Frau und Kindern auf der Spur

Part 4

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Ich verliess die Stadt, als ich hörte, dass die Gebrüder Black in die Stadt geritten waren. Sie hatten sich nach einem Narbenkopf erkundigt. So hatte mir Pedro erzählt. Er würde mich nicht verraten, aber es gab mir trotzdem einen Schock. Zuviele hatten mich gesehen. Es würde leicht sein, mich zu finden. So, die Blacks, die BBs, waren also schon so weit gekommen. Wie weit würden sie mir folgen? Etwa bis zur kanadischen Grenze?

Ich verabshiedete mich von Pedro. Er war ein guter Mann. Ich hoffte ich würde ihn wiedersehen. Dann machte ich mich aus dem Staub im Geheimen. Ich ritt hinter meinen Geliebten her.

Ich musste mich in Taos erkundigen in welche Richtung sie gegangen waren, und fand heraus dass sie gegen Osten gezogen waren und dass ein Mann bei ihnen war. Das machte mir Sorgen. Erstens der Mann, und zweitens die Route die sie gewählt hatten. Ich wusste, dass Julia durch die Berge wollte. Warum gingen sie jetzt gegen die Prärie. Natürlich waren da immer noch Berge, wenigstens bis zum Raton Pass. Doch fand ich das Ganze beunruhigend.

Soweit hatte ich nichts mehr von den Black Brothers gehört, aber sicher konnten sie nicht weit sein. Da ich mich in Taos erkundigen musste, sahen mich viele Leute. Doch eines wussten sie nicht. In welcher Richtung ich Taso verlassen hatte, denn ich verliess die Stadt in der Nacht.

Auch von Billy Kane hatte ich nichts mehr gehört oder gesehen. Doch unsere Pfade sollten sich noch einmal kreuzen.

Ich holte meine Familie kurz vor dem Raton Pass ein.

Kapitel 4

Ich, Julia Custer, hatte eine Entscheidung zu fällen. Sollte ich kämpfen oder fliehen. Würde mich der Wirt beschützen, wie er mich heute Nachmittag beschützt hatte? Würde er fähig sein mich zu beschützen? Ja, da war noch dieses Narbengesicht an der Bar, der schien auch einige Kämpfe hinter sich zu haben, und man konnte seinem Gesicht ablesen, dass ihm nicht gefiehl, was vor sich ging. Auch lachte er nicht mit den andern. Aber viel hatte er auch nicht getan.

Oder sollte ich mit dieser blinden Frau fliehen. Ich musste schnell entscheiden. Ich wollte diesem Billy Kane nicht in die Hände fallen.

"Kommen sie schon, hier sind sie nicht sicher." sagte die blinde Indianerfrau.

"Warum sind sie überhaupt gekommen. Wie wussten sie, dass wir hier sind. Hat sie etwa Billy Kane selber geschickt um uns in seine Hände zu locken?"

"Nein, nein, Missis. Ein sehr netter Mann hat mich geschickt. Er hat gesehen wie Billy Kane mit mehreren Burschen zurückgekehrt ist und wie er das Haus umzingelt hat. Da wurde er sehr besorgt und hat mich gefragt ob ich einen Ausweg wusste. Dann hat er mir zehn Silverdollar bezahlt um euch rauszuholen, denn er ging in den Saloon um dem Wirt zu helfen."

"Wie sah er aus, dieser nette Mann?"

"Das weiss ich nicht, Missis, ich bin doch blind."

"Oh, Entschuldigung. Also gehen wir. Jack, Sara, Lisa, seid ihr bereit? Vergisst nichts!"

"Ich kann mein Halstuch nicht finden!"

"Ist nicht so wichtig, Lisa. Komm schon!"

"Aber Dad gab es mir. Es ist ein Andenken an ihn."

"Komm Lisa--beeil dich!"

Wir gingen langsam durch den Gang und kamen zum Abort. Es hing ein Geruch in der Luft, wie in einem alten Stall. Die Frau führte uns durch die Tür hinaus in die frische Luft. Wir schlichen uns hinaus in die Wiese und bogen dann ab zurück zur Stadt. Zwei Häuser weiter unten kamen wir wieder auf die Hauptstrasse, die auch am Saloon vorbeiführte.

