Fritzchen: Die Geschichte einer Einsamen
v. Pohle, war energisch und trotz aller Weltförmigkeit voll tiefer, ruhiger
Güte. Ein stürmisches Leben hatte sie hart geschüttelt, so daß sie nicht mit den Ansprüchen eines verwöhnten Herzens nach Hohen-Leucken kam. Das nüchterne, häßliche Haus, der verbummelte Mensch, der hier Hausherr war, die beiden verschieden gearteten und verschieden geleiteten Töchter, die stumme, kahle Einsamkeit der Gegend, alles sprach ihr stark zum Herzen und bewog sie, hier ihre beste Kraft und Liebe, ihren feinsten Takt einzusetzen, um auf diesem verwilderten Felde doch noch eine gute Saat zu ziehen.
Fritzchen begriff es schlecht, was für sie da kam. Sie hatte bisher auch nur dürftige Erfahrungen mit den Gestalten ihrer Umgebung gemacht. Es war ein zur Not mit ihnen Fertigwerden gewesen, sonst nichts. Wo war die Hand, die sie behütet hatte, als sie ihren Träumen bis in die Wolken nachlief, oder ihnen auf einem unerzogenen Pferde über Gräben und Brachen nachjagte -- die ihr gegeben hätte, als sie hungrig und durstig war, die ihr den wirren Kopf mit seinem tollen Phantastenkram gestreichelt hätte, die sie geführt hätte, als die Wege sich verwirrten?
Immer sich selbst war dieser junge Vogel überlassen worden. Nun duckt er sich, nun huscht er davon, als eine feine Hand ihn fangen möchte. Er haßt die Käfige, die er vom vorigen Winter her kennt.
Sechstes Kapitel.
Gregor v. Zülchow trat aus Fritzchens Märchenbüchern heraus und stand in Fleisch und Blut vor ihr da.
In der Stunde, da dies geschah, da sie ihn, der ihr schon fast zu einer Sagengestalt verschollen war, in der Blüte seiner jungen Herrlichkeit wiedersah, da fielen alle ihre selbsterdichteten Märchen und Träume wie Schatten hin, wie Nebel, wenn der Morgen der leuchtenden Wirklichkeit kommt. Und von dieser Stunde an bis zu den Jahren, die ganz, ganz anders aussahen, dichtete sie kein Geschichtchen mehr.
Es war in Rummelshof zur Sommerszeit. Seit Frau v. Pohle im Hause war, hatte sich in der Auffassung der Gegend viel verändert. Selbst die Freifrau