Führer durch das böhmische Erzgebirge, das Mittelgebirge und die angrenzenden Gebiete

Part 14

Chapter 143,064 wordsPublic domain

1. _Schloss Freudenstein_, auf der westlichen Seite der Stadt, liegt auf dem steilen Schlossberg, der nur westwärts in eine Ebene ausläuft. Von der einstigen festen, überaus zweckmässig angelegten Veste sind nur zwei runde Thürme von bedeutendem Umfange und ein Stück Ringmauer übrig geblieben. Von denselben zeichnet sich der vordere, nordöstliche durch seine Höhe aus; er besitzt ein Laternenthürmchen mit einer Glocke und wird von dem Stadtwächter bewohnt, welcher früh Morgens um 3 Uhr, dann um 4 Uhr, Mittags um 11, beziehungsweise 12 Uhr, Abends aber um 7 und 8 Uhr durch Glockengeläute den Bergknappen zum Ein- und Ausfahren das Signal geben, überdies aber bei Tag und Nacht der Stadtuhr nachschlagen muss. Den zweiten, kleineren Thurm benützt das k. k. Bergamt als Pulvermagazin. -- Vom Bergabhange geniesst man _eine ausgezeichnete Uebersicht der ganzen Stadt_. »Wie im Grundrisse sehen wir sie vor uns aufgerollt, und einem spähenden Auge entgeht kein Reisender, der die Strasse einherwandelt; ja, selbst die von anderen Seiten über das Gebirge herführenden Fusssteige können von diesem Punkte aus übersehen und bewacht werden, so dass -- wie man sich gewöhnlich ausdrückt -- nicht eine Maus in die Stadt gelangen kann, ohne dass sie von dem lauernden Wächter nicht bemerkt worden wäre.«

=Geschichtliches.= Graf Stefan Schlick legte 1518 den Grundstein zu dem Schlosse Freudenstein, dessen Bau 1520 vollendet ward. Es lag vor dem 30jährigen Kriege in der Mitte der Stadt, dessen oberer Theil im Thale lag, während ein grösserer Theil hinter der Burg auf dem Berge, wo jetzt die _Neustadt_ liegt, stand. Von dem ehemaligen Stadttheil, hinter dem Freudenstein gegen Westen, sind jetzt nur Spuren von Mauern und Kellern vorhanden. Es wurde Anfangs von dem Berghauptmann des Burgherrn bewohnt, 1525 von aufständischen Bergleuten geplündert und theilweise verwüstet, bald aber wieder hergestellt. Seit 1545 diente es dem jeweiligen königl. Berghauptmann zur Wohnung, bis es nebst dem oberen Theil der Stadt 1634 von den Schweden zerstört wurde. (Siehe Näheres Geschichte der Stadt Joachimsthal.)

2. _*K. k. Cigarrenfabrik und k. k. Hüttenwerk._ Auf der Aerarialstrasse thalabwärts betritt man die _links_ abzweigende Gemeindestrasse, die zur Cigarrenfabrik führt. Kürzer und bei staubiger Strasse empfehlenswerther ist der Weg längs der sogenannten »Ziegengasse«, die von der Hauptstrasse schon beim Kaufmann Siegl abbiegt. Die k. k. Cigarrenfabrik, ein imposantes Gebäude, liegt in einem _höchst romantischen_ Seitenthal und beschäftigt 700 Personen. (Anmeldung behufs innerer Besichtigung hat beim k. k. Fabriksdirektor zu geschehen.) -- Auf der Aerarialstrasse etwas weiter abwärts gelangt man zur _Barbara-Kapelle_ und dann zum k. k. _Hüttenwerk_, leicht erkenntlich durch seine riesenhaften schlanken Essen. Hier werden die _berühmten Uranpräparate_ erzeugt, die nicht nur nach den verschiedenen Ländern von Oesterreich-Ungarn, sondern auch in's Ausland versendet werden. (Man melde sich beim k. k. Hüttenverwalter in dem rechts von der Strasse auf einer Anhöhe liegenden Verwaltungsgebäude an.)

