Führer durch das böhmische Erzgebirge, das Mittelgebirge und die angrenzenden Gebiete
Part 26
3. _Die *Dekanalkirche zu Allerheiligen_ nächst dem Stadtplatz. Eine besondere Erwähnung verdient das in der Kirche beim Seitengange stehende zinnerne Taufbecken aus dem Ende des 15. Jahrhunderts, eines der schönsten Werke dieser Art in Böhmen. Unmittelbar an der Kirche erhebt sich der mächtige _Stadtthurm_, 53 m hoch. Sein Inneres birgt ein wahres Meisterwerk der Holzbaukunst, den gewaltigen Glockenstuhl, der vom Grund des Bodens ganz frei ohne jede Verbindung mit der Mauer aus Eichenholz hergestellt ist. Er trägt 7 Glocken, von denen die grösste 81 Centner, die nächste 47 Centner wiegt. Von der Gallerie des Thurmes aus bietet sich eine _herrliche *Aussicht_ über die Stadt und ihre Umgebung dar.
4. _Das *Kelchhaus am Stadtplatz_, erbaut von dem reichen utraquistischen Bürger Johann Mraz von Mileschowka und um 1584 vollendet. Von dem kelchartigen Thurme, dem utraquistischen Symbole, der seitdem ein weithin sichtbares Wahrzeichen der Stadt geblieben ist, geniesst man ebenfalls eine _weite *Rundsicht_. Nach dem dreissigjährigen Kriege wurde das Kelchhaus als Proviantmagazin benützt, daher noch der heutige Name desselben, Provianthaus. Gegenwärtig ist in demselben -- allerdings nicht besonders zweckmässig -- die städtische Mädchen-Volks- und Bürgerschule untergebracht. In einem Parterrelocale befindet sich auch _das *Gewerbemuseum_, das recht interessante Gegenstände aufweist.
5. _Die Schulpaläste_, nämlich die Communal-Oberrealschule und das k. k. Obergymnasium in den Anlagen, haben wir schon weiter oben besprochen.
6. _Der Dom._ Die Bauten des Domes erheben sich auf einem Hügel, zu dem man durch die Domgasse von der Stadt aus gelangt. Nach Erhebung zum Bisthume legte der erste Bischof Maximilian Rudolf von Schleinitz den Grundstein zur gegenwärtigen _*Cathedrale_, welche von dem zweiten Bischof Franz Grafen von Sternberg 1681 eingeweiht wurde. Die Domkirche ist im nüchternen Baustyle des 17. Jahrhunderts aufgeführt. Mit einem gedeckten Gang ist mit dem Dom _die bischöfliche Residenz_ verbunden. Dieselbe enthält ausser einer ziemlich umfangreichen Bibliothek auch eine Sammlung _*werthvoller Gemälde_, die vom gegenwärtigen hochw. Bischof Dr. Ludwig Anton Frind zum Theil restaurirt worden sind. Ferner erheben sich auf dem geräumigen Domplatze _das Consistorialgebäude_, kenntlich durch das an demselben angebrachte Wappen des Bischofs M. A. von Lachsen usw.; endlich die aneinander gereihten Wohnungen der einzelnen Domherren. _Die Lage der bischöflichen Residenz_ gewährt eine weite und ungemein _reizende *Aussicht_ auf den ganzen Lauf der Elbe von Raudnitz bis Lobositz, wo sie sich nordwärts in's Gebirge wendet, sowie auf den grössten Theil der Stadt und der jenseits derselben und am linken Ufer der Elbe sich ausbreitenden Fluren zwischen dem Mittelgebirge und der Eger.
