Part 2
Nach überstandenem Typhus +verjüngt+ man sich, wenn man eben nicht zufällig daran gestorben ist, +bloß darum+, weil man in der glücklichen Lage war, sechs Wochen und länger nichts +essen+ zu müssen, zu +können+! Die Auffassung von +Glück+ ist eben +verschieden+; ja, die eine ist +richtig+ und die andere +unrichtig+, die eine ist +anständig+, die andere ist +unanständig+, die eine ist eine +Weisheit+ und die andere ist eine +Stupidität+! +Verschwenden+ ist +unrichtig+, +unanständig+ und +stupid+. Ohne +tiefste Anhänglichkeit+ eine Frau +genießen+ wollen, ist +unrichtig+, +unanständig+ und +stupid+. Weshalb aber?! Weil sich alles mehr +rächt+, als es dir Genuß bereitet hat, Esel! Wenn es umgekehrt wäre, hättest +du+ recht, und ich wär der Esel! +So aber+ bist +du es+!
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Hunger ist nicht nur der beste Koch, sondern auch der +beste Arzt+!
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Bei Überreichung einer weißen Ledertasche mit eingesetzten grünen und rostroten und lila Lederfleckchen, an einem schwarzen dicken Seidenkordon, für +Paula-Ju-Ju+: Der Wert einer Sache ist eben +nicht+ ihr +Geldwert+, sondern immer nur der +Grad der inneren Kultur+ des Beschenkers: sein vornehm-exzeptioneller Geschmack! Nie dürfte mir eine Freundin, wenn ich reich wäre, +den+ Schmuck tragen, den diese reichen +Unkultivierten+ schenken! Eine große schwarze Perle ist -- -- -- groß und schwarz, aber schön ist sie +nicht+. Sie erweckt nur Neid und Eifersucht, ist also ein Geschenk Satans an eine +Teufeline+!
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Reine Hände und Füße sind gewiß notwendig und angenehm, aber noch viel, viel notwendiger und angenehmer ist ein reiner, gründlich gereinigter Darm!
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Ihr nehmt parfümierte Seifen zu zwei, drei, fünf Kronen. Aber ein Eßlöffel von +Rhamnin+ (Cortex Rhamni Frangulae) würde euch viel reiner und appetitlicher, froher und leichter machen, nämlich von +innen+ heraus!
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Ich bin fest überzeugt, daß Jago, Franz Moor, Macbeth, Mephisto, Hamlet, Wallenstein an Verstopfung litten!
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Das +Überflüssige+ und das +Notwendige+ -- -- -- +Hölle+ und +Paradies+!
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Die „Jungfrau von Orleans“ hat nie menstruiert. Die dadurch ersparten Lebensenergien verwendete sie, um +Frankreich+ zu erretten!
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Das tiefste Verbrechen der Ärzte in den Sanatorien ist, Schlafmittel nicht restlos +ausschlafen+ zu lassen, Melancholiker zur Nahrungsaufnahme mit +Gewalt zu zwingen+; reiche Mäzene sollten +Prämien+ aussetzen für +ideale, gutmütige, verständnisvolle+ Pfleger!
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Der Geist ist die notwendige unentrinnbare +Folge+ des Leibes. Wie das Licht der Lampe die Folge von Docht, Petroleum, Luft ist. +Rußen+ tut nur der Leib; der +schlimme+ Geist, das +trübe+ Licht ist eine Konsequenz des +ungepflegten+ Leibes! Der Geist brennt immer gern klar, wenn Docht, Lampe, Luft nur richtig sind! Es gibt keine „Ausnahmen“. Ausnahmen entstehen dadurch, daß man gewisse +Ursachen+ nicht +erschauen+ kann, obwohl sie vorhanden sind! Eine +Ausnahme+ ist eben einer, dessen +Ursache+ man nicht kennt!
