Führer durch das böhmische Erzgebirge, das Mittelgebirge und die angrenzenden Gebiete
Part 1
Anmerkungen zur Transkription
Im Original hervorgehobener (gesperrter oder kursiver) Text ist _so ausgezeichnet_.
Im Original fetter Text ist =so markiert=.
Weitere Anmerkungen zur Transkription befinden sich am Ende des Buches.
Verlag von Hans Feller in Karlsbad.
Karlsbad
in
geschichtlicher, medicinischer und topografischer Beziehung
von
=Med. Dr. Eduard Hlawacek=,
Ehrenbürger von Karlsbad.
=Dreizehnte verbesserte und sehr vermehrte Auflage=
31 Bgn. kl. 8°
mit einem Situationsplan und zwei Ansichten von Karlsbad, sowie einer grossen Eisenbahnkarte von Mittel-Europa.
Eleg. geb. (Bädekerband) fl. 3. österr. W. = M. 6.
Dieses Buch enthält nebst einer vollständigen Orts- und medicinischen Geschichte von Karlsbad, einer mineralogisch-geologischen und physikalisch-chemischen Beschreibung seiner Mineralquellen, vorzugsweise eine möglichst vollständige Darstellung ihrer Heilkräfte, Heilanzeige und Gegenanzeige, wie auch ihrer verschiedenen innerlichen und äusserlichen Anwendungsformen vom ärztlichen Standpunkte; jedoch in einer im Wesentlichen jedem gebildeten Leser verständlichen Sprache und Darstellungsweise, indem die fremden medicinischen Ausdrücke so viel als möglich vermieden wurden.
Der Kurgast insbesondere findet darin eine besondere Angabe der bei der Trink- oder Badekur zu beobachtenden diätetischen Vorschriften; überdies die nöthigen Aufschlüsse in geselliger und ökonomischer Beziehung, und eine vollständige Beschreibung der Promenaden und Fahrpartien, in welch' letzterer Beziehung der beigegebene Situationsplan einen bequemen und verlässlichen Wegweiser bildet.
=Der Wegweiser für Karlsbad und die Umgebung.= Von Med. Dr. _Eduard Hlawacek_. Mit Situationsplan. Eleg. geb. M. 2, = österr. W. fl. 1.
Diese kurze, doch umfassende Beschreibung bietet dem Kurgaste ausser einem _geschichtlichen_ Ueberblicke die nöthige Belehrung über die _Mineralquellen_ und das _diätetisch_e Verhalten während der Kur; sie ist ihm ein verlässlicher Wegweiser in der _Stadt_, bei den _Spazier-_ und _Fahrpartien_, und unterrichtet ihn über die _ökonomischen_ und _geselligen_ Verhältnisse.
=Aerztlicher Rathgeber für den Kurgebrauch in Karlsbad= von Med. Dr. _J. Kraus_. 8. Aufl. Mk. 2. = österr. W. fl. 1.
Der »ärztliche Rathgeber«, der jetzt in 8. Auflage erscheint -- die erste wurde im Jahr 1872 ausgegeben -- ist, wie schon der Titel besagt, blos für das hiesige Badepublicum geschrieben und zwar in so populärer Weise, wie ärztliche Rathschläge überhaupt ertheilt werden müssen.
=Ueber die wichtigsten Punkte der Diätetik während einer Karlsbader Kur= von Med. Dr. _Franz Sorger_. 8. Aufl. M. 1.20. = österr. W. fl. --.60.
=Karlsbad, Heilmittel in einigen Arten von Magen- und Leberkrankheiten= von Med. Dr. _Franz Sorger_. 4. Aufl. M. 1.20. = österr. W. fl. --.60.
Die hier ausgesprochenen Anschauungen sind das Ergebniss einer ziemlichen Anzahl von Beobachtungen und versuchen es, genauer zu bestimmen, in welchen Magen- und Leberkrankheiten von Karlsbad Heilung oder Linderung zu erwarten sei.
Tisch für Magenkranke
von
Med. Dr. =Josef Wiel= in Zürich.
=5. verb. und verm. Aufl.=
Preis broch. M. 4. = 2 fl. ö. W. -- Eleg. geb. M. 5 = fl. 2.50 ö. W.
