Führer durch das böhmische Erzgebirge, das Mittelgebirge und die angrenzenden Gebiete
Part 17
Nur noch Einiges über den jetzigen Zustand der Burgruine im Allgemeinen. Der Schlossberg mit der alten Ruine Hassenstein fällt nach 3 Seiten, besonders gegen den Brunnersdorfer Bach zu, steil ab. Die Wallgräben sind grösstentheils verfallen, die 4 Burghöfe kaum mehr erkennbar. Stolz aber schaut noch in's Thal der mächtige Wartthurm mit seinen massiven Mauern. Viele Gewölbe sind noch ziemlich gut erhalten und Alterthumsfreunde, wie Dr. Martius, meldeten öfters von interessanten Funden. Dass auch Schatzgräber, mit geweihter Kreide und Schildwachbüchlein ausgerüstet, hier ihre Rechnung zu finden vermeinten, darüber kann man in Platz und Umgebung manche tragi-komische Geschichte erfahren.
Wir steigen den steilen und fast ungangbaren Fusssteig durch Hochwald hinab und kommen an den Brunnersdorfer Bach. Hier finden wir am Ufer dieses Baches einen Eisenhammer und weiter unten am Ausgange des Thales den Anfang des lang gestreckten, zu beiden Seiten des Baches liegenden Dorfes Brunnersdorf, das hier in seinem oberen Theile den Namen »Rossstall« führt. (165 Häuser, 1295 Einwohner.) Die Bewohner von Brunnersdorf treiben Oekonomie und haben grossen Obstbau. Zu den Sehenswürdigkeiten zähle ich im unteren Theile das Schloss und die Zuckerfabrik an der Kaadner Strasse. Das Gasthaus im oberen Theile des Dorfes (Rossstall) und Fischers Gasthaus am Schulplatz sind Touristen zu empfehlen. Der Tourist, der wieder zurück nach Komotau oder weiter westwärts nach Kaaden will, kann dies einerseits durch die Bahn, andererseits durch Kaadner Omnibusse bewerkstelligen.
4. _Von *Komotau nach Deutsch-Kralupp-»*Keller«, Neudörfel, durch das *Grundbachthal über Zieberle nach Sonnenberg._ Wir beeilen uns zum 1. Karlsbader Zug und lösen eine Fahrkarte bis Deutsch-Kralupp. Das Städtchen liegt 10 Minuten von der Station. Die Kirche, welche schon im J. 1360 als Pfarrkirche vorhanden war, besteht in ihrer jetzigen Gestalt erst seit 1796, wo sie nach dem Brande neu gebaut worden ist. Sie hat ein gutes Hochaltarblatt von Kindermann in Wien, den hl. Jakob darstellend. Auch enthält sie die Familiengruft der Grafen von Martinitz. Die Stadt wird durch den Saubach, welcher im Höllthale entspringt und durch die Dörfer Malkau, Sosau und Hagensdorf fliesst, in zwei ungleiche, durch eine steinerne Brücke verbundene Theile gesondert, von welchen der am südlichen Ufer liegende, kleinere, wo die Kirche steht, die Kunewitz heisst. Wir wenden uns nördlich von der Station Deutsch-Kralupp dem ¼ Stunde entfernten Dörfchen Hagensdorf zu. Die Einwohner treiben Oekonomie und Obstbau. Sehenswerth ist das im Rococostyl erbaute herrschaftliche Schloss Hagensdorf mit einer ansehnlichen Baum- und Blumengärtnerei. Dieses Schloss war in den Robotzeiten in der Hagensdorfer Umgebung bis in's nahe Gebirge hinauf nichts weniger als beliebt, denn hier hauste der gestrenge Herr Amtmann mit seinem Beamtenstabe. Durch den Schlosshof führt ein ganz angenehmer Weg durch eine Baum-Allee nach der nahe gelegenen Restauration »Am Keller«. Hier bieten sich im Sommer unter schönen Linden und mächtigen Eichen bei einem frischen Trunke vorzüglichen