Führer durch das böhmische Erzgebirge, das Mittelgebirge und die angrenzenden Gebiete

Part 15

Chapter 152,794 wordsPublic domain

Von Joachimsthal führt über Gottesgab nach Weipert eine gute Strasse. (4 St.) Wir schlagen entweder die rechts bei der Dekanalkirche vorüberleitende Strasse ein, oder gehen an der links davon befindlichen Häuserreihe den Weg durch das Oberthal aufwärts, der sich bei den letzten Häusern mit der Strasse vereinigt. Diese geht nur noch eine kleine Strecke thalauf (der Fussgänger verfolge den Thalweg bis zur Strasse weiter), erklimmt in zwei Windungen die Berglehne und führt durch prächtige Waldungen auf den rauhen, moorreichen Kamm des Gebirges; wir schneiden aber kurz nach Eintritt in den Wald die vielfachen Krümmungen der Strasse ab, indem wir den rechts abzweigenden, stark betretenen, aber etwas steil ansteigenden Fussweg wählen, der auf dem Plateau am Ende des Waldes in die Strasse mündet, die uns endlich nach einstündiger Tour nach Gottesgab bringt.

Gottesgab.

=Gasthöfe=: »_Zum grünen Haus_« und »_Zur Stadt Berlin_«. (Beide an der Strasse, ersterer zur Linken, letzterer zur Rechten).

=Postamt= (an der Strasse).

=Aemter=: _Bürgermeisteramt_ (am Marktplatze). _Zollamt._

Beschreibung und Geschichte der Stadt.

Die kön. Bergstadt Gottesgab liegt auf einem überaus stiefmütterlich ausgestatteten, unwirthbaren und frostig-rauhen Moor-Plateau hart an der sächsischen Grenze, 1015 Meter ü. M., und ist die höchstgelegene Stadt der österreichisch-ungarischen Monarchie. Auf dieser baumlosen, öden Hochfläche, auf welcher nur ein dürftiger, doch sicherer Graswuchs fortkommt, wird der Hafer selten reif, und der Kartoffelbau, der in manchen Jahren ganz misslungen ist, lohnt kaum die Saat und Pflege; daher beschränkt sich die Landwirthschaft fast ausnahmslos auf die _Viehzucht_. Das Städtchen, welches sehr regelmässig angelegt ist und einen grossen, quadratischen Marktplatz besitzt, zählt 1600 Einwohner, die grösstentheils auf Hausindustrie angewiesen sind. Die weibliche Bevölkerung beschäftigt sich hauptsächlich mit Spitzenklöppeln, Weissnäherei u. dgl., auf die männliche aber, von der ein Theil Weissstickerei betreibt, lässt sich Schiller's Wort: »Der Mann muss hinaus in's feindliche Leben« im weitesten Sinne anwenden; sie zieht hinaus in die Welt, um durch Musik und Handel das Brot zu verdienen. »Fahrende« Musikkünstler aus Gottesgab sind in aller Herren Ländern zu finden. Ursprünglich hiess das Städtchen _Wintersgrün_, erhielt aber seiner reichlichen Silbererze wegen von frommen und dankbaren Bergleuten den bedeutungsvollen Namen Gottes Gabe. Der Sage nach soll dieser Namen von Johann Friedrich, Churfürsten von Sachsen, herrühren, dem man bei einem Besuche einen aus einer Silberstufe ausgehauenen Sessel zum Niedersetzen vorgesetzt habe. Der fromme Churfürst habe aber dieses Anerbieten mit den Worten abgewiesen: »Das sei Gottes Gabe, und so soll die Stadt hinfüro genannt werden.« _Sehenswerth_ sind: »_Die Klöppelschule_«, gegründet von dem thatkräftigen »Central-Comité zur Beförderung der Erwerbsthätigkeit der böhm. Erz- und Riesengebirgsbewohner«, und _zwei Maschinenstickerei-Fabriken_ des _Karl Günther_ und _Günther und Schönfelder_. Seine Entstehung verdankt Gottesgab dem Silberbergbau; ein Herr von Tetau soll es im Anfange des XVI. Jahrhunderts angelegt haben. Im Jahre 1532 begann der Bergbau auf Silber. Der Churfürst Johann Friedrich von Sachsen gab der Stadt 1534 eine Bergfreiheit und 1546 das Privilegium als eine freie Bergstadt. Kraft eines im Jahre 1556 mit Moriz von Sachsen abgeschlossenen Vertrages kam Gottesgab an Böhmen.

