Führer durch das böhmische Erzgebirge, das Mittelgebirge und die angrenzenden Gebiete
Part 22
=In Schönau=: »Haus Oesterreich« (Neubadallee), »Hermannsburg« (Badegasse von Schönau). Zimmer von ½ bis 3 fl. täglich, Bedienung 30 kr., Licht 30 kr., Suppe 12 kr., Braten 40--80 kr., Kaffee 20--24 kr. Gutes Brod, vorzügliche Biere und Weine.
=Weinstuben=: »Fleck« (Lange Gasse), »Rüdesheim« (Lindenstrasse), »3 Aepfel« (Badeplatz). =Restaurants= ausser den oben genannten Gasthöfen: »Leitmeritzer Bierhalle« (Schulplatz), »zum Erzherzog Stephan« (Königstrasse), »Günther's Bierhalle« (Alleegasse), »Kursalon«.
Gartensalon im Schlossgarten, Askonas, isr. Restauration, Edmundsstrasse zu drei Rosen, zum Felsenkeller, zum hohen Haus (Mühlstrasse), Germania (Steinbadgasse), Glaser, Weilburg (Lindenstrasse).
Die Reihenfolge ist durchaus nicht mit Rücksicht auf verschiedene Güte zusammengestellt.
Stadt Schönau:
Merkur, Stadt Warschau, Rosenlaube, Ordensband.
Das Couvert zumeist à la carte von 1--2 fl. Table d'hôte weniger üblich.
=Kaffeehäuser=: Kursalon, Theater, Stadt Dresden. Mehrere vorzügliche Konditoreien.
Ausserdem befinden sich auf bedeutenderen Ausflugsorten zumeist vortrefflich eingerichtete Sommerrestaurationen, wo neben allerlei Erfrischungen, Mineralwässern, auch kalte und warme Speisen für civile Preise dargeboten werden.
Kurgäste finden in etwa 230 Häusern in Teplitz und mehr als 80 in Schönau Logis. Da dieselben auch in anderen Häusern in der Stadt Unterkunft finden, so können zu einer Zeit wohl gegen 3000 derselben ihre Kur geniessen. Bei der Ankunft in Teplitz ist es nicht rathsam, sich am Bahnhofe von Agenten, Gepäcksträgern und Droschkenkutschern, die sich in eigennütziger Weise an den Fremden herandrängen, eine Wohnung anempfehlen zu lassen. Man kann da leicht in schlechte oder von den Bädern sehr weit entfernte Wohnungen geschickt werden, die dann wiederum aufgegeben werden müssen. Man lasse sich durch die gewöhnlichen Versicherungen dieser Agenten, es sei alles überfüllt etc., ja nicht ängstlich machen. Wer nicht schon vorher eine Wohnung bestellt hat oder von verlässlicher Seite in ein gutes Haus empfohlen ist, der thut am besten, zunächst in ein Hôtel zu fahren, dann einen Arzt bezüglich der Wahl des Bades zu consultiren und dann eine Wohnung in der Nähe des verordneten Bades zu suchen. Die Täfelchen »Logis« zeigen derlei Häuser an; ein weisser Streifen darüber gibt an, dass das Haus momentan keine Wohnung abgeben kann. Die Miethpreise, die sich per Woche verstehen, sind je nach der Saison verschieden und variiren im Sommer von 5--25 fl., im Winter von 3--12 fl. Das Frühstück wird meist im Logis genommen, im Gegensatze zu anderen Kurorten. Doch kann bei der grossen Zahl Kurhäuser nie Wohnungsnoth eintreten. Dem stets wachsenden Zudrang des Kurpublikums entsprechen grosse und zweckmässige Neubauten der letzten Jahre.
Auskünfte über Wohnungen, sowie Kurangelegenheiten jeder Art ertheilen die Bürgermeisterämter von Teplitz und Schönau, der städtische Badeinspector in Teplitz und in den meisten Fällen auch die Badeärzte.