Erschien bereits in französischer, holländischer u. schwedischer Uebersetzung.
=Urtheile der Presse=:
=Basler Nachrichten.= Wiel ist eine Autorität auf dem Gebiete der Diätetik, und als solche auch schon durch die »Gartenlaube« bekannt. Der Magen ist wohl das wichtigste Ding im menschlichen Körper; von der Gesundheit des Magens hängt nicht blos das körperliche Wohlbefinden des Menschen, sondern auch sein seelischer Zustand ab. Es kann Einer mit einem schlechten Magen kein guter Christ sein, hat einmal ein Pfarrer gesagt, und er hat wohl recht. Dass der Magen aber gut sei und, ohne den Menschen zu stören, seine Functionen verrichte, hängt allein von der richtigen Art und Weise ab, wie und welche Nahrungsmittel man zu sich nimmt. »Sage mir, was er isst, und ich sage dir, was er ist.« Wiel gibt nun in leichter, verständlicher Sprache an, was und wie der Gesunde und der Kranke essen soll, was er vermeiden muss, damit jener gesund bleibe, dieser geheilt werde. Den Magenkranken, deren Zahl grösser ist, als man denkt, kann Wiel's Buch auf's Beste empfohlen werden. _Es gilt auch in der gesammten Literatur für Gesundheitspflege als eines der vorzüglichsten Werke._ Es wird zwar dem Buche (auch schon Wiel's Artikeln in der »Gartenlaube«) vorgeworfen, seine Diät sei nur für reiche Leute berechnet. Indessen ist der Vorwurf nur zum Theil begründet. Der Mittelstand, der glücklicherweise bei uns immer noch gross ist und bleiben wird, findet in dem Buche ebenfalls eine zweckmässige Diät und selbst der Unbemittelte erfährt doch, in welcher Weise und in welcher Reihenfolge seine einfachen Nahrungsmittel zu nehmen sind, und welchen Einfluss diese letzteren auf seinen Gesundheitszustand haben.
=Ueber Land und Meer.= Unter den vielen populär-medicinischen Büchern, mit denen das Publicum überschüttet wird, kennen wir wenige, die so warme Empfehlung verdienen, als =Dr. Josef Wiels Tisch für Magenkranke=.
Der Autor, ein Züricher Arzt, schreibt vortrefflich, eindringlich, klar, anschaulich und ist sicher kein Buchfabrikant. Sein »Tisch für Magenkranke« ist hervorgegangen aus der Praxis. Der Verkehr des Arztes mit seinen Patienten hat dies Buch geboren und deshalb ist es auch keine Zusammenstellung von allen möglichen Bücherauszügen, sondern ein Stück Leben aus der Wirksamkeit eines scharfblickenden, gewissenhaften Arztes, das fast wie der persönliche Verkehr mit dem Arzt selbst wirkt. Ganz besonders nützlich scheint uns der Speisezettel, das Capitel von den Getränken und die Speisevorschriften bei Magenerkrankungen. Magenleidende möchten wir auf dies Buch aufmerksam machen.
=Bohemia.= Wir möchten nicht nur jedem wirklichen _Magenkranken_, sondern der grossen Zahl jener Personen, welche stets über einen »_schwachen Magen_« klagen, sich bei der geringsten Veranlassung leicht »_den Magen verderben_«, dabei aber nicht daran denken, sich im Essen und Trinken irgend Schranken zu setzen, _die aufmerksame Lecture dieses Buches empfehlen_. Dasselbe enthält so viele wichtige und bedeutungsvolle Winke für die Art und Weise, wie die _richtige Diät_ beobachtet werden soll, dass auch die sorgsame Hausfrau, der es darum zu thun ist, dass ihre Tischgäste eine gute und nahrhafte Kost erhalten, davon profitiren wird. Der allgemeine Theil enthält eine übersichtliche Darstellung der Speisen und Getränke, welche als Magenheilmittel verwendet werden können, während der specielle Theil genaue _Speisezettel_ bei den einzelnen Symptomen der Magenkrankheiten gibt und eine vollständige diätetische Behandlung derselben bietet. Der Verfasser bekundet hiebei eben so sehr den kundigen Arzt wie den erfahrenen Gastronomen.