Wie an vielen anderen Orten des Erzgebirges ist auch hier der ehemals blühende Bergbau ganz eingestellt; nur Halden, Pingen, Stollen zeugen von einstigen unterirdischen Metallschätzen. Die am 4. Mai 1808 ausgebrochene Feuersbrunst legte 142 Häuser sammt dem Rathhause, der Pfarrei und Schule in Asche. Dadurch verarmten viele Bewohner, die überdies durch die grosse Theuerung i. J. 1817 viel Ungemach zu leiden hatten. Nur die wohlthätige Unterstützung Böhmens rettete die Stadt vor Hungersnoth. Bei dieser Gelegenheit erwarb sich der damalige Pfarrer von Gottesgab, _Franz Wilhelm Tippmann_, später Weihbischof des Prager Domcapitels, bedeutende, unvergessliche Verdienste. Derselbe stiftete auch, durchdrungen von wahrer christlicher Nächstenliebe, ein Spital. -- Gottesgab ist die Geburtsstätte mehrerer verdienter Deutschböhmen: _Thaddäus Peithner_ war k. k. Hofrath, _Johann Theodor Anton Peithner Ritter von Lichtenfels_ war Bergrath und Bergwerkshistoriker (gest. 1792) und _Josef Köhler_ starb als General-Grossmeister des Kreuzherrenordens zu Prag.

=*Besteigung des Keilberges.= (¾ St.) Etwa 300 Schritte oberhalb des Zollschrankens zweigt von der Kaiserstrasse zu unserer Linken eine Strasse über Sächs. Wiesenthal nach Annaberg in Sachsen ab. Auf ersterer in südöstlicher Richtung weiterschreitend (falls man nicht schon früher einen rechts von der Strasse führenden, sehr empfehlenswerten _Wiesenweg_, der bis zu den Sonnenwirbelhäusern leitet, gewählt hat), erblicken wir geradeaus die drei Sonnenwirbelhäuser, die höchsten Wohnungen des Erzgebirges. Immer bedeutender wird die Steigung der Strasse; nach ¼stündiger Wanderung nähern wir uns dem Sonnenwirbel (so wird gewöhnlich die westliche Kuppe des Keilberges genannt), dessen nördliche Abdachung nur mit spärlichem Fichtenbestand bedeckt ist; nach unten zieht sich der sog. _Kaltewintergrund_ hin, der wohl die traurigste Gegend des Erzgebirges ist; denn auf der Mitternachtseite, wo selten oder nie ein Sonnenstrahl in diese beinahe unheimliche Schlucht dringt, liegt selbst im Juni noch Schnee. Und doch findet sich daselbst eine Ansiedlung, der »_Kalte Winter_«, im Volksmunde »_Böhmisch Sibirien_« genannt. Die Bewohner dieser Einschichte können bei schrecklichen Schneestürmen oft acht Tage lang nicht aus dem Hause, und es wäre fürwahr tollkühn, wenn sie sich aufs Geradewohl durch die klafterhohen Schneemassen einen Weg bahnen wollten. Noch eine kurze Strecke aufwärts und es entrollt sich vor unseren Blicken ein überraschendes Panorama. Südlich vor uns breitet sich ein imposantes Seitenthal aus, dessen schützende Lehnen mit stattlichen Wäldern bedeckt sind. Hier in nächster Nähe fristet die verkrümmte Fichte, ja sogar die sonst zähe Eberesche ein kümmerliches Dasein und dort unten im Thale strecken Tannen, Lärchen, Birken und Buchen ihre Häupter stolz empor. Welch ein Contrast! Den Hintergrund der herrlichen Scenerie bildet das grossartige Gebäude der Joachimsthaler k. k. Zigarrenfabrik. Nach einigen Minuten zeigt uns ein _Wegweiser_ mit der Aufschrift »Zum Keilberg« an, dass wir die Strasse verlassen und einen gut erhaltenen _Fahrweg_ betreten müssen, der uns bis _auf die höchste Kuppe des Keilberges_ führt. »Dieser Höhenpunkt, der _höchste im Erzgebirge_, bildet gewissermassen den _Hauptstock_ des ganzen Gebirges; einen _Gebirgsknoten_, von welchem dasselbe in nordöstlicher und südwestlicher Richtung verläuft, dessen höchste Punkte sich zunächst um ihn gruppiren, so dass es hier fast _das Ansehen eines Hochgebirges_ erhält.« Diese Bezeichnung kommt vorzugsweise dem steilen südlichen Abfalle oder Joche des Keilberges zu, auf welchem sich mehre Kuppen mit abfallender Höhe, am bedeutendsten der _Leerberg_, die Kuppen bei Dornberg und bei Marletzgrün, dann die Berge bei Hauenstein (der Hauensteiner _Schlossberg_, westlich von ihm der _Maierrang_ und östlich der _Eichelberg_) hervorheben. Der Fuss dieses Gebirgsjoches wird unmittelbar von der Thalebene (Egerthal) begrenzt, aus welcher es plötzlich sehr schroff emporsteigt. Westlich ist es durch das tief eingeschnittene _Weseritzthal_ begrenzt, in welches einige enge, von hohen, steilen Gehängen eingefasste Seitenthäler einmünden. Diese steilen Abhänge und hohen Gehänge der engen Thäler, die Gruppirung ansehnlicher Kuppen, welche in ihrer Zusammensetzung einander überragen, geben ihm hier mehr als an einer anderen Stelle seiner Verbreitung das Ansehen eines »Hochgebirges.« Die bedeutendsten Höhenpunkte, welche sich um den Keilberg gruppiren, sind: (im Norden) der _Fichtelberg_ (jenseits der Landesgrenze), der _Gattersberg_ (zwischen Stolzenhahn und Wiesenthal), der _Hofberg_, der _Riegelberg_, der _Grosse_ und _Kleine Wolfsberg_ (nordöstl. von Stolzenhahn) und der _Blaselsberg_ (zwischen Stolzenhahn und Kupferberg); (im Osten) der _Wirbelstein_ (nördlich vom Hauensteiner Forsthause), der _Eisenkopf_ und der _Buchberg_; (im Süden) die _hohe Wiese_, weiter abwärts der _Schobert-_ oder _Schubertberg_ und westlich von diesen der _Hohe Berg_ und der sagenreiche _Graue Stein_, von welchen beiden dann die Gehänge dieser Bergmasse in Absätzen in das Thal abfallen; (im Westen) der _Spitzberg_ (bei Gottesgab), der _Steinhübel_ (bei Irrgang), der _Plattenberg_ (östl. von Platten), der _Buchberg_ (westl. von Platten); (im Nordwesten) der _Kaffberg_ und der _Mückenberg_ (bei Goldenhöhe).

