Führer durch das böhmische Erzgebirge, das Mittelgebirge und die angrenzenden Gebiete
Part 19
Die Stadt _*Katharinaberg_ erreichen wir von Görkau über Göttersdorf, Neuhaus, Kleinhan und den Grund auf guten Wegen durch ausgedehnte, herrliche Wälder -- eine echte Gebirgspartie, oder wir fahren mit der Dux-Bodenbacher Bahn nach Obergeorgenthal und gehen von da über Marienthal und Nikelsdorf nach Katharinaberg, ebenfalls eine herrliche Gebirgspartie. Katharinaberg, eine Bergstadt mit über 2200 Einwohnern, liegt, von Görkau ca. 4 St. entfernt, auf einem schmalen, mässig hohen, aber steil abfallenden Bergrücken. Dazu gehört das Pachendörfel, eine südöstlich gelegene Gruppe von Häusern, und der Grund, eine in dem vom Zobelbach durchflossenen Thale gelegene doppelte Häuserreihe.
=Gasthöfe=: »Kaiser von Oesterreich«; »Kronprinz Rudolf«; beide am Marktplatz gelegen; »Zur Herrenschänke«, hart an der Grenze im »Grund« gelegen.
In die Stadt führende =Strassen=:
1. Von Brüx über Nieder- und Obergeorgenthal, Marienthal, Nikelsdorf.
2. Von Oberleutensdorf über Johnsdorf, Obergeorgenthal, Marienthal, Nikelsdorf.
3. Von Görkau über Rothenhaus, Göttersdorf, Neuhaus, Kleinhan.
4. Von Kallich über Gabrielahütten, Brandau.
5. Von Olbernhau über Grünthal, Brandau.
=Gebäude und Institute=: Eine katholische Kirche mit Pfarre, eine vierklassige Volksschule, eine Apotheke -- (2 Medizin-Doktoren).
=Aemter und Behörden=: Stadthaus mit dem Gemeindeamt, ein k. k. Bezirksgericht mit Dependenzen, ein _Postamt_, ein Gendarmerie-Posten-Commando, eine Finanzwache-Abtheilung.
=Industrielle Etablissements=: Wirkwaaren-Industrie, Holzdrehereien mit Wasserbetrieb, Brettmühlen, Spielwaarenerzeugung, eine städtische Brauerei.
Die Entstehung der Stadt fällt wahrscheinlich mit dem Ursprunge des Bergbaues zusammen. Geschichtliches ist nichts davon bekannt, als die Begnadigungen, welche der Ort seit dem 16. Jahrhundert, wo er bereits zu Rothenhaus gehörte, erhalten hat. Im Jahre 1528 erhielt die Stadt von Ferdinand I. das Wappen und die Befugniss, mit grünem Wachs zu siegeln. Seit dem dreissigjährigen Kriege kam der Silberbergbau immer mehr in Verfall. In diesem Kriege wurde die Stadt von den Schweden und Sachsen durch Brand und Plünderung hart mitgenommen. Es gingen damals alle Urkunden und andere schriftliche Nachrichten über den früheren Bergbau aus der Zeit vor 1528 zu Grunde. Auch im siebenjährigen Kriege litt die Stadt durch Brandschatzung und Plünderung und verlor namentlich die Bergkassa der bürgerlichen Gewerkschaft.
=Kleiner Spaziergang.= Zum _Gasthaus »zum grünen Baum«_, ¼ St., Fahrweg dahin; zwischen Gebirgs-Neudorf und Katharinaberg gelegen.
Ausflüge von grösserer Dauer.
1. Im herrlichen Flöhathale der sächsischen Grenze entlang nach _*Brandau_ und _*Grünthal_; gute, zum Theil durch Hochwald führende Strasse, 1¼ Stunden. In dem hart an der sächsischen Grenze, am Zusammenflusse der drei Grenzgewässer Natschung, Schweinitz und Flöha gelegenen Orte Grünthal, das wegen seiner guten Küche und feiner Weine und Biere von Touristen vielfach besuchte Griessl'sche Gasthaus; in dem nur durch den Natschungbach getrennten sächsischen Grünthal sind Schwefelbäder und ein in seiner Art grossartig angelegtes »Kupfer-Hammerwerk«, welches die verschiedenartigsten Erzeugnisse aus Kupfer fast in alle Welttheile versendet. (Siehe Seite 150.)