=Deutsches Montagsblatt.= Magenkrank ist heute eigentlich die ganze Welt, denn Jedem liegt »irgend etwas« im Magen. Angesichts dieser allgemeinen Calamität ist es ein wahrer Trost, dass zu dem »Diätetischen Kochbuch« von Dr. Josef Wiel ein ergänzendes Werk, der »_Tisch für Magenkranke_« von demselben Verfasser, (bereits in vierter Auflage) erschienen ist. Da notorisch Kopf und Magen im intimsten Wechselverkehr stehen, so liegt es auf der Hand, wie erfreulich es für Herz und Gemüth sein muss, wenn man sich an der Hand eines so erfahrenen Esskünstlers wie Joseph Wiel durch das Leben isst.
Diätetisches Kochbuch
für Gesunde und Kranke
von
Med. Dr. Josef Wiel.
(=Zürich.=)
=Fünfte vermehrte und verbesserte Auflage.=
Preis broch. Mk. 4.80.
Urtheile der Presse:
=Ueber Land und Meer.= Die Zahl der Kochbücher ist Legion -- aber eine Legion von Kochbüchern wiegt das »Diätetische Kochbuch« von Dr. Joseph _Wiel_ auf, das von den ersten ärztlichen Autoritäten als ein Meisterwerk anerkannt worden und nun in neuer Auflage erscheint. Es sollte die Grundlage jedes künftigen Kochbuchs bilden. Der Verfasser gibt zum Unterschiede von den übrigen Kochbüchern nicht in erster Linie Recepte, sondern die Grundsätze, wie und was gekocht werden soll, und zwar keineswegs in trocken wissenschaftlicher Form, sondern in einer so ansprechenden, geistvollen und häufig köstlich humoristischen, wohl auch, wo es noth thut, sarkastischen Weise, dass man das Buch mit wirklichem Genusse liest und gerne in gesunden, wie in kranken Tagen immer wieder darin nachschlägt. _Wenn es ein »gutes Hausbuch« gibt, hier haben wir's im vollsten Sinne des Wortes._
=Correspondenzblatt für Schweizer Aerzte.= _Dass das Kochbuch Wiel's seit 1871 vier neue Auflagen erlebte, spricht laut genug für seinen Werth_, aber auch für die immer noch zunehmende Wichtigkeit, welche auch die Aerzte der passenden Ernährung geben, d. h. der Wichtigkeit, welche die Aerzte darauf legen und legen müssen, selbst exacte Vorschriften über die Zubereitungsweise der Nahrung und deren Anpassung an einzelne Krankheitsfälle geben zu können. Die neue Auflage hat namentlich auch die Lebensmittelfälschungen berücksichtigt und die neueren Errungenschaften der Ernährungsphysiologie verwerthet. Wir wünschen dem Buche viele und aufmerksame Leser, namentlich auch in den Kreisen der Aerzte.
Handbuch der Hygieine
=hauptsächlich für Mitglieder von Gesundheits-Ämtern=
von
Med. Dr. =Josef Wiel= und Prof. Dr. =Rob. Gnehm.=
(Zürich.)
8° eleg. brosch. fl. 10 = Mk. 20, eleg. geb. fl. 11 = Mk. 22.
Während eine ganze Anzahl der neuerdings so zahlreich erschienenen Lehrbücher über Gesundheitspflege einen theoretischen, allgemein belehrenden Charakter haben und mehr oder weniger selbstverständliche Grundwahrheiten in umständlicher Gründlichkeit behandeln, enthält sich das vorliegende aller weitläufigen Auseinandersetzungen und gibt in klarer prägnanter Zusammenstellung praktische Anhaltspunkte für alle diejenigen, welche in Berufs- oder Privatverhältnissen wissen wollen, was denn eigentlich gesundheitschädlich oder -fördernd ist.
Goethe in Karlsbad.
Von Med. Dr. Eduard _Hlawacek_.
Elegant broschirt M. 2. -- fl. 1. österr. W.
Die kleine Monographie fasst Alles, was in des Dichters Leben und Werken sich auf den berühmten böhmischen Badeort bezieht, zu einem übersichtlichen Ganzen zusammen und enthält manche fesselnde und instructive Einzelnheit, welche in grösseren Kreisen nicht bekannt sein dürfte.
