Führer durch das böhmische Erzgebirge, das Mittelgebirge und die angrenzenden Gebiete

Part 4

Chapter 43,126 wordsPublic domain

Die =Morgen-= und =Abenddämmerung=, eine der herrlichsten Erscheinungen während des reizvollen Sommers, gewährt dem Touristen, der um diese Zeit die heiteren Höhen und saftig-grünen Thäler durchwandert, den Vortheil, seine Tage auf die höchstmögliche Benützung zu bringen. Etwa fünf Wochen vor und nach der Sommersonnenwende hat sowohl die Abend- als auch die Morgendämmerung eine grosse Dauer, was die Wanderungen auf den Höhen des Erzgebirges ungemein erleichtert und angenehm macht. Auch die =Morgen-= und =Abendröthe= ist auf den Spitzen immer heiterer und schöner als unter gleichen Umständen bei wolkenfreiem Horizont im Innern des Landes. An dieser Stelle machen wir auf zwei Erscheinungen unseres Gebirges besonders aufmerksam und bezeichnen die geeignete Zeit und den besten Ort, wo sie gewöhnlich eintreten. Es ist der Kupferhügel bei Kupferberg und der Hochsommer an Tagen, wo über dem Flachlande Gewitter hängen. Man darf nicht sorgen, dass sie auf das Gebirge heraufsteigen, wenn sie auch der Südwind gegen die Berge herantreibt. Die schwarzen Wolkenmassen schwimmen dann bis nach Kaaden oder Brunnersdorf heran und dringen auch in das Egerthal bis Klösterle oder Pürstein herein; hier aber stauen sie sich an die hohen Berge und entladen in stundenlangen Gewittern ihre Blitze mit fern rollendem Donner. Der Zuschauer auf dem Kupferhügel steht im Sonnenschein, den reinen blauen Himmel über seinem Haupte, und kann mit voller Seelenruhe auf die leuchtenden Wolken hinabsehen, deren Oberfläche mit den einzelnen Kuppen noch immer tiefer liegt, als der Rand des Gebirges, und die tief unter seinen Füssen ihre Blitze von Wolkenballen zu Wolkenballen aussenden, bis sich ihre Elektricitäten entladen haben und die erschöpften Wolken wieder zerreissen und zerflattern und das durchnässte Land im dunklen frischen Blau durchscheinen lassen. Dieses Schauspiel wird vielleicht nur noch von einer Naturerscheinung überboten, die im Frühlinge, bei lang anhaltenden Märznebeln, oder auch im Herbste stattfinden kann, und die öfter schon beobachtet wurde. Wie bekannt, sind die Gebirge mehr oder öfter mit Nebeln verschleiert als die Niederungen und Thäler. Es kann aber auch geschehen, dass sich die Nebel sehr dicht über das Tiefland lagern, und dann reicht die Nebelschichte meist nur bis an den Rand des Gebirgskammes und oben ist heller Sonnenschein und warmes, trockenes, schönes Wetter. Der Nebel selbst liegt weithin über das ganze Tiefland wie eine Meeresfläche gebreitet, unter welcher das ganze Land versunken und verschwunden scheint. Es ist aber doch nicht ganz versunken; hier rechts ragen aus dem glatten Meeresspiegel, über dem das helle, sonnige, blaue Himmelsgewölbe gespannt ist, einige Kuppen des Teplergebirges heraus wie blaue Inseln, an welchen die dunstig dünnen Wellen des Nebels aufschäumen; dort links in der Gegend von Dux und Teplitz tauchen wieder Inseln heraus, an welchen wir den =Bořen= und den =Donnersberg= zu erkennen glauben. Alles andere wogt langsam in breiten Wellen von nur geringer Höhe, ein täuschender Meeresspiegel von 14 Meilen Länge und Breite, der ganz an den Anblick über die Adria erinnert, von den Höhen des Karstes aus gesehen. Und welches Spiel der Wellen nahe zu unseren Füssen! Vom Fusse des Kupferhügels gegen Osten breitet sich eine Platte aus, meist Blumenwiesen, die gegen Klösterle mit einem steilen Rand abfallen. Die Nebelschichte füllt das Tiefland genau bis zu diesem Rande. Da treibt ein leiser Ostwind den oberen Schaum des Nebels über den Rand, und eine duftig zarte Woge schlägt über und wälzt sich über die grüne Platte. Sie ist aber von der strahlenden Sonne beschienen und erwärmt, und die Schaumwelle des Nebels zerfliesst und zerflattert. In kurzer Zeit kommt eine zweite brandende Welle und wiederholt das anziehende Spiel. Wir erfreuen uns längere Zeit an dem Spiele eines brandenden Nebelmeeres, da streift unser Blick wieder das Tepler Inselland. Die blauen Inseln sind grösser, breiter geworden, das Meer sinkt, es trocknet ein, und das feste Land steigt aus den Fluten im Zauber einer neuen Schöpfung. Auch wurde schon wiederholt eine Art =Alpenglühen= beobachtet: Man sah am frühen Morgen schneereicher Wintertage die rothglühenden Gipfel des Gebirges aus der nebeligen Dämmerung des Morgens aufleuchten. Auch hat man auf mehreren Gipfeln unseres Gebirges das berühmte »=Brockengespenst=« gesehen. Es wird auf dem Brocken beobachtet, wenn an einem Sommertage rings um das Brockenhaus schwerer, feuchter Nebel liegt, oder wenn an den Flanken des Berges sausende Wolkengeschwader ziehen und sich zu seltsamen Gestalten ballen, worauf sich bei besonderem Stande der Sonne der vergrösserte Schatten des Wanderers auf einer gegenüberliegenden Wolkenwand zeigt. Der Uebergang aus dem ungefähr 4½ Monate langen Lenz in den Winter ist indess auch wieder viel schneller als im tiefen Lande. Nach einigen wolken- und schneefreien und andauernd schönen Octobertagen, deren sich die Erzgebirgsbewohner gewöhnlich zu erfreuen haben, tritt der Winter mit allen seinen Unannehmlichkeiten und Schrecken sofort ein.

