Führer durch das böhmische Erzgebirge, das Mittelgebirge und die angrenzenden Gebiete
Part 8
Auf dem Rathhause wird eine merkwürdige Masse von _Meteoreisen_ aufbewahrt, welche seit Jahrhunderten unter dem Namen des »verwünschten Burggrafen« bekannt gewesen ist. Der Volkssage nach soll nämlich im Mittelalter ein königlicher Burggraf zu Elbogen die Unterthanen mit grosser Härte behandelt haben, deshalb öfters von diesen verwünscht worden, und diese Verwünschung eines Tages in Erfüllung gegangen sein. Als nämlich der Burggraf die Frohnpflichtigen mit der Glocke zur Arbeit rufen wollte, sei er plötzlich durch einen vom Himmel herabfahrenden Blitz getödtet und in jene Metallmasse verwandelt worden. Der Aberglaube schrieb ehemals dieser Masse, die in einem Gewölbe des Schlosses lag, sogar Zauberkräfte zu, und man behauptete, dass sie zu gewissen Zeiten leichter, zu anderen wieder schwerer würde, dass sie, wenn sie in den 41·7 m tiefen Schlossbrunnen geworfen würde, immer wieder zum Vorscheine komme u. dgl. m. Der k. k. General Johann von Werth liess, um sich davon zu überzeugen, im 30jährigen Kriege den Klumpen in den Schlossbrunnen werfen, aus welchem er jedoch später wieder herausgezogen und in's Schloss gebracht wurde. Im J. 1742 warfen die Franzosen die Masse abermals in den Schlossbrunnen und hier blieb sie bis 1776, wo sie wieder heraufgeholt und nunmehr auf dem Rathhause aufbewahrt wurde. Im J. 1811 kam der damalige Professor der Chemie am ständischen technischen Institute zu Prag, K. A. Neumann, nach Elbogen, liess sich ein Stückchen von der Masse zu chemischen Untersuchungen mittheilen und erkannte durch dieselbe, dass sie Meteoreisen sei, was auch bald darauf durch den Chemiker von Klaproth und den Physiker Dr. Chladni bestätigt wurde. Später wurde die Masse in zwei ungleich grosse Stücke zertheilt, von welchen das grössere, etwa 150 Pfund schwere, an das k. k. Naturalien-Cabinet in Wien abgeliefert wurde, das kleinere aber von 40 Pfd. sich noch auf dem Rathhause befindet.
Das _Schloss_, von seiner felsigen Lage ehemals Stein-Elbogen genannt, soll ursprünglich schon um das Jahr 870 von den mit den Herzogen von Bayern verwandt gewesenen Markgrafen von Vohburg gegründet worden sein, denen bis in's XII. Jahrhundert der ganze Egerische und Elbogner Bezirk gehörte.
Berchthold, Markgraf von Vohburg, starb in der 1. Hälfte des XII. Jahrhunderts ohne männliche Erben, und das Elbogner Gebiet fiel nunmehr an den Kaiser Friedrich I., welcher sich 1149 mit Adelheid, einer Tochter des Verstorbenen, vermählt hatte. Als er aber 1153 sich von dieser seiner Gemahlin durch die Kirchenversammlung zu Kostnitz hatte scheiden lassen, nahmen die Verwandten derselben, die Herzoge von Bayern, die hinterlassene Herrschaft Berchtholds in Anspruch, und es gelang ihnen auch, zum Besitz derselben, namentlich von Elbogen und Eger zu gelangen.