"Auf Wiedersehn--alles Gute. Weiter kann ich nicht." sagte die Indianerfrau.

"Vielen Dank--ihnen auch alles Gute--auf Wiedersehn."

Hoffentlich hatte uns niemand gesehen. Jetzt waren wir ganz auf uns selber angewiesen. Sollten wir die Pferde holen? Nein, besser morgen. Wir konnten irgendwo draussen übernachten und sie am frühen Morgen holen. Bezahlt hatten wir unsere Zimmer schon und auch das heisse Bad das wir alle genossen hatten.

Dann erschallten plötzlich Pferdehufe hinter mir.

"Wohin denn, Missis, so allein? Stuart McGee, mein Name."

Ich erschrak ganz schön. Jemand war uns also gefolgt. Wo kam dieser Mann überhaupt her. Hatte er auf uns gewartet. Er schien kein Halunke zu sein. War er ein guter Mann? War er vielleicht derjenige, der die Indianerfrau bezahlt hatte? Wie dem auch sei, ich wäre lieber allein geblieben.

"Julia Carter." Ich verriet meinen wirklichen Namen niemand. "Freut mich", log ich. "Wer sind Sie?".

"Durchreisender, Missis! Nach Denver, Colorado. Ich hab gehört, was im Saloon geschah. Hat mir gar nicht gefallen. Aber wissen sie, eine ehrenhafte Frau, wie sie, hat in diesen Gegenden auch nichts zu suchen. Wenigsten nicht ohne Schutz. Möchten sie nicht, dass ich sie begleite? Gehen sie überhaupt in meine Richtung?"

"Und warum soll ich IHNEN trauen, Mister McGee. Könnten Sie nicht einer der Billy Kane Leute sein."

"Bin ich aber nicht. Ich will Sie ja auch zu nichts zwingen. War nur ein Vorschlag."

"Gut. Danke, Mister. Wir brauchen ihre Hilfe nicht. Wir möchten allein gelassen werden, wenn es ihnen nichts ausmacht." Obwohl das nicht ganz wahr war, dass wir seine Hilfe nicht hätten gebrauchen können, wollte ich ihn testen. Wenn er jetzt aufdringlich würde, wusste ich, dass er kein Gentleman war.

"Auch gut, Missis. Falls sich unsere Wege wieder kreuzen sollten, und Sie ihre Meinung geändert haben, sagen Sie's. Übrigens nennen sie mich Stuart! Also, gute Reise." Damit ritt er davon, schaute sich aber ein oder zweimal nach uns um.

"Er scheint ein netter Mann zu sein", sagte Lisa und auch Jack fügte hinzu: "Mom, er könnte uns den Weg zeigen." Aber Sara wandte ein: "Nur weil er nett aussieht, kann man ihm noch lange nicht trauen. Vielleicht will er sogar bezahlt werden."

Als er fast in der Dunkelheit verschwunden war, rief ich : "Stuart! --Stuart!"

"Ja, Madam. Ist was nicht in Ordnung. Kann ich etwas für Sie tun."

"Wollte nur wissen ob Sie es waren, der die Indianerfrau geschickt hatte."

"Welche Indianerfrau? Oh jetzt versteh ich, jaah. Die also hat euch rausgeholt. Nein, ich hatte nichts damit zu tun. Ich hatte euch erst gesehen, als ihr schon auf der Strasse wart. Nein--aber ich sah sie mit jenem Narbengesicht reden. Vielleicht habt ihr den auch gesehen im Saloon."

"Also der wars. Dachte, er wäre ein anständiger Mensch. Wo waren Sie denn--Entschuldigung--wo warst du denn im Saloon."

"Oh ich bin erst vor einer Stunde in die Stadt gekommen. Mir wurde alles nur erzählt".

"Willst du uns immer noch begleiten, Stuart? Wir können dich zwar dafür nicht bezahlen, abes es wäre gut wenn uns jemand den Weg zeigte."

"Oh ich würde auch nichts nehmen, Madam. Wie können Sie nur so etwas denken. Aber ich begleite sie gern. Gibt mir auch ein Bisschen Gesellschaft."