=Lesekabinet= im Kursalon. Es liegen auf: die Kur- und Fremdenlisten der besuchtesten Badeorte, ferner eine bedeutende Anzahl Zeitungen politischen und belletristischen Inhaltes in 9 europäischen Sprachen. Kurgäste haben freien Zutritt. Im Damensalon ein Klavier zu freier Benützung. Billardsaal.
Der Kurort Schönau hat ebenfalls ein reich eingerichtetes Lesekabinet.
=Buchhandlungen=: Ernst Pörzler (Seumestrasse) und H. Dominicus (Königsstrasse). Beide haben Leihbibliotheken, reichlich ausgestattet mit den neuesten Erscheinungen der Literatur, auch in fremden Sprachen.
=K. k. Postämter=: Teplitz, Schlossplatz, Schönau, Badeg. 85.
=K. k. Telegrafenamt=: Waisenhausgasse (7 Uhr Früh bis 9 Uhr Abends).
=K. k. Hauptzollamt=: Schlossplatz 14.
=K. k. Bezirkshauptmannschaft=: Marktplatz 26.
Die =Communalbehörden= sind: In Teplitz der Magistrat, Marktplatz, in Schönau das Bürgermeisteramt, Neubadallee.
In der Königsstrasse und in der Langen Gasse befinden sich Banken und Wechselstuben.
=Eisenbahnen=: _Aussig-Teplitzer_ Bahn (Linie: Komotau-Aussig). _Dux-Bodenbacher_ (Linie: Komotau-Bodenbach). Der Bahnhof der letzteren ist etwa 15 Minuten von der Stadt entfernt, doch fahren zu allen Zügen Omnibusse.
Ein- und zweispännige Wägen mit festgesetztem Tarif nach allen Richtungen. Rollwagenführer im Dienstmanninstitut (Graupnergasse). An den Bahnhöfen eigene Gepäckträger. Omnibusse nach Eichwald und Probstau.
=Stadttheater= im Kurpark, das ganze Jahr hindurch Vorstellungen; es werden Operetten, Schau- und Lustspiele gegeben. Im Sommer gastiren daselbst oft Künstler der bedeutendsten Bühnen. Anfang 7 Uhr.
=Kurmusik=: _Teplitz._ Die Kurkapelle spielt täglich Morgens im Kurgarten, Mittags 11--1 Uhr im Schlossgarten; Montag und Freitag Nachm. 5--7 im Kurgarten.
Tanzreunionen finden gewöhnlich Samstag Abends im Gartensalon statt.
_Schönau._ Militärkapelle jeden Mittwoch und Samstag Nachm. 5--7 Uhr; Donnerstag u. Sonntag Vorm. 9--10½ Uhr im Schönauer Musikpavillon.
=Zeitungsagentur=: Erwähnenswerth ist die Zeitungsagentur (Königsstrasse), welche alle Zeitschriften zu Originalpreisen anbietet.
Die Kurtaxe zahlt jeder Fremde, der sich länger als 8 Tage aufhält, nach vier Ständeklassen. Gewisse Stände sind davon befreit, doch zahlen sie wie alle Fremden, die sich länger als drei, aber weniger als 8 Tage aufhalten, die Musiktaxe (50 kr.).
=Kuranstalten=: Bäder sind in _Teplitz_: das Stadt-, Kaiser-, Stein- und Stefansbad (Eigenthum der Stadt Teplitz), Fürsten- und Herrenhausbad (Eigenthum des Fürsten Clary), Sophienbad, (Eigenthum der israel. Kultusgemeinde).
_In Schönau_: Das Schlangenbad (dem Kurort Schönau gehörig), das Neubad (fürstlich).
Alle in- und ausländischen Mineralwässer sind in der städt. Mineralwasserniederlage (Badeplatz) und im Schlangenbad (Schönau) zu haben. Das Wasser der Stadtbadquelle, welches bei gewissen Krankheiten ärztlich verwendet wird, ist im Kurgarten und im Stadtbad unentgeltlich zu haben. Hier sei auch das 54 m lange und 15 m breite Schwimmbassin, mit klarem Gebirgswasser gefüllt, erwähnt. Dasselbe befindet sich im westlichen Theile des Turnerparkes, etwa 15--20 Min. vom Centrum der Stadt entfernt. Der Bau ist in mancher Beziehung sehenswerth.
