem sogenannten Sauerbrunn. _Ziegenmolken_ werden an den Quellen verabreicht. -- Die _Mineralwässer_ sowie die Quellenproducte (Sprudelsalz, Sprudelpastillen und Sprudelseife) können bei allen Mineralwasser-Depôts des In- und Auslandes, in Karlsbad durch die Karlsbader Mineralwasser-Versendung »Löbel Schottländer« bezogen werden. Nach den Lehren der bedeutendsten Kliniker und den Erfahrungen der Karlsbader Aerzte sind folgende Krankheiten als Heilobjecte für Karlsbad anzusehen. Krankheiten des _Magens_: Chronischer Magenkatarrh, Kardialgie (Magenschmerz), Magengeschwür, Dyspepsie, Magenerweiterung; des _Darmes_: Chronischer Katarrh, chronische Diarrhöe, habituelle Stuhlverstopfung, Duodenalgeschwür, Hämorrhoiden; der _Milz_: Chronische Hyperämie, Milztumoren (nach Wechselfieber u. s. w., wie sie bei Bewohnern von Sumpfgegenden und der heissen Zone auftreten); der _Leber_: Hyperämie derselben, Fettleber, die heilbaren Formen des Icterus (Gelbsucht), Hypertrophie, beginnende Speckleber, Gallensteine; der _Nieren und Harnorgane_: Chronischer Katarrh derselben, Nieren- und Harnsand, Nieren- und Blasensteine (sehr gerühmt als Nachcur nach Blasenstein-Operationen), Albuminurie (wenn sie nicht die Folge von Krankheiten ist, welche den Gebrauch von Karlsbad contraindiciren); der _Prostata_: chronische Hyperämie in Folge venöser Stauungen im Unterleibe, Hypertrophie der Prostata, chronischer Katarrh der Gebärmutter, chronischer Uterusinfarct; _Gicht_: Skrophulose, Asthma, wenn es nicht durch organische Veränderungen in der Lunge oder im Herzen bedingt ist; _Fettleibigkeit_, Unterleibsplethora; _Diabetes mellitus_ (Zuckerharnruhr). _Alle jene Krankheiten, welche als Folge von Blutstockungen im Unterleibe auftreten_ (wenn diese nicht in Aftergebilden, Veränderungen des Gefäss-Apparates u. s. w. begründet sind), eignen sich in hervorragender Weise als Heilobjecte für Karlsbads Thermen, welche die Darmthätigkeit anregen und die Defäcation befördern. Diese Thermen wirken schmerz- und krampfstillend, sie vermehren die Alkalescenz des Blutes und sind daher säuretilgend; sie regen die Secretionen an (besonders die Gallensecretion und Harnausscheidung), sie üben Einfluss auf die Absorption der Fettgebilde.
Karlsbad hat 17 warme Mineralquellen, welche die Ausflüsse einer einzigen grossen Wassermasse sind und auf dem von der Stadt bedeckten Raume entspringen. 1. Der _Sprudel_, am rechten Ufer der Tepel, mitten in der Stadt, dem Marktplatze gegenüber, ist von allen Quellen die älteste, berühmteste, wirksamste und ergiebigste und zeichnet sich durch seine hohe Temperatur (58·2° R.) aus. »Er steigt in kurzen brausenden Stössen schäumend durch eine zwei Klafter lange und 5 Zoll breite hölzerne Röhre, welche unmittelbar in die Sprudelschale senkrecht eingelegt ist, aus dem in der Tiefe befindlichen grossen Reservoir von Thermalwasser einige Schuh hoch empor und fällt in ein weites Becken herab, von wo aus sein Wasser durch den unteren Sprudelraum theils in die Sprudelsalz-Erzeugungs-Anstalt, theils in die Badehäuser, theils in Rinnen in die Tepl abfliesst. Das abfliessende Sprudelwasser ist noch so heiss, dass Eier in demselben gesotten werden können. 