Den höchsten Punkt des Keilberges krönt ein 21 Fuss hohes, einfaches, _aber sehr fest_ und _praktisch gebautes Aussichtsobject_, das der Erzgebirgsverein in Joachimsthal im Jahre 1880 errichtet hat. Haben wir die zweite Terrasse dieses Objectes bestiegen, so eröffnet sich uns eine _umfassende, wahrhaft grossartige, überwältigende Rundsicht_, die uns unwillkürlich an die vortrefflichen Worte _Karl Egon_ von _Eberts_, des hochgefeierten Altmeisters der deutsch-böhmischen Dichter, erinnert:

»Ihr Berge, stolze Berge, du schwarze Wäldernacht, Ihr golderfüllten Ströme, ihr Au'n in grüner Pracht, Ihr sanft gewölbten Hügel im blumigen Gewand, Euch nenn' ich freudig rufend, mein _schönes_ Vaterland!«

In nächster Nähe streben dicht an einander gereiht, wie Mastbäume die schlank gewachsenen Fichten und Tannen des prächtigen _Schwarzwaldes_ (die ausgedehnten, herrlichen Waldungen, am Südabhange des Keilberges führen diesen Namen) empor, an den sich weithin nach den verschiedenen Richtungen die gewaltige Waldregion, ein förmliches Forstmeer, der mannigfaltigen Höhenzüge mit ihren Kuppen anreiht; denn der Blick schweift bei heiterem Himmel über das ganze (besonders das böhmische) Erzgebirge vom Böhmerwalde und Fichtelgebirge bis an das Riesengebirge, eine wundervolle Aussicht, wie sie in solchem Masse _kein_ zweiter Punkt im ganzen Erzgebirge bietet. In südöstlicher Richtung sehen wir die Städte: Saaz, Kaaden, Klösterle und viele grössere und kleinere Ortschaften (mit einem guten Fernglase sieht man bei heiterem Himmel sogar den historischen weissen Berg bei Prag); östlich gewahren wir zunächst Kupferberg mit dem kegelförmigen Kupferhügel (letzterer ist gegen unseren Standpunkt verschwindend klein) und in weiterer Entfernung links Dörnsdorf, Reischdorf, die Kirchthurmspitze von Pressnitz. Ganz im Hintergrunde erblicken wir die Kuppen des herrlichen böhmischen Mittelgebirges mit dem Milleschauer. Gegen Norden verdecken die beiden Fichtelberge die Aussicht nach Sachsen, doch ist diese nach Nordost lohnend. (Schmiedeberg, Jöhstadt, Weipert, Annaberg); der Bahnhof von Weipert, die Kirche von Annaberg und die imposante Volksschule in Schmiedeberg sind mit freiem Auge sichtbar. Gegen Süden bemerken wir das Duppauer Gebirge mit der Ruine Engelhaus, den Bahnhof von Karlsbad, ferner Schlackenwerth und das liebliche, reizvolle Egerthal, im Südwesten im Hintergrunde den Dillenberg bei Eger, den Kaiserwald, im Westen das Fichtelgebirge mit dem Hainberge bei Asch. Bei dieser Darlegung wurde nur das Wichtigste hervorgehoben, denn alle einzelnen Punkte dieses _farbenprächtigen Panoramas_ zu schildern, lässt der Raum des Buches nicht zu, zudem wir in anderer Beziehung des Keilberges gedenken mussten. Erhaben und schön ist auf diesem Berge die Beobachtung des _Sonnenaufganges_. (Der Botaniker findet Moose und Vorboten subalpiner und selbst alpiner Pflanzen).