Die Balneologen rechnen die Teplitzer Thermen zu den chemisch indifferenten, d. h. solchen, die wenig fixe oder gasförmige Bestandtheile enthalten. Indessen ist das Teplitzer Thermalwasser reicher an fixen Bestandtheilen, als andere indifferente Thermen und unterscheidet sich besonders dadurch, dass das kohlensaure Natron prävalirt. Ueber ihre oft wunderbare heilende Wirkung zu sprechen, dürfte nicht hier der Platz sein. Auch ist sie weithin bekannt. Die ebenfalls bekannte Katastrophe, die die Urquelle am 13. Feber 1879 traf, kann, ihr eigentlicher Abschluss mag sein, wie er will, nur die Folge haben, dass das Wasser, welches früher selbst herausfloss, jetzt aus der Tiefe künstlich hervorgeholt wird.
Diese Hauptquelle speist das Stadt-, Sophien-, Fürsten-, Herrenhaus- und Kaiserbad. Ueberhaupt haben alle Quellen in Bezug auf ihren stofflichen Gehalt nur wenig Differenzen; sie unterscheiden sich hauptsächlich durch ihre Temperatur; so hat die Neubadquelle und die Hauptquelle 35° R., die Schlangenbadquelle 31° R., die Stein- und die Stefansbadquelle etwa 30° R., die Wiesenquelle (im Stefansbad) und die Sandbadquelle (im Steinbad) haben 26° R.
In einigen Bädern wird eine hinreichende Menge gereinigten Moores mit Thermalwasser zu einem mehr oder minder konsistenten Brei gekocht, und es werden diese Moorbäder auf verschiedene Weise verwendet. Der Moor, welcher in der Umgebung von Teplitz (Dreihunken und im Seegrund) gestochen wird, besteht aus einem Gemenge einer eigenthümlichen humusartigen Säure und in Zersetzung begriffener Pflanzenreste.
Die Benützung der warmen Quellen muss in eine sehr alte Zeit zurückgehen. Vielleicht haben schon römische Mercatores da ihre Heilung gefunden und haben aus Dankbarkeit der Quell-Nymphe jene Silbermünzen dargebracht, die man 1879 daselbst gefunden hat. Nach der Christianisirung des Landes verlegt die Sage die Auffindung der Quellen auf den 29. August 762 unter der Regierung des Herzogs Nezamysl. Die zwei Spitzthürme in der Kirchengasse beim Eingang in den Schlossgarten gelten für die ältesten Gebäude von Teplitz. Die Sage der Quellenauffindung erzählt eine lateinische Inschrift auf einem in der Nähe der Hauptquelle befindlichen Steine; sie ist bekannt: weidende Schweine sollen die Quelle aufgewühlt haben.
Im Jahre 1153 erbaute Judith, Gemahlin des Herzogs Vladislav, hier ein Benediktiner-Nonnenkloster, welches aber in den Hussitenkriegen spurlos unterging. Nach 1544 wurden die ersten zweckentsprechenden Bäder erbaut, das Schloss auf dem Schlossberg restaurirt und die Schlosskirche gegründet. 1585 nimmt Janusch von Schönberg den Bürgern die Bräugerechtigkeit, die bis auf heute Eigenthum der Besitzer geblieben ist.
Seit 1653 ist Teplitz im Besitze der Clary-Aldringen. 1848 hörte für die Stadt das Unterthänigkeitsverhältniss auf und der Kurort wurde zur selbstständigen Stadt.
Der Besuch von Kurgästen und Passanten ist während der Sommersaison (1. Mai bis Ende September) ein sehr starker und nimmt stetig zu. (Im Jahre 1879 über 32.000.)
