Frau und Kindern auf der Spur

Part 7

Chapter 7 1,362 words Public domain Markdown

"Haben sie Sara gerettet? Wie ist denn das alles gekommen?" Ich erzählte ihr die ganze Geschichte in allen Einzelheiten. Ich liess nur aus, warum ich auf der andern Seite des Flusses gewesen war. Es verstand sich von selbst. Ich war ein Durchreisender und hatte am Fluss Halt gemacht und dabei gesehen, wie Sara in den Fluss gefallen war. Ich liess auch aus, wie sehr ich es genossen hatte, Sara auf meinem Schoss zu halten.

Sie schien meine Geschichte zu geniessen. Da sie ein gutes Ende hatte, war es auch verständlich. Sie sass da mit gespanntem Körper und schien nochmal durch alles hindurch zu leben. Sie hörte mit offenem Munde zu, und nur ab und zu sagte sie "Oh" und "Ah". Das war Lisa.

Auch Sara hörte gespannt zu, denn sie konnte sich nicht mehr an alles erinnern. Hie und da fügte sie hinzu, wie es von ihrer Perspective ausgesehen hatte. Sie konnte sich bis an den Moment erinnern, wo ich sie erreicht hatte und ihren Arm gepackt hatte. Von dort an war alles schwarz in ihrem Gedächtnis.

"Hab ich Sie nicht schon einmal gesehen?" fragte da Lisa. Ich erschrak. Ob sie mich erkannt hatte? "Waren Sie nicht im Saloon in Santa Fe?" Oh gut, von dort erinnerte sie sich also an mich. Ich war erleichtert. Ich war aufgefallen im Saloon, weil ich gleich beim Wirt stand. Es wäre unnütz, es zu leugnen. "Ja, sagte ich, ich glaub, ich hab euch auch gesehen. Wart ihr nicht die, die von Billy Kane belästigt wurden?"

"Ja, das waren wir." Sie sagte nicht mehr. Sie hatte gelernt ihren Mund zu achten. Es wäre schlecht gewesen, hätte sie herumerzählt, dass Billy Kane tot war.

"Wie haben Sie ihre Narben gekriegt?", fragte Lisa. Das war Lisa, unbekümmert, ohne Hemmungen, einfach gerade heraus mit der Frage.

"Im Duell", sagte ich und senkte meinen Kopf. Es machte mich traurig, dass meine Narben so offensichtlich waren. Lisa bemerkte das sofort und versuchte mich zu trösten: "Es sieht nicht so schlimm aus, Mister, sie brauchen nicht traurig zu sein."

"Es macht sie männlich und sie sehen zäh aus", fügte Sara hinzu, deren Herz sich gegen mich sehr erwärmt hatte in den letzten Minuten, besonders als sie die Geschichte ihrer Rettung erfuhr.

Da Lisa bemerkte, dass ich immer noch am Schmollen war, versuchte sie mich weiter aufzumuntern: "Ich möchte Ihnen noch danken, Mister, dass Sie meine Schwester gerettet haben. Es ist ja nicht selbstverständlich. Ich liebe sie nämlich und möchte sie nicht verlieren, obwohl wir uns hie und da necken." Sie wartete auf eine Antwort.

"Oh gern geschehen, Miss Lisa. Ich konnte sie ja nicht ertrinken lassen." sagte ich ausweichend. Ich hörte Pferdehufe von der Richtung, wo ich mit Sara hergekommen war. Es war Julia. Sie hing über ihrem Pferd und weinte bitterlich.

"Mama, Mama, ich war um dich besorgt", schrie Lisa.

"Sara, Sara--träume ich oder hab ich meinen Verstand verloren. Sara--bist du das wirklich. Bist du ok? Fehlt dir nichts? Bist du nicht verletzt? Wie hast du es nur geschafft?" schrie Julia. Sara rann ihr entgegen und die beiden umarmten sich und küssten sich und weinten. Sie schienen nicht genug voneinander zu bekommen. Besonders Julia wollte Sara einfach nicht loslassen.

Lisa war inzwischen auch hinzugerannt und nahm Teil an den Umarmungen und Küssen. Sogar mein hartes Herz wurde gerührt und ich wäre am Liebsten auch hingerannt. Eine Träne oder zwei rollten auch über meine Wangen.

Dann fingen die Mädchen an zu erzählen. Die Geschichte wurde immer aufgeblasener. Ich wurde als veritabler Held hingestellt. Ich hatte mein Leben riskiert, um ihres zu retten. Ich musste mit dem Fluss kämpfen. Ich ertrank beinahe selbst, als ich versuchte Sara die Böschung hinaufzubringen. Lisas Phantasie war heissgelaufen.

Nach einer Weile kamen sie näher und als Julia mich sah, erschrak sie. Sie erbleichte. Hatte sie mich erkannt? Was sonst ging durch ihren Kopf. Ich versuchte die Geschichte ein Bisschen realistischer zu machen und sagte: "Missis Carter, so dramatisch war es auch wieder nicht. Mein Leben war nie in Gefahr."

