Führer durch das böhmische Erzgebirge, das Mittelgebirge und die angrenzenden Gebiete

Part 21

Chapter 213,412 wordsPublic domain

Dieser aufstrebende Curort (Station der Prag-Duxer Bahn, daher von Dux, Teplitz und Brüx leicht erreichbar), hat jetzt ein grossartiges Curhaus, welches glänzend eingerichtet ist und allen Comfort bietet. Seine Lage ist eine herrliche. Von der Terrasse des Curhauses sehen wir den merkwürdig gestalteten Bořen vor uns und lassen unsere Blicke über einen grossen Theil des böhmischen Mittelgebirges schweifen. Im Souterrain des Curhauses befinden sich allen Anforderungen entsprechende gewöhnliche und Dampfbäder, und der im Parterre hergestellte geräumige Lese- und Conversationssaal befriedigt alle Ansprüche, selbst der verwöhnten Besucher der nordwestböhmischen Bäder. Die das Curhaus umgebenden Anlagen sind herrlich und verleihen dem Curorte, der sich von Jahr zu Jahr hebt, einen besonderen Reiz. Der Aufenthalt daselbst ist nicht kostspielig. Das schönste, mit aller Bequemlichkeit ausgestattete Zimmer kostet _nur zwölf_ Gulden in der Woche, ein kleineres und ganz entsprechend eingerichtetes 6 bis 8 fl. Eben so mässig sind die Preise der Speisen in der eigenen Restauration, welche vom 1. Jänner dieses Jahres von einem tüchtigen Wirthe in Pacht genommen wurde. Der Brunnen liefert aus 4 Quellen ein kohlensaures Wasser. Sie liegen am nordöstlichen Abhange des Ganghofer Berges. Es ist nicht bekannt, zu welcher Zeit sie entdeckt worden sind. Ein bleibendes Augenmerk erhielten sie erst zu Anfang des achtzehnten Jahrhunderts, wo die Fürstin Eleonore von Lobkowitz Besitzerin der Herrschaft wurde. Die _Josefs-_ und _Caroline-Quellen_ sind so ergiebig, dass sie allein den ganzen Bedarf decken. Das Wasser wird theils an Ort und Stelle, besonders von Touristen, Curgästen aus Teplitz und Besuchern aus der nächsten reichen Umgebung, unter deren angenehmste Ausflüge eine Fahrt oder ein Spaziergang nach dem »Biliner Sauerbrunn« gehört, getrunken, theils und zwar grösstentheils so bedeutend versendet, dass heute über _eine_ Million Glasflaschen in die Welt geht. Das Wasser ist ein hervorragender Repräsentant der alkalischen Säuerlinge, zeichnet sich in der Wirkung als säurebindendes, die Alkalessenz des Blutes erhöhendes Mittel vor allen anderen aus, leistet daher bei Sodbrennen, Magenkrampf, chron. Magenkatarrh, bei sogenannter Harnsäure, Nierensteinen, Gicht, chron. Rheumatismus, chron. Blasen- und Lungenkatarrh, bei Gallensteinbildung, Fettleber und Scrophulose die erspriesslichsten Dienste. Auch bietet der Biliner Sauerbrunn ein vortreffliches, dietätisches -- mit Wein- oder Citronensaft und pulverisirtem Zucker versetzt -- vermöge seines grossen Kohlensäuregehaltes, hochschäumendes, erfrischendes Getränk und ist dann, insbesondere während der heissen Sommermonate zu empfehlen. Ueberdies gewinnt man durch Abdampfen des Wassers in einem eigenen Laboratorium kohlensaures Natron (Biliner Pastillen).

