Führer durch das böhmische Erzgebirge, das Mittelgebirge und die angrenzenden Gebiete

Part 20

Chapter 203,346 wordsPublic domain

Sigmund, ausser Stande, ihrer Bitte willfahren zu können, empfiehlt sie an den Markgrafen Friedrich von Meissen. Dieser hatte die Besatzung der Stadt und des Schlosses verstärkt, und so erwarteten denn die Brüxer muthig und vertrauensvoll den Feind, der auch am 24. Juli 1421 vor Brüx erschien, und nach wiederholter vergeblicher Aufforderung zur Uebergabe am folgenden Tage die Belagerung der Stadt und des Schlosses begann. Tapfer wehrten sich die Belagerten, der fortlebenden Tradition zufolge, besonders angefeuert von ihren Frauen und Jungfrauen. Aber Tag um Tag schwindet und bald auch die Hoffnung auf Entsatz. Der 5. August bricht an, das Fest Mariaschnee. Die Bürger strömen zur Kirche, vertrauensvoll die Mutter Gottes um Hilfe anflehend. Ein festlicher Gottesdienst wird gefeiert, die ehernen Zungen, die seit Beginn der Belagerung geschwiegen, hallen hinaus über die Stadt in's feindliche Lager, wo man der Thörichten spottet; beseelt von neuem Muthe, gerüstet mit frischer Kraft, eilen die Bedrängten dann an die Mauern, mannhaft abzuwehren der Feinde Horden. Da siehe! vom Erzgebirge herab leuchten schon die weissen Rüstungen der Entsatztruppen. Otto Pflug ist's, des Markgrafen Friedrich getreuer Vasall an der Spitze des Meissnischen Heeres, verstärkt durch Zuzug der böhmischen Herren Sigmund von Wartenberg, Hlavač von Duba und Niklas von Lobkowitz. Die Schlacht beginnt. Total war die Niederlage der Hussiten. 3000 Feinde bedeckten das Schlachtfeld, das Lager mit seinen geraubten Schätzen ward eine Beute des Siegers. Die Freude über diesen glänzenden Sieg bewog die Brüxer Bürger, die im frommen Glauben der Hilfe Mariens ihre Rettung zuschrieben, zu dem Gelöbnisse, alljährlich mit grösster Feierlichkeit das Fest Mariaschnee zu begehen, und die Nachkommen sind beflissen, getreulich zu halten, was die Väter gelobt. Das Mariaschnee-Fest mit seiner prunkvollen, grossartigen Feierlichkeit gibt ihnen Gelegenheit, den biederen, frommen Sinn zu erneuern, das patriotische Gefühl zu stärken.

Von jetzt an kamen auf langehin für die Brüxer trübe Tage. Einigemale noch waren sie bedroht von den Kelchnern, mehrere furchtbare Feuersbrünste, Orkane, andere Elementarereignisse, und endlich die Pest (1582 und 1680) verwüsteten die arme Stadt. Dazu kam noch, dass die Stadt von Georg von Poděbrad nach einem verheerenden Brande (1455) eingenommen und besetzt ward, während die Burg sächsische Besatzung hatte, und die fortwährenden Friedensbrüche immer nur der Stadt Schaden brachten. -- 1595 _kauften die Brüxer_ von Rudolf II. _die Burg_ sammt den zugehörenden Gütern um 81.060 fl. rhein., und übernahmen damit die Verpflichtung, die Besatzung des Schlosses zu erhalten. Allein die Ehre, Burgherren zu sein, kam den Bürgern theuer zu stehen. Die Burg zog stets jeden Feind an, und die Stadt hatte mit zu leiden unter den Belagerungen. Dreimal ward die Burg von den Schweden belagert, und zwar 1639, 1645 und 1646. Das letztemal mussten die Brüxer wegen Wassernoth, wegen der geringen Zahl der Vertheidiger, 200 Bürger gegenüber einem Heere von 30.000 Schweden unter General Wrangel, und wegen des schlechten Zustandes der Befestigungswerke das Schloss nach dreitägiger Belagerung am 16. Jänner übergeben. Solch' schwere Wunden hatte der dreissigjährige Krieg der Stadt geschlagen, dass sie, als die schwedische Besatzung zu Ende des Krieges 1648 abzog, keinen einzigen ansässigen Bürger mehr hatte. So ward es erklärlich, dass Ferdinand III., den inständigen Bitten der Bewohner nachgebend, 1651 die Demolirung der Burg bewilligte. Wenige in der letzten Zeit blossgelegte Mauerreste sind noch die Ueberbleibsel dieser Landesgrenzveste.