Brunnersdorfer Biers stille und angenehme Ruheplätzchen. Für Kralupp und die weitere Umgebung ist der »Keller« der besuchteste Ausflugsort und er wäre es sicherlich in noch ausgedehnterem Masse, wenn der Besitzer für eine comfortablere Einrichtung der Restauration, sowie für bessere Instandhaltung und Erweiterung der Anlagen Sorge trüge. An der Stelle des Kellerwirthshauses soll in alter Zeit ein Kloster gestanden sein; wenigstens wird die dortige Feldflur noch heute von den älteren Bewohnern das »wüste Kloster« genannt, und von den alten Kellerruinen, auf denen das Wirthshaus erbaut wurde, erhielt dasselbe den Namen. Gegen Kralupp zu finden wir mehrere grosse Fischteiche, der Gutsherrschaft gehörig. -- Wir wenden uns nun westwärts dem Dörfchen Neudörfel am Abhange des Kralupper Berges zu. Auf unserem Wege dahin rechts und links treffen wir kleine Teiche, sie sind die Ueberbleibsel eines vormals sich hier ausbreitenden grossen Sees, der im J. 1829 das letztemal gefischt, im nächstfolgenden Jahre entwässert wurde und an den noch jetzt das sogenannte »Seehäusel« (gegenwärtig ein herrschaftliches Hegerhaus) erinnert. In den Robotzeiten hatten die Einwohner von Platz und Neudörfel die Fischerei als Robotarbeit zu besorgen. Dafür bekam der Mann per Tag einen Fisch. Neudörfel bietet für den Touristen ausser seinen Kirschenpflanzungen nichts Sehenswerthes, dagegen wird es sich für denjenigen empfehlen, der es nicht scheut, den nördlich gelegenen _Saustein_ zu besteigen. An schönen Tagen lohnt ein Einblick in die Saazer und Kaadner Gegend vollkommen die Mühe der Besteigung. Von hier steigen wir in westlicher Richtung das Berggelände hinab in das Thal des Brunnersdorfer Baches. Wir gehen durch dieses, sich immer wildromantischer gestaltende Thal den Brunnersdorfer Bach aufwärts, haben rechts die Schnabelmühl-Lehne, links den Gigerich-Berg und sehen, wie die Trümmer der Burg Hassenstein melancholisch in's Thal schauen. Unser Weg durch das Thal, genannt Brunnersdorfer Grund, wendet sich am Fusse des Schlossberges plötzlich westlich. Die Brunnersdorfer Gutsverwaltung hält hier eine Holzschwemme in Stand. In neuerer Zeit wurde auch die Communication durch Anlegung eines strassenähnlichen Weges bedeutend verbessert. Mächtige Felswände heben sich zu beiden Seiten des Thales. Das Gehänge von der Burg Hassenstein herab führt den Namen Kalkofenlehne und soll früher ein Thiergarten gewesen sein, von dessen Umfangsmauern noch Ueberreste zu sehen sind. Die linke Berglehne (rechtes Bachufer), die sogenannte Gigerich-Lehne, zeigt pittoreske Felsengruppen, würdige Seitenstücke zu den in fast gleicher Höhe gegenüberliegenden Burgtrümmern von Hassenstein. Von nun an verengt sich das Thal zusehends, statt durch Laubholz schlängelt sich der Thalweg knapp am linken Bachufer durch finstere Fichten, so recht an Tiek'sche »Waldeinsamkeit« erinnernd. Am rechten Bachufer erhebt sich der Hutberg, und die durch ein kleines Querthal davon getrennte Hundskoppe. Hier, wo sich das Thal nördlich wendet, liegt so recht einsam die »Hasenmühle«, eine Einschicht, von dem weiter westwärts gelegenen Gebirgsdorfe Wohlau. Der freundliche Müller bietet dem müden Wanderer Brod, Bier und Milch zur Labe.
