Führer durch das böhmische Erzgebirge, das Mittelgebirge und die angrenzenden Gebiete

Part 2

Chapter 23,007 wordsPublic domain

I. Allgemeiner Theil.

A. Reise-Regeln.

Es ist sehr schwer, bestimmte Reiseregeln zu geben, weil sich diese nur auf Grund gemachter Wahrnehmungen zusammenstellen lassen und diese nicht immer dieselben sind. Wir haben hier vorzugsweise solche Touristen im Auge, welche die Touren meist zu Fuss zurücklegen und die Fusspartien mit Fahrten im Post- oder Eisenbahnwagen weise zu verbinden verstehen. Wenn wir nun etwas dem Touristen empfehlen, so geschieht es deshalb, weil wir es als das Beste und Zweckmässigste erkannt haben; es wird in Folge dessen jede Begründung entfallen.

Die Kleidung sei nicht zu leicht, aber auch nicht zu warm. Feste und bequeme Schuhe, ein Wollenhemd und Plaid sind für Fussgänger unentbehrlich. Die Mitnahme von Regenschirmen empfiehlt sich nicht.

Von Gepäck ist nur das Nothwendigste mitzunehmen, dass man es in einem Tornister auf dem Rücken ohne Beschwerde tragen kann. Bequeme Touristen brauchen mehr und schicken es mit der Post dorthin voraus, wo sie sich einige Zeit aufhalten wollen. Um die Wäsche vor Nässe zu schützen, wickelt man sie in Wachsleinwand ein.

Die beste Zeit zur Bereisung des Erz- und böhmischen Mittelgebirges, sowie der, an dieselben grenzenden Gebiete ist die vom 1. Juni bis 30. September, event. 15. Oktober; im August bis Ende September ist die Witterung gewöhnlich ganz beständig, die Luft rein, die Aussicht von den Bergspitzen am schönsten und genussreichsten.

Auf eine praktische Zeiteintheilung muss jeder Tourist Bedacht nehmen. Die Entwerfung eines Reiseplanes ist unbedingt nothwendig. Wenn man eine 2- bis 3-wöchentliche Fusstour antreten will, so reise man anfänglich langsam, und erst nach gehöriger Erprobung seiner Kräfte kann man weitere Fusspartien unternehmen. Einen Taschen-Compass und eine gute Karte muss jeder Fussreisende mitnehmen.

Bei grosser Hitze muss gegen Mittag Rast gemacht werden; auch gönne man sich nach grösseren Märschen einen Ruhetag und wähle hiezu solche Orte, von wo aus man kleinere Ausflüge unternehmen kann. Man merke sich gut die Regel, früh in's Bett und früh wieder auf. Unternimmt man grössere Waldpartien und Wanderungen durch langgedehnte Grundthäler, wie beispielsweise durch den Komotauer Grund, das Teltschthal bei Görkau, den Hammergrund bei Johnsdorf u. s. w., so empfiehlt sich das Mitnehmen eines verlässlichen Führers, dass man nicht auf Abwege geräth, nutzlose Umwege macht und wichtige Punkte unbeachtet lässt. Für grössere Fusspartien versehe man sich mit einigen belegten Semmeln oder einigen harten Eiern und einem Fläschchen Wein.

Im ganzen Nordwesten Böhmens reist ein bescheidener Tourist nicht theuer; wenn er sich gar nichts abgehen lässt, so wird er mit 3 bis 4 fl. sehr gut auskommen, ja da kann er sich zeitweilig eine Forelle, die auf dem Plateau leicht zu bekommen ist, schmecken lassen. Gutes ausgegorenes Bier bekommt man in unserem böhmischen Erz- und Mittelgebirge überall, selbst in kleinen Ortschaften. Gute, preiswürdige inländische Weine findet man auch fast in allen Gasthäusern der grösseren Orte, sowie man auch fast überall eine gute Küche antrifft. Die Wirte geben sich viel Mühe, allen billigen Anforderungen zu entsprechen; hauptstädtischen Comfort darf man natürlich im Gebirge nicht suchen.