7. _*Elbschlossbrauerei._ In der That wie ein stolzes Elbschloss thront auf einem Plateau an der Elbe die Elbschlossbrauerei, der wir schon oben Erwähnung gethan haben. Sehenswerth ist die schöne geräumige _*Braustätte_, mit ihrer kühnen Wölbung, ferner die grossartigen _Kellerräume_, die mit ihren labyrinthartigen Gängen eine kleine unterirdische Stadt bilden. _Die *Gartenrestauration_ mit den schattigen Kastanienbäumen, sowie dem amerikanischen _*Pavillon_ gewährt einen recht angenehmen Aufenthalt während der schönen Sommertage. _Herrliche Aussicht!_
8. _Das bischöfliche Seminar_, welches in dem ehemaligen Jesuitencollegium untergebracht ist, ist mit der Kirche Maria Verkündigung, für gewöhnlich Jesuitenkirche genannt, verbunden. In einer Nische unterhalb der Bogenwölbung an der sogenannten Jesuitenstiege erhebt sich das Denkmal des vaterländischen Dichters Josef Emanuel Hilscher, der am 22. Jänner 1806 in Leitmeritz geboren wurde und nach einem unglücklichen Soldatenleben im Mai 1837 als Feldwebel starb.
9. _Das Kapuzinerkloster_ mit der Kirche der heil. Ludmilla am Kapuzinerplatz.
10. _Das Dominikanerkloster_ mit der Kirche des heil. Jakob in der Dominikanergasse.
11. _Die Kirche des heil. Adalbert_ in der Vorstadt Sasada.
12. _Die Kirche des heil. Wenzel_, während der Pest 1713 in Folge eines Gelübdes von dem italienischen Baumeister Broggio im italienischen Renaissancestyl erbaut, später aufgehoben und als Getreideschüttboden benützt, seit 1852 wieder dem Gottesdienste geweiht.
13. _Die Kirche des heil. Johann des Täufers_ unterhalb des Domhofes in der Rudolfsgasse an der Nordwestbahn, 1465 gegründet, im dreissigjährigen Kriege zerstört und 1682 wieder hergestellt.
14. _Das Marien-Hospital_ an der Schüttenitzer Strasse, im Jahre 1845 vom Bischof Augustin Bartholomäus Hille erbaut.
15. _Die alte Sct. Georgskirche_ nächst dem Domhofe, oberhalb der Vorstadt Fischerei auf einem Hügel gelegen, von Leitmeritzer Fischern gegründet und zur Pfarrkirche der Vorstadt Fischerei bestimmt. Auf dem Friedhofe rings um die Kirche wurden die Leitmeritzer Fischer beerdigt; jetzt erhebt sich dort die dem Leitmeritzer Bürger Baschta gehörige Villa Georg.
Wenn wir nun noch
16. _die Elbebrücke_ erwähnen, so haben wir die bedeutendsten Bauten und Sehenswürdigkeiten von Leitmeritz angeführt. Der Bau der gegenwärtigen ärarischen Eisenbrücke, nach Schiffkorn'schem System construirt, wurde 1857 bewilligt und 1858 bis 1859 vollendet.
Spaziergänge:
(Bis zu 2 Stunden.)
Ehe wir daran gehen, die Umgebung von Leitmeritz, die an Naturschönheiten so reich ist, aufzusuchen, müssen wir vor allem dem Lieblingsspaziergange der Leitmeritzer, der lieblichen _*Schützeninsel_, in unmittelbarer Nähe der Stadt, einen Besuch abstatten. Die Schützeninsel ist zum grössten Theile mit herrlichen Bäumen, darunter mehrhundertjährigen majestätischen Eichen bewachsen und wurde in den letzten Jahren durch die Fürsorge des im Jahre 1868 gegründeten Anpflanzungsvereines zu einem Parke umgestaltet, der selbst einer Grossstadt zur Zierde gereichen würde. In der Mitte der Insel befindet sich das mit einer Restauration verbundene Schützenhaus.
_*Die Radebeule_, auch Radobyl genannt, ist jener mächtige Basaltkegel im Westen der Stadt, welcher mit dem ihm gegenüberliegenden Lobosch gewissermassen die Wache am Eingange der böhmischen Schweiz hält. Ein gewaltiges gusseisernes Kreuz krönt den Berg, von dessen Gipfel man eine herrliche Rundsicht über einen grossen Theil des nordwestlichen, sowie des mittleren Böhmen geniesst. Ein gut gangbarer Weg führt von Leitmeritz aus auf den Berg, dessen Fuss von Reben umrankt wird.