"Sind Sie denn Alleinstehend?" Ich hoffte, er würde sagen, dass er Frau und Kinder hat, das hätte die Situation einfacher gemacht.

"Ich bin Witwer, Madam. Meine vier Kinder sind aufgewachsen. Ich bin zosusagen ganz mutterseelenallein. Aber zum Praktischen : Habt ihr Pferde."

"Sie sind noch im Saloon. Werde sie morgen holen."

"Ja, die Dinge werden sich hoffentlich beruhigt haben bis dann. Ich lade Sie ein, im Saloon am andern Ende der Stadt zu übernachten--auf meine Rechnung."

"Danke, ich will keinen Saloon mehr sehen, so lange ich lebe. Können wir nicht draussen schlafen."

"Können wir schon. Ich kenn da eine Stelle. Bin schon vorher hier durch geritten."

Es war ein ebener, sandiger Platz zwischen Felsen. Auf dem Weg dorthin hatten wir uns alle kennengelernt. Auch die Kinder schienen Stuart zu mögen. Er wollte von allen Stuart genannt werden. Mir ging alles ein Bisschen zu schnell. Es war schon, als ob er zur Familie gehörte. Es schien fremdartig in einem Tag von Billy Kane und dann diesem Gentleman umworben zu werden. Aber ich war froh, einen Mann nahe zu haben. Ich fühlte mich wohler und beschützt.

"Nehmen wir die Frauen in die Mitte, Jack. Ich bin müde. Hoffentlich habt ihr nichts dagegen, wenn ich gleich einschlafe."

Wir legten uns gleich nieder und starrten für eine Weile in den Sternenhimmel. Stuart lag am Aussenende, ich nebem ihm, dann Lisa, dann Sara und am andern Ende, Jack. Stuart schnarchte schon.

Ich wachte einmal auf und fand dass ich meinen Kopf auf Stuarts Brust gelegt hatte. Ich zog mich schnell zurück. Es zeigte, wie sehr ich einen Mann vermisst hatte. Es war zu tröstend, an einer starken Männerbrust zu verweilen, bei einem Mann, der nicht nur eins von Frauen wollte.

Ich erwachte bei Tagesanbruch. Stuart war schon auf. Er hatte unsere Pferde geholt. Er war ein guter Mann. Wir ritten los--gegen Norden.

In Taos wäre ich lieber gegen die Berge geritten, doch das würde einen Umweg für Stuart bedeuten. Ich wollte nicht ohne ihn gehen, denn wir hatten uns alle an ihn gewöhnt, sogar sein Schnarchen. So ritten wir gegen den Raton Pass.

* * *

Es war kurz vor dem Raton Pass dass wir eine schöne Campstelle fanden, und obwohl es erst Mittag war, machten wir Rast.

Jack versuchte Gold zu finden, ein Traum seit seiner Kindheit. Ein kleiner Fluss schlängelte sich bei unserem Camp vorbei. Er arbeitete hart um wenigstens Staub zu finden. Stuart zeigte ihm, wie man die Pfanne gebraucht.

"Nur Geduld, Junge. Immer ein bisschen Wasser, dann wieder schwenken um den Dreck wegzuwaschen. Gold ist schwerer, es sinkt an den Boden. Nur nicht das Gold auswaschen, sondern den Sand und die Steine obendrauf. Die grössten Steine kannst du von Hand oben ablesen, dabei aber immer gut achten, dass du kein Nugget fortwirfst. Ist schon passiert. Der ganze Dreck muss schön nass bleiben. Nicht zu stark schwenken! So ist's gut."

"Stuart, Stuart, ich seh was blinken. Schau, ist das Gold. Hier, diese kleinen Körner in diesem schwarzen Dreck." Er zeigte auf den kleinen Überrest, der sich nach all dem Auswaschen in der Pfanne befand.

"Ja, Junge das ist's. Echtes Gold. Hier ich hab eine kleine Flasche für dich, da kannst du es reinstecken. Den schwarzen Dreck auch, denn der enthält viel Goldstaub, das man mit der Hilfe von Quecksilber ausscheiden kann."