B. Verkehrs- und Transportwesen.

Von Prag aus führen folgende Eisenbahnen ins böhmische Erz- und Mittelgebirge:

1. Die nördliche Staatsbahn, Linie Prag-Aussig-Bodenbach.

2. Die Prag-Duxer Bahn, Linie Prag-Obernitz-Brüx-Dux.

3. Die Buschtiehrader Bahn, Linie Prag-Komotau-Karlsbad-Eger.

Das nordwestliche Böhmen mit dem Erz- und Mittelgebirge, also unser Reisegebiet, wird von nachfolgenden Eisenbahnen theils berührt, theils durchschnitten, ja Ausläufer gehen sogar über den Kamm oder nehmen einen grossen Theil der Abdachung ein. Diese Bahnen sind:

1. Aussig-Teplitzer, Linie: Aussig-Teplitz-Dux-Brüx-Komotau mit Anschluss an die nördliche Staatsbahn und die Buschtiehrader. Zweige derselben: _a_) Dux-Ossegg; _b_) Aussig-Bilin.

2. Dux-Bodenbacher, Linie: Bodenbach-Teplitz-Ossegg-Oberleutensdorf-Görkau-Komotau mit denselben Anschlüssen wie ad 1.

3. Buschtiehrader, Linie: Komotau-Klösterle-Hauenstein-Warta-Schlackenwerth-Karlsbad-Falkenau- Tirschnitz-Eger mit den Abzweigungen _a_) Tirschnitz-Franzensbad, _b_) Falkenau-Graslitz, _c_) Komotau-Weipert, _d_) Komotau-Reitzenhain.

4. Prag-Duxer, Linie: _a_) Obernitz-Sauerbrunn-Bilin-Dux, _b_) Obernitz-Brüx-Oberleutensdorf-Ossegg-Klostergrab.

5. Pilsen-Priesner, Linie: Brüx-Obernitz-Postelberg-Saaz mit Anschluss an die Buschtiehrader gegen Prag-Priesen-Komotau.

6. Eger-Voitersreuth-Elster.

7. Eger-Waldsassen.

8. Eger-Sandau-Königswart-Marienbad.

_Anmerkung_: Retourbillete mit 1- bis 3-tägiger Giltigkeit geben alle voranstehenden Bahnen aus.

_Dampfschifffahrt_ findet man auf der Elbe; hier vermitteln mit allem Comfort eingerichtete Dampfschiffe im Sommer den Verkehr zwischen Leitmeritz und Herrnskretschen und retour regelmässig zweimal des Tages.

_Postverbindungen_: Brüx-Ober-Georgenthal-Gebirgsneudorf-Katharinaberg-Brandau. (Botenfahrt.)

Aussig-Schönpriesen. (Botenfahrt.)

Bilin-Kosel-Laun und retour. (Botenfahrt.)

Bilin-Teplitz und retour. (Botenfahrt.)

Bodenbach-Böhmisch-Kamnitz-Reichenberg u. retour. (Eilfahrt.)

Breitenbach-Platten-Bärringen-Salmthal-Lichtenstadt-Karlsbad und retour. (Botenfahrt.)

Brüx-Hawran und retour. (Botenfahrt.)

Buchau-Solmus-Karlsbad und retour. (Botenfahrt.)

Buchau-Luditz und retour. (Botenfahrt.)

Duppau-Saaz-Radonitz-Kaaden und retour. (Botenfahrt.)

Eichwald-Teplitz und retour. (Botenfahrt und Omnibus.)

Elbogen-Schlaggenwald-Schönfeld und retour. (Eilfahrt.) -- Schönfeld-Petschau und retour. (Botenfahrt.)

Fleissen-Wildstein und retour. (Cariolpost.)

Görkau-Kallich und retour. (Botenfahrt.)

Gossengrün-Hartenberg und retour. (Botenfahrt.)

Gossengrün-Schönbach und retour. (Botenfahrt.)

Heinrichsgrün-Neudeck und retour. (Botenfahrt.)

Heinrichsgrün-Frühbuss und retour. (Botenfahrt.)

Joachimsthal-Schlackenwerth und retour. (Botenfahrt.)

Joachimsthal-Abertham-Bärringen-Platten u. retour. (Botenf.)

Joachimsthal-Gottesgab-Weipert. (Botenfahrt.)

Kaaden-Podersam. (Botenfahrt.)

Kaaden-Brunnersdorf. (Botenfahrt.)

Kaaden-Pressnitz. (Botenfahrt.)