Nördlich von der Radebeule erhebt sich der _*Kamaiker Eisberg_. Von Leitmeritz gelangt man in einer Stunde auf der Kamaiker Strasse nach dem Orte Kamaik mit der Burgruine gleichen Namens. Oberhalb dieser Ruine, die weithin in's Elbethal sichtbar ist, liegt der erwähnte Eisberg, merkwürdig dadurch, dass man in heissen Sommertagen, besonders nach einem Regen, in den vom Steingerölle umgebenen Gruben Eis findet. Am nördlichen Abhange des Eisberges steht, eine anmuthige Idylle bildend, die Kapelle des heil. Johannes des Täufers in der Wüste, von wo aus, unter den Aesten mächtiger Eichen hinweg, das Auge über eine prächtige Elbelandschaft zu schweifen vermag. Die Aussicht ist besonders nach Süden und Südosten reizend. Von Kamaik kann man nun entweder den Abstieg zur Elbe nach Gross-Tschernosek oder auch nach Libochowan nehmen.
_Gross-Tschernosek_ liegt in der Richtung gegen Milleschau und ist berühmt wegen des dort gebauten Weines. Unter dem Namen »Tschernoseker« kommt eigentlich aller im Leitmeritzer Elbegau producirte Wein in den Handel. Eine Sehenswürdigkeit in Tschernosek bildet der _*gräfl. Nostiz'sche Weinkeller_, der horizontal in den Berg hineingebaut ist. Dieser Keller stammt zum Theil aus dem 13. Jahrhundert und zeichnet sich durch seine riesige Ausdehnung aus. 50.000 Eimer Wein vermögen darin ganz gut untergebracht zu werden. Durchschnittlich enthält er 8000 Eimer.
_Nach Libochowan_ führt von Kamaik aus eine Fahrstrasse über das obstbaumreiche Dorf Rschepnitz zur Elbe. Bei Libochowan befinden sich Wälle aus der Keltenzeit, wie auch in der Nähe des genannten Dorfes vor einigen Jahren Heidengräber entdeckt wurden. Zwischen Tschernosek und Libochowan erhebt sich an der Elbe _der Dreikreuzberg_.
Sehr beliebte und sehr besuchte Ausflugsorte sind die Einsiedelei _*Skalitz_, die _Villa *Mentau_ und _*Kundratitz_. Wir können alle drei Punkte in einem auf einen Nachmittag berechneten Spaziergange besuchen. Unser erstes und nächstes Ziel sei die Einsiedelei Skalitz, welche dort am Bergesabhange zwischen grünen Waldbäumen hervorlugt. Wir können entweder den Weg über das nahe Pokratitz in nördlicher Richtung einschlagen, um am Bachesrande im schattigen Thale vorwärts zu schreiten, oder wir können auch auf der bequemeren, von zwei Obstbaumalleen begrenzten Schüttenitzer Strasse über das zwischen Obstbäumen gelegene Dorf Schüttenitz, welches das mildeste Klima in Böhmen besitzen soll, die Skalitzer Höhe erreichen. Die so anmuthige Einsiedelei ist gegenwärtig von einem Förster bewohnt, bei welchem man einen ganz guten Kaffee, sowie Bier u. s. w. erhält. Unweit des Försterhauses streckt ein kleines Kirchlein seinen Thurm in die Höhe, und unterhalb des Hauses zeigt man eine Höhlung in Sandsteinfelsen, welche dem Einsiedler als Wohnung diente. Natürlich geniesst man von hier eine prachtvolle Fernsicht auf die weite Ebene, durch welche sich der Elbstrom schlingt.
Etwas höher und westlich von Skalitz blickt die _Villa Mentau_ vom Bergesabhange in's weite Thal hinab. Diese Villa wurde erst im Jahre 1878 von dem Herrschaftsbesitzer und Grossindustriellen Edlen von Schroll in Liebeschitz, dem Besitzer des Waldes, welcher diese Höhen schmückt, mit einem Kostenaufwande von 40.000 fl. erbaut und dient ebenfalls einem Förster, der gleichzeitig Restaurateur ist, als Wohnung. Unten in der Thalschlucht, dem Melbiner Thale, verborgen hinter mächtigen Bäumen, klappert die Melbiner Mühle, wo man auch leibliche Stärkung erhalten kann, und an unser Ohr dringt das einförmige und doch so anheimelnde und wohlthuende Rauschen des klaren Gebirgsbaches, der sich durch dichtes Gebüsch über Stock und Stein seinen rauhen Weg gebahnt.
