Führer durch das böhmische Erzgebirge, das Mittelgebirge und die angrenzenden Gebiete

Part 3

Chapter 33,069 wordsPublic domain

Der weitere, nordwestlich verlaufende Zug wird gewöhnlich das Tepler Gebirge genannt; er bildet einen ausgebreiteten Rücken mit ziemlich gleichförmigen Verhältnissen seiner Abdachungen. Der westlich vom Teplthale gelegene Theil dieses Gebirges ist durch mehrere kleinere Thäler eingeschnitten, ohne dass sich jedoch die Theile als eigene Züge besonders hervorheben. Der höchste Theil desselben ist der südwestliche unter dem Namen Kaiserwald mit =der hohen Glatze= 973·5 m. Von da verläuft mit abnehmender Höhe der westliche Gebirgsabhang als natürliche Begrenzung des Egerlandes zwischen dem Roda-Bache und dem Liebau-Bache bis Königsberg, wo sein steiler Abfall das nördliche Gehänge des engen Thales bildet, welches ihn vom letzten Joche des Erzgebirges, dem Leibitsch-Kamme, trennt. Sanfter ist der Abfall des zweiten Theiles zwischen dem Liebau-Bache und Lobs-Bache, wo am Fusse des Gebirges die Thalfläche von Falkenau, das Falkenauer Land, sich ausbreitet und sich bis zum Fusse des Erzgebirges in einer Breite von 11·3 Kilom. ausdehnt. Den dritten Theil bildet der Abfall des Gebirges zwischen dem Lobsbache und dem Zechthale mit dem =Spitzberg= 821 m zwischen Lauterbach und Schönfeld und dem =Crudum= 830 m nördlich von Kohling, welche beide mächtig hervorragen. Die Gehänge dieses Gebirgstheiles fallen steil und stellenweise als schroffe Felswände in die beiden genannten Seitenthäler und in das Hauptthal bei Elbogen ab. Der vierte Theil verläuft zwischen dem Zechthale und der Tepl und wird überragt von der =Buchenhöhe= 728 m nördlich von Poschitzau und dem =Aberg= 609 m südöstlich von Aich. Derselbe gewährt eine treffliche Aussicht über den Gebirgsrücken und auf das Erzgebirge.

Der östliche Theil des Tepler Gebirges rechts vom Tepelthale ist mehr ausgebreitet als der westliche, erreicht aber nicht dessen Höhe; er hat mehr das Ansehen eines ausgedehnten Plateaus, auf welchem sich einzelne, zum Theile mehr ausgedehnte als hohe Kuppen hervorheben. Der südliche Abhang führt zum grossen Theile den Namen Buchauer Gebirge. Gegen Osten und Nordosten geht die Platte in ein aus Kuppen und höheren Rücken zusammengesetztes Gebirge über und führt zum Theil den Namen Duppauer Gebirge. Der Abfall ins Tepelthal ist schroff. Ueber das Plateau bei Engelhaus ragt der weitsichtbare und jedem Touristen bekannte =Schlossberg= empor. Dieses Gebirge erhebt sich auch steil aus dem Haupt-Thale, sowie ihm gegenüber das Erzgebirge.

Das Mittelgebirge.

Dieses Gebirge wird von der Elbe durchschnitten und in zwei nahezu gleiche Theile, einen westlichen und einen östlichen, geschieden. Der westliche Theil wird nördlich von dem Eulauer, nordwestlich von dem Teplitzer Thale, westlich von der schönen, fruchtbaren Saazer Ebene und südlich von dem Egerthale und der Ebene, in welches sich dieses verläuft, begrenzt. An seinem nördlichen Abhange wird dieser Gebirgstheil in nordöstlicher Richtung von dem Bielathale durchschnitten, und gewöhnlich wird nur der Strich zwischen dem Eger- und Bielethale das Mittelgebirge genannt, wiewohl das nordwärts der Biela liegende Gebirge bis zu den bezeichneten Grenzen, sowie das an der Ostseite der Elbe liegende Gebirgsland mit demselben ein geognostisches Ganzes bildet, von welchem das eigentliche sogenannte Mittelgebirge einen Haupttheil ausmacht.