Nunmehr genoss die Stadt, abgerechnet einige Ueberfälle seitens der Sachsen und Preussen, die wenig Nachtheil brachten, ziemliche Ruhe; ihr Wohlstand hob sich, besonders da sie zu Beginn des 18. Jahrhundertes viele Güter durch günstige Käufe von den umliegenden Adeligen an sich brachte. So ist sie heute unter den reichsten Städten Böhmens in erste Reihe mit zu setzen.

Im Jahre 1813 beherbergte Brüx, das eine Zeit der Mittelpunkt des Lagers war, die drei alliirten Monarchen. Wenige Jahre darauf sollte Brüx fast ganz untergehen. Am 21. April 1820 verzehrte eine Feuersbrunst alle öffentlichen Gebäude bis auf die Stadtkirche und das Stadthaus. Der Schaden belief sich nach damaligen Werthverhältnissen auf 700.000 fl. W. W. Der abgebrannten Stadt ward durch ein staatliches Anlehen und die Unterstützung der Umwohner Hilfe. Die Folge der vielen Brände und besonders dieses ist, dass die Stadt, regelmässig gebaut, ein freundliches Aussehen hat, und mit wenigen Ausnahmen keine alten Gebäude besitzt.

Zu diesen gehören _Rathhaus_ und _Stadtkirche_, beide noch bemerkenswerth auch durch ihre Bauart. Das Jahr der Entstehung des ersteren Gebäudes ist nicht bekannt; es gehört überdies in seiner heutigen Gestalt mehreren Perioden an. Der Thurm ist jedenfalls ein Baudenkmal des 14. Jahrhundertes, und nicht viel jünger ist der an selben anstossende Vorbau, während das übrige Gebäude das Gepräge des 16. Jahrhundertes trägt. Es war jedenfalls früher zweistöckig, und ist nach dem Brande von 1515, der auch das Rathhaus schwer schädigte, unausgebaut geblieben. Die Stylrichtung ist die nachgothische. Die Vorderfront wird durch mächtige Wölbungen und vorstehende Pfeiler, 7 an der Zahl, getragen. Der mittlere trägt den kaiserl. Adler, je zwei zu beiden Seiten tragen vier, die Elemente symbolisirende Statuen, die beiden äussersten aber Wappenträger mit dem böhmischen Löwen und dem Stadtwappen. Die Felder zwischen den Fenstern, wie auch die Brustwände unter den Fenstern sind bemalt mit allegorischen Figuren, das Gesimse mit Schlachtendarstellungen. Dem projectirten Bau eines Kreisgerichtsgebäudes wird das Rathhaus zum Opfer fallen. Höchstens der Thurm dürfte erhalten bleiben.

