Führer durch das böhmische Erzgebirge, das Mittelgebirge und die angrenzenden Gebiete

Part 5

Chapter 53,109 wordsPublic domain

Privatlogis sind in etwa 150 meist neu und elegant eingerichteten Wohnhäusern jederzeit zu bekommen; nur zur Hochsaison d. i. vom 20. Juni bis Ende Juli tritt wegen grossen Andranges Wohnungsmangel ein und empfiehlt es sich, sich die Wohnung im voraus zu bestellen. Für Salons zahlt man wöchentlich in der Hochsaison 20 bis 40 fl., doch kann man auch gut eingerichtete Zimmer mit prächtigen Betten um 5 bis 8 fl. bekommen. Das Bürgermeisteramt und die Brunnenärzte sind jederzeit zu Auskünften bereit. Die an den Häusern angebrachten Tafeln mit dem Worte »Logis« zeigen jedermann an, wo Wohnungen zu vermiethen sind; man kann daher zudringliche Wohnungsanbieter jederzeit zurückweisen.

Im =Cursaal=, nächst der Franzensquelle, sowie in den obgenannten Hôtels speist man vortrefflich entweder à la carte oder Table d'hôte -- das Couvert 1 fl. 30 kr. Curgästen werden auch Speisen in die Wohnhäuser verabreicht.

Kaffee: Im =Curpark= (20 kr. ohne Gebäck), in allen Hôtels und Privathäusern.

Mehrere ausgezeichnete Conditoreien in der Kaiserstrasse. --

Kaffee in der nächsten Umgebung: =Ludwigshöhe=, =Antonienhöhe=, Miramonte, Stöckermühle, Schlada, Bahnhofrestauration u. s. w.

=Lesecabinet= im Franzensbader Curhause, von 8 Uhr Morgens bis 7 Uhr Abends geöffnet; es sind über 60 Zeitschriften in den Hauptsprachen und Curlisten aller bedeutenden Curorte vorhanden.

=Post- und Telegrafenamt.= (Neugasse.)

=Gewöhnliche, Dampf-, russisch-, türkische Bäder.=

=Photographische Ansichten in den Buchhandlungen.=

=Musik und Theater=:

Die rühmlichst bekannte Badecapelle unter Leitung des Capellmeisters Tomaschek spielt an jedem Morgen:

1) an der Salzquelle von 6--7 Uhr;

2) in der Franzensquelle von 7--8 Uhr, und

3) im Park von ½5 bis ½7 Uhr Nachmittag.

Im Theater wird nur im Sommer von einer reisenden Truppe gespielt.

=Franzensbad= ist einer der berühmtesten Badeorte in Oesterreich-Ungarn, liegt in einem Thalkessel 493 m über dem Meere und wurde 1793 zum Badeorte erhoben und nach Kaiser Franz I., dem in den Parkanlagen eine Erzstatue errichtet worden, benannt. Der Ort wird im Norden vom Park, im Westen von Loimanns Anlagen, im Süden u. Osten von den neuen Anlagen umgeben. Touristen, welche binnen wenigen Stunden die interessantesten Puncte des Curortes kennen lernen wollen, ist =ein Rundgang= durch die Stadt zu empfehlen. Sie gehen vom Bahnhofe durch die Parkstrasse und Karlsstrasse in den Park zum Franzens-Monument und von da in die Kaiserstrasse, wo sie Dr. Loimanns bekanntes und elegant eingerichtetes Badehaus mit der Louisenquelle, dem kalten Sprudel, dem Moorlager und den herrlichen Anlagen besichtigen. Zu diesem grossartigen Badeetablissement legte im Jahre 1827 der Hausbesitzer und Burgverwalter Loimann, der Vater des gegenwärtigen Besitzers Med. Dr. Loimann, den Grund, indem er auf eigene Kosten ein allgemeines Badehaus erbaute. Die Louisenquelle wurde 1807 gefasst, 1808 zum Gebrauche eingerichtet und der damaligen dritten Gemahlin Sr. Majestät des Kaisers Franz, Maria Ludowika, zu Ehren =die Louisenquelle= genannt. Nur wenige Schritte davon bricht mit Heftigkeit der sogenannte =kalte Sprudel= hervor. Von da begeben sie sich zur Franzensquelle, sehen hier das Stadt-Egerer Badehaus, und dann weiter in einer herrlichen Allee zur Neu-, Salz- und Wiesenquelle und nehmen auf diesem Wege die grossartigen Badehäuser von Hofrath Dr. Cartellieri und von Singer wahr. Durch die Salzquelle, welche schon 1817 entdeckt war, erhielt Franzensbad seit 1819 einen ganz neuen Aufschwung. Seit dem J. 1837 ist die nahe liegende Wiesenquelle als heilkräftig erprobt und 1840 mit der Salzquelle unter ein gemeinschaftliches Dach gebracht worden.

