Part 12
»Kann man«, sage ich, »jetzt noch den Mut finden zu glauben -- und sei es nur der Sportlichkeit der Vergleichung halber -- daß eine unter der Masse jüdischer Rodlerinnen, Danziger Offiziersfrauen, der Filmerinnen, bebuster Antiquariatsweiber, württembergischer Reichsgräfinnen, der Pilules-Orientales-Breeches, der Dichterinnen, der A. E. G.-Direktricen . . . . . daß eine nur vermöchte, dieser göttlichen Bewegung sich anzugleichen und auch nur annähernd dieser Überlegenheit nahezukommen . . . .
daß eine vermöchte, zwischen dem zarten Rosa der hochgeschwungenen Wade und den breiten dunklen Schenkeln, Kniescheiben von dieser Kleine und Rundung zu wiegen und die stählerne Wucht der Jägerin auf so verengten Hüften zu heben, daß Kerstin selbst diese Linien der Göttin nur in ihren besten Stunden ertrüge . . . . . .
daß zwischen hirnlosen gelben Husaren im Schlitten solch unirdische Geste irgendwo hier aufzustehen vermöchte, und daß unter der Verbrämung der Pelze der Blick einer solcher Anmut gleichkommenden Frau den Horizont absuchen könne bei den idiotischen Foxtrottphrasen der bayrischen Flachstirnen . . . . . .
daß am Tisch in der Nase bohrender Tanzdivisionäre, korsettierter Hochstapler, kastrierter Erlauchte, gemalter Perlenweiber eine so gestaltete Frau die Angst der rasenden Großkapitalisten umschwirre . . . . .
daß sie eintrete in von jüdischem Kommerzienrat mit dunkelbrauner Glatze und schlechten Knickerbokkers ihr geöffneten ausgehaltenen Appartements . . . . . .
daß vielleicht auf dem Eliteball der geflüchteten Aristokratie sie heimlich ihren Fächer trüge, und, in weißen Handschuhen und Hofballpantomime in schäbigem Restaurant die verfallene Zeit in den kleinsten Symbolen aus Trotz betonend, vor Spartakiden jede Minute erzitternd, zwischen schlecht geratenen fürstlichen Kuriositäten und vermiesten Exzellenzen in steifen Tänzen stünde . . . . . . und vielleicht sogar in einer unheilvollen Sekunde dem fehlenden Kinn und der Grande-Bouche-Chevalerie des hohenzollernschen Reichspinguins entsetzlich verfiele . . . . . .
und daß in der plötzlich ausgelöschten und ohne diese Erinnerung freudlos gewordenen Schneesteppe überhaupt irgendwo, daß in Hotels, auf Bobs, bei Sonnenaufgängen, in gescheiterten Schlitten, bei Skistarts sich die grenzenlose Überraschung solch göttlichen Lächelns zu entfalten vermöchte, an dessen Entzündung die Leidenschaften erst sich zu entwickeln vermöchten in die märchenhafte Höhe . . . . . . -- -- --
Aber alles in mir wird nun trotzdem die entsetzliche Bemühung antreten, dennoch ein lebendes Ebenbild zu finden, das, ebenso erlesen und dieser Gebärde an Schönheit vergleichbar, der frauenhaften Adligkeit Kerstins auch noch das Unbegreifliche der Göttin hinzufügte. Suchen wir. Es gibt keine Phantasien.«
Aber es kam scharf aus den Pelzen, die einer Wolke gleich über dem Wagenbord flauschten:
sie vermöge in Wunsch und Absicht dieses Planes schon nichts anderes zu sehen als jene maßlose Überhebung unserer Rasse, die, ohne Übergang der Kulturen, das Herrliche sofort für sich requiriere . . . . . und die wir glaubten, pathologische Athleten, neben der Dummheit den Mut der Stiere als Erbschaft tragend, auch das Gezüchtetste und Überirdische neige ohne Bemühung schon sich unsrer Ungestalt als natürliche Beute . . . . . .