Der Bau der _Dekanalkirche_ wurde 1517, nachdem im Jahre 1515 die alte Pfarrkirche mit einem grossen Theile der Stadt in Flammen aufgegangen war, begonnen, und war in wenigen Jahren vollendet. Feierlich eingeweiht wurde sie aber erst am 22. Mai 1594 durch den Prager Erzbischof Zbyněk von Duba und Lipa, nachdem sie bereits durch den Brand von 1578 grossen Schaden im Innern und auch am äusseren Bau erlitten. Der Erbauer der Kirche ist Beneš von Laun, Hofbaumeister des Königs Wladislav. Die Brüxer Stadtkirche ist sein letztes und Meister-Werk. Der Baustyl ist die spätere, sogenannte Wladislav'sche Gothik, wie sie bereits in den romanischen Styl überzugehen beginnt. Die innere Länge beträgt 73, die Breite 37 und die Höhe 24 m. Sie bildet ein langes Viereck, nur das Presbyterium endet in ein Sechseck. Das Aeussere ist mächtig und imposant durch seine ungeheure Breite, zu der die zwei Anbauten, die auf beiden Seiten eine Art Kreuzschiff oder Kreuzkuppel bilden, und im Innern oben Gallerien, unten Kapellen fassen, viel beitragen. Eine Beeinträchtigung erleidet der imposante Bau nur durch das unverhältnissmässige, niedere Kirchendach. Das 1578 abgebrannte, kupfergedeckte Dach hatte sicher diesen Mangel nicht. Das Innere der Kirche weist ein Gewölbe mit drei gothischen Kuppeln auf, eine Eigenthümlichkeit des Meisters Beneš. Die Gürtel und Rippen derselben laufen aus schwachen, schlanken Säulen, 16 an der Zahl, aus, und haben eine künstlerische Verwebung. Merkwürdig sind auch die Stützen der Kirche, welche kuppelähnliche Räume bilden, in denen Kapellräume sich befinden. -- Der Hochaltar, im Style der Renaissance, also durchaus der Bauart des Hauses nicht entsprechend, wurde erst 1773 aufgestellt. Der Altartisch sammt dem auf ihm ruhenden Säulenbau ist von natürlichem Marmor, die freistehende Rückwand eine Imitation. Rings an den Brüstungen der Gallerie befinden sich in Stein gehauene biblische Darstellungen, im Geiste des 13. Jahrhundertes gehalten. Gleich hier müssen wir der einfachen und der Doppelwendeltreppe erwähnen, die zu den Emporien führend, und ohne alle Stütze gebaut, von jedem Sachverständigen als Meisterwerke der Baukunst gerühmt werden.

Von Gemälden nennen wir vor allem die in einer Seitenkapelle nahe dem Hochaltar befindlichen, auf Holz gemalten Bilder der hl. Katharina und Barbara. Es sind dies zwei Flügel eines leider verloren gegangenen Bilderschreines, die unbeachtet im Depositorium der Kirche lagen, bis Gubernialrath Janko auf sie aufmerksam machte. Kandler verfertigte 1837 die erste Zeichnung. Sct. Barbara ist von geringerer Schönheit, aber eigenthümlich in der Auffassung und grossartiger im Faltenwurf, der an die schönsten Gewandmotive Dürers erinnert; Sct. Katharina zeigt die altdeutsche Auffassung jungfräulicher Schönheit, wie sie der Kölner Schule eigen ist und in Holbein's hl. Frauen den eigentlichen Typus gefunden. Beide Flügel sind Werke deutscher Kunst aus dem 16. Jahrhunderte. -- Ausserdem sind noch in den Seitenkapellen eine ziemliche Anzahl von Ueberresten solcher Bilderschreine angebracht, die nicht ohne Werth sind. Von Altarbildern sind als Meisterwerke bekannt: Der hl. Josef, Anbetung der drei Weisen, Tod des hl. Franziskus. Von Schnitzwerk bewundern wir die beiden Altäre der Kreuzigung und der Auferstehung; erstere besonders entzückt bei eingehender Betrachtung durch Plastik und Figurenreichthum. In diesen beiden Kapellen erregen noch unsere Aufmerksamkeit die kunstvoll geschnitzten, alterthümlichen Bänke. -- Der Thurm soll nach Meinung aller Sachverständigen älter als die Kirche sein. Von seiner Gallerie aus geniesst man eine schöne Aussicht weit hinaus über die Stadt und ihr Weichbild in's Erzgebirge.

Unweit der Kirche befindet sich der Glockenthurm für die beiden grossen Glocken, welche ein harmonisches, wundervolles Geläute geben.

Sonstige Denkwürdigkeiten finden wir noch in der _Piaristenkirche_, jetzt der Stadt gehörig. Der Hochaltar enthält ein herrliches Altarbild von Raab: eine freie Nachbildung der in der Dresdner Gallerie befindlichen hl. Nacht von Corregio. Auch die Bilder der beiden vorderen Seitenaltäre, der hl. Johann von Nepomuk, von Amalia Gräfin von Waldstein, und der hl. Josef von Calasanz von Vogel sind werthvoll. Sehenswerth sind noch: das Gymnasial- und Bürgerschulgebäude, beide mit reichhaltigen Lehrmittelsammlungen ausgestattet, ersteres am 3. Platz, letzteres in der Schulgasse.

