Part 11
Peter, Sie sind ein guter Dichter. Aber Sie wären ein +ebenso guter+ Cafetier, Hotelier oder Geschäftsmann geworden! Sie sehen nämlich bei +jeder+ Sache, die Sie sehen, +alle ihre Seiten+, und nicht nur wie wir, immer nur gerade +die+ Seite, die uns zu sehen paßt! Insofern wären Sie ein schlechter Ehemann, ein schlechter Liebhaber. Denn die +müssen+ die Beschränktheit haben, auch die ihnen nicht konvenierenden Dinge +nicht zu sehen+!
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+An Mitzi Th.+
Es ist leichter, +ganz+ auf Sie zu verzichten als, wenn Sie sich bücken, +nicht+ die Hand segnend auf Ihr braunes Haar zu legen!
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+Alles+ kann man in der Welt, nur das eine nicht: einem Mädel, dem man einmal zwanzig Kronen geschenkt hat, ein nächstesmal zehn Kronen geben. +Das+ kann man +nicht+!
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+Weltenliebe+:
Könnten Sie auch ein Liebesverhältnis haben mit einem edlen Mineral oder mit Spinat?! Mit +allen+ Dingen dieser Erde, +nur nicht+ mit einer häßlichen Frau!
DER KRIEG
Wir haben seit der Kriegserklärung ein nordböhmisches wunderbar schönes, schlankes, weizengelbes, stumpfnasiges Stubenmädchen in unserem Hotel. Das heißt, sie ist kein eigentliches gelerntes Stubenmädchen, sondern die seit vier Jahren verheiratete Frau (sie heiratete mit vierzehn Jahren) des Kaffeehauskellners, der einrücken mußte. Man nahm sie aus Mitleid auf, daß sie da und dort aushelfe. Dieser schenkte ich eine Jubiläumskrone, die ich seit vielen Jahren als Talisman aufbewahrt hatte, und dann noch einige Kronen ohne Talisman, damit sie ihr Essen und Trinken aufbessern könne. Eines Tages sagte ich zu ihr: „Mathilda, sie bessern mit meinen Kronen nicht Ihr Essen und Trinken auf, sondern schicken es Ihrem Mann ins Feld!“
Sie errötete und sagte: „Ist denn das nicht für mich mein Essen und mein Trinken?“
Am nächsten Tage nach dem Erscheinen dieser Skizze sagte die junge Frau zu mir:
„Ich bin gekränkt und beleidigt, daß Sie mich so in die Zeitung hineingegeben haben!“
„Beleidigt, gekränkt?! Es ist ja Ihre höchste Ehrung!“
„Sie Dichter, Sie! Ich hab es ja aber gar nicht meinem Mann geschickt, sondern selber aufgegessen! Und noch dazu nicht einmal das, ich hab mir eine Bluse dafür gekauft! Wie steh ich jetzt da?!“
DANKGEBET
Risetta, ich danke dir! Ich nehme also keine, die weniger schöne Hände hat als du! Sophie, ich danke dir! Ich nehme also keine, die weniger sanftmütig ist als du! Paula, ich danke dir, ich nehme also keine, die weniger intelligent ist als du! Esthère, ich danke dir, ich nehme also keine, die weniger anmutig ist als du! Ich nehme also +keine+! Ich danke euch!
SPLITTER
„Wie gern möchte ich diesen delikaten Knödel da essen, wenn ich mich durch mein heiliges Buch ‚Prodromos‘ nicht verschworen hätte gegen jegliche Teigware!“
„Peter, was täten Sie aber, wenn Sie heute ganz allein am Tische wären?!“
„Nun, schaut +Gott+ nicht herab auf mir?!“
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Wenn man nicht auf alle Kapricen einer Dame eingeht, +geht man ein+!
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Das berechtigte Mißtrauen der Frauen gegen die Verehrung von Männern können auch die nicht bannen, die sie +wirklich+ verehren. Es gibt immer leider noch Männer, die die Töne der Seele so genau +kopieren+ wie erstklassige +Tierstimmenimitatoren+ die edlen Tiere!