1879 wurde eine neue, prachtvolle, in Eisen construirte _Colonnade_ und _Quellenhalle_ nach Plänen der Wiener Architekten _Fellner_ und _Hellmer_ vom Fürst Salm'schen Eisenwerke in Blansko mit einem Kostenaufwande von 240.000 fl. erbaut. Diese Colonnade repräsentirt einen in seiner Art einzig dastehenden Prachtbau, bei welchem sowohl geniale Construction, wie Anwendung bedeutender architektonischer Decoration bei Eisenbauten auf das Sprechendste zur Geltung kamen.« Diesem Gebäude schliesst sich das Sprudelbadehaus mit 26 Badelogen an. 2. Die _Hygieensquelle_ (58·2° R.), in der Nähe des Sprudels. Im Pavillon dieser Quelle steht die _Hygea-Statue_, ein Werk des berühmten Bildhauers _Fernkorn_. 3. Der Sprudelsäuerling (25° R.) in der Nische der Sprudelhalle; die folgenden Quellen befinden sich am linken Teplufer, u. zw. 4. die Kaiser _Karls_ IV. Quelle (34·7° R.); 5. der _Marktbrunn_, beide am Marktplatze; der Reihe nach stromabwärts folgen: 6. der _Mühlbrunn_, am Ende der Mühlbadgasse, wurde neu überbaut und mit der im J. 1876 (nach dem Plane von Prof. _Zitek_ aus Prag) vollendeten griechischen _Säulenhalle_, der sog. _neuen Mühlbrunnencolonnade_ verbunden. Dieselbe ist ein monumentaler Prachtbau, aus Stein gehauen, und kostete 680.000 fl. 7. Der _Neubrunn_ (49·3° R.), 8. Der _Bernardsbrunn_, 9. die _Elisabethquelle_ (35·5° R.), 10. die _Felsenquelle_, am Fusse des Bernhardsfelsens (47·6° R.), 11. der _Curhausbrunn_ (52·2° R.), vor dem Curhaus, 12. die Dr. _Hochbergerquelle_ (32·50° R.) im Militärbadehause, 13. der _Kaiserbrunn_ (39·3° R.) im Militärbadehause, 14. die _Spitalquelle_ (28° R.) hinter dem Fremdenspital, 15. der _Theresienbrunn_ (48·3° R.) oberhalb der Colonnade, hat seinen Namen von der grossen Kaiserin Maria Theresia; rechts davon das _Körner-Denkmal_; 16. der _Schlossbrunn_ (44·6° R.) am Schlossberg, 17. die _Quelle zur russischen Krone_ (28° R.) am Schlossplatz, ist nicht kunstgemäss gefasst.
Sind auch die Heilquellen die Haupteinnahmsquellen der Bewohner Karlsbads, so betreiben letztere auch Industrie, die wegen ihrer Eigenthümlichkeit »_Karlsbader Industrie_« genannt wird. Zu dieser gehört die Erzeugung mannigfacher Gegenstände aus Stahl in Verbindung mit Sprudelstein, so namentlich: Federmesser, Vorstecknadeln, Portmonnais, Cigarrentaschen, Briefbeschwerer u. s. w.; doch werden die Sprudelsteine auch zu selbstständigen Gegenständen verarbeitet. Weitere Industriezweige sind: die Nadlerei, die Dosenerzeugung aus Papiermaché, die Zinngiesserei, die Galanterietischlerei und neuestens die Fabrication von Blumenbouquets.