Werfen wir einen Blick auf unsere bisherige Wanderung im Thale des Brunnersdorfer Baches (unrichtig Brandbach, welchen Namen nur das durch Sonnenberg geleitete Bächlein führt) zurück, so finden wir, dass dieses Thal an Naturschönheiten mit den schönsten Gebirgspartien Oesterreichs wetteifert. Man glaubt sich in ein herrliches Hochgebirgsthal versetzt. Es ist zu wundern, dass Touristen, wenigstens der nahen Städte, dies nicht schon längst gefunden und touristisch ausgebeutet haben. Nach der Ansicht eines unserer besten Geologen wäre dieses Thal in alten Zeiten die einzige Communication aus dem Saazer Lande über das Gebirge »in's Reich« gewesen. Dies wird auch die ersten Dynastien auf Hassenstein zur Gründung dieser Burg in herrschender Stellung dieses Verbindungsweges bewogen haben. Vielleicht genügt eine Hindeutung auf das Gesagte, um die Jetztzeit zur Anlage einer Strasse in diesem Thale zu bewegen. -- Von der Hasenmühle aus wandern wir am rechten Bachufer über das Gelände nach Zieberle. Der Fusssteig durch ein Gewirr von Wald- und Feldwegen, ¼ Stunde lang, dürfte für das erstemal einen Führer nothwendig machen, wozu der »Hasenmüller« gerne jemanden zur Verfügung stellt. Das Oertchen Zieberle hat 11 Häuser mit 81 Einwohnern. Es liegt am Abhange der »Zieberle Kappe«, von welcher man eine lohnende Aussicht hat. Nördlich von Zieberle, in 15 Minuten erreichbar, liegt auf dem Sonnenberge die königliche Bergstadt _Sonnenberg_. Gneis und Urthonschiefer bilden seine Unterlage. Die Stadt mit 2600 Einwohnern zählt 212 Häuser. Die Einwohner beschäftigen sich vorzüglich mit Spitzenklöppelei; Jung und Alt sind Alliirte des Klöppelsackes. Ausserdem wird hier Handweberei betrieben. Das Centralcomité zur Hebung der Erwerbsthätigkeit im Erz- und Riesengebirge besitzt hier eine Sammtfabrik im eigenen Gebäude und überdies ist die Anfertigung von Schuh- und Handschuhwaaren nicht unbedeutend. Dass die edle Musikkunst sich hier einer besonderen Pflege erfreut, bezeugen ungefähr 200 Sonnenberger, welche »mit Musik« alljährlich und in fast alle Länder Europas bis nach Asien reisen und Tüchtiges leisten. Der Hausierhandel mit Manufactur- und Galanteriewaaren hat in Sonnenberg viele Vertreter.
Die Stadt zeichnet sich vor vielen anderen Landstädten durch ihre regelmässige Anlage und Bauart aus. Von dem ein Viereck bildenden Ringe laufen die Gassen in schnurgerader Richtung aus, so dass man hier nach allen vier Seiten in's Freie hinausblicken kann.
=Gast-= und =Einkehrhäuser= sind: Gasthaus zur »Sonne« am Ringplatze, an der Strasse gelegen; Franz Reichmann's Gasthaus bei der Kirche; Leopold Hütters Einkehrhaus in der Kirchengasse; Gasthaus zum Kronprinzen Rudolf an der Pressnitzer Strasse am Ringplatze u. s. w. Lohnfuhren und Fiakergeschäfte übernimmt Herrmann _Stocklöw_ und Josef _Puschack_.
=K. k. Postamt.=
Sehenswerth ist die im J. 1857 vollendete Pfarrkirche. Das Kirchenschiff hat eine Länge von 35 m und eine Breite von 20 m. Das Presbyterium ist 10 m lang und eben so breit. Im Schiffe stehen 36 in 6 Abtheilungen aufgestellte Betstühle, fünf Altäre mit sehenswerthen Altarbildern von Lhota (St. Wenzel Hauptaltar), Weidlich (St. Josef und Maria Heimsuchung), Josef Hellich (St. Michael und Maria Empfängniss). Die Kirche besitzt auch kostbare Kirchenornate und Paramente; die achtzehnstimmige, mit 2 Koppeln ausgestattete Orgel, Predigers Meisterwerk, wurde von Prediger aus Lichtenberg bei Hohenstadt um den Preis von 4230 fl. gebaut. Die Glocken, von denen die grösste 29 Ctr., die zweite 14 Ctr. und die dritte 7 Ctr. wiegt, goss der Prager Hofglockengiesser Karl Bellmann. Sehenswerth ist auch die hübsche Johannisstatue am Ringplatze und das von dem gelehrten Pfarrer Schwarz in Sonnenberg im J. 1750 angelegte Kirchengedenkbuch, welches interessante und wichtige Aufzeichnungen enthält. Die weit in's Land schauende Kirche und die sehr hübsche Lage des Städtchens führt jährlich viele hunderte von Touristen hieher um -- wie die Sachsen sagen -- »das schöne Böhmen« zu sehen. Ganz in der Nähe des Städtchens finden sich recht schöne Aussichtspunkte, wie der Galgenberg, die Zieberle Kappe bei Zieberle, der Hutberg, der Hassberg u. s. w. Der zur Sonnenberger Bahnstation täglich viermal verkehrende Postwagen führt den Touristen wieder zurück in seine Heimath.