Es dürfte aber auch kaum einen zweiten Kurort geben, der eine so mannigfaltige, an Naturschönheiten überreiche Umgebung aufzuweisen hätte und in dieser herrlichen Umgebung soviel interessante Punkte bieten könnte, wie Teplitz-Schönau. Es hat in den letzten zwei Decennien sich ungemein ausgedehnt; der Handel und die Industrie haben einen grossen Aufschwung genommen, so dass ein grosser Theil der Stadt dem Badeleben fast ganz entzogen ist. Die zur Aufnahme der Kurgäste bestimmten Häuser liegen in der Nähe der Bäder und sind zum grössten Theil bequem und elegant eingerichtet. Das gesunde Klima und die schöne Umgebung hat viele Fremde, besonders Pensionisten und Rentiers zur dauernden Niederlassung in Teplitz bewogen. Die breiten, gut gebahnten Wege, die herrlichen wohlgepflegten Anlagen, die Alleen dicht belaubter Bäume, dann die Gelegenheit häufiger Vergnügungen und die Möglichkeit, alle Wünsche in Bezug auf Liebhabereien und Luxusartikel hier befriedigen zu können, machen den Aufenthalt in Teplitz angenehm, so dass der Andrang der Passanten und Touristen, wie schon bemerkt, jedes Jahr grössere Dimensionen annimmt. Besonders sehenswerth ist der _Kurpark_. In seinem nördl. Theile steht das Theater, ein grosser Renaissancebau. Es kann etwa 1000 Personen fassen. Unweit ist eine Säule, welche eine Uhr, ein Thermo-, Hygro- und Barometer, die Quellenanalyse und die täglichen Daten der metereologischen Station enthält. Der Säule gegenüber ist die städtische Trinkanstalt. Einige Schritte davon steht ein allegorisches Standbild, im J. 1862 zur Feier des 1100jährigen Jubiläums der Quellenauffindung errichtet. Am südlichen Theile steht das Herrenhaus und daran anschliessend ein grossartiger Neubau, _das Gartengebäude_. Im Osten befindet sich das Kaiserbad, ein prachtvolles, im altfranzösischen Mansardenstyl aufgeführtes Gebäude. Anstossend daran der Kursalon mit dem Lesekabinet. Unweit davon ist der Musikpavillon, auch wird in der Nähe das Wasser der Urquelle zum Trinken verabreicht.
Durch die Graupnergasse, den Marktplatz und die lange Gasse, die durch eine grosse Zahl eleganter Läden sich auszeichnet, gelangt man auf den _Schlossplatz_ mit dem fürstl. Claryschen Schlosse (1751 erbaut), der Schlosskirche (1568), der Dekanalkirche (um 1700) mit einigen künstlerisch werthvollen Altarbildern. Durch das Schloss kommt man in den fürstlichen _*Schlossgarten_, ein bescheidener Name für einen herrlichen Park, wie ihn nur wenige Städte aufweisen können. Die Baumriesen zeigen, dass er schon vor Jahrhunderten angelegt ist. Die schönen, breiten, dicht beschatteten Alleen, die reizenden Wiesen mit herrlichen Durchsichten und grossartigen Baumgruppen, zwei grosse Wasserbassins, die Bemühungen der modernen Gartenkunst, sowie die mit den seltensten exotischen Pflanzen gefüllten Treibhäuser, zahlreiche Ruhebänke machen ihn zum beliebtesten Aufenthalt. Während der Mittags abgehaltenen Concerte ist er der Sammelpunkt von allem, was der Kurort an Geschmack, Schönheit und Eleganz aufweisen kann.