Grosses Interesse wendet der Tourist dem Bořen, auch Biliner Stein genannt, zu. Er ist ein Klingsteinfelsen und wird von den Botanikern wegen seines Reichthums an seltenen Pflanzen viel besucht. Aus der Ferne betrachtet, präsentirt sich der steile und schroffe Fels, dessen Basis von Feldern und Obstgärten umgeben ist, als eine riesige, compacte Masse, weist aber in der Nähe eine Menge von Rissen und Zerklüftungen auf, so dass er durch sein abenteuerliches Zickzack das Staunen des Besuchers erregt und durch diese seine pittoreske Gestalt an den Säntis bei St. Gallen in der Schweiz, von Lindau oder Bregenz aus betrachtet, erinnert. Der Anstieg ist höchst schwierig und nur auf der westlichen Seite möglich. Ein Führer ist nicht nöthig, da der Weg durch weisse Striche an Steinen und Bäumen bezeichnet ist. Vom »Sauerbrunn« erreichen wir die Spitze in _einer_ Stunde. Wir überschreiten bei der Station die Bahn, gehen auf dem Wege einige hundert Schritte fort, lenken in den nach links sich abzweigenden Weg ein und folgen nun den oberwähnten Strichen. Da das Steingeröll leicht nachgibt, so ist beim Anstieg alle Vorsicht zu gebrauchen. Unter den Höhlungen ist die _Michelshöhle_ die hervorragendste. An ihrem Eingänge ist die gewaltige Basaltsäule beachtenswerth. Diese Felsart finden wir längs der östlichen und südlichen Seite des Bořen. Dieser Berg ist überhaupt eine der ersten Zierden des an malerischen Schönheiten und geognostischen Merkwürdigkeiten so überaus reichen Mittelgebirges, er ist der Stolz der Gegend.

Die Aussicht vom Bořen ist überraschend schön; wir übersehen die westliche Seite des Teplitzer Thales mit den prächtig bewaldeten, schluchtenreichen Abhängen des Erzgebirges. Im Norden sehen wir zu unseren Füssen das freundliche Städtchen Bilin und den reizend gelegenen »Sauerbrunn«, weiter links Dux mit seinem stattlichen Kirchthurme, dem gräflich Waldstein'schen Schlosse sammt Park, dann weiter am Fusse des Erzgebirges das romantisch gelegene Stift Ossegg. Aus der Teplitzer Ebene ragt der Schlossberg empor und erweckt unsere Aufmerksamkeit, rechts davon sehen wir die Ruine Kostenblatt, noch weiter rechts, gerade in östlicher Richtung die Klotzberge, den Radelstein, der Milleschauer ist verdeckt. Im Süden erblicken wir den Millayer Berg 504 m, weiter den Hoblik von derselben Höhe und schliesslich die Launer Berge, im Westen den Böhmisch-Zlatniker Berg, Brüx mit dem prächtigen Schlossberge, im Nordwesten hebt sich Eisenberg aus dem Grün der Tannen und Buchen hervor, und weiterhin verfolgt das Auge den Rücken des Erzgebirges.

Eine eben so schöne Aussicht bietet der _Ganghofer Berg_, dessen Gesteine deutlich die Verwandtschaft des Klingsteins mit gewissen Prophyr-Abänderungen zeigen. Er erhebt sich westlich über dem »Sauerbrunn«, ist leicht zu besteigen, da nahezu bis zum Gipfel schön angelegte Promenadenwege führen.

Ein bequemer Fahrweg führt in 20 Minuten langsamen Gehens zu dem niedlichen Städtchen _Bilin_.

Bilin.

=Gasthöfe=: »Hohes Haus,« »Weisser Löwe«, beide am Marktplatz.

=Post- und Telegrafenamt= (ersteres Lange Gasse, letzteres Wenzelsplatz). _Aussig-Teplitzer Bahn_ mit dem Bahnhof Preschen, 10 Minuten entfernt; _Prag-Duxer Bahn_ mit den Stationen Sauerbrunn und Bilin. _Bielathalbahn_, Verbindung mit Aussig.

=Fahrgelegenheiten=: _Postomnibus_ zum Bahnhof in Preschen.

Die Stadt zählt beiläufig 5000 Einwohner, liegt an der Biela, welche die Stadt selbst von der Brüxer Vorstadt trennt und hier den von Südosten kommenden Zischken-Bach aufnimmt. Im Süden erhebt sich der Bořen, im Westen der Ganghofer Berg, im Norden, hinter der Teplitzer Vorstadt, der grosse Chlum, im Osten der Schlossberg, dessen Fortsetzung der Hradischt heisst.