2. Ueber Brandau auf schöner Strasse nach _*Gabrielahütten_ in dem prächtigen, 2 Stunden langen, den Thälern der Schweiz vergleichbaren Teltschthal, wo der Natschungbach zahlreiche Hammer- und Blechwalzwerke, Holzdrehereien, Brettmühlen und andere Industriewerke in Betrieb setzt. 2½ St. -- (siehe von Görkau aus.) Das der Herrschaft Rothenhaus gehörige Gasthaus »zur böhmischen Schweiz« mit Garten bietet den Touristen willkommene Gelegenheit zur Erfrischung; unweit Gabrielahütten auf sächsischer Seite der an der Südseite steil abfallende _Habichts-_ oder _Stösserfelsen_ mit herrlicher Aussicht. -- (Siehe oben Seite 150.)
3. Im Flöhathale der sächsischen Grenze entlang über Ober- und Niederlochmühle durch ein herrliches Thal auf schöner Strasse nach _Seifen_ und von da nach _Bad *Einsiedel_ (sächsisch), das nicht allein durch seine Schwefelbäder, sondern auch durch seine romantische Lage den hier weilenden Curgästen Erquickung und Heilung gewährt. Restauration mit Garten und herrlichen Spaziergängen. 2½ Stunden. (Siehe Görkau Seite 152.)
4. Ueber Deutsch-Neudorf, Brüderwiese nach _Bad Einsiedel_. Bis »zum grünen Baum« Fahrweg, dann schöne, von Waldungen beschattete Strasse; 2 Stunden. In 25 Minuten von da nach Einsiedel (böhmisch) schöne Strasse.
5. Ueber Gebirgs-Neudorf, oder auf sächsischer Seite über Deutsch-Neudorf, Brüderwiese _nach Einsiedel_ (_der Haselstein_ mit schöner Fernsicht bis in die Aussiger, Schlaner und Komotauer Gegend, und der _Käsherdberg_), Göhren (der Farbenhügel, der Göhrenberg, der Krummschuss), Zettel (der Falkenberg und der Nitschenberg) _durch *Rauschengrund nach *Oberleutensdorf_. In Rauschengrund zwei Fabriken der Herren Marbach und Riecken, Baumwollgarn- und Kattunerzeugung; Brettsägen und Mühlen. Grösstentheils Waldweg, 4 Stunden. Prächtige Gebirgspartie!
6. Ueber Gebirgs-Neudorf. Einsiedel, Kreuzweg (der Flösselberg, der Hellwikstein, der Kampfberg und der Pflasterberg) durch den herrlichen _*Hammergrund_ nach _*Johnsdorf_; von Einsiedel bis Johnsdorf schöne Strasse; 2½ St.
7. Ueber Nikelsdorf (Wachhübel mit schöner Fernsicht) durch ein herrliches Thal nach Marienthal mit einer Baumwollspinnfabrik (der _Weinberg_ mit einem prächtigen Ueberblick der ganzen Kesselgegend gegen Osten, Süden und Westen) und Obergeorgenthal (Dux-Bodenbacher Bahnstation); schöne grossentheils schattige Strasse, 2½ Stunden.
8. Ueber Kleinhan, Neuhaus, Göttersdorf, Rothenhaus nach _Görkau_; immer schöne Strasse, 4 Stunden. Vor Göttersdorf öffnet sich der Ausblick auf die Komotauer und Brüxer Gegend.
=Bergbesteigungen.= 1. _*Steinl_ mit herrlicher Aussicht bis zum Sonnenwirbel bei Gottesgab und in das Flöha- oder Fleythal bis nach Augustusburg in Sachsen; an der Herrnschänke vorbei, ein Waldweg, 1 Stunde, oder besser über Kleinhan, 1½ St.
2. _*Hübladung_ bei Kleinhan, schöne Strasse, 1 St.; herrliche Aussicht in das Flöhathal, in die Gegend von Saida und bis nach Augustusburg.