Im allgemeinen muss das Klima wegen der Leichtigkeit und Reinheit der Luft als ein ganz gesundes bezeichnet werden. Brustkrankheiten kommen hier trotz der oft dürftigen Verhältnisse der Bewohner äusserst selten vor, daher werden viele Orte als Schwindsuchtsasyle ganz besonders empfohlen, wie Eichwald, Ossegg, Hammer, Rothenhaus, Einsiedl, Reizenhain u. s. w. Als Merkmal der günstigen klimatischen Verhältnisse gilt der Umstand, dass man bis zu einer Höhe von 650 m Roggen und Weizen erntet; auf dem rauhen Gebirgskamme bei Gottesgab müssen sich die Bewohner mit Hafer und Kartoffeln zufriedenstellen, und auch dieser Anbau sollte unterbleiben. Der Graswuchs ist hier sehr üppig, und die Natur zeichnet den Bewohnern den Weg, den sie gehen sollen, deutlich vor. Sie sollen sich ganz der Viehzucht widmen, und die daraus resultirende Erwerbsthätigkeit durch Gründung von Milch- und Käserei-Genossenschaften heben. Erwähnenswerth ist noch, dass das prächtige Edelweis in Krima ganz gut gedeiht, daher von den Gebirgsvereinen auf dem Sonnenwirbel, wo sich Vorboten der subalpinen und selbst der alpinen Flora vorfinden, in grösserem Masse angepflanzt und dann verwerthet werden sollte.

Einwohnerzahl, Character der Bewohner.