FÜHRER
DURCH DAS
BÖHMISCHE ERZGEBIRGE,
DAS MITTELGEBIRGE
UND
DIE ANGRENZENDEN GEBIETE.
Bearbeitet
von
PROF. AUGUST WEYMANN,
k. k. Schulinspector der Bezirke Brüx und Komotau, d. Z. Obmann des Erzgebirgsvereines in Oberleutensdorf, Ehrenmitglied des Erzgebirgsvereins in Joachimsthal, Mitglied des deutschen und österreichischen Alpenvereins.
KARLSBAD.
VERLAG VON HANS FELLER.
Alle Rechte vorbehalten.
K. k. Hofbuchdruckerei A. Haase, Prag.
Sr. Hochwohlgeboren
Herrn
RICHARD RITTER VON DOTZAUER,
Comthur des Franz Josef-Ordens, Ritter des Ordens der eisernen Krone III. Classe, Inhaber der Prager Bürger-Ehren-Medaille, Kaufmann, Präsidenten der Prager Handels- und Gewerbekammer, Obmann des Central-Comités zur Beförderung der Erwerbsthätigkeit der böhm. Erz- und Riesengebirgsbewohner, des deutschen Vereins zur Verbreitung gemeinnütziger Kenntnisse, des Gebirgs-Vereines für Böhmen, Directionsrathe der böhm. Sparcassa, Präsidenten der böhm. Unionbank, der Prager Dampf- und Segelschifffahrts-Gesellschaft, der Prager Maschinenbau-Actien-Gesellschaft, der Actien-Gesellschaft der Prager Civilschwimmschule, Verwaltungsrathe der böhm. Escompte-Bank, Ehrenbürger der Städte Abertham, Bärringen, Bleistadt, Böhm. Wiesenthal, Falkenau an der Eger, Gossengrün, Gottesgab, Graslitz, Joachimsthal, Königswart, Maria-Kulm, Neudek, Platten, Schönbach, Sebastiansberg, Sonnenberg, Weipert und der Gemeinden Neudorf u. Kallich, Major u. Corps-Commandanten des k. k. priv. bürgerlichen Scharfschützen-Corps in Graslitz, Ehren-Major der Scharfschützen-Gesellschaft in Frühbuss, Ehrenhauptmann der k. k. priv. bürg. Scharfschützen-Corps in Prag, Pressnitz, Schönbach, Ehrenmitgliede der wissenschaftlichen Lese- und Redehalle deutscher Studenten in Prag, der Fortbildungs-Vereine in Teplitz, Schönau und Pürstein, des christl. Handlungs-Commis-Unterstützungs-Vereines in Pressburg, Ehrenmitgliede mehrerer Spar- und Vorschuss-Cassen-Vereine, Gesang-, Turn-, Feuerwehr- und Anpflanzungs-Vereine, und vieler Militär-Veteranen-Vereine etc. etc.,
gewidmet
in aller Ehrfurcht und Dankbarkeit
vom
Verfasser.
Einleitung.
Sie wollen das böhmische Erzgebirge besuchen? Sie werden dort von den hochgebornen Bewohnern gastfreundlich empfangen werden und manches finden, was einen Besuch dieser merkwürdigen Gebirgskette lohnt, und wenn Sie uns als Reisebegleiter annehmen, so können wir Sie auf viel Anziehendes in der Natur, dem Leben und der Geschichte seiner Bewohner aufmerksam machen, was der eilige Reisende leicht übersieht und überhört.
Wir schliessen uns Ihnen gerne an, denn wir kennen diese herrlichen Berge, wir lieben ihre Naturreize, wir sind vertraut mit den Bewohnern, wir schätzen ihren verständigen Kunstfleiss, wir fühlen uns heimisch in ihrem stillen Haushalt und theilen ihre Freude an den besonderen landschaftlichen Reizen und den eigenthümlichen Naturschätzen, welche die ersten Ansiedler anzog und die dichte Bevölkerung trotz vieler Widerwärtigkeiten dennoch festhält, auch wenn sie Mangel und Armuth drückt.
Warum laden wir Sie zum Besuche ein?
