Führer durch das böhmische Erzgebirge, das Mittelgebirge und die angrenzenden Gebiete

Part 11

Chapter 113,060 wordsPublic domain

_Nach Fischern_ (¾ St. nordwestl. von Karlsbad). Dieses Dorf liegt am Rohlaubache, der sich hier in die Eger ergiesst und führt dahin ein sehr guter Fussweg über Wiesen hinter der Franz Josefs-Brücke links am Egerufer aufwärts. -- _Sehenswürdigkeiten_: Grosse _Porzellanfabrik_ (Karl Knoll), _Kunstmühle_ und _Dampfbrauerei_.

_Nach *Aich_ (1½ St. südwestl. von Karlsbad) _nebst der Partie zum Hans Heiling-Felsen._ Nach Aich verkehrt _täglich_ zweimal ein Omnibus. (1. _Abf._ v. Angers Hotel auf der Neuen Wiese in Karlsbad 2 Uhr Nachm. Ank. in Aich 2¾ Uhr Nachm. _Rückf._ 5 Uhr Nachm. Ank. in Karlsbad 5¾ Uhr Nachm. -- 2. _Abf._ v. Karlsbad 3½ Uhr Nachm. Ank. in Aich 4½ Uhr Nachm. _Rückf._ 7 Uhr Abends.) Dahin führen auch sehr angenehme _Fusswege_. _a_) Beim _Jägerhause_ oder bei _Klein-Versailles_ vorüber, schlagen wir den Fussweg _rechts_ in den Wald ein. _b_) _Von der Ziegelhütte aus_: Hinter derselben geht der Weg zuerst im Walde, dann zwischen Feldern bergab. _c_) Hinter dem _Mauthschranken_ auf der Strasse nach Aich biegt _links_ ein gerader Weg ab, der am Waldessaume sich bis nach Aich fortzieht. Dieses Dorf zählt 100 Häuser. _Sehenswürdigkeiten_: Grossartige _Porzellanfabrik_ des A. C. Anger. _Schloss_ mit Restauration und Parkanlagen, auf einem steilen Felsen am rechten Egerufer sehr anmuthig gelegen, bietet eine _hübsche_ Aussicht und zeigt Spuren von alter Bauart und ehemaliger Befestigung; es soll gleichzeitig mit dem Schlosse in Elbogen erbaut worden sein. -- Von Aich eine halbe Stunde entfernt, erhebt sich in romantischer Lage am linken Ufer der Eger eine interessante, groteske Felsengruppe, _Hans Heiling-Felsen_ genannt, in welcher die Phantasie des Volkes die versteinerten Gestalten eines Hochzeitszuges: das Brautpaar, den Mönch, die Gäste und Musikanten erblickt. Die betreffende Sage ist von Dichtern und Schriftstellern mehrfach behandelt worden. Dem Hans Heiling-Fels gegenüber liegt eine _Sommer-Restauration_.

_Nach Pirkenhammer_, gewöhnlich auch _Hammer_ genannt. Es verkehren _täglich mehrmals_ Omnibusse dahin. (_Abf._ vom Theaterplatz in Karlsbad um 1½, 2, 3 und 3½ Uhr Nachm. _Abf._ von Pirkenhammer von der Kaffee-Restauration des A. Leibold um 5½, 6, 6½ und 7 Uhr Abends.) Pirkenhammer liegt an der Karlsbad-Marienbader Strasse und rechts an der Tepl. Seine Einwohner sind grösstentheils Gewerbsleute; speciell die _Kunsttischlerei_ hat hier einen hohen, vervollkommneten Aufschwung aufzuweisen, und verdient die Werkstatt des Kunsttischlers _Günther_ mit ihren eleganten und soliden Erzeugnissen eine besondere Hervorhebung. _Gasthäuser_: »_Zum Mühlengrunde_« (am Beginn des Dorfes) und »_Habsburg_« (im Dorfe). Eine Viertelstunde weiter ist die bekannte _Porzellanfabrik_ von _Fischer & Mieg_, in welcher die schönsten Fabrikate zum Kaufe anlocken. Unmittelbar hinter der Fabrik führt ein guter Fussweg zur _Meczery-Höhe_ mit weiter Rundsicht.