3. _Zum Seilerweg._ Die früher genannte Aerarialstrasse benützend, lenken wir von dieser beim sogenannten Badhause, jetzt Unger's Färberei, ab und schlagen den Weg _rechts_ zu dem durch den unvergesslichen Erzgebirgsfreund K. V. Ritter von _Hansgirg_ verschönerten _Friedhofe_ und zu der _Spital-_ oder _Todtenkirche_ mit mehreren guten Gemälden aus alter Zeit, ein. Beim Hauptthore des Friedhofes eintretend, die _Grabdenktafel des Dechants P. Anton Böhm_, des Verfassers einer Joachimsthaler Chronik, (gebor. 29. Juni 1785, gestorben 14. Feb. 1862), nahezu in gleicher Richtung an der gegenüberstehenden Mauer das einfache _Grabdenkmal des Dichters Karl Victor R. von Hansgirg_, gesetzt von den Bezirksgemeinden. Auf dem ebenen Seilerwege selbst entrollt sich vor unseren Augen ein _prachtvolles, malerisch schönes Bild der Stadt_. Vor uns liegt der ganze Marktplatz, durch dessen Mitte längs des Weseritzbaches sich eine Allee Kastanienbäumchen windet. Dazu die die Stadt umfriedenden Bergeslehnen mit ihren Wiesen, Feldern und Halden, das herrliche Seitenthal der Cigarrenfabrik mit den prächtigen, dicht bewaldeten Höhenzügen und den darauf idyllisch ruhenden Häuschen -- dies alles gewährt wahrlich ein ebenso überwältigendes als seltenes Panorama!

4. _Zur Halde_ bei dem Einigkeitsschacht, oben sehr schöner, ebener Weg mit herrlicher Aussicht auf die Stadt und Gebirgslandschaft.

5. _Zum Kaiser Josef-Schacht_ vom Einigkeitsschachte entlang der sog. »Eisenbahn« dann den Weg links ab. Ist an heissen Sommernachmittagen sehr empfehlenswerth, weil kühl und ebenfalls schöne Aussicht auf die Stadt.

6. _Zur Johannis- und Prokopi-Kapelle._ Erstere liegt auf einer Anhöhe an der Ostseite der Stadt und führt von ihr ein Weg zu der weiter nordöstlich auf einem hohen Berge stehenden, weithin sichtbaren _Prokopi-Kapelle_ mit _lohnendster_ Aussicht. Diese Kapelle, von Feldern umgeben, ist unausgebaut geblieben und zeigt sich als Ruine.

7 _*Zum Graben und auf den Grauenstein._ Durch das Oberthal auf der nach Gottesgab führenden Strasse aufwärts, schlagen wir, zur Rechten eine Allee erblickend, den von derselben beschatteten Weg, »_Graben_« genannt, ein, der uns eine _schöne_ Aussicht auf den gegenüber an der westlichen Berglehne liegenden Einigkeitsschacht und die Halde sowie auf die Stadt und die sie umrahmenden Bergeshöhen gewährt. Er zieht sich um die sogen. »_Schwedenschanze_« herum. Wir schreiten weiter, gelangen zum städt. Forsthaus »_Hut_«, wo _gute_ Aussicht auf Theile des Mittelgebirges, betreten links den prächtigen Fichtenwald und kommen zur _Reichen-Geschieb-Zeche_ am Widergebirge. Rechts von der »_Hut_« über »_Rauschererb_« auf den sagenreichen »_Grauenstein_«, wo wir eine _herrliche_ Aussicht auf die umliegende _Gebirgslandschaft_ geniessen (die schön gelegene Einschicht _Schönerz_, auch _Oelbecken_ genannt, in ihrer Thalschlucht von Wiesen umgeben, die _Cigarrenfabrik_ und _Schmelzhütte_, die _Neustadt_, das _Spitzbergel_ bei Pfaffengrün). Rückweg durch das Thal der Cigarrenfabrik. (Vom Grauenstein aus kann man auch weiter den _Keilberg_ besteigen. Man geht bis zur »_grünen_ Kohlstätte«, wo sich rechts der Weg nach Oelbecken, _links_ zum Press zweigt, von wo man auf die sog. Sonnenwirbler Strasse gelangt.)

Ausflüge.