Kallich-Görkau. (Botenfahrt.)

Kallich-Brandau. (Botenfahrt.)

Karbitz-Kulm-Schönwald. (Botenfahrt.)

Karlsbad-Neudeck. (Botenfahrt.)

Karlsbad-Petschau-Einsiedl-Marienbad u. retour. (Botenfahrt.)

Karlsbad-Giesshübel-Puchstein und retour. (Omnibus.)

Karlsbad-Petschau-Theusing-Pilsen. (Botenfahrt.)

Karlsbad-Fischern-Altrohlau-Neudeck. (Botenfahrt.)

Königswart-Sangerberg. (Botenfahrt.)

Komotau-Eidlitz. (Botenfahrt.)

Kosel-Bilin. (Botenfahrt.)

Krima-Neudorf-Sebastiansberg. (Botenfahrt.)

Lobositz-Raudnitz. (Botenfahrt.)

Lobositz-Libochowitz. (Botenfahrt.)

Lobositz-Trebnitz-Liebshausen-Laun. (Eilfahrt.)

Lubenz-Rudig. (Botenfahrt.)

Lubenz-Luditz. (Botenfahrt.)

Lubenz-Waltsch. (Botenfahrt.)

Mies-Stab. (Botenfahrt.)

Mies-Weseritz. (Botenfahrt.)

Mies-Haid. (Botenfahrt.)

Neudeck-Neuhammer-Platten. (Botenfahrt.)

Neudeck-Neuhammer-Hirschenstand-Eibenstock. (Botenfahrt.)

Postelberg-Leneschitz. (Botenfahrt.)

Rudig-Waltsch. (Botenfahrt.)

Saaz-Podersam. (Botenfahrt.)

Saaz-Postelberg-Laun. (Botenfahrt.)

Schönbach-Neukirchen-Wildstein. (Botenfahrt.)

Tepl-Weseritz-Leskau. (Botenfahrt.)

Tepl-Marienbad. (Botenfahrt.)

Teplitz-Bilin. (Botenfahrt.)

Teplitz-Schallan. (Botenfahrt.)

Teplitz-Eichwald. (Botenfahrt.)

Teplitz-Waldthor. (Omnibusfahrt.)

_Anmerkung_: Die Botenfahrten sind ziemlich bequem, haben aber eine beschränkte Aufnahme. Fast bei allen Eisenbahnstationen sind comfortable Omnibusfahrten eingerichtet.

_Post-Eilwägen_ sind immer sehr bequem, fahren gut, müssen die Fahrzeit genau einhalten und sind immer von einem Conducteur begleitet. Die Fahrkarten sind rechtzeitig an den Poststationen zu lösen. Extraposten sind in den Hauptstationen zu bekommen. Lohnfuhrwerke befinden sich in allen grösseren Orten. Empfehlenswerth ist es, sich vorher genau über den Fahrpreis und das übliche Trinkgeld zu verständigen, dass nicht nach der Fahrt Missverständnisse zum Nachtheile des Reisenden entstehen.

_Gasthöfe._ In allen grösseren Orten, selbst in Dörfern findet man jetzt recht gute Gasthäuser. Man wird gut und aufmerksam bedient und lebt billig. Wenn die Gesellschaft grösser ist, so empfiehlt es sich, die Ankunft brieflich oder telegrafisch anzuzeigen. In ganz kleinen Ortschaften und in wenig besuchten Gebieten lassen die Gasthäuser freilich noch einiges zu wünschen übrig und genügen nur bescheidenen Ansprüchen; doch findet man überall freundliches Entgegenkommen.

_Führer_: Das Führerwesen wird jetzt durch die Gebirgsvereine organisirt werden. Für grössere Partien ist die Mitnahme eines Führers häufig nothwendig, obwohl in neuester Zeit seitens der Gemeinden und Gebirgsvereine viele Wegweiser aufgestellt wurden; allein in den ausgedehnten Waldungen ist ein Verirren leicht möglich, was häufig einen grossen Zeitverlust und Störung der ganzen Partie zur Folge hat. Bei der Wahl der Führer ist Vorsicht zu gebrauchen und empfiehlt es sich, die Obmänner oder andere Mitglieder der Gebirgsvereine, die fast in allen Orten zu treffen sind, um Auskunft anzugehen.