Um unsere beabsichtigte Tour zu vollenden, kehren wir wieder bis zum bekannten Wegweiser zurück, wo wir die nach Weipert führende Strasse weiter verfolgen; dieselbe zieht sich anfangs einige hundert Schritte auf der Ebene dahin, senkt sich dann allmählig, und wir sehen plötzlich bei einer Biegung ein malerisches Bild. Wie hingegossen liegt das sächsische Städtchen _Oberwiesenthal_ vor uns, das bloss durch die Pöhl von _Böhmisch-Wiesenthal_ getrennt ist. Man wird nicht satt, dieses Bild zu betrachten, immer wieder zieht es das Auge des Touristen auf sich. Wir steigen indess tiefer und gelangen zu den _Hofberghäusern_ mit dem anständigen Gasthof »_Hofberg_« (Hier biegt, rechts die Strasse nach Kupferberg, links nach Böhmisch-Wiesenthal ab). Nachdem wir durch eine kleine Erfrischung uns erquickt haben, schreiten wir auf der Strasse bei kaum wahrnehmbarer Senkung zur rechten Seite des grossen Dorfes _Stolzenhahn_ hin und erreichen nach einer ½stündigen Wanderung durch eine zu beiden Seiten der Strasse liegende liebliche Waldung _Böhmisch-Hammer_, wo sich _rechts_ die Strasse nach _Schmiedeberg_ abzweigt. (Gleich oberhalb des Dörfchens ist ein ansehnlicher _Viaduct_ der Buschtěhrader Zweigbahn Komotau-Weipert bemerkenswerth.) An der Strasse selbst liegt der ansehnliche _Gasthof_ »_zum Schlössl_.« Immer näher zieht sich dieselbe an der Landesgrenze auf der Ebene dahin und wir erblicken bald auf böhmischem, bald auf sächsischem Boden ein Gehöfte, eine Mahl- oder Papiermühle, ein Gasthaus u. dgl., was uns eine annehmbare Abwechslung gewährt. Wir merken kaum, dass wir uns schon _Weipert-Neugeschrei_, der Vorstadt Weiperts, nähern. Hier liegen die Häuser einzeln gebaut, zu beiden Seiten der Strasse. Von _Gottesgab_, noch besser von _Försterhäuser_ (siehe oben), können wir, in Försterhäuser unweit des Forsthauses abbiegend, eine prächtige Seitentour ausführen. Wir gehen auf einer guten, durch herrliche Wälder führenden Strasse oder auf einem Fusswege am Goldenhöher Forsthause vorüber in das idyllisch gelegene Dorf _*Goldenhöhe_, dann nach der sogenannten _böhmischen Mühle_ und von da weiter nach Sachsen. Dieser, zwei Stunden bis zur Grenze in Anspruch nehmende Weg ist herrlich. Die schönen, wohlgepflegten Waldbestände erwecken die Bewunderung jedes Touristen. Es ist eine ächte Gebirgswanderung. Bei der genannten Mühle öffnet sich das Thal, vom reissenden Pöhlbach durchbraust; wir überschreiten die Grenze, durchwandern das industriereiche, an beiden Abhängen des erweiterten Thales romantisch gelegene Dorf _Rittersgrün_ und kommen in ¾ Stunden in _*Globenstein_ an, wo die höchstinteressanten Felsgebilde unsere Aufmerksamkeit erwecken. Fortsetzung der Tour über _Crandorf_ oder _Raschau_ nach _*Schwarzenberg_. Herrliche Partie!