5. _*Von Komotau durch das *Assigbachthal nach Sebastiansberg._ Wir gehen von Komotau über Oberdorf den Assigbach aufwärts. Nach ungefähr einer einstündigen Wanderung durch ein schönes *Wiesenthal, dessen Gehänge mit Nadel- und Laubholz bewaldet, kommen wir zur ersten Grundmühle, genannt auch »Kleinmühle.« Erfrischungen hält der betreffende Müller stets bereit. Von hier führt ein Weg rechts nach Petsch und links nach Domina. Im Thale weiter aufwärts treffen wir die zweite Grundmühle, nach ihrem Besitzer (Zein) »Zeinmühle« genannt. Diese Mühle ist so ziemlich die ansehnlichste der »Grundmühlen«. Von hier kann man rechts, das kleine Querthal verfolgend, das ca. ½ Stunde entfernte Dorf Dörnthal mit 17 Häusern und 107 Einwohnern erreichen. Sehenswerth ist hier der das Querthal überbrückende Bahndamm. Rechts von der Zeinmühle führt eine sogenannte Halbstrasse nach Petsch, einem freundlich gelegenen Oertchen, zum Pfarrdorfe Platten gehörig. Von der »Zeinmühle« nicht weit thalaufwärts entfernt, liegt die Dörnthal- oder Dreiwassermühle. Hier vereinigt sich mit dem Assigbache der mit dem Märzdorfer Bache bereits vereinigte Tschoschelmühlbach und der Rothenhäuser Flössbach. Wir verfolgen durch das mittlere Thal, Assigbachthal, unsere Tour weiter. Der bereits isolirt liegende, mit schönen Buchenstämmen bewachsene Berg ist der Ahrenberg, das Kleinod unter den Komotauer Wäldern. Circa ½ Stunde von der Dreiwässermühle in einer Thalenge befindet sich das sogenannte »böse Loch«, eine wildromantische Thalschlucht. Weiter den Lauf des Assigbaches aufwärts verfolgend, kommen wir zu den Felsen: Ringelstein und Otterstein. Links aufsteigend erreichen wir nach ziemlich anstrengendem Marsche die Bergstadt Sebastiansberg mit 2200 Einwohnern und ungefähr 200 Häusern. Die Partie ist sehr interessant und lohnt die Anstrengung in hohem Grade. Sebastiansberg soll seinen Namen von seinem Gründer Sebastian von Weitmühl erhalten haben. Man betrieb hier früher Bergbau auf Kupfer und Silber. Kaiser Rudolf II. erhob den Ort zu einer freien Bergstadt. Jetzt ist von dem früheren Bergbau keine Spur mehr. Die Bewohner beschäftigen sich mit Gänse- und Schweinehandel und Spitzenklöppelei.
=Gasthäuser=: »Strubels Gasthof« am Ring, »Heineich's Gasthaus« in der Schmiedgasse, »Lang's Gasthof« am Ring, Gasthof »zum schwarzen Adler« am Ring.
Die königliche Bergstadt Sebastiansberg hat ein k. k. Bezirksgericht, Notariatsamt, ein k. k. Postamt, ein Lese-, Gesang-, land- und forstwirthschaftliches Casino. Eingeführte Gäste haben Zutritt. Sehenswerth ist die im J. 1877 erbaute _Stadtkirche_ und das im J. 1879 errichtete _Kriegerdenkmal_ am Marktplätze.