Nun wird der Rückweg durch die herrliche Morgenzeile zur Kirche und zum Parke angetreten. Der aufmerksam beobachtende und in seinem Urtheile unparteiische Tourist wird finden, dass es Architect und Gärtner verstanden haben, Franzensbad und die nächste Umgebung zu einem eleganten Curorte zu erheben. Die 10 Mineralquellen, alkalisch-salinische Eisensäuerlinge mit bedeutendem Gehalt an Glaubersalz und freier Kohlensäure, denen _eminente_ Heilwirkungen zugeschrieben werden, eine Kohlensäuregasquelle (schon seit 1545 bekannt, aber erst seit 1810 als Heilmittel gebührend anerkannt) und ein reichhaltiges Lager von Eisenmineralmoor, das auf Sand ruht, namentlich aber die vorzüglichen Anlagen mit reizenden Promenadenwegen, die grossstädtischen Strassen, Hôtels und Villen, die prächtigen Kirchen und Denkmäler, vor allen Dingen aber die höchst elegant und luxuriös ausgestatteten Wohnungs- und Vergnügungsräume, die mancherlei Einrichtungen für Unterhaltung, Genuss und allerlei kostspielige Vergnügungen und Liebhabereien, das Zusammenströmen der feinen Welt, die während des Aufenthaltes in der »_europäischen Sommerresidenz_« (den nordböhmischen Bädern) gewöhnlich die Nachcur hier geniesst, alle diese Umstände erheben Franzensbad zu einem Bad I. Ranges.

=Sehenswürdigkeit=: Ausser den im Rundgange angeführten: Die Rotunde bei der Franzensquelle mit der Inschrift: »1793 unter Franz I. gegründet zum Wohle der Menschheit«; die Colonade mit zahlreichen Kaufläden, das Monument der Sachsenstiftung unweit der Rotunde mit der Aufschrift:

Herrlicher Quell, Göttliche Gabe, Bleibe kräftig und hell, Stärke, labe Durch verminderten Körperschmerz Auch das ermattete kranke Herz, Bis die letzten Frommen Zum Urquell ewiger Genesung kommen.

Die katholische Kirche mit einigen werthvollen Gemälden, die im romanischen Styl erbaute protestantische Kirche, die Synagoge im orientalischen Styl und vor allem der Cursaal, das stattlichste öffentliche Gebäude, ein geschmackvoller, brillant ausgestatteter Renaissancebau. Unter den Privathäusern erweckt die Villa Imperial durch ihre freie herrliche Lage inmitten des herrlichsten Parks und nahe der Salzquellpromenade, sowie durch die Pracht der Ausschmückung von Aussen und im Innern die Aufmerksamkeit jedes Besuchers.

Spaziergänge:

Sehr beliebter Spaziergang zur _Antonienhöhe_ in nordöstlicher Richtung (¾ St.), Weg gut, aber nicht schattig. Aufenthalt im Wald sehr angenehm -- prächtiger Rundblick über das Egerland.

Nach _Miramonte_ südlich auf der Strasse nach Eger, dann in einer viertel Stunde rechts in einen Promenadenweg abzweigend. Beliebte Restauration, wo man in einem Spiegel die ganze umliegende Landschaft erblickt.