=Geschichtliches.= Die Erzählungen von der »Fürstin Bila«, die schon 744 hier ein Schloss erbaut und dem Orte, sowie dem Flusse den Namen gegeben haben soll, dann von den »Bilinen«, einem čechoslavischen Stamme, der sich zu Ende des 5. Jahrhunderts hier an den Gestaden der sanft dahingleitenden Biela ansiedelte, dürften in das Bereich der Sagen gehören. Indessen sind echte geschichtliche Ueberlieferungen von der ehemaligen »Provinz Bilin« vorhanden, welche schon vor dem 11. Jahrhunderte im Auftrage der böhmischen Herzoge von eigenen Grafen verwaltet wurde. Unter König Wenzel II., der von 1223 bis 1253 regierte, erhielt _Hogerius_, der Truchsess dieses Königs, die Burg und die Stadt Bilin für sich und seine Erben als Geschenk. Im J. 1342 wird in den Urkunden einer Schule erwähnt. Albrecht von Berka verlieh der Stadt im J. 1365 gewisse Privilegien und wurde 1381 vom Kaiser Karl IV. mit Bilin belehnt. Im Husitenkriege, wo sie dem Albert von Kolditz gehörte, wurde sie 1421 erobert und verwüstet. Im J. 1426 bemächtigte sich der Stadt Jakubko von Wřeschowitz, der sich von ihr den Namen Bilinský beilegte. Nach seinem Tode fiel sie wieder an die Herren von Kolditz und gelangte dann 1464 an die Herren Popel von Lobkowitz. Von dieser Zeit verblieb sie bei dieser Linie, welche mit dem Grafen Leopold von Lobkowitz im Jahre 1707 männlicherseits erlosch. Die Tochter Eleonora Carolina vermählte sich mit Philipp Fürsten von Lobkowitz, Herzog zu Sagan und vermachte ihm die Herrschaft Bilin. Ihm folgte 1748 sein Sohn Ferdinand Fürst von Lobkowitz, Herzog zu Sagan, diesem 1796 sein Sohn Franz Josef, Fürst von Lobkowitz, Herzog zu Raudnitz, und diesem Moritz Fürst von Lobkowitz, Herzog von Raudnitz, der gegenwärtige Besitzer.

=Sehenswürdigkeiten=: Das stattliche Fürst Lobkowitz'sche _Schloss_ mit seinem schönen Parke. Dasselbe überragt die Stadt, und wurde um das J. 1680 von Christof Freiherrn von Lobkowitz erbaut. Es enthält eine Menge unterirdischer Gänge, worin man alte Pfeile und andere Gegenstände gefunden; die schöne _Pfarrkirche_ ist auch zu beachten. Sie wurde schon 1061 gegründet, besteht aber in ihrer jetzigen Gestalt erst seit 1573. Bemerkenswert sind noch die _neugebaute Schule_ und das _Gerichtsgebäude_.

Touren:

_Radek-Werschetiner Berg-Suttomer Berg-Skalken-Kostial-Lobositz_ oder umgekehrt. (Wir wählen zum Standorte _Bilin_ oder von der entgegengesetzten Seite, je nachdem der Tourist kommt, _Lobositz_.)

_Bilin-*Radelstein._ Zum _Radelstein_ entweder über Kutschlin und Rasitz (mit Führer) oder über Radowesitz und Stepanow. Dieser Berg liegt inmitten des Mittelgebirges und bietet uns von seinem Rücken ein interessantes Bild. Er ist nicht, wie die anderen Berge des Mittelgebirges, spitzig, sondern zeigt einen breiten, waldigen Rücken, dessen höchste Erhebung ein ebenes, rundes, frischgrünes Plateau bildet. Dieses ist ringsum von mächtigen Steinwällen eingefasst, hinter welchen sich dunkles Nadelholz erhebt; nur ein kleiner Lärchenwald macht sich bemerkbar und kennzeichnet den Radelstein schon von der Ferne. Die Steinwälle stammen offenbar aus altheidnischer Zeit her. Hier bestand gewiss eine heidnische Cultusstätte, wie auf dem Deblik bei Leitmeritz, dem Hradek bei Gross-Czernosek, wo sich derartige Steinwälle gleichfalls vorfinden. Ueberreste von Burgen sind es, wie die Sage berichtet, nicht, da Mauerreste nicht zu entdecken sind, und eine gänzliche Beseitigung derselben von so hochgelegenen Punkten nicht möglich ist.