Doch wir müssen weiter; noch einen Blick auf das grosse und schöne Panorama zu unseren Füssen, und wir setzen unseren Bergstock wieder fest auf, um über Wiesen und Fluren und durch den schattigen Wald den Bergesrücken zu erklimmen, hinter welchem ein wahres Kleinod des böhmischen Mittelgebirges verborgen liegt, wir meinen die Sommerfrische _*Kundratitz_. Hier sei erwähnt, dass man von Mentau aus auch auf den Berg _Hradisken_ gelangen kann, der sich durch eine schöne Rundsicht auszeichnet. Unser Ziel ist jedoch, wie gesagt, Kundratitz. Zwischen den Waldbäumen sehen wir nach halbstündiger Wanderung, nördlich von Mentau, die Villa »Henriettenruh« hervorschimmern und bald ruhen wir im Schatten des Waldes, unmittelbar an der Villa, von unserem immerhin etwas anstrengenden Marsche aus. Man kann Kundratitz auch von einer anderen Seite von Leitmeritz aus erreichen, indem man auf der Strasse über Pokratitz nach Hlinay geht, wobei sowohl Skalitz als Mentau rechts liegen bleiben. Nachdem wir uns gestärkt, betreten wir die Terrasse der Villa und erquicken unser Herz an der überraschend schönen Fernsicht, die man von hier aus geniesst. Ein landschaftliches Bild, wie es lieblicher, prächtiger nicht gedacht werden kann, eröffnet sich da vor unseren Augen; mehr als dreissig kegelförmige Bergspitzen des Mittelgebirges, mit dem Vater »Milleschauer« in der Mitte, erheben sich in den duftigen Aether, während im Vordergrunde sich das _Tlutzner_ Thal, eingeschlossen von grünen Waldesflächen, mit seinen tausenden von Obstbäumen, aus denen die Dächer der Orte Kundratitz und Tlutzen verführerisch hervorlugen, ausbreitet. Fürwahr, es ist entzückend schön, dieses Landschaftsbild und immer und immer wieder schweift der Blick wie trunken über diese anmuthigen Scenerien, die ihres Gleichen nicht bald wieder haben.
Sind wir einmal 599 m über der Meeresfläche, so können wir auch noch etwas weiter steigen und dem in einer guten Viertelstunde erreichbaren _Warhorscht_ einen Besuch abstatten. Von diesem ringsherum frei dastehenden Berggipfel ist die Rundsicht eine vollständige, aber auch eine grossartig schöne. Von hier aus überblickt man das Teplitzer Thal und das ganze herrliche Thal von Aussig, Kulm bis Teplitz, weiter Dux, Ossegg u. s. w. Der schwarze Maulwurfshügel in der Ebene ist der Teplitzer Schlossberg, der uns leider die alte Thermenstadt verdeckt.
Dort oben am Kamme des Erzgebirges winkt das Mückenthürmchen herüber, während weiter im Norden die Nollendorfer Kirche sichtbar wird. Recht deutlich bemerkt man auch den hohen Schneeberg bei Bodenbach. Mehr im Vordergrunde windet sich die Elbe durch die Berge, und soeben sehen wir vor uns in der Tiefe den Dampfer in Salesl landen. Nördlich, wo die Elbe in den Bergen verschwindet, klebt nett und winzig der Schreckenstein, der uns nicht gestattet, mehr als bloss einige Häuser der gewerbefleissigen Elbestadt Aussig zu sehen. Gegen Nordosten schimmern in blauer Ferne die Berge des Isergebirges und vom Jeschken bei Reichenberg ragt der Gipfel, für unser Auge sichtbar, gegen den Himmel. Wenden wir uns nunmehr gegen Süden, so ist die Landschaft eine ganz veränderte; eine meilenweite Ebene erstreckt sich nach Süden, in welcher sich bei Raudnitz der Říp und einige weniger bedeutende Höhen erheben. Es würde zu weit führen, wollten wir hier eine ausführliche Schilderung dieser wundervollen Rundsicht, die in dieser Gegend jedenfalls nur von jener des Milleschauer übertroffen wird, wiedergeben.