Jack war überglücklich. Er arbeitete den ganzen Nachmittag. Stuart und Sara und Lisa spielten Karten. Stuart lehrte sie, wie man Poker spielt. Dabei hatte er seine Mühe, denn die Mädchen waren weniger am Pokerspiel interessiert als an der Aufmerksamkeit, die Stuart ihnen schenkte. Wie er es so lange mit ihnen aushielt, weiss ich nicht. Er schien sich grossartig zu amusieren. Auch die Mädchen hatte ich seit langen nicht in so guter Laune gesehen. Letzten Endes waren es dann aber doch die Mädchen, die genug davon bekamen.

Hie und da gingen Reiter vorbei. Der Campplatz war etwa eine viertel Meile vom Pfad abgelegen. Dann sah ich vier Reiter kommen. Sie gingen nicht vorbei, sondern kamen auf unsern Platz zu.

Ah das konnte nicht sein--nein--das war doch nicht. Doch ja, zu meinem Schreck stellte ich fest, es war Billy Kane mit drei anderen.

"Es ist Billy Kane", flüsterte ich Stuart zu. Ich hoffte, er würde alle vier augenblicklich niederschiessen. Das konnte man doch von einem Mann wie Stuart erwarten, nicht? Er wollte uns ja beschützen. Doch dann dachte ich, nein, das ist doch ein Bisschen viel verlangt von einem einzigen Mann, sogar wenn ihm Jack geholfen hätte. Doch der war noch am Fluss. Sowieso, Stuart konnte doch nicht einfach auf diese Männer losschiessen, sie hatten ja niemand umgebracht, nur eine Dame belästigt.

Als Billy mich sah, schien er ebenfalls zu erschrecken. Das war sonderbar, er war doch kein Mann der leicht erschrak, und besonders nicht vor mir.

"Aah, schönes Tägchen. Treffen wir uns wieder. Die wunderhübschen Dämchen und so ganz alleine."

So ganz alleine sind wir nicht, dachte ich, hat denn dieser Idiot keine Augen im Kopf. Ich sagte nichts. Oh hätte ich ihn doch selbst erschiessen können.

"Habt wohl nichts dagegen, wenn wir uns hier mit euch niederlassen. Diese schöne Campstelle hat ja genug Platz für uns alle, nicht?"--"Hab noch nicht die Ehre gehabt, Mister?" fügte er dann mit ärgerlicher Stimme hinzu.

"Stuart, Stuart O'Connor." antwortete Stuart mit seinem natürlich guten Gemüt. Man musste diesen Halunken so wenig Information geben wie möglich. Vielleicht war das der Grund gewesen, warum Stuart nur beim Vornamen genannt werden wollte. Villeicht war Stuart McGee auch nicht sein wirklicher Name.

"Um euch so wenig als möglich zu stören, gehen wir dort auf die andere Seite dieser Bäumlein. Also bis später."

Ich hoffte nicht. Von mir aus hätte er sich die andere Seite der Welt verziehen können. Sie campierten etwa hundert Yard weg von uns, suchten Holz, zündeten ein Feuer an und fingen an zu kochen. Mir war es unbehaglich. Wir kochten unseren Reis und unsere Bohnen und assen, doch ohne Appetit. Die Stimmung war betrübt. Aber es gab keine Störung von Seiten Billy's. Alles war still. Ich dachte, dass es wegen Stuart war. Alles was ich sah, war ein ziemlich grosses Feuer dort drüben. Sie schienen viel Holz gesammelt zu haben. Sassen ums Feuer und lachten. Sie waren nicht mal besonders laut.

Ich war etwas beruhigt. Vielleicht hatte Billy etwas gelernt vom letzten Mal. Ich wusste zwar nicht was sich im Saloon später abgespielt hatte. "Stuart...", fragte ich, "...was passierte damals im Saloon als wir flüchteten. Du weisst, als du uns das erste Mal trafst."

"Ich weiss nicht, ich kam gerade angeritten, schaute mich ein Bisschen um beim Saloon--da sah ich euch. Ich wollte zum andern Saloon. Ist viel billiger. Ich erfuhr was geschehen war, schon als ich in die Stadt kam. Ich wurde gewarnt, dass es im "Whiskey Barrel" wahrscheinlich Kummer geben würde."

