Führer durch das böhmische Erzgebirge, das Mittelgebirge und die angrenzenden Gebiete

Part 23

Chapter 233,488 wordsPublic domain

Geht man nun von dem Kirchlein, das Gesicht zur Elbe gewendet, rechts ab, so gelangt man auf einem mehrfache hübsche Aussichten bietenden Wege zur Eisenbahn- (Staatsbahn) und Dampfschifffahrtsstation Praskowitz. (Der ganze Weg von Tschochau etwas über 3 Stunden.) Freunden romantischer Aussichten, auf allerdings etwas beschwerlichen Wegen, seien die Touren empfohlen von Tschochau über _Suchey_ nach _Höben_ und von da entweder über _Qualen_ nach _Salesl_ (Station d. Staatsb. und des Dampfschiffes) oder auf das gegenüberliegende Ufer, eine kleine ¼ Stunde elbeabwärts nach Sebusein (Station der Nordwestb. und des Dampfschiffes). (Der ganze Weg bequem 3 Stunden.) Auch führt von Stöben ein Weg, der landschaftliche Schönheiten bietet, über den Rücken des _Glaberberges_ und dann in einer Thalsenkung über die kleinen Ortschaften Elbogen und Augiesel oder auf der Strasse durch den Wald nach Türmitz (2 gute Wegstunden). Der erwähnte Glaberberg bildet jene steilen, von den Fahrgästen des Dampfschiffes oft bewunderten Wände des Elbthales, die bei dem kleinen Oertchen Wannow, dem letzten am linken Elbufer vor Aussig, eine besonders interessante Form annehmen, ein Werk der sich mühsam durchbrechenden Wässer. Sie sind unter dem Namen Wannower Wände oder Felsen bekannt. Den Endpunkt dieses mächtigen Bergrückens bildet die Ferdinandshöhe 205 m hoch bei Aussig, ¼ St. entfernt, eine der prachtvollsten Aussichten weit über das Elbthal bietend; die geringe Mühe des Aufstieges ist durch dieses liebliche Panorama wohl belohnt. (Siehe Aussig!) Endlich sei noch einer an landschaftlichen Reizen reichen Tour gedacht: _von Tschochau über Nabrowan nach Razeine_. Hierauf verfolge man einen in oos. Richtung gehenden Pfad, der bei dem letzten Wirthshause rechts von der Strasse ablenkt. Man gelangt nach einigem Steigen zu einer coulissenartigen Digression des Bergzuges, welche ebenfalls einen herrlichen Ausblick über ein anderes Stück des Elbthales bietet, gegen Lobositz, Theresienstadt und den lang gedehnten Rücken des Radobil am anderen Ufer.

Wer Zeit hat, mache den sehr lohnenden Umweg über das Dörfchen Padloschin. Er wird, von hier nach Norden auf dem Fahrwege abbiegend, eine lohnende Augenweide finden -- einen Blick in das tiefliegende Elbthal. Dann geht es ohne besondere Schwierigkeiten nach Praskowitz herab. Bemerkt sei noch, dass es von hier einen an hübschen Perspectiven reichen Weg nach Leitmeritz (2½ St.) gibt und zwar über das Praskowitz gegenüber liegende Libochowan und Kamaik.