Die Ansiedelung auf dem Erzgebirge weist die Merkwürdigkeit auf, dass sie zu den höchst gelegenen auf der ganzen Erde und insbesondere von Europa gehört. Es gibt wohl höher gelegene Orte; sie sind aber nur Herbergen für die Reisenden oder Heilanstalten, oder es sind Gasthäuser für Touristen. Nur einzelne Ansiedelungen, wie Le Locle 996 m und La Chaux de Fonds 976 m hoch, jenes mit 9000, dieses mit 17.000 Einwohnern (Uhrmacherfamilien), bilden eine Ausnahme und zeigen von einer dichten, sesshaften Bevölkerung in ungewöhnlicher Gebirgshöhe. In den Alpen steigen die Bewohner gegen den Winter zu in die Thäler hinab. Im Böhmerwalde gibt es nur zwei Ortschaften: Aussengefield und Eisenstrass mit 2000 Einwohnern, dieses 850, jenes 1077 m hoch. Auf allen Gebirgen Deutschlands, wie auf dem Harz, dem Schwarzwalde, im Thüringerwalde u. s. w. nimmt die Dichtigkeit der Bevölkerung auf der Höhenlage rasch ab. Allein auf dem Erzgebirge nimmt die Dichte der Bevölkerung mit der Höhe zu, und auf der böhmischen Seite des Kammes wohnen nach der Zählung von 1857 auf 20·7 Quadrat-Myriametern (36 Quad.-Meilen) 111.180 Menschen. Die Dichtigkeit der Bevölkerung übersteigt daher 5370 Seelen auf ein Quad.-Myriameter (über 3000 auf eine Quad.-Meile). Auf der sächsischen, weniger steil abfallenden Seite erreicht sie sogar die Zahl von 17.000 Seelen auf ein Quadrat-Myriameter. Diese Dichtigkeit der Bevölkerung und die Gründung der Städte in der Höhe von 440 bis 632 m: Wolkenstein, Thum, Zschoppau, Geyer, Zöblitz, Marienberg, Buchholz, Elster, Schwarzenberg, Marienkirchen, Adorf, Falkenstein, Schneeberg, Auerbach, Oelsnitz, Zwönitz und Schellenberg; zwischen 532--790 m: Altenberg, Frauenstein, Seyda, Annaberg, Scheibenberg, Elterlein, Grünhain, Johann-Georgenstadt, Eibenstock, Schöneck, Heinrichsgrün, Katharinaberg, Bärringen, Hengstererben, Hirschenstand, Frühbuss, Platten, Abertham, Sächsisch- und Böhm.-Wiesenthal; über 948 m ausser mehreren kleineren Ortschaften das Städtchen Gottesgab 1172 m, noch 72 m über der höchsten Spitze des Harzes, über dem Brocken und 224 m über dem Beerberg, der grössten Höhe im Thüringerwalde, -- diese zwei Umstände lassen sich nur unter Zuhilfenahme eines geschichtlichen Ereignisses erklären. Es ist diess die Entdeckung der Silbergruben bei Freiberg (1163) und bei Konradsgrün, wo jetzt Joachimsthal steht, im J. 1471. In einem Zeitraum von ungefähr 55 Jahren wurden 11 neue Bergstädte gegründet, nämlich: Schneeberg 1477, Annaberg 1496, Buchholz 1504, Joachimsthal 1516, Gottesgab, Eibenstock und Hochstadt 1517, Marienberg 1521, Scheibenberg 1522, Wiesenthal 1526 und Platten 1532. Bergbauunternehmer und Arbeiter strömten herbei; denn sie konnten nicht nur reiche Ausbeute und guten Lohn finden, die erlassene Bergordnung machte auch die Leibeigenen =frei=, sobald sie als Knappen aufgenommen wurden. Auf den Höhen des Erzgebirges wohnte die Freiheit. Noch nicht genug daran wurden die Bürger der Bergstädte von den Kaisern mit ausgedehnten Privilegien begnadigt. Diese Umstände genügen wohl, die rasche Ansiedelung auf einem rauhen Gebirge mitten im Urwalde zu erklären. Der Bergbau hat abgenommen, der Werth des Silbers ist sehr gesunken, und die Bevölkerung blieb aber doch auf den Bergen zurück. Das kann überraschen, denn es bildet eine Ausnahme von der Regel, welche wir aus den Beobachtungen ähnlicher Vorgänge an anderen Orten ableiten können. In Nordamerika verlief sich die Bevölkerung nach Ausbeute der Naphtaquellen und liess Dörfer und Städte leer stehen und die Häuser verfallen. In Peru und Chili beobachtete man eine ähnliche Erscheinung. Aus noch früherer Zeit lässt sich der ähnliche Vorgang in Spanien nachweisen. Auf den unwirthbaren Höhen des Erzgebirges blieb aber die dichte Ansiedelung zurück. Sie überdauerte alle Wechselfälle und ertrug schwere Zeiten der Noth. Sie musste wiederholt von einer Beschäftigung zur anderen übergehen. Nach Erschöpfung der Silbergruben warfen sich die Unternehmer und Arbeiter auf den Eisensteinbergbau und das Eisenhüttenwesen. Sie bauten Drahtmühlen, Blechhämmer, machten verzinnte Eisenlöffel, Nägel und Stifte. Als auch diese Gewerbe die Arbeit nicht mehr lohnten, wurde das Spitzenklöppeln eingeführt, und als alle Gewerbe stockten, zogen die musikkundigen Erzgebirgsbewohner aus und stellten Musikbanden für die Badeorte zusammen. Und so hausen sie auf den rauhen Höhen und bauen zu den alten Häusern aus Riegelwänden noch neue, festere Häuser aus Stein und Werkstätten und Fabriken und lassen sich von den rauhen Stürmen nicht fortwehen und von der Noth nicht wegdrängen. Was sie nur so festhält? =Der Zug der Natur=, welcher die Forelle in dem kristallhellen Gebirgsbache zurückhält und nicht in das trübe Flusswasser der Ebene herabschwimmen lässt. Das Heimweh allein ist's nicht. Die gesammte Bevölkerung zeichnet sich durch eine besondere Beweglichkeit des Geistes und eine vortreffliche Flinkheit und Eilfertigkeit des Leibes aus, was sie zu allen Künsten, zu allen Handwerken und Gewerben geschickt macht. In Folge dessen sind auf dem Erzgebirge eine ganze Reihe von Industrien im Schwunge: Bergbau, Eisengewerke, Gewehrfabrication, Löffel- und Messerschmiederei, Stahlwaarenerzeugung, Nadlerei, Porzellanfabrication, Spitzenklöppelei, Weiss- und Buntstickerei, Posamentierarbeiten, Handschuhmacherei, Strohflechterei, Musikinstrumentenfabrication, Spielwaarenerzeugung, Arbeiten in Papiermaché, Cartonerie, Chamotwaarenerzeugung u. s. w. Kaum eine zweite Gebirgsbevölkerung wechselt so leicht und anstellig die Arbeit und eignet sich das neue so leicht an, wie auf diesen Bergen, und dieser Anbequemung an die geänderten Verhältnisse haben sie es zu danken, dass sie die vielen Wechselfälle ihrer Geschichte in ungeschwächter Kraft auf den Bergen aushielten, an denen sie festhängen als ihrer geliebten Heimat, und zu welchen sie von ihren oft sehr weiten Flügen in die Fremde immer wieder sehnsüchtig zurückkehren.