Unter Rudolph von Habsburg wurde es an die böhmische Krone verpfändet. König Wenzel I. verlieh 1246 die von ihm neuerbaute Pfarrkirche zu Elbogen sammt allen Einkünften dem neuen Orden der Kreuzherrn mit dem rothen Sterne. Zu Anfang des 14. Jahrhunderts wurde Elbogen ein Eigenthum der Könige von Böhmen. König Johann von Luxemburg erhielt die Kunde, dass ihm seine Gemahlin Elisabeth die Krone zu entreissen trachte, und zog wuthentbrannt gegen das feste Schloss Elbogen, den Aufenthalt der Königin, und liess es ohne weiters stürmen. Obgleich sich herausgestellt, dass diese Anklage alles Grundes entbehrte und nichts als eine schändliche Verleumdung war, wurde sie doch von ihren Kindern gewaltsam getrennt und musste ihren Aufenthalt in Melnik nehmen. Johanns Nachfolger, Karl IV., zeigte sich der Stadt Elbogen stets sehr gewogen. Er erneuerte derselben im J. 1352 alle unter seines Vaters Regierung verbrannten Urkunden und verlieh ihr die Steuerfreiheit unter der Bedingung, dass ihm bei seiner Anwesenheit in Elbogen jährlich einmal 5 Pfund schwäbische Heller in einem hölzernen Becher überreicht werden müssen. Becher und Münzen sind heute noch im Rathhause aufbewahrt.
Während der Hussitenkriege scheint Elbogen belagert, aber nicht eingenommen worden zu sein.
Nach verschiedenen Streitigkeiten gelangte das unter Kaiser Sigmund verpfändete Elbogen im J. 1547 wieder an die Krone Böhmens, und der damalige Kaiser Ferdinand I. verlieh der Stadt die Erlaubniss, einen Jahrmarkt zu halten.
In dem dreissigjährigen und dem österreichischen Erbfolge-Kriege hatte Elbogen viele Drangsale zu bestehen.
Im Jahre 1725 legte eine verheerende Feuersbrunst die ganze Stadt bis auf einige Häuser in Asche.
Auch die Kirche brannte nieder. Ihr Neubau erfolgte 1728. Das prachtvolle Altarblatt, Ermordung des hl. Wenzel, ist vom berühmten Maler Brandl gemalt.
Die St. _Johanneskirche_ bestand schon im 14. Jahrhunderte, wurde aber baufällig und 1854--1857 neu erbaut. Der angrenzende Friedhof wurde aufgelassen und 1877 ein neuer auf dem Goldberge angelegt. Die St. _Annakapelle_ wurde 1742 in Folge eines Gelübdes gebaut. Der französische General Armentiers belagerte in diesem Jahre die Stadt. Die geängstigten Bewohner veranstalteten am 26. Juli eine Procession und gelobten zugleich nach Rettung aus dieser Bedrängniss der hl. Anna zu Ehren eine Kapelle zu bauen, was auch geschehen ist. Es kam zur Capitulation; aber die Stadt wurde in keiner Weise geschädigt.
Wo derzeit die St. _Wolfgangskapelle_ steht, war vor alten Zeiten eine Kirche, die von den Hussiten und Schweden zerstört wurde. Die Muttergotteskapelle stammt aus neuerer Zeit.
Mitten am Ringplatze steht die schöne _Dreifaltigkeitsstatue_, 1719 vom Stadtrathe errichtet.
Elbogen besitzt zwei schöne und geräumige Schulgebäude für eine Oberrealschule, im J. 1840, und für eine Volksschule, im J. 1867 erbaut.
=Sehenswürdigkeiten=: _Das alte Schloss_, bestehend aus dem Wartthurm, dem Schlossgebäude und dem Markgrafenhaus. Als es im J. 1792 in ein Kriminal-Strafhaus umgewandelt wurde, fielen die hohen Thürme, Spitzdächer und der grösste Theil des Mantelgebäudes des Wartthurmes diesem Umbaue zum Opfer.
Das _Rathhaus_, 1685 erbaut. In demselben werden, wie aus dem Voranstehenden hervorgeht, aufbewahrt:
_a_) Der steinerne Burggraf, ein Meteorstein.
_b_) Ein hölzerner, verzierter Becher und einige Münzen aus dem Jahre 1352.
Die _Porzellanfabrik_, im J. 1815 von Rudolph und Eugen Haidinger gegründet.