2. _Von Teplitz nach Kostenblatt._ Es sind dahin 2 Wege. Auf dem einen gelangt man, wenn man an dem Kesselhause der Stadtbadquelle, zwischen der Königshöhe und dem Schlossgarten durchgeht, den Weg bis an das Eck des letzten verfolgt und, dann links abbiegend, durch den sogenannten Lipnaibusch, wo sich eine Einsiedelei befand, jetzt alles verwildert, fortgeht, eine Gruppe alter Eichen bleibt links -- bis in das Dörfchen Pittling. Darauf steigt man nach Welbine herab, und der Weg geht über die nahe an einander liegenden Orte Liessnitz, Ratsch, Webeschan und Welhenitz nach Kostenblatt. Hier beim Düwock ein Gasthaus. Das Schloss, dem Grafen Czernin gehörig, ist ein Neubau aus dem Jahre 1864. ¼ St. vom Dorfe liegt die hochinteressante Ruine Kostenblatt, 570 m hoch, wohl eine mit von den schönsten des Landes. Aus ihrer reichen Geschichte sei erwähnt, dass sie von einem sagenhaften Kostomlat gegründet, im Jahre 1350 einem Ritter Žerotin gehörte, dessen Nachkommen noch in Mähren leben. Von 1422 an war die Burg Eigenthum des deutschen Ordens, dessen letzter böhmisch-mährischer Landcomthur Albrecht von Duba sich hierher zurückzog (1422--30). Der hussitischen Berennung widerstand die Burg mit Erfolg. Doch eroberte sie 1434 Jakoubek von Wřesowitz und zerstörte grösstentheils die Befestigungen. Georg von Podiebrad, dessen Familie -- früher von Kunstadt, später von Podiebrad genannt -- sie nachher gehörte, verbrachte hier einen Theil seiner Jugend. Nach der Schlacht am weissen Berge wurde sie dem letzten Besitzer Ulrich Kostomlacky von Wřesowitz confiscirt und gelangte schliesslich in den Besitz der gräfl. Familie Ledebour, der sie bis jetzt angehört. Die Aussicht vom Wartthurm, auf den eine bequeme Wendeltreppe hinaufführt, ist überaus lohnend. Man übersieht den weiten Bogen des Erzgebirges und die dazwischen liegende Ebene; die dichtbewaldeten Kuppen des Mittelgebirges in wechselnder Form heben sich kräftig von dem in nebelhafter Ferne verschwindenden Hintergrunde ab. Nicht vergessen sei die kleine Restauration daselbst. 3. Ein _anderer_ Weg nach Kostenblatt (etwa 2½ St. lang, reicher an Abwechslung, geht von Teplitz auf der Bilinerstrasse bis Kradrob. Fussgänger können hier bei der Schmiede links einbiegen und gelangen auf einem Wege nach Křemusch (1 St. von Teplitz). Hier ist ein schönes, dem Grafen Ledebour gehöriges Schloss mit einem prächtigen Parke. Ein angenehmer Fahrweg führt aus dem Parke zur Teufelsmauer, einer wildromantischen Partie des Bielathales. Es ist das ein steiler, durch Basaltlava gebildeter Abhang. Von hier eine schöne Aussicht über das Bielathal.

Von Křemusch hat man nach Kostenblatt zwei Wege, einen näheren über Dollanken, Wohontsch (Station der Bielathalbahn, eine kleine halbe Stunde von Křemusch), Niemetschen, Poratsch und Aupoř, reich an herrlichen Ausblicken über ein stets wechselndes Panorama nach Kostenblatt (etwas über 1 Stunde). Der weitere Weg führt von Křemusch über Hostomitz nach Schwatz (½ St.) (Station Schwatz-Kuttowitz), dem Mensalgute des Prager Erzbisthums. Der einst berühmte Schlossgarten ist sehenswerth. Die ganze Gegend wird Geologen und Mineralogen viel Interessantes bieten. Eine grossartige Rundschau bietet der Basaltkegel hinter dem Dorfe, der sogenannte Paraplüberg. Von Schwatz geht der Fahrweg in 1 St. nach Kostenblatt. Von da aus kann man noch folgende interessante Touren machen. 1. Durch anmuthige Wälder über Milleschau am Fusse des davon benannten Milleschauer nach Wellemin (2 St.) zu dem reizenden _Wopparna-Thale_. Bei Kleintschernosek kommt man heraus und vergesse nicht hier in der ureigentlichen Heimat des berühmten Weines eine diesbezügliche Quellenstudie zu machen. Indess hat es in der neuesten Zeit damit einige Schwierigkeiten, aber damit soll ja jedes Quellenstudium verbunden sein. 2. Nach Radowesitz (¾ St.), dann weiter auf der über Trebnitz (am Fusse des Kostial) nach Lobositz führenden Strasse bis zu einem rechts befindlichen Hegerhause (keine Restauration) (etwa 1½ St.). Von hier geht durch eine Rodung ein in seinem letzten Drittel etwas steiler Weg auf den altehrwürdigen Radelstein. Ich sage altehrwürdig, denn es bestand hier eine uralte Culturstätte. (Siehe von Bilin aus! Retour nach Bilin und von da mit der Bahn nach Teplitz.)