_Nach *Engelhaus, dem Schloss Giesshübel und dem Schömnitzstein._ Auf der schönen Prager Strasse kommt man in zwei Stunden nach den imposanten Ruinen _Engelhaus_ mit dem Marktflecken gleichen Namens. Die Trümmer dieser Burg, die man von den höheren Aussichtspunkten Karlsbads und des Erzgebirges erblickt, thronen auf einem kegelförmigen, aus Klingstein bestehenden 78 Klafter hohen Felsen, der aus dem umliegenden Plateau steil sich emporhebt. Mittelst einer hölzernen Leitertreppe erreichen wir den alten Fahrweg, der rechts zum _ersten_, noch erhaltenen Burgthore, und von da gerade aus zum _zweiten_ Thore führt. Südlich vom ersten Thor schliessen sich die halbrunde Bastion und starke Ringmauern mit Schiessscharten an. Der ehemalige Zwinger, der sich bis zum zweiten thurmartigen Thore zog, ist jetzt offen und mit Rasen bewachsen. Dieses selbst war ein viereckiges Gebäude, zwei Stockwerke enthaltend, mit regelmässigen Fensteröffnungen und hat dem Zahne der Zeit ziemlich Widerstand geleistet. Der Burghof ist uneben und wird links von einer Ringmauer umgeben, an die sich östlich ein zwei Stockwerke hohes unförmliches Gebäude, die ehemalige Wohnung des Burgherrn, anschliesst. In seinem Innern sieht man noch Reste von Mauern und verfallene Keller. An der Südseite des Berges steht isolirt ein viereckiges, einstöckiges Gebäude mit unregelmässigen Fensterreihen, das vom Grafen Hermann Černin nach der Zertrümmerung der Burg im 17. Jahrhunderte erbaut worden ist. Aus den Fenstern dieses Gebäudes hat man eine _weite, wunderschöne Rundsicht_. Westlich schweift das spähende Auge in die Gegend von Falkenau, Elbogen, Schlaggenwald bis gegen Graslitz und das Egerland, nördlich auf das erzgebirgische Hochplateau mit seinen dichtbewaldeten Häuptern und wildromantischen Schluchten; durch das Egerthal den Blick gegen Klösterle werfend, sehen wir die Ruine Himmelstein.

_Geschichtliches._ Die Burg Engelhaus, welche zur Herrschaft Giesshübel gehört, wurde wahrscheinlich in der ersten Hälfte des XIII. Jahrhunderts von einem der Herren von Riesenburg erbaut, die ja die Orte Schlaggenwald, Schönfeld und Schlackenwerth gründeten und Petschau, Hartenstein, Buchau, Luditz und Ossegg besassen. Urkundlich erscheint 1326 Boršo von Riesenburg als Herr auf Engelsburg, 1434 verpfändete Kaiser Sigmund das Schloss Engelhaus nebst anderen Besitzungen seinem Kanzler Kaspar Schlick, der es bald den Herren von Plauen verkaufte. Im Jahre 1468 wurde Schloss Engelhaus von König Georg von Poděbrad belagert, erobert und zerstört, doch später durch die Herren von Plauen wieder aufgebaut. Der letzte dieses Geschlechtes war Heinrich von Plauen, nach dessen Tode Engelhaus an den Grafen Christof von Schlick kam. Als dessen Tochter Anna Karoline sich mit dem Freiherrn Kaspar Colonna von Fels vermählte, ging das Schloss 1575 in den Besitz dieses Geschlechtes über. Leonhard Colonna, Freiherr von Fels, betheiligte sich als Protestant an dem böhmischen Aufstand, seine Güter wurden 1621 eingezogen und Engelhaus mit Giesshübel an den Feldmarschall Hermann, Freiherrn (später Grafen) Černin von Chudenitz, verkauft. Im 30jährigen Kriege wurde das Schloss Engelhaus 1635 von den Schweden zerstört. Graf Hermann Černin liess zwar um die Hälfte des 17. Jahrhunderts wieder ein neues Gebäude mit einem Tanzsaale aufführen, doch brannte es im J. 1718 mit dem Marktflecken ab. Nach 1639 wurde als Hauptort der Herrschaft immer nur Giesshübel genannt. Diese kam später (1829) an die Ritter von Neuberg und neuestens an den Grafen Hermann von Černin.