Die _Spaziergänge_ um die Stadt an beiden Egerufern sind reizend. Auf die bepflanzten und bewaldeten Höhen führen gut angelegte Wege. Durch das Geyersbachthal zum neuen Schiesshause, in das felsige Zech- und das oberwähnte Grünlasthal sind Spaziergänge wegen der sich hier darbietenden Mannigfaltigkeit besonders zu empfehlen. Wenn man auf der von Karlsbad steil abfallenden Strasse kommt und plötzlich Elbogen vor sich sieht, glaubt man zu träumen. Das ist die reine Romantik, die einem ganz unerwartet entgegentritt. Ganz Böhmen hat kein schöneres Städtebild aufzuweisen. Der Fluss, die Kettenbrücke, die in fabelhafter Höhe über ihn gespannt ist, die alte, schwarze Burg dahinter, die Stadt, welche in Gestalt eines regelrechten Halbbogens sich zu Füssen dieser Burg ausbreitet, mit ihren Gärten und Villen bis dicht an die das ganze Bild in Ellenbogenform umspannende Eger vordringt, während sich die waldbedeckten Berge jenseits der Strasse, welche die Stadt parallel mit dem Flusse einrahmt, malerisch abheben -- das alles gibt ein Bild, wie es nicht schöner gedacht werden kann. Darum wird der Spaziergang gegen Horn allen denen, welche nicht von Karlsbad nach Elbogen kommen, sich aber den herrlichen Anblick der Stadt von da aus nicht versagen wollen, besonders empfohlen. Sehr lohnend ist auch der Weg zum _Hansheiling_ am linken Egerufer oder über den Ziegenruck.
Empfehlenswerthe Aussichtspunkte sind:
_a_) Der Mühlacker;
_b_) der spitzige Stein;
_c_) der Robitschberg und
_d_) die Terrasse im Gasthause zum »weissen Ross«, von welcher die, Elbogen südwestlich, südlich und südöstlich im engen Gürtel umschliessenden Berge ein prachtvolles Panorama geben.
_Falkenau-Gossengrün_ (auf der Strasse in nordwestlicher Richtung gegen Schönbach in 2 Stunden). Der Ort Gossengrün zählt etwa 2000 Einwohner, welche sich von der Landwirthschaft und der Spitzenklöppelei ernähren.
=Gasthaus=: Philipp Locke's Gasthaus.
=Postverbindung=: Gossengrün-Hartenberg; Gossengrün-Schönbach.
Ausflug von Gossengrün nach Leopoldshammer im Leibitschthale (siehe Schönbach-Leibitschthal).
_Falkenau-Bleistadt_ (mit der Bahn -- Entfernung etwas über 1 Meile).
=Gasthäuser=: Zum städtischen Rathhaus. -- Wilh. Gerstners Restauration.
=Eisenbahnverbindung= mit Falkenau und Graslitz.
_Bleistadt_ ist eine alte Bergstadt und zählt 1400 Einwohner. Die Stadt führt den Namen von dem hier früher betriebenen, nunmehr aufgelassenen Blei-Bergbau. Gegenwärtig fristen die Bewohner ihr karges Dasein mit Spitzenklöppeln. Auf den zahlreichen Halden findet der kundige Wanderer bleihaltige Gesteine und sogar Stücke reinen Erzes.
=Sehenswürdigkeiten=: Nachstehende Privilegien: von den Kaisern Rudolph II. 1524, Ferdinand 1558, Mathias 1613, Ferdinand III. 1652 und Joseph II. 1785. Auch ist in der im Jahre 1524 vom Kaiser Rudolph II. gegründeten Kirche Sct. Michael ein Wappen in Farben an dem rechts vom Hochaltare befindlichen Fenster von den Geheim-Brüdern Paulus, Christof und Friedrich, Bürgern des Rathes der Reichsstadt Nürnberg, zum Andenken »ai 1603« zu sehen.
=Aussicht=: Von dem Bergrücken bei Liebenau, Obergrünles und Neuhäuser aus lässt sich grosse Umschau halten über das Erzgebirge bis gegen Platten, dann gegen Karlsbad, die interessante Burgruine Engelhaus, Lauterbach bei Einsiedel und über das Egerland.
_Falkenau-*Heinrichsgrün_ -- Gebirgsstadt, 2250 Einwohner.
=Gasthäuser=: Wilder Mann, grüner Heinrich.
=Post- und Telegrafenamt= -- Domainen- und Forstverwaltung des Grafen Erwein Nostitz.