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Eine Dame der +Gesellschaft+ sagte zu mir: „O, Strindbergs ‚Vater‘, ein tiefbedeutsames Werk. Aber +kraß+! Weshalb +kraß+?! Das Leben ist schon +kraß+. Jetzt auch noch kraß die Kunst?!“
„Die Kunst ist ein Spiegel des Lebens!“
„Ja, aber ein verklärter!“
„Sie soll die Torheiten zeigen und dadurch bessern!“
„Bessern?! Was ist an uns zu bessern?!“
„Da haben Sie vielleicht recht!“
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Die +geschickteste+ Art, einen Konkurrenten zu +besiegen+, ist, ihn in dem zu +bewundern+, worin er +besser+ ist!
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„Unser Papagei war so intelligent! Wenn er hungrig war, hat er gleich geschrien: Hunger, Hunger!“
„Das war ihm ja doch eingelernt!“
„No, und +uns+?!“
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Bismarck zu seinem Arzte: „Habe heute die ganze Nacht kein Auge zugemacht!“
„Weshalb, Durchlaucht?!“
„Ich habe die ganze Nacht hindurch +gehaßt+!“
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Es ist das Schrecklichste, mit einer +dummen+ Frau Konversation zu führen. Nicht weil sie +dumm+ ist! Sondern weil man ihr ununterbrochen beweisen muß, daß man sie für gescheit hält!
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Sagt mir doch, ihr netten Weiberchen, weshalb sucht ihr euch denn immer nur die ärgsten Schafsköpfe aus, um eure Macht an ihnen zu beweisen?!?
„Peter, Schafskopf, die anderen gehen uns doch nicht auf den Leim!“
Würde es euch nicht glücklicher machen, einen wertvollen Menschen einmal einzufangen?!?
„Gewiß, Peter. Aber Die lassen sich ja nicht!“
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„Peter, wieviel Pelzwesten glaubst du approximativ, habe ich heute allein verkauft?!“
„Tausend!“
„Dreißigtausend!“
„Was habt ihr daran verdient?!“
„+Nichts!+ An solchen Sachen will, +darf+ man nichts verdienen!“
„Nun, und wieviel habt ihr +doch+ daran verdient?!“
„Peter, etwas +muß+ man doch verdienen, man hat ja doch auch Risiko und Spesen!“
„Risiko und Spesen haben +nur+ die Verwundeten, die in euren gelieferten Westen +stöhnen werden+!“
„Peter, +Träumer+, +Weltenferner+, wie stellst du dir es also vor?!“
„Ich stelle es mir vor, daß man an +diesen+ Heldenleidenswesten +nichts+ verdienen soll, nichts verdienen +darf+! Ich habe +auch+ mein Gedicht ‚Weltenbummler 1914‘ ohne Honorar gespendet!“
„Was hast du für Spesen gehabt?!?“
„+Geist+ und +Seele+!“
„Peter, +wir+ haben +größere+ Auslagen!“
*
Peter-Scampi:
Scampi, in +Salzwasser gekocht+, und in einer +dünnen+ Paradiessoße mit +Pfeffer+ und +Majoran+ und Lorbeerblättern in einer kleinen braunen Porzellanterrine serviert! Dasselbe mit Thunfischbrocken! Dasselbe mit +Solefilets+!
DIE SCHUHPASTA
Heute habe ich mir die ideale „Schuhpasta“ gekauft für meine idealen braunen weiten Halbschuhe. Sie heißt „Salamander“, also die, die sogar dem Feuer Widerstand leistet, riecht ein wenig nach Terpentin, soll nur mäßig eingerieben werden. Man glaubt immer, der +Kultivierte+ sei naturgemäß ein +Wißbegieriger+! Dem ist aber nicht so! Sondern gerade umgekehrt. Ich bin 55 Jahre alt und habe noch keine Idee, woraus Schuhpasta auch nur annähernd bestehe. Ich benütze sie, ich erkundige mich nach ihrer +Wirkung+ auf meine Schuhe, aber was sie ist, +ist+, ihrem innersten geheimnisvollen Wesen nach, das, seien Sie mir nicht gram, +interessiert+ mich nicht!
Wie wenn jemand sagte: „Ich kann meine Frau gut brauchen, aber +wie+ sie ist, +wer+ sie ist, +was+ sie ist, seien Sie mir darob nicht gram, ich weiß es nicht!“ Der Kultivierte ist eben +nicht+ wißbegierig. Wenn er +damit+ anfinge, wo käme er +hin+?! Er zersplitterte sich in tausend wertlose Details, verlöre die volle Fähigkeit, sogar sein Zahnbürstchen zu +gebrauchen+, ehe er nicht genau wüßte, wie es +verfertigt+ worden ist!?