Kundratitz gewinnt als Sommerfrische von Jahr zu Jahr an Beliebtheit und sind es Familien aus Dresden, Berlin, Prag usw., die mehrere Wochen des Sommers in stiller Abgeschiedenheit hier zubringen.
Ein von Kundratitz in einer guten halben Stunde zu erreichender Aussichtspunkt ist die _*Wache_, ein Gebirgsvorsprung unterhalb des Warhorscht, mit einem herrlichen Einblick in's Elbethal. Ein weiterer Spaziergang von Kundratitz aus ist _das lange Loch oder der Höllengrund_, ein Felsenabsturz rechts von der Strasse nach Tschersing. Das Dorf Tschersing ist in ¾ Stunden von Kundratitz zu erreichen. Von hier führt eine romantische Thalschlucht zum Elbethal gegen Sebusein.
Eine Reihe prächtiger Waldpartien, die freilich noch weniger bekannt sind und von Fremden ohne Führer nicht gemacht werden können, lassen sich von Skalic aus unternehmen. Wir nennen hier Neuhof, die Tetschner Aussicht und das Dorf Babina.
_Grössere Partien_: Wer einen ganzen Tag aufwenden will, ohne sich dabei anzustrengen, dem ist die Partie nach Triebsch zu empfehlen.
Von Leitmeritz aus schlagen wir die Aerarialstrasse nach _Trnowann_ ein. Hinter diesem Orte führt die Strasse über den _*Weissen Berg_, welchen bereits in diesem Jahre ein Standbild Kaiser Josefs II. krönen wird, das die Landwirthe des Ploschkowitzer Thales dem grossen Volkskaiser zu errichten gedenken. Von der Höhe des Weissen Berges bietet sich dem Beschauer ein reizendes landschaftliches Gemälde dar. Ueber Leitmeritz hin breitet sich die weite Ebene aus, die von den Bergen des Mittelgebirges begrenzt wird, während in der Richtung gegen Ploschkowitz, das Ploschkowitzer Thal, mit seinen überaus fruchtbaren Fluren, seinen ungezählten Obstbäumen und den Bergeshöhen wie ein Schmuckkästchen der Natur daliegt. Wieder am Fusse des Hügels angelangt, weichen wir links von der Auschaer Strasse ab und schlagen die Bezirksstrasse nach _*Ploschkowitz_ ein, das wir in einer Viertelstunde (von Leitmeritz 1½ St.) erreichen. Ploschkowitz besitzt ein prächtiges kaiserliches Schloss mit einem Parke im französischen Styl.
Wir wenden uns nördlich über Techobusitz gegen Triebsch, das sich anmuthig am Fusse des Kelchberges ausbreitet und das zweit grösste Dorf des Leitmeritzer Bezirkes ist. (3 Stunden von Leitmeritz.) _Der Kelchberg_ steigt in 2 Terrassen auf; er ist bequem zu besteigen und bietet eine schöne Aussicht nach allen Richtungen. Im Orte Triebsch befindet sich ein Herrenhaus mit einem sehr hübschen Parke.
Den Rückweg nach Leitmeritz schlagen wir über Kudeslawitz ein. Dieses Dorf liegt am südlichen Abhange der »Dreiberge« und erfreut sich schöner Waldungen, die von Strassen durchschnitten werden, so dass der Wald einen parkähnlichen Charakter erhält. Am Bergabhange führt die Strasse über Pohorschan nach Schüttenitz und von da nach Leitmeritz. Von Pohorschan windet sich die Strasse zwischen dem langen Berge und dem Goldberge hindurch.