Von Falkenau aus erreichen wir Heinrichsgrün auf der Aerarialstrasse, welche durch die Dörfer Lanz, Waldl und Unter-Neugrün sanft ansteigt und von Neu-Grün an, auf beiden Seiten von den schönsten Wäldern begrenzt, bis zur Stadt führt. Diese liegt auf einer kleinen Gebirgsebene an einer Thalschlucht, welche sich in langen Zügen in's Zwodauthal erstreckt und das Lochthal genannt wird. Hier blühte in früherer Zeit der Bergbau. Der Tourist möge uns nun auf unserem Gange begleiten. Wir statten zuerst der im Spitzbogenstyl erbauten Kirche St. Martin einen Besuch ab; dann besichtigen wir die im J. 1877 auf Veranlassung des hochverdienten Erzgebirgsfreundes Herrn Ritter von Dotzauer von dem Central-Comité zur Beförderung der Erwerbsthätigkeit der böhmischen Erz- und Riesengebirgsbewohner in Prag errichtete Spitzenschule, in welcher Idrianer Spitzen kunstgerecht erzeugt werden. Nun gehen wir durch die Schlossgasse zu dem nördlich von der Stadt gelegenen gräflich Erwein von Nostitz'schen Schlosse. In diesem befinden sich zwei alte Bilder, welche Scenen aus dem Graslitzer Bergbau darstellen. Auch finden wir hier ein Bild, genannt die grosse Dame, von der die Sage erzählt, dass sie in einem der Eckthürme des Schlosses lebendig eingemauert wurde. Sämmtliche gräfliche Zimmer sind mit prachtvollen Hirschgeweihen ausgeschmückt. Nach einer kurzen Wanderung durch den Park, der das Schloss umgibt, kommen wir in eine schöne Allee, welche uns zum _gräflichen Thiergarten_ führt.
Kurz vor dem Thiergarten biegt eine Bezirksstrasse nach rechts ab, zieht sich durch theilweise schöne Waldungen in auf- und absteigender Linie ausserhalb desselben hin und führt bei dem an der Ausgangseite des Gartens gelegenen Teiche, von welchem sich ein weiter unten bezeichneter Weg nach Schindelwaldel und Rothau abzweigt, vorbei. Am Eingange in den Thiergarten (mit Erlaubniss der Forstinspection passirbar) stehen zwei Forsthäuser, und von diesen aus ziehen sich schöne, wohlerhaltene Wege durch alle Theile des weiten Gartens. Hier nehmen wir die herrlichsten und mannigfaltigsten Partien wahr. Dichte Fichtenwaldungen wechseln mit den saftigsten Wiesen ab, auf denen Heerden von Hochwild weiden. In der Mitte des Thiergartens steht malerisch das Jagdschloss, der Sommeraufenthalt der gräflichen Familie. Von den Fenstern des Hauptgemaches geniesst man die Aussicht auf eine reizende Scenerie des Gartens. Nicht uninteressant ist auch die Eremitage, von welcher sich eine schöne Aussicht in das Rothauthal eröffnet. Vom Jagdschlosse aus führt eine Strasse nach dem nördlichen Ausgange des Thiergartens und schliesst sich da an die oberwähnte Bezirksstrasse nach Schindelwaldel und Rothau an. Die grossen Eisenwerke daselbst sind sehenswerth. Das erste Werk, zu dem wir gelangen, ist die Zinnerei. Im Thale, kurze Strecke weiter abwärts, steht der Hochofen mit der Eisengiesserei und unweit davon die Dreherei. Nach etwa einer Stunde kommen wir zur Neuhütte. Von da aus gelangen wir nach kurzem Gange auf die Kaiserstrasse, die von Heinrichsgrün nach Graslitz führt. Beiderseits von hohen Bergen eingeschlossen führt uns die bequeme Strasse in das _Annathal_, wo der Rothaubach in die aus Sachsen kommende Zwodau mündet. Am rechten Ufer der Zwodau liegt der Bahnhof, nach welchem von Heinrichsgrün aus zweimal täglich die Post verkehrt. Auf unserer Retour-Wanderung aus dem Annathal nach Heinrichsgrün erblicken wir links einen Basaltkegel, den _Kernberg_, von dem aus man den grössten Theil der gemachten Wanderung übersehen kann. Erwähnenwerth ist noch das Dorf _Altengrün_, südlich von Heinrichsgrün gelegen, von welchem aus sich dem Auge eine prachtvolle Aussicht in's Egerland darbietet.