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Es gibt nur +eine+ Wahrheit, unter +verschiedenen+ Namen. Siede alle Religionen, alle Philosophien der Welt in einem +Weisheitskessel+ aus, und es bleibt ein +allgemeingültiger gleicher+ Extrakt übrig!
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Jeder bedauert seine +weisen Erkenntnisse+. Wahrscheinlich sind sie eben weder genug weise noch genug +Erkenntnisse+!
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Banting war ein Kaufherr, Ludwig Kornaro ebenfalls, Schroth war ein Bauer, Prießnitz ebenfalls, Fletscher ist ein Millionär und Altenberg ist ein Dichter. Aber die Ärzte sind -- -- -- +Ärzte+!
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Es gibt zwei Dinge, an denen man, bei +völliger+ leiblicher Gesundheit, zugrunde gehen kann; unglückliche Liebe, Eifersucht und Geldkalamitäten. Das sind ja schon +drei+ Dinge. Es wird also jedenfalls +noch mehr+ geben.
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Anklagen erheben gegen die +verbrecherische Stupidität+ in Sanatorien ist +zwecklos+. Die Ärzte +verstehen nichts+, und die +Pfleger+ sind Leute, die ihren Beruf als Fleischer und Gefängniswärter verfehlt haben! Ich erkläre jeden Menschen, der in +gutgemeinter Absicht+ einen lieben Verwandten usw. usw. einem Sanatorium +zur Pflege+ überantwortet, für einen +wissentlichen Meuchelmörder+! Nein, für ein Rindvieh erster Klasse! Ihr Leitmotiv ist: „Sollen die Ärzte ihr Leid an ihm erleben! Ich kann keine Rätsel auflösen, er sagt, er könne ohne die Anna absolut nicht leben! Kann man ohne eine Anna nicht leben, wenn ein geliebter?! Vater dagegen ist?! Marsch, ins Sanatorium! Dort wird man dir ‚die +Anna+‘ schon austreiben!“
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Nichts ist leichter, als erkannte Wahrheiten predigen. Aber sie +nicht zu predigen+ ist eine feige Gemeinheit!
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Wüste, Steppe, Sümpfe in gesundes +Ackerland+ verwandeln! Aber einige Hypokriten weinen um die +verlorengehende+ Romantik dieser Gegenden!
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„Sie wollen nicht essen, mein Herr, weil Sie +verzweifelt+ sind, +melancholisch+ sind, der Nahrung nicht bedürfen?! Na, wo ist denn der Gummischlauch, durch die Nase in den Magen?! Da wird Ihnen die Verzweiflung schon vergehen, bei einer +anderen+!“
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Es gibt Pfleger, die „+Bauchredner+“ sind, und daher +jedem+ Unglückseligen das „+fremde Stimmen hören+“ beibringen können! Ob sie von den „Beteiligten“ dafür +bezahlt+ sind, +weiß man nicht+!
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Gebt ihnen nicht das +Wissen+! Gebt ihnen den +Glauben+ an das Wissen! Siehe, das kann man aber eben nur den +Gläubigen+! Denn in ihren +Herzen+ ist bereits das Wissen, wenn es auch noch nicht ins Gehirn +hinaufgedrungen+ ist. Sie +wissen+, mit ihrem +gläubigen Herzen+! Aber die, so weder mit dem +Herzen+ noch mit dem +Gehirne+ wissend werden können -- -- -- sie sollen +unerlöst+ bleiben ewiglich und verdammt -- -- -- zu innerer Unrast, Unfreiheit und +Bösartigkeit+!