C. Geographisches.

Das Erzgebirge.

_Name_: Das Erzgebirge hat seinen uralten Namen von dem ausserordentlichen Reichthum an sehr verschiedenen Erzen, und es hat ihn auch durch den ergiebigen Bergbau gerechtfertigt, der hier durch viele Jahrhunderte auf Silber, Zinn, Kupfer, Blei und Eisen getrieben wurde.

_Eintheilung des Erzgebirges nach der Ausdehnung, Höhe, Form._ Das Erzgebirge erhebt sich aus der Ebene des Teplitzer Thales, durch welche es vom Mittelgebirge getrennt wird, mit grosser Steilheit gleich einem Walle, welcher, in südwestlicher Richtung fortlaufend, das nordwestliche Böhmen vom angrenzenden Königreiche Sachsen trennt, d. h. die politische Grenze dieser beiden Länder wird durch den Rücken dieses Gebirgszuges bestimmt, jedoch nicht durch den Kamm desselben und die Wasserscheide; vielmehr gehört nicht nur der ganze steile Südabhang des Gebirges, sondern auch noch ein Theil des sanften, sich nach Sachsen abdachenden Gehänges zu Böhmen, und die Grenze findet sich fast durchaus erst jenseits der Wasserscheide. Das nordöstliche Ende dieses Gebirges ist durch den Nollendorfer Pass bestimmt; es wird jedoch von vielen Geographen auch das Elbthal dafür angenommen.

Seiner Ausdehnung nach gehört das Erzgebirge unter die Hauptgebirge, denn seine Länge beträgt über 20 Meilen.

Nach seiner Höhe ist es ein Mittelgebirge. Die höchsten Punkte desselben befinden sich im südwestlichen Theile; im Nordosten gegen die Elbe zu übersteigt dessen Höhe wohl nicht 756 m; die Höhe des Nollendorfer Passes beträgt 675 m.

Der Form nach ist das Erzgebirge ein Kettengebirge; es setzt sich ohne Unterbrechung seines Zusammenhanges auf seiner ganzen Längenerstreckung fort, so dass sein Kamm eine fast wellenförmige Linie darstellt, und die beiden Abhänge unterscheiden sich, wie bei allen Gebirgen dieser Art, durch ihre Steilheit; der südliche, zu Böhmen gehörige, ist, wie schon erwähnt, der steilere, und längs desselben befinden sich viele Einschnitte, Schluchten und Thäler, hervorgebracht durch die einzelnen Berge, welche, sich durch grössere oder geringere Steilheit von der Hauptkette trennend, kurze Nebenjoche bilden.

_Geognostische Beschaffenheit._ In geognostischer Hinsicht gehört das Erzgebirge unter die sogenannten Urgebirge, d. h. die Felsarten desselben gehören zu denjenigen, welche der Geognost ihrer Struktur, ihrer Lagerungsverhältnisse und des Mangels an Versteinerungen wegen unter die ältesten Bildungen unserer Erdrinde zählt. Die Felsarten dieses Gebirgszuges im nordöstlichen Theile sind Gneis, Porphyr und Granit; sehr eingeschränkt kommt Greisen und Urkalkstein vor, Basalt nur an einzelnen Stellen und von Flötzfelsarten der Quaderstein am Fusse des Gebirges. Im westlichen Theile des Erzgebirges ist der Gneis das überwiegend vorherrschende Gestein, andere Schiefer- und Eruptivgesteine treten dagegen zurück.