"Ich geh zu Bett." Ich rollte mich in meine Decke und versuchte zu schlafen. Aber ich fand keinen Schlaf.

"Mama, sollten wir nicht von hier weg?" fragte Sara besorgt.

"Liebes, wohin sollen wir? Falls Billy etwas von uns will, kann er uns sowieso nachschleichen. Er hat uns ja jetzt schon aufgespürt. Aber beruhige dich, Stuart ist ja hier."

"Zählst du mich überhaupt nicht?" sagte Jack mit betrübter Stimme.

"Jack, was hast du vor. Du weisst wie schnell diese Burschen sind. Ohne Übung im Schiessen hast du da keine Chance. Oh ich wünschte, dass ich dich hätte Stunden nehmen lassen. Aber zu meiner Entschuldigung muss ich sagen, dass es niemand im Dorf gab, der dich hätte lehren können. Nicht einmal die Kings konnten schiessen, ausgenommen aus dem Hinterhalt." sagte ich bitter.

"Ich nehm meinen Colt zu Bett", sagte Jack. "Gib mir auch einen!" fügte Lisa hinzu.

"Hört auf! Ihr schiesst euch sonst noch in den Fuss. Jack du gibst Lisa keinen Revolver! Und falls du mit einem schlafen willst, sichere ihn! Du weisst wie schnell etwas passiert mit Feuerwaffen. Hast du gehört Jack?"

"Ja, Mam, ich hab ihn schon gesichert." erwiderte Jack.

"Dann hau ich ihn von Hand um", kam es da prompt von Lisa. "Ich bin stark. Wollt ihr meine Muskeln sehen?" Dabei rollte sie den Ärmel zurück und zeigte ihren Bizeps, schmunzelnd. Es war lächerlich. Ihr kleiner, dünner Muskel hätte wohl einer Maus Ehre gemacht, aber gegen Billy Kane war das wie ein Tropfen auf einen heissen Stein. Alle lachten.

"Oh Jack, ich wünschte dass Josh dich hätte lehren können. Er war ein guter Schütze, aber nicht besonders schnell. Er war auch nicht der Killer Typ. Er war zu lieb und sanft." Bei diesen Worten ging ein warmes Gefühl durch meine Brust. Ich hatte Josh geliebt. Oh ich hatte Josh geliebt und wie ich ihn vermisste. Er war so sanft, so gütig, so geduldig. Er war sanft wie ein Lamm.

"Kannst du schiessen, Stuart?" Er trug zwar zwei Colts, aber ich hatte ihn noch nie schiessen gesehen.

"Na sicher, Madam. Ist auch ganz einfach. Man nimmt den Colt, entsichert ihn, drückt den Abzug und weg die Kugel geht. Es gibt nichts Einfachers in der Welt."

"Ich meine kannst du treffen, ziehen?" lächelte ich.

"Bin kein Held--zugegeben. So unterer Durchschnitt. Aber jetzt hau ich mich in die Decken, bin müde. Gute Nacht."

Erst als alle anderen sich auch niederlegten, fand ich innere Ruhe, und schlief dann auch bald ein.

Dann mitten in der Nacht--ein Schrei. Männer kämpften. Aber es war schon zu spät. Zwei der Halunken hatten Stuart im Schlaf gefesselt, und zwei hatten Jack gefesselt. Jetzt waren sie gerade dabei ihren Mund mit je einem Halstuch zu stopfen. Dann liessen sie die hilflosen Männer auf den Boden fallen.

"Ich sage, wir sollten sie erschiessen", sagte einer.

"Können wir später noch. Billy will nicht die ganze Nachbarschaft alarmieren.", sagte Billy.

Na, Stuart war ja eine schöne Hilfe gewesen, dachte ich. Sein lautes Schnarcheln hatte wohl verhindert, dass wir die Burschen hatten hören kommen. Was jetzt. Ich zitterte vor Angst. Billy hatte seinen Colt auf mich gerichtet.