8. _*Mariasorg_ ¾ St. westsüdwestlich von Joachimsthal. Dorf mit einem _Kapuzinerkloster_, dessen Kirche mit Gnadenbild ein _vielbesuchter Gnadenort_ ist; ein sehr beliebter Ausflugsort der Joachimsthaler. _Wagners Gasthaus._ -- Von dem Einigkeitsschachte führt eine steile Gemeindestrasse südwestlich zu der Höhe hinan (»_Neustadt_«), links liegt _Freudenstein_. Auf dem Wege einen Blick rückwärts werfend, liegt in überraschender Tiefe Joachimsthal, während man ganz auf der Höhe, der sog. _Mariasorger-Höhe_, eine _bezaubernde Fernsicht_ auf das gesegnete Schlackenwerther-Lichtenstädter Becken, die Ruine _Engelhaus_, auf das Mittelgebirge vom Königswarter Kaiserwald bis gegen das Duppauer Gebirge, ferner einen Theil des Egergebietes erhält; rechts streckt der _Plessberg_, links der _Koboldstein_ sein Haupt empor. Ist unstreitig _eine der schönsten und lohnendsten Partien im Erzgebirge_.

9. _Koboldstein._ Von der Mariasorger Höhe gelangt man südlich in gerader Richtung zum _Koboldstein_ bei Pfaffengrün. Die Aussicht ist zwar etwas beschränkter, wie auf der Mariasorger Höhe, aber _deutlicher_. (Zettlitz-Karlsbader Bahnhof.)

10. _Ullersgrün_ 1½ St. (über Mariasorg s. 8). Oberhalb von Wagners Gasthause wandern wir auf dem angenehmen Wege waldeinwärts südlich durch den mit den schönsten Waldungen geschmückten _Wolfsberg_, die würzigste Luft einathmend, bis zu dem schön zwischen Feldern und Wiesen auf einem Plateau des Hahnberges gelegenen Dörfchen _Ullersgrün_. Vor unseren Blicken entrollt sich eine _wahrhaft köstliche Rundschau_. (Von Ullersgrün abwärts kommt man in ½ St. nach Lichtenstadt.)

11. _Spitzbergel bei Pfaffengrün_ (1 St.) Wir gehen zum Friedhofskirchlein (siehe 3), bei dem nahe liegenden Häuschen biegt rechts der Weg ab, von da den steilen Berg hinan, geht man dann -- die Hauptrichtung ist südlich -- durch den Wald und sieht aus der Ferne das mit einem Kreuze gezierte _Spitzbergel_, wo sich eine _schöne_ Aussicht bietet. (_Schönwald_, _Permesgrün_, _Ober-_ und _Unterbrand_, _Schlackenwerth_, _Lichtenstadt_, _Zettlitz_.)

12. _*Hauenstein_ (2 St.). _a_) _Gebirgstour._ Der Fussweg nach dem »wundersam lieblichen Hauenstein«, einem der lohnendsten Ausflugsorte der Umgebung, führt über den sog. _Galgenberg_ nach _Arletzgrün_, _Honnersgrün_, _Holzbach_ über _Schönwald_ nach _Hauenstein_. _b_) _Ueber Oberbrand_, _Weidmesgrün_, _Marletzgrün_, sog. untere Holzbacher Mühle, _Schönwald_, _Hauenstein_.