Während dem östlichen Theile theilweise ein kettenartiger Zusammenhang nicht abgesprochen werden kann, fehlt dieser dem westlichen ganz, und besteht aus einer Anhäufung von mehr oder weniger vollkommen kegelförmigen, theils spitzigen, theils abgestumpften oder an dem Gipfel abgerundeten glockenförmigen Bergen, zwischen welchen hie und da kahle, zum Theile mächtige, klippige Felskolosse hervorragen. Die Berge stehen, besonders an den Ausläufern oder am Rande des Gebirges, wo es sich aus der Ebene hervorhebt, vereinzelt, versammeln sich dann weiterhin in kleineren und grösseren Gruppen, welche dann an den beiden Gehängen des Gebirgszuges sich sehr gedrängt gehäuft finden und in der Mitte desselben als die höchsten Berge hervorragen, worunter im eigentlichen Mittelgebirge der =Donnersberg= oder =Milleschauer= mit 815 m über der Nordsee den höchsten Punkt dieses ganzen Gebirges erreicht. Das ist der König des Mittelgebirges, ein steiler, isolierter Bergkegel aus Klingstein.

Im östlichen Mittelgebirge liegen die höchsten Berge nicht in der Mitte, sondern zumeist am Rande desselben. Die Grenzen dieses Gebirges sind: Südlich die Ebene an der Elbe, über welche sich dasselbe theils plötzlich mit grosser Steilheit erhebt, theils allmählich von derselben ansteigt und so den Fuss des eigentlichen steileren Gebirges bildet. An der Ostseite zerstreuen sich die Gebirgsmassen in einzelne Kegelberge, welche sowie nordöstlich, endlich als zusammenhängender Gebirgszug gegen das Gebiet von Bunzlau fortlaufen. Nördlich wird das Mittelgebirge durch das Granitgebirge begrenzt, und von diesem durch das Thal des Grundbaches bei Obergrund und Georgenthal geschieden, hängt jedoch damit durch den Gebirgsrücken bei Schönlinde zusammen, und seine Felsmassen finden sich auch noch in einzelnen Bergkegeln zerstreut auf dem Granitgebirge vor. Die nordwestliche Grenze bildet das Sandsteingebirge an der Elbe, wo sich auch die Felsmassen in zerstreuten Bergen im Gebiete des Sandsteingebirges vorfinden, sowie sich die des letzteren mit denen des Mittelgebirges vermengen und diese durchflechten.

Das östliche Mittelgebirge erhält verschiedene Benennungen nach einzelnen Gegenden, Ortschaften und Bergen.

In geognostischer Beziehung gehört dieses Gebirge zur vulkanischen Trappformation und ist eines der ausgedehntesten und ausgezeichnetsten dieser Art in Europa. Basalt und Klingstein bilden die Hauptmassen des Gebirges, von denen der erstere die meisten Berge, der letztere die höchsten Punkte und mächtigsten Felsmassen zusammensetzt. Der Basalt ist meistens dicht, oft auch blasig und mandelsteinartig und zuweilen in ein thoniges Gestein oder sogenannte Wakke übergehend; häufig trifft man ihn schön säulenförmig an, mit Olivin eingesprengt, oder porphyrartig durch eingewachsene Krystalle von Augit, Hornblende oder Glimmer. Auch der Klingstein hat mancherlei Abänderungen. Ausser diesen beiden eigentlichen vulkanischen Trappfelsarten erscheint auch Porphyr in einigen Gegenden und etwas seltener eine Art Grünstein, welche mit dem Basalt sehr nahe verwandt ist. Die Felsarten des Urgebirges kommen nur in einigen Gegenden in den tieferen Theilen zum Vorscheine, so im Bielathale bei Bilin und im Elbthale bei Tschernosek der Gneis.