Kurz vor Engelhaus lenkt von der Prager Strasse links ein Fussweg ab, den wir verfolgen; er führt uns zu dem _Schömnitzstein_, der aber ¼ Stunde jenseits von der Fahrstrasse liegt. Von dieser steilen, aus Porphyrschiefer bestehenden Felswand geniesst man eine _wahrhaft entzückende Aussicht_ in's Egerthal und auf das Erzgebirge.

_Zum Curort Giesshübel-Puchstein_ (Giesshübler Sauerbrunn), _König Ottos Quelle_ genannt. Dahin verkehren _täglich Omnibusse_ (_Abf._ v. Karlsbad vom Becherplatz 11 Uhr Vorm. und 1½ Uhr Nachm. _Rückf._ gegen Abend). Die Strasse führt durch die Dörfer: Drahwitz, Satteles, Schömnitz und Eichenhof und bietet schöne Waldpartien. Das _Curhaus_ liegt anmuthig im Egerthale und ist von schönbewaldeten Berghängen eingeschlossen, durch die sich nach den verschiedensten Richtungen Spaziergänge mit herrlichen Aussichtspunkten ziehen. Die »_Otto-Quelle_«, im Jahre 1862 zu Ehren des Königs Otto von Griechenland so benannt, quillt circa 20 Klafter hoch am Rücken des Berges aus dem Granitfels hervor und ist von _Parkanlagen_, zwischen denen sich das _Badehaus_ befindet, umgeben. Nach Dr. Eduard Hlawaček besitzt der Sauerbrunn einen sehr angenehmen, prickelnd säuerlichen Geschmack und gehört zu den alkalisch-erdigen Säuerlingen. Er besitzt viel Kohlensäure, übrigens nur wenig mineralische Bestandtheile und dient theils zu _diätetischem Zwecke_ als vortreffliches, erfrischendes Getränk, und zwar mit oder ohne Zusatz von Zucker, etwas Himbeersaft oder von etwas weissem Wein und Zucker, wodurch man ein äusserst angenehmes, moussirendes Getränk erhält; -- theils zu _medicinischem Zwecke_; als reizminderndes, den Aufsaugungsprocess belebendes, die Blutbereitung gelind verbesserndes Mittel, bei chronischen, reizlosen Brustleiden u. dgl. Unter dem Namen »Giesshübler« wird er jährlich in einer Anzahl von über drei Millionen Flaschen in die verschiedensten Länder der Welt versendet.[2]

[2] Siehe die ausgezeichnete medicinische Monographie über den Sauerbrunn von Med. Dr. Freiherr Josef von _Löschner_ (Preis --.50 kr.) und »Album der König Otto-Quelle«.

Sein rasches Aufblühen verdankt der herrlich gelegene Curort seinem gegenwärtigen Besitzer, dem kais. Rath _Heinrich Mattoni_, der ihn zu einem Bade- und Molkencurort umgestaltet hat. Giesshübl-Puchstein ist mit vollstem Rechte ein sehr beliebter, fesselnder Anziehungspunct für Karlsbader Curgäste und Touristen.

Von genanntem Curorte kann man in sieben Viertelstunden eine genussreiche Fusspartie zur Station _Welchau-Wickwitz_ machen. Der Weg leitet fast immer im Walde der Eger entlang an stattlichen Felsengruppen vorbei und berührt _Rodisfort_ und _Welchau_.

Touren:

Karlsbad-Neudek.