Mit dem Kurpark hängt der _Seumepark_ zusammen, ein umgewandelter alter Friedhof, mit dem Grabe Seume's (gest. 16. Juni 1810), das wohl bald ein würdiges Denkmal haben wird. Daran schliessen sich die neuerrichteten _Payeranlagen_, überragt von dem Mont de Ligné, (Restauration und reizender Aussichtspunkt). (Pavillon 1831 erbaut; im Volksmunde von der Aehnlichkeit »Pfefferbüchse« genannt.) Durch die Lindenstrasse, die diese Anlagen begrenzt und in welcher sich eine Reihe Badespitäler, darunter das sächsische und preussische befinden, gelangt man in den _Kaiserpark_, eine ebenfalls reizende Anlage der Neuzeit mit schöner Rundsicht. Man erblickt hier die neue, im streng gothischen Style erbaute _kath. Kirche_ von Schönau, das _Stefans-_ und _Steinbad_, das grossartige k. k. Militärspital und davor den Musikpavillon. Anschliessend befinden sich wieder Parkanlagen, und zwar die Neubad-Allee, die Humbolds-Anlagen und die mit schönen Villen geschmückte Giselastrasse, welche zum _Teplitzer Bahnhof_ führt, einem grossartigen Gebäude mit einem pompösen Wartesaal. Vor demselben befinden sich auch Gartenanlagen.
Von Gebäuden wären noch zu erwähnen: _Die evangelische Kirche_ (Elisabethgasse), eine stylvolle Basilika (1861 gebaut). Auf der Freitreppe eine _der *schönsten Aussichten_. In derselben Gasse wird sich auch der israel. Tempel befinden, der auch ein Monumentalbau werden dürfte. In der Jägerzeile steht die Loretto-Kapelle mit der fürstl. Claryschen Familiengruft.
Spaziergänge.
1. _Die *Königshöhe_ (3 Wege hinauf). Bei dem Monument des langjährigen königlichen Freundes von Teplitz, Friedrich Wilhelm III. schöne Aussicht.
Sehenswerth ist die _Schlackenburg_ (Restauration und camera obscura), ein eigenthümlicher Bau mit vielen kleinen Zimmern, aufgeführt von einem einzigen Mann in mehr als 20 Jahren aus Ziegelschlacken und Feldsteinen.
Von der Plattform eine der reizendsten Rundsichten über das Thal zwischen dem Erz- und Mittelgebirge. Ebenso bieten die Restaurants _*Bella vista_ und _*Belvedère_ prächtige Fernsichten. Hier ist auch das Schiesshaus der über 300 Jahre alten Schützengesellschaft mit einer interessanten Autographensammlung und dem Memorialbuch. An dem Vogel- und Scheibenschiessen können sich auch Fremde betheiligen. Nahe an demselben wird in dem Kesselhause der Dampf erzeugt, der die im Schachte der Urquelle eingebauten Maschinen treibt.
2. _Die *Stefanshöhe_ in Schönau mit einer lohnenden Aussicht über die Stadt.
3. _Der Turnerpark_ bei dem mit Teplitz zusammenhängenden grossen und wohlgebauten Dorfe Turn, ¼ St. nordwestl. von Teplitz auch zugleich an Schönau anstossend. Er hat mächtige Buchen und Eichen und bietet daher angenehmen Schatten, ist sehr anmuthig und im englischen Geschmack angelegt. Hinter der auf einer Anhöhe stehenden Restauration ist eine sehenswerthe Porphyrgruppirung, anschliessend beginnt die Kalkformation.
4. Von da, an der Schwimmschule vorüber und durch den Ort Turn kommt man zu einem Promenadenweg, der nach _*Probstau_ (¾ St. nördlich von Teplitz) führt. Er ist reich an landschaftlichen Reizen, besonders in der Nähe des Angerteiches. Probstau ist wegen seines grossen, schattigen Waldparkes und der guten Restauration (Café) immer sehr besucht.
5. Vom Schlossplatz, durch die Jägerzeile, beim Mauthhaus links und den Berg hinan führt der Weg auf die _*Bergschenke_ (½ St.), Restauration mit sehr lohnender Aussicht über das Teplitzer Thal. Die zahlreich erwähnten Aussichten unterscheiden sich sehr von einander durch die Abwechslung, die sie stets bieten. An die Bergschenke stösst der wenig gepflegte Galgenbusch. Verfolgt man den Katharinasteg und einen durch zahlreich auf einander folgende rothe Punkte, die an Bäumen und Steinen angebracht sind, bezeichneten Waldung, so erreicht man die _*Helm's Ruhe_ (nach dem Teplitzer Bürger Anton Helm benannt). Man wird hier durch ein herrliches Panorama, das von den früheren Aussichten wesentlich verschieden ist, angenehm überrascht sein. Der etwa 1000 Schritte von der Restauration (Bergschenke oder Bergschlösschen) entfernte 379 m hohe _*Wachholder-Berg_ bietet eine grossartige Rundschau. Eine Menge Ortschaften werden durch die Höhen des Mittelgebirges und den weiten Bogen des Erzgebirges begrenzt.