Der angeblich Kultivierte, meine Herrschaften, ist +beschränkt+! Er beschränkt sich -- -- -- auf die angeblich +wichtigen+ Dinge im Leben!
PHILOSOPHIE
Die meisten Menschen sind bequem und feig, +also+ Philosophen. Sie sagen: „Dieser Krieg hat kommen müssen!“ Oder: „Er hätte +nicht+ kommen müssen!“ Aber +was+ zu tun ist, nachdem er doch einmal +da+ ist, +das+ beschäftigt sie nicht. Ob ich eine Frau hätte heiraten sollen oder nicht?! Aber +was+ zu tun ist, +nachdem+ ich sie doch einmal +habe+?! Man hätte, man hätte! Aber siehe, man +hat+ bereits! Die tiefste, die wichtigste Lebenskunst +ist+, den gegebenen Verhältnissen +gerecht+ zu werden, nicht Träumereien und Utopien in +Vergangenheit+ und +Zukunft+! „Geben Sie ihr eine Abfindungssumme von 600 Kronen monatlich!“ „Da behalte ich das Luder gleich lieber bei mir!“ No also, siehst du?! Gerettet!
AUS MAXIM GORKIS BIOGRAPHIE
(SEHR WICHTIG!)
Nach einem im 20. Lebensjahre infolge von Selbstquälerei (wer +bin+ ich also +denn wirklich+?!) unternommenen Selbstmordversuch schrieb er: „Nachdem ich also die +nötige Zeit krank gewesen war+ (Entwicklungserhöhungen durch Leiden!), fing ich einen Handel mit Äpfeln an.“
Und dann weiter: „Obzwar es mir nun recht gut ging, überfiel mich die Wanderlust, da ich mich, unter den +intelligenten Menschen+ nicht ‚+am Platze fühlte+‘.“ Nein, er fühlte sich nicht +am Platze+, denn er war ein +Genie+, und die „+intelligenten Menschen+“ sind doch eigentlich nur Trotteln!
Ganz später schrieb er in einem Briefe an irgend jemand: „Vergessen Sie nicht der Gerechtigkeit halber zu erwähnen, daß mein +erster+ geistiger Lehrer der Schiffskoch Smurij war, mein +zweiter+ Herr Rechtsanwalt Lanin, mein dritter Kaljuschny, wie soll ich ihn betiteln, ein ‚+Außenstehender+‘, und erst als vierter der +wirkliche+ Dichter Korolenko!“
DER SCHIGAN
Jeder Mensch hat irgend einen anderen schrecklichen, ihm eigentümlichen +Schigán+ (fixe Idee). Auf diesen Rücksicht zu nehmen heißt man Freundschaft! +Ich+ halte es für eine tiefere Freundschaft, dieses +krankhafte wuchernde Gewebe der Seele+ zu zerstören! Aber das nennen sie dann „herzlos“. „Weshalb sagen Sie mir, daß die von mir wenn auch unglücklich verehrte Frau häßliche plumpe Hände habe?!“
„Um Sie zu heilen!“
„Aber +das+ ist ja +noch schrecklicher+, eine Person mit so häßlichen plumpen Pratzen +dennoch+ so gern haben zu müssen!?!“
GESELLIGKEIT
Wenn Leute „gesellig“ zusammenkommen, so +muß+ irgend etwas +vorgehen+. Und zwar vor allem irgend etwas, was +alle+ interessiert und niemanden direkt +angeht+! Also der +Mord des Herzens+! Oder man muß wichtigen Dingen ein Mäntelchen von +Scherz+ und +Ironie+ umhängen! Damit +alle+ es vertragen. +Wirkliche+ Leiden schont man zwar, Tod eines Nächsten, Verarmung, Krebserkrankung. Aber was sind +wirkliche+ Leiden?! Sind nicht +alle+ leidensvollen Leiden +wirkliche+?! Selbst wenn der +Gerichtshof der Nebenmenschen+ sie nicht als solche +anerkennt+?! Einmal sagte mir jemand: „Mein Herr, es ist ein wenig langwierig, auf die endliche Anerkennung seiner unheilbaren Krankheit von Seiten seiner Freunde zu warten!“
KRIEGSZEITEN
Hi hi hi, ich traf eine sehr reiche Dame, die zu mir sagte: „Ich bin jetzt sehr beschäftigt in einem Säuglingsspitale. Säuglinge sind schon eine ziemlich peinliche Sorge für Mütter. Aber für Fremde?! Nicht?! Was ist Ihre Meinung?!“
Ich erwiderte, ich wüßte ihr einen guten Ausweg. „Verkaufen Sie Ihre fünf großen berühmten modernen Gemälde, die für das Glück der Menschen +keinerlei Bedeutung+ haben, und stellen Sie mit dem Erlös zehntausend +gelernte+ Säuglingspflegerinnen durch ein Jahr an, um +Sie zu ersetzen+!“
„Sie Anarchist!“ sagte sie.
