Fräulein Doktor: Roman

Part 8

Chapter 8690 wordsPublic domain

»Ja, so klein er noch ist, merkt er doch, daß es Widerspruch bei mir nicht gibt,« entgegnete sie. »Wie froh bin ich, daß ich ihn so gesund wieder habe! Was hätte aus mir werden sollen, wenn ich ihn hätte hingeben müssen -- mein Einziges, mein Kleinod« -- und in einer leidenschaftlichen Aufwallung des Dankes streckte sie ihm beide Hände entgegen. »Ach, Georg, wie soll ich Ihnen das jemals danken können, daß Sie ihn mir neu geschenkt haben.«

Er sprang auf und faßte die schönen schlanken Hände fest mit den seinigen. Mit heißer Zärtlichkeit in seinen guten, klugen Augen sah er sie an, und bebend vor innerer Erregung sagte er: »Dadurch, Beate, daß Sie mir vergönnen, diese beiden Hände immer zu halten -- für ein ganzes, reiches Leben!« Einen Augenblick war ihr, als stocke ihr der Herzschlag -- hatte sie denn recht gehört?

Unter Lachen und Weinen stammelte sie: »Willst du mich denn noch?«

»Beate!« Wie ein Jubelschrei klang das. In tiefer Inbrunst küßte er erst die eine, dann die andere Hand, »Dank dir tausendmal! Du willst, Geliebte --«

»Ja, ich will, Georg! Ich will gutmachen, was ich einst an dir, du Guter, Treuer, gefehlt, mein ganzes Leben soll es dir zeigen, ich will dein guter Kamerad und dein seliges Weib sein,« sagte sie mit feierlicher Innigkeit.

»Und meine Frau Doktor,« setzte er leise lächelnd hinzu, »den Titel nicht von mir geschenkt, nein, vorher schon selbst erworben durch fleißige, ehrliche Arbeit.« Dann zog er sie fest an sich; sie legte die Arme um seinen Hals und lehnte den blonden Kopf an seine Brust -- ein wonniges Gefühl des Geborgenseins erfüllte sie -- »mein Georg, du Lieber, Getreuer«, flüsterte sie.

In innigem Kusse schloß er ihr da den Mund. »Meine Bea, mein geliebtes, heißersehntes Weib!«

So standen sie selige Minuten in dem Bewußtsein, sich nun doch für alle Zeit anzugehören! Das Trübe in ihrem Leben war ausgelöscht, und glückverheißend lag jetzt die Zukunft vor ihnen.

Ein Zusammenschaffen und Zusammenarbeiten mit dem geliebten Menschen -- das Leben mit segensreicher Tätigkeit ausfüllen, von dem anderen Teil bis ins kleinste verstanden -- was kann es denn Schöneres geben?

Und das Herz war ihnen voll heißen Dankgefühls, daß der Allmächtige ihr Geschick so wunderbar gelenkt und doch noch zu dem geführt hatte, was für sie beide das rechte Glück war.

Ende.

Vom Bearbeiter durchgeführte Korrekturen

Im Original wurden Versalumlaute uneinheitlich gehandhabt und nur zum Teil als »Ae«, »Oe« und »Ue« gedruckt. Diese sind hier als »Ä«, »Ö« und »Ü« wiedergegeben. Bei der Kapitelnumerierung wurde der teilweise fehlende Punkt ergänzt, die Kapitelnummern 7 bis 9 wurden wegen der im Original übersprungenen Nummer 6 durch 6 bis 8 ersetzt. Desweiteren wurden folgende Korrekturen vorgenommen:

Seite 13, "Ofenschirn" geändert in "Ofenschirm" (»dort in jener Ecke hinter dem Ofenschirm haben wir so oft gesessen)

Seite 37, Komma hinzugefügt (»Dann lebe wohl, Beate!)

Seite 37, Leerzeichen vor "--" hinzugefügt (und von jetzt an für sich allein bleiben -- in angestrengter Arbeit)

Seite 38, "«" hinzugefügt (»niemand kann zween Herren dienen«, -- entweder also die Wissenschaft oder die Liebe,)

Seite 43, "«" hinzugefügt (»Mädel, Bea, ich freue mich kolossal, dich wiederzusehen, und in deiner Würde als »Fräulein Doktor!«« --)

Seite 45, ".." geändert in "..." (»Na, und ob, Herr Ad..., Herr Oberleutnant«)

Seite 47, "ihr" ersetzt durch "Ihr" (»-- Ihr habt doch gewiß auch gehört,« bemerkte da Adolf,)

Seite 57, "»" hinzugefügt (»Da hab' ich Sie nun in Ihrem Vorhaben)

Seite 74, "«" am Ende der indirekten Rede entfernt (der sie, offen gesagt, solch' hausfrauliches Talent gar nicht zugetraut habe.)

Seite 76, "." hinzugefügt (Gespräche hörte. Sie konnte sich aber nicht)

Seite 78, "ihre" ersetzt durch "ihr" (und das verlieh ihr eine gewisse Freudigkeit)

Seite 85, "umsympathisch" ersetzt durch "unsympathisch" (Aber gerade Frau von Malten ist mir direkt unsympathisch.)

Seite 93, "«" am Satzende entfernt (Vergaß das junge Mädchen so ganz seine gute Erziehung, um in einer solchen Weise einem Herrn entgegenzukommen?)

Seite 94, "tiefem" ersetzt durch "tiefen" (und ihre Brust hob sich in tiefen Atemzügen)

Seite 114, "." hinzugefügt (meldete das Mädchen: »Herr Professor Scharfenberg.«)

Seite 118, "aus" ersetzt durch "auf" (legte sie ihre Hand auf seinen Arm.)

Seite 123, "ihr" ersetzt durch "Ihr" (der ihrer vornehmen Seele bisher fremd gewesen war. Ihr Gatte hatte)

Seite 158, "entgegnen" ersetzt durch "entgegen" (streckte sie ihm beide Hände entgegen.)