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„Mein Herr, es ist leichter zu predigen, als es besser zu machen!“ „Ja, aber es schlechter machen und das Bessere nicht einmal zu predigen, das ist eine Infamie!“
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Arzt sein heißt, die +Natur+ in ihren genial weisen Plänen unterstützen und es +verhindern+, daß man ihre geheimnisvolle Rekonstruktionsarbeit +störe+! Unterstützungen der Natur sind: Restloser Schlaf bei +weitgeöffneten+ Fenstern mit Ohropax (Watte-Wachs-Kugeln) in den Ohren. Rhamnin (Cortex Rhamni Frangulae) ein Eßlöffel vor dem Frühstück. Bestäuben der ganzen Haut mit Eau de Cologne oder Menthol-Franzbranntwein vermittels einer +großen+ Parfümspritze, Vermeidung +jeglichen+ Ärgers (Krebs der Seele, es frißt weg!). Leichtest verdauliche Nahrung: Weichgekochter Karolinenreis, Gervais mit Salz, +junger+ Camembert mit Salz, harte +Eidotter+ mit Salz, Joghurt, saures Oberes, Pularde, Chapon de Styrie, Sterlett, Branzino, Spinat.
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+Nicht+ trinken dürfen, wenn man +durstig+ ist, gehört zu den scheußlichsten ärztlichen Verordnungen. Freilich kannst du den Durst mit fünf Eßlöffel voll Wasser oft +löschen+!
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Suppe +verdünnt+ den Magensaft. Mehr braucht man darüber nicht zu sagen!
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Die meisten +Bedürfnisse+ sind nur +Ungezogenheiten+!
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+Kopiös+ frühstücken heißt, die im Schlafe +gewonnenen+ Lebensenergien sofort für die Verarbeitung völlig überflüssiger Nahrung +verschwenden+! Das Frühstück hat ein Kultivierter nur zu +markieren+!
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Schlafmittel müssen +restlos+ ausgeschlafen werden! Sonst wenden sie sich +gegen+ den Organismus. Bei Schlafmitteln zu einer +bestimmten+ Zeit geweckt werden ist ein +heimtückischer+ Nervenmord! Siehe: Sanatorien mit +gemeinsamen+ Schlafräumen!
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Schöne Frauen, seid +nackt+ unter euren Kleidern! +Dieses+ Reizmittel ist von der Hygiene +geheiligt+! Keine Strümpfe, seidene Socken! Keine Höschen! Der +nicht+ abgehärtete Mensch ist noch kein Mensch!
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„Hast du mich denn aber wirklich auch ein bißchen lieb, Anna?!“
„Liebster, wie könnte ich denn sonst die vielen schönen teuren Geschenke von dir annehmen?!“
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Eine +kultivierte+ Frau sein heißt ganz einfach, die Milliarde unserer Lebensenergien +noch+ um eine Milliarde +vermehren+!
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Dies, siehe, ist vom +Teufel+: Rohe Eidotter sind +gesund+, aber +fad+!
Wie kann etwas +fad+ sein, das +gesund+ ist?!
Gesundheit ist das größte +Amüsement+!
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Wenn ihr +wüßtet+, wie spielend leicht der +heilige Magensaft püreeförmige+ Speisen durchdringt und verarbeitet, verdaut, und wie mühselig +feste Stückchen+ -- -- -- wenn ihr es +wüßtet+! Aber ihr wißt +nichts+, zu eurem +Verderben+!
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„Ich hab noch an guten Magen!“
+Noch!+
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Die +Geschmacksnerven+ müssen durch die +Intelligenz+ ersetzt werden! Die meisten essen nach ihrem Geschmack!
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Wir sollten nicht so sehr +lang leben+ als +kurz sterben+ wollen!
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Unsere „+Apparate+“ haben eine himmlische Nachsicht. Sie verzeihen uns jahrelang alle unsere Infamien, Unanständigkeiten, Stupiditäten, die wir begehen. Aber endlich remonstrieren sie -- -- -- mit +Krankheit+! Da sollten wir doch endlich weise aufmerksam werden! +Nein+, wir rennen zum +Arzt+!
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+Später+ ist +zu spät+!
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Stoff +wechseln+! Aber nicht nur +außen+, Batisthemd und seidene Socken, sondern +innen, innen+! Die innere Wäsche wird gewaschen durch „+Verbrennen+ mit Sauerstoff und +Purgieren+“! Ihr aber: außen +hui+, innen +pfui+!