„Ja, ich wünsche, daß die +Lüge+ ermordet werde!“
KRIEGSLIED EINER FÜNFZEHNJÄHRIGEN
Er stand monatelang jedesmal an der Ecke der Straße, wo ich vorübergehen mußte, halb elf vormittags. Dann schrieb er, er könne, er wolle ohne mich nicht mehr leben. Es schmeichelte mir riesig, aber ich dachte: Wie komme denn ich gerade dazu, sein Leben ihm zu erhalten?! Gestern ging ich zufällig beim Kriegsministerium vorüber, und las die Liste der Gefallenen. Er war darunter. Ich dachte: Vielleicht ist er mit meinem Namen auf den Lippen gestorben. Da bin +ich also doch dazugekommen+, ihm bei seinen Lebzeiten zu helfen!
KONDOLENZEN
Der, von dem du es sowieso +genau+ weißt, +fühlst+, daß er +Mitgefühl+ mit deinem +Verluste+ habe, +der+ braucht es dir nicht erst mitzuteilen! Und dem anderen glaubst du es +ja hoffentlich doch nicht+! +Schiwe-sitzen+ ist eine schreckliche, infame, feige Verlogenheit! Das heißt nämlich, in äußerem Leid bei einem +ostentativ+ hocken, der einen +unersetzlichen+ Verlust erlitten hat! Soll man ihm sagen: „Wir alle müssen einmal dahingehen!“? Oder: „Du hast die Pflicht zu leben und es zu überwinden?!“ Lauter dumme Gemeinheiten. Die einzigen angenehmen Schiwesitzer sind die Erbschleicher. Da weiß man doch wenigstens genau, worüber sie -- -- -- sich freuen! Eine Dame in Trauer sagte zu mir: „Ein Freund unseres Hauses ist mir heute auf der Straße scheu ausgewichen! Ich weiß, er wollte es nicht, daß ich sein bleiches verstörtes Antlitz sehe!“
FRIEDE
Die sogenannten „Friedensapostel“ vor 1914 waren altjüngferliche Organisationen mit +Krokodilstränen+ und +blechernen Phrasen+. Wirklicher Friedensfreund kann nur das +vorausschauende Genie+ sein, das auf unerhört geschickt-diplomatische Weise es unternimmt, geschäftsgierigen Staaten die Brocken hinzuwerfen, von denen sie ihre Gier stillen, um dadurch tieferes Unglück zu verhüten! Der Boa Constrictor spende man ihr Kaninchen, dem Tiger sein Kalb; aber was, o Mensch, spendest du dem Nashorn, das +ohne Appetit+ dich in bloßer Bosheit anrennt?! +Dem+ die Explosivkugel!
Aber Friedensapostel werden nichts erreichen!
O ja, die 100000-Kronen-Preise!
VERFOLGUNGSWAHN
Ein junger Offizier ließ sich, in +privater+ Angelegenheit, ein Jahr vor einem Kriege beim General melden: „Exzellenz, ich lebe in einer +krankhaften+ Unruhe. Böse Schreckgespenster verfolgen mich bei Tag und Nacht, was wohl für +heimtückische Fallen+ eine feindliche Macht einem stellen könnte! Z. B. erwache ich heute aus dem Traum, und es fällt mir ein, daß Kinoaufnahmen in unseren Gegenden, unter dem Deckmantel von Schauerromanen, von feindlichen Offizieren ausgeführt werden könnten, um das Terrain ganz genau photographisch nach Haus zu bringen!“
„Mein lieber netter junger Freund, Sie haben infolge von Schularbeit +überreizte+ Nerven! Eine leichte Wasserkur dürfte für Sie sehr angezeigt sein! Da könnte man ja überhaupt nicht mehr existieren, mit Halluzinationen! Immerhin ganz nett, daß Sie sich Sorgen machen!“
Ein Jahr später waren die Schreckgespenster des jungen Offiziers Fleisch und Bein geworden!