=Sehenswürdigkeiten.= _Kirchen und Andachtsstätten_: Die _St. Magdalenenkirche_ oder _Dechanteikirche_ (auf dem Kirchenplatz) wurde von dem böhmischen Baumeister _Dienzenhofer_ in den Jahren 1732--1736 auf Kosten des Kreuzherren-Ordens und mittelst einer Schenkung Kaiser Karls VI. von 1000 Ducaten an Stelle der schon seit 1485 bestandenen alten Kirche erbaut. Sie besitzt zwei schöne Altarbilder (Maria Magdalena und Christus am Kreuz) und eine Orgel mit 28 Registern. -- Die _Kirche zum hl. Andreas_ (in der Andreasgasse) mit einem werthvollen, dem berühmten _Leonardo da Vinci_ zugeschriebenen _Altarbild_, darstellend den hl. Andreas. Auf dem bei dieser Kirche befindlichen _Gottesacker_ stehen mehrere denkwürdige _Grabsteine_, von denen wir das Grabmal des um Karlsbad hochverdienten _Dr. David Becher_ (geb. zu Karlsbad 1705, gest. 1792) und das des _Musikers und Componisten Wolfgang Amadeus Mozart_ (gest. am 30. Juli 1844), des zweiten Sohnes unseres unsterblichen Mozart, hervorheben. -- Die _Marienkapelle_ (hinter der alten Wiese am Waldessaum), errichtet 1700 vom Grafen Sternberg. -- Die _protestantische Kirche_ und das _griechische Bethaus_ (in der Marienbader Strasse). Die _anglikanische Kirche_ (am Ende der Schlossbergstrasse). Die neue _Synagoge_ (in der Parkstrasse) in schönem maurisch-romanischen Style gebaut. Der Bau derselben begann 1876 und wurde 1878 nach dem vom Baurathe _Wolf_ aus Stuttgart gefertigten Plane vollendet.
=Oeffentliche Gebäude=: _Stadthaus_, bis vor kurzem Mühlbadgebäude genannt (in der Mühlbadgasse). Das älteste städtische Gebäude ist wohl der hoch über den Häusern des Marktplatzes emporragende _Stadtthurm_, welcher um 1608 auf den Trümmern des alten, durch Kaiser Karl IV. erbauten Jagdschlosses errichtet worden ist. Das _Bezirksamtsgebäude_, das _Post-_ und _Telegraphenamt_, das _Hauptzollamtsgebäude_ (wurden schon an anderen Stellen erwähnt). Das _Theater_ (an der neuen Wiese). Die _Volksschule_ (in der Schulgasse). Die _zweite Volksschule_ (an der Egerstrasse). Die _Bürgerschule_ (am Schillerplatze). Die _Sprudelcolonnade_ und die _Mühlbrunnencolonnade_ (wurden bereits an anderer Stelle erwähnt). Die _Marktbrunnhalle_. Die _Trinkhalle_ am Schlossbrunnen. Das grossartige _Curhaus_ mit 75 Badelogen, 8 Moor-, 3 Voll-, 2 russischen Dampf- und 2 Douchebädern. Das 1880 dem Curhause gegenüber erbaute _Neubad_. Das _Militär-Badehaus_ (am Quai) mit sehenswerther _Kapelle_ und sehenswerthem _Speisesaale_. Erstere enthält sehr schöne Freskomalereien von dem bekannten Historienmaler _Kandler_ und ein Crucifix mit zwei betenden Engeln aus carrarischem Marmor von dem Bildhauer _Wenzel Lewy_ in Rom; im Speisesaal ziehen das Bildniss Sr. k. k. apostol. Majestät Franz Josef I., ferner ein grosses Oelgemälde von _Kandler_, die Entdeckung Karlsbads vorstellend, dann schöne, auf Oesterreichs Heer sich beziehende Fresken unsere Aufmerksamkeit auf sich. Das _Fremden-Hospital_ (am Quai).