II. Die Ebene zwischen dem Erz- und Mittelgebirge.

Hier sei von der im Süden des Erzgebirges gelegenen Ebene nur jener Theil in Betracht gezogen, der von Teplitz nördlich liegt. Etwa von Kulm schrumpft sie in ein mehr oder minder schmales Thal zusammen, in welchem sich bis Bodenbach das Geleise der Dux-Bodenbacher Bahn befindet und soweit erstreckt sich auch dieses Thal. In der Ebene ist die Braunkohlenformation vorherrschend, fast ausschliesslich in ihrem westlichen Theile. Im östlichen Theile treten allmählich und mit dem ansteigenden Terrain desto mehr zusammenhängend Basalt, basaltische Tüffe und Conglomerate, Phonolithe und Trachit, aus welchen das zwischen dieser Ebene und dem Elbthale sich erhebende Gebirge besteht, welches daher auch im Allgemeinen den Charakter des Mittelgebirges trägt.

In der Ebene erblickt man daher zahlreiche Kohlenwerke und infolge des Reichthums an Kohle sind hier zahlreiche Industrie-Etablissements entstanden, so dass diese Gegend zu den bevölkertsten und productivsten Gebieten unseres Vaterlandes gehört.

Doch hat sie auch noch ein anderes Interesse. Sie ist »ein Tanzplatz des blutigen Ares.« Es sind seit den ältesten Zeiten hier viele blutige Schlachten geliefert worden. Schon 1040 besiegte hier der Herzog Břetislav die von Meissen kommenden Truppen des deutschen Kaisers Heinrich II. Im J. 1126 umzingelte Herzog Soběslav die vereinigten Heere des Königs Lothar und des Markgrafen Otto von Meissen. Diese erlitten hier eine schwere Niederlage. Nach deutschen Quellen fielen hier über 270 Grafen und Edle. Der Grossmuth Soběslav's verdankte Lothar den freien Abzug. Das Treffen fand am Sernitzbache statt, der, im Erzgebirge entquellend, bei Kulm und Karbitz vorbeifliesst und unweit von Aussig in die Biela mündet. Viel blutiger aber war die Schlacht am 16. Juni 1426. Die Hussiten hatten unter Prokop auf dem niedrigen, zwischen Karbitz und Türmitz sich hinziehenden Bergrücken, der Bihana, ihre Wagenburg errichtet. Das Kreuzheer der Deutschen rückte durch die Pässe des Erzgebirges herein und griff die Hussiten an. Die wehrten den Angriff ab und gingen nun selbst vor. Es entstand nun ein furchtbares Gemetzel. Die Hussiten wüthend darüber, dass man auf ihr Ansuchen, am Sonntag die Waffen ruhen zu lassen, nicht eingegangen war, gaben keinen Pardon. Die Biela soll, wie eine Chronik meldet, an diesem Tage roth zur Elbe geflossen sein. 15.000 Theilnehmer des Kreuzzuges deckten die Walstatt. Bei einem Baume auf der Bihana zeigt man das sogenannte Blutloch, wo 14 sächsische Heerführer den Tod fanden. Aussig wurde vernichtet und lag 3 Jahre öde. Eine grosse Zahl von Burgen und Schlössern, viele Klöster sanken in Ruinen. Und noch einmal sollte dieser Boden mit Blut gedüngt werden. Am 27. Aug. 1813 hatte Napoleon die Verbündeten bei Dresden geschlagen und diese zogen sich zum Theil in die Pässe des Erzgebirges zurück und zwar Fürst Schwarzenberg über Dippoldiswalde und Altenburg, Ostermann und Barcley auf der über Peterswalde nach Teplitz führenden Strasse. Vandamme sollte sie mit 30.000 Mann verfolgen und die Niederlage vollständig machen. Am Tage der Dresdner Schlacht war er von Pirna aufgebrochen und drängte den russischen General Ostermann-Tolstoi über die Nollendorfer Höhe in die Ebene herab. Ostermann, die grosse Gefahr der Verbündeten sehend, suchte mit seinem Häuflein Russen, etwa 8000 Mann, die Franzosen so lange aufzuhalten, bis sich die Preussen und Oesterreicher genähert hatten. Am 29. August hielt er, trotzdem ihm eine Kanonenkugel den linken Arm zerschmettert hatte, Stand, bis endlich Abends 6 Uhr Schwarzenberg ihm Hilfe schickte. Vandamme besetzte