Von Miramonte führt der Weg in westlicher Richtung zum _*Kammerbühl_, einem erloschenen Vulcan (¼ Stunde). Er gehört unstreitig zu den interessantesten geologischen Erscheinungen und ist vorzugsweise aus vulcanischen Tufen aufgebaut. Die Lagerung dieser Eruptionsproducte lässt sich in ausgezeichneter Weise in dem grossen Bruche hinter der Restauration zum »Kammerbühl« beobachten. In Folge der isolirten Lage bietet der Kammerbühl eine vorzügliche Rundsicht über das Egerland mit seinen zahlreichen Städten und Dörfern, Schlössern und Ruinen, Kirchen und Kapellen, die von den dunkelbewaldeten Bergen des westlichen Erzgebirges oder Kaiserwaldes und des Fichtelgebirges umsäumt werden.

_*Siechenhaus._ Dieser Spaziergang kann vom Kammerbühl fortgesetzt werden. Gut gepflegte Wege führen von demselben ab nach dem Dorfe _Stein_ und zum Egerfluss, den man an einer romantischen Stelle des Thales mittelst eines Holzsteges überschreitet. (Der am Flussufer hinlaufende Fusspfad führt direct nach Eger.) Der ansteigende, schattige Weg leitet zur Chaussée von Eger nach Wunsiedel und zum _Siechenhaus_ (¾ St.), dem beliebtesten Vergnügungsort der Franzensbader Curgäste und der Bewohner von Eger. Es besteht aus einer Oberförsterei, einem Armenhaus (Versorgungsanstalt) und einer guten Restauration. Schöner Garten inmitten eines herrlichen Waldes, angenehmer Aufenthalt, malerische Aussicht auf Eger und Umgebung.

Empfehlenswerth ist auch der Besuch der eine halbe Stunde weiter entfernten _St. Annakirche_ (608 m), ehemals Franziskanerkloster, theils wegen der Kirche selbst, die colossale Schnitzwerke eines unbekannten, altdeutschen Meisters enthält, und in welcher Friedrich Barbarossa 1149 mit Adelhaid von Vohburg getraut worden sein soll (nach andern in der Kapelle des Rathhauses), theils wegen der vorzüglichen Aussicht (namentlich vom _Grünberg_ 656 m) auf das Egerland, besonders auf die Gegend von Franzensbad, Maria-Kulm und in fast entgegengesetzter Richtung auf die wichtigsten Berggipfel des Fichtelgebirges.

Auf dem Weiterwege nach _*Eger_ vermeiden wir die Landstrasse und benützen den schönen, nicht zu fehlenden _*Promenadenweg_ durch schattigen Wald und durch das herrliche Egerthal.

Eger.

=Gasthäuser=: Zwei Erzherzoge am Stadtplatz, Erzherzog Stefan mit schönem Garten an der Eger, Kronprinz Rudolf (Göthe-Denkmal), Bahnhofstrasse. Wetzel oder Kaiser Wilhelm, beim Bahnhofe.

=Restaurationen=: Karg's Bastei, Krämlings Bastei, unweit der Burg, schönste Aussicht in's Egerthal, Adlers Restauration, Schustersprung im Egerthale, vorzügliche Fische, namentlich Karpfen.

=Café=: Pistorius am Ringplatz.

K. k. Post-, Telegrafen-, Hauptzollamt, Kreisgericht, Bezirkshauptmannschaft.

=Eisenbahn= nach Baiern, Sachsen, gegen Carlsbad und Marienbad.

Fahrgelegenheiten nach allen Richtungen.

=Volksfest=: Vinzenzifest.

=Dienstmanninstitut.=

Eger ist die Hauptstadt des »gesegneten« Egerlandes, wie das Gebiet an der oberen Eger in Böhmen genannt wird, und war auch der Hauptort des ehemaligen Egerer Kreises. Die Stadt liegt 413 m über der See, hat über 16.000 Einwohner und liegt zumeist auf dem rechten, etwas ansteigenden Ufer des gleichnamigen Flusses.