Eine wiederum schöne Rundsicht bietet _*der Schlossberg_ (½ St.). Man erreicht ihn, wenn man durch Schönau, am Neubad vorbei, eine breite Strasse geht, die bis an seinen Fuss führt. Man kann entweder auf schönen Promenadenwegen oder der neugebauten, an Serpentinen reichen Strasse hinauf gelangen.
Auch kann man die bei dem verfallenen Thore am Fusse befindlichen Esel benutzen. Der Berg selbst, eine auf Basalt und Porphyr gelagerte Phonolythmasse, wird von einer Burg gekrönt. Ihre Gründungszeit ist unbekannt, doch ist wahrscheinlich, dass dieser sowohl zur Vertheidigung als zur Beherrschung eines grossen Gebietes eminent günstige Ort schon in uralter Zeit befestigt gewesen sei. Am Fusse desselben stand das ehemalige Kirchdorf Daubrawitz, jetzt nur ein Meierhof, von dem die Burg auch in früherer Zeit den Namen hatte. Im Jahre 1585 kam sie in den Besitz der Kinsky, welche sie durch holländische Baumeister restauriren und einen Thiergarten anlegen liessen, von welchem noch die Thormauer am Fusse erhalten ist. 1615 erbte sie Wilhelm Kinsky, ein Vetter und Schwager Wallenstein's, der in Eger am 22. Febr. 1634 ermordet wurde. Kaiser Ferdinand II. verlieh sie mit den Herrschaften Teplitz und Pinsdorf an den General Grafen Aldringen, nach dessen Ende (bei Landshut im Gefechte am 20. Juli 1634) ging sie an seine Schwester Anna über, vermählte Clary; die Clary's hatten mit kaiserl. Rescript vom 24. Mai 1653 Namen und Wappen der Aldringen zu führen. Während des dreissigjährigen Krieges war die Burg mehrmals im Besitze der Schweden gewesen. Im Jahre 1655 liess sie der kaiserliche Hof mit Rücksicht darauf, dass sich leicht Raubschaaren dort festsetzen könnten, schleifen und seit dieser Zeit liegt sie in Trümmern. Die Restauration, die theils kasemattenartig in die Mauern eingebaut ist, theils einen modernen Holzbau bildet, ist als sehr gut zu bezeichnen. Die Rundsicht ist prachtvoll. Man sieht einen grossen Theil des Mittelgebirges, das den Milleschauer überragt, den Biliner Felsen, die Gegend bei Brüx, den ganzen Zug des Erzgebirges mit seinen zahlreichen Städten, Flecken und Dörfern, das Kulmer Schlachtfeld und die Höhen bei Aussig. Geht man auf der Prager Strasse durch Schönau, an der Gasanstalt vorbei bis zu einer Gerberei, biegt rechts um, so gelangt man auf einem Pfade in einer halben Stunde südöstlich von Teplitz zur Fasanerie (zum Dorfe Zwettnitz gehörig), einem waldartigen Park mit hübschen Spaziergängen. In der Försterswohnung eine kleine Restauration. Die Aussicht erwähnenswerth.
=I. Touren= (in das Mittelgebirge und auf den Milleschauer siehe oben von Bilin, beziehungsweise Lobositz aus).