Da sagte der General zu ihm: „Ich glaube von nun an wirklich an die +Gespenster der Realität+!“
Später erzählte man ihm, seiner jungen schönen Frau werde von Herrn W. in gefährlicher Art der Hof gemacht -- -- --.
„+I wo+?!“ sagte er und lächelte.
ÜBER MODE
Ich schlage nochmals in diesen schwierigen Zeiten den Armen und Enterbten, den Mädchen unter ihnen, die „+venezianische Volkstracht+“ vor. Sie ist das Kleidsamste, Vornehmste, Billigste, schaltet +Neid+, +Eifersucht+, +Konkurrenz+ mit den Bemittelteren vollkommen aus! +Kein+ Hut, schwarzer Wollschal mit Fransen, schwarzer fußfreier Glockenrock, schwarze Strümpfe, schwarze Halbschuhe. Kein venezianisches Mädchen läßt sich mit einem Reichen ein, um eine aparte seidene Bluse, einen besonderen Hut, schöne Seidenstrümpfe und teure Schuhe zu bekommen! Sie +könnte+ es nicht einmal tragen, wenn sie es +besäße+, denn sie wäre schon +äußerlich+ gebrandmarkt und +verfemt+! Eine +Verkaufte+!
Kein venezianisches Volksmädchen sehnt sich nach Geld oder Luxus, denn siehe, sie +braucht+ es nicht! Ihren lieblichen Schal hat sie, und Polenta und Pomo d’oro. Daher hat sie ihre stolz-freie, würdevolle, anmutig-gelassene Art dahinzuschreiten, in dem Bewußtsein, es könne ihr vom Satan, der doch in eines jeden Brust +lauert+, nichts passieren! Mode ist das +Vergängliche+. Wir aber wollen endlich +Bleibendes+, +Definitives+, +Naturgemäßes+! Mögen die Reichen sich für und für das Grab der +Unzufriedenheit und der Unrast+ graben durch ihre überflüssigen Dinge +jeglicher+ Art!
Das Reich der Armen +ersetze+ alles durch den Luxus +ostentativer+ und +fast übertriebener+ Einfachheit und Natürlichkeit! Man lehrt die Knaben und die Mädchen in den Schulen die für sie +völlig unverständliche+ und +daher+ wertlose Geschichte vom Diogenes in seiner Tonne, der vom Beherrscher der Welt nichts für sich erbat als: „Geh mir, Alexander, ein bißchen aus der Sonne!“ Schulen für Erwachsene, +Irregeleitete und Dummköpfe+, wären wichtiger! Der +richtig+ verwendete Gulden ist gleich zehn Gulden! Der +unrichtig+ verwendete ist „falsches Geld“, strafbar!
Wann, wann soll der Denker, der Menschenfreund, der Überschauer, der Durchdringer, die Gelegenheit benützen zu nützen, wenn nicht in Zeiten, da durch bittere Erlebnisse von Haß, Neid, Mißgunst, Perfidie, Lüge, Bosheit, falscher Machtgier, alle es doch eher begreifen, daß die Tugenden +eigentlich+ Vorteile und Gewinn schließlich sind und sich in sich belohnen und verzinsen durch ihre Vermeidung +künftiger unausbleiblicher+ Katastrophen!?!
Jeder kultivierte, das heißt eigentlich schon halb irrsinnige Mensch hat einen +Schigán+, eine fixe Idee, von der er nicht +abkommen+ kann, die ihn +beherrscht+ und sogar +martert+. Es handelt sich jetzt darum, ob dieser Schigán, diese partielle Gehirnerkrankung, den +anderen+ nützt oder +schadet+! Das Auerlicht à tout prix erfinden wollen hat allen +genützt+. Die schönste Briefmarkensammlung der Erde, die schönste Uniformsammlung zusammenzugeizen, nützt +niemandem+! Und +schadet+ dem Betreffenden in seiner intellektuellen und seelischen Entwicklung!
Man wird ein Monomane, ein Trottel!