Kulm und erwartete Hilfe von Napoleon. Der aber theils im Glauben, dass Vandamme stark genug sei, theils mit dem neuen Plane umgehend, die Nordarmee unter Bernadotte anzugreifen, schickte sie nicht. Am 30. August stand daher die Sache für die Franzosen ungünstig. Die beiden Divisionen des Generals Colloredo hatten sich mit den Russen vereinigt und längs der ganzen Strasse von Pristen an bis Arbesau wogte die Schlacht. Die russische Angrifflinie ging vom Fusse des Gebirges über die Kulmerstrasse von Pristen bis gegen Karbitz, die österreichische von da bis gegen Deutsch-Neudörfel, Graf Colloredo hatte die Franzosen umgangen und durch einen brillanten Angriff von der Střisowitzer Höhe herabgedrängt. Die Preussen standen bei Arbesau. Mit welcher Heftigkeit gekämpft wurde, konnte man an einem mässig starken Baume bei Kulm sehen; er war von 60 Kugeln durchlöchert. Um 11 Uhr erschienen die Preussen unter Kleist, besetzten die Peterwalderstrasse und griffen die Franzosen an. Alle ihre Versuche, die Nollendorfer Höhe zu stürmen, scheiterten. Die Reiterei unter Corbineau entkam allein. Nachdem sie mit ausgezeichnetem Muthe gefochten, Vandamme war selbst verwundet, mussten sich 10.000 Mann ergeben; 5000 lagen todt oder verwundet auf dem Kampfplatze. Die Vernichtung eines ganzen französischen Corps, die Gefangennahme eines erfahrenen und tapferen Generals (Vandamme, einer der fähigsten und energischesten Generale Napoleons, geb. 5. Nov. 1771 in Kassel, war 1799 bereits Divisionsgeneral, wurde nach seiner Gefangennahme nach Sibirien verbannt, kehrte 1815 zurück und starb, ohne mehr eine Anstellung zu bekleiden, den 15. Juli 1830 in Kassel), erfüllte die Verbündeten mit neuen Hoffnungen. Für Napoleon war diese Niederlage, sowie fast gleichzeitig verlorene Schlacht an der Katzbach der Anfang in der verhängnissvollen Wendung seines Schicksals. Der Sieg wurde in Teplitz, von wo am 31. Aug. der Bericht in den Zeitungen veröffentlicht wurde, am 1. und 2. Sept. gefeiert. Doch war noch nicht hier alle Gefahr beseitigt. Denn auf den Höhen des Erzgebirges kam es zu neuen Gefechten. Napoleon zog einen grossen Theil der Truppen zusammen und suchte über Nollendorf in Böhmen einzufallen. Der wichtigste Tag war der 17. Sept. Die Franzosen waren bis Arbesau vorgedrungen, Napoleon war in Nollendorf auf dem Kirchthurme; später wurde ein Pferd unter ihm verwundet. Doch wurden seine Truppen verdrängt und in grösster Unordnung zurückgeworfen, General Kreutzer mit 2000 Mann gefangen. Hiebei zeichneten sich besonders Oesterreicher unter Feldzeugmeister Grf. Colloredo-Mansfeld aus. Teplitz war während dieser ganzen Zeit das Quartier der alliirten Monarchen. Kaiser Franz wohnte im Schlosse, Kaiser Alexander im »goldenen Kreuz«, König Friedrich Wilhelm im »Herrenhaus«. General Ostermann, der zuerst am Schlachtfeld, ungefähr an der Stelle, wo jetzt das russische Monument steht, amputirt wurde, lag im Hause Nr. 181 »Zur goldenen Brücke«, wo er nochmals operirt und glücklich hergestellt wurde. Im Teplitzer Thale hatte sich nun das ganze Hauptheer der Verbündeten an 200.000 Mann gesammelt, um Anfangs October gegen Leipzig aufzubrechen. Es sei aus dieser Zeit noch zweier Tage erwähnt. Am 9. Sept. 1813 wurden im Teplitzer Schlosse die Freundschafts- und Allianz-Tractate zwischen Oesterreich, England, Russland und Preussen unterzeichnet und ratificirt. Am 27. Sept. wurde der Jahrestag der Thronbesteigung Kaiser Alexanders gefeiert. Die russische Garde hatte in Turn im Hause Nr. 37 einen Saal für 300 Personen errichtet; an dem Festmahle nahmen die drei Monarchen, sowie die Spitzen der Diplomatie und der Heere Theil.