»Bi weit rim kumma schie mei Labestoch, Ich wor in Dorf und Stoodt, wass moncha Gegend za hassen, ho viel gesah, wos 's Harz erfraia moch, Mei Arzgebirg, mei Hamet ho ich net vergassen!«

Die Geschichte hat uns an diesen Bewohnern gezeigt, wie die Menschen zwölfhundert Meter über dem Meeresniveau wachsen und gedeihen. Allgemein bekannt ist es auch, dass der Erzgebirger höflich, gefällig und sehr genügsam ist. Seine Wohnung ist einfach und noch einfacher die Kost. Frohsinn, Verträglichkeit und grosse Liebe zur Reinlichkeit finden wir überall, was den Touristen ungemein anmuthet.

Das Mineralreich.

_Das Mineralreich_ bietet auf dem Erzgebirge eine grössere Mannigfaltigkeit von Vorkommnissen als in den meisten anderen Gegenden Böhmens und Deutschlands. Wenn auch der Reichthum dieser Producte gegen den, welchen sie in vergangenen Jahrhunderten durch den Betrieb eines grossartig ausgedehnten Bergbaues spendeten, fast unbedeutend geworden ist, gegenwärtig grossentheils nur die historischen Erinnerungen und zahlreiche Halden, Pingen und andere verfallene Grubengebäude übrig sind: so ist doch das Vorhandene immer noch von hohem Interesse für die Wissenschaft.

Der ältere Bergbau war hauptsächlich auf Gewinnung von Silber und dann zunächst auf Kupfer, Zinn, Eisen und Blei gerichtet; erst später lernte man auch Kobalt und Wismuth kennen und benützen; die Verwendung des Braunsteines, des Nickels und des Urans gehört erst der neuesten Zeit an, welcher wahrscheinlich bei dem raschen Fortschritte der Naturwissenschaft und der Technik noch die Nutzbarmachung manches anderen Minerals vorbehalten ist, das jetzt unbeachtet auf den Halden liegt.