Als besonders bemerkenswerthe Touren empfehlen sich von Teplitz aus in der Richtung gegen das anmuthige Bielathal folgende: 1. Man geht entweder auf der Strasse über Auperschin (Bielathalbahn) nach Welboth (durch die Prager Strasse in Schönau), oder man biegt bei der Ueberbrückung des Saubaches durch die Strasse links ab, geht auf einem Fahrwege nach Wisterschan, dann an der Schule vorbei und gelangt, indem man fort dem Bache nahe zu bleiben trachtet, über Neuhof in ein hübsches Thal, an dessen Ende das Dörfchen Kozlike sich befindet; von hier geht der Weg nach Welboth. Verfolgt man nun die Strasse nach Hertine, so bietet dieses Dorf, unweit der Bielabrücke von Welboth, ein reizendes Bildchen. Der es überragende Berg heisst nach einem kleinen Dörfchen _der Frauschieter Berg_. Von Hertine (Bahnstation) geht man längs der Geleise der Bielathalbahn nach Prosanken. Ein sehr hübscher Wiesenweg führt uns nach Tschochau (Station), einem grossen Dorfe mit einem Bräuhaus und einigen ziemlich guten Wirthshäusern (besonders böhmische Krone; bisher etwa 3 Stunden). In kürzerer Zeit erreicht man Tschochau auf dem ebenfalls nicht uninteressanten Wege über Drakowa auf der am Fusse des Schlossberges vorbeiführenden Strasse, dann über Quikau, Suchey, an dem über 360 m hohen Jedowinberg vorbei über Habrzie und Hlinai.
Von _Tschochau_ aus lassen sich mehrere hübsche Partien machen, und zwar zunächst nach _Staditz_; schon nach einer kleinen halben Stunde kommt man zu dem sogenannten Königsfelde, das noch vor dem Dorfe einem Försterhause, zugleich Restauration, gegenüber liegt. Es ist dies wohl die älteste Stätte Böhmens, die die Sage nennt. Hier soll das weisse Pferd, das Libuša, die Tochter des ersten Tschechenherzogs Krok, zum Aufsuchen des Bräutigams ausschickte, den vom Pflügen ausruhenden Wladyken Přemysl gefunden und durch Stehenbleiben und freudiges Wiehern als den erwähnten Bräutigam bezeichnet haben. Er wurde Stammvater des Jahrhunderte lange herrschenden Přemyslidengeschlechtes.
Eine andere Version der Sage erzählt, dass Libuša unter der Führung des weissen Pferdes Leute ausgeschickt habe, die den als Bräutigam auf den Wyschehrad führen sollten, der auf einem eisernen Tische essen würde. Und Přemysl ass sein Brod auf der Pflugschar des umgekehrten Pfluges. Die Sage hat manchen verwandten Zug mit den Stammsagen der indoeuropäischen Völker. Auf dem Königsfelde, das bis jetzt in dieses Jahrhundert steuerfrei gewesen ist (?) und von dessen Haselstaude, die aus der von Přemysl gesteckten Ruthe abstammen soll, die Früchte zur königlichen Tafel nach Prag geliefert wurden, hat Graf Erwin Nostitz, der Besitzer von Türmitz, 1841 ein Denkmal errichten lassen. (Siehe Seite 178.)
Es ist das ein, auf zwei Terrassen ruhender grosser Steinwürfel mit zwei Reliefdarstellungen, von denen die eine das Zusammentreffen der Gesandtschaft, die zweite den Einzug Přemysl's in die Burg Wyschehrad darstellt. Sie sind ein Werk von Max. Das Ganze krönt ein eiserner Pflug von bedeutender Dimension. Von da führt ein Weg durch das malerische Bielathal über das Dörfchen Kosten nach _Türmitz_ (Station der Aussig-Teplitzer Bahn), einem recht aufstrebenden Orte mit einer grossen Zuckerfabrik. Die ganze Partie beansprucht etwa 5 Stunden.
Eine andere Partie von Tschochau aus ist folgende: Auf der Strasse nach _Nabrowan bis Razeine_, von da links ab nach _Dubitz_ und dann bis zu dem vom Orte etwa 10 Minuten entfernten Kirchlein. Hier geniesst man einen Einblick von seltener Schönheit in das prachtvolle Elbthal. Gegenüber hat man die pittoreske Gestalt des Deblikberges, an dessen Fusse das Dorf Tirkowitz liegt.