Ein schöner Spaziergang in nordwestlicher Richtung auf der Kaiserstrasse ist der nach _*Reitzenhain_ (Eisenbahnstation) dem beliebtesten Ausflugsorte der Sebastiansberger. Der Weg führt durch ausgedehnte, herrliche Waldungen. Der Ort selbst liegt inmitten derselben und bietet im Sommer einen sehr angenehmen Aufenthalt. Gesunde finden hier nach angestrengter Arbeit Erholung und Kränkliche Kräftigung. Hier athmet es sich leicht und wohl. Ueberall, wohin man blickt, ist das dem Auge wohlthuende Grün, von allen Seiten kommt uns der Wohlgeruch von duftenden Kräutern und Blumen, von harztriefenden Fichten und Tannen entgegen, was zur Erfrischung des Blutes nicht wenig beiträgt; darum mehrt sich die Zahl der Fremden, welche in dem Gasthause »zum Malzhaus« eine ausgezeichnete Verpflegung und Unterkunft finden, in auffallender Weise. Böhmisch-Reitzenhain ist ein beliebter und gesuchter klimatischer Curort. Die Umgebung des Ortes ist herrlich, die Waldpartie nach _*Marienberg_ in Sachsen, (2 Stunden), nach _*Ulmbach_, _*Kienhaide_ und _*Natschung-Kallich_ auf guten Wegen sind von seltener Schönheit.
6. _Von Sebastiansberg nach Komotau zurück._ Der müde Tourist kann dies erstens mit der Bahn thun und zwar von der Station Krima-Neudorf aus, wohin er mittelst Postwagen in ca. ½ Stunde gelangt. Sollte er aber in Sebastiansberg übernachtet haben, so ist ihm mehr zur Fusspartie nach Komotau zu rathen; man rechnet auf diese Fusstour 3 Stunden. Immer auf der Strasse abwärts schreitend, berühren wir in ca. 20 Min. Neudorf. In weiteren 20 Min. führt die Strasse beim Bahnhofe Krima-Neudorf, dem grössten zwischen Komotau und Weipert, vorüber. Hier zweigt auch die Bahnlinie »Krima-Reitzenhain« ab. Gleich unterhalb des Bahnhofes treffen wir, wo sich von der Kaiserstrasse eine Bezirksstrasse über Sonnenberg nach Pressnitz abzweigt, das Gasthaus zur »Spitz«. Wir lassen es rechts und gelangen nach abermals einer viertelstündigen Wanderung in das alte Pfarrdorf »Krima«, welches 460 Einwohner in 63 Häusern zählt und zu welchem 9 Ortschaften eingepfarrt sind. Zur Zeit, als noch der Waarentransport per Achse besorgt wurde, herrschte hier reges Leben. Die zwei grossen Gasthäuser mit geeigneten Stallungen und grossen Hofräumlichkeiten sahen wohl damals bessere Tage. Dem Touristen können sie aber auch jetzt noch empfohlen werden, und zwar Bernhard Pilz's Gasthaus, beim Eintritte in's Dorf gelegen, bietet vorzügliche Speisen und Getränke und bequemes Nachtquartier. Dasselbe kann man auch vom zweiten Gasthause in Krima, an der Strasse gelegen, sagen. Krima hat ein k. k. Postamt und mehrere Vereine. Die Erwerbsquelle der Einwohner ist Oekonomie. In ca. ¼ Stunde in südwestlicher Richtung führt uns die Strasse am Gasthofe zum »Hübel« und am Fusse des links sich erhebenden Klingerberges vorüber; von hier an bekommt die Strasse ein immer grösseres terrassenförmiges Gefälle, führt durch die Dörfer Domina und Schönlind und endigt nach einem sehr starken Abfalle unterhalb Schönlind, von hier aus _*prächtige Ausblicke_ in's Land gewährend -- durch Oberdorf nach Komotau.
7. _Von Komotau nach *Kaaden._ Die Tour wird mit der Buschtěhrader Eisenbahn in 28 Minuten zurückgelegt und bietet der Blick auf das Erzgebirge während der Fahrt sehr viel Angenehmes. Absteigestation ist Kaaden-Brunnersdorf, wo Omnibusse der Reisenden harren und dieselben in einer halben Stunde in die Stadt befördern.