Das Erzgebirge ist von allen Seiten leicht zugänglich und in allen Theilen bis auf den Gipfel bequem zu besteigen. Da der über 20 Meilen sich erstreckende, zusammenhängende Gebirgszug gegen Süden mässig steil abfällt und sich gegen Norden ganz sanft abdacht, so ist seine Besteigung nur auf der böhmischen Seite aus dem Thale der Eger und Biela anstrengend, aber höchst interessant und auch in 2 bis 3 Stunden vom Fusse bis zum Rücken auszuführen. Ueberdiess erleichtern viele Verkehrsmittel den Besuch dieses Gebirges.
Aus dem Bielathale von Teplitz führt die Dux-Bodenbacher Bahn über die Erzgebirgshöhe von Zuckmantel und Königswald.
Aus dem Egerthale bei Franzensbad führt eine Eisenbahn über das Gebirge nach Adorf, Oelsnitz, Plauen und eine zweite über Graslitz auf die Höhe des Erzgebirges. Von Komotau auf der Wasserscheide zwischen dem Egerthale und Bielathale führt eine vierte Eisenbahn auf den Kamm des Erzgebirges empor und über Sonnenberg, Kupferberg, Schmiedeberg und Weipert nach Annaberg ganz in der Nähe der höchsten Gebirgskuppen des Hassberges, Keilberges und Fichtelberges vorbei. In naher Zukunft wird eine fünfte Schienenverbindung aus Böhmen nach Sachsen über den Erzgebirgsrücken führen und zwar aus dem Bielathale über Klostergrab in das Muldethal als Fortsetzung der Prag-Duxer Bahn im Anschlusse an die sächsischen Gebirgsbahnen.
Mit der Dampfkraft wird der Reisende auf der Eisenbahn von dem südlichen Fusse des Gebirges in weniger als einer Stunde auf den Kamm emporgehoben und kann den Rücken entlang das Gebirge bequem durchwandern.
Noch zahlreicher sind die Fahrstrassen, welche von der Südseite auf die Höhe des Gebirges führen in einer Steigung, welche im Wagen die Höhe des Gebirges vom Fusse an auch in einer bis zwei Stunden erreichen lässt. Sogar jedes der Querthäler ist von einer guten Strasse durchzogen. Nahezu von Meile zu Meile führen längs des ganzen südlichen Randes des Gebirges bequeme Strassen auf das Gebirge hinauf und von Böhmen hinüber nach Sachsen.
Auf dem Rücken des Gebirges selbst, der gegen Sachsen sanft und breit gestreckt niedersinkt, in seiner Längenrichtung aber in ziemlich gerader Linie sich hinzieht, führen zwischen den Städten und grösseren Ortschaften Dammstrassen, gute Wege und bequeme Steige.
Die Ausgangsorte für einen Besuch unserer Gebirge liegen zahlreich auf den meist besuchten Verkehrslinien.
Von _Sachsen_ aus sind es _Dresden_, _Leipzig_ und näher _Zwickau_, _Chemnitz_ und _Freiberg_, von _Baiern_ aus _Baireuth_ und _Hof_. Im Süden aber liegen die viel besuchten Badeorte _Franzensbad_, _Marienbad_, _Karlsbad_, _Teplitz_, dann die Städte _Eger_, _Falkenau_, _Kaaden_, _Komotau_, _Görkau_, _Brüx_, _Dux_, _Oberleutensdorf_, _Bilin_, _Leitmeritz_, _Lobositz_, _Aussig_, _Tetschen_, wo jeder Spaziergang die Berge in einer solchen Nähe zeigt, dass sie in wenig Stunden nicht nur erreicht sondern selbst auch erstiegen werden können. Der Zugang bietet nirgends Gefahren und besondere Beschwerden. Die genannten Ausgangsorte unserer Heimat sind mit der Landeshauptstadt durch drei Hauptbahnen verbunden, was die Bereisung der Gebirge dem Touristen aus dem Innern des Landes ungemein erleichtert. Im Waggon wird er rasch emporgezogen, und jede Wendung auf den zahlreichen Krümmungen der Bahn bietet dem Auge eine neue überraschende Aussicht nach den sich erweiternden Gegenden. Auch im Wagen auf den gut gepflegten Strassen, welche hier in einem Thale neben dem rauschenden Forellenbach, dort an einem Thalgelände in Schlangenwindungen sich hinzieht, kann sich der Besucher dem rasch wechselnden Ausblick über ferne Gegenden, dort über nahe grüne Wälder, üppige Blumenwiesen und freundliche Ortschaften hingeben. Der Fusswanderer braucht vom Fusse des Gebirges bis zum Kamme nirgends mehr als zwei oder drei Stunden und wird dabei immer mehrere Ortschaften, Dörfer oder Städtchen finden, wo er rasten kann. Auf der Höhe des Gebirges angekommen, wandelt er meistens zwischen den wohlriechenden Kräutern und Blumen der Grasfluren. Ueberall erquickt ihn das dem Auge wohlthuende Grün in der Abwechslung der helleren Farbe der Haferäcker und Grasfelder und der dunkleren Farbe der Gebüsche und der Fichtenwälder. Von allen Seiten kommt ihm entgegen der Wohlgeruch von duftenden Kräutern, wie Quendl und Thymian, von wohlriechenden Blumen, wie Maiglöckchen, und von harztriefenden Fichten und Tannen, welche die reine Gebirgsluft so stark würzen, dass wir tief athmend die Lungen wie durstige Trinker anfüllen, von der Natur getrieben, die uns anreizt, hier unser Blut zu erfrischen. Auf den Bergen oben athmet es sich leicht und athmet es sich wohl!