In dem hier befindlichen Forsthause wird uns eine Erfrischung verabreicht. Die schönste Aussicht geniessen wir von der Hütte auf der Südseite des Plateaus. Im _Süden_ erblicken wir zwischen den Launer Bergen die Stadt Laun, rechts davon den Hoblik und den Millayer Berg; im _Südosten_ präsentirt sich uns die Hasenburg, rechts davon die ausgedehnte, fruchtbare, von der Eger durchschnittene Ebene. Links von der Hasenburg sehen wir im Hintergründe den prächtigen Georgsberg (Říp) bei Raudnitz, im Vordergrunde den Kostial mit seiner Ruine, an seinem Fusse links den hohen Thurm von Skalken. Weiter links erblicken wir die Elbe mit der Brücke bei Leitmeritz, das sich hinter dem Lobosch verbirgt, und weiter links am Horizont den Wilschberg und Geltsch, zwischen denselben den Ronberg und in weiter Ferne hinter diesem den Jeschken. Auch der Milleschauer und die Berge bei Aussig sind sichtbar. Im Norden ist der Horizont durch das Erzgebirge, aus dem das Mückenthürmchen und der Schneeberg hervorragen, begrenzt und im Westen erscheint der Böhmisch-Zlatniker, der Ganghofer Berg und im Vordergrunde die dunkle Masse des Bořen. Die Aussicht ist grossartig und es steht zu erwarten, dass die Touristen diesem Punkte künftighin eine solche Aufmerksamkeit schenken werden, wie er es verdient.

Östlich vom Radelstein liegen der _Suttomer Berg_ und _Skalken_, südlich von diesen der Werschetiner Berg -- auf derselben Strasse wie zum Radelstein von Bilin in 2 bis 3 Stunden zu erreichen. Suttom und Skalken liegen ¼ Stunde auseinander. Der Suttomer Berg ist leicht zu ersteigen und bietet eine schöne Aussicht. Das Dorf hat eine schon im J. 1388 bestandene, in ihrer jetzigen Gestalt aber erst 1716--1724 durch Anna Sigismunda Gräfin von Hřzan, damalige Besitzerin des Gutes Skalken, erbaute Pfarrkirche. Südöstlich davon liegt das Dorf Wlatislav im Thale des Modelbaches. Es sollte eigentlich Wlatislav heissen, da es ehedem eine wohlbefestigte, von dem Saazer Herzog Wlastislav erbaute Stadt gewesen, aber schon im J. 936 vom Prager Herzog Boleslaw I. zerstört worden sein soll. Die Spuren einer dreifachen Schanze auf einer Anhöhe nördlich vom Dorfe hält man für Ueberreste der ehemaligen Burg. Am südlichen Flügel des Schlosses im Dorfe Skalken erhebt sich auf einem schroffen Felsen ein alterthümlicher, 18·9 m hoher ovaler Thurm, mit 3·7 m dicken, sehr festen Mauern, welche aus weissen Bausteinen bestehen; in das Innere konnte man früher nur von der steilsten Seite des Felsens mittelst einer 3·7 m über dem Boden in der Mauer befindlichen viereckigen Oeffnung gelangen. Höchst wahrscheinlich ist es ein sogenanntes Burgverliess gewesen. Die Aussicht ist ungemein lieblich, da den Felsen ein herrlicher Kranz von vulcanischen Bergen umgibt. Auf der Strasse südlich von Watislav kommen wir in einer halben Stunde nach _Woborzitz_, in dessen Nähe sich der _Woborzitzer Berg_, der _Werschetin_, 426·6 m hoch, befindet und dann nach dem Dorfe Podseditz mit den Granatengruben und einer Granatenfabrik.