Das Schloss gleichen Namens -- von den Burgen des Egerthales ganz allein nur bis heute bewohnbar -- ruht höchst malerisch auf einem fast senkrecht abfallenden Basaltfelsen, dem Hauensteiner _Schlossberg_, welcher zwischen zwei Bächen, dem Gerinne und dem Zwiesebache, aus dem Thale sich emporhebt. »Da liegt es«, sagt _Theodor Reinwald_ (_Therese v. Hansgirg_) so poetischschön, »in's Grün gebettet, auf Skargen und Terrassen aufsteigend, waldumgürtet, buschumweht, aus reicher Blättermasse traut herüberwinkend, ein anspruchloses _Schloss_ im alten Gebirgsstyl, mit Riegelwänden und hohen Giebeln, über denen sich trotzig, mit wahrhaft feudaler Grösse der alte steinerne Rundthurm erhebt, im Volksmund der »_Bürgermeister_« genannt. Er schaut so kühn herunter, als gehöre er einer mittelalterlichen Veste an. -- Die modernen Wirthschaftsgebäude und Beamtenwohnungen ergänzen das Gesammtbild.« Die ganze Umgebung des Schlosses, das in neuester Zeit durch einen Neubau vergrössert wurde, hat die frühere Grundherrin, _Gabriele Gräfin von Bouquoi_, mit herrlichen, parkartigen Anlagen und bequemen Wegen verschönert und in der That zu »einem Eldorado des Egerthales« umgeschaffen. Auf dem höher gelegenen Berge thront im gothischen Style die _Kapelle_, die der berühmte Architekt und Professor B. _Grueber_ gebaut und der heimische Bildhauer _Max_ mit künstlicher Steinmetzarbeit ausgestattet hat. Hier entrollt sich dem Naturfreunde ein bezauberndes Landschaftsbild. Zu der »_Koppe_« des östlich vom Schlossberge aufsteigenden _Eichelberges_, dessen Waldung über 50 Baumarten enthält, gelangt man auf sehr bequemen, serpentinartig angelegten Pfaden in ½ Stunde. »Es ist geradezu ein Tempel voll gigantischer Säulen, unter dessen hochgewölbtem Dach man hinanstrebt.« Von der »Koppe« erschliesst sich ein _überwältigendes, wahrhaft malerisches Panorama_. Am Fusse des Berges weithin das lachende, fruchtbare, mit Ortschaften gezierte, von der Eger durchschlängelte Thal, westlich das Fichtelgebirge, östlich Komotau, nördlich Schönwald und der Keilberg, der gigantische König des Erzgebirges; dazu winken vier alte Ritterburgen; links das nahe _Hauenstein_, nordöstlich auf schroffen, zerklüfteten Felsen _Himmelstein_, südlich das hochragende, sagenreiche _Engelhaus_ und stromabwärts _Schönburg_. Rückwärts kehrt man über den »_Seeteich_« oder die »steile Wand« in das »_Fremdenhaus_« zurück. Dasselbe ist im Schweizerstyl erbaut, enthält eine Restauration und gewährt vom Balkon des Sommersalons eine herrliche Aussicht. Empfehlenswerth ist die schattige Promenade am »_Meierrang_«, wohin man auf wohlgepflegten Wegen gelangt. Von Hauenstein aus wird ein Abstecher auf der Strasse in südöstlicher Richtung, dann weiter nordöstlich längs der Bahn in dem herrlichen Egerthale nach dem Orte »*Krondorf« mit dem bekannten Sauerbrunn allen Touristen empfohlen. Die Landschaftsbilder sind hier sehr mannigfaltig und von überraschender Schönheit. Die hier liegende Eisenbahnstation Wickwitz-Welchau, sowie die Station Neudau sind Absteigestationen für den Besuch von Giesshübel-Puchstein. Für Hauenstein selbst ist Absteigestation Hauenstein-Warta, so dass diese Partie in bequemer Weise von Schlackenwerth oder Klösterle mit der Bahn zu machen ist. Dann können wir den Weg in bekannter Weise nach Joachimsthal fortsetzen.

=Geschichtliches.= Die Burg _Hauenstein_ taucht urkundlich zuerst zu König Johanns Zeiten auf, wo sie der Ritter _Nikolaus Winkler_ lehensweise besass, der sie an das Prämonstratenser-Nonnenkloster zu Doxan verkaufte. Dieses vertauschte 1336 die Burg an König Johann, der sie wieder verpfändete. Hauenstein, das rasch seine Besitzer aus verschiedenen Geschlechtern wechselte, kam endlich 1528 an Heinrich II. Schlick von Holicz, Grafen von Passaun, und blieb bei dessen Nachkommenschaft bis 1664, in welchem Jahre Franz Ernst Schlick das Gut an Heinrich Julius von Sachsen-Lauenburg verkaufte, der dasselbe mit der Herrschaft Schlackenwerth vereinigte. Seitdem erfuhr Hauenstein mit dieser alle Besitzveränderungen. 1811 wurden die Herrschaften von einander getrennt. Hauenstein blieb Eigenthum der k. k. Kammer und wurde nebst Kupferberg 1836 an die kunstsinnige Gräfin Gabriele von Bouquoi, einer Wohlthäterin des Erzgebirges, verkauft, die es ihrem Sohne, dem Grafen Georg von Bouquoi, vererbte.