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Ich sehe eine Säuferleber und saufe +dennoch+! Ich sehe eine dicke Frau und heirate +dennoch+!
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Vom +Geist+, von der Seele aus wollt ihr +repariert+ werden?!? Nein, die +Maschinerie+ muß repariert werden! Man +denkt+ anders, man +empfindet+ anders nach Bohnen+püree+ wie nach Bohnen +mit+ der Schale!
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Man sollte jede ungezogene, lieblose, hartherzige Frau fragen, was sie denn am Abend vorher +supiert+ habe?! Sagt sie: „Bries mit Spinat,“ dann bist du +verloren+! +Gib jede Hoffnung auf!+ Aber sagt sie: „G’selchtes mit Knödel“, dann rate ihr zu: „Bries mit Spinat!“ +Ein letzter Versuch!+
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Ich kann mir +leider+ auf nichts mehr einbilden, seitdem diese dummen alten Griechen das Wort geprägt haben: „+Mens+ sana in +corpore+ sano!“ Und außerdem waren es sogar +Lateiner+!
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Iß schön deine Suppe! ist genial-richtig gesagt. Denn die Suppe muß die Konsistenz einer dickflüssigen +Speise+ haben, sonst +verdünnt+ sie dir nur deinen wertvollen Magensaft, den du doch, wie du +nicht+ weißt, zu Wichtigerem brauchst!
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Auch „Arteriosklerose“ kann man für zwanzig Jahre besiegen, wenn man +rechtzeitig+ weiß, daß man sie +hat+! Nur „+nicht wissen wollen+“, ist eine irreparable +Sünde+!
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Sich +wiederholen+?! Ja, man wiederhole: 2 und 3 macht 5!
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Napoleon I. soll von einer wunderschönen Frau, die ihn fast mystisch verehrte, gesagt haben: „Qu’elle se +déshabille+!“ Es gibt aber entgegengesetzte Naturen, die in einem solchen Falle mit +ebensolcher Berechtigung+ sagen könnten: „Qu’elle ne se déshabille +pas+!“
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„Wann soll man also eigentlich essen, Herr von Altenberg, nach +Ihrer+ Ansicht?!“ Erstens lassen Sie das „von“ aus, zweitens ist es nicht +meine+ Ansicht, sondern die der +Natur selbst+, und drittens: +Bis+ dir der Gedanke an eine alte Brotrinde das Wasser im Munde sozusagen zusammenlaufen macht!
„Herr von Altenberg, ist es in ‚+sexuellen Dingen+‘ vielleicht +ebenso+?!?“ „+Ja, ganz ebenso!+“
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Der Sokrates hat den „Giftbecher leeren“ müssen wegen seiner Ansichten über das Leben, mich laden sie wegen meiner Ansichten zu „Champagner“ ein. Jedenfalls eine angenehmere, wenn auch langwierigere Todesart!
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Eine +schreckliche+ und +gefährliche+ Erkrankung für junge Mädchen ist: Ewige +Dezentralisation+ durch „Amüsements“. Da kann sich nämlich nichts im Innern +langsam organisieren+, wenn man es immer durch Äußeres +stört+ oder +unterbricht+! Mütter sind daher +schamlose+ Verbrecherinnen, die darüber +erfreut+ sind, daß ihr Töchterchen immer +erfreut+ ist! „Sie ist kopfhängerisch“ würde natürlich bedeuten: „Sie ist +wertvoll+!“ „Sie ist lustig“ bedeutet natürlich: „Sie ist +flach+ und +wertlos+!“
Wollt ihr nicht endlich, +Betrüger+ und +Selbstbetrüger+, diese +verlogenen+ Ausdrücke: „Liebe“, „Freundschaft“ durch die heiligen Worte ersetzen: „+Weise Erkenntnis+“?! Niemandem nämlich kannst du +nützen+ wie durch +weise Erkenntnis+ seiner Bedürfnisse! Mutterliebe, die das geliebte Töchterchen aus dem heiligen wertvollen, +ja unentbehrlichen+ Morgenschlaf in das Leben hineinzerrt, ist +Mutterhaß+! Mütter maßen sich Erziehungsintelligenz an, weil sie +konzipiert+ und +geboren+ haben, zwei Vorgänge, die mit dem +„Geist“ nichts+ gemeinsam haben!