D. Der Besuch des Erzgebirges von Komotau aus.

Komotau.

=Gasthöfe=: Scherbers Hôtel (Nr. 98 in der Frohngasse).

Hôtel Reiter (Nr. 14, 15, Ringplatz).

Städtisches Schiesshaus inmitten des neuen, sehenswerthen Stadtparkes (nördlich der Stadt) gelegen, sehr beliebter, besonders im Sommer reich besuchter Ausflugsort der Stadtbewohner.

Hôtel Adler Nr. 16 am Marktplatze, Eck der Steingasse.

Gasthof zum grünen Baum in der Bahnhofstrasse.

Städtischer Lagerkeller (Nr. 1 Weinberggasse), schön gelegen, mit einem grossen Garten und herrlichen Blick auf die Stadt und das Gebirge.

Güttler's Restauration (Schäfergasse Nr. 7) schöner Garten mit Gartenhaus und gedeckter Kegelbahn.

=Restauration= am Bahnhofe.

Weiter sind noch erwähnenswerth: Gasthof zum Bahnhof in der Bahnhofstrasse, »Gasthaus zum Schiefer« in der Prager-Strasse, »Austria« in der Weinberggasse (Lokal des Lesekasinos), Städtische Restauration (genannt »Criminelle«), »Binders Weinhandlung« in der Herrengasse.

=Aemter=: 1. Die k. k. Bezirkshauptmannschaft; 2. das k. k. Bezirksgericht; 3. das k. k. Revier-Bergamt; 4. das k. k. Steueramt; 5. das k. k. Grenz-Inspektorat mit der k. k. Finanz-Wachkontrolsbezirksleitung und dem k. k. Hauptzollamte; 6. das k. k. Postamt am Schulplatz; 7. das k. k. Telegraphenamt in der k. k. Bezirkshauptmannschaft; 8. das k. k. Aichamt; 9. das k. k. Gendarmeriepostenkommando; 10. die Komotau-Sebastiansberger Bezirksvertretung; 11. das Bürgermeisteramt.

=Lehranstalten=: 1. das Communal-Obergymnasium; 2. die k. k. Lehrerbildungsanstalt; 3. die mechanisch-technische Lehrwerkstätte des k. k. Handelsministeriums; 4. die Bürgerschule und 5. die Privatvolksschule der Schwestern vom hl. Kreuz mit Pensionat.

=Verkehrsanstalten.= 1. die k. k. priv. Aussig-Teplitzer Eisenbahn; 2. die ausschl. priv. Buštěhrader Eisenbahn; 3. die k. k. priv. Dux-Bodenbacher Eisenbahn; 4. die Pilsner-Priesner Eisenbahn.

Zwei Lesezimmer a) das der Gesellschaft »=Casino=« b) das der =Ressource=. Eingeführte Fremde haben Zutritt. Die Buchhandlung von A. _Stumpf_ am Marktplatz ertheilt allen Touristen über den Gebirgsverein, Führer in's Gebirge u. s. w. Auskünfte; 2. Buchhandlung von _Mändl_.