»Die früheste Geschichte der Stadt Karlsbad liegt grossentheils im Dunkel. Aelter als alle Geschichte überhaupt sind die heissen Quellen selbst. Sie haben vor undenklichen Zeiten durch den Kalksinter, den sie noch jetzt fortwährend absetzen, den Grund und Boden, die sog. Sprudelschale, gebaut, auf welcher nachmals die Stadt gegründet worden ist, und über welche zum Theil die Tepel hinfliesst. Ehe dieses steinerne Gewölbe entstand, vermischte sich das heisse Wasser der Quellen mit den Fluthen der Tepel und theilte dieser, sowie der Eger, in die sie ausfliesst, einen hohen Wärmegrad mit.«
Der uralten Sage nach wurde der Sprudel durch Kaiser Karl IV. auf einer Hirschjagd entdeckt. Die Sage berichtet, dass der Kaiser mit seinem Gefolge einst in den damals dicht bewaldeten Bergen gejagt und einen Hirschen verfolgt habe. Dieser sei von dem später durch den Namen »Hirschensprung oder Hirschenstein« verewigten Felsen in das Thal hinabgesprungen, wohin ihm einer der Jagdhunde folgte, der sich im heissen Quellwasser die Füsse verbrannt, durch sein Geheul die Jäger herbeigelockt und dadurch die Entdeckung des Sprudels veranlasst haben soll. Der Kaiser selbst soll dann das Wasser auf Anordnung seines Leibarztes P. Bayer gegen ein Uebel an seinem Fusse gebraucht und 1364 eine Stadt am Fusse des Berges und ein Schloss am Abhange des Hirschensteines erbaut und dadurch die Entstehung des Ortes Karlsbad herbeigeführt haben. Jedoch sprechen ausser allgemeinen Gründen und Beweisen auch urkundliche und historisch beglaubigte Zeugnisse dafür, _dass der Curort im XIII. Jahrhundert schon bestand_ und wahrscheinlich zu Ende des XII. oder zum Beginn des XIII. Jahrhunderts durch eine Colonie der Bewohner aus der nächsten Umgebung gegründet worden ist. Schon im IX. Jahrhundert war die Umgegend bewohnt, und hatten namentlich die Markgrafen von Vohburg das benachbarte Stein-Elbogen gegründet. Da der Dampf der Quellen, besonders bei kalter Witterung, weithin sichtbar ist, so mussten diese schon damals bekannt gewesen sein. Auf einer zu Anfang des XIII. Jahrhunderts von dem Geschichtsforscher Gelasius Dobner entworfenen Landkarte von Böhmen findet sich genau an der Stelle des heutigen Karlsbad der Ort _Wary_ vor, welche czechische Benennung so viel wie »Warmbad« bedeutet, unter welchem Namen Karlsbad noch im Mittelalter vielfach selbst urkundlich genannt wird.
Den schlagendsten Beweis aber, dass Karlsbad mindestens ein Jahrhundert vor Kaiser Karl IV. in seinen ersten Anfängen schon existiert haben muss, liefert König Johann's Privilegium oder vielmehr Breve testatum vom Jahre 1325, mittelst welchem König Johann, der Vater Karl's IV., Warmbad (Karlsbad) mit dem nahen Dorfe Thiergarten belehnt. Kaiser Karl IV. ist sonach weder der Entdecker noch der Begründer, sondern der _Mäcenas_ von Karlsbad, der daselbst wiederholt sich aufhielt. Er erhob mittelst Privileg vom 14. August 1370 aus Nürnberg Warmbad zur Stadt, verlieh ihr den Namen Karlsbad und dieselben Freiheiten und Rechte wie den Bürgern von Elbogen. Karlsbad nahm durch Karl IV., seinen grössten Wohlthäter, einen höheren Aufschwung als Kurort. 1401 verlieh König Wenzel IV. der Stadt noch das Asylrecht. Im Jahre 1434 wurde durch Kaiser Sigmund die Herrschaft Elbogen nebst dem dazu gehörigen Karlsbad an den Grafen Caspar Schlick und von den Erben des Letzteren das Schloss »Warry« an den Ritter Polacky verpfändet; doch mussten in Folge ausgebrochener Streitigkeiten die Schlicke dem Ritter Polacky sein Pfandrecht auf das Schloss »Warry« wieder ablösen. Als sich Graf Hieronymus Schlick die verpfändeten Güter 1547 an Kaiser Ferdinand I. zurückzugeben genöthigt sah, kam auch Karlsbad wieder an die Krone Böhmens zurück. Später wurde die Stadt wieder verpfändet.