=Das Elbgebirge=, auch wohl Sandsteingebirge an der Elbe, das böhmisch-sächsische Sandsteingebirge, und wegen seiner eigenthümlichen schroffen Formen und romantischen Thäler, die böhmisch-sächsische Schweiz genannt, erstreckt sich von den oben angegebenen Grenzen des Mittelgebirges, nämlich dem Eulauer Thale, dem Losdorfer- und Olischbache, dann dem Gebirge zwischen Kamnitz und Kreibitz, bis zum nördlichen Granitgebirge jenseits des Körnschtbaches, und über die Grenze Böhmens nach Sachsen; es wird von dem Elbthale durchschnitten und in zwei Theile getheilt. Der Theil an der linken Seite der Elbe wird fast bloss, soweit das Gebirge Böhmen angehört, vom hohen =Schneeberge= und dessen Vorbergen gebildet und erhebt sich an demselben zu seiner grössten Höhe, von welcher es sich nach dem Rücken des Erzgebirges bei Nollendorf und Peterswalde nur wenig, nach seiner nördlichen Verflachung sanft abdacht, gegen das Eulauer Thal und das Elbthal aber sehr steil abstürzt. Viel niedriger gestaltet sich der Theil desselben an der rechten Seite der Elbe, und bildet ein aus dem Elbthale sich gleichfalls mit grosser Steilheit bis zu einer Höhe von ungefähr 379 m erhebendes Plateau, welches sich nach Osten und Süden sanft gegen das sich aus demselben erhebende Mittelgebirge verflacht, eine wellenförmige Oberfläche mit einzelnen grössern Erhöhungen zeigt, und sich an der nördlichen Landesgrenze, am Winterberge und den Thorwänden, abermals plötzlich gleich einem Walle erhebt. Die Thäler, welche dieses Plateau durchschneiden und an den Abhängen des Schneeberges tiefe Einrisse bilden, haben einen eigenthümlichen Charakter; die Gehänge derselben sind steile, oft senkrecht aufsteigende zerrissene Felsenwände, welche sich zuweilen gleichsam in mehreren Stockwerken über einander erheben und deren einzelne, oft von der Hauptmasse losgerissene, sowohl senk- als wagrecht zerklüftete Pfeiler sich zu grotesken, oft abenteuerlichen Gebirgsformen gestalten, von welchen der böhmische Theil dieses Gebirges ebenso reich, als der deshalb von Lustreisenden so häufig besuchte sächsische Theil desselben ist.

Die herrschende Felsart dieses Gebirges ist der Quadersandstein, eine der jüngsten aus der Reihe der sekundären Flötzformationen. Derselbe zeigt sich bei seinem Beginn am Erzgebirge sichtbar auf dem Gneis desselben, sowie an seiner Begrenzung am nördlichen Granitgebirge auf diese Felsart aufgelagert, und Granit zeigt sich auch unter dem Quadersandsteine an einer merkwürdigen Stelle im Elbthale; an einer andern kommt auch Thonschiefer als untere Felsart vor. Von den Felsarten des angrenzenden vulkanischen Trappgebirges findet sich im Bezirke des Sandsteingebirges ein majestätischer einzelner Basaltberg, =der Rosenberg=, welcher sich über das Plateau dieses Gebirges am rechten Elbufer 299 m und überhaupt bis zu 588 m Meereshöhe erhebt.

Flüsse.

Die bedeutendsten Flüsse unseres Reisegebietes sind die =Elbe=, die =Eger= und die =Biela=.

Wir betrachten die Elbe von Raudnitz an; hier schlägt sie die nördliche Richtung ein und bewegt sich grösstentheils im flachen Lande und an dem sanften, hügeligen Gehänge, welches den unteren Fuss des Mittelgebirges an der linken Seite bildet; von Krzemusch bis Lobositz läuft sie wieder westwärts, wendet sich aber bei letzterem Orte wieder plötzlich nach Norden und tritt hier in eine Gebirgsspalte ein. In diesem engen, zu beiden Seiten von den Felsmassen des Mittelgebirges eingeschlossenen Thale, welches sich bei Libochowan auf eine kurze Strecke kesselförmig erweitert, fliesst der Strom, mit einigen Krümmungen in nördlicher Richtung bis Aussig, wendet sich daselbst nordöstlich und nimmt bei Kleinpriesen allmählig wieder die nördliche Richtung an, welche er bis zu seinem Austritte aus unserem Vaterlande beibehält. Das Stromthal geht auf dieser ganzen Strecke fortwährend zwischen Gebirgen, welche von Rongstock bis Tichlowitz an, besonders an der rechten Seite, etwas zurücktreten und so bis Tetschen dasselbe etwas erweitern; unterhalb dieser Stadt tritt der Strom in das Gebiet des »Elbsandsteingebirges« ein; das Thal wird sehr enge, die Abhänge steil, zum Theil aus senkrechten hochaufgethürmten Felsmassen und Wänden bestehend. Die Elbe verlässt Böhmen mit ihrem linken Ufer ¼ Stunde oberhalb Herrnskretschen und mit ihrem rechten Ufer ¼ Stunde unterhalb dieses Ortes. Das Gefälle des Stromes durch diesen Gebirgsweg beträgt von Leitmeritz bis Herrnskretschen (8⅜ Meilen oder 6·376 Myriameter) 28 m.