Die Lage an einem uralten Strassenzug und unmittelbar vor dem Eingange zum Norden Deutschlands erhob Eger schon in alter Zeit zu einem wichtigen Handelsplatz, namentlich aber zu einer militärisch wichtigen Position, zu einem Mittel- und Ausgangspunct kriegerischer Unternehmungen, in neuester Zeit aber zu einem Centralpunct von 5 Schienenwegen. Hauptbeschäftigung der Bewohner: Gerberei, Schuhmacherei, Bierbrauerei.

Die altehrwürdige Stadt Eger, die sich in jüngster Zeit in der Richtung nach dem Bahnhof und auf dem sogenannten Rahmberg, sowie durch Auflassung des Friedhofes und Verlegung desselben ausser der Stadt sehr erweitert und verschönert hat, bietet =Sehenswürdigkeiten= aus alter und neuerer Zeit.

1. Die _*Burg_ -- Kaiserburg -- (Eintrittsgeld nach Belieben). Diese imposanten, am nordwestlichen Ende der Stadt emporragenden Ruinen auf felsigem Grunde bestehen ausser den Resten der Festungswerke aus mehreren beachtenswerthen Bauten, welche sind:

_a_) Die 4 Umfassungsmauern mit zum Theil eingestürzten Fensterwölbungen; das Gemäuer aus Thonschiefer, die Säulen aus fränkischem Marmor.

_b_) Der schwarze Thurm -- 23 m hoch -- ist aus Lavastücken vom Kammerbühl erbaut und stammt aus dem 10. Jahrh. (nach andern aus der Römerzeit, daher »Heidenthurm«).

_c_) Die Doppelkapelle steht im Burghof und ist aus dunkelgrünem Schieferbruchstein erbaut. Sie besteht aus der unteren oder Erhardskapelle und der oberen oder Martinskapelle. Das Ganze stammt aus der Blüthezeit des Rundbogenstyls. Das Innere der ersteren liegt mehrere Fuss tiefer als der Burghof und wird von 4 Fenstern erleuchtet; das feste Gewölbe tragen 4 Granitsäulen. In der letzteren, zu der eine neue Treppe führt, wird das Gewölbe von vielen geschmackvollen Marmorsäulen getragen. Ein Gang verband die Kapelle mit dem Palast.

_d_) Der ehemalige Rittersaal ist noch an den vorhandenen Bogenfenstern zu erkennen. Dieser war Zeuge von der Schreckensscene am 25. Februar 1634; den Getreuen Wallensteins, Illo, Terzky, Kinsky und Neumann, wurde hier durch Verrath ein blutiges Ende bereitet.

Die Veranlassung dieses blutigen Auftrittes müssen wir als bekannt voraussetzen. (Siehe übrigens unter Stadthaus!) Die Vertrauten Wallensteins waren von dem durch die Kaiserlichen gewonnenen Commandanten Gordon zum Abendessen in die Citadelle geladen worden. Kurz nach ihrer Ankunft und nachdem die Bedienten entfernt und eingeschlossen waren, trat der Hauptmann Geraldin mit Dragonern in den Saal, welche auf die vier Gäste einhieben und sie niedermetzelten.

Auf dem gegenüberliegenden Egerufer stand die 1295 erbaute _Wenzelsburg_, die mit der Kaiserburg durch eine hölzerne Brücke verbunden war. Im Hofe der Burg befinden sich gegenwärtig schöne Anlagen; der Staat sorgt für Erhaltung dieser interessanten Ueberreste. Sehr schön ist der Ausblick auf das Egerthal, namentlich auch auf Siechenhaus und St. Anna.

Die ehedem sehr starken Festungswerke stammen jedenfalls aus dem 10. Jahrhundert, als die Grafen von Vohburg zu Markgrafen über die Umgegend bestellt wurden. Kaiser Friedrich Barbarossa, der in Eger viele Hoflager abhielt, und 1149 Adelheid von Vohburg heiratete (Trauung in der Kapelle des Rathhauses, nach anderen in der Kirche auf St. Anna) legte die neue, schöne Kaiserburg an; am 2. Dezember 1805 wurde sie von den Franzosen bis auf die noch jetzt vorhandenen Ueberreste zerstört.