+Mein+ Schigán, meine partielle Gehirnerkrankung, ist jetzt: Die +einfache Volkstracht+, die Neid, Gefallsucht, Eifersucht, Leichtsinn +unterbindet+, ja +unmöglich+ macht! Nur „fixe Ideen“ haben die Welt momentan und ruckweise vorwärtsgebracht. Es handelt sich nur +darum+, ob sie +richtig+ oder +falsch+ sind! Meine ist zufällig +richtig+! Und jetzt noch einen kleinen Exkurs ins sogenannte Allgemeine:
Der Deutsche und der Österreicher haben eine +wichtigste+ Sache vor den anderen +voraus+: Sie +schauen+, was bei den anderen +gut+ oder +schlecht+ ist! Daher können sie +ewig lernen+ und intellektuell vorwärtskommen, das heißt also, richtig und korrekt +profitieren+ von +anderen+! Die anderen sind +eingesperrt+ in Vorurteil, Eigenliebe, Größenwahn, ein schreckliches sibirisches Gefängnis des Geistes und der Erkenntniskraft! „Mein Herr!“ sagte einmal jemand zu mir, „Sie scheinen mir zwar ziemlich verrückt und exzentrisch, aber +das+, was an Ihnen +gut+ ist, kann ich dennoch profitieren! Sehen Sie, deshalb verkehre ich +trotz allem+ noch immer mit Ihnen!“
ALMOSEN
Das Leben ist ziemlich kurz im ganzen. Und das, was sich einer unentrinnbar +ersehnt+ von einer -- -- -- weshalb +verweigert+ sie es ihm?!? Ich gebe zu, sie habe kein besonderes +Vergnügen+ davon -- -- -- aber man hat auch kein besonderes Vergnügen davon, einem frierenden Bettlerkinde Geld zu schenken! Man muß in die Tasche greifen, das Portemonnaie öffnen und etwas suchen, was noch keine Krone ist, sondern höchstens zwanzig Heller! Und +dennoch+ tut man es hie und da. Aus Schamgefühl +vor sich selbst+!
Aber die Frauen, die wir +liebhaben+, haben eben +kein+ Schamgefühl!
SPLITTER
Aus Mangel an Gesprächsstoff begeht man die gemeinsten Taktlosigkeiten und Indiskretionen.
*
Es gibt Männer, die eine so blöd perfide Idee von „Freiheit“ haben, daß sie eine Frau direkt auf „Hur“ studieren lassen!
*
Eine Frau ist immer +zu alt+, und nie nie +zu jung+! Das Gesetz schreibt uns vor: von vierzehn an! Aber das Gesetz ist nicht von +Künstlern+ entworfen. +Unser+ Geschmack sagt: In +jedem+ Alter, wenn du nur sehr +schön+ bist! Freilich heißt es da wie in der Bibel: „Er hatte ein +Auge+ auf sie geworfen!“ Aber wirklich nur das +Auge+, dieses +ideale+ Lustorgan!
*
„Peterl, wir freun uns schon so, was Sie über den ‚Lido‘ wieder Nettes z’sammschreib’n werden, in Ihrer Fasson!?“
„Ich werde schreiben, daß ich zuwenig schöne Füß und zu viele ‚Büsen‘ gesehen habe!“
*
Wenn man +nur das+ sagen würde, was zu +sagen ist+, würde man wortlos hie und da eine Hand, ein Knie zärtlichst berühren!
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Es gibt wenig Frauen, denen man einen schlechten Busen verzeiht! Aber solche, denen man +sogar das+ noch verzeiht, die hat man auch +wirklich+ lieb! Infolgedessen verzeiht man +keiner+ einen schlechten Busen! Es gibt Menschen, die +genügsam+ sind, aber das sind keine +Menschen+! Das sind: +Genügsame+!
ROMANTIK DER NAMEN! U 9
Die drei englischen Panzerkreuzer „Aboukir“, „Hogue“, „Crecy“ werden nordwestlich von Hoek van Holland von „U 9“ vernichtet, sechs Uhr morgens.
Die Besatzung des deutschen Unterseebootes „U 9“:
Kapitänleutnant Otto +Weddigen+, Kommandant. Oberleutnant zur See +Spieß+. Marineingenieur +Schön+. Obersteuermann +Träbert+. Obermaschinist +Heinemann+. Bootsmannmaate: +Hoer+ und +Schoppe+. Matrosen: +Geist+, +Rosenmann+, +Hempter+, +Schulz+. Obermaschinistenmaate: +Marlow+, +Stellmacher+, +Hinrich+. Maschinistenmaate: +März+, +Reichhardt+. Obermaschinistenanwärter: +Wollenberg+, +v. Koslowski+. Oberheizer: +Eisenblätter+, +Schückhe+. Heizer: +Karbe+, +Schober+, +Lies+, +Köster+, +Vollstellt+ und +Sievers+. Ein neues Wort in der +Geschichte+: Termopylae, Waterloo, Sedan, U 9!