und daß das kindische Haschen (und nicht begehrenlos Ertragenkönnen) nach der göttlichen Spiegelung mit seiner rohen und nur auf Gewalt gestellten Äußerung in seiner naiven Zufriedenheit schon jener unendlichen Rührung nahekomme, mit der der Glaube unsres Volkes, Gott habe vor anderen es auserwählt zur Herrlichkeit (obwohl er es mehr wie irgendein anderes als Sklaven gestempelt und täglich vor die Tiere warf) seine schwarz-weiß-roten Patrioten als so besonders arme Akkoucheure des Glückes erscheinen lasse . . . . . .
und daß schließlich doch nur Besessene und Wilde das Unmögliche nicht zurückschrecke, die wir auch nach der tragischen Lächerlichkeit unserer Revolten seit der Reformation bis zu den Bolschewiken das Bittre unserer menschlichen Unvollkommenheit immer noch nicht als Verworfenes erkennten . . . . . und unserer Rasse tiefste Mischung von Roheit und Sentimentalität auch in den überlegensten Minuten nicht verleugneten . . . . .: Barbaren der Sehnsucht. -- -- --
Wieder überflog ihr Auge und den Mund der Charme, der an ihr Leben bedingungslos band, und der auch in der Anklage dem Gezüchtigten Bewunderung nicht entzog: »Immer«, klagte sie, »sind die erstaunlichen Vögel seewärts gezogen und ins Meer gestürzt. Man kann sie nicht hindern.«
Ich wende mich den Pferden zu vor Lachen.
In ihre Kosakenpupillen ist plötzlich das Grün getreten. Auf dem Bach zur Linken flimmert es in Kreiseln. Der Hohlspiegel der Gletscher wirft es mit Scheinwerfern herauf über die Schneeprärien. Die Erinnerung der Nymphe ist aus dem Spalier der bereiften Bäume heraus bis vor den Himmel gedrungen. Alle Entgegenkommenden haben Seefarbe über den Brauen. -- -- --
Da liegt nun das Leben zum Suchen. Die Leidenschaften sind in die größte Spannung getreten. Man sollte das Unvergleichliche nie erblicken. Man tötet sich aus Sehnsucht.
Wann hat das Göttliche je sich heruntergeneigt?
Ich finde es trotzdem.
Das Glück ist eine Hure für junge Leute und bereit für die zwischen Zwanzig und Dreißig den Traum einer Taille zu bestätigen.
Uga!
Ich finde deine Bewegung wieder, mit der du das Wasser deines Sees ein wenig erregtest und ich zittre, du seist es selber, so sehr hat die Frau, die auf Skiern nun steht und gegen das Gebiß der Gebirgszüge hineinschwebt, deine Kraft und deine Kühnheit. Sie hat die Hände in den Taschen und fährt mit karierten Breeches, die die Bluse wie einen Kelch heben. Man muß sie auf Skiern erreichen. Es ist eine wahrhaftige Jagd.
Uga!
Ich hole sie ein. Es ist unmöglich ihr einen anderen Namen zu geben. Ihre Haltung hat nur etwas Durchbebteres wie von einer Gazelle in den Hüften und von einem Schwan etwas Kühle um die Schultern. Sie erstaunt. Sie stellt sich. Ich sehe ihre Hände, ihr Gesicht. Selbst der Unmut ihrer Braue hat eine Richtung, als vermöge er sich aufzulösen und wegzuschwinden mit ihr in andere Gegenwart. Ich wische mit leisen Worten ihn weg.
Wir fahren zugleich ab, ich lasse ihr jeden Vorsprung, bemühe mich, daß sie auf mich, die Gewandtere, wartet. Aber auch ihr stolzes Lächeln hat keine festere Begründung als ihr Zürnen. Kein Horizont hinter ihr. Wenn ich ihr Leben weiß, bin ich soweit wie am Anfang. Um dies Lächeln zu sehen, tausche ich die Qual es nicht ertragen zu können? Welches Scheitern!
Mit großen Schwüngen nehme ich die Führung plötzlich.