Spaziergänge:

Gestatten wir uns noch eine kleine Ausschau in die allernächste Umgegend der Stadt, so werden wir auf das südlich etwa 15 Minuten entfernte Saras und das dahinter gelegene Resselgebirge aufmerksam gemacht. Das Wort »_*Saras_« leitet der Chronist aus dem Böhmischen ab und bezeichnet damit einen Ort hinter dem Damme (za hrázem), indem nach Balbinus Saras gegen den unweit (jedenfalls östlich) befindlichen Teich durch einen Damm geschützt gewesen sei. Die Gründung von Saras vollzog sich bereits vor nahezu 600 Jahren, als König Wenzel II. unter'm 21. November 1283 das Kloster Saras stiftete und dasselbe reich dotirt den Jungfrauen vom Orden der hl. Maria Magdalena verlieh. Wenn auch die Ordensfrauen der strengen Disciplin anhingen, so kamen sie doch genügsam in Verkehr mit den Stadtbewohnern und wurden hoch in Ehren gehalten, denn »die Bürger gaben ihre Töchter dahin, damit sie in jungfräulicher Arbeit, Gottesfurcht und guten Sitten unterwiesen würden.« 1421 wurde das Kloster von den Husiten niedergebrannt, die zurückgebliebenen sieben Nonnen vor dem Altare der Klosterkirche niedergemacht. Zwar erstand das Kloster wieder, aber die bewegten Zeitläufte und besonders die Bitten der Bürger bewogen die Ordensfrauen zur Uebersiedelung in die Stadt im Jahre 1515. Die Saraser Kirche selbst blieb geöffnet, da sie lange schon den Ruf einer berühmten Wallfahrtskirche genoss. 1782 wurde das Kloster von Kaiser Josef II. aufgehoben, 1786 auch die Saraser Kirche geschlossen. Kirche und Kloster in der Stadt wurden den Vätern der frommen Schulen eingeräumt, die den Ordensfrauen gehörigen Höfe Saras, Oberpriesen und Seidowitz kaufte drei Jahre später die Stadt von der königlichen Kammer. -- Die dort eingerichtete Restauration mit grossem Garten, die annehmliche Lage, gesunde, frische Luft, und der gut gehaltene Promenadenweg machen Saras zu einem beliebten Ausflugsorte der Brüxer.

Gleiche Anziehungskraft übt im Sommer »_*der Ressel_« auf Vereine und Gesellschaften aus. Seine zwei Thäler, Fuchsgrund und Schiefergrund, sind durch ihre einfache Naturschönheit wie geschaffen als Ruhepunkte bei kleineren Excursionen. Eine angenehme Fernsicht, besonders nach Osten und Süden in's Flachland, und auf die Erzgebirgskette im Norden, bietet das Plateau hinter dem Schlosshofe, letzterer so genannt, weil er einst zum Schlosse gehörte.

Dem oberwähnten _*Schlossberge_ müssen wir noch an dieser Stelle mehr Aufmerksamkeit widmen. Derselbe liegt im Westen der Stadt und kann auf zahlreichen, gut erhaltenen Wegen erstiegen werden. Wir empfehlen allen Touristen den über Saras und bemerken, dass von da aus die Spitze des Berges in 20 Min. ohne Anstrengung erreicht werden kann. Schon während der Besteigung geniessen wir herrliche Blicke in das Mittelgebirge und in die von dem Erzgebirge umrahmte Saazer Ebene. Die überall angelegten Pflanzungen interessiren uns in hohem Grade, da wir uns über das Gedeihen und die von Jahr zu Jahr wachsende Ausdehnung derselben ungemein freuen. Den unermüdlichen Bemühungen des Stadtrathes und Kaufmannes in Brüx, Herrn A. Zein und dem Eingreifen der Stadtgemeinde haben wir es zu danken, dass sich auf der Spitze des Berges ein Schweizerhaus mit einer gut bestellten Restauration und ein Thurm mit einer camera obscura befindet. Der Schlossberg ist ein Aussichtspunkt 1. Ranges, was malerische Schönheit des Panoramas anbetrifft. Im Norden und Westen dehnen sich die Abhänge des herrlichen Erzgebirges hin und längs derselben breitet sich die Saazer Ebene »der Garten Böhmens« aus, welche mit Weilern, Dörfern und Städten wie besäet ist und einen grossartigen Eindruck macht. Gegen Süden und Osten lassen wir unsere Blicke über das merkwürdige böhmische Mittelgebirge schweifen und sehen Hügel an Hügel, Kuppe an Kuppe, welche der zerrissene Bořen bei Bilin und der König der Berge, der Milleschauer unweit von Teplitz, überragen.