4. _Falkenau-*Graslitz_ (mit der Bahn oder zu Fuss über Bleistadt, von da über Horn und Heinrichsgrün nach Graslitz).
_Graslitz_, eine freie Bergstadt, in welcher bereits im J. 1370 der Bergbau auf Kupfer rege geworden. Im J. 1437 hat Caspar Schlick die Herrschaft übernommen. Im J. 1527 ging solche an Hieronymus Grafen Schlick durch Kauf über. Im J. 1570 gelangte diese Stadt mit ihren bereits bestehenden und durch eine Schlick'sche Bergordnung geregelten Bergbauen in den Besitz der gräflich Schönburg'schen Familie. August Graf Schönburg erliess eine neue Bergordnung 1601, welche grösstentheils der Joachimsthaler nachgebildet ist. Schon damals waren 2000 Bergleute, 100 Steiger, beim Baue beschäftigt und eine aus zahlreichen Bergbeamten bestehende Berghauptmannschaft aufgestellt. Von der damaligen Grossartigkeit der Bergbaue geben die vielen Stollen und Halden den besten Beweis. Der Abbau und die Schmelzung der Schliche zu Schwarzkupfer geschah durch Gedingarbeit und wurden 3 bis 5% Kupfer aus dem Centner Erz herausgebracht.
Graslitz ist jetzt eine bedeutende Industriestadt, zählt nach der letzten Volkszählung vom J. 1870 6549 Einwohner. Die verschiedenen Industriezweige sind: Musikinstrumenten-, Spitzenerzeugung, Stickerei, Baumwollspinnerei, Schafwollwaarenerzeugung, Bleicherei, Färberei, Druckerei. Hervorragende Fabriken: Maschinen-Stickerei, Baumwollspinnerei, Schafwollwaarenfabrik, bedeutende Fabrication für Musikblas- und theilweise Streich-Instrumente, Kindermusikinstrumenten, Perlmutterknopf-Erzeugung und Fabrication von Mundharmonikas.
=Aemter=: K. k. Bezirkshauptmannschaft, k. k. Bezirksgericht, k. k. Haupt-Zollamt, k. k. Post- und Telegrafenamt; Eisenbahn-Endstation der Buschtiehrader Bahn.
=Gasthäuser=: Kaiser von Oesterreich, Herrenhaus. _Restaurationen:_ Räumermühle mit schönem Echo; Kaisergarten und zwei an der Bahnhofstrasse.
=Sehenswürdigkeiten=: Die _Pfarrkirche_, in der Kanzel und Taufbecken künstlerischen Werth haben. Das Altarbild »Abendmahl Jesu« ist von Brandl. Das _Schulgebäude_ der Volks- und Bürgerschule mit dem interessanten _*Museum_, Musikschule, welche sich eines bedeutenden Rufes erfreut und zur Hebung der Musikinstrumentenfabrication wesentlich beiträgt. _Armenhaus_, Spital, Friedhof.
Spaziergänge:
Nach dem Hausberg, lohnend wegen der schönen Aussicht. Dort ist die _Richardshöhe_ mit einer Gedenktafel, so benannt nach Herrn Ritter von Dotzauer, Handelskammerpräsidenten in Prag, einem geborenen Graslitzer, der sich um seine Vaterstadt und das ganze Erzgebirge so verdient gemacht, dass sein Name in den Blättern der Geschichte dieses Gebirges für ewige Zeiten mit goldenen Lettern eingegraben bleiben wird. Gleich darüber befindet sich auf der Sängerhöhe ein Obelisk und unweit davon ein Gloriett, von dem aus wir einen herrlichen Ausblick über die Umgebung geniessen.