In diesem Hauptstrome Böhmens sammeln sich bei weitem die meisten Gewässer des Landes, und so gehören auch die unseres Reisegebietes nahezu alle zu dessen Flussgebiete und fliessen grösstentheils innerhalb desselben in diesen Strom. Der wichtigste darunter ist die =Eger=, welche auf dem Fichtelgebirge in Baiern und zwar am nördlichen Abhange des Schneeberges 701 m über der Meeresfläche entspringt. Den Namen Eger erhält sie erst bei Weissenstadt in Baiern; sie tritt bei dem baierischen Grenzorte Somerau an die Landesgrenze, durchschneidet das Egerland in östlicher Richtung in vielen Krümmungen, tritt aus dem Gebirge östlich von der Stadt Eger in die Thalfläche, verlässt diese bei Königsberg und durchschneidet den Gebirgskamm, welcher das Egerland im Osten begrenzt, in einem engen Thale und tritt bei Kloben in die weite Thalfläche zwischen dem Erzgebirge und Tepler Gebirge, hält sich jedoch mit ihrem Laufe mehr am Fusse des letzteren, welchen sie von Altsattel in einem engen felsigen Thale durchschneidet. Unterhalb Karlsbad verlässt sie die Thalfläche gänzlich und setzt ihren Weg in nordöstlicher Richtung zwischen dem Tepler Gebirge und dem Erzgebirge fort. Im weiteren Lauf bei Wartha wird das Rinnsal fast zur Schlucht eingeengt und verbleibt so bis Klösterle, wo sich das Thal erweitert. Auf dieser ganzen Strecke sind die Gehänge des Flussthals grösstentheils felsig und oft fallen die Felsmassen bis in das Flussbett steil ab. Unterhalb Kaaden tritt sie in das Flachland; die Gehänge des Flussthales werden allmählig niedriger und sanfter und das Thal wird weiter und verliert sich unterhalb Saaz ganz in die Ebene. Die Eger verfolgt nun ihren Weg in östlicher Richtung in kleinen Krümmungen und tritt in ein nicht sehr tiefes, in den Fuss des Mittelgebirges eingeschnittenes Thal und kommt aus demselben bei =Hostenitz= in die Ebene, um sich nach kurzem, nunmehr nördlich gerichtetem Laufe unterhalb Theresienstadt, gegenüber von Leitmeritz, mit der Elbe zu vereinigen.

Die Eger ist sehr zu Ueberschwemmungen geneigt und überführt dabei oft die Niederungen ihres Ufers mit Schutt und Gerölle.

In die Eger ergiessen sich an der linken Seite: der =Liebensteiner= Bach bei Fischern; der =Schladabach= bei Tirschnitz; der =Fleissenbach= mit dem =Sirmitzbach= bei Nebanitz; der =Leibitschbach= bei Leibitsch; die =Zwodau= bei Falkenau; sie entspringt in Sachsen, betritt unterhalb Klingenthal unseren heimatlichen Boden, verstärkt sich links in Graslitz durch den =Schwaderbach=, bei Weitzengrün durch den =Rothaubach= und fliesst bei Falkenau in die Eger; der =Chodaubach= bei Maierhöfen; der =Rohlaubach= bei Fischern; der =Tippelsgrüner Bach= bei Dalwitz; die =Wistritz=, verstärkt durch die =Weseritz=, bei Wistritz, unterhalb Schlackenwerth; die reissenden Gewässer: der =Holzbach= unterhalb Damitz; der =Mühlbach= bei Austein; der =breite Bach= bei Klösterle, welche in engen tiefen Thälern am Gehänge des Gebirges herabfliessen; der =Wernersdorfer Bach=, an der Reischhöhe entspringend, erreicht in Oberwernersdorf die Reischhöhe, fliesst durch Nickelsdorf und dann in die Eger; der =Brandbach= bei Kaaden; der Saubach, anfangs Höllenbach genannt, entspringt aus kleinen Gewässern bei Wisset und Krima, erreicht die Ebene bei Hagensdorf, in welcher er durch Deutsch-Kralupp, Priesen, Horatitz und Schisselitz und dann unterhalb Saaz in die Eger fliesst; der =Assig-= oder =Sau-=, auch =Komotauer Bach=, entsteht aus dem Assigbach und dem Komotauer Flössgraben westlich von Sebastiansberg unweit der Landesgrenze und nimmt den =Rothenhauser Flössbach= auf. Nach Vereinigung dieser Bäche in der Grundmühle bei Dörnthal fliesst dieser schon ansehnliche Bach durch den romantischen, ungemein anmuthigen Komotauer Grund nach Oberdorf herab, dann durch die Stadt Komotau, wo er in's flache Land eintritt, hier seinen Weg in einem seichten Thale in ostsüdlicher Richtung durch eine Menge Ortschaften nimmt und unterhalb Postelberg in die Eger fällt. Sein reissendes Gewässer führt eine Menge Rollsteine vom Gebirge in das Flachland herab, welche sich bis in die Gegend zwischen Komotau und Eidlitz verbreiten. Hervorragende und die Aufmerksamkeit der Touristen besonders erweckende Zuflüsse am rechten Ufer der Eger sind:

=Die Wondreb=, deren Quelle zahlreiche Riesel an dem südlichen Abhange des Dillenberges bilden, und welche sich bei Mähring in Baiern zu einem kleinen Bache vereinigen. Dieser umfliesst in einem weiten Bogen die südwestlichen Ausläufer des Dillenberges und verstärkt sich durch die davon abfliessenden Gewässer, sowie durch einige Zuflüsse aus den Ausläufern des Fichtelgebirges, tritt unterhalb Waldsassen in Böhmen ein, wo ihm an seiner linken Seite der die Landesgrenze bezeichnende =Hundsbach= zufliesst.

Der bedeutendste Zufluss links ist die =Tepel=, am Podhornberge entspringend; sie wendet sich von der Stadt Tepel nördlich und verfolgt diese Richtung in einem allmählig tiefer und enger werdenden Thale bis zu ihrem Ausflusse in Karlsbad. Erwähnenswerth sind auch: der =Flutbach=, von seinem Ursprunge bei Sangerberg der =Flössgraben= genannt, nimmt in Schlaggenwald den =Röthlinger Bach= auf und fliesst durch das felsige Zechthal nach Elbogen; der =Lobsbach= entspringt nördlich von Sangerberg und mündet bei Falkenau in die Eger; der =Aubach= bei Libotschan; der =Goldbach=, in seinem weiteren Verlaufe auch =Flöhauerbach=, bei Tyrnowan.

=Die Biela= entspringt auf dem Rücken des Erzgebirges in der Waldgegend östlich von Neuhaus. Der kleine Bach verstärkt sich noch auf dem Gebirge durch mehrere Bächlein und nimmt auf seinem Wege in einer Schlucht an dem Gebirgsgehänge herab den Uris'ner, Göttersdorfer, Rodenauer, Quinauer Bach und am Fusse des Gebirges den von Platten herabkommenden Pirkner Bach auf, tritt westlich von Görkau in die Ebene, durchfliesst diese Stadt und läuft dann in der Niederung in östlicher Richtung gegen Neundorf, wendet sich hier nordöstlich gegen Seestadtl, durchfliesst die ganze ebene Fläche in dieser Richtung bis zum Einflusse des Grundbaches, nimmt dann die südöstliche Richtung dieses Baches an und fliesst bei Tschausch und Brüx vorüber, tritt hier in das Mittelgebirge ein, durchfliesst dasselbe in nordöstlicher Richtung und fällt bei Aussig in die Elbe.

Am linken Ufer nimmt die Elbe noch den =Eulauer Bach= auf. Derselbe sammelt sich aus kleinen Gewässern, welche an den Gehängen des Schneeberges und im Mittelgebirge entspringen, und scheidet diese beiden Gebirge von einander.

Von den Gewässern, welche, zum Flussgebiete der Elbe gehörend, erst im Auslande sich mit ihr vereinigen, sind nur wenige, welche in der Folge zu bedeutenden Bächen und kleinen Flüssen anwachsen; die meisten sind bloss unbedeutende Gebirgsbäche, welche nach kurzem Laufe dem Strome zueilen. Unter den ersten sind zu merken: die =Mulde=, welche ihre Quelle bei Graupen hat und sich als östliche oder freiberger Mulde mit der westlichen oder zwickauer bei Kolditz in Sachsen vereinigt; die =Weisseritz= und die =Müglitz=.