Von grösserer Wichtigkeit als der Gewinn an den genannten Metallen ist gegenwärtig der Kohlenbergbau, die Zugutemachung der Eisenkiese auf Schwefel, Vitriol und Schwefelsäure, und von besonderer Bedeutung auch die Benützung der Porzellanerde und des Feldspathes, welche hier mehrere der wichtigsten Industrie-Anstalten des Landes in's Leben gerufen haben.

Silberzechen finden sich zu Joachimsthal, Abertham, Holzbach, Arletzgrün, Breitenbach, Pechöfen, Streitseifen, Brettmühl, Zwittermühl, Gottesgab, Seifen und Weipert, dann bei Sangerberg am Tepler Gebirge.

Kupferbau wird am Eibenberge auf der Herrschaft Graslitz betrieben.

Bleierzzechen bestanden bei Brünles, Liebenau, Horn, Hartenberg, Schlesnitz, Grün, Bleistadt, Reichenbach, Pichlberg, Silberbach, Silbergrün und Weipert.

Zinnerzzechen zu Abertham, Streitseifen, Goldenhöhe, Hirschenstand, Schönfeld, Schlaggenwald, Silberbach und Königswarth.

Eisenerzzechen zu Maria-Sorg, Pfaffengrün, Hauenstein, Schönwald, Lessau, Irrgang, Neu-Hammer, Littmitz, Kodau (Chodau), Unterkodau, Putschirn, Wintersgrün, Berghaus, Neusattel, Holzbach, Ullersgrün, Granesau, Poschitzau, Grossschad, Sangerberg, Weipert, Ziditz, Thein, Unterneugrün und Graset.

Braunstein wurde am Hirschberge bei Platten und bei Frühbuss gewonnen.

Eisenkiese (Vitriol und Alaunerze) werden zum Theile noch bei Habersbirk, Char, Sorg, Mühlbach, Münchhof, Littmitz, Theim, Altsattel, Zwodau und Maierhöfen gegraben.

Braunkohlenzechen finden sich bei Janesen, Putschirn, Münchhof, Grünlas, Chodau, Unterkodau, Taschwitz, Neusattel, Zettlitz, Granesau, Littmitz, Hanschgrün, Berghaus, Grün, Russ, Graset, Wintersgrün, Motschidl, Bruckhof, Doglasgrün, Aich, Steinhof, Habersbirk, Char, Davidsthal, Lauterbach, Robertsgrün, Boden, Neukirchen, Falkenau, Zwodau, Unterreichenau, Bukwa, Theisau, Maierhöfen, Kittlitz, Lang, Haselbach, dann bei Lessau, Sodau, Premlowitz, Ottowitz, Schenkau, Rosnitz, Drahowitz, Stolzengrün, Dalwitz.

Die Gruben auf Porzellanerde, sowie die auf Feldspath bieten treffliches Material für den Betrieb der Fabriken in Massen, welche keine Erschöpfung besorgen lassen.

An trefflichen Bausteinen und Material für Steinmetzarbeiten hat das Gebiet einen Ueberfluss in der weitverbreiteten Granitbildung und den Sandsteinablagerungen; bei Graslitz wird auch etwas Dachschiefer gebrochen, ebenso fehlt es nicht an Thon für Töpfereien und Lehm für Ziegelbrennereien. Im Egerischen Gebiete werden nebst gewöhnlichem Töpfergeschirr auch das sogenannte Steinzeug, hauptsächlich Mineralwasserflaschen, dann besonders gute Ziegel erzeugt. In geringerer Menge findet sich Kalkstein. Die grosse Mannigfaltigkeit der Mineralgattungen, welche theils einen Gegenstand des Bergbaues ausmachen, theils bloss den Mineralogen interessiren, zeigt folgendes Verzeichnis mit Angabe der vorzüglichsten Fundorte; die mit »ausschliesslich« bezeichneten Gattungen sind bisher von andern Orten noch gar nicht bekannt; die als stetige Gemengtheile der Gebirgsgesteine vorkommenden Gattungen sind dabei übergangen.

Arseniksäure, zu Joachimsthal.

Glaubersalz, im Moor bei Franzensbad und in der Soos.

Melanterit, oder Eisenvitriol, im Moor bei Franzensbad.

Johannit, ausschliesslich zu Joachimsthal, höchst selten.

Gyps, krystallisirt zu Schlaggenwald.

Pharmakolith, zu Joachimsthal.