Südöstlich von Skalken (etwa ¾ St.) liegt der _*Kostial_, ein schön geformter Basaltfels, der auf seinem Scheitel die malerischen Trümmer einer Burg trägt. Dieser Punkt, sowie die Hasenburg sind von _Lobositz_ besser und angenehmer zu erreichen, und es empfiehlt sich die Theilung der Tour von _Bilin_ nach _Lobositz_ in die Touren: Bilin-Radelstein und Lobositz-Hasenburg-Kostial bis einschliesslich Suttomer Berg. Auf den Kostial gehen wir von Lobositz südwestlich auf der Strasse über Sullowitz (½ St.), Jentschitz (¾ St.) und wenden uns hier rechts nach dem ¾ St. südöstlich von Skalken gelegenen Dorfe Kostial, am östlichen Abhange des Kostialer Berges. Von da gehen wir in westlicher Richtung auf den Berg und erreichen ihn in einer halben Stunde (für den ganzen Weg von Lobositz 2 St.) Die Aussicht ist sehr lohnend. Südlich begegnen unsere Blicke der herrlichen Hasenburg, im Hintergrunde der Stadt Budin, südwestlich und westlich in der Ferne dem Hoblik und Millayer Berge und in der Nähe dem Werschetiner Berge, dem Radek, weiter nach Nordwesten dem Radelstein, den Klotzbergen und im Norden dem Milleschauer, im Hintergrunde dem Erzgebirge mit dem Schneeberg, rechts vom Milleschauer dem Kletschen, östlich der Elbe mit den Städten Lobositz und Leitmeritz, dem Radobyl und dem hohen Geltsch und südöstlich dem Georgsberg mit der Stadt Raudnitz am Fusse desselben und weit im Hintergrunde der Stadt Melnik.

Der Abstieg erfolgt nach der Stadt Trebnitz, südlich am Fusse des Kostialer Berges und am Modelbache, sowie an der Lobositzer Strasse gelegen. In der Pfarrkirche, welche schon seit dem J. 1384 besteht, sind 2 kunstreiche Alabasterbilder. Auch befindet sich hier ein in den Jahren 1573 bis 1575 geschriebenes Cancionale in böhmischer Sprache aus 470 kalbledernen Blättern bestehend und nach damaliger Weise mit schönen Malereien, Goldbuchstaben, Initialen u. s. w. verziert. Von da gehen wir auf der Strasse südlich nach Chodolitz und biegen vor dem Orte Klapay links auf die _*Hasenburg_ ab (2¼ St.). Das ist ein steiler, 413 m hoher und aus Basalt bestehender Berg, welcher durch seine schönen, zu Tage entblössten Säulengruppirungen dem wissenschaftlichen Forscher sowohl als dem Naturfreunde überhaupt ein hohes Interesse bietet. Auf der Hasenburg liegen die Ruinen der alten Burg Klapay, welche aus zwei hohen, weit in die Ebene sichtbaren Thürmen besteht. Der eine dieser Thürme ist viereckig und wird gewöhnlich der weisse, der andere runde aber der schwarze Thurm genannt. Diese Burg soll schon im J. 874 erbaut worden sein; im J. 1336 ist sie an die Familie der Hasenburge gekommen und wird auch seit dieser Zeit Hasenburg genannt. Im J. 1431 wurde sie von den Taboriten erobert und von ihnen gänzlich zerstört; seitdem ist sie nicht mehr bewohnt worden.

Die Aussicht ist prachtvoll. Im Norden das Erzgebirge, in derselben Richtung, sowie im Nord-Westen, Westen die wiederholt oben (siehe Kostial) angegebenen herrlichen Punkte unseres höchstinteressanten Mittelgebirges, im Osten der Georgsberg, südöstlich die Stadt Libochowitz mit Schloss und Kirche und nach diesen beiden Richtungen hin, die herrlichen, fruchtbaren Thäler der Eger und Elbe mit zahlreichen Städten, Dörfern und Weilern.

_*Der Milleschauer._ Derselbe ist 834 m hoch und besteht aus Klingstein. Unter den einzelnen Bergen des Mittelgebirges nimmt er den ersten Platz ein. Die weite und reizende _Aussicht_, welche man von hier über einen sehr beträchtlichen Theil unseres schönen Heimatslandes, namentlich auf das Erzgebirge, das Teplitzer- und Bielathal, weit über das rechte Elbufer, wo das Iser- und Riesengebirge den Horizont begrenzen, ferner nach Südosten und Süden über Rakonitz bis in die Umgebungen Prags und selbst noch jenseits der Hauptstadt über das rechte Moldauufer hinaus geniesst, machen diesen Berg zu einem der herrlichsten Standpunkte für den Bewunderer mannigfaltiger Naturschönheiten und eines mit den Gaben der Ceres überschütteten, durch Gewerbefleiss blühenden, nach allen Richtungen hin mit Städten, Flecken und Dörfern bedeckten Landes. Die Zahl der Besucher dieses herrlichen, bis zur Spitze reich bewaldeten und höchst interessanten Berges ist sehr gross und steigert sich von Jahr zu Jahr. Die oben befindliche Restauration entspricht in Bezug auf Qualität der Speisen und Getränke und Unterbringung der Gäste in den geräumigen, mit allem Comfort ausgestatteten Mooshütten allen Anforderungen. Die Wege nach dem Milleschauer sind recht bequem.