Der Schlossberg besteht aus Klingstein; an seinem nördlichen und nordöstlichen Fusse finden sich die thonigen Gebilde der Braunkohlenformation; sonst ist letztere in der Umgebung der Stadt von aufgeschwemmtem Lande bedeckt. Die ganze Stadt, sowie die Umgebung ruht auf einem einzigen grossen Braunkohlen-Fletz, welches sich in der Richtung von Südwesten nach Nordosten bis gegen Aussig erstreckt.

In Brüx und Umgebung wird sehr viel Landwirthschaft betrieben. Sowohl das Klima als auch der Boden sind derselben in hohem Grade günstig. Das Klima ist in Folge der durch das Gebirge gegen die herrschenden Winde geschützten Lage wärmer, als man der geografischen Breite der Stadt zufolge erwarten sollte. Der Boden gehört zu dem fruchtbarsten im weiten Umkreise; einzelne Strecken sind ungemein humusreich. Die Wiesen längs der Biela und des Weissbachs sind mit den herrlichsten natürlichen Futterkräutern bewachsen. Obst wird in Menge gewonnen, und ist von ausgezeichneter Güte. Der Weinbau erfreut sich in jüngster Zeit grösserer Aufmerksamkeit und Pflege. Man will den alten Ruf wieder herstellen. In früherer Zeit gab es in der Umgebung der Stadt über 500 Weiner (Winzer). Sie bildeten eine eigene Zunft, von welcher noch eine Fahne und ein Weinerbuch vorhanden ist.

Touren.

_Brüx-Brüxer Sprudel-Ober-Georgenthal._ (Von da über Niklasdorf nach Katharinaberg-Brandau-Grünthal-Teltschthal-Kallich-Göttersdorf- Rothenhaus-Görkau, also in umgekehrter Richtung -- siehe Bereisung von Görkau aus.) Wir gehen auf der Kaiserstrasse in westlicher Richtung, biegen vor dem Orte Kommern rechts ab und langen nun auf einem Sandwege bei dem neuentdeckten Sprudel an, dessen mächtiger Wasserstrahl die Verwunderung jedes Touristen erwecken muss. Von da setzen wir unseren Weg in nördlicher Richtung fort, wandern durch üppige Wiesen und fruchtbare Felder, das herrliche Erzgebirge mit dem malerisch gelegenen Schlosse Eisenberg und dem sich in der Ferne prächtig erhebenden Rothenhaus vor sich, über Nieder-Georgenthal (vulgo Gärten) und Vierzehnhöfen auf einer guten Bezirksstrasse nach dem romantisch gelegenen, freundlichen Ober-Georgenthal, welchen Weg man in 2 Stunden bequem zurücklegt. Hier ist eine grosse Spinnfabrik, Marienthal genannt, herrlich im Walde an der Strasse gelegen und der Firma Gustav Tetzner in Görkau gehörig; eine Spielwaarenfabrik der Firma Kaaden und Weigel und eine Vereins-Parquetfabrik. Die Kirche, in der Nähe der Bahn gelegen, ist ein schönes, majestätisches Gebäude. In den Gasthöfen zum »_schwarzen Adler_« und zur »_frohen Aussicht_« findet man gute Unterkunft und hier, sowie noch in 8 Restaurationen bekommt man vorzügliche Biere und nach vorheriger Bestellung gute Speisen. Nach Ober-Georgenthal kommt von Niklasdorf ein Bach, der bis zur Grundmühle »_Grundbach_«, von da bis zum Ende des Dorfes »Dorfbach« und dann »_Ruttenbach_« heisst.