Wenn man nun die Trnowanner Strasse, statt unterhalb des Weissen Berges abzuzweigen, weiter einschlägt, so gelangt man nach dem Marktflecken Liebeschitz (2½ St. von Leitmeritz) mit einem herrschaftlichen Schloss und Park des Edlen von Schroll. In einer guten halben Stunde erreicht man die Stadt _Auscha_, bekannt durch ihren Hopfenhandel.
Nördlich hievon liegt der _*Geltschberg_, der höchste Berg der Gegend. Am Fusse desselben befindet sich die Kaltwasseranstalt _*Geltschbad_ mit schönen Spaziergängen und Waldpartien. (1 Stunde von Auscha.)
Unweit hievon das Städtchen Lewin (1 Stunde von Auscha) auf einer Anhöhe gelegen, zeichnet sich durch einen regen Handel und Gewerbefleiss aus.
Von Auscha eine Stunde entfernt, ist die Burg _Hradek_; ferner ist zu erwähnen das Dorf Konojed (1 Stunde von Auscha), mit Schloss, einem ehemaligen Kloster und Garten.
Unweit von Konojed erhebt sich der _Eichberg_, an dessen Ostseite ein interessanter Basaltsteinbruch mit schiefliegenden Basaltsäulen sich befindet.
In derselben Richtung liegen _Graben_ und _Drum_. Im letzteren Orte ist ein bischöfliches Schloss.
Eine Partie, die man per Bahn unternehmen kann, ist die nach _Liboch_ a. d. Elbe. Liboch zeichnet sich durch hervorragenden Weinbau aus. Romantisch ist das östlich gelegene Thal _Kokorschin_.
Eine grössere Partie über das Mittelgebirge bildet die von Leitmeritz nach _*Grosspriesen_, und kann man zwei Wege einschlagen. Die erste Tour hält sich an die Strasse, welche über Schüttenitz, Pohorschan, Stankowitz, Ritschen und Proboscht, wo sich in einer Felsenschlucht die romantische Kaisermühle befindet, in das Grosspriesner Thal führt. Dieser Weg ist ungemein anziehend, da er lange Strecken durch herrliche Forste hinzieht. Im Grosspriesner Thal sind bei Salesl die Kohlenwerke bemerkenswerth. Der Bergverwalter Herr Kastelly besitzt eine reiche mineralogische Sammlung, die er Besuchern gern zeigt.
Der zweite Weg ist schwer zu finden und kann nur zu Fuss zurückgelegt werden; er zieht sich über Skalitz, Neuhof, den Hohenstein und die Tetschner Aussicht nach Proboscht.
Es liessen sich noch mancherlei herrliche Partien in der Umgebung von Leitmeritz anführen, allein dieselben sind zu wenig bekannt und von Fremden nicht so leicht auffindbar. In diesem herrlichen Gau hätte ein Gebirgsverein eine grosse und schöne Aufgabe zu erfüllen, und wir wollen hoffen, dass es doch noch gelingt, dieses schöne Stück Erde dem Touristenstrom zu erschliessen.
Aussig.
=Eisenbahnen=: 1. _Oesterreichische Staatsbahn-Linie_: Aussig-Bodenbach-Dresden; Aussig-Prag-Wien. 2. _Oesterreichische Nordwestbahn_, rechtes Elbeufer -- nach _Tetschen_ in 50, nach _Leitmeritz_ in 50 Minuten. 3. _Aussig-Teplitzer Bahn_ -- nach Teplitz (40 Min.), Dux-Bilin-Brüx-Komotau und Anschluss nach Karlsbad-Eger. 4. _Bielathal-Bahn_, Bahnhof in der Nähe der chemischen Fabrik, nach Bilin-Sauerbrunn in 2 Stunden.
=Dampfschifffahrt= gegen Leitmeritz und gegen Tetschen, Herrenskretschen, Schandau, Dresden.
=Gasthöfe=: »Goldene Krone« am Marktplatz, »englischer Hof« in der Lindenstrasse, »Goldener Engel«, »Stadt London«, »Stadt Prag« am Markt, Hohes Haus« bei der Bahn.
=Restaurationen=: Belvedere- und Dampfschifffahrts-Restauration mit schöner Aussicht; Schmidt's Restauration und Garten, grosse Wallstrasse, Elisium mit Garten, Ostervorstadt; Ferdinandshöhe auf einem Vorsprung des Galgenberges mit prächtiger Aussicht.