Touren nach dem Milleschauer:

_Teplitz-Borislau-Pilkau_ (4 St. zu Fuss -- bis Pilkau ein guter Fahrweg -- in Pilkau gibt es Esel und Tragsessel für diejenigen, welche nicht steigen können oder wollen). Wir gehen auf der Strasse nach Lobositz in südöstlicher Richtung nach Auperschin (1 St.), Schallan (¾ St.), am Abhange des Mittelgebirges endlich nach Borislau (½ St.), bereits hoch im Mittelgebirge; dieses Dorf hat eine im J. 1717 neuerbaute und 1820 auf Kosten des Fürsten Johann von Clary restaurirte Kirche mit einem Gemälde von einem unbekannten Meister, den Märtyrertod der hl. Katharina darstellend; dasselbe wird von Kennern sehr gelobt. Nach einer halben Stunde erreichen wir, rechts von der Strasse abbiegend, das am Fusse des Milleschauer liegende Dorf Pilkau, von wo aus wir die Spitze des Berges in einer Stunde auf einem gut erhaltenen, steilen Wege erreichen.

_Aussig-Türmitz-Kosten-Staditz-Tschochau-Borislau-Pilkau_ (5 St.). In einer halben Stunde erreichen wir von unserem Standquartiere Aussig den Ort Türmitz, an beiden Ufern der Biela gelegen, setzen unseren Weg im Bielathal fort und kommen nach Kosten und Staditz; in letztem Orte, dem Geburtsorte Přemysl's, dem Gemahl Libuša's, verweilen wir einige Zeit, lassen uns die Haselstaude, in welche sich die von Přemysl in die Erde gesteckte Ruthe verwandelt haben soll, zeigen und besichtigen noch das sogenannte _Königsfeld_, d. i. das Feld, wo Přemysl pflügte, als ihn die Gesandten der Libuša fanden. Nach Passirung der Orte Tschochau und Borislau erreichen wir auf der schon berührten Tour über Pilkau unser Ziel. (Für diese Tour können wir auch die Bielathalbahn bis zur Station Tschochau-Hlinai benützen; siehe überdies Bereisung von Teplitz über Tschochau.)

_Lobositz-Billinka-Wellemin-Milleschau-Milleschauer._

Lobositz.

=Lobositz= liegt an der Mündung des Modelbaches in die Elbe, Stadt mit etwa 4000 Einwohnern.

=Gasthäuser=: »Hôtel Post« am Bahnhof, »schwarzes Ross«, »goldener Löwe«; »Dampfschiffrestauration an der Elbe« mit prächtiger Aussicht, schöner Garten. -- »Hôtel zur Eisenbahn«.

=Post- und Telegrafenamt.= -- =Eisenbahn- und Dampfschifffahrts-Station.=

=Fahrgelegenheiten.= -- =Schwimmanstalt.=

Bei Lobositz verlässt die Elbe die westliche Richtung, schlägt die nördliche ein und strömt mit derselben mit einigen kleinen Abweichungen bis Zirkwitz. Die mit zahlreichen Ortschaften, Wein- und Obstgärten bedeckten Ufer- und Bergabhänge zu beiden Seiten des Stromes gehören unter die reizendsten Gegenden nicht bloss von Böhmen, sondern von ganz Oesterreich-Ungarn.

In Lobositz sind viele _Fabriken_ und _Industriewerke_ im Betrieb, darunter bedeutende Zuckerfabriken, eine Dampfmühle, und die grossartige Cichorienfabrik von Tschinkel. _Die Pfarrkirche_ ist ein in den Jahren 1733 bis 1743 von Grund aus neu errichtetes schönes Gebäude, welches im Presbyterium den aus der vorigen alten Kirche aufbewahrten Marmorgrabstein der am 7. März 1702 verstorbenen Markgräfin _Maria Franziska_ von _Baden_ und _Hochberg_, geb. Landgräfin von Fürstenberg, enthält. Von den Glocken trägt eine die Jahreszahl 1532, die andere 1691.