13. _Zum *Keilberg._ Indem wir auf die Tour _Joachimsthal-Gottesgab_ verweisen, von wo der Keilberg am _bequemsten_ bestiegen werden kann, halten wir es für unsere Pflicht, die Touristen auf zwei _kürzere_, freilich etwas steiler führende _Waldwege_ aufmerksam zu machen. 1. Vom Forsthause _Hut_ (Siehe Joachimsthaler Spaziergänge 7) nach der _Pfarrwiese_ unterhalb der _Reichen-Geschieb-Zeche_, über's _Pfarrknöchel_ zum _Press_ und von da auf die sog. Sonnenwirbeler Strasse. 2. Vom Pfarrknöchel zum ärarischen _Wassergraben_ bis zum _Unruhstollen_, von da über die _Maderwiese_ zu den _Unruhhäusern_ und weiter zum _Keilberg_. (Man nehme einen _Führer_.)

14. _Zum Spitzberg._ Haben wir denselben erstiegen, so breitet sich ringsum ein _reiches_ Panorama aus. Man hat im Osten vor sich das Riesenhaupt des Keilberges, der, von unserem Standpunkte betrachtet, wegen seiner imposanten, keilförmigen Ausdehnung nach Südost so recht seinen Namen rechtfertigt, weiter links den Fichtelberg in Sachsen und zwischen den beiden Giganten des Erzgebirges ganz im Vordergrunde »auf tiefverlass'ner stiller Bergeshaide« das Städtchen Gottesgab mit seinem Territorium. Nach Norden hin sehen wir ausgedehnte, endlose Waldungen, nach Nordwest die Gegend bei Johanngeorgenstadt, Eibenstock und immer westlicher die deutlichen Conturen des Fichtelgebirges. Die _schönste_ Aussicht aber bietet sich dem Beschauer nach Süden und Südwesten; denn der Spitzberg beherrscht beinahe die Hälfte des Egerer Kreises. Vor uns liegen der kahle Plessberg bei Abertham, die dürre Haide bei Wölfling und andere Punkte der Erzgebirgswelt; das Duppauer- und Tepler-Gebirge, sowie der Kaiserwald bilden den Hintergrund des herrlichen Landschaftsgemäldes, aus dem ein Theil von Schlackenwerth, die nächste Umgebung Lichtenstadt's, der Grossteich, der Karlsbader Bahnhof, die Ruine Engelhaus, Giesshübel, Tüppelsgrün und in blauer Ferne die Gegend bei Maria-Kulm bis in die nächste Umgegend von Eger hervortreten; ausserdem gewahrt man die Umgebung von Einsiedl und Marienbad.

Tour: Joachimsthal-Abertham-Bärringen-Platten-Breitenbach-Johanngeorgenstadt.

Wir gehen auf derselben Strasse, die wir auf unserer Reise nach Gottesgab benützten (siehe Tour Joachimsthal-Gottesgab), bei der Dekanalkirche durch das Oberthal, wo die Berge ziemlich nahe zusammentreten, stets bergan und treten bald oberhalb des links im Thale einsam stehenden _Nadelhäusel's_ bei den _Gneis-Steinbrüchen_ in den herrlichen Fichtenwald, der zu beiden Seiten der Strasse uns begleitet. Dieselbe macht kurz darauf eine Biegung nach Westen, und wir kommen dann zu jener Stelle, wo bei einer steinernen, die Fahrwege markirenden Säule links von der Reichsstrasse die Strasse nach Abertham abbiegt. Wir betreten letztere, die bei allmählicher Steigung erst eine nordwestliche, nach einer abermaligen Biegung aber eine südwestliche Richtung einschlägt und schreiten nach ¾stündiger Wanderung an dem rechts von der Strasse am Fusse des Werlsberges liegenden, zur Gemeinde Joachimsthal gehörigen Orte _Werlsberg_ vorbei. Schattige Nadelwaldungen erquicken noch immer Auge und Herz. Auf der Höhe angekommen, tritt zur Linken der Wald zurück und öffnet uns die Aussicht auf die angrenzende Wiesenflur und den etwas entfernteren Plessberg, während er zur Rechten längs der immer mehr sich senkenden Strasse uns noch kurze Zeit das Geleite gibt, um uns bei seinem Scheiden den freien Blick auf das grosse, krippenartig zerstreute Dorf _Hengstererben_, das zur Gemeinde Abertham gehört, zu gewähren. Wir überschreiten unterhalb Abertham's eine über die rothe Wistritz führende Brücke und erblicken links den sog. _Modersgrund_, ein Seitenthal, das von genanntem Wässerlein durcheilt wird und sich in mehreren Krümmungen südlich gegen Salmthal zieht, wo es in das Wistritzthal mündet. Noch einen steilen Abhang empor, und wir sind nach 1½stündiger Tour in _Abertham_, das uns schon von der Höhe aus durch seine Lage erfreut hat. (Wir wollen hier besonders bemerken, dass von Joachimsthal nach Abertham ein kürzerer, freilich etwas steiler, sonst aber empfehlenswerther Fussweg führt. Man geht zur _Neustadt_ (siehe Joachimsthaler Ausflüge 8), schlägt daselbst bei der Kapelle den Weg rechts ein, der hinter den Häusern sich in eine Strasse verwandelt, die längs den _Schweizerhalden_ über den Kamm nach der _Eliaszeche_ führt; von dort leitet ein Weg nach Werlsberg, der in die von Joachimsthal nach Abertham führende Strasse mündet.)