=Post- u. Telegrafenamt. -- Buchhandlung.=
_Aussig_ liegt am linken Elbeufer, an der Mündung der Biela in die Elbe, sowie am Fusse des Střezowitzer und des Marienberges, welcher letztere, aus Klingstein bestehend, wegen der mannigfaltigen Mineralien merkwürdig ist. Vom Gipfel desselben geniesst man eine herrliche Aussicht in das Elbthal und die Gebirgsketten diesseits und jenseits des Stromes, von dessen Ufern sich der Marienberg fast senkrecht erhebt. Unmittelbar über der Stadt erhebt sich _*die Ferdinandshöhe_ mit prachtvoller Aussicht (früher waren hier die Ruinen der Burg Witrusch).
=Geschichtliches=: Die Gründung der Stadt soll schon im J. 827 erfolgt sein. Im Jahre 1277 wurde sie der Krone von Böhmen einverleibt, 1282 an Otto von Brandenburg abgetreten und vom Kaiser Rudolf von Habsburg der böhmischen Krone wieder zurückgegeben.
Während des Husitenkrieges verpfändete Kaiser _Sigmund_ die Stadt an die Meissner, was eine grosse Erbitterung in Böhmen hervorrief und eine Belagerung der Stadt zur Folge hatte. Ein meissnisches Ersatzheer wurde zwar am 16. Juni 1426 vollständig besiegt, allein die Stadt dabei so eingeäschert und verwüstet, dass sie drei Jahre lang ganz verödet blieb. Ein zweites, trauriges Loos traf die Stadt am 8. Mai 1538, wo ein grosser Theil derselben sammt der Stadtkirche in Flammen aufging. Ferdinand I. gab der Stadt Aussig für die Treue, welche sie ihm gelegentlich der Zwistigkeiten zwischen Karl V. und dem Kurfürsten _Johann Friedrich_ von Sachsen bewies, nebst vielen anderen Vorrechten auch Sitz und Stimme im Landtage. Während des 30jährigen Krieges wurde Aussig 1631 von sächsischen Truppen verwüstet und in Brand gesteckt, dagegen ist es während des 7jährigen Krieges und bei dem Einfalle der Franzosen im J. 1813 von grösseren Unglücksfällen verschont geblieben.
In neuester Zeit ist die Stadt durch ihre äusserst günstige Lage an der schiffbaren Elbe, in unmittelbarer Nähe des ausgedehnten, reichhaltigen nordwestböhmischen Braunkohlenbeckens, durch die zahlreichen Eisenbahnen ein bedeutender Handels- und Industrieplatz geworden. Die Einwohnerzahl ist seit 1869 bis zum 31. Dezember 1880 von 10.000 über 16.000 gestiegen. Die im J. 1857 von einer Actiengesellschaft gegründete _chemische Fabrik_ für chemische und metallurgische Production ist eine der grössten Europas und beschäftigt über 1300 Arbeiter. Sie liefert Schwefelsäure, Sulfate, Salzsäure, Superphosphate u. s. w., besitzt eine eigene Gasanstalt, welche auch die Stadtbeleuchtung besorgt, eine Dampfziegelei u. s. w. Der Flächenraum des Fabriksgebietes beträgt 58 Hekt. An Arbeitslöhnen wird wöchentlich die Summe von 12.000 fl. ausgezahlt. Der Kohlenverbrauch belief sich im Jahre 1880 auf 12.734 Waggon zu 11 Tonnen.
Weitere industrielle Etablissements befinden sich hier: eine Lederfabrik, zwei Siderolithwaarenfabriken, Baumwollspinnerei, Glasfabrik, Paraffinfabrik, Webewaarenfabrik, Bandfabrik u. s. w. Viele Braunkohlenniederlagen. Die Kohlenverfrachtung auf der Aussig-Teplitzer Bahn grossartig.
In Aussig wurde am 12. März 1728 während eines vorübergehenden Aufenthaltes seiner in Dresden wohnhaften Eltern _Anton Raphael Mengs_ geboren.