Von Karlsbad führt die Kaiserstrasse über Fischern, Voigtsgrün, Neudek, Neuhammer, Hirschenstand nach Eibenstock in Sachsen und bildet einen Pass über das Erzgebirge. Wir machen unsere Tour bloss bis Neudek (3½ Stunden). Die weltberühmte Curstadt Karlsbad liegt bald im Rücken, und wir wandern, noch freudig erregt von den erhaltenen Eindrücken, unserem gesetzten Ziele zu. Wir gehen über die gewölbte, steinerne Tepl-Brücke der Bahnhofstrasse entlang zur eisernen Egerbrücke gegen _Neufischern_ zu. Hier befindet sich der _grossartige Bahnhof_ von Karlsbad. Weiter westlich wandernd, kommen wir nach _Fischern_. (Siehe Karlsbader Ausflüge 20.) Hier zweigt die eine Strasse westlich nach Elbogen-Falkenau-Eger und die andere nördlich nach Neudek ab. Wir wählen letztere und erreichen in ½ Stunde _Altrohlau_, welches Dorf eine Steingut- und Porzellanfabrik besitzt. In dieser Gegend sehen wir riesige Essen rauchen, denn wir schreiten durch das Gebiet reicher Kohlenlager und der Thonwaarenindustrie. Von Altrohlau nimmt die Gegend allmählig den Gebirgscharakter an; wir gehen auf der Strasse zwischen Feldern und Wiesen durch die Einschichte _Taschen_ oder _Taschenhäusel_, dann weiter bei _Sittmesgrün_ vorüber, Tüppelsgrün rechts liegen lassend, müssen gegen _Voigtsgrün_, das wir in 1 Stunde erreichen, allmählig bergan steigen und langen auf der Höhe beim Gasthause dieses Dorfes an, wo sich vor unseren Blicken eine reizende Aussicht eröffnet. Die Ortschaften liegen zu unseren Füssen wie hingesäet. Von da schreiten wir auf ebener Strasse dem rechts an derselben gelegenen Orte _Giebacht_ zu, erblicken links das Rohlauthal mit dem am Bergeshange liegenden Dorfe _Thierbach_ und kurz darauf den im Osten der Stadt _Neudek_ sich erhebenden Kreuzberg.

Neudek.

=Gasthöfe=: _Das Rathhaus. Gasthof zum Herrenhaus. Gasthof zur Post._

=Post- u. Telegrafenamt.=

=Postverbindung= nach Platten täglich 1mal. " Hirschenstand " " " Heinrichsgrün " "

=Aemter=: Bezirksgericht, Steuer- und Grundbuchsamt, Bürgermeisteramt, Sparkassa, Notariat, Finanzwachekommissariat.

Beschreibung und Geschichte der Stadt.

Neudek liegt an dem Flüsschen Rohla (Rohlau), das hier den Rodisbach, Schmelzbach und Limnitzbach aufnimmt, in einem Thale, welches im Osten von dem Kreuzberge, im Westen vom Hochtannenberge, im Norden vom Paulusberge und den Abhängen des Peintlberges und im Süden von mehreren Höhen begrenzt wird. Die Lage des Städtchens, das mehrere Gassen besitzt, ist sehr schön. Der Marktplatz ist lang und schmal. Der grösste Theil der 367 Häuser liegt am rechten Ufer der Rohlau, nur die Häuser der Karlsbader Gasse, das gräflich Asseburg'sche Schloss mit einigen anderen Gebäuden und noch ein kleiner Stadttheil, den man gewöhnlich »Winkel« nennt, erheben sich am linken Ufer dieses Baches.

Durch die Kaiserstrasse steht Neudek mit Karlsbad und durch Bezirksstrassen auch mit Elbogen und Heinrichsgrün und von Neuhammer aus durch eine solche mit Platten in Verbindung. Nach Karlsbad, Elbogen, Graslitz, Joachimsthal und Schlackenwerth rechnet man 4, nach Heinrichsgrün und Platten zwei Stunden. In neuester Zeit ist man im Baue einer Eisenbahn begriffen, welche Neudek mit der 2 Stunden entfernten Station Chodau, beziehungsweise mit der Buschtěhrader Eisenbahn verbindet.

Das sehr industrielle Neudek zählt ungefähr 4000 Einwohner, die sich hauptsächlich mit Industrie, Handel und Oekonomie beschäftigen. Ausser der Spitzen- und Handschuhfabrication wird hier besonders die Metallindustrie, und zwar die Eisenblechindustrie und die Löffelfabrication betrieben. Die Landwirthschaft erzeugt die gewöhnlichen Feldfrüchte, als Roggen, Hafer, Erdäpfel; an den sonnigen Abhängen auch etwas Weizen. Die Umgegend ist reichlich mit Waldungen versehen, die meist Eigenthum der Gräfin von der Asseburg sind.