Von Ober-Georgenthal wird _Eisenberg_ in 25 Minuten und _Hammer-Johnsdorf_ in 30 Minuten erreicht -- zu beiden Orten führen prachtvolle Waldwege (siehe _für Eisenberg Bereisung_ von Görkau und für _Hammer_ von Oberleutensdorf aus).

_Brüx-Kopitz-*Rosenthal-Lindau-Oberleutensdorf._ (1¾ St.) Diese Tour hat das Angenehme, dass wir das herrliche Erzgebirge fortwährend vor uns liegen haben, durch zahlreiche Ortschaften und fast ohne Unterbrechung durch schöne Obstbaumanlagen wandern. Wir erreichen in nördlicher Richtung auf guter Strasse zuerst das Dorf Kopitz, dann _Rosenthal_, welches wie Kopitz am Goldflusse oder Weissbache gelegen ist. Aus einer benachbarten Quelle wird durch hölzerne Röhren auf einer Strecke von 5251 m das Wasser nach Brüx in den grossen Behälter auf dem Hauptplatze geleitet. Nach kurzer Wanderung erreichen wir, den Goldbach aufwärts, die schön gelegenen Orte Lindau und Niederleutensdorf, überschreiten die Geleise der Dux-Bodenbacher Bahn und kommen endlich in dem industriereichen, herrlich gelegenen, sich von dem reich bewaldeten Erzgebirge malerisch abhebenden Oberleutensdorf an (siehe Besuch von Dux-Oberleutensdorf aus).

_Brüx-*Püllna_ in südlicher Richtung auf der prächtigen Saazer Strasse; in einer halben Stunde erreichen wir eine kleine Anhöhe, von welcher wir einen köstlichen Rückblick auf Brüx und einen grossen Theil des Erzgebirges geniessen. Der Besuch des freundlichen Ortes Püllna empfiehlt sich wegen Besichtigung der Quellen, welche das berühmte Püllnaer Bitterwasser liefern. Sie befinden sich auf einer etwa 20 Acker betragenden Flur, die eine ebene Wiesentrift bildet und von Fruchtfeldern umgeben ist. Aus diesem Wasser wurden von der Gemeinde schon zu Ende des vorigen Jahrhunderts Massen von Bittersalz gewonnen, ohne derselben als Besitzerin der Quellen einen grossen Gewinn abzuwerfen. Da lenkte mit dem Beginn unseres Jahrhunderts der Brüxer Bürger und Kaufmann _Adalbert Ulbrich_ die Aufmerksamkeit von Männern der Wissenschaft auf diese der leidenden Menschheit zum Heile dienenden Wässer. Er übernahm den Verschleiss derselben und es gelang seinem rastlosen Eifer, dass im J. 1801 von dem Professor der Chemie Dr. Gottfried Mikan die erste Untersuchung vorgenommen wurde; dieser folgte im J. 1819 eine zweite durch Professor J. B. Tromsdorff in Erfurt und Professor J. Steinmann in Prag, worauf die nöthigen Wirthschaftsgebäude nebst einem stattlichen Wohnhause errichtet wurden. Mit der Anerkennung des Püllnaer Bitterwassers durch medicinische Autoritäten vermehrte sich dessen Verbreitung. Adalbert Ulbrich ruhte nicht; er liess als Pächter der Quellen das Wasser neuerdings chemisch untersuchen und zwar im Jahre 1821 von Professor Pleischl, im Jahre 1826 von Struve in Dresden, im Jahre 1829 von dem Chemiker Barruel in Paris und im J. 1837 von Ficinus in Dresden, was zur Verbreitung des Wassers nicht nur in ganz Europa, sondern auch jenseits des Oceans wesentlich beitrug. Durch seinen rastlosen Fleiss erwarb er sich Vermögen, vergass aber der Gemeinde nicht, in welcher er eine so erspriessliche Thätigkeit entwickeln konnte. Er vermachte derselben testamentarisch ein Legat von 20.000 fl. C.-M. zum Baue einer Kapelle und einer Schule. Nach seinem Tode übernahm dessen ältester Sohn _Adalbert_ die Versendung auf eigene Rechnung und seit 1863 als Brunnendirector und wirkt in bester Weise für die Verbreitung des Wassers, unterstützt von seinem trefflichen, mehrere Sprachen sprechenden Sohne _Konstantin_, in erfolgreicher Weise fort.