Erwähnenswerth sind auf der Nordabdachung noch folgende Gewässer: =Der Schweinitzbach=, fliesst zwischen Böhmisch- und Deutsch-Einsiedel, zwischen Gebirgs- und Deutsch-Neudorf, wendet sich hier nordwestlich bei Katharinaberg vorüber nach Brandau zu. Bei Grünthal vereinigt er sich mit dem =Natschungbach=; dieser entspringt südwestlich von dem Dorfe Natschung, bildet von da bis Grünthal die Landesgrenze, nimmt den Kallich-Töltsch-Brandauer-Bach auf und bildet mit der Schweinitz die =Flöhe=.

Der =Schwarzwasser-Bach= entspringt an der Ostseite des Hassberges, fliesst in nord-nordöstlicher Richtung längs der Landesgrenze durch Ulmbach, Reizenhain, Kühnheyde (Kienhaide) nach Sachsen. Der =Pressnitz-Bach= hat seine Quelle an der Nordseite der Reischhöhe, fliesst durch Reischdorf, Pressnitz und Christofhammer und bezeichnet auf einer kurzen Strecke die Grenze. Bei Pressnitz verstärkt sich das Wasser mit dem Dörnsdorfer Bache.

Der =Schwarz-= oder =Pleil-Wasserbach= entspringt unweit des Keilberges in der Gemeinde Stolzenhan, erreicht im Südwesten die Gemeinde Schmiedeberg, durchfliesst die Schmiedeberger Thalmulde von Südwest nach Nordost, tritt dann unter dem Namen Pleilwasserbach in die Gemeinde Pleil und dann nach Sachsen über.

Der =Gränzbach=, an der Nordseite des Keilberges entspringend und mit seinem Laufe bei Wiesenthal und Weipert auf einer Strecke von mehr als zwei Meilen die Landesgrenze bezeichnend, fliesst unter dem Namen =Pöhlbach= gegen Wolkenstein in die Zschoppau; das =Schwarz-Wasser= entspringt am Fichtelberge, fliesst bei Försterhäuser und Seifen vorbei und vereinigt sich bei Johann-Georgenstadt mit einem von Platten kommenden Bache und ergiesst sich, ein herrliches Thal bildend, in die Zwickauer Mulde. In Böhmen entspringt noch die =weisse Elster=, welche in nördlicher Richtung das Land verlässt und erst im Nachbarlande an Bedeutung gewinnt.

_Klima._ Das Klima ist feucht, regenreich, mässig kühl und gleichmässig. Die Niederschläge und Luftfeuchtigkeit unterliegen grösseren Schwankungen als im Böhmerwalde, weil die Massenerhebung der Berge nicht bedeutend genug ist, um ein ganz selbstständiges, von den wechselnden Einflüssen der baierischen Hochebene im Südwesten und des norddeutschen Tieflandes unabhängiges Klima zu erzeugen. Der Winter ist sehr lang, sieben bis acht Monate in den oberen Höhen dauernd. Die vier bis fünf Sommermonate tragen ganz das Gepräge des Frühlings. Die Luft ist -- wenige, besonders schwüle Tage im Juli und August ausgenommen -- selbst während der Mittagsstunden und bei sonst schönem Wetter angenehm kühl. Von allen Seiten strömt uns der Wohlgeruch von duftenden Kräutern und von den harztriefenden Fichten und Tannen entgegen, welche die reine Gebirgsluft so stark würzen, dass wir tiefathmend die Lungen wie durstige Trinker anfüllen, von der Natur getrieben, die uns anreizt, hier unser Blut zu erfrischen. Der Boden ist theils wegen der Grundfeuchtigkeit vom Winter her, theils wegen seiner schwammigen Beschaffenheit, mittelst welcher er die Feuchtigkeit der Atmosphäre so leicht an sich saugt, vielfach nass und sumpfig. Die Bergbäche sind daher reich und schwellend; dazu der bunte Schmelz der blühenden Pflanzen, die in verschiedener Aufeinanderfolge hervorbrechen und wieder verschwinden, und die ausserordentlich üppige Vegetation an den Abhängen der Berge und in den Thälern: das alles begünstigt die Idee eines im Vergleich mit dem Unterlande viel längeren und wonnereicheren Frühlings. Während im Monate August im Innern unseres Heimatslandes alles grösstentheils vergilbt ist, steht im Erzgebirge alles noch in der schönsten und üppigsten Fülle.