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Vom „Geist“ aus müßt ihr +göttlich+ werden können, das heißt gerecht, gütig und wahrhaftig, ihr +Lügetiere+! Es gibt keinen Ehrentitel: +Mama+, man muß sich ihn erst redlich verdienen!
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Melancholiker (und welcher Kranke wäre keiner?!) in Sanatorien, wo man sowieso in +gedrücktester, verzweifelter+ Stimmung sich befindet, zu +normaler+ Nahrung und +Einhaltung+ von Speisestunden zu zwingen, zumal mit Androhung +künstlicher+ Ernährung durch den +Nasenschlauch+, ist eine +verbrecherische Stupidität+, die +überall+ im +sogenannten+ aufgeklärten Europa, inmitten der +Kontrolle+?! der +bürgerlichen Gesellschaft+ ausgeübt wird, die sich über +sibirische Gefängnisse+ jedoch angenehm skandalisiert! Pfui Teufel! Ihr jesuitischen Feiglinge!
Melancholisch Bedrückte, Stoffwechsel-Verlangsamte, Brütende, Trauernde kommen mit einem +Minimum+ von einem Minimum von Nahrung aus (drei Gläser Joghurt, drei rohe Eidotter mit Salz in Suppe gesprudelt, Milchkaffee, Biskuit). Das Wort „essen“ ist in +Mostschädel, Idiotengehirne+ eingenistet, aber das Wort „+verdauen+“ begreifen sie nicht! Denn sie verdauen tatsächlich alles, was sie fressen, diese +Gesundheitsviecher+! Und gerade diese Untiere sollen die +Abnormalen+, die Kranken, verstehen?!? Die +Kranken+ sollten die +Gesunden+ internieren, damit diese an ihnen keine +Gemeinheiten+ begehen können! Ich sah einen vormittags Bratwürstchen mit Rotkraut verzehren, infolgedessen gab ich den Verkehr sogleich mit ihm auf. Da kann nichts Gutes herauskommen, bei dieser +verbrecherischen Lebensführung+!
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Wenn ich die Leute in den +Sanatorien+ so Revue passieren lasse -- -- -- lauter nette, feine, gescheite, ruhige, anständige Menschen! Was macht es, daß sich einer für einen Kaiser hält und eine für eine Fürstin?! Alle sind ganz normal, bis auf eine kleine, unscheinbare, fixe Idee. Aber draußen, draußen im Leben, da ist ein jeder +voll+ von fixen Ideen! Der eine hat Ehrgeiz, wozu, weshalb?! Der andere will von einer +geliebt+ werden, die ihn +nicht ausstehen kann+. Einer stirbt vor Eifersucht wegen einer, die es nicht einmal verdiente, daß man sich ihren Namen, viel weniger ihre Adresse merke. Einer hofft, ewig begehrenswert zu bleiben; eine, ewig taufrisch! Einer glaubt +etwas+ zu sein, weil eine, die +nichts+ ist und +noch weniger+, auf ihn „fliegt“! Einer läßt sich ein hellblaues Samtgilet machen mit grünen Glasknöpfen. Einer zahlt einer ein Kalbsfilet mit Spargelspitzen und ist überzeugt, bei ihr eine Eroberung gemacht zu haben. Ein anderer zahlt +noch mehr+ und ist +noch überzeugter+! Die begehrten Frauen fühlen sich wie in einem Irrenhaus. Nur die begehrenden Männer nicht. Die sind zu borniert dazu. Die nehmen alles ernst. Eine junge Dame sagte zu mir: „Daß +wir+ die Männer brauchen, +das+ begreife ich! Als idiotische Wurzen! Aber wozu sie +uns+ brauchen, +das+ kann ich nicht begreifen!“
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Lukullus-Diner: Soupe Crême d’orge; Asperges de Eibenschitz et Pudmeritz; Bries gratiné sauce Parmesan; Zanderfilets, sauce pomo d’oro salée; Crême de framboises; poires bonne femme; Gervais, Camembert, Roquefort, Chester; Café au lait; Kurfürstlicher Magenbitter „Danziger Lachs“; das Recht, seiner schönen Nachbarin, vom servierten Kaffee an, +ganz sachte und zart+ die Hand auf ihr Knie legen zu dürfen!