EIN SCHICKSAL
„Habe also alles, alles getan, was Ihre Edelromantik, Ihre scheinbar schwärmerische Seele von mir +verlangte+, erwünschte, erhoffte, ersehnte! Max!
Der Lohn ist Ihr letzter kurzer kalter Absagebrief, Ihr frecher Diebstahl an meinem reichen Herzen!
Erinnere mich dabei nur an die Anekdote von dem Reiter und dem Bettler. Ein Reiter ritt frohgemut durch die Wüste. Da bat ihn ein Bettler um Hilfe. ‚In der Wüste des Lebens eine +menschliche+ Betätigung!‘, dachte der Reiter, stieg ab, um zu helfen. Da schwang sich der Bettler aufs Pferd, galoppierte davon. Der Reiter rief ihm nach: ‚Das Pferd ist +dein+! Aber sollte +je wieder+ ein Bettler Hilfe erflehen, ich lasse ihn verdursten, verkommen!‘
Da wandte der Dieb das Pferd um und brachte es zurück!
Ihre
C. B.“
DIE LIEBE
Mitzi Th. gewidmet
Weißt du, was lieben ist?!? Wenn man vor innerer Zärtlichkeit vergeht -- --; wenn man ein Späher, Lauscher wird nach dem, was sie sich flüchtig, launisch nur, ersehnt im Übermute ihrer Kindlichkeiten -- -- --; wenn man sie krank wünscht, um die Sorgfalt der Minute zu verhundertfachen -- -- --; wenn man den Atem eintrinkt, der bei ihrem Sprechen unwillkürlich dich berührt -- -- --; wenn man bereit ist, stets zu weinen, wie ein gekränktes Kindchen, wegen nichts -- -- --; ein Herzgefäß, das überquillt von süßen Leiden; die Zärtlichkeit tropft aus, tropft über -- -- --; wenn der Geruch von ihrem Wäschekasten dich belebt, wie andre noch nicht einmal Semmering-Wälder -- -- -- und wenn du ihr gebrauchtes feuchtes Handtuch inbrünstig an die Lippen drückst -- -- --; wenn du die Haarnadel aus ihrem Haar sorgfältigst aufbewahrst und deren Duft verspürst, der nicht mehr ist -- -- --; wenn dich ihr Blick erschüttert wie Musik -- -- --; wenn du dich als Selbstlosen, los vom Selbst, jetzt erst ganz lebendig fühlst -- -- -- Dann liebst du! Früher nicht! Sei sparsam mit dem Wort „Ich liebe dich“, und achte es, wie nichts auf Erden!
SPLITTER
Als ich einmal über die Verpflichtung angebeteter Frauen, schöne Füße und wohlgepflegte Fußzehen zu haben, perorierte, unterbrach mich ein Herr: „Mein lieber Freund, in der Nacht sind alle Katzen grau!“
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Mysteriös, angenehm-schrecklich ist der Augenblick, wo die Verzweiflung, die Spannung plötzlich +aufhört+, eine geliebte Hand +nicht+ berühren zu dürfen!
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Ich hatte eine riesig gescheite tiefe Freundin, die in +meiner+ Gesellschaft +nie+ sprechen durfte, wollte, konnte! Später heiratete sie und führte das große Wort und wurde akklamiert. Dann schrieb sie mir: „Wo sind aber die heiligen Zeiten, da ich noch +schweigend+, in mich versunken, von Dir dennoch +innerlich+ akklamiert wurde!?!“
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Ich hatte in meiner Kindheit eine Menge Lieblingsmärchen, die mich anzogen und anzogen, bannten, tief ergriffen: Die Sieben-Eichen-Wiese beim Talhof in Reichenau, die Buchenwildnis, die Königskerzenwiese, die Apollofalterwiese, der Ahornhain, die Brombeerstaudenwirrnis, die Bodenwiese, das Höllental, der Kaiserbrunnen, das Naßfeld -- -- --. Aber die Märchen aus den Büchern waren mir +viel zu wenig märchenhaft+!
*