Wenn wir noch erwägen, dass das böhmische Erz- und Mittelgebirge hunderte der schönsten Aussichtspunkte besitzt, wie sie kein zweites Gebirge von gleicher Höhe und Dimension aufzuweisen vermag; wenn wir erwägen, dass es auch reich an Naturerscheinungen ist, dass es von der Sage geheiligt, von der Geschichte verherrlicht und von der Dichtung verklärt ist: so erscheint unsere Einladung zum Besuche unserer schönen und anziehenden Gebirge vollkommen begründet, und wir geben der Hoffnung Raum, dass sie bald ebenso beliebt sein und in jedem Sommer ebenso viele Besucher anziehen werden, wie beispielsweise der Harz und der Schwarzwald.
Um diesen hochwichtigen und patriotischen Zweck zu erreichen, stellte der grosse, hochansehnliche Erzgebirgsfreund Herr _Richard Ritter von Dotzauer_ in der am 4. Juli 1880 in der Sitzung _des Central-Comités zur Beförderung der Erwerbsthätigkeit der böhmischen Erz- und Riesengebirgsbewohner in Prag_ folgenden, auf die Belebung des Touristenverkehrs im böhmischen Erzgebirge bezüglichen Antrag:
»Wenn man das Wesen unserer verschiedenen _Alpen-Vereine_ betrachtet, so muss wohl die oberflächliche, vulgäre Anschauung -- und ich muss gestehen, dass ich mich derselben in diesem Punkte früher ebenfalls zuneigte -- dahin gehen, dass diesen Vereinen in praktischer Hinsicht keine allzugrosse Bedeutung beizumessen sei. Als ich indessen in den letzten Jahren unsere österreichischen Alpenländer besuchte, da kam ich zu einer anderen Ueberzeugung. Ich fand, dass diese Vereine in ihrem Wirken sehr bemerkenswerthe praktische Erfolge erzielen; mit ihren Unternehmungen und ihren Publikationen tragen sie bei, die Alpengebiete immer weiter und weiter zu erschliessen, sie ziehen die Reisenden heran, sie beleben die Eisenbahnen, sie beleben die Gasthäuser, sie beleben selbst kleine Industrien. Speciell die _prager Section_ des deutschen und österreichischen _Alpen-Vereins_ hat in dieser Richtung sehr erspriesslich gewirkt. Herr _Stüdl_ geniesst in diesen Gegenden, ich habe mich davon überzeugt, ein hohes Ansehen, eine seltene Verehrung, und wenn man als Mitglied des hiesigen Alpenvereins in eine solche Gegend kommt, wird man mit besonderer Aufmerksamkeit und Rücksicht behandelt; ebenso gewähren die Eisenbahnen den Mitgliedern des Vereins ansehnliche Fahrpreis-Ermässigungen. Unser Erzgebirge hat nun wahrlich auch seine Naturschönheiten; aber das Bild, das man in weiteren Kreisen vom Erzgebirge erhält, ist kein rosiges, kein anziehendes -- es ist erfüllt von Elend, von Sorge und Noth, es wird daher selten aufgesucht und insbesondere von Wohlhabenden gemieden -- und so erklärt es sich, dass man unser Erzgebirge und die guten Eigenschaften seiner Bevölkerung nicht kennt. Es drängt sich mir da die Frage auf, ob wir nicht an den Alpenverein herantreten sollen, mit der Bitte, es möge das Erzgebirge in den Rahmen seines Wirkens einbeziehen und in geeigneter Weise _durch Anlage neuer Wege, Förderung des Führer- und