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Eine angezogene Frau hasse ich wegen ihrer +Kompliziertheit+, und eine ausgezogene wegen ihrer +Primitivität+! Wenn man einmal eine +angezogene+ Frau fände, die man sich +nicht+ ausgezogen wünschte, und eine +ausgezogene+, die man sich +nicht+ angezogen wünschte! -- -- -- +Das+ wäre das +Glück+!
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„Herr Peter, was spricht man denn stundenlang mit dieser Person, ein so intelligenter Mensch, was Sie sind?!?“
„Dasselbe, was man mit der Antilope spricht, der Gazelle und dem Kolibri! Man +bewundert+ sie!“
„+Langweilen+ Sie sich nie mit ihr?!“
„Nein, sie mit +mir+!“
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Wenn ich sogar mit Beethoven beisammen sitze, so schaue ich doch unwillkürlich, ob er kurzgeschnittene ganz reine Fingernägel habe! +Später+ erst sage ich mir beschwichtigend, er habe die IX. Symphonie gedichtet.
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Eine Frau +muß absolut+ einen nach süßen Mandeln duftenden Atem haben! +Diese Tragödie+ müßte man einmal schreiben, wo eine Frau sämtliche herrlich tiefen Eigenschaften einer wertvollsten Frau habe, und +nur+ einen +unidealen+, wenn auch noch nicht ganz schlechten, Atem! Aber +dazu+ sind unsere Dichter +zu wenig+ -- -- -- +Dichter+! Die halten noch bei den +Komplikationen+ der +Seele+, ha ha ha ha!
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Treue ist ein Wort, das die Männer wegen +bequemer Selbsttäuschung+ und die Frauen wegen +Geld+ erfunden haben!
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+Nur+ die sehnen sich nach dem Unbewußten zurück, denen das +Bewußtsein+ nur die Erkenntnis gebracht hat, daß sie Esel +waren+ und +geblieben+ sind!
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Beweis für „+begehrenswert+“ sein, ist +nur+, wenn man mit einer bestimmten Dame +lieber+ als allein in die „Meistersinger“ ginge, +lieber+ mit ihr als allein eine Dolomitentur machte, +lieber+ mit ihr als allein sein Geld ausgeben möchte! Die +anderen+ Anzeichen von „begehrenswert“ sind +ungültig+!
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Deine +allererste+ Enttäuschung an einer geliebten Frau sei auch immer +sogleich+ deine +allerletzte+! Glaube ja nicht an +Zufälligkeiten+! Sie ist stets ein +wohlgeordnetes+ logisches Mistvieh!