Göttinnen lieben zu entgleiten. Aber sie gleiten mit Skiern nicht den Berg hinauf. Sie folgt geschlagen ins Tal. Eine Woche bleibt vor uns: bebauen wir unseren Garten! Ball, Pferde, Schlitten, Spieltisch, Bobs, Skijöring, Musik hinein in die Woche. Heran nun Tag auf Tag!
* * *
Wir nähern am dritten Tag uns dem Kloster. Dem Wagen tritt in Parade Stück auf Stück der Landschaft entgegen. Der Kamelberg mit dem Tagmond schmal gezeichnet kniet vor das Tal. Die Madonna sieht, mit der großen Zehe den Zeiger der Sonnenuhr weisend, herüber zu Uga.
Sie zeigt das Raubtiergebiß, das Lachen der jagenden Diana.
Wir nähern uns dem Kloster.
Gold, blau und zärtlich im Weiß summt die barockene Kuppel in das fließende Hell, im Schweben von dem Aufstieg des Korbinian, Katharinas, Benedikts, Sebastians und der Heiligen Familie begleitet.
In der schwelgerischen Bläue steht die lateinische Stimme des Präzeptors rund und hoch, eine Lobpreisung.
Der Chor der Pagen, die ciceronische Perioden reiten, geht im Kreis in sanfter Herde die welligen Raine hinauf über die Zacken bis ins Licht.
Selbst die Gäule haben die Stille erfahren und traben an der Bergschlucht zum Brunnen mit einer Übereinstimmung der Hufe, als liefen sie in den St. Leonhardstag, an dessen Dämmerung die Pferde eintreten in ihre eigne lange und einsame Prozessuale.
Aber wo die bayrischen Aristokraten mit Flüchen auf die Revolten, falschen Pässen und in Mönchssoutanen durch den Hohlweg nach Österreich flohen, haben die Fahnen der Weidenbäume über dem Schnee sich so gesenkt, daß das seidene Rot von Ugas Mantel plötzlich von gelben blühenden Fransen umweht liegt, und selbst der Duft der Seidelbaste heruntersteigt und sich mischt in die Huldigung, die der frühe Frühling mit Himmelschlüsseln und Krokus um sie entfacht.
Selbst die Nässe, die vom Humus den Geruch des Frühjahrs zu der Bewegung der springenden Knospen hinaufträgt, scheint sich an ihr mit allen Düften, von denen die Luft sich schüttelt, zu entzünden, und jedes Element und jedes Ding scheint bereit sie an sich anzugleichen.
Wenn sie kein Fohlen wäre im Mutwillen ihrer Gelenke, in jedem Traumzustand der Wünsche würde sie als Forelle mit mir schwimmen in allen Bächen, die Abfahrt der Hügelfläche zum Haus Chrystophorus mit mir fliegen als mein Hikory, als mein Motor jubelnd mit mir schweifen über die Pässe. Welch sichere Gegenwart! Und würde nicht, der ungewissen schattenhaften Wildheit eines Tieres gleich, das mein Gefährt nur wie auf Sekunden begleitet, erst durch die scheue Berührung ihres Blickes die Sicherheit eines Lebens und einer glühenderen Gegenwart mir geben, deren Kühnheit mich erst völlig in den Rausch des Tages hinein begeistert:
O ein Holzhacker sein zwischen der Chaussee und dem Wildbach! Briefträger zwischen den Leberblumen und Gletschern! Biene über den Kätzchen! Pferd nach dem Bergsee! Die rote Weste des Postillons, der die Kurven zum Pisaner Gnadenbild fährt, vor dessen elfenbeinerner Schönheit die Bauernmönche des Klosters täglich erschrecken.
Da spüre ich den Druck ihres Knies.
Von nun ab hat sich der Atem des Tages um sie zu einer Süße erhoben, um die nun alles ohne Abwehr kreist und fliegt.
Und während wir, in den Schleifen der Straße hängend, herauf und herab uns bewegen an der Seite des Gebirgs zum Tal, sehen wir, wie die Eisberge spielerisch sich neigen und heben und, sausend auf der Schaukel der Seligkeit gewiegt, aus dem Fasanrot der Ebene sich hineinbegeben in den gleichen Takt.