=Sehenswürdigkeiten.= 1. Die Stadtkirche. Der gothische Hauptbau stammt aus dem Jahre 1542; in früheren Jahren, etwa 400 Jahre zuvor, stand an diesem Orte eine kleine Kirche; der jetzige Hauptaltar wurde 1723 erbaut; sehenswerthe, kunstvolle Bilder am Kreuzaltare sind die der hl. Bonaventura und des hl. Franz von Assisi. In der Taufkapelle dieser Kirche erweckt besonders Interesse das merkwürdige, künstlerisch-werthlose Žižka-Bild, welches die Verheerung der Stadt durch die Hussiten darstellt. 2. Die *St. _Ignaziuskirche_ oder Jesuitenkirche genannt an der Südseite des Marktplatzes, die grösste und schönste Kirche Komotaus und im italienischen Baustyl des 17. Jahrh. erbaut; die Kirche und die jetzt als Kaserne dienenden Nebengebäude bildeten einst das Jesuitencollegium, das 1773 aufgehoben wurde. Den Hochaltar dieser Kirche schmückt in seinem oberen Theile ein Kunstgemälde, darstellend Gott-Vater im Kreise seiner Engelschaaren. Lanfranco, ein Schüler der florentinischen Schule, malte es. Das Hauptbild des Hochaltars, gemalt vom Meister Kandler in Prag, stellt den hl. Ignatius vor; unter dem Presbyterium ist die Jesuitengruft. Die zweite Seitenkapelle rechts birgt die irdischen Ueberreste des 1681 verstorbenen Johann Grafen von Hrzan, k. k. Statthalters von Böhmen. Auf dem Seitenaltare des hl. Viktor befinden sich die Reliquien dieses Heiligen, mit welchen und zu deren Verehrung die Jesuiten ehemals jährlich eine Procession durch die ganze Stadt hielten. 3. Das Schloss, jetzt städt. Rathhaus, auf der Westseite des Marktplatzes, einst der Wohnsitz von Komotaus Oberherrn, dürfte in seinem noch bestehenden Bau 1520 errichtet worden sein. Gegenwärtig befindet sich darin das Bürgermeisteramt, die Sparkasse, das städtische Forstamt, ein Turnsaal u. s. w. 4. Die Katharinenkirche, dem Schlosse angebaut, darum auch Schlosskirche genannt, ist das älteste Baudenkmal Komotaus. Schon 1383 wird bei derselben unter anderen einer Frühmessstiftung Erwähnung gethan. Unter Kaiser Josef II. wurde die Kirche Eigenthum der Stadt; jetzt dienen ihre Räumlichkeiten verschiedenen privaten Zwecken. Die Bauart spricht für das 14. Jahrhundert. 5. Die Spittelkirche oder Kirche vom hl. Geist in der Gerstnergasse; sehenswerth ist ein kunstvolles Bild, darstellend den hl. Josef. 6. Gleich darunter steht die in den fünfziger Jahren erbaute protestantische Kirche. Die Juden-Synagoge, erbaut 1876, befindet sich in der Weinberggasse. 7. Das Gymnasium, ein schöner Bau mit einem Thurme (ehem. Sternwarte der Jesuiten), am linken Ufer des Assigbaches gelegen, angrenzend an die Jesuitenkirche. 8. Das Pädagogium, südlich ausserhalb der Stadt gelegen, früher das städtische Spital; die technische Lehrwerkstätte im unteren Ende der langen Gasse; die Eröffnung der Anstalt fällt in das Jahr 1874 und ist in ihrer Art die einzige in ganz Oesterreich und Deutschland. 9. Die Bürgerschule für Knaben und Mädchen unweit der Stadtkirche gelegen mit 19 Classen. 10. Die umfangreichen Gebäude der Schwestern vom hl. Kreuz mit einer 7classigen Privatvolksschule mit Oeffentlichkeitsrecht in der unteren langen Gasse. 11. Der nach englischem Muster angelegte Stadtpark, nördlich der Stadt, gehört zu den beliebtesten Spaziergängen der Komotauer.

=Kurze Beschreibung der Stadt.= Die königliche (1605) Stadt Komotau zählt über 700 Häuser mit einer Bevölkerung von 10100. Sie liegt am Fusse des Erzgebirges, zu beiden Seiten des Assigbaches, inmitten von Obst- und Gemüsegärten. Die Stadt hat 5 Jahrmärkte und wöchentlich 3 Märkte, betreibt lebhaft Obst- Getreide- und Gemüsehandel; merkwürdig ist das Gedeihen der edlen Kastanien in der Nähe von Komotau. Von Komotau führen mehrere Strassen auswärts: Die Leipziger oder Kaiserstrasse durch die Bahnhofstrasse in nordwestlicher Richtung nach Sachsen; die Prager Strasse durch die lange Gasse in südlicher Richtung über Postelberg, Laun nach Prag. Eine andere Strasse führt durch die Weinberggasse nach Görkau; die Kaadner Strasse durch die Bahnhofstrasse, beim Gasthause zum grünen Baum von der Leipziger Strasse abzweigend, führt beim Bahnhofe vorüber in westlicher Richtung nach Kaaden. Auch führt eine Bezirksstrasse in südlicher Richtung nach Eidlitz, eine in nördlicher Richtung übers Gebirge nach Platten, Kallich gegen die sächsische Grenze.