_Gestaltung, Begrenzung, mittlere Höhe, ausgezeichnete Höhenpunkte des Erzgebirges._ Das Erzgebirge gestaltet sich gleich einem hohen, in terrassenförmigen Absätzen erhebenden steilen Walle, nach oben zu einem fast gleichförmig fortlaufenden Kamme oder ausgedehnten Rücken, welcher sich sehr sanft, ja fast unmerklich nach Norden in das Nachbarland abdacht. Die südliche, steile Abdachung ist von zahlreichen Schluchten und Thälern eingeschnitten, zwischen welchen kurze Gebirgsjoche aus Kuppen von verschiedener Höhe und meistens abgerundeter Gestalt zusammengesetzt hervorragen und diesem Abfalle ein ausgezeichnetes Gebirgsansehen ertheilen. Auf dem Rücken verlieren sich die ausgezeichneten Formen eines höheren Gebirges; nur einzelne Kuppen und Höhen von verschiedener Gestaltung, jedoch ohne kühne oder stark hervortretende Umrisse erheben sich auf der ausgebreiteten Platte, welche sonst durch ihre gross und sanft wellenförmige, auf weite Strecken sogar fast ebene Oberfläche und durch die seichten Thäler, welche erst in ihrem weiteren Verlaufe im Nachbarlande tiefer und enger werden, die Formen eines Flachlandes zeigt. Abtheilungen in Gebirgsjoche nach dem Verlaufe der Thäler treten erst weiterhin deutlicher hervor. Es beginnt mit unentschiedenem Charakter an den Hochflächen, die im Norden an die Waldsteinkette des Fichtelgebirges sich schliessen und zwar unweit Asch oder an der Quelle der weissen Elster mit dem hohen Kapellenberg als Elstergebirge und ist an seinem Ost-, Nordost-Ende von dem Elbsandsteingebirge begrenzt.

Die mittlere Erhöhung des Gebirgsrückens kann zu 756 m über die Meeresfläche, über die Ebene am Fusse des Gebirges aber zu 417 m angenommen werden; über die tieferen, jedoch entfernteren Punkte des Flachlandes oder die eigentliche Thalsohle beträgt sie 512 m.

Wir verfolgen die ausgezeichnetsten Höhepunkte auf dem Kamme und den Abhängen des heimatlichen Gebirgszuges von dem Durchbruche der Elbe, also einbezüglich der des Elbsandsteingebirges bis zu den Ausläufern des Fichtelgebirges. Als solche zeigen sich: Der =Schneeberg= mit seinem weitsichtbaren, schlanken Thurme; die berühmten =Tyssaer Wände= (615 m); bald darauf erblicken wir =Nollendorf= mit seinen historischen Höhen und dem bekannten Passe von Teplitz über Pirna nach Dresden (675 m). Von der Bahnstation Rosenthal-Graupen der Dux-Bodenbacher Bahn sind die Aussichtspunkte =Wilhelmshöhe= 335 m, die =Rosenburg= 355 m und das =Mückenthürmchen= 800 m zu besteigen. Schöne Aussicht bietet der =Königshügel= 412 m bei Klostergrab, der =Wolfstein= bei Niklasberg und bei Ossegg die =Salesiushöhe= und die =Riesenburg=. Imposant ist der =Wieselstein= 949 m bei Oberleutensdorf. Weiter folgen: Der =Göhrner Hübel=, westlich von Göhren mit 811 m Seehöhe; der =Haselstein= und der =Nonnenhübel=, südlich von Böhm.-Einsiedl; südlich von Nickelsdorf der =Wachtberg=, auch =Kapuzinerhau= genannt; östlich von Gebirgsneudorf der =Wachhübel=; der =Dürnberg= südlich von Brandau. Der aus zwei Kuppen bestehende =Adelsberg=, dann der =Bernstein=, beide östlich von Ladung, letzterer von 920 m Meereshöhe ist der höchste Punkt in der östlichen Gegend des Gebirges und bildet einen Knoten, von welchem es mit grösserer Steilheit und mit einem stärkeren Vorsprunge nach Süden abfällt. Weiter westlich finden sich der grosse =Steinberg=, südlich von Kleinhan, der =Beerhübel= zwischen Göttersdorf und Kallich auf dem hier 865 m hohen Gebirgskamme. Eine zweite, gleichfalls in westlicher Richtung verlaufende Kuppenreihe erhebt sich am Rande des hier über eine Stunde weit ausgebreiteten Rückens. Die ansehnlichsten Kuppen sind: Der =Ringelberg=, etwa 10 Minuten in südlicher Richtung von Reizenhain, und der =Otterstein=, etwa ¾ Stunden in nördlicher Richtung von Märzdorf mit schönen Felsen und herrlichem Wald. Nordwestlich von Sebastiansberg, angrenzend an das Gebiet des Ringelberges und hievon getrennt durch die Kaiserstrasse bei Reizenhain, finden sich die Kuppen des =Stockraumwaldes=, von denen die ansehnlichste der =Glasberg= nahe an der Landesgrenze ist. Nordöstlich von Pressnitz zeigt sich der ausgedehnte und =hohe Hutberg= 991 m, einer der höchsten Punkte des Erzgebirges; er verläuft in südlicher Richtung in die =Reischhöhe=, an der westlich der =Pöllnerberg= 855 m hängt. Einer der höchsten Punkte ist noch der =Hohehau= 995 m nordwestlich von Weigersdorf. Auf dem nördlichen Abhange des Gebirges gehören noch einige ansehnliche Kuppen hieher, nämlich: =Der grosse und kleine Wolfsberg=, südlich von Schmiedeberg, der =Spitzberg= zwischen Schmiedeberg und Pressnitz, der =Bärenstein= 704 m bei Weipert und der =Pleilberg= südlich von Sorgenthal.