3. _Bärenstein_ oder _Bernstein_, entweder direct auf einem Waldwege dahin, ¾ Stund.; oder aber besser zum Forsthaus »Rothe Grube« und von da der Aufstieg, 1½ St. Prachtvolle Aussicht auf einen grossen Theil von Sachsen bis Augustusburg, gegen die Elbe und Eger, nach Prag, Teplitz, Brüx, Saaz, das Erz- und vorliegende Mittelgebirge. (Siehe von Görkau aus!)
F. Der Besuch des Erzgebirges von Dux aus über Oberleutensdorf.
*Dux.
(Von Eger-Karlsbad und von Aussig mit der Bahn leicht zu erreichen.)
=Gasthöfe.= Hôtel »zur Krone«, »Herrschaftlicher Gasthof«, Gasthof »zum weissen Ross«, »Zum Tobisch«.
=Post- und Telegrafenamt.=
=Bahnhof= der Aussig-Teplitzer und der Dux-Bodenbacher Bahn.
=Dux=, Stadt 213 m (4000 E.) mit mehrfachen gewerblichen Anlagen: Zuckerfabrik, Glasfabrik, Syderolithwaarenfabrik, Kohlenwerke u. s. w.
=Sehenswürdigkeiten=: Neben der Kirche (kostbares Tabernakel und Altarbild) das Schloss, dem Grafen Waldstein, Nachkommen eines Nebenzweiges der Familie des berühmten Friedländers, gehörig; es enthält 4 Säle, 60 Zimmer und besitzt einen berühmten Garten. Im Schlosse ist besonders sehenswerth: 1. Der grosse Familiensaal mit Bildnissen aus der Familie Waldstein und dem höchst imposanten Deckengemälde von Reiner, welches die Scene darstellt, wie Heinrich Waldstein 1254 dem Könige Ottokar seine 24 Söhne nebst 24 Knappen, sämmtlich zu Ross, vorführt. 2. Die Bildergallerie, in 8 Zimmern, wo sich auch das Portrait des Herzogs von Friedland von van Deyk befindet. 3. Der Waffensaal, der unter den verschiedensten Armaturen auch Waffenstücke des grossen Friedländers aufzuweisen hat. 4. Das Porzellan-Cabinet mit seinen japanesischen und chinesischen Vasen, Pyramiden und Figuren. 5. Das Kunst- und Antiken-Cabinet mit Antiquitäten aus Herkulanum und Pompeji, Fayence-Malereien, Mosaiktafeln, Bronce-Gruppen, Modellen u. s. w. 6. Die Bibliothek mit ca. 12.000 Bänden, darunter viele alte Manuscripte, Prachtwerke, Kupferstichsammlungen u. s. w. 7. Das Naturaliencabinet enthält eine reiche Sammlung von Mineralien, Seegewächsen, Conchilien, Fischen und Vögeln.
Im Schloss-Vorhofe ein Wasserbehälter aus Geschützen verfertigt, die der Friedländer erobert hatte.
=Geschichtliches.= Stadt und Herrschaft gehörte zu Anfang des 16. Jahrhunderts Joh. Kapiřz von Sulewitz, welcher sie 1530 an Dippold v. Lobkowitz verkaufte. Bei dieser Familie verblieb sie bis 1618. Bald darauf aber gelangte sie durch Kauf an den Grafen von Waldstein; Johann Friedrich Graf von Waldstein, Erzbischof zu Prag, erhob 1680 Dux und Oberleutensdorf zu einem Fideicommiss und vererbte sie 1694 an Johann Grafen von Waldstein-Wartenberg, nachmaligen Landesmarschall von Böhmen.
Spaziergänge.
_Zur Riesenquelle, auch Grünze_ genannt, 20 Minuten an der Strasse nach Teplitz mit Fremdenzimmern, Gartenanlagen; enthält zugleich Gesundheitsbäder durch die in der Nähe befindliche Quelle.
_Nach Ossegg_ ¾ Stunden. Der Weg führt unterhalb der Kirche an der Schlossgartenmauer, dann längs des Baches sehr angenehm.
=*Ossegg=, 1100 E., Marktflecken am Fusse des Erzgebirges.
=Gasthöfe=: Hôtel »zum Kaiser von Oesterreich« mit Garten-Restauration; Gasthof »zur Weilburg«.
=Bahnhof= der Dux-Bodenbacher und der Dux-Prager Bahn.
Ossegg kommt als Sommeraufenthaltsort immer mehr in Aufnahme.