Mit gewechselten Pferden geht's in den Abend weiter. Fünf Fackelwagen liegen über uns in der Spirale. Die Feuerscheine huschen flackernd über Ugas Gesicht, ich sehe sie nicht deutlich.
Ich kann jedoch, mit klopfendem Herzen die Pferde nicht in den Umwegkreis zum See verleiten, wo durch die Konfrontierung mit der bronzenen Schwester ich den Zweifel, sie sei es selber, verlieren müßte, und, spiegelnd, das schöne Bild sich vollzogen hätte:
daß der kühnen Bewegung der über das Grün des Wassers gebeugten Diana das schwermütige und wilde Lächeln der Nymphe vom Grund herauf entgegengetaucht wäre in einer beispiellosen Vollendung.
Doch unter dem Eindruck ihres lautlos geöffneten Mundes, wie vom Feuer aufgesprengt, heben die Gäule die Hufe und die weißen Bäuche senkrecht auf und biegen gegen die Kandare herum in den Lauf der anderen Wagen ein, den beschwerlicheren Weg mit hingebender Geduld hartnäckig wählend, den Terrassen zu, um über dem eisern und grau vor das Bergmassiv genieteten See den Morgen mit der Brandlawine zu erwarten.
Als das Bankett uns dann trennte, hatte die schöne gipsern geweißte Frau des Amerikaners neben mir nicht so viel Fähigkeit mich abzulenken, daß mir auch keine Zuckung an Ugas Arm unter dem Ärmel entging.
Meine Vermutung weiß, ohne daß ich es sehe, vom Ansatz der Knöchel aus deutlich, wie braun sie ist bis in die verschwiegensten Falten der Übergänge des Leibes, und die Haut, die föhnig den Körper überfliegt, hat nur die eine prächtige Stauung, wo sie den dunklen Hügel der Brust heraussprengt.
An ihren Beinen sieht selbst der nur nach schlanken Jünglingen hingewandte Flieger Sofias, daß, mit solch verschlungen gestählten Sehnen, sie, auf einer Kugel stehend, Tage verbringt, im Gras über Hügel und Raine hinspielend. Denn die erlesenen Muskeln, die groß und gedehnt geworden sind im Streifen durch die Sonnenkringel der Buchwälder und des Jagdparks, gehen in der Verwegenheit der Spannung so weit, als sei jeder ein junges Tier.
Aber mein Herz erhebt sich nicht. Von dumpfem und angstvollem Pochen gefüllt hält es an. Denn wenn das Lächeln ihr Profil erhellt, fällt sie so sehr über die anderen weg in eine Sphäre, die mich erbleicht, daß auch das weiße Glänzen ihrer spitzen Zähne nicht die heiße Furcht zu bannen vermag, daß unter den Kanten des Tischs ihr Leib in einer kristallenen Flosse sich manchmal vollende.
Ich sehe, die Nacht steigt herab. Der Mond hat im Zenith den Schnee blau geflaumt. Ich sehe das Kap des Bergmassivs immer wieder, wenn der Schlitten, der mit den anderen im Kreis jagt, es umbiegt. Mit tragischer Maske hält das Gletschergesicht sich monden verhüllt. Dunkel brüllt unter dem Hufschlag das Wasser gegen das Eis. Ich sehe noch durch den Traum des Jagens die Männer mit Dolchen und Lampions rufend auf die Leitpferde springen. Da beginnen die Blaumeisen aus dem Frühlingswald im Tal unsichtbar die Frühhelle süß zu durchsingen. Ich hole den Wagen Ugas ein, es fällt mir von den Augen: weg die Betäubung, welche Klarheit!
Die Sonne zuckt eine Minute, dann schwillt sie vor riesenhafter Bewegung. Als sie den Gipfel des Gletschers erreicht, verrauscht das Seidene der Luft. Der Himmel zerbricht, die Lawine gleitet, welche flötenhafte zerbrechende Musik!