2. =Das Stadthaus= (hier löst man sich eine Eintrittskarte für 20 kr.) am Ring d. i. Marktplatz. Kein Tourist verlässt Eger, ohne dieses denkwürdige Haus besucht zu haben, in dem der mächtige Wallenstein am 25. Februar 1634 sein blutiges Ende fand.

Die vom Herzog von Friedland bewohnt gewesenen Räume befinden sich noch in ihrem ursprünglichen Zustande und enthalten ein Album mit interessanten Autographien, Wallensteins Bildnis und zwei auf seine Ermordung bezügliche Gemälde, zwei Schränke mit zahlreichen Gegenständen, die auf das blutige Ereignis Bezug haben, so die Hellebarde, mit der Wallenstein (hinten im Schlafzimmer) den Todesstoss empfing u. a.

Mitten in den Wirren des 30jährigen Krieges findet der mächtige und gefürchtete kaiserliche Generalissimus sein tragisches Ende. Buttler, der Obrist eines irischen Reiterregiments, hatte den Auftrag übernommen, den Herzog von Friedland lebendig zu fangen oder zu ermorden. Während des Blutbades auf der Burg hatte sich Wallenstein ermüdet zu Bette begeben. Abends 10 Uhr begaben sich die Verschworenen Leslie, Geraldin, Buttler und Deveroux mit 30 Dragonern von der Burg in die Stadt. Während Leslie die Hauptwache, Buttler die Hauptthür, Geraldin die Hinterthür des von Wallenstein bewohnten Palastes besetzten, stürmten Deveroux und mehrere Dragoner die Treppe hinauf, metzelten 2 Kammerdiener nieder, sprengten die Thür und fanden Wallenstein, am Fenster stehend. »Du bist der Schelm«, rief Deveroux, »der das kaiserliche Volk zum Feinde überführen und Sr. kaiserl. Majestät die Krone vom Haupte reissen will! Du musst sterben!« Wallenstein warf ihm einen ernsten, kalten Blick zu und sprach kein Wort. »Du musst sterben!«, rief Deveroux abermals, und mit diesen Worten stiess er dem Herzog die Hellebarde mit solcher Gewalt in die Brust, dass sie durch und durch ging. Lautlos stürzte der mächtige Friedländer zu Boden. -- Albrecht von Waldstein oder Wallenstein war 1583 zu Hermanic in Böhmen geboren; er zählte somit kaum 52 Jahre. »Der Act der Gerechtigkeit, welcher Wallenstein im Grund verfallen war, bekam durch die Art der Vollziehung derselben die Form eines feigen Justizmordes.«

In den daran stossenden Räumen befindet sich das interessante und sehenswerthe »_Egerländer Museum_.«

3. =Die Stadtkirche St. Niclas=; sie zeigt romanische und gothische Bauform und enthält sehenswerthe Malereien und Sculpturarbeiten. (Sehenswerth ist auch die im J. 1872 im gothischen Styl erbaute evangelische Kirche.)

4. Ausserdem sind noch besuchenswerth: _Das Rathhaus_ mit schönem Treppenhaus, die Turnhalle, das »_Rudolphinum_«, Centralschulgebäude, das »Schillerhaus« Nr. 17 am Marktplatz mit der Gedenktafel: »In diesem Hause wohnte im J. 1791 Friedrich von Schiller behufs seiner Studien zur Wallensteintrilogie«, das »Göthehaus« Nr. 38, die _Franciskanerkirche_, mit der ein Kloster verbunden ist! Die dreischiffige Kirche ist im reinsten gothischen Styl erbaut und macht einen herrlichen Eindruck. Am Ring fällt dem Touristen das Riedel'sche Haus, ein ehemaliges Patricierhaus, mit seinem schön durchbrochenen Giebel auf.