Haidingerit, zu Joachimsthal, höchst selten.

Erythrin oder Kobaltblüte, zu Joachimsthal, Platten.

Vivianit oder blaue Eisenerde, im Moor bei Franzensbad.

Skorodit, zu Schlaggenwald, sehr selten.

Flussspath, zu Schlaggenwald, ausgezeichnete Krystalle dunkelviolblau, dann zu Weipert gelb und grün.

Apatit, ausgezeichnet in sehr mannigfaltigen Krystall- und Farbenvarietäten zu Schlaggenwald, Schönfeld, ferner zu Neudeck, jedoch sehr selten.

Aragonit zu Waltsch, Nester im Basalt; die sogenannte Eisenblüte als Seltenheit zu Bleistadt; dann die zu dieser Spezies gehörigen mannigfaltigen Abänderungen der Producte der Karlsbader Thermen, als Kalksinter und Erbsenstein.

Kalkspath, schöne Krystallvarietäten, vorzüglich der sogenannte Papierspath zu Joachimsthal.

Braunspath, sehr ausgezeichnet zu Joachimsthal, dann zu Schlaggenwald.

Spatheisenstein, zu Schlaggenwald, als Seltenheit; thoniger Sphärosiderit zu Konradsgrün, bei Lessau und an mehren Orten im Braunkohlengebirge.

Scheelit oder Schwerstein, zu Schlaggenwald, höchst ausgezeichnet.

Cerussit oder Weissbleierz, zu Bleistadt, ebendort auch die sogenannte Bleierde.

Pyromorphit oder Braunbleierz, ausgezeichnet zu Bleistadt.

Olivenit (Olivenerz), zu Schlaggenwald.

Lasur (Kupferlasur), zu Schlaggenwald, Seltenheit.

Uranit, oder Uranglimmer, zu Schlaggenwald, sehr ausgezeichnet; zu Schönficht.

Urangrün, ausschliesslich zu Joachimsthal.

Uranblüte desgleichen.

Nickelocher, zu Joachimsthal.

Ganomatit oder Gänseköthigerz, zu Joachimsthal.

Eisensinter, sehr ausgezeichnet zu Platten und Bleistadt.

Kupfermangan, ausschliesslich zu Schlaggenwald, sehr selten.

Speckstein, zu Schlaggenwald, Schönfeld.

Chlorit, nierenförmig zu Schlaggenwald.

Kyanyt, breitschalig, ausgezeichnet am Gangerhäusel bei Petschau.

Phillipsit, am Hauensteiner Schlossberge im Klingstein, bei Unterlamitz im Basalt.

Mesolith, Comptonit, sehr ausgezeichnet am Hauensteiner Schlossberge.

Feldspath, orthotomer, Gegend von Elbogen, Karlsbad.

Periklin, bei Haslau.

Albit, zu Schlaggenwald, selten.

Augit, kleine Krystalle im Basalt an mehren Orten; Sahlit bei Haslau.

Amphibol im Basalttuff bei Rodisfort.

Tremolit, bei Haslau im Kalkstein.

Epidot, am Kupferhügel bei Kupferberg.

Karpholit, ausschliesslich zu Schlaggenwald.

Andalusit im Glimmerschiefer bei Alt-Albenreut, ausgezeichnet.

Korund, am Gängerhäusel bei Petschau, selten.

Topas, nette Krystallabänderungen, zu Schlaggenwald, dann Geschiebe von meergrüner Farbe in den Seifenhalden bei Frühbuss.

Berill, zu Schlaggenwald und als Seltenheit im Granit bei Neuhammer.

Quarz, schöne krystallisirte Varietäten, durchsichtig, weiss und braun, hauptsächlich zu Schlaggenwald, sogenannter Milchquarz und Rosenquarz zu Schlaggenwald und Königswarth.

Amethyst am Crudum bei Elbogen, bei Hartmannsgrün.

Opal, zu Bleistadt im Bleiglanz, zu Heinrichsgrün, Frühbuss, bei Haslau; der sogenannte Hyalith höchst ausgezeichnet bei Waltsch auf Basalt.

Kieselsinter oder schaliger Opal bei Grottensee.

Chrysolith (Olivin), im Basalt bei Duppau und an mehren Orten.

Turmalin, schwarz bei Schlaggenwald, Karlsbad, Zettlitz und an mehren Orten.