Mehr wie ein halbes Jahrhundert hat die Spuren des Krieges verwischt, aber jeder wird der gefallenen Helden gedenken, wenn seine Blicke den Denksäulen begegnen, die in dankbarer Verehrung den Kämpfern jener Tage errichtet wurden. Sie stehen alle an der Strasse, die von Teplitz über Kulm nach Peterswalde führt. Das nächste, etwa 1½ St. von Teplitz entfernte ist das russische, unweit von Pristen, welches auch in künstlerischer Beziehung das hervorragendste ist. Auf einem Granitsockel erhebt sich das Fussgestell, welches die 9 Fuss hohe Nachbildung der in Brescia aufgefundenen geflügelten Siegesgöttin Victoria trägt. Die Vorderseite hat eine lat. Inschrift, welche das Factum vom 28. Sept. 1813 berichtet, die der Rückseite gibt den Tag der Grundsteinlegung (am 29. Sept. 1835) und die Namen der Monarchen, welche Zeugen dieser Feierlichkeit waren, die zweite und vierte Seite enthalten ebenfalls lat. Widmungsinschriften, ohne, wie mehrfach in Führern zu lesen ist, die Namen russischer Krieger aufzuführen. Um das Monument ist ein kleiner Garten; der in dem dabei befindlichen Häuschen wohnende Veteran ist der Custos.

Gleich hinter diesem Monument sieht man ein von der Strasse in einer ¼ St. erreichbares Wäldchen. Das ist eine sehr denkwürdige Stelle. Denn selbst eine geraume Zeit nach der Schlacht stellte es sich heraus, dass im Waldgebirge, auf allen Feldern, in Schluchten und Abgründen eine Menge Schädel und Gebeine der Gebliebenen fast zu Tage lagen. Da liess Josef Graf Westfalen durch hunderte von Arbeitern alle diese menschlichen Ueberreste sammeln und in einem grossen gemeinsamen Grabe feierlich beerdigen. Es steht dort über Felsenstücken ein Steinkreuz und an seinem Fusse liest man die Worte:

Hier ruhen die in den nahen Wäldern in neuerer Zeit noch aufgefundenen Schädel und Gebeine von den an den Schlachttagen 1813 Gebliebenen.

Sie ruhen im Frieden. 1835.

Die feierliche Einweihung geschah erst am 26. Aug. 1836.

Von hier erreicht man bald Kulm[3] selbst. Hier ist ein Schloss der Grafen Westfalen. Das Dorf hat etwa 120 Häuser und gegen 700 Einwohner. Als Gasthäuser sind die Morgenröthe und Gürtlers Gastwirthschaft zu empfehlen. Nachdem in den Schlachttagen der ganze Ort fast in Flammen aufgegangen war -- es blieben nur die Kirche, das Pfarrgebäude und wenige Häuser verschont -- ist er in seiner jetzigen Gestalt grösstentheils neu erbaut. Sonntag am 29. Aug. 1813 ging es hier gar fröhlich zu. Vandamme hielt offene Tafel, der hier vorgefundene Wein floss in Strömen. »Jeudi, messieurs nous dinerons à Prague«, rief er seinen Offizieren zu. Es erfüllte sich die Prophezeiung, er kam bald nach Prag, aber als Gefangener. Der Hügel nördlich von Kulm bietet eine hübsche Aussicht, aber nicht nach allen Seiten, und trägt die im J. 1691 errichtete Dreifaltigkeitskapelle.