Hier sind noch einige hübsche Punkte zu nennen, welche sich an dem steilen südlichen Abhange westlich von Oberleutensdorf über Kaaden hinaus erheben und an diesem kurze Gebirgsjoche bilden. Die hervorragendsten sind: Der =Eisenberg=, auf welchem das gleichnamige Schloss 164 m Höhe über der Thalsohle steht; westlich davon ist der =Seeberg= und noch weiter bei Stolzenhan der =Tannich=. Sie bilden eine ziemlich ansehnliche Gruppe von steilen Bergen, mit welchen der Gebirgsabfall als ein kurzes Joch in die Ebene vorspringt, aus welcher es jedoch sehr steil aufsteigt. Weiter südwestlich gestaltet sich der Gebirgsabfall zu einer Art von Bucht, auf deren Abhange sich nur niedrige Kuppen erheben; sie wird westlich von dem =Hammerberge=, dem =Hutberge= und dem =Roland= eingefasst, welcher, in einige Hügel auslaufend, den Fuss des Gebirges nördlich von Komotau bildet. Westlich von dieser Stadt bei dem Dorfe Tschernowitz erhebt sich =der isolirte Burberg=. Jenseits des Höllbachthales zeigt sich der ausgedehnte =Gliedner Berg=, welcher westlich in den =Schweigerberg= verläuft. Westlich von Platz befindet sich der =Hassensteiner Schlossberg=, und noch weiter westwärts über Klösterle hinaus bildet der Abhang des Gebirges das Gehänge eines mehr eingeengten Thales. Isolirt, im Thale sich erhebend, befindet sich südwestlich von Klösterle nahe der Eger der 547 m hohe =Schönburger Schlossberg=, und nicht weit von Wotsch der =Himmelstein=, welcher von seiner Burgruine eine schöne Aussicht nach Westen bietet. An dem nördlichen Abfalle des Gebirges, welches sich westwärts von Kaaden ausdehnt, sich dem des Erzgebirges gegenüber erhebt, hinsichtlich seiner Zusammensetzung und Gestaltung auffallend vom Erzgebirge verschieden ist, keinen so deutlich hervortretenden Kamm oder Rücken zeigt, sondern der Hauptmasse nach aus Gruppen von mehr oder weniger zusammengedrängten Kuppen besteht und erst in seiner weiteren westlichen Verbreitung, die wir dann nach genauer Betrachtung des westlichen Erzgebirges in seiner Fortsetzung näher kennen lernen werden, sich zu einer mehr zusammenhängenden und ausgebreiteten Masse gestaltet -- finden sich als hervorragende Kuppen: Der =Herrgottsstuhlberg=, zwischen Krondorf und Ockenau; östlich ist die =Spinnelsdorfer Kuppe=, der =Leskauer Schlossberg= und der unmittelbar aus dem Thal steil aufsteigende, oben eine abgeflachte Platte bildende =Burberg= 583 m südwestlich von Kaaden. Diesem gegenüber an der linken Seite des Thales erheben sich einige Gruppen von niedrigen Bergen, welche vom Fusse des Erzgebirges durch die sich hier bereits mehr ausbreitende Ebene getrennt sind; es sind: der =Seeberg=, zwischen Nickelsdorf und Meretitz, der =Spitzberg= südlich von Nickelsdorf, dann der =Königsberg= und =Wistritzer Berg= nördlich von Kaaden. Zu diesen gehören östlich von dieser Stadt als Ausläufer die an der linken Seite des Thales auf der Ebene zerstreut vorkommenden Hügelgruppen zwischen Pröhl und Waschitz, der =Tschachwitzer Hübel=, der =Prölberg= 334 m und der =Strösauer Hügel=.