Die Gründung der Stadt Eger (Cheb) wird in das 10. Jahrhundert verlegt und den Grafen von Vohburg zugeschrieben, die damals von den deutschen Kaisern als Markgrafen über die Umgegend bestellt worden waren. Eger war Hauptort der Markgrafschaft Eger und Eigenthum der Markgrafen von Vohburg. Durch Heirath (1149) kam Eger an Friedrich Barbarossa, der es vor nun 700 Jahren, nämlich 1149, zur deutschen Reichsstadt erhob. Später war Eger lange Zeit der Zankapfel zwischen Böhmen und Bayern; nachdem es aber Kaiser Ludwig der Bayer 1315 an Böhmen verpfändet, blieb es bis heute bei Böhmen. Grosse Drangsale im Hussiten- und 30jährigen Kriege hatte die Stadt zu bestehen; die ganze Gegend glich zu wiederholten Malen einem einzigen grossen Kriegslager.

=Anmerkung=: Wer über längere Zeit verfügt, dem ist von Eger aus ein Ausflug (per Bahn 20 Minuten, zu Fuss 2 Stunden) nach dem baierischen Markt _Waldsassen_ anzuempfehlen. (Wohlrabs Restauration.) Dieser Ort ist bekannt und berühmt durch seine 1133 gestiftete, 1803 säcularisirte, ehemals sehr reiche Cistercienserabtei. In dem Conventgebäude ein Mädchenpensionat der Cistercienserinnen. Die im 17. Jahrhundert erbaute Klosterkirche ist ein prächtiger Bau im italienischen Prunkstyl -- überladen -- und bewirkt einen grossartigen Totaleindruck.

=Franzensbad-Seeberg.= (1 Stunde.) Spaziergang über Unterlohma, von da westwärts nach _Höflas_ und Schloss _Seeberg_, Eigenthum der Stadt Eger. Wilde Klippen und Buschwerk bilden die nächste Umgebung des Schlosses. Dazwischen bricht sich der in die Eger mündende Seebach Bahn und bildet ein wildromantisches Thal. Vom Schlosse aus lohnende Aussicht auf die Umgegend von Franzensbad. Nach genommener Erfrischung in der Seeberger Restauration wird der Rückweg angetreten.

=Franzensbad-*Kapellenberg= über Schönberg (mit der Bahn nach Voitersreuth und von da zu Fuss noch 1 Stunde.) Ueber dem sächsischen Dorfe Schönberg erhebt sich der waldreiche »Kapellenberg«, der 764 m hoch ist. Er besteht aus Granit, wird zwar von zahlreichen Bergen unserer heimatlichen Landschaft an Höhe übertroffen; aber die Lage am Südfusse des Gebirgskammes, das unmittelbare Aufsteigen aus dem breiten Egerthal, der Mangel an ebenbürtigen Nachbarn erheben ihn nicht nur zu einem ansehnlichen Grenzpfeiler Sachsens und des deutschen Reiches gegen Böhmen, sondern auch zu dem vorzüglichsten Aussichtspunkt des Vogtlandes. -- Es ist nicht nöthig, das Holzgerüste zu besteigen; die niedrigen Holzbestände hindern die Rundsicht keineswegs. Das malerische Landschaftsgemälde entzückt das Auge nicht blos durch die schönen Formen und durch die Ferne, bis wohin der Blick reicht, auch nicht blos durch den Vorzug, dass das Hauptpanorama dem Beschauer unmittelbar zu Füssen liegt, wodurch ein Verlieren des Blickes in verschwommene Fernen verhütet wird, sondern vor allen Dingen durch die zahlreichen Wasserspiegel, die als lichte Punkte oder Silberstreifen aus dem reichgesegneten Egerland hervortreten und das Ganze ausserordentlich beleben.