[3] Station der Dux-Bodenbacher Bahn, etwas über 20 Min. vom Bahnhof entfernt, vom Karbitzer Bahnhof 1 Stunde.

Auf derselben Strasse den Weg fortsetzend, gelangt man nach etwa einer halben Stunde zu dem links von der Strasse stehenden preussischen Monumente. Es ist einfach und anspruchslos, auf einem Piedestal erhebt sich eine Spitzsäule,[4] die von einem eisernen Kreuze gekrönt wird. Die kurze Inschrift lautet: Die gefallenen Helden ehret dankbar König und Vaterland. Sie ruhen im Frieden. Kulm, 30. Aug. 1813. Es wurde vom preussischen Könige Friedrich Wilhelm III. errichtet und am 30. Aug. 1817 feierlich enthüllt. Es ist daher das erste Monument. Rechts von der Strasse liegt der Ort Arbesau mit etwa 400 Einwohnern in gegen 70 grösstentheils neu gebauten Häusern. Einige Schritte auf der Chaussee weiter, an dem Invalidenhäuschen und dem Wirthshause zur Post vorüber, erblickt man rechts an der Strasse das österreichische Monument. Es ist 54 Fuss hoch und stellt eine auf gemauertem Piedestal stehende vierseitige Pyramide vor, deren Spitze der österreichische Doppelaar, einen Lorbeerkranz haltend, schmückt.

[4] Im Jahre 1857 wurde das Monument erhöht und man sieht nun das Brustbild Friedrich Wilhelms III. und den preussischen Adler.

Am Fusse der Pyramide liegt der böhmische Löwe. Der unterste Würfel trägt folgende Inschriften:

Vorn:

Den Feinden furchtbar, den Seinen theuer.

Rechts: Das österreichische Heer einem seiner Führer auf dem Felde des Ruhmes.

Hinten: Arbesau, am 17. Sept. 1813.

Links: Dem Vaterlande und seinen Freunden zu früh entrissen.

Weiter befinden sich am untern Theile der Pyramide folgende Basreliefs und Inschriften:

Vorn: Das Bildniss des Verewigten mit der Umschrift:

Hieronymus Graf Colloredo-Mannsfeld, k. k. General-Feldzeugmeister.

Rechts: Geboren den 30. März 1775.

Hinten: das gräfliche Wappen.

Links: Gestorben den 23. Juli 1822.

Eine Balustrade umgibt das Piedestal.[5]

[5] Es sei noch erwähnt, dass Graf Colloredo unweit des Denkmals ein Pferd unter dem Leibe verlor.

Es ist das Denkmal vom österr. Heere errichtet und am 17. Sept., dem Tage der Schlacht von Arbesau -- nicht zu verwechseln mit der Schlacht bei Kulm -- im Jahre 1825 eingeweiht worden.

In einer kleinen Entfernung davon befindet sich noch ein Denkmal, und zwar am Bache auf dem freien Felde. Ein grosser unbehauener Felsblock trägt ein 5 Fuss hohes eisernes Kreuz. Es ist das ein Andenken an den am 30. Aug. 1813 gefallenen preussischen Major von Röder. Das Gitter am Eingang trägt das Wappen des Verstorbenen.

Das wären alle Denkwürdigkeiten der Ebene. Die am Fusse des Erzgebirges liegenden Orte sind bei diesem erwähnt.

III. Das Erzgebirge und das Quadersandsteingebirge.

(Von _Niklasberg_ bis zum _Elbethal_.)

Diese beiden Gebirgssysteme sind geologisch wesentlich verschieden und bieten daher landschaftlich ganz andere Bilder. Als Grenze zwischen beiden kann man die von Königswalde über Tyssa nach Raitza führende Strasse im allgemeinen gelten lassen.

Das Erzgebirge hat hier keine Vorberge gegen die Ebene mehr. Die Längenthäler hören ganz auf, die Querthäler werden oft schluchten- oder passartig und führen auf das Plateau hinauf. In Beziehung auf die Höhe, die am östlichsten Ende des Erzgebirges bei Nollendorf und Peterswald bis zu 630 m. herabsinkt, sowie auf die Mannigfaltigkeit der Gliederung steht dieser östliche Theil dem westlichen weit nach und je weiter man ostwärts schreitet, desto grösser wird die Einförmigkeit, sowohl in geologischer als orographischer Beziehung.