Abertham.

=Gasthöfe=: »_Hôtel zur Stadt Wien_« und »_Gasthaus zur Stadt Berlin_«.

=Postamt.= _Bürgermeisteramt._

Abertham liegt an einem kleinen Bache, der Rothen Wistritz unweit am Fusse des waldlosen, gras- und moosbewachsenen Plessberges auf einem rauhen Hochplateau, »auf welchem man an einem Abhange gleich einem _Bethlehem_ des alten Bergstädtchens gewahr wird, dessen nette, aber meist hölzerne Häuser krippenspielartig gelagert sind und mit dem dazu gehörigen Orte _Hengstererben_ sich einigen.« Die Bevölkerung nährt sich durch Viehzucht, Spitzenklöppelei und Handschuhfabrication. Auch hier werden, wie in Bärringen, junge Gimpel aufgezogen und mit ihnen passende Melodien eingeübt, was den Züchtern jährlich ein hübsches Geldsümmchen einbringt.

=Sehenswürdigkeiten.= _Handschuhfabrik_ des Alois Chiba. Die St. _Mauriz-Zinn-Zeche_ (bei Hengstererben). Abertham, das seine Entstehung dem 1529 hier beginnenden Bergbau verdankte, gehörte zu Joachimsthal und theilte mit dieser Stadt bis in's XVII. Jahrhundert Gutes und Böses. Am ergiebigsten war die Silberausbeute in den Jahren von 1531--1558. Die St. Lorenz-Fundgrube soll bis 1562 allein für 209.992 Goldgulden Ausbeute an Silber geliefert haben.

=Besteigung des Plessberges.= Dieser Berg, der wegen seiner _herrlichen_ Aussicht des Besuches werth ist, hat eine Höhe von 1025 m. Er liegt südöstlich von Abertham und kann von einem rüstigen Fussgänger in ¾ Stunden erreicht werden. Sein Plateau ist ziemlich eben, mit einer _Triangulirungspyramide_ versehen und von drei Seiten zugänglich, und zwar: von Seite des sog. _Mühlberges bei Abertham_ (dies ist der _kürzeste_ Weg, doch _verweichlichten_ Touristen wegen vieler nassen Wiesen nicht zu empfehlen), _durch den Modersgrund über Oberkaff_ (Kaff liegt am Gehänge des Plessberges, gegen das Wistritzthal) (dies ist der beste Weg) und über die sogenannte _weite Wiese_ (diese liegt in joachimsthaler städt. Waldungen und befindet sich unweit Werlsberg ein Hegerhaus.)