Der Blick haftet zunächst an dem freundlichen, fast genau in südlicher Richtung liegenden Dorfe Schönberg, dem südlichsten des Sachsenlandes, und an der schnurgeraden Strasse, die die Lage von Ober-Lohma, Franzensbad und Eger trifft. Wenig rechts davon erhebt sich der erloschene Vulcan Kammerbühl und in grösserer Ferne die jenseits der Stadt Eger aufsteigende Höhe mit der St. Anna-Kapelle. Nun folgt nach rechts eine grosse Zahl von grösseren und kleineren Ortschaften -- Haslau, Liebenstein, Selb u. a. --, hinter denen sich das Massengebirge des Fichtelgebirges mit Kösseine, Schneeberg, Waldstein vor allem imposant darstellt; daran reihen sich der grosse Kornberg, der Döbraberg im Frankenwald und der Hainberg bei Asch. Weniger wechselvoll ist die Landschaft im Norden, wo ein weites Waldrevier die Höhen des Elstergebirges bedeckt. Wenig rechts davon, fast genau im Norden, erscheint nun das weitschauende Schöneck am Horizont, desgleichen der unverkennbare Kirchthurm von Landwüst, der hohe Stein mit seinen scharf-zackigen Thonschiefergebilden und fast in derselben Richtung der finstere Bergrücken des »Kiel.« Gegen Nordosten im Vordergrund liegen die Orte Steingrub, Klinghard, Frauenreuth, Neukirchen, und in den dahinter aufragenden Bergen wollen manche die Bergriesen des Erzgebirges, den Auersberg, Fichtel- und Keilberg erkennen. Aus der weithin vor unseren Blicken sich ausbreitenden Fruchtebene, die von 2 sehr naheliegenden Kegelbergen, dem Hirsch- und Scheibenberg, unterbrochen wird, treten hinter und zwischen den glitzernden Wasserspiegeln freundliche Städtchen und Dörfer hervor, wie Maria-Kulm mit der imposanten Wallfahrtskirche, Königsberg, Wildstein, Altenteich und wie sie alle heissen, zu denen die Berge des sogen. Kaiserwaldes -- Steinbock, Glatze, Bärenbrand -- einen vortheilhaften Hintergrund bilden. Mit dem nahen Voitersreuth schliesst das Rundgemälde, das jeder Besucher mit hoher Befriedigung betrachtet.

Nach genossener Aussicht ist die Rückkehr in die Voitersreuther Bahnhofrestauration zu empfehlen.

=Franzensbad-Wildstein.= Von Franzensbad aus in nördlicher Richtung über Lohma (1 Stunde); diese Partie lässt sich auch mit der vorangehenden verbinden, indem man von dem Orte Voitersreuth links nach _Altentrich_ und dann in nordöstlicher Richtung weiter geht. Auf dem _*Störlberge_ anmuthige Waldpartien, hübsche Aussicht, Kaffeehaus.

Touren.

=Franzensbad-*Wies= -- über Eger auf der Strasse in südlicher Richtung. Der Ort liegt inmitten eines prächtigen Waldes, unmittelbar an der Grenze, hat eine freundliche Kirche, ein Nebenzollamt und eine Restauration zum »grünen Baum«. Der Aufenthalt in der würzigen Waldluft und den reizenden Baumgruppen sehr angenehm.

=Franzensbad-Schloss Liebenstein.= Weg dahin auf der Franzensbad-Hofer Strasse in westlicher Richtung (2½ St.) Das Schloss ist Eigenthum des Grafen von Zedwitz. Der Ausflug ist wegen der schönen Waldpartien sehr lohnend.

=Franzensbad-*Elster= (mit der sächsischen Staatsbahn über Voitersreuth 1 St. 11 Min.) (Gasthöfe: Wettiner Hof, Hôtel de Saxe, Hôtel Bauer, Reichsverweser, Daheim.) Besuchtester Kurort Sachsens, 496 M., hat gute Badeeinrichtungen und schöne Anlagen. Am Brunnenplatze befindet sich das königliche Badegebäude mit dem Maria-, Königs- und Alberts-Parke. Die Salz- und Johannissquelle befinden sich unter einem tempelartigen Überbau. Die Quellen gehören zu den alkalisch-salinischen Eisenwässern und sind ihrer Wirkung nach den Franzensbadern ähnlich.

=Franzensbad-*Maria-Kulm= (mit der Bahn-Station: Königsberg-Maria-Kulm der Buschtiehrader Eisenbahn).

Maria-Kulm.

=Gasthäuser=: Goldener Engel, schwarzer Adler, goldener Stern, goldener Adler, deutsche Eiche, rother Ochs.

=Restaurationen.=

=K. k. Postamt.=