Der Boden des Bitterwassergrundes und die angrenzenden Felder zeigen mächtige Lager von vulkanisch-ausgebranntem Thon bis hin zum Serpina-Thale und den Nachbarbitterwässern von Sedlitz und Saidschütz (östlich von Püllna). Die ganze Gegend ringsherum bis an die Eger ist braunkohlenhältig. In geringer Tiefe unterhalb der Bodenfläche ist ein reichhaltiges Lager von tertiärem Mergel, der zahlreiche Krystalle von schwefligen Gebilden und schwefelsauren Salzen, sowie von Basalt enthält. Diese Bildungen sind die Werkstätte des Bitterwassers; aus ihnen wird es durch den Zutritt des Wassers von der Oberfläche (des atmosphärischen Wassers) erzeugt. Es sind daher die Bitterwässer Seihewässer, kommen nicht aus grosser Tiefe, sondern von den Seiten bis zu einer gewissen Abtiefung und sind durch das genannte Mergellager bedingt. Deshalb dürfen die Brunnen nur bis zu einem gewissen bestimmten Masse abgeteuft werden. In Püllna beträgt es 1·8 bis 2·8 m. Das Püllnaer Bitterwasser ist ein helles, klares Wasser von etwas gelbgrünlicher Farbe, das überhaupt geruchlos ist, jedoch in den Frühstunden im Brunnengebäude einen angenehmen, veilchenartigen Geruch wahrnehmen lässt, der wohl von einem besonderen Naphtha-Oele herrühren mag. Der Geschmack dieses Wassers ist salzig und bitter, ohne dabei die Zunge und den Gaumen unangenehm zu berühren. Es ist ein gelinder Weise, doch kräftig auflösendes und abführendes Mineralwasser, das, abgesehen von den bewirkten Entleerungen, Secretionen, namentlich der Verdauungsorgane bethätigt, den Stoffwechsel beschleunigt, die organische Säftemasse verdünnt und den gesammten Digestionsprocess anregt.

_Brüx-Kollosoruk-Kosel_ (2 Stunden). Durch das Biela- und Serpina-Thal kommen wir auf der Launer Strasse nach Kollosoruk mit einem prächtigen Schlosse, umgeben von schönen Anlagen und dem Herrn Richter in Prag eigenthümlich, erblicken links das sich auf einer Anhöhe malerisch abhebende Luschitz und schliessen unsere Tour mit Kosel ab, wo sich der Hořenzer Berg mit den hier vorfindlichen Aragoniten erhebt. (Retour nach Brüx von Obernitz mit der Bahn.)

_Brüx-*Sauerbrunn-Bilin_ (2 Stunden zu Fuss oder mit der Aussig-Teplitzer Bahn nach Preschen und von da nach Bilin und Sauerbrunn oder mit der Prag-Duxer Bahn über Obernitz nach Sauerbrunn-Bilin). Wir gehen in südöstlicher Richtung durch das Bielathal, berühren Rudelsdorf und Kahn und wenden uns hier mit der Biela nach Nordosten, kommen nach Obernitz, Böhmisch-Zlatnik, betrachten hier die rechts stehenden, äusserst interessanten Kuppeln des Böhmisch-Zlatniker 517 m und Sellnitzer Berges, gehen an dem Dorfe Sellnitz vorbei, berühren weiter in dem immer schöner und interessanter werdenden Thale Liebschitz, sehen nun den imposanten, durch seine zerrissene Gestalt eigenthümlichen und 535 m hohen Bořen vor uns, und gelangen nach kurzer Wanderung zu unserem Ziele, dem jüngsten Badeorte des nordwestlichen Böhmen, zum _Sauerbrunn_.