In dem herrschaftlichen _Schlosse_ befinden sich die fürstlich Schwarzenberg'schen Wirthschaftsämter und ein Saal für chemische Untersuchungen. Bei der Erhebung des Ortes Lobositz zum Range einer Stadt unter Kaiser Rudolf II. im J. 1600 (zu deren Erinnerung im J. 1776 auf Kosten des damaligen Primators Johann Georg Tscherney die St. Procopius-Säule auf dem Marktplatze errichtet wurde) erhielt Lobositz das Recht, ein eigenes Wappen zu führen und an jedem Freitage einen Wochenmarkt zu halten. Das Wappen enthält zwei Thürme im blauen Feld und ein offenes Thor mit einem Schutzgitter und einem Löwen darunter. Die Stadt ist reich an geschichtlichen Momenten. In den Jahren 1315, 1648, 1680 und 1742 richteten die Pest und andere Seuchen in der Stadt und Umgebung grosse Verheerungen an, woran noch die Namen der »Pestkirchhöfe« und einige Merkzeichen in der Gegend erinnern. Während der Husitenkriege wurde Lobositz besonders in den J. 1420 und 1426 sehr hart mitgenommen. Im 30jährigen Kriege hatte es in den J. 1634, 1635 und 1639 von den Schweden grosse Drangsale zu erdulden. Am 1. October 1756 fand hier am Fusse des Lobosch-Berges die erste Schlacht im 7jährigen Kriege statt. Nach der Schlacht bei Kolin, dann in den J. 1759 und 1773 hatte es abermals viel zu leiden. Wiederholte Feuersbrünste verursachten auch vielfachen Schaden. Am 13. Februar 1809 wurde die Stadt sammt dem Schlosse ganz eingeäschert. Kaum hatte sie sich von diesem Unglücke erholt, als 1813 der verhängnissvolle Krieg zwischen Frankreich und den verbündeten Mächten ausbrach und die Stadt die Nähe des Kriegsschauplatzes mehrere Monate hindurch schmerzlich empfinden liess.

Von Lobositz gehen wir auf der Strasse in nordwestlicher Richtung nach _Billinka_ (¾ St.) auf einer sanften Anhöhe. Bevor wir die Tour auf den Milleschauer fortsetzen, statten wir von hier aus dem rechts (östlich) von der Strasse gelegenen _*Lobosch_ 568 m einen Besuch ab. Derselbe ist nach Süden und Osten durch keine Vorberge gedeckt und gestattet deshalb eine herrliche Uebersicht von einem grossen Theile des ehemaligen Leitmeritzer und Rakonitzer Kreises. (Der Besuch dieses Berges empfiehlt sich mehr von Lobositz über Welhota.) Von Billinka wandern wir auf der Strasse über Wellemin nach _Milleschau_, einem Dorfe am südöstlichen Abhange des »_Milleschauer_«. Hier befindet sich ein grosses und sehr schönes von Kaspar Zdenko von Kapliř im J. 1682 auf einem hohen Felsen erbautes Schloss und ein grosser Obst-, Gemüse- und Ziergarten. Von Milleschau aus erreichen wir auf einem guten, stellenweise sehr steilen Wege die Spitze des Berges.

_Bilin-Kostenblatt-Tschentschitz-Milleschauer._ Von Bilin nach Kostenblatt 1 Meile, und von da, am besten mit Führer, in östlicher Richtung meist durch Wald nach Tschentschitz (¾ St.), hoch im Gebirge, am Abhange des »Milleschauer«. Hier kann der Führer entlassen werden.

H. Der Besuch des böhmischen Erz- und Mittelgebirges von Teplitz aus.

Teplitz

(221 m. Seehöhe).

=Gasthöfe=: »König von Preussen« (Stephansplatz); »Hôtel Post«, »Stadt London« (beide Lange Gasse); »Altes Rathhaus« (Marktplatz); zur »Riesenburg« (Graupnergasse); »Kronprinz Rudolf«, »blauer Stern« (beide Bahnhofstrasse); »Neptun« (Mühlstrasse); »Schwarzes Ross« (Kirchengasse); »Preussischer Hof« und »Wigand's Hôtel« (Kurpark).