=Sehenswürdigkeiten=: Die _*Stiftskirche_ des Cistercienserstiftes.
Die Errichtung dieses Stiftes reicht in das Jahr 1196 zurück, in welchem Slavko von Riesenberg (od. eigentlich Riesenburg), der damalige Besitzer der hiesigen Gegend, die schon im Jahre 1193 durch Johann Milgost aus Waldsassen in Baiern nach dessen Besitzung Maschau bei Kaaden berufenen Geistlichen des Cistercienser-Ordens, welche daselbst durch häufige Ueberfälle von Räubern sehr beunruhigt und zur Verlegung ihres Sitzes gezwungen wurden, bei sich aufnahm, ihnen die bereits früher hier bestandene Marienkirche abtrat und die neue Niederlassung durch mehrere Dörfer und andere Geschenke so reich dotirte, dass sie dadurch für den Verlust ihrer früheren Besitzungen zu Maschau, welche ihnen Milgost, aus Verdruss darüber, dass sie ohne sein Vorwissen ihren Sitz verändert hatten, wieder entzog, schadlos gehalten wurden. König Přemysl Ottokar I. bestätigte 1203 die neue Stiftung, nahm sie in seinen königl. Schutz und beschenkte sie mit neuen Gütern und Vorrechten. Aber schon 1249 überfiel Přemysl Ottokar, Markgraf von Mähren, das Kloster, welches sich auf die Seite seines Vaters Wenzel I. von Böhmen geschlagen hatte, jagte sämmtliche Geistliche weg und gab das Kloster den Soldaten preis. Zwar entschädigte er, nachdem er selbst König von Böhmen geworden, dasselbe in reichem Masse für die erlittenen Verluste, aber nach seinem Tode (1278) wurde es neuerdings durch die Truppen Rudolfs von Habsburg zerstört und ausgeplündert. Kaum wieder hergestellt, gerieth es 1341 neuerdings in Brand, bis es 1421 von den Pragern und 1429 von den Taboriten dergestalt zerstört und verwüstet wurde, dass es lange Zeit ganz verödet blieb. Erst vom Jahre 1626 an begann es wieder aufzuleben; es wurden jetzt Kloster und Kirche in ihrer gegenwärtigen Pracht erbaut.
Spaziergänge:
_*Zur Salesiushöhe_ ¼ St.; auf der Strasse nach Langewiese, von der Säule links in den Wald 10 Min. Schönes Panorama über das Bielathal. Ihre Entstehung verdankt sie der Verehrung der Stiftsbrüder zu ihrem Prälaten Salesius Krügner. Von der Salesiushöhe zurück bis zur Strasse; jenseits derselben Fussweg 5 Min. zum _Kroatenloch_; alter Bergwerksstollen. Fussweg fortsetzen nach _Riesenberg_.
Ausflüge:
1. _*Riesenburg_ ½ Stunde, dem Domainenbesitzer von Dux gehörig, eine der ältesten Burgen Böhmens, im 9. Jahrhunderte von dem böhmischen Ritter Slawko erbaut, gerieth ebenfalls durch die Husiten in Trümmer. Vom Wartthurme aus herrliche Aussicht.
2. _Nach Klostergrab_ 1 St., Bergstadt, 1500 Einw.
=Gasthof=: »Zum Rathhaus«.
=Endstation= der Prag-Duxer Bahn; nord-nordöstlich von Ossegg gelegen.
Der Silberbergbau war einst in grösster Blüthe; denn schon im Jahre 1082 standen 600 Bergleute in Arbeit, die in einem Vierteljahre 13 Ctr. (728 Kgr.) geschmolzenes Silber producirten. Diese Bergleute sind durch ihre Ansiedelungen in der Nähe der Gruben als die Gründer des Ortes zu betrachten.
Klostergrab ist nebst Braunau der geschichtlich merkwürdige Ort, wo die ersten Funken der Religionsunruhen hervorbrachen, indem die daselbst befindliche protestantische Kirche 1616 auf Befehl des Kaisers Mathias zerstört wurde.
Merkwürdigkeiten:
Das Schützencorps besitzt einen aus Klostergraber Silber gearbeiteten Schmuck für den jeweiligen Schützenkönig.