Fahrtax-Wesens, Erhaltung und Errichtung von Denkmälern und Aussichtspunkten etc._ dazu beitragen, dass das düstere Bild, das in der allgemeinen Vorstellung vom Erzgebirge besteht, sich in schönerer, wahrerer Beleuchtung zeige. Ein Strom von Tausenden Touristen könnte hiedurch belebend und befruchtend in diese Gebiete geleitet werden, zumal die Kurorte -- _Franzensbad_, _Marienbad_, _Karlsbad_ und _Teplitz_ -- ganz entsprechende Ausgangspunkte hiefür bieten. Mancher von den Fremden könnte da wohl auch aus der Berührung mit den ehrlichen, guten Leuten im Gebirge die Anregung zu industriellen Niederlassungen etc. empfangen. Und von den Einheimischen dürfte Vielen -- auch mit Rücksicht auf die Fahrpreis-Ermässigungen, um die das Central-Comité und der Alpenverein für die betreffenden Touristen bei der Buschtěhrader Bahn ansuchen würden, die Gelegenheit, in kurzer Zeit und mit geringen Auslagen einen lohnenden Ausflug auf interessante Höhen, in schöne Waldungen zu unternehmen, sehr willkommen sein.«
Dieser Antrag, welcher noch dahin ergänzt wurde, dass auch das Riesengebirge in's Auge gefasst werden möge, fand lebhaften Anklang und einmüthige Zustimmung. Die Folge davon war der Beschluss, einen _Wegweiser_ durch das böhmische Erzgebirge herauszugeben. Mit dieser Aufgabe wurde der Unterzeichnete betraut; derselbe entschloss sich aber, auch das höchst interessante Mittelgebirge und die angrenzenden Gebiete, insbesondere unter Hinweisung auf die Anschlüsse nach Sachsen in den Kreis der Bearbeitung zu ziehen.
Die Aufgabe war sehr schwierig; allein guter Wille und ausdauernder Fleiss halfen über alle Schwierigkeiten hinweg. Nach halbjähriger Arbeit war das schon in früheren Jahren gesammelte Material unter Mithilfe tüchtiger Mitarbeiter geordnet. Als solche werden genannt: die Herren Gust. _Schwab_, Bergwerksbesitzer, _Kaeller_, Schuldirektor, beide in Falkenau; Ed. _Wenisch_, Bürgerschullehrer in Joachimsthal; Oberlehrer _Strohschneider_ in Sonnenberg; Oberlehrer W. _Grossmann_ in Krima; Oberlehrer J. _Hofmann_ in Katharinaberg; P. _Forst_, Kaplan, Gymnasial-Professor _Rebhann_, beide in Brüx; A. _Weitzdörfer_, Schuldirektor in Oberleutensdorf; E. _Hochreiter_, Gym.-Direktor in Teplitz; Jul. _Gierschick_, Redakteur in Leitmeritz und Jos. _Werner_, Fachlehrer in Komotau.
Allen diesen Herren statten wir für die mannhafte Unterstützung den besten, den innigsten Dank ab.
An einem vollständigen Führer durch das böhmische Erz- und Mittelgebirge hat es bis jetzt ganz gefehlt; deshalb treten wir mit einem solchen vertrauensvoll und in der Hoffnung vor die Oeffentlichkeit, dass er sich bei allen Freunden und Freundinnen unserer Gebirge guter Aufnahme und wohlwollender Beurtheilung erfreuen möge. _Gleichzeitig richten wir an alle P. T. Leser und Leserinnen desselben die Bitte, uns auf etwaige Unrichtigkeiten und Lücken aufmerksam zu machen, damit wir sie in einer zweiten Auflage verbessern, beziehungsweise ausfüllen._
BRÜX.
August Weymann.