Idokras (Egeran), bei Haslau, sehr ausgezeichnet.

Granat, kleine nette Krystalle am Dillenberge, dann undurchsichtige Körner und Krystalle bei Hartenberg; im Kalkstein und Quarz bei Haslau, am Kupferhügel, bei Neudeck.

Rutil, am Gängerhäusel.

Zinnerz, höchst ausgezeichnet zu Schlaggenwald, Schönfeld; derb und eingesprengt bei Abertham und andern Orten.

Wolfram, ausgezeichnet zu Schlaggenwald.

Uranerz, Eliaszeche bei Joachimsthal, dort auch der Uranocher.

Magneteisenstein, bei Platten, Neudeck.

Rotheisenstein, rother Glaskopf, höchst ausgezeichnet auf dem Irrgange; Thoneisenstein bei Lessau, Fuchsloch und an mehren Orten.

Philomelan, oder dichtes Manganerz, dann

Pyrolusit, sehr ausgezeichnet, und

Polianit oder Hartmanganerz, bei Platten.

Arsenik, zu Joachimsthal.

Wismuth, zu Joachimsthal und als Seltenheit in Schlaggenwald.

Silber, zu Joachimsthal, Weipert.

Kupfer, als Seltenheit zu Schlaggenwald.

Nickelkies, Kupfernickel, zu Joachimsthal.

Arsenikkies, zu Schlaggenwald.

Weisser Speiskobalt, krystallisirt und gestrickt zu Joachimsthal; grauer Speiskobalt zu Joachimsthal.

Eisenkies, hexaedrischer, bei Littmitz, Joachimsthal.

Eisenkies, prismatischer, sogenannter Speerkies, höchst ausgezeichnet bei Littmitz, Altsattel, sogenannter Leberkies zu Joachimsthal.

Merkwürdig ist die Bildung von Eisenkies in den Moorlagern bei Franzensbrunn; er entsteht aus den Vitriol haltenden Gewässern durch einen Reductionsprocess, welcher durch die Vegetation herbeigeführt wird, zeigt die Gestalten von verflochtenen Wurzeln und Pflanzenstengeln, auf welchen der Kies sich niedergeschlagen hat, während die Pflanzensubstanz zerstört wurde, so dass an ihrer Stelle eine Höhlung zurückgeblieben ist.

Millerit (Haarkies), zu Joachimsthal, ausgezeichnet.

Kupferkies, ausgezeichnet zu Schlaggenwald, dann bei Graslitz.

Bornit (Buntkupfererz), als Seltenheit zu Schlaggenwald.

Silberglanz, oder Glaserz, Joachimsthal, Weipert.

Bleiglanz, bei Bleistadt, Reichenberg, Schossenreut, Frohnau; selten zu Joachimsthal.

Molybdänglanz, ausgezeichnet zu Schlaggenwald.

Sternbergit, Joachimsthal, ausschliesslich, sehr selten.

Polybasit, zu Joachimsthal.

Stefanit, zu Joachimsthal.

Blende, ausgezeichnet in Schlaggenwald, dann in Bleistadt.

Rothgiltigerz, dunkles und lichtes, höchst ausgezeichnet, vorzüglich das letztere zu Joachimsthal.

Zinnober, bei Schönbach.

Realgar, zu Joachimsthal.

Retinit, bei Habersbirk.

Steinkohle, Braunkohle, an sehr vielen Orten.

Specieller Theil.

A. Der Besuch des Erzgebirges und der angrenzenden Gebiete von Franzensbad aus.

Franzensbad.

=Gasthöfe=: Post in der Kaiserstrasse; Hôtel Hübner, Kaiserstrasse; Kaiser von Oesterreich, Ferdinandsstrasse; Britisch Hôtel, Parkstrasse; Brandenburger Thor, Karlsstrasse; Goldenes Kreuz, Hôtel Holzer, Stadt Leipzig, Kulmerstrasse; Müllers Hôtel, Salzquellstrasse; Gisela, Bahnhofstrasse. Preise: 1 fl. -- 1 fl. 50 kr.; Licht und Service 40 kr.; Suppe 12 kr., Braten 40 bis 80 kr., Kaffee im Geschirr 24 kr., -- gutes Bier und vortreffliche Weine zu mässigen Preisen.