Es zerfällt dieser Theil des Erzgebirges in zwei Gebiete. Das des Porphyrs (desselben wie in Teplitz) von der Niklasberger bis etwa zur Mückenberger Strasse, und das des Gneises, von hier bis zum Quadergebirge. Doch findet sich Granit vor im Norden von Ebersdorf und bei Sellnitz, der Spitzberg nördlich von Schönwald ist merkwürdigerweise ein Basaltkegel.

In touristischer Beziehung gehört dieser Theil zu den dankbarsten Gebirgen. Man findet da herrliche Thäler mit schönen Wiesen und bewaldeten Abhängen, schattige Wälder, reizend gelegene Ortschaften; besonders anziehend sind die häufigen stets wechselnden grossartigen Aussichten auf die Ebene mit ihren vielen Städten und Dörfern, Feldern und Eichen und immer ist dieses Bild durch den Hintergrund des gipfelreichen Mittelgebirges abgeschlossen. Die Wanderung ist eine leichte, eine grosse Zahl guter Strassen und Wege bietet sich dar. Auch für Unterkunft ist gesorgt, man findet in den weit sich hinziehenden Wäldern bald Forsthäuser, die allerlei Erfrischungen im Vorrath haben, bald erreicht man grosse Dörfer mit verschiedenartigen Industrien. Diese haben Gasthäuser, in denen man das Nothwendige für Ruhe und Erquickung vorfindet. Eine besondere Annehmlichkeit bietet die längs des ganzen Gebirges sich am südlichen Abhange dahin windende Dux-Bodenbacher Eisenbahn, man hat eine leichte Verbindung mit den grösseren Städten (Teplitz, Brüx, Aussig, Bodenbach). Aber auch das Plateau hat seine Reize, hier seien vorläufig nur erwähnt die weiten Ausblicke in das Sachsenland. Und schliesslich hat noch das Erzgebirge auch in diesem Theil etwas vor den anderen Gebirgen Deutschlands voraus: ein fleissiges Volk wohnt da, jedes Dörfchen, jedes Städtchen ist die Stätte ununterbrochenen Gewerbfleisses.

Von Teplitz aus dürften sich folgende Touren am besten empfehlen:

I. Nach Kosten und Niklasberg.

Kosten erreicht man am bequemsten, wenn man von Teplitz per Bahn (Dux-Bodenbacher Bahnhof eine ¼ St. von der Stadt auf der Eichwalder Strasse) dahin fährt, da die hinführenden Wege nur wenig Interessantes haben. Die Station Kosten beim Orte selbst. Man gehe durch den Ort zu der schon von weitem sichtbaren neuen Kirche zu, der Weg bietet eine hübsche Aussicht auf das Gebirge und die Ebene. Unweit der Kirche ist der Eintritt in den Park; die gerade ausführende Strasse führt über Doppelburg nach Eichwald (1 St.), ein sehr zu empfehlender Weg, der eine Fülle von schönen Waldpartien, Durchsichten, Wiesen bietet, und speciell sei hier einer altehrwürdigen Eiche mit gewaltigen weithin ragenden Aesten gedacht. Das Jagdschloss, dem Fürsten Lobkowitz gehörig, hat eine sehr anmuthige Lage. Die an der Wegtheilung links abgehende Strasse führt nach Niklasberg (1½ St.). Um nun zu dem prachtvollen, aber wenig bekannten Aussichtspunkte _Wolfstein_ zu kommen, verfolge man diese Strasse von Kosten aus fort immer gerade aus. Nach einer ½ St. erreicht man das in Waldeseinsamkeit versteckte Forsthaus Fuchshütte oder Fuchswarte, wo Erfrischungen zu haben sind. Bisher können Wägen fahren. Wenn man auf einem ziemlich steilen Wege etwa 20--30 Min. aufwärts gestiegen ist, achte man auf einen links abgehenden schmalen, aber ausgetretenen Pfad. Schon nach wenigen Minuten hat man die merkwürdige Porphyrformation des Wolfssteines vor sich.

Eine kleine Holzhütte bietet Ruhe und Erholung.