Spaziergänge:
Oberhalb Klostergrab der _*Königshügel_; bietet eine herrliche Fernsicht über das Teplitzer Thal und die ganze Umgegend. Im Sommer auch Restauration.
3. Von Ossegg über die Riesenburg nach Langewiese (1 St), schöne Aussicht, und nach der Porphyrkuppe des _*Wieselstein's_ (1 St.) 944 m hoch. Von hier übersieht man das Bielathal, das Mittelgebirge, die Gegend bei Saaz und Kaaden.
Weiter nach dem gräfl. Waldstein'schen Jagdschlosse _Lichtenwald_; bietet nichts Bemerkenswerthes, wurde im Jahre 1760 erbaut. Dann nach _Georgshöhe_, einem einsam gelegenen Forsthause, und dem Höllengrund in das schöne Rauschengrunder Thal nach Oberleutensdorf (siehe Katharinaberg).
4. Von Ossegg über Ladung nach _Oberleutensdorf_ 1¼ St. Zuerst auf der Strasse gegen Langewiese -- schöner Rückblick --; wo die Strasse eine scharfe Biegung nach rechts macht, auf den Fussweg links in den Wald. Beim Heraustreten aus demselben prachtvolles Bild. Durch Ladung bei der Brettsäge rechts Fahrweg -- nicht zu fehlen.
Oberleutensdorf.
=Gasthöfe=: »Drei Linden«, »Weisses Ross«, »Rathhaus«, »Kaiser von Oesterreich«.
=Post- und Telegraphenamt.=
=Bahnhof= der Dux-Bodenbacher, Prag-Duxer und 1 Stunde entfernt: Aussig-Teplitzer Bahn.
=Oberleutensdorf=, Stadt, 3300 E., 320 m; Mittelpunkt der Spielwaarenindustrie, hat ferner eine Filztuch-, Garn- und Möbelfabrik, ein dem Grafen Waldstein gehöriges Schloss, ein stark eisenhaltiges Bad.
=Geschichtliches.= Oberleutensdorf war vor dem Jahre 1715 ein unbedeutendes Dörfchen und wurde in diesem Jahre von Karl VI. zu einem »Stadtl« erhoben; der Ort wuchs, besonders seit der 1715 in's Leben getretenen Tuchfabrication durch die aus Nah und Fern herbeiströmenden Arbeiter. Nach Beendigung des siebenjährigen Krieges schuf die eingeführte Strumpfwirkerei, noch mehr aber die seit 1822 für Oberleutensdorf so wichtige Erzeugung von Spielwaaren einen neuen Erwerbszweig. (Siehe: Geschichtliches über Dux.)
=Sehenswürdigkeiten=: 1. Das vom Grafen Johann Josef von Waldstein im J. 1732 erbaute Schloss mit dem neu angelegten schönen Park;
2. die Pfarrkirche mit einem schönen Altarblatt von _Skreta_;
3. auf dem Friedhofe die gräfliche Todtenkapelle mit der Todtengruft, worin der am 23. Mai 1823 verstorbene Franz Adam Graf von Waldstein-Wartenberg begraben liegt. Die Kapelle enthält ein meisterhaftes Denkmal des Verstorbenen;
4. das prächtige Bürgerschulgebäude, in herrlicher Lage auf einer kleinen Anhöhe.
Spaziergänge:
1. _Zum *Schiesshaus_; prächtige Lage am Saume des Waldes mit schöner Aussicht auf das ganze Mittelgebirge.
2. _Nach *Rauschengrund_ ½ St. Vor dem Eingange in das Thal links von der Strasse neue, schön gelegene Restauration; weiter die Villa des Fabriksbesitzers Hrn. Riecken, dann die Baumwollspinnerei desselben. Einkehrhaus des Prokop Loos (siehe Katharinaberg).
3. _Nach Sandel_ ½ St. durch den Wald sanft ansteigend mit schöner Aussicht; Gasthaus.