ERLEBNIS
Der Dichter an das wunderschöne Mädchen +Eva Fâren+ im „+Grand Gala+“, Weihburggasse:
„Sie sagten den ganzen Abend zu mir: ‚Herr Professor‘. Ja, ich bin einer. Ich lehre die Menschen nämlich seit siebzehn Jahren in meinen Büchern immer dasselbe: +Seele+ zu bekommen! Aber die meisten bekommen nie eine. Es gibt so viele unaufmerksame und untalentierte Schüler in meiner ‚Klasse der Menschheit‘. So wie in jedem Gymnasium. Nur wenige machen einem Freude, einige plappern mechanisch nach. Aber deshalb muß man dennoch es ununterbrochen versuchen, ihnen eine Seele, wenn auch sehr allmählich, beizubringen, selbst sogar, wenn sie eine solche unbequeme gar nicht besitzen +wollen+, und sogar es glauben, daß es sie in ihrer sonstigen +ernsten+ Beschäftigung empfindlich störe! Ihnen freilich, allerzarteste Persönlichkeit, allerlieblichste Schönheit, braucht man nichts mehr beizubringen! Sie haben die Seele vom Schicksal mitbekommen, diesen +Leitstern+ in den +Wirrsalen+ eines schönen Frauenlebens! Alles, alles an Ihnen ist eigentlich nichts anderes wie „+verkörperte Seele+“; Seele, die +ein Obdach gefunden hat+ in einer zarten Hülle! Alles an Ihnen ist zart, fein, +nobel+, unirdisch; jede Ihrer Handbewegungen, Ihrer gebrechlichen Finger, jeder Blick Ihrer Augen, der Timbre Ihrer ausländischen Stimme und die kindlich-edle Art Ihres Tanzens! Sie können, Sie wollen niemanden kränken; und wenn Sie es tun, tut es Ihnen sogleich unbedingt wieder schrecklich leid. Sollten Sie mir jedoch erwidern, daß ich mich leider irre, und daß Sie die Männer nur aussackeln und ausnützen wollen, so werde ich, ohne zu zögern, es Ihnen ins Gesicht sagen: ‚Ja, aber +nur+ die, die +kein anderes Schicksal+ verdienen!‘“
NESTER
Jeder Vogel hat +sein+ Nest, ihm +eigentümlich+ und von allen anderen +unterschieden+. Man erkennt es im Wald +von weitem+, sagt, hier wohnt eine Meise, hier ein Stieglitz, hier ein Nußhäher, hier ein Rotkehlchen, hier ein Dorndreher, hier eine Amsel! Aber bei den Menschen sagt man: „Das hat ihm Herr A. L. eingerichtet!“ Oder Herr H. oder Herr B.! Habt ihr denn keine +Nestinstinkte+ mehr, Menschen, also keine +Nestgenialitäten+ mehr?! Habt ihr keine Lieblingstapete, kein Lieblingsholz, keine Lieblingsfarbe?! Dann, dann +schämt euch+ vor den Vögeln des Waldes, die zu ihrem heiligen, praktischen und idealen Nestbau keines modernen Architekten bedürfen!
ENTDECKEN
„Heute besuchte mich um fünf Uhr abends im Café die ‚vollkommenste Frau‘ dieser Erde! Fräulein G. L.“
„O, die habe ich schon zwei Jahre vor dir auf dem Lido, Hotel Exzelsior, entdeckt. Bilde dir also darauf nur nichts ein!“
„Entdeckt, entdeckt?! Wie hast du das bewerkstelligt?! Worin hat sich dein Entdecken geäußert?!?“
„Geäußert?! Es hat sich ganz einfach darin geäußert, daß ich sie gesehen habe, in ihrem seidenen Badetrikot mit dem roten Lackgürtel, und entzückt war über ihre Vollkommenheit!“
„Das also heißt du: entdecken!? Du hast es bei dir behalten, hast deine Begeisterung hinuntergeschluckt, die andern absichtlich nichts davon merken lassen, vor allem jene Frau nicht, mit der dich zu verhalten dein elender feiger Selbsterhaltungstrieb dich zwingt! Du hast nichts für diese entdeckte Vollkommenheit getan, hast schief weggeschaut von dieser Pracht, die dir deine armseligen Kreise nur stören könnte! Weißt du, was das heißt: entdecken?!? Entdecken heißt ein Tamtam schlagen für eine, daß alle unbedingt aufhorchen müssen; es heißt: sich für sie einsetzen, so daß alle andern bleich werden, krank und giftig-bösartig; schreien, weinen und dichten, alle andern verleugnen, demütigen, auslöschen und vernichten! Das heißt: Eine Besondere, Einzigartige, Vollkommene entdecken!“
„Peter, du bist der Ausrufer in der Praterbude des Lebens! Dazu gibt sich nicht ein jeder her. Es ist ein Beruf wie ein anderer. Aber die Nerven muß man dazu haben. Du hast sie!“
„Es heißt, die Blinden sehend machen, die Tauben aufhorchend, die Stumpfen fühlend, die Geizigen verschwenderisch! Es heißt, es unbedingt riskieren, daß diese entdeckte Göttin sich +denen+ zuwende, die ohne dich sie nie, nie „+erkannt+“ hätten. Es heißt, dich von ihr allzubald mißhandelt und beiseite gestellt zu sehen, diese einzige Dankbarkeit, die die Entdeckte dir zu spenden hat! Entdecker+schicksal+ haben, schmähliches, das heißt: +entdecken+!“
ST. D.