"Na kommt schon, ihr feinen Dämchen. Wollt uns doch nicht unter unseren Deckelein allein lassen. Ist doch schön einander ein Bisschen zu wärmen. Ihr habt ja nichts zu fürchten. Ist eine Freude, solch näheren Kontakt zu pflegen. Ihr braucht auch nichts mitzunehmen. Ihr habt ja alles was ihr braucht." Dabei kicherten sie alle. Dann wurde er ungeduldig und schlug mich mit dem Colt über das Schulterblatt. "Ein Bisschen schneller, heh. Beweg dich schon!"

Wir eilten gegen ihr Camp. Sie gleich hinter uns. Sara stolperte und fiel.

"Na auf junges Mädchen, beweg deine schlanken Beinchen. Na los schon." dabei gab er ihr einen harten Klaps auf den Hintern, so dass sie aufschrie. Dann legte er einen Arm um ihre Hüfte. Sie versuchte sich loszureissen. "Na so ein feuriges Füllen. Das ist mir ja gerade recht. Komm schon, wir sind ja gleich da."

Wir standen in ihrem Camp und schlotterten vor Furcht. Sie zündeten ein neues Campfeuer an, das bald hell loderte. Sie wollten uns also auch mit den Augen geniessen.

Ich stellte meinen Kopf ab. Ich durfte mir nicht vorstellen, was kommen würde. Ich würde wahnsinnig werden. Es durfte nicht sein. Ich konnte es überleben, aber Sara und Lisa. Sie würden für ihr Leben verwundet sein. Sie würden nie mehr fähig sein einen Mann normal zu lieben. In meiner Verzweiflung sagte ich leise vor mich hin: "Josh, helf uns. Josh, helf uns." Dann sah ich ein, wie töricht das war. Nein ich sollte besser beten. Und ich betete wie noch nie. Ich war froh, dass ich auch in guten Zeiten betete. Sonst wär es mir jetzt vorgekommen als ob ich Gott nur wollte, wenn ich dringend Hilfe brauchte.

War da nichts das wir selber tun konnten. Ich wünschte fast, dass Lisa mit dem Colt geschlafen hätte. Doch was hätte das schon genützt. Wer allein konnte sich dieser Burschen erwehren. Es gab keine Hoffnung. Ich musste mich auf das Schlimmste gefasst machen.

"Na zieht euch mal aus--seid nur nicht scheu. Oder soll ich euch Beine machen." Dabei drohte Billy mit seinem scharfen Bowiemesser.

Lisa zog ihre Jacke aus fing an zu weinen. "Mam, was sollen wir tun?" fragte sie leise.

Da--ein Schuss--Billy fiel nieder--getroffen. Noch drei Schüsse. Einer nach dem andern fielen sie nieder und stöhnten. Dann noch vier Schüsse. Die Gnadenschüsse. In den Kopf. Das Blut spritzte nur so. Alle waren sie tot.

So schnell hatte ich nicht Hilfe erwartet. Was war denn los. Die Schüsse waren aus dem Dunkeln gekommen, aus den Bäumen, schien es. Aber jetzt war es totenstill. Wir standen nur da und starrten einander an. Ungläubig. War das nur ein Traum gewesen. Doch nein. War Stuart seinen Fesseln entkommen?

Ich dankte Gott und fasste mich. "Kommt!" Wir eilten zurück zu unserm Camp, stolperten über jeden Busch, so voller Angst waren wir noch. Als ob wir vor einem Gespenst wegrannten. Da lagen beide noch. Wir lösten die Fesseln.

"Was ist geschehen" fragte Stuart. "Habt ihr sie..." fragte Jack und machte ein Zeichen mit seinem Finger über die Kehle.

"Wir nicht--jemand hat sie aus dem Dunkeln erschossen. Weiss nicht wer. Hast du eine Ahnung, Stuart?"

"Keinen blassen Dunst, Julia. Du scheinst ja noch andere Beschützer zu haben. Und gut ist das. Ich hab ja schön versagt. Tud mir leid, Julia."

"Schon gut, Stuart." Wer könnte dieser gute Geist gewesen sein. War es ein guter Geist, oder nur jemand anders der hinter mir her war? Aber dann hätte er ja Stuart auch erschiessen können. Sicher hatte er über Stuart gewusst. Er musste ja schon früher näher geschlichen sein.