4. _Nach *Hammer-Johnsdorf_ ¾ St., schön zwischen Obstgärten gelegen, als Sommeraufenthaltsort ziemlich besucht, reine, gesunde Waldluft, gegen Ost- und Nordstürme ganz geschützt. Weber's Hôtel zunächst der Haltestation der Dux-Bodenbacher Bahn, elegante Einrichtung, aufmerksame Bedienung. -- Mildner's Gasthaus »zur deutschen Bruderhalle« mit einer prachtvollen Aussicht. Oberhalb der Bruderhalle am Saume des Waldes das im eleganten Schweizerstyl neuerbaute _Curhaus_ des Med. Dr. Tschuschner mit entzückender Aussicht über das böhmische Erz- und Mittelgebirge. Griessel's Gasthaus. Hammergrundthal (siehe Bereisung von Katharinaberg).
5. _Nach dem Gebirgsdorfe Schönbach_ ¾ St.; Gasthaus Fritsch, einfach, aber gut.
Ausflüge:
1. _Nach dem Wieselstein_ über Schönbach 3 St., nur mit Führer (im Gasthause zu drei Linden beigestellt); von hier entweder über Langewiese, Riesenberg nach Ossegg (Siehe dieses), oder nach Lichtenwald in's Rauschengrunder Thal.
2. _Nach Oberdorf_ ½ St., Göhren 1 St., böhm. Einsiedl ¾ St., Bad Einsiedl (sächsisch) 20 Min. (Siehe Seite 154).
3. _Nach Eisenberg_ mit der Dux-Bodenbacher Bahn ½ St., prächtiges Schloss, grossartige Gartenanlagen.
4. _Nach Obergeorgenthal_, Nickelsdorf, von da auf den _Bernstein_ -- einem der höchsten und schönsten Aussichtspunkte der hiesigen Gegend --; von dort über Ladung nach Katharinaberg. (2, 3, 4 siehe Bereisung von Katharinaberg aus.)
G. Der Besuch des böhmischen Erz- und Mittelgebirges von Brüx-Bilin aus.
Stadt und Schloss Brüx.
=Gasthöfe=: »Hotel Ross«, »Zum Löwen«, »Zum schwarzen Adler«, »Zum Hirschen«, alle am 1. Platz; »Zum blauen Stern« am 3. oder Gymnasium-Platz, Siegl's Gasthof am Bahnhof.
=Restaurationen=: »Zum Suk«, »Bielarestauration«, »Schiesshaus«, »Saras«.
=Caféhaus= Bahnhofstrasse.
=Post- u. Telegrafenamt= Wassergasse in der Nähe des 1. oder Marktplatzes.
=Postfahrten= nach Hawran, Nieder- und Ober-Georgenthal.
=Eisenbahnen=: _Aussig-Teplitzer_ gegen Komotau-Karlsbad-Eger und Teplitz-Aussig-Bodenbach; _Prag-Duxer_ gegen Ossegg-Klostergrab, gegen Obernitz-Prag, Obernitz-Sauerbrunn, Bilin; _Pilsen-Priesener_ gegen Pilsen-Eisenstein.
=Omnibusse= (3) zu jedem Zuge; Droschken, Zweispänner nach allen Richtungen.
=Zeitungslese-Cabinet= im Casino. Einführung von Gästen durch Mitglieder gestattet.
=Photographische Ansichten= von Brüx und Umgebung in den Buchhandlungen von Hanns Eichler und Sommer, beide am Marktplatz.
=Aemter=: K. k. Bezirkshauptmannschaft, k. k. Kreisgericht, beide am Marktplatz; k. k. Bezirksgericht an der Biela; Bürgermeisteramt im Gemeindehause, Fleischbankgasse.
=Bank- und Wechselgeschäft=, Wassergasse.
=Zwei Dienstmänner-Institute= (roth und grün).
Unter den Städten des gesegneten nördlichen Böhmen ist wahrlich nicht die geringste die kön. Stadt Brüx; ihr Name hat einen guten Klang durch ihr Alter, ihre ruhmvolle Vergangenheit, und die Gegenwart kennt sie als eine wohlhabende, freundliche Stadt, deren Handel und Verkehr stetig zunimmt.