Kaaden.
Die Stadt zählt 5052 Einwohner und liegt an der Eger.
=Gasthöfe=: »Zur Sonne« am Marktplatz; »zum grünen Baum«; »zum goldenen Hirschen«.
=Aemter=: K. k. Bezirkshauptmannschaft; k. k. Bezirksgericht; k. k. Post- und Telegraphenamt.
=Verkehrsanstalten=: Buschtěhrader Eisenbahn westwärts gegen Karlsbad-Eger und ostwärts gegen Komotau und von da einerseits nach Aussig-Bodenbach, andererseits nach Prag.
=Schulanstalten=: Ober-Gymnasium, Ackerbauschule, Bürgerschule.
=Sehenswürdigkeiten=: _Die Dreifaltigkeitssäule_ auf dem Ring; dieselbe wurde im J. 1761 errichtet. _Das Rathhaus_; es bestand schon zu Anfang des 15. Jahrh. und ist nach dem Brande 1811 neu wieder hergestellt worden. An der Vorderseite des Gebäudes sieht man die Wappen des Hauses Oesterreich, der Königreiche Ungarn und Böhmen und der Stadt Kaaden. Das Kloster der Elisabethinerinnen in der unteren Vorstadt am Einflusse des Brunnersdorfer Baches in die Eger, gestiftet im J. 1748. Die Kirche zu _Mariä-Verkündigung_ nebst der darin befindlichen _Kapelle_ zu den heil. 14 Nothhelfern und einem Franziskanerkloster ausserhalb der Stadt, ¼ St. nordwestlich am linken Ufer der Eger. Die Kapelle bestand als Wallfahrtsort schon im 14. und 15. Jahrh. und 1473 stiftete auf Anregung des Herrn Niklas von Lobkowitz die Stadtgemeinde das Kloster, dessen, sowie der Kirche vollständiger Ausbau aber erst 1662 zu Stande kam.
=Geschichtliches=. Der Name der Stadt rührt von einer Burg her, welche der böhmische Feldherr _Kadan_ angeblich auf dem Felsen, wo jetzt die Kaserne steht, schon im J. 821 errichtete und nach sich benannte. Unter seinem Schutze entstanden allmählig Ansiedelungen und eine Stadt, welche im J. 1128 durch Herzog Sobieslaw mit Mauern umgeben wurde. Sonach zählt der Ort zu den ältesten Städten des Egerthales. König Přemysl Ottokar II. erhob sie zu einer königlichen Stadt. Kaiser Karl IV. verlieh ihr verschiedene Privilegien. Im J. 1421 wurde sie von den Taboriten überfallen und furchtbar verheert. Weil die Stadt im Schmalkaldischen Kriege 1547 an der Widersetzlichkeit gegen Ferdinand mit theilgenommen, wurden ihr alle Privilegien und Freiheiten bestätigt, welche ihr früher verliehen worden. Während des 30jährigen Krieges wurde Kaaden zweimal von den Schweden und zwar 1642 unter General Torstensohn und 1648 unter General Königsmark eingenommen. Grosses Unglück traf sie am 1. October 1811, an welchem Tage sie von einem furchtbaren Brande heimgesucht wurde. Das Rathhaus, die Dechantei, die Schulgebäude und 243 Häuser sammt Nebengebäuden wurden von dem entfesselten Elemente eingeäschert.
Die Umgebung der Stadt ist reizend und besuchenswerth. Die Abhänge des Egerthales sind von Warta aus bis Klösterle, ja selbst bis Kaaden grösstentheils felsig, und oft fallen die Felsmassen bis in das Flussbett steil ab und erfreuen den Touristen durch ihre mannigfaltige Gestaltung und dadurch bedingten häufigen, sehr angenehmen Wechsel der Landschaftsbilder.