Er wußte, daß ihr brauner Leib (er liebte jedes Härchen ihrer dunklen Achselhöhlen, die er ein einziges Mal bei ausgestrecktem Arm und weiten Seidenärmeln erblickt hatte), er wußte, daß ihr brauner Leib in Zärtlichkeiten triefte bei dem andern. Dies nahm er als unabwendbares Geschick, wie Verarmung, Krankheit, Sterben. Ja, es erzeugte sogar der süßen Selbstlosigkeit bittere Wollust. Er war gewappnet, stand, ein düsterer Ritter, an den schweren Toren ihrer leichten Seele. Doch als sie dem dritten aus seinem Wermutglase den Zwiebackbrocken mit den Fingern fischte, und jener den so geheiligten Wein ihr zutrank, da wurde er entwaffnet, zog sich zurück von seinem gefahrvollen Posten am schweren Tore ihrer leichten Seele, ging langsam die weiße Landstraße hinab, und seine Schritte zogen müd dahin.
VERGNÜGUNGSLOKAL
Im „Tabarin“ gaben die Herren an Blumen aus für das Fräulein Paula:
Lila gefüllte Nelken: 20 Kronen. Ceriserote Rosenknospen: 30 Kronen. +Mimosa pudica+, Büsche: 10 Kronen. Weiß-grüne Schneeballen, Büsche: 10 Kronen.
„Der Diener soll mir’s ins Auto nachtragen, gib ihm 3 Kronen! Aber vorn, daß die Leut es sehn!“
Am nächsten Morgen sagte das aschblonde wunderbare siebzehnjährige Küchenmädchen zu mir: „Schneeglöckerln gibt’s schon, Jessas, wie bei uns in ‚Steinhaus‘, beim Waldsumpf, aber teuer sein’s noch, 30 Heller das Büscherl!“
MOULIN ROUGE, „VENEDIG IN WIEN“
Lieber Baron!
Ich verdanke Ihnen eine reizende friedvolle „Drahnacht“ mit zwei ausgezeichneten vornehmen, überaus menschlich feinen Amerikanerinnen, Tänzerinnen. Sie haben mir in selbstlosester Art die ganze „Regie des Abends“ überlassen, und ich hoffe, daß es Sie nicht mehr gekostet hat, als das Vergnügen Ihnen wert war. Besonders die Fahrt des Morgens in den Donauauen war märchenhaft! Die Damen waren unbedingt zufrieden in unserer Gesellschaft, und nirgends befand sich ein „trüber Beigeschmack“, der doch überall leicht durch ein „+Nichts von einem Nichts+“ sonst entstehen könnte!? Es gibt so viele Taktlosigkeiten, unbewußte, zwischen fremden Charakteren! +Niemand ahnt es eigentlich, wie häufig er verletzt!+