Wir erblicken gegen Norden und Nordwesten: Abertham mit Hengstererben, die Kirchthürme und einige höher gelegene Häuser von Bärringen und Platten. (Die Aussicht in weitere Ferne wird durch bewaldete Berge gehemmt); gegen Nordosten und Osten bietet sich dem Auge ein coupirtes, mit Waldungen bedecktes Terrain dar, aus dem einzelne Häuser von Werlsberg, Werlsgrün und Mariasorg wunderschön hervorlugen; der Spitzberg (rechts davon der Kirchthurm von Gottesgab) und der Keilberg schliessen die weitere Aussicht ab. Die reichste und lohnendste Fernsicht ist gegen Südost und Süden, denn in diesen Richtungen erschliesst sich ein prachtvolles Landschaftsbild bis auf 5 Meilen Entfernung. Deutlich sichtbar ist: Kaff, Lindig, Ullersgrün, Pfaffengrün, Schlackenwerth mit den umliegenden Dörfern (Liditzau, Müritschau, Permesgrün, Neudau, Elm, Haid, Langgrün und Gfell), weiterhin Karlsbad mit den Dörfern (Zettlitz, Dallwitz, Hohenhof), dann die reichbewaldete Berglehne zwischen Karlsbad und Puchstein (Giesshübler Sauerbrunn) mit der Ruine Engelhaus. Bei reinem Wetter oder nach einem Gewitterregen kann man mit einem halbwegs bewaffneten Auge die Fenster des Schlosses zu Giesshübel zählen und sieht in weitester Ferne Gabhorn (bei Petschau) und eine Menge umliegender Dörfer, darüber hinaus das Tepler Gebirge mit dem branischauer Berge bei Theusing, dem prohomuter Berge, der wie eine Brille sieht, der Stenzka zwischen Neumarkt und Tepel und dem Podhorn bei Marienbad, ferner viele zerstreut liegende Ortschaften gegen Duppau. Die Fernsicht gegen Prag zu hemmt der Oedschlossberg bei Duppau, die _höchste Kuppe des Buchwaldes_, und der Gross(Heu)berg bei Jokes. Leider beschränkt der Glasberg mit den wöflinger Waldungen die Aussicht gegen Westen und Südwesten gänzlich, bei hellem Horizonte aber sind bewaldete Kuppen bemerkbar, die wohl höher gelegene Berge bei Königsberg oder auch Theile des Fichtelgebirges sein mögen.

Oberhalb der Stadt Abertham, der sich fast unmittelbar der Ort _Ober-Fischbach_ anreiht, führt die Strasse auf dem öden, rauhen Plateau zwischen Wiesen, Hutweiden und Mooslagern, senkt sich dann, und wir gelangen in ½ Stunde nach _Bärringen_. (Siehe Tour Karlsbad-Lichtenstadt-Bärringen.)

Von Bärringen nimmt die Strasse bei mässiger Steigung eine nördliche Richtung, wir durchschreiten bald einen Wald, an dessen Saume wir bei der sog. Plattner Säule die Anhöhe erreichen. Von hier erblicken wir die Stadt _Platten_, die wir bei allmählicher Senkung der Strasse nach ½stündiger Tour betreten. (Denjenigen Touristen, die Bärringen bereits kennen, sei der von Abertham direct nach Platten zwischen Wiesen und Feldern führende Fussweg der Kürze wegen besonders empfohlen; er zweigt in Abertham rechts von der Strasse ab und mündet unterhalb der Plattersäule wieder in die Strasse. Siehe Tour Neudek-Platten.)

Durch die Kaisergasse in Platten geht die Strasse westlich, wendet sich bald mehr nordwestlich und führt in mehreren Windungen durch ein schönes, anmuthendes Waldthal, das der Breitenbach durchfliesst, nach dem Dorfe _Breitenbach_ (¾ St.). Auf dem Wege dahin sehen wir die sog. _Heinrichssteinfelsen_, 3 Mühlen und 2 Holzschleifereien des Friedrich Karl _Richter_ und _Weizmann_ (Hahns Gasthaus zur Sonne).

Seiten-Tour Joachimsthal-Spitzberg-Seifen-Irrgang-Zwittermühl- Jungenhengst-Wittigsthal.

Man geht auf der Strasse nach Abertham bis zum Wegweiser, der uns die _rechts_ zum _Spitzberge_ (1½ St.) und von da nach _Försterhäuser_ (¼ St.) und nach _Seifen_ (¼ St.) führende Strasse angibt. Letzterer Ort liegt am Wassergraben (siehe Platten). Nun geht man entweder direct nach _Zwittermühl_ (½ St.), das am Schwarzwasser liegt, oder betritt die über _Irrgang_ (Eisenwerk) dorthin leitende Bezirksstrasse. Von Zwittermühl führt die Strasse durch das *_reizende Schwarzwasserthal_ nach _Jungenhengst_, _Brettmühl_ und Wittigsthal (Sachsen).

Tour Joachimsthal-Gottesgab-Weipert.