Touren:
Wir können uns hier nur auf die in's Erzgebirge beschränken und weisen auf eine grosse, interessante Tour in's Duppauer Gebirge bloss hin. Es ist: _Kaaden-Radonitz-Duppau-Rodisfurt mit dem Abstecher zum Giesshübler Sauerbrunn und von da über Welchau in die Bahnstation Wickwitz-Welchau und retour mit der Buschtiehrader Bahn nach Kaaden über Hauenstein-Warta-Klösterle_ (sehr interessante Fahrt). Von Kaaden südlich nach Fünfhunden, von da südwestlich nach Radonitz und in derselben Richtung nach Duppau. Die Oberfläche bei Radonitz und Duppau ist gebirgig. An der südwestlichen Seite erstreckt sich ein Bergrücken, aus welchem sich die Bergspitze _Burgstadel_ 925 m erhebt, welche einst eine Burgruine unbekannten Ursprunges trug und von welcher nur noch ein zugeschütteter Brunnen übrig ist. Von der Spitze des Berges sieht man deutlich nicht nur das ganze Erzgebirge, sondern auch bei reinem Horizonte den Milleschauer Berg und andere Kuppen des böhmischen Mittelgebirges, den Georgsberg bei Raudnitz, den Bösig zwischen Weisswasser und Hirschberg, den Frauenberg und mehrere Punkte des Fichtelgebirges. Vor mehreren Jahren stand hier eine hölzerne Pyramide, welche leider in Trümmer ging und gegenwärtig durch eine Stange mit zwei Tafeln ersetzt ist. Etwas niedriger ist der _*Oedschlossberg_ 917 m, südwestlich von Duppau, an dessen westlichem Abhange sich in der Basaltmasse mehrere natürliche Löcher von der Grösse eines menschlichen Kopfes befinden, welche vom Volke _die Zwerglöcher_ genannt werden, weil der Sage nach in uralter Zeit Zwerge darin gewohnt haben sollen.
Die Stadt Duppau hat ein Schloss, welches schon im J. 1119 von Doupowetz errichtet worden sein soll, im J. 1500 von Anna Maria Margaretha Daupowetz erneuert und im J. 1723 vom Grafen Gottfried von Lützow überbaut wurde. Die Pfarrkirche zu Mariä Himmelfahrt wurde von demselben Grafen im J. 1745 vollständig renovirt. Die Elisabeth-Kirche wurde nebst dem dazu gehörigen Klostergebäude für die Jesuiten gegründet und denselben im J. 1770 übergeben. Nach Aufhebung dieses Ordens im J. 1773 erhielten die Piaristen das Collegium sammt dem Gymnasium, welches gegenwärtig geschlossen ist. Die Kirche gehört durch ihre Grösse, geschmackvolle Bauart und innere Ausschmückung unter die bemerkenswerthesten Landkirchen Böhmens.
Von Duppau in westlicher Richtung nach Rodisfort (Rodisfurt), rechts an der Eger, über welche eine Brücke führt, und an der Landstrasse nach Schlackenwerth, und dann ½ Stunde südlich zum Sauerbrunn.
=Giesshübler Sauerbrunn= (siehe Bereisung von Karlsbad aus). Von da in nördlicher Richtung nach _Welchau_ am rechten Ufer der Eger in einem von mehreren Bergen eingeschlossenen herrlichen Thale. Eigenthümer des Gutes _Welchau_ ist gegenwärtig Herr Hofrath Dr. von Löschner, welcher in diesem schönen Thale seinen Ruhesitz nach vieljähriger ausgezeichneter Wirksamkeit als Professor und Arzt aufgeschlagen und sehr viel für die Verschönerung der Gegend gethan hat. Die auf einem Hügel ausserhalb des Dorfes liegende Kirche hatte schon 1384 einen eigenen Pfarrer. Im Pfarrhause befindet sich das Bildnis des Pfarrers _Anton Hasch_ zu Lioch (? in dioecesi Liochensi), welcher 125 Jahre alt geworden und 100 Jahre sein Amt als Pfarrer verwaltet hat. Das Schloss ist im 16. Jahrh. vom Grafen Schlick gebaut, und, nachdem es 1621 am 21. April mit dem ganzen Orte abgebrannt war, vom Freiherrn von Hessler wieder hergestellt und später wieder erneuert worden. Von der Station »Wickwitz-Welchau« wieder retour nach Kaaden.