Die Chronisten setzen sie _unter die ältesten Städte_ Böhmens. Die ersten Erbauer von Brüx sind unbekannt, und ihr (der Stadt) Ursprung ist sehr alt. Sie bediente sich des deutschen Rechtes und von den Aussprüchen ihrer Gerichte ging der weitere Zug an den Magdeburger Schöppenstuhl. Im J. 1004 geschieht ihrer das _erstemal Erwähnung_, da sie sich im Kriege Kaiser Heinrich II. gegen Boleslav III. freiwillig an jenen ergab. -- Als im Jahre 1040 Helikard, Herzog von Sachsen, in Böhmen einfiel und bei Gnevin (so hiess damals Brüx) das Lager aufschlug, liess ihm Herzog Břetislav bedeuten, wofern er binnen 3 Tagen das Land nicht verlasse, werde er ihm den Kopf vor die Füsse legen. Eingeschüchtert durch diese Drohung verliess Helikard Böhmen, und Břetislav begann noch in demselben Jahre auf dem Berge, an dessen Fusse Brüx liegt, zur Sicherung der Grenze die _feste Landeswarta_ zu bauen. Ihre Schicksale sind bis zu ihrer Zerstörung innig verbunden mit denen der Stadt. Im Jahre 1045 erhielt sie ob der vielen Brücken, die über die zahlreichen Gewässer führten, den _Namen_, den sie bislang führt: _Brüx_, _Most_, _Pontum_ oder _Pons_. -- Um 1200 gehörte Brüx dem Oberkämmerer Grabisa, der den 10. Theil von dessen Wochenmarkt-Einkommen und den Weinzehent dem Stift Ossegg schenkte. Hier sei gleich bemerkt, dass der Weinbau hierorts ein bedeutender gewesen sein muss. Gojata, des obgenannten Grabisa Sohn, vermachte Brüx testamentarisch der Kirche von Zderas in Prag, doch so, dass seine Gemahlin bei ihren Lebzeiten den Nutzgenuss haben sollte. Gojata starb 1238 und bald vielleicht auch seine Gattin, denn König Wenzel I., der grosse Vorliebe für Brüx hatte, zog die Stadt an sich und versprach, die Zderaser Kanoniker anderweitig und entsprechend zu entschädigen. Diese Entschädigung scheint jedoch nicht gleich erfolgt zu sein, da auch sein Sohn und Nachfolger Přemysl Ottokar II. auf Andringen des päpstlichen Stuhles solche neuerdings zu leisten gelobte. -- Im Kriege Wenzel's I. mit seinem Sohne ward letzterer, da er Stadt und Schloss Brüx belagerte, von Boreš, dem obersten königlichen Marschall und Brüxer Schlosshauptmann des Nachts überfallen, geschlagen, (1. November 1248) und war in Folge dessen gezwungen, mit dem Vater sich auszusöhnen.
Das erste grosse _Privileg_, das _des Meilenrechtes_, erhielt die Stadt unter'm 26. März 1273 von Přemysl Ottokar. In dieser Privilegienurkunde wird Brüx auch das erstemal Stadt »civitas nostra« genannt. -- Im Jahre 1282 hatte Otto, Markgraf von Brandenburg, für die Vormundschaft über König Wenzel II. ausser 15.000 Mark Silber noch Stadt und Schloss Brüx, Aussig und etliche Dörfer verpfändet erhalten; aber schon das Jahr darauf ward er durch den Reichstag zu Freiburg verhalten, die genannten Orte wieder herauszugeben. (23. August.) Wenzel II. schenkte Brüx sogleich einem seiner Getreuen Johann von Michelsberg, der es noch im selben Monate (28. August) seinem Könige wieder abtrat. Seit diesem Tage ist Brüx _ununterbrochen königliche Stadt_ geblieben, wenn es auch in der Folgezeit öfter, besonders an Meissen, verpfändet war. Alle folgenden Könige statteten sie, stets in Ansehung »des getreuen Nutzens und der unverdrossenen Dienste« entweder mit neuen Privilegien aus, oder bestätigten ihre alten Freiheiten und Rechte.
Die ruhmvollste Periode ihrer Geschichte aber ist die der _Hussitenkriege_. Die umliegenden Städte hatten sich den Taboriten entweder ergeben und mit ihnen gemeinsame Sache gemacht, wie Saaz und Laun, oder sie waren, wie Komotau und Bilin, gefallen. Um ihre Stadt nun vor ähnlichen Geschicken zu bewahren, war bereits im Frühjahre 1421 an König Sigmund eine Gesandtschaft abgegangen, die das Gelöbniss unverbrüchlicher Treue erneuern, aber auch um Hilfe für die bedrohte Stadt bitten sollte.