Ich sehe Ugas Auge zittern. Ich habe Verachtung plötzlich auf meine Unsicherheit um das Verflüchtigende ihres Wesens. Ich durchdringe ihr Auge, während die Brandlawine märzgroß im Donner herankommt. Als die Felsen sich bewegen, hat sich das Dunkel ihrer Pupille geweitet. Wie ich eindringe, sicher, morgenlich, schön umsungen aus nun erhellten Frühlingswäldern, das bis zum Weinen verengte Herz von den Vögeln golden erhoben, weiß ich eine Sekunde lang sicher, daß ich sie nie mehr, die Flüchtende, verfolge, sondern daß ihr Lauf immer mir entgegen sein wird, und daß eine andre mit achatnen Augen den See bewohne.
* * *
Sie wird nicht über den Strich eines Gedankens, nicht über die Länge der brodelnden Wiese entweichen. Nachts wird sie manchmal nur schreien. Sie wird sich der Männlichkeit, die sie einmal besaß, nicht mehr entreißen. Man flieht nur, was man nicht kennt. Das Blut versöhnt. Man gab den Amazonen kein Vorrecht.
Als ich im Schneegestöber sie kommen sah, den Mittag zu durchstreifen, in Breeches, wie irgendeine schöne Frau, durchfuhr mich Rührung, sie nicht mehr so sehr hingegeben zu sehen an die Mächte, denen sie mit einer gewissen Blässe des Auges, wenn ich heftig nach ihr Sehnsucht trug, bisweilen gehörte.
Sie trug die Gelenke des untersetzten Jägerinnen-Körpers in einer dunklen und erlösten Herbe, und langsam, während sie die lange Straße heraufkam, schlossen mit hängenden Zungen und nach ihr gerichteten Augen an sie, die den Knäuel leicht nur mit den Fingern wehrte, die Hunde von Tür zu Tür in Meute sich an.
Uga!
An den Riedhängen entging es sogar der knurrenden Gefolgschaft deiner Tiere nicht, daß, tief grüßend, der Reichspinguin einen Bogen um deinen lärmenden Einzug schlug und nicht in die Nähe der glühenden Lefzen gelüstete, über denen deine kleinen Hände spielten.
Du lachtest noch, als wir auf der Hügelkuppe in das Haus des Matrosen traten, der, fünfzig Jahre die Welt überwandernd, immer neu hingerissen nach Äquator und Pol und Wendekreisen seiner bäuerlichen Sehnsucht, das Seltsame der Erdteile in seine Höhle stapelte . . . . . . und du in einem Regen dich umschwingender birmanischer Harfen und Phalloswurzeln, Haimaulen und Palaumasken so im Schatten standest, daß nur das Weiß deiner Iris im Samtdunkel wie ein Dolch sich bewegte.
Ich sage:
»Deine Gefolgschaft . . . . .
Graf Cantacuzene umschleicht dich nur noch fern und Wrede wächst ein Geweih vor Eifersucht, wenn du, zur Meute gewendet, einem Anderen deutlicher das Gesicht zuneigst. Dein Park von Edelgetier schweißt gegeneinander und stampft vor Zorn, Bohan zerschmettert am Meilenzeiger bebend seinen Stock, den seinem Großvater ein dicker Kurfürst dedizierte aus Gnade und Dank für die Errettung vor einer Sau, wenn er dich nicht antrifft . . . . und Sailern vermag (oben Lénau, unten Mikosch) nicht einmal mit seinen gewonnenen Schlachten und der Zartheit seines von Frauen sehr gerühmten Schulterknochens über seine Niederlage bei dir sich zu trösten.
Der rosendünne Morgendiskant Uwaroffs ist unter deinem Zimmer verstummt. Saluzifsky hat den Zirkel um den Spieltisch in resignierte Enge gezogen. Und der seltsamerweise deinem Gang geneigte knabenliebende Ski-Dioskure hat nicht unterlassen, in rotem Sweater und gelben Gamaschen den Falsett seiner schneidenden Kindlichkeit auf seine Nebenbuhler zu hetzen.
Aber wie kann selbst die Kläglichkeit solch halbseidener Haltung und die Kretinerie dieser Drohnen nicht die Würde verletzen, die den wahrhaften Kern einer gezüchteten Rasse so hoch in die Jahrhunderte begleitet hat, und wo Hohn und Spott nur immer noch sehr kleine Korrekturen bedeuten können einer Bedeutsamkeit tiefsten Sinnes!