Auf dem Hausberg stand einst ein Raubritterschloss, das im J. 1412 von Tuchknappen und Metzgern aus Eger zerstört wurde. Ueberreste eines Brunnens sind die letzten Spuren dieses Schlosses.
Auf dem Glasberge, welcher dem Hausberge gegenüber liegt, befinden sich im »Holzhau« zwei auf einander liegende Granitblöcke, die Quarkquetsche genannt, welche sich der Sage nach bei einem heftigen Sturme bewegt haben. Nicht weit vom »Holzhau« befinden sich die Katzenfelsen, zwei aus Granitsteinen aufgethürmte Hügel, und weiter in gerader Linie kommen wir in die Nähe der Stadt und zum »Gesteinlicht«, einem spitzigen Felsen, wo sich uns ein herrlicher Blick über die Stadt und das Zwodauthal eröffnet.
Die Partie von Graslitz auf den _*Muckenbühl_ (¾ St.) 944 m hoch, ist zu empfehlen; man erreicht seine 470 m über dem Zwodauthale liegende, mit grossen Granitblöcken übersäete Kuppe ohne alle Anstrengung, da seinerzeit der Herr Graf Nostitz von Heinrichsgrün Stufen einhauen liess. Dieser interessante Berg gewährt eine hübsche Aussicht, die nach Osten bis zum Sonnenwirbel, nach Südost über das nahe Schönlind und Kohling hinweg nach Karlsbad reicht und darüber hinaus noch den Phonolithberg Engelhaus mit der grossartigen, weit sichtbaren Burgruine und das Giesshübler Schloss erkennen lässt.
Südwestlich von Graslitz (1 St.) liegt _Schönau_ mit der Wallfahrtskirche zum hl. Jakob dem Grösseren. Ein im J. 1688 gedrucktes und hier aufbewahrtes Gebetbuch gibt einen dunklen Aufschluss über diesen Gnadenort. Interessant sind die um die Kirche gepflanzten, sehr alten Linden.
Touren:
_Graslitz-*Klingenthal_, unmittelbar an der Grenze, wird durch das Zwodauthal in ¾ St. erreicht.
_Klingenthal_ 576 m Seehöhe, hat 2700 Einwohner.
=Gasthöfe=: Brauner Hirsch, zum alten Schloss, zur Post, zum heiteren Blick, vulgo das Lämpl, mit Aussicht, die Hacke (originelles und stark besuchtes Local mit vorzüglichem böhmischen Bier und Wein in unmittelbarer Nähe des sächsischen Zollamts -- gehört zu Markhausen in Böhmen).
Klingenthal liegt am Zusammentreffen des Zwodau- und Brunndöbrathales und unmittelbar an der böhmischen Grenze, ist in seinen Haupttheilen stadtähnlich gebaut und macht mit seiner romantischen Umgebung einen sehr vortheilhaften Eindruck auf den Besucher. Es ist hochinteressant durch seine eigenartige Industrie: Es fertigt jährlich Millionen von Mundharmonikas, Accordions, Concertinos etc. und versendet sie in die entferntesten Länder. Hauptfirmen: Dörfel, Steinfelser, C. G. Herold und E. Leiterd in Brunndöbra.
Obwohl Klingenthal zweifellos ein Ort jüngeren Ursprungs ist, so lässt sich doch die Zeit seiner Entstehung nicht nachweisen. Ursprünglich war ein Eisenhammer hier, wegen der Lage in dem von steilen und dunkel bewaldeten Bergen umgebenen Thalkessel »Höllenhammer« genannt, wie überhaupt die ganze Thalsenke in früheren Zeiten mit dem Namen »Hölle« bezeichnet wurde. Der Ort Klingenthal soll durch böhmische Exulanten, die nach der Schlacht am Weissen Berge (1620) ihr Vaterland verlassen mussten, entstanden und sowohl seinen Namen als auch sein rasches Aufblühen einem Einwohner Namens Klinger zu verdanken haben. Wahrscheinlich begründeten die Exulanten auch die heimische Industrie.