Könnte es Josh gewesen sein? Aber der war wahrscheinlich schon in Kanada. Zudem könnte es nicht Josch sein, sonst würde er sich doch zu erkennen geben. War es der Narbenkopf, der auch die Indianerfrau geschickt hatte? Oh wie gerne hätte ich gewusst.

Trotz diesen Zweifeln fühlte ich mich, wie wenn da jemand wäre, der für mich Ausschau hielt, der für mich sorgte. Mein ganzes Wesen fühlte sich erleichtert. Ich hätte lachen können. Es war so ein gutes Gefühl. Es war ein wunderbares Gefühl.

Wir begruben sie am nächsten Tag. Stuart wollte die wertvollen Sachen mit sich nehmen und in Denver verkaufen. So nahmen wir alle Pferde, Sättel und Revolver mit. Ein Pferd fehlte aber und wir konnten es nicht finden. Geld hatten sie nicht viel. Vielleicht hatten sie auch unser Geld gewollt, nicht nur unsere Körper.

Wir ritten weiter. Ich war voller Hoffnung und wusste nicht warum.

* * *

Wir ritten in Richtung Denver, wo Stuart uns verlassen würde. Ich würde ihn vermissen. Darum freute ich mich nicht auf Denver, und versuchte unsere Reise so lang als möglich auszuzögern. Stuart war ein guter Freund und er war männliche Gesellschaft.

Ich mochte Stuart, aber Stuart war kein Held. Nicht das, was ich mir als Mann wünschen würde. Er sah sehr gut aus, war gross und stark. Aber sicher und beschützt fühlte ich mich in seiner Nähe nicht. Ich wunderte mich, wie ich Josh jetzt einschätzen würde, nach allem was passiert war.

Wäre er mir jetzt zu sanft. Hätte ich jetzt lieber einen Mann wie den Wirt im Saloon, der aggressiver war und der für mich aufstand. Doch nein, ich liebte Josh, sein gutes Herz, seine zurückhaltende Höflichkeit. Aber gut wäre es, wenn Josh mich auch in allen Situationen beschützen könnte. Wenn er genau so hart sein könnte, wie er sanft sein konnte. Vielleicht war Josh ein Bisschen verhätschelt worden als Kind. Nicht verwöhnt, das nicht. Doch sein Vater wie seine Mutter waren starke Persönlichkeiten gewesen und hatten gut für Josh gesorgt. Zu gut.

In dieser Richtung wollte ich Josh wachsen sehen, dass er sein sanftes Herz bewahrte, aber unter einer rauhen Schale, die hart war wie Stein und an die man sich klammern konnte wie an einen Fels in der tobenden See.

Ob Josh wohl auch ein Verlangen hätte, mich wachsen zu sehen--und in welcher Richtung. Ich war immer sehr eigensinnig gewesen. Wusste genau was ich wollte, und liess mir von niemand etwas sagen. Traute auch niemandem, ausser mir selbst. Letzthin hatte ich gelernt, wie zerbrechlich ich wirklich war und wie sehr ich andere Leute brauchte. Vielleicht müsste ich lernen, anderen mehr zu vertrauen. Vielleicht wollte Josh das ich lernte, ihm mehr zu vertrauen.

Aber was nützte all dieses Nachdenken, ich wusste ja nicht einmal ob Josh noch am Leben war. Bei diesem Gedanken wurde es mir kalt ums Herz. Er musste. Er musste einfach noch am Leben sein. Ich brauchte ihn noch. Ich wollte ihn noch einmal sehen, ihm alles erzählen, was geschehen war.

Wir waren an einen reissenden Fluss gekommen. Gespiesen von den Bergen, schäumten die gewaltigen Wasser an den riesigen Steinen vorbei.

"Machen wir doch einmal halt für einen Tag. Ich sollte unsere Kleider waschen. Da im Fluss wäre es geeignet. Oh da--da--an dieser kleinen Bucht."

Stuart nickte schweigend. Jack's Gesicht hellte auf: "Oh dann können Stuart und ich jagen gehen. Immer Reis und Bohnen ist mir schon längstens verleidet. Vielleicht erwischen wir ein Präriehuhn oder eine Ente oder gar eine Antilope."