Und die zu bekämpfen heute nur die weltfremde Idiotie deutscher Dichterknaben und orgiastischer Revolutionäre ermöglichen kann, die, trotz Umsturz und Revolte um hundert Jahre verspätet, durch ihre Ahnungslosigkeit der Vorgänge die allein feindliche Widerlichkeit arrivierter Bürgersöhne und Kopisten adliger Gebärden noch nicht zu erfassen die geistlose Dreistigkeit besaßen.
Lächerliche Blague! -- -- -- --
Wo niemand begreift, mit welch ahnungsloser und erlauchter Schönheit die wirklich adlige Rasse der Staufer und Kreuzzüge neben der ihnen unverständlichen Zeit her in den Abgrund hineingeht, und wo selbst die besten und raffiniertesten Exemplare nicht einmal soviel Barriere-Mut aufzubringen vermögen, daß (was ihre Sache immer wieder gerettet) nicht einmal Deserteure zeitweilig ins feindliche Lager übergingen . . . . . .
wo zwar das Gemecker eines ehemaligen Königs über seine eignen Stiefelspitzen in seiner namenlosen Albernheit von derselben Widerlichkeit berührt wie die Brillantenschiebungen des süddeutschen Prinzen und die Massierung der Grenze im amerikanischen Auto (und Diplomatenpaß) voll Antiquitäten . . . . . .
wo zwar die Kavallerieattacken des württembergischen Generals am Bakkarattisch des Kurhauses zwischen Schiebern und aufgekommenen Zuhältern in ihrer Wurstigkeit um den Brand des ringsum angezündeten Europas noch glänzender berühren als das schwachsinnige Gekeif gegen die Republik der ehemaligen popogescheitelten Beamten . . . . . .
und wo erst recht die theoretische Hingabe an den neuen Zustand vereinzelter Freunde in seiner Ehrlichkeit, Zögerung, Bedingtheit nur die ungeheure innere Befremdung und lediglich von adliger Gebärde überglättete Hilfslosigkeit anzeigt.
. . . . . . Wo sie bei Eisners Ermordung zwar Faschingsbälle abhielten, während in München Hunderttausend eine Blutwolke wie nie seit den Hugenotten zu beschwören nah waren . . . und bei der Baltikumer und Kapps ungenialer Harlekinade foxtrottend wahrlich hinlänglich bewiesen ihr Désinteressement an Deutschland, das freilich ihre Herrschaft nicht nach der französischen Revolution geknickt, sondern nur in seiner bubenhaften politischen Nachlässigkeit es unter dem zweiten Wilhelm zu so falscher und maskeradenhafter Herrlichkeit der siebentklassischen Leute hatte werden lassen.
. . . . . . Wo die Entfernungen zwischen den geistigen Trägern der Rasse und den Aristokraten so irrsinnig sich verzogen haben, daß den meisten adligen Exemplaren in Deutschland sogar der Künstler, mit dem sie gern früher sich mischten und den sie trugen in die Höhe der wundervollen Epochen . . . . daß er ihnen ein Wesen geworden, bestaunbar wie ein Papagei in seiner Fremdheit, ein Pudel, halb blau und halb grün, und den sie nur fürchten oder hassen oder sich ihm unterwerfen, wenn seine Breeches besseren Schwung besitzen und seine Ledersachen und Reitzeug eine noch kühnere Diskretion verraten wie die ihren.
. . . . . . Und wo schließlich die falsch angesetzte antisemitische Parole, von rotgemalter alternder Duchesse mit den Pistons ihrer Zahnplomben aber auch den Pauken ihrer Hüften angegeben, zwar weder über die Unasiatischkeit ihres Stammbaums noch über die Fragwürdigkeit ihrer Vergangenheit hinlänglich beruhigen kann . . . . . . wo die Ohnmacht der ungarischen Gräfin, die alle Mädchen verführte, beim Namen eines der gehaßtesten revolutionären Führer . . . . . . ebenso wie das goldene Kettenarmband um den Skistrumpf der Hessin . . . . . . und der meskine Bürgerwehrschwindel und Antibolschewistenpathos älterer bäurischer Offiziere in seiner falschen und bourgeoisen Verplamperung
nichts zwar als unser breites und vollendetstes Gelächter bereit findet,
. . . . . . . die wir, auf härteren Seiten des Sternbogens stehend, aber auch mit Wollust alle Höhen überschweifend, keine Sekunde unterlassen werden, die Albernheit der menschlichen Figurinen unerbittlich aufzuzeigen . . . . . . und die wir, bereit jede Sünde gegen Welt und Freiheit bis auf das Blut zu bekämpfen, auf keinen Reiz und selbst gegen das Herz hin irgend einen Pakt der Gemeinsamkeit mit irgendwelchen Obskuren (von welcher Seite auch immer) schließen würden.
. . . . . . die wir aber dennoch nie umhin können, hinter den besonders publiken kleinhirnigen Ausnahmen den großen Blutgeruch der Züchtung und Erlesenheit triumphal zu spüren und, bejohlt von den Polizisten von links aber eiskühl bis auf die Nägel darüber, gerade in diesem Versagen das Erlöschen der Rasse wie langsam gewordene Scheinwerfer auf die tragische Epoche zu empfinden und zu lieben . . . . . . und bei den Frauen diesen bewundernswert schlanken Hineinritt in die Röte des Sturms.
Wie ungewöhnlich unbeträchtlich sind in der Ausübung ihrer Mission und der Handhabung ihrer Berufung die aristokratischen Wölfe geworden, aber wie glänzend und liebenswert blitzt noch das Gebiß dieser Feinde der Freiheit!
Denn auch du, die du zwischen den Dörfern die Schneeobeliske der Hügel, den Stock mit dem Seidentuch daran in der Hand, gestürmt hast, und in deren Kehle der Blutruf der Kriegsgötter neben den der großen Jägerin trat, auch du hast nichts in deiner göttlichen Entferntheit als Unverstehendes und Gleichgültiges zu Zeit und Qual dieses armen und geschundenen Volkes . . . . . . denn du bist so sehr von durch die Jahrhunderte erlesenen Instinkten geleitet, daß du, Zeitlose, die Gesellschaft der Hunde deiner Wahl jener der nicht gut gezüchteten Menschen unbedenklich vorziehst.
Und ich liebe dich auch dafür.
Auch wenn du an einem Fenster einmal stündest, unter dem ich füsiliert würde oder erschlagen, und von dem Fenster in naiver Laune und unwissend, in wen der Donner einschlug, dem Sieger mit einem Tuch zuwinktest, das ich dir einmal schenkte.
Denn ich liebe dich um deiner Fülle von Rätseln, um deiner Widersprüche und deiner Entferntheit und nicht zum wenigsten darum, daß du selbst sogar vielleicht bereit bist die mykenische Lanze gegen meine Brust zu schleudern. Ich bin ein Kind der Erde und freigiebig auch in der Preisgabe, aber voll von Lust auch, sie ganz zu umfassen und in der entlegensten Äußerung zu begehren. Ich bin nicht ihr Affe, nicht ihr Sergeant, sondern ihr Geliebter, auch im Kampf. -- -- --«
Sie hat einen Bogen der westlichen Papuas in der Hand, und es ist kein Unterschied zwischen ihrem Schenkel, dem Bauch, dem Nacken und der Spannung des Instrumentes. Hinter ihr ist rotes Glas, darüber weicher aufgerißner Himmel.
Und während sie den lautlos den Garten durchjagenden Tieren zuwinkt, steht ihr Gesicht mit der seltsamen kurzen arischen Nase wie eine metallene Maske in dem Rubin . . . . . . ohne Rührung, als sie der Feinheit der Glieder die bedeutende Kraft der Lenden zu solcher Bewegung hinzufügt.
Der alte Matrose hat den dressierten Affen gelöst und ist mit ihm in die Beete gegangen, wo er, mit Schneeglocken winkend, aus den halslosen breiten Schultern den eisgrauen Trollkopf erhebt.