Von Klingenthal lässt sich bequem der _Aschberg_ besuchen. Der nächste Weg ist die Auerbacher Strasse bis zur Postwartehalle in Brunndöbra. Bei jeder neuen Biegung müssen wir den hochromantischen Charakter der ganzen Landschaft bewundern. Hier zweigt nach rechts der sog. Staffelweg ab nach dem Schloss Obersachsenberg im Dorfe gleichen Namens. Die Häuser dieses Ortes liegen zerstreut auf sonniger Höhe, sind klein und unscheinbar, aber bewohnt von einer arbeitsamen und genügsamen Bevölkerung. Nicht selten sieht man an den kleinen Fenstern der niedrigen Stübchen -- wie überhaupt im östlichen Vogtland -- den Vogelbauer mit dem Hänfling oder Stieglitz oder mit dem unvermeidlichen _Grünitz (Kreuzschnabel), der nach dem Glauben der Mütter die »Krämpfe der Kinder anzieht.«_ Von Obersachsenberg ab ist der Weg nicht mehr zu fehlen; das Ziel ist bereits sichtbar. _Der Aschberg, 925 m, liegt hart an der Grenze auf böhmischer Seite und ist Station der königl. sächsischen Triangulirung._ Das Steingerölle lässt uns die geologischen Bestandtheile des Berges, den Granit erkennen. Die Aussicht ist eine sehr umfassende und vorzügliche, nur sind die Hauptobjekte mit Ausnahme des tief eingeschnittenen Zwodauthales mehr in die Ferne gerückt. Unter den bewaldeten Höhen im Nordwesten ragt der langgezogene Rücken des _Kiel_ (861 m) bei Friedrichsgrün hervor; in der im Norden ausgebreiteten Waldregion tritt der obere Theil von Schönheida deutlich heraus. Im Osten zeigen sich bewaldete Berge, im Süden viele hochgelegene böhmische Orte, im Südwesten die vordere Gruppe des Fichtelgebirges und ganz nahe das bereits erwähnte Zwodauthal.
Von _Klingenthal_ nach _Markneukirchen_ (mit der Bahn und dann retour).
_Markneukirchen_, Stadt, 504 m Seehöhe, 4600 Einwohner.
=Gasthöfe=: Zum Rathskeller, zur goldenen Krone, Restauration von Paulus mit Gartenanlagen, Schützenhaus, Bahnhofrestauration.
=Eisenbahnverbindung=: gegen Klingenthal, Adorf, Elster, Eger und nördlich gegen Leipzig.
_Markneukirchen_ ist die südlichste Stadt Sachsens und liegt zu beiden Seiten des Schwarzbaches. Die Stadt ist Mittelpunkt der Vogtländischen Blas- und Streichinstrumenten- und Darm-Saiten-Fabrication. Die Firmen: Michael Schuster jun., Paulus & Schuster u. a. haben überseeische Handelsverbindungen und ihre Waaren beherrschen trotz der französischen und italienischen Concurrenz den Weltmarkt. Musikschule -- Badeanstalt. Die Stadt hat nach dem Brande von 1840 ein ganz anderes schöneres Gepräge erhalten. Der Ursprung derselben ist in völliges Dunkel gehüllt. Der Ort, der erst aus 17, nach anderen nur aus 3 Häusern bestanden haben soll, scheint ursprünglich nicht zum dobenauischen Gebiet gehört zu haben, sondern es muss erst im 12. Jahrh. an die Vögte gekommen sein. Ursprünglich soll es Nieweekirchen geheissen haben, woraus dann Neukirchen und zur Unterscheidung von gleichnamigen Orten Mark- d. h. Grenz-Neukirchen entstanden sei. Eine andere Vermuthung leitet den Namen von »Markt« ab.
Markneukirchen kommt zuerst 1357 als ein an die Markgrafen abgetretenes Städtlein Neuenkirchen vor. Im Jahre 1360 erhalten die Kaufleute des Ortes durch den Landgrafen Balthasar dieselben Rechte, wie die zu Adorf und Oelsnitz, der Ort muss also schon von einiger Bedeutung gewesen sein.
Das Bässe- und Geigenmachen soll 1580 durch böhmische Exulanten -- namentlich aus Schönbach und Graslitz -- nach Markneukirchen gebracht worden sein.