Weiter westlich von Pressnitz und Schmiedeberg gelangen wir ins Centrum des Erzgebirges, wo es in seinen Kuppen über 1200 m hoch ansteigt. Dort ist der =Keilberg= oder =Sonnenwirbel= 1243 m, über den der Pass von Gottesgab in der Höhe von 900 m von Karlsbad, Joachimsthal nach Sachsen führt.

Dieser Höhepunkt bildet gewissermassen den Hauptstock des ganzen Gebirges, einen Gebirgsknoten, von welchem dasselbe in nordöstlicher und südwestlicher Richtung verläuft, dessen höchste Punkte sich zunächst um ihn gruppiren, so dass es hier fast das Ansehen eines Hochgebirges erhält. Der nordöstliche Gebirgsflügel, welcher durch diese aus dem Thale in schroff ansteigenden, auf einander gelagerten und zu beträchtlicher Höhe sich erhebenden Gebirgsgruppe vom südwestlichen getrennt wird, enthält auf dem 838 m hohen Rücken den isolirten, kegelförmigen =Kupferhügel=, 68 m hoch. Von hier verläuft der Gebirgsrücken gegen den Keilberg hin fast als Ebene über eine Meile weit, wo dann der genannte Gebirgsstock als ein Haufwerk von eng vereinigten, zu einer ausgedehnten, sanft zugerundeten Masse verbundenen Scheiteln hervorragt. Nach einer seiner westlichen Kuppen wird dieser Stock auch der Sonnenwirbel genannt; in seiner Nachbarschaft erhebt sich jenseits der Landesgrenze der =Fichtelberg= 1213 m zu nicht viel geringerer Höhe empor. Östlich vom Keilberg ist der =Hauensteinberg= 1080 m und südlich der =Schwarzfelsberg= 1114 m. Westlich verläuft der Hauptrücken des Gebirges in demselben Charakter wie östlich von diesem Hauptstocke, nämlich als eine breite Gebirgsfläche mit sanfter Abdachung gegen Norden, auf welcher einzelne Kuppen und ausgebreitete Höhen hervorragen und die Gebirgsfläche wellenförmig gestalten. Allmählig aber nimmt die Höhe des Hauptrückens in seinem Verlaufe nach Südwesten ab und erreicht bei Gottesgab 1016 m, bei Platten 885 m, bei Hirschenstand 860 m Meereshöhe, weiterhin wird es noch niedriger und sein Zusammenhang tritt weniger deutlich hervor; er gestaltet sich in ein aus mehreren kleineren Gruppen von Gipfeln zusammengesetztes Gebirge um, welches an seinem westlichen Ende im Egerlande mit den Ausläufern des Fichtelgebirges verschmilzt. In diesem Theile des Gebirges nennen wir als hervorragende Punkte: den =Spitzberg= bei Gottesgab 1118 m, den =Plattenberg= bei Platten 1039 m, =den Muckenbühl= 944 m, =den Aschberg= 925 m, den in Sachsen liegenden =Auersberg= bei Wildenthal 1021 m, =den »hohen Stein«= bei Schönbach 767 m und =den Kapellenberg= bei Voitersreuth 764 m hoch.

Das Gebirge südlich von der Eger.

Südlich von der Eger haben wir im Westen die letzten Ausläufer des Böhmerwaldes. Durch den ziemlich weiten Pass oder tiefen Einschnitt bei Sandau, wo sich der Gebirgsrücken nur wenig über die Flächen erhebt, welche sich im Westen und Osten an seinem Fusse verbreiten, ist das genannte Gebirge vom Kaiserwalde geschieden. Am meisten ragt unter den Bergen im Süden des Egerlandes der =Dillenberg= durch Ausdehnung und Höhe hervor; es ist die nördlichste und ansehnlichste Kuppe des Waldgebirges, welches mit demselben den Zug seiner Verbreitung in Böhmen schliesst; er erreicht 963 m Meereshöhe, ragt daher beiläufig 540 m über die Fläche des Egerlandes hervor. Die Gestalt ist die eines steil ansteigenden, sanft gebogenen Rückens mit einigen sattelförmigen seichten Einbiegungen.