Doch sie hörte mir gar nicht zu, stattdessen kniete sie bei mir nieder, nahm meine Hände in die ihren, und dankte mir überschwenglich: "Oh wie kann ich Ihnen nur danken, Mister. Sie haben keine Ahnung, wie dankbar ich Ihnen bin. Ich glaubte schon, Sara verloren zu haben. Doch Sie haben sie gerettet. Ich weiss jetzt vom Geschehen, dass ich es nie hätte schaffen können. Ich hätte Sara nicht selber retten können. Ich hätte mein liebes Kind verloren." Dabei fing sie nochmals an zu weinen. "Doch Sie haben sie gerettet, und ihr eigenes Leben gewagt."

Sie sprach weiter und weiter bis es mir fast peinlich wurde. Es war so eine komische Situation. Da war meine Frau. Sie hielt meine Hände und war mir so nah und doch so fremd. Ich durfte ihr nichts zu erkennen geben. Ich durfte sie nicht merken lassen, wie familiär sie mir war, wie gut ich sie kannte, wie selbstverständlich es war, dass ich Sara gerettet hatte.

"Oh gnädige Frau, bitte beruhigen Sie sich. Ich hab doch nur getan, was natürlich war." Doch ich konnte sie nicht davon abbringen, mir noch ausführlicher zu danken. Jedesmal wenn ich etwas sagte, um mein Heldentum auf einen niedrigeren Stand zu setzen, fing sie von Neuem an, mir zu danken. So wurde ich still und sagte kein Wort mehr. Ich liess es einfach über mich ergehen.

Als sie sich beruhigte, sagte ich schnell: "Da ihr jetzt alle wieder zusammen seid, braucht ihr mich nicht mehr. Bitte entschuldigt mich, ich muss nach meinem Pferd schauen. Ich hab es einfach stehen gelassen." Ich wollte weg und weitere umbequeme Fragen vermeiden.

"Oh, Mister nehmen Sie doch eins von unseren Pferden, dann müssen sie nicht zu Ihrem Pferd laufen. Und kommen Sie doch zurück, wir hätten sie gerne zum Essen hier."

"Ja, bitte kommen sie zurück, wir müssen doch alles Jack und Stuart erzählen" fügte Lisa hinzu. Sie schien das Drama in der ganzen Affäre zu geniessen.

Sara kam noch einmal zu mir und schüttelte meine Hand mit einem dankbaren Blick, ohne etwas zu sagen. Mein Herz stand fast still. Oh wie ich sie liebte. Ich liebte sie alle, doch ich musste weg.

"Schon gut, Missis Carter, ein kleiner Spaziergang wird mir gut tun. Auf Wiedersehn. Ich hoffe wirklich euch wieder einmal zu treffen," sagte ich aufrichtig und schritt schnell weg. Ich versuchte nicht zu hinken, obwohl meine Hüfte schmerzte, sonst hätten sie mich sicher zum Bleiben überredet.

Ich fand mein Pferd wieder und sogar das Lasso hatte sich in ein paar Zweigen verfangen und war nicht den Fluss hinuntergeschwemmt worden. Nur meine Hüfte schmerzte noch. Ich konnte aber reiten. Morgen würde es noch mehr schmerzen. Ich ritt am Fluss entlang. Ich wollte eine Campstelle finden. Als ich bei ihrem Camp vorbei kam, sahen sie mich und winkten über den Fluss. Ich winkte zurück. Ich sah, dass Jack und Stuart, die mittlerweilen zurückgekommen waren, drei Hühner geschossen hatten. Ich freute mich mit Jack.

Ein Bisschen Fleisch hätte mir auch gut getan, doch mit meiner Hüfte wollte ich nicht weit. Ich wollte sowieso in ihrer Nähe bleiben, jedoch unbemerkt. Ich fand ein Camp am Fluss nicht weit von wo ich in den Fluss gesprungen war. Ich schnitt einen langen Stock, befestigte Schnur daran und am Ende der Schnur einen Fischhaken. Mit ein Bisschen Pferdehaar formte ich eine Fliege und band sie an den Haken. Im Nu hatte ich einige Forellen gefangen. Das würde mein Dinner sein. Mein Schöpfer hatte mich aus seiner Schöpfung versorgt.

Ich konnte es mir nicht verkneifen, in der Dunkelheit doch an ihr Camp anzuschleichen und zwar nah genug, um ihre Konversation zu hören. Im Besonderen wollte ich erfahren, was Julia über mich, das Narbengesicht, dachte. Das Gespräch drehte sich auch sehr viel um mich, mit den Geschehnissen des Tages.

Ich erfuhr, dass sie glaubte, ich hätte die Indianerfrau geschickt. Sie glaubte auch, dass ich Billy Kane erschossen hätte. Und sie glaubte dass ich ihnen folgte, denn sie glaubte, dass ich ein Revolvermann war, der von Josh Custer geschickt worden war, um sie zu beschützen. Sehr interessant, dachte ich.

Lisas Halstuch hatte ich noch immer nicht zurückgegeben können.

Ende diese Project Gutenberg Etextes "Frauen und Kindern auf der Spur", von Rohner