=Sehenswürdigkeiten=: _Wollspinnfabrik_ mit _Wollwäscherei_ des _Lahusen_ (beschäftigt gegen 450 Arbeiter). _Spitzenfabrik_ des _Karl Kunzmann_ (Filiale der Firma _Gottschald u. Comp._). _Spitzenfabrik_ des _Adolf Ullmann_. _Stickerei_ des _Franz Reitzner_. _Löffelschmiederei_ des _J. F. Schneider_. _Blechlöffelerzeugung_ des _Eduard Erhardt_. _Löffelschmiede_ des _Karl Neudert_.

_Das grossartige Blechwalzwerk_ (oberhalb Neudek an der Aerarialstrasse) mit der etwas entfernten _Eisengiesserei_, _Eisendreherei_ und _Blechverzinnerei_ beschäftigt gegen 500 Arbeiter. Dieses Etablissement ist Eigenthum der _Gräfin Anna von der Asseburg_, gegenwärtig an _Petzold u. Comp._ verpachtet. _Holzschleiferei_ des _Ignaz Fuchs_ (¾ Stunden von Neudek entfernt). Das _Volksschulgebäude_. Der sogenannte _Thurmbergfels_. Er besteht aus mehreren über einander liegenden Granitblöcken, von denen die zwei obersten über die unten an der Rohlau dahinführende Strasse hervorragen. Auf diesem Felsen erhebt sich der Glockenthurm; die Mauern desselben bilden ein vierseitiges Prisma, dessen vier Kanten von der Südseite aus zugleich bemerkt werden können, da der Grundriss die Form eines Trapezes hat.

Ueber die Entstehung Neudeks ist nichts Näheres bekannt, da durch den Brand des Rathhauses im Jahre 1731 alle Urkunden ein Raub der Flammen geworden sind. Jedenfalls wurde die Stadt schon im Mittelalter von Bergleuten gegründet, welche sich des Zinnbergbaues und des Zinnseifnens wegen in dieser Gegend zuerst niedergelassen haben. Die alte Zinnschmelzhütte, welche noch vor wenigen Jahren am linken Ufer der Rohlau im »Winkel« stand, aber wegen Baufälligkeit und aus Sanitätsrücksichten demolirt werden musste, soll das erste Gebäude in Neudek gewesen sein. Ueber die Entstehung des Namens Neudek erzählt die Sage Folgendes: Ein Jäger verirrte sich im Walde und kam auf den sog. Hochtannenberg (westl. von Neudek), stieg dort, um sich in der Gegend auszukennen, auf einen hohen Baum, nämlich auf eine hohe Tanne (wovon der Berg den Namen haben soll) und sah östlich im Thale ein Gebäude stehen, welches neu eingedeckt war, ging dann auf dasselbe zu und fand daselbst den noch bestehenden alten Thurm, neben dem ein Häuschen stand, in welchem ein Schmied wohnte, der den Namen Waldesel führte. Dieser Jäger soll nun dem Thurm sammt den anderen Gebäuden den Namen _Neudeckt_ (gegenwärtig _Neudek_) deshalb gegeben haben, weil er durch die neue Dacheindeckung zur Auffindung dieser Gebäude gelangte.

Spaziergänge und Ausflüge:

1. _Zum Kreuzberg._ Derselbe erhebt sich im Osten der Stadt an dem Ufer der Rohlau. Auf dem Gipfel dieses Berges erhebt sich ein Kirchlein. Der Weg schlingt sich in mehreren Serpentinen um den westlichen und theilweise um den östlichen Abhang herum und ist ein sehr beliebter Spaziergang der Neudeker. Von hier aus erblickt man die in den südöstlich gelegenen Gegenden sich erhebenden Punkte nahe bis an die Gegend von Buchau (z. B. den Engelhäuser Berg). In der Nähe des Hauses Nr. 318 erblickt man in der Tiefe die Stadt Neudek in _wunderhübscher_ Lage.

2. _Zum *Peintlberg._ Er erhebt sich nördlich von Neudek und ist ungefähr 970 m hoch. Bei Besteigung desselben wird gewöhnlich der durch das Dorf Eibenberg (_Sitts_ Gasthaus) führende Weg benützt, der ungefähr 1¼ Stunde beträgt. (Oberhalb der Stadt zweigt von der Strasse zwischen zwei Bierschänken ein Weg nach genanntem Orte ab.) Von diesem Dorfe geht der Weg steil aufwärts bis zu einem Walde, wo er dann in mehr ebener Richtung bis zum Berge hinführt, auf dessen Gipfel sich einige Felsen erheben, um welche grosse Steinmassen gelagert sind. Die Besteigung wird durch die _herrlichste Fernsicht_ belohnt. (Triangulirungspyramide.) Nach Norden und Nordosten haben wir wohl nur geringe Aussicht, dafür ist sie lohnender in östlicher, südlicher und südwestlicher Richtung; denn wir erblicken den Keilberg und Spitzberg bei Gottesgab, viele Teiche in der Nähe von Schlackenwerth, Lichtenstadt und Chodau, die Curstadt Karlsbad, die Ruine Engelhaus, den sagenreichen Crudum, den Kaiserwald, die Städte Schönfeld und Schlaggenwald, den Böhmerwald mit dem Dillenberge, den St. Annaberg bei Eger. In der Nähe des Peintlberges werden wir auch durch ein schönes Echo, entstanden durch einen neuangelegten Holzschlag, überrascht.

3. _Zur *Thierbacher Kapelle_ (½ St.). Gehen wir auf dem Wege gegen Thierbach zu, so gelangen wir eine kurze Strecke westlich von diesem Dorfe zu dieser Kapelle. Obwohl die Aussicht von hier nicht so weit ist als wie die vom Gipfel des Peintlberges, so ist sie doch eine herrliche zu nennen. Wir erblicken die Häuser von Giebacht, Hohenstollen, Allersloh, Eibenberg, zum Theile von Oberau und Hochofen; nach Osten zu sehen wir Fischern und Karlsbad, während in nördlicher Richtung der Peintl seine Kuppe mächtig emporhebt. Wunderschön, wie eine Krippe im grösseren Massstabe, liegen auf den grünen Wiesen und an den Bergabhängen die Häuser der zunächst gelegenen Ortschaften umher.

4. _Zu den sogenannten Felshäusern_ (1½ St.). Wir gehen durch das Limnitzthal nach Ullersloh an _Pecher's Restauration_ vorbei, von wo wir nach ¾stündiger Wanderung zu den sog. Felshäusern gelangen. Die _Fernsicht_ von denselben ist eine _lohnende_, wenn auch nicht so grossartige, wie vom Peintlberg aus; doch bemerken wir die meisten Puncte, die wir von letztgenanntem Berge aus gewahren können. Die Felshäuser selbst sind gleichsam zwischen Felsgruppen eingebaut; ihr Aeusseres ist recht reinlich und mit Ranken von wildem Wein und anderen Schlingpflanzen geziert. Besonders schön ist von diesen Häusern aus die Aussicht auf die unten liegenden Gelände, welche sich gleichsam stufenartig gegen das Innere zu erniedrigen.

5. _Zum *Kammersberg oder Hohenau_ (1¾ St.). Wir wandern von Neudek aus auf der Aerarialstrasse bis zu jener Stelle, wo sich hinter dem Dorfe _Giebacht_ der Weg nach dem Dorfe _Kammersgrün_ abzweigt. Derselbe führt in mehrfachen Krümmungen bis nahe zu dem letztgenannten Dorfe, das sich am Südabhange des Kammerberges und im Thale ausbreitet. Von diesem Berge gewahren wir bei heiterem Himmel Karlsbad und Elbogen, die Berge in der Umgegend von Buchau, einzelne Höhen um Duppau und die meisten Puncte, die wir vom Gipfel des Peintlberges gesehen. Die Kuppe des Kammerberges ist kahl und mit einer Orientirungshöhe versehen, die der Besitzer dieser Umgegend, _Karl Stöhr_, errichten liess.

6. _Zum *Hochtannenberg_ oder _Steinberg_ (¾ St. westlich von Neudek) _und zum sog. Wächterhau_. Zu demselben gelangen wir am bequemsten, wenn wir den nach _Ober-Bernau_ leitenden Weg benutzen. Von der Kuppe dieses Berges erblicken wir nach Südost das Rohlauthal, Fischern und Karlsbad, weiterhin Engelhaus, Giesshübel, die Kirche von Pergles bei Buchau, nach Süden mehrere Dörfer zwischen Karlsbad und Elbogen, die Stadt Elbogen mit dem alten Schlosse, auch einzelne Hopfengärten in der Nähe von Falkenau. -- Eine halbe Stunde westlich vom Hochtannenberge ist der sog. _Wächterhau_, auf welchem sich eine Orientirungshöhe befindet, von welcher wir bis in die Gegend um Duppau, Karlsbad, Elbogen bis Eger sehen können.

Tour Neudek-Neuhammer-Platten.

Dem reinlichen Städtchen Neudek Ade sagend, wandern wir auf der Reichsstrasse in mässiger Steigung weiter nördlich durch das reizende, sehr anziehende, tiefeingeschnittene Rolauthal. Zu beiden Seiten desselben erheben sich theils anmuthig bewaldete, theils waldlose, der Landwirthschaft zugängig gemachte Hügel- und Bergreihen mit gleichförmig ausgedehnten breiten Rücken und abgerundeten Kuppen. Zu unserer Rechten rauscht die Rohla. Dicht an Neudek erblicken wir rechts das »_Schiesshaus_«, einen beliebten Sommeraufenthalt für Einheimische und Fremde, links das grosse _Eisenwerk_ (Siehe Sehenswürdigkeiten Neudek's). Nach kurzer Strecke sehen wir rechts ein »_Gusseisenwerk_« (Hochofen) (Siehe Sehenswürdigkeiten Neudek's), nach einer Biegung links das »_Feigl'sche Einkehrhaus_«. Gegenüber bemerken wir einzelne »_Felsstücke_«, die wie eine kleine Festung aus niederem Gebüsch hervorlugen. Beim »_gemüthlichen Bergmann_« (vulgo »beim Preussen«) zweigt am Fusse des sog. Preussenwaldes der Weg links nach Hochofen und Trinksaifen ab. In der Hauptstrasse weiter wandernd, kommen wir zur »_Fuchs'schen Holzschleiferei_« (Siehe Sehensw. N.); beim sog. »Hammerl« (Schmiede) überschreiten wir eine Brücke, welche die Grenzscheide zwischen Neudek, Hochofen und Neuhammer bildet. Von da biegt die Rohlau zu unserer Linken ab. An der herrsch. Bret- und Knochenmühle, dem Eiskeller vorbei erreichen wir »Hassmann's Gasthaus zur grünen Wiese«. Von da steigen wir westwärts auf den _Fritzenberg_, der eine schöne Aussicht über das Weichbild von _Neuhammer_ bietet. Von letztgenanntem Gasthause benützen wir die Bezirksstrasse Neuhammer-Platten, welche sich durch das ganze Thal von _Neuhammer_, durch den sog. »Grund« zuerst am linken, dann am rechten Ufer des Weissbaches windet.

Das Dorf _Neuhammer_, 1 Stunde nördl. von Neudek, 1¼ St. südwestl. von _Platten_ und 1 St. westl. von Bärringen, liegt auf mässig ansteigenden, einander gegenüberliegenden Bergen (Fritzenberg, Hofberg oder Eulenhof, Faunzberg, Fladererberg und oberen Neuhammer) und in den dazwischen liegenden Thälern (Rohla- und Weissbachthal) und zählt 210 Häuser mit 2200 Einwohnern, die sich von Spitzenklöppelei, Löffelfabrication, Handschuh-, Tüll- und Mullnähen, Viehzucht ernähren.

=Geschichtliches.= Wahrscheinlich hat Neuhammer mit der Entstehung des Bergbaues von Neudek und Umgebung gleichen Ursprung. Dass auch in Neuhammer der Bergbau betrieben wurde, beweisen die vielen Zechen- und Seifenhalden.

Weitere _schöne Aussichten_ gewähren: der _Hofberg_ (westl. von der Kirche), der _Fladererberg_, der _Peintlberg_ (Siehe Ausflüge v. Neudek 2). (Eine _Fernsicht_ in's flache Land ist uns auf der ganzen Partie Neudek-